Donnerstag, 22. September 2022

Hüte, Hüte, Hüte

Dieser Post ist von zwei Dingen inspiriert.
Das eine ist ein Blogpost über die Hüte meiner Freundin Michelle von My Bijou Life. An der Linkparty konnte ich nicht teilnehmen, weil ich keine Selfies mache, aber ich dachte mir, ich könnte doch trotzdem über meine sehr kleine Hutsammlung bloggen.
Das andere ist, daß diese Anstifterin mich mit ihrem Post dazu brachte, einen neuen Hut zu kaufen ;-)
Ich habe ihn für ein neues Projekt besorgt, weiß aber noch nicht, wann ich anfange, daran zu arbeiten - tatsächlich habe ich im Moment ein Problem damit, zu entscheiden, was ich als nächstes machen will, weil einiges auf der Liste steht.

Zurück zu meiner Sammlung.
Obwohl ich nur Hüte trage, wenn es regnet, liebe ich vor allem Vintage-Hüte. Ich liebe Netze, ich liebe Pailletten, ich liebe Samt und Filz.
Leider kooperieren meine langen Haare nicht so recht mit den meisten Hüten, die ich habe, weil sie sich hinten am Kragen verfangen, damit die Hüte hoch- und mir in die Augen schiebt, was sich dann wiederum nicht mit meiner Brille verträgt. Wahrscheinlich müßte ich versuchen, mir im Nacken einen Dutt zu machen, aber das Beste, was ich hinbekomme, ist ein krummer Zopf.
Das größere Problem ist jedoch, daß ich eine T-Shirt-, Jeans- und Turnschuhfrau bin, zum Teil weil es das einfachste Outfit für mich ist, in dem ich mich auch am meisten wohlfühle, zum Teil, weil süße Schuhe für mich nicht in Frage kommen, weil ich einfach nicht mehr darin laufen kann. T-Shirt und Jeans passen nicht sehr gut zu eleganten Vintage-Hüten, was eine absolute Schande ist.

Die meisten meiner Hüte habe ich bei Besuchen in Trödel- und Antiquitätenläden in den USA gekauft. Meine Schwester war bei dieser Reise dabei und sie liebt Vintage-Hüte genauso wie ich. Wir hatten soviel Spaß, denn auf den Flohmärkten oder in den Läden in Deutschland, die wir besuchten, gab es nicht gerade viele Hüte, also war das recht neu für uns.

Jetzt aber zu den Hüten!
Wie ihr sehen könnt, bevorzuge ich hauptsächlich dunkle Farben.






Was ich aber am meisten liebe, sind Melonen (die von Briten Bowler, in den USA Derby genannt werden). Wer weiß, vielleicht hat es damit zu tun, daß ich schon als Mädchen ein Fan von Emma Peel and John Steed war?
Mit einer Melone fing auch alles an, auf einem riesigen Flohmarkt in der Bay Area, zu dem uns unsere Freundin brachte. Es war Liebe auf den ersten Blick.



Dann kaufte ich in einem Antiquitätenladen in Santa Rosa diese Damenmelone. Ich erinnere mich nicht an den Namen des Ladens, aber ich weiß noch, daß auf dem kleinen Fernseher dort "Ein Goldfisch an der Leine" lief. Ist es nicht komisch, welche Dinge einem im Gedächtnis bleiben?


Kommen wir mit den zwei Mützen zum Ende, die ich tatsächlich trage.
Da ist einmal meine geliebte Harris Tweed Baker Boy Kappe. Sie ist eines meiner bunteren Stücke, und inzwischen wünsche ich mir, ich hätte mehr als eine genommen, als sie noch verschiedene Größen hatten anstatt einer einzigen Größe mit Elastikband.
Ihre beste Eigenschaft ist, daß sie einfach perfekt paßt, wenn ich alle Haare darunterstecke.


Die zweite erinnert ein wenig an eine Cloche-Form. Ich habe sie selber aus ein paar Knäueln "Wash+Filz-it" gehäkelt, die ich als Sonderangebot in einem Ständer vor einem Laden fand. Filzen in der Waschmaschine war eine völlig neue Erfahrung für mich, daher schätzte ich mich glücklich, die Größe genau hinzubekommen - ihr habt es wahrscheinlich schon erraten, mit all meinen Haaren daruntergesteckt.
Tatsächlich ist sie so perfekt, daß ich mich sogar stur weigerte, sie meiner Mutter zu schenken, als sie sie bewunderte. Ich bin gewöhnlich großzügig mit so etwas, aber nicht nur hatte ich keine Wolle mehr, sondern ich war auch ganz sicher, daß keine Chance bestand, solch ein Wunder noch einmal hinzubekommen!


Und noch ein PS. Ich habe den Hut vergessen, den die Katze an der Treppe trägt!

Montag, 19. September 2022

Der Herbst ist da

Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit, aber dieses Jahr schien es, als ob, anstatt einen sanften Übergang zu planen, Sommer seine Aktentasche um 17 Uhr packte und nach Hause ging und Herbst am Morgen danach zur Arbeit kam, lachte und erstmal den Thermostat runterdrehte.
Anders als in früheren Jahren nehme ich das mit einem Körnchen Salz. Angesichts der derzeitigen Energiesituation überlege ich, ob ich die Heizung anschalten sollte oder überhaupt kann? Muß ich schon wieder nach der perfekten Strickjacke suchen (ich habe sehr spezifische Anforderungen und habe nur einziges Mal eine gefunden, die ich verschenkt habe, was ich bis heute bereue)? Werde ich Herbst und Winter im Bett verbringen und mich mit Gundel und dem Dekan zudecken müssen, und wie bekomme ich sie dazu, auch dort zu bleiben?

Ich beschloß, mich erstmal in eine Decke zu kuscheln und auf etwas anderes zu konzentrieren - Herbstfarben.
Sei der Dekan in dieses Haus eingezogen ist, habe ich meinen Webrahmen nicht mehr herausgeholt und Delicas nur für Peyotefassungen benutzt, aber jetzt machte ich mich über meinen Vorrat her und bereitete eine Mischung aus Bernstein mit Silbereinzug, transparentem Bernstein mit AB-Finish, ein bißchen Ringelblume mit Silbereinzug und zwei Rottönen, um daraus ein Paar Herbstblätter macht. Wer liebt Herbstblätter nicht?
Ich habe sie in Ziegelsteinstich gearbeitet und dachte daran, ein paar Perlen aus meinem Mookaitvorrat dazuzunehmen, dann aber erinnerte ich mich - wieder einmal - daran, wie ich für ein Schulprojekt auf einem Spaziergang mit meiner Oma Blätter sammelte und wie sich manche von diesen Blättern an den Seiten aufrollten.
Nachdem ich ein paar Variationen ausprobiert hatte, entschied mich schließlich für diese und krönte sie mit ein paar dunkelroten feuerpolierten Kristallen.

Mein zweites Paar Herbstohrringe ist aus derselben Perlenmischung, diesmal war ich jedoch entschlossen, Mookait zu verwenden, der die perfekten Farben dafür hat.
Zuerst wollte ich für jeden Ohrring nur ein Peyoteröhrchen machen, aber wie ihr sehen könnt, konnte ich nicht aufhören! Kupfer paßt wundervoll zu dieser Farbkombination, oxidiert oder nicht, also nahm ich Kupferdrähte, um die Röhrchen und Perlen zusammenzuhalten und an meine selbstgemachten Kupferkomponenten und -ohrhaken zu hängen.
Dieses Paar hat wirklich Spaß gemacht und ich kann es mir auch gut in vielen anderen Farbkombinationen vorstellen!


Ein bißchen Spaß zum Schluß. Bei Jahreszeitenwechsel muß ich immer an Monty Pythons Heiligen Gral denken ;-)

Mittwoch, 14. September 2022

Nostalgie - Ruscha-Teller "Paris"

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche" machte, hatte ich ein paar davon "Ich bin eine Sammlerin" genannt und darin Vintagestücke gezeigt. Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen größtenteils nicht mehr gewachsen, aus verschiedenen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch einzelne Vintagestücke, die zu keiner bestimmten Sammlung gehören, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere. Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

Vor Jahren war unsere Wohnung wie ein seltsames kleines Museum, das in verschiedene Jahrzehnte aufgeteilt war.
Eins davon waren die 50er. An einer Wand hatten wir die Ruscha-Sammlung meines Ex. Wenn man nur an die Anzahl von dekorativen Tellern denkt, die Ruscha hergestellt hat - all die Vasen oder Skulpturen gar nicht mitgezählt - hätte sie viel größer sein können.
Das einzige, was ich davon behalten wollte, war ein Tellerchen mit einer Katze, was sonst? Es residiert nun in einem meiner Bücherschränke, Kategorie Katzenbücher.
Aber halt mal, wer oder was ist Ruscha?

Ruscha war eine Keramikfabrik, die 1905 als
Rheinbacher Tonwaren Ruscha-Keramik GmbH & Co. KG gegründet wurde.
Der Name Ruscha ist eine Kombination der ersten Buchstaben im Namen des Gründers, Rudolph Schardt. Die Firma existierte bis 1996, als sie von der Firma Scheurich übernommen wurde, die auch den Namen und die Designs kaufte. Eine Weile lang stellten sie die Ruscha-Designs noch unter dem Namen "Ruscha Art" her, 2006 wurde der Name endgültig gelöscht.

Die dekorativen Wandteller gab es in allen Formen, Größen und Designs. Manche waren teilweise glasiert, ich erinnere mich, da wir eine völlig unglasierte kleine Vase in der Art der Teller hatten, das Muster war ein kleines Reh, das aussah, als wäre es einfach in die Vase gekratzt worden.
Manche Muster waren wirklich beliebt wie die Kraniche, aber es gab auch Menschen, Masken, Blumen und andere Tiere wie Pinguine, Fische, Rehe ... und Katzen. Ich kann mir nicht mal vorstellen, wieviele Wände man bräuchte, um sie alle zu sammeln.

Nächste Frage - warum wird dieses Design "Paris" genannt, wenn doch nur ein Katze darauf ist?
Die "Paris"-Designs konnten sehr unterschiedlich aussehen. Da konnten Häuser im Hintergrund oder ein Baum und sie sahen nie gleich aus, aber es gab immer eine Straßenlampe und gewöhnlich eine junge Dame, die ein gestreiftes Top, Caprihosen und sehr hochhackige Schuhe trug, die mich an die so begehrten vintage Spikes für Barbie erinnern. Manchmal hatte sie Gesellschaft, ich habe einen Teller gesehen, auf dem die junge Dame andere Kleider trug und mit einem jungen Mann mit Baskenmütze sprach, und die umgefallene Mülltonne neben der Straßenlampe gab dem ganzen einen sehr realistischen Look. Oft war eine weiß glasierte Katze mit Tigerstreifen dabei.
Ich schätze, mein Tellerchen hatte nicht genug Raum, um auch noch die junge Dame draufzupacken, also sind es hier nur die Lampe, die Sterne und die Katze.



Diese Teller sind handgemacht, was bedeutet, daß sie nie ganz gleich aussehen. Wie ihr seht, sieht meine Katze aus, als würde sie auf ihrem Gang durch Paris gleich einschlafen, weil die Augen so tief gesetzt sind.
Es gibt auch unterschiedliche Haltungen und ich habe sogar mal eine Katze gesehen, deren Schwanz mehr getupft als gestreift aussah.

Auch die Rückseite eines Tellers sieht nicht immer gleich aus. Ich kenne Teller mit oder ohne Markierung, geprägt oder geschrieben, auf Deutsch, aber auch Englisch (für den Auslandsmarkt, denke ich), mit der Musternummer oder ohne.
Auf diesem hier steht sorgfältig geschrieben "Ruscha Handarbeit". Ich würde ihn auf die 50er datieren, einfach weil mich manche der Buchstaben noch an Sütterlin erinnern, wie das kleine "r" in "Handarbeit".
Man kann es hier nicht so recht sehen, aber die Nummer oben heißt 712, was für das Design "Paris" steht.
Ich konnte nicht herausfinden, was die untere Markierung bedeutet, weil ich sie leider nicht einmal eindeutig lesen kann.

Ich hoffe, ihr hattet ein bißchen Spaß bei unserer Stippvisite in den 50ern!

Dienstag, 13. September 2022

Rosen

Wenn ich Perlen bestelle, werfe ich manchmal spontan etwas in den Warenkorb, nicht mal weil ich denke, es ist superschön oder weil ich dabei sofort eine Idee hatte, obwohl das natürlich auch vorkommt.
Tatsächlich soll es eine Herausforderung für mich selber sein, und da ich nie weiß, ob ich ihr auch gewachsen sein werde, sind es oft Sonderangebote oder kleine Tütchen.
Vor einiger Zeit habe ich meinem Warenkorb vier rote Kunstharzrosen hinzugefügt. Vier hörte sich klein genug an, damit ich umgehen konnte.

Was ich nicht so an der Perlenstickerei mag ist es, einfach nur einen Cabochon aufzukleben, ohne daß er eine extra Fassung bekommt, um ihn sicher festzuhalten. Die Schuld dafür könnt ihr meiner komplizierten Beziehung zu Klebstoff geben. Wenn ich eine Perle benutze, nähe ich gerne durch das Perlenloch und fühle mich damit gleich besser.
Für die Rosen kamen Fassungen klar nicht in Frage und Löcher gab es auch keine, also muß ich einfach darauf vertrauen, daß der Klebstoff hier so gut klebt wie an meinen Händen.

Bei rot denke ich immer gleich an schwarz, und schwarz und rot zusammen haben für mich immer mit Vampiren und gothic Vibes zu tun, also war es nicht überraschend, daß ich zu den Rosen schwarze Rocailles und mattschwarze feuerpolierte Kristalle wählte.
Ich habe eine Weile herumprobiert, am Ende gefiel mir aber der flache Hintergrund am besten. Ich konnte nicht widerstehen, auch Totenköpfe dazuzunehmen. Ich habe statt der schwarzen, die ich habe, die grauen genommen, weil sie etwas mehr funkeln.
Voilà, meine "Gothic Rosen"!


Ein paar Tage später dachte ich daran, direkt noch ein Paar zu machen, nicht dunkel diesmal, sondern hell und funkelnd. Ich hätte gern genau das gleiche Design gemacht, aber die einzig anderen feuerpolierten Kristalle, die ich hatte, waren lila/blau, was definitiv nicht zu rot paßte.
Stattdessen fand ich ein paar Kristallrondelle, die ich wegen ihres Glitzerns in der Bastelabteilung unserer örtliche Drogerie gekauft hatte - Elsternalarm! ;-) Sie lagen jahreland in meiner Schublade, jetzt aber war ihre Zeit gekommen.
Zum Glück habe ich auch noch ein paar von den Totenköpfen in klar mit AB-Finish und passen sie nicht einfach perfekt zu meinen "Eisrosen"?


Wenn ihr das Funkeln noch besser sehen möchtet, könnt ihr das auf meinem winzigen YouTube-Kanal tun, den ich nur deshalb habe, weil ich scheinbar unfähig bin, die Videos von meiner alten Kamera so zu konvertieren, daß nicht nur das Rauschen der Kamera auf meinem Instagram hochgeladen wird.
Ich bin ja manchmal sooo ein Technikfreak ;-)

Sonntag, 11. September 2022

Bat Cat

Ich habe euch diese geflügelte Kreatur schon einmal gezeigt, mein absoluter Favorit unter den Bildern meiner Freundin Heather. Ich denke dabei an Ponder und ich liebe es so sehr.


Es hat auch die verschiedenen geflügelten Katzen inspiriert, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Sie hatten Drahtflügel in Kupfer oder Silber, aber nachdem ich das Perlensticken und Pailletten für mich entdeckt hatte, was im Moment leichter für meine Hände ist als Draht, habe ich mich darin verliebt, Flügel in dieser Technik zu machen. Ich schätze, es war nur eine Frage der Zeit, bis eine Katze mit den Flügeln einer Fledermaus auftauchen mußte.

Diese schwarze Katzenperle kam mit einem Problem zu mir. Der Schwanz, der sich auf der Vorderseite nach oben ringelte, fehlte, es sah aus, als wäre er einfach abgeplatzt. Ich konnte es nicht über mich bringen, sie wegzuwerfen, hatte lang aber auch keine Idee dafür.
Nachdem ich aber die Dämonenwächter, Totenkopfohrringe mit Fledermausflügeln gemacht hatte, schaute ich mir meine schwarzen Katzen an und dachte, das wäre perfekt für sie, ich würde es aber erstmal mit der angeknacksten Perle ausprobieren.

Als ich sie auf den Untergrund klebte, bemerkte ich eine feine Linie über den Hals, am oberen Rand des horizontalen Lochs. Oh-oh. War es das, was ich dachte? Jepp, nur ein kleines Ziehen und der Kopf brach ab. Trotzdem war ich immer noch nicht bereit, sie wegzuwerfen.
Ich klebte sie gründlich und füllte sogar das Perlenloch, das ich nicht wirklich brauchte, mit Kleber. Dann machte ich dem Kater (keine Ahnung, warum ich denke, daß es ein Kater ist) einen "pelzigen" kleinen Fledermauskörper, um den fehlenden Schwanz zu verstecken, und nähte, um ihn noch sicherer auf dem Untergrund zu befestigen, durch den gehärteten Kleber im Perlenloch.

Als nächstes waren die Flügel dran.
Ich wählte glänzendschwarz und schwarz mit AB-Finish für die Pailletten. Ich mußte die Flügel kleiner machen, als ich es normal getan hätte, weil ich nicht genug Untergrund auf der einen Seite hatte, ein mir nur zu vertrauter Fehler, aber eine Herausforderung ist ja auch ganz nett ;-)
Zuletzt kamen noch ein paar mattschwarze Glasschliffperlen - die ich auch dazu benutzt hatte, die Perlenlöcher abzudecken -
an den Schlaufen für die Kette und an dem baumelnden schwarzen Kristalltropfen dazu
Was ich für eine Kette benutzen werden, habe ich noch nicht entschieden.

Hier ist er nun, Mister
Cat Bat.
Ich finde, das war eine ganz gute Rettung. Natürlich wird er nicht in den Verkauf gehen, aber ich werde ihn gern selber tragen.



Von ihm inspiriert habe ich dann noch eine Vampirkatzenkette gemacht (mit größeren Flügeln ;-)).
Sagt hallo zu Count Catula, der bald über das Meer fliegen wird.

Samstag, 27. August 2022

Der Dekan und die neue Fotobox


Es ist nicht das erste Mal, daß ich über meine Fotostation blogge. Letztes Mal war es für einen Blog Carnival der Jewelry Artisans Community. Ich erzählte von Katzenhaaren, meiner alten Kamera und mehr. Das war 2020.
Vor einem Jahr hatte sich die Lage verändert, als der Dekan das Lichtzelt entdeckte. Seither war er nicht imstande, dort rauszu-bleiben. Wir hatten ein paar epische Kämpfe, während derer ich vesuchte, ihn aus dem Zelt zu entfernen, und er versuchte, sich an allem um ihn herum mit den Krallen festzuhalten, meine Acrylplatte eingeschlossen.

Kürzlich beschloß ich, daß etwas getan werden mußte, nachdem der Dekan das Lichtzelt noch ein paar Mal besucht hatte, wobei er versuchte, hinter die Pappe am hinteren Teil, den Stoff an der Seite und die Platte zu kommen. Er wäre beinahe mehr als einmal mit dem gesamten Teil abgestürzt.
Es war offensichtlich, daß ich eine Fotobox brauchte, die ich zumachen konnte. Ich schaute mich um und stellte fest, daß ich, damit die Box etwas stabiler als mein Lichtzelt war, meine Tageslichtlampen würde aufgeben müssen, stattdessen müßte ich mich mit Lichtleisten in der Box zufriedengegeben, was nervt, wenn man einen spiegelnden Hintergrund verwendet. Sie sahen alle ziemlich gleich aus, also suchte ich schließlich eine aus und stellte sie gestern abend auf.


Sie ist tragbar, darum halten die Kanten mit Klettband zusammen. Nur die Zeit wird zeigen, ob das Katzenangriffen standhalten wird. Die beiden Lichtleisten machen den Deckel etwas stabiler als das alte Zelt. Der Dekan war aber schon zweimal dort oben, und ich bin mir nicht sicher, ob sie dafür stark genug sein werden, also denke ich darüber nach, ob ich sie nach jeder Fotositzung abmache. Andererseits bin ich ich mir auch nicht so sicher, ob das Klettband allein seinem pelzigen Hintern standhalten wird!


Natürlich ist er nicht so wirklich glücklich darüber, daß ich ihm seine wunderbare Katzenhöhle weggenommen habe, aber ich werde sie ins andere Zimmer stellen, damit er darin spielen kann, bis es ihm zu langweilig wird, was, wie ich schätze, schnell passieren kann, wenn es nicht verboten ist.


Die Dinge, die wir für oder wegen unserer pelzigen Meister tun, was?
Nun muß ich lernen, mit dieser neuen Box und vor allem den Lichtern zu arbeiten, über die ich noch nicht wirklich glücklich bin, seufz.
Und der Dekan muß lernen, keinen Wutanfall zu bekommen, weil er nicht in die Box kann, angerannt zu kommen und eines meiner Bilder von der Wand zu hauen! Kleiner Punk.

Samstag, 20. August 2022

Dawn im Urlaub

Immer noch Sommer, immer noch heiß ... Dawn brauchte verzweifelt Urlaub. Anders als Jessica im letzten Jahr hat sie nicht nur einen Wochenendtrip geplant, also mußte das Packen genau durchdacht sein.


Als erstes entschloß sich Dawn zu etwas Drastischen (über das sogar ich kürzlich in einem schwachen Moment nachgedacht habe und das sagt einiges aus).
Sie brauchte einen Haarschnitt und anders als ich wollte sie nicht "soviel wie nötig, so wenig wie möglich". Einen Pixie wollte sie nicht, so mutig war sie dann doch nicht, aber es mußte schon ein gutes Stück ab. Da, ihr Kopf fühlte sich jetzt soviel leichter an und der Hut paßte auch besser!
Dawn liebt diesen Hut, weil sie ihn auf so viele Arten tragen kann. Die Krempe ist an einer Stelle hochgeklappt und verziert, die kann sie vorne tragen, wie sie es einmal in einer Hercule Poirot-Episode gesehen hat - auch wenn der dort gezeigte Sonnehut eine viel breitere Krempe gehabt hatte - nach hinten oder so, wie sie ihn letztendlich trug, an der Seite.


Bei Temperaturen, wie wir sie gerade haben, bestand Dawn auf einem Tanktop, am besten in einer frischen Farbe. Das limonengrüne wäre ja nicht grad meine persönliche Wahl gewesen, aber sie hatte recht, es paßte großartig zu den neuen schwarzen Leinenhosen und ihrem liebsten alten Ledergürtel.
Nun nur noch die weißen Turnschuhe mit den Gummisohlen und sie war bereit.
Als Schmuck wählte sie ein einfaches Armband.





Erst hatte sie ja mit leichtem Gepäck reisen wollen, nur mit einem kleinen Rucksack - ich konnte nicht anders, ich mußte darauf hinweisen, wie sehr er mich an ein grummeliges Gesicht erinnerte. Kommt schon, sagt nicht, daß ihr das nicht auch seht.


Dann aber holte sie doch noch Großvaters ramponierten alten Lederkoffer von der Bühne (für Nichtschwaben, das ist der Dachboden).
Man weiß nie, wann man Lust darauf hat, tanzen zu gehen, nicht wahr? Ihre Lieblingsminikleider wanderten in den Koffer, als ich sie aber fragte, ob sie dazu hochhackige Schuhe, Sandlen oder Ballerinas mitnehmen wollte, meinte sie, ihre Turnschuhe würden völlig ausreichen.


Ich bin sicher, sie hat alles, was sie braucht, und wenn nicht, kann sie immer noch einkaufen gehen.

Nun eine Extrainfo über Dawn, ich hoffe, sie hat nichts dagegen, daß ich euch das erzähle.
Es gibt Topperpuppen, die sichtbare Nippel und Nabel haben, zu diesen gehört auch sie. Ich habe völlig vergessen, sie zu fotografieren, bevor sie angezogen war, also werdet ihr mir das einfach glauben müssen.


So, Dawn ist auf ihre Reise gegangen, ich frage mich, ob sie mir ein Geschenk von dort mitbringt, wo auch immer sie hingefahren ist!
Immerhin hat sie mir schon diese Bilder von einer der örtlichen Skulpturen geschickt ... die mir seltsam vertraut erscheint ;-)

Für die, die sich für Perlenfädeltechniken interessieren:
- Das Tanktop und der Gürtel sind Peyote.
- Die Hosen, die Turnschuhe (außer den Sohlen) und der Rucksack sind Herringbone.  Der "Reißverschluß" läßt sich übrigens nicht öffnen, ich arbeite mit Perlen, ich bin keine Zauberin.
- Der Koffer ist Perlenstickerei auf weißem Grund und mit einem dunkelblauen Satinstoff gefüttert. Die inneren Riemen sind Wildlederimitat mit goldenen Biegeringen. Wie auch für den Rucksack habe ich zwei verschiedene Brauntöne verwendet, um den Eindruck von abgenutztem Leder zu verstärken. Die Ränder und der Mittelstreifen am Boden sind aus schmalem Metallband, daß ich etwas angefeilt habe, um ein ramponiertes Aussehen zu erreichen. Die Schnallen und Scharniere sind goldene Delicaperlen.

Dawn war ein Markenzeichen der Topper Company. Ich bin in keiner Weise mit Topper verbunden.

Donnerstag, 11. August 2022

Der Igel, der beinahe entkommen wäre

Gestern habe ich noch einen kleinen Igel gemacht (tatsächlich heute nochmal einen, einer davon wird ein Geschenk). Da mir der gunmetalfarbene Draht ausgegangen ist, den ich für das Stachelkleid benutzt hatte, aber noch eine große Spule braunen Draht von damals habe, als ich dachte, ich wolle einen Baum häkeln (es zeigte sich, daß ich das gar nicht wollte), wollte ich ihn für die Stacheln ausprobieren.

Kurz danach bekam ich überraschend Besuch und zeigte das Igelchen. Das war das letzte Mal, daß ich ihn sah. Wir sprechen hier über 3,2 cm, nichts, was man leicht sehen würde.
Ich suchte überall. Gewöhnlich ist meine Schreibtischschublade ein vorübergehender Stop für Stücke, damit ich sie nicht verliere, bevor die Beschreibung fertig ist, Bilder gemacht sind usw., aber nicht diesmal.
Obwohl es keinen Sinn ergab, grub ich bis ganz nach unten. Warum würde ich ihn nicht obendrauf legen, wenn ich als nächstes Bilder machen wollte?
Ich suchte auf Regalen weiter, in der Vitrine direkt neben mir, ich schaute sogar im Kühlschrank nach! Ich rief meine Besucherin an, um zu fragen, ob sie ihn vielleicht versehentlich mit nach Hause genommen hatte.

Natürlich wren meine Freunde überzeugt, denen ich etwas vorjammerte, daß die schuldige Partei selber ziemlich klein, pelzig, gestreift und sehr schnell war. Ich muß zugeben, daß ein Teil von mir dasselbe dachte. Der Dekan tut sich sehr schwer damit, seine diebischen Pfoten von Dingen zu lassen, die unbewacht herumliegen. Nur war der Igel gar nicht unbewacht und ich dachte, daß zwei Leute es wohl bemerkt hätten, wenn ein Kater ihnen etwas direkt unter den Nasen weggestohlen hätte. Er ist dabei nie zurückhaltend, mehr so "Juhuuu! Ich hab's und jetzt werde ich es wie verrückt durch die Gegend hauen und es dann da verstecken, wo du kriechen mußt, um es zurückzubekommen!"
Nein, ich war mir recht sicher, daß es meine eigene Dummheit gewesen war.

Diesen Morgen rief ich meine Besucherin an, um ihr zu erzählen, daß ich immer noch keinen Erfolg gehabt hatte. Wir sinnierten noch über ein paar weitere mögliche Stellen, als mein Blick auf das Gedeck fiel, das sie mir mitgebracht hatte (und wovon ihr irgendwann noch in einem Nostalgiepost hören werdet, sorry).
Vielleicht hatte ich den Igel ja in die Tasse getan, als ich das Gedeck in die andere Vitrine (nicht die, in der ich geschaut hatte) gestellt hatte??
Nein. Nicht in die Tasse, nicht auf die Untertasse, nicht auf den Teller .... aber er saß fröhlich genau daneben!
Ihr habt keine Ahnung, wie erleichtert ich war. Ich hätte ihn dort vielleicht in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten gefunden, aber so war es viel besser für meinen Geisteszustand!

Und hier sind nun beide zusammen. Geht es nur mir so oder gucken sie irgendwie süffisant drein?
Der Dekan wurde übrigens dafür entschädigt, daß er verdächtigt wurde. Seine Gefühle waren sehr verletzt, er findet, er ist der unschuldigste Kater auf der ganzen Welt, vielleicht sogar in der gesamten Galaxie. Mann, Mann, Mann ...

Mittwoch, 3. August 2022

Punkte sehen - eine JAC-Challenge

Was ist euer erster Gedanke, wenn ihr "Punkte" hört? Meiner waren Lampworkperlen mit Punkten, aber als ich mir meine Vorräte anschaute, merkte ich, daß ich die meisten davon verbraucht htte, und ich hatte einfach (noch) keine Idee für eine einzelne einsame Lampworkperle.
Mein zweiter Gedanke aber für die Jewelry Artisans Community Juli/August-Challenge waren Paillettenpunkte auf Marienkäfer. Das würde ich hinbekommen, selbst wenn eine Perlenbestellung notwendig wurde, damit ich das Projekt abschließen konnte.

Marienkäfer sind schon mehrere Male in meiner Arbeit aufgetaucht, in Perlenwebarmbändern, Ohrringen, sogar als die eine Fimoskulptur, die ich wirklich mag.
Sie alle haben sieben Punkte, so wie der originale Coccinella septempunctata, der Europäische Marienkäfer, eine Spezies, die auch in den USA eingeführt wurde.
Habt ihr jemals Ansammlungen von Marienkäfern gesehen, zum Beispiel in eurem Haus oder an einer Außenwand? Das waren wahrscheinlich Asiatische Marienkäfer oder auch Harlekin-Marienkäfer. Sie wurden für die Kontrolle von Blattlaus-populationen in den USA eingeführt und kamen von dort auch nach Europa, haben sich aber als sehr invasive Spezies erwiesen. Es gibt sie in verschiedenen Farben und sie können eine unterschiedliche Anzahl von Punkten auf ihren Deckflügeln tragen.
Ich erinnere mich an zwei Gelegenheiten, zu denen ich solche Ansammlungen gesehen habe, einmal auf dem Badfenster eines Hotelzimmers, das geöffnet worden war. Zum Glück war die Tür zum Hotelzimmer selber geschlossen gewesen! Das andere Mal war auf einem Weg gleich außerhalb von Cambridge. Es waren so viele, daß für uns einen anderen Weg entschieden, weil es unmöglich gewesen, nicht auf sie zu treten.

Diese Marienkäferohrringe sind die europäische Art, wie ihr an ihrer Anzahl von Punkten sehen könnt, schwarze Pailletten auf perlengestickten roten Flügeln.
Sie sitzen auf ihren eigenen "Blättern", eine Umrandung aus mattgrün AB Würfelperlen.




Challengeziel erreicht! :-)

P.S. Ein kleiner Tip - verschüttet schwarze Pailletten nicht auf einer schwarzen Oberfläche, besonders nicht, wenn es schon Nacht ist. Verschüttet glänzende schwarze Pailletten am besten einfach gar nicht. Ich habe mehr Zeit als angenehm damit verbracht, sie mit einer Nadel von meiner Hand zu sammeln, weil sie wie statisch aufgeladen daran festklebten.
P.P.S. Ich habe daran gedacht, auf die gleiche Weise Melonenohrringe zu machen. Was denkt ihr, eine gute Idee oder gibt es sowieso schon zuviele Melonen rundherum?

Montag, 1. August 2022

Ein Igelchen im Garten

Ich habe noch nie vorher einen Igel in unserem Garten gesehen. Vielleicht war ja mal einer da, wenn dem aber so war, hat er sich mir nicht gezeigt.
Heute aber hatten wir einen kleinen Gast, Geppo (Geppo ist nach dem vermeintlichen Gründer meiner Heimatstadt Göppingen benannt, der ein alemannischer "Fürst" war).
Er mußte von Stelle zu Stelle getragen werden, weil es heiß war und es sehr schwer ist, lange Entfernungen zu laufen oder sogar irgendwo hinaufzuklettern, wenn man gerade mal 3 cm lang ist!

Der erste Halt waren ein paar Sukkulenten, aber Geppo wurde schnell mutiger und wollte immer höher gehen!



Nächster Halt - der Engelskopfberg!



Von seiner eigenen Courage beeindruckt war Geppos nächstes Ziel der Löwenkopfberg. "Ich habe keine Angst vor einem Löwen!"


Ihr seid nicht beeindruckt? Nun, und wie sieht es jetzt aus?


Danach war unser Igelchen müde, ihm war sehr heiß und er hatte großen Durst, also war ein Ausflug zum Vogelbad an der Reihe.


Und hier sind ein paar Blumen, die zu wackelig waren, als daß Geppo darauf hätte sitzen können, also schaute er sie sich von meiner Hand aus an.





Für die, die es nicht wissen, wie meine anderen Igel ist Geppo eine nach meinem eigenen Design aus Draht gehäkelte Miniatur. Keiner meiner Igel sieht je ganz wie ein anderer aus. Geppo beispielsweise hat bronzebeschichtete Hämatitaugen und eine funkelnde Kristallnase :-)

Freitag, 29. Juli 2022

Pack die Vorräte an - Jaspis und Mookait

Vor mehr als vier Jahren habe ich in einem "Pack die Vorräte an"-Post über Jaspis gesprochen. Ich habe die Geschicht des ersten Jaspis erzählt, der mir gefiel und wie ich es endlich schaffte, das richtige Schmuckstück damit zu machen.
Ich weiß nicht warum, aber Mookait - der tatsächlich auch eine Jaspisart ist, die aus Australien kommt - war noch so ein Stein, den ich lange nicht besonders mochte. Ich arbeitete nicht viel mit erdigen Farben und für mich war Mookait immer hellbraun zusammen mit einem bräunlichen Rot. So dumm. Mookait gibt es in vielen verschiedenen Farben, oft in einem Stein vereint, und ich schätze, so mußte es eben passieren, daß ich mich schließlich doch noch in ihn verliebte.

Diese Jaspisdonuts hatte ich sehr lange. Sie kamen als Set mit silbernen Ohrringen und vier anderen Paar Steindonuts. Einer der Ohrringe ging kaputt und damit blieben die Steine übrig und warteten auf eine neuen Zweck. Mit der Zeit verteilten sie sich hier und da, was der Grund dafür ist, daß ich, nachdem ich Ohrringe mit dem dunkelroten Jaspis und dem Serpentin gemacht hatte, nur noch einen einzelnen Schneeflockenobsidian und einen hellroten Jaspis übrig hatte. Kürzlich aber hatte ich das Glück, das Paar Landschaftsjaspis zu finden.

Mein erster Gedanke war Wüste, mein zweiter Mookait.
Ich bin wirklich zufrieden mit der Kombination der erdigen Jaspisfarbe und dem satten Rot des Mookait, und ich finde, das Gold verbindet beides sehr schön.


Wo aber sind jetzt noch der zweite Obsidian und der rote Jaspis ...... ich weiß, daß sie irgendwo hier sein müssen!

Samstag, 23. Juli 2022

Schmuck mit einer Geschichte - Teil 1 .... oder 3? (Ein "Einfach nur so Samstag"-Post)

Der heutige Post wurde von diesem Post auf Nancy's Fashion Style inspiriert, den ich durch den Blog My Bijou Life meiner Freundin Michelle fand (den ihr mal anschauen solltet, falls ihr an Mode interessiert seid, aber auch an Schmuckmachen, Quilten und mehr).

Als Schmuckmacherin frage ich mich manchmal, wo mein Schmuck landet. Wird er getragen, wird er geliebt, hat er eine Geschichte - beispielsweise daß er ein Geschenk oder Kauf zu einer besonderen Gelegenheit war - wird er weiterhin eine Geschichte haben und Erinnerungen schaffen, wird er an jemanden weitergegeben werden, wird er im Laden einer wohltätigen Einrichtung landen oder bei einem Flohmarkt und wird er dort jemand Neuen finden?
Ich werde es nie wissen und das ist vielleicht gut so.
Woher kommen diese Gedanken aber?

In meinem Leben habe ich so einiges an Schmuck gesammelt. Ich kann mich nicht erinnern, was mein erstes Schmuckstück war, aber eines der ersten muß eine rote Korallenkette gewesen sein, die ich meine, ganz schnell verloren zu haben. Danach kamen zwei Silberanhänger, ein Herz und eine Filigranblume mit einer Perle in der Mitte (die ich hartnäckig als Edelweiß bezeichnete). Das Herz trug ich lange rund um die Uhr, bis ein Vorfall dafür sorgte, daß ich es endgültig ablegte.
Danach werden meine Erinnerungen etwas schwammig, bis ich ungefähr 12 war.

Für diesen Post wählte ich ein paar meiner frühesten Silberringe aus, weil ich mich daran erinnerte, schon vor Jahren über mein kostbarstes Stück geschrieben zu haben - emotionaler Wert, nicht finanzieller - aber dann überkam mich das seltsame Gefühl, daß ich die Geschichte meines ersten Freundschaftsrings auch schon mal erzählt hatte. Tja, das habe ich tatsächlich. Und noch ein paar andere Geschichten.
Hier. Duh. Ich werde alt (aber wenigstens ist es mir noch rechtzeitig eingefallen).
Aber hey, vielleicht IST das ja ein Thema für mehr als einen Post. Wenn ich euch nur hin und wieder mit diesen Erinnerungen überfalle, sollte das doch in Ordnung sein, oder?
Und wenn es bedeutet, daß mein Schmuckkästchen mal wieder organisiert wird und ich womöglich etwas dabei lerne, ist das doch ein nette Nebenwirkung, richtig?

Ich packte meine Silberringe zurück und griff stattdessen zu einem Stück, das ich ungefähr zur selben Zeit bekam und über das ich noch gar nichts wußte. Versuchen wir doch mal, zusammen etwas herauszufinden.
Es ist ein Armreif, den ich meiner Erinnerung nach kein einziges Mal getragen habe.
1977 war ich eingeladen, einen Teil der Ferien mit der Familie meiner Freundin im Bayerischen Wald zu verbringen. Sie hatten immer Zimmer bei derselben Familie in einem kleinen Dorf und verbrachten auch Abende mit ihnen, zum Karten spielen oder Quatschen. Wenn wir nicht wanderten oder anderen Touristenziele wie die Glashütte in der Gegend besuchten, schickte uns die Dame des Hauses auf kleine Botengänge ins Dorf, um uns zu unterhalten. Sie war eine talentierte Schneiderin und ich erinnere mich an das Bolero/Rock-Ensemble, das sie für meine Freundin als Geschenk nähte.
Sie sorgte aber auch dafür, daß ich mich nicht ausgeschlossen fühlte. Als unser Urlaub vorbei war, kam sie zu mir und meinte, sie habe auch ein Geschenk für mich - diesen Armreif.


Obwohl ich das Geschenk als solches schätzte, denke ich, ich war vielleicht zu jung, um das modernistische Design zu schätzen. Außerdem fühlte sich der Armreif an meinem Handgelenk zu schwer an, und bald wanderte er in mein erstes Schmuckkästchen, von wo er ins nächste und ins nächste und ins nächste ging ...
Immer wieder mal schaute ich ihn mir an, entschied mich aber jedesmal dagegen, ihn zu tragen, er war einfach nicht mein Stil. Es ist recht erstaunlich, wie sehr er sich abnutzte, obwohl er gar nicht getragen wurde. Da er aus Zinn war - ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das trotz des Stempels überhaupt realisierte - verbog er sich auch ziemlich schnell.
Ein Seifenband und etwas Polieren machte keinen großen Unterschied. Den anderen Tip, den ich online fand, aufgewärmtes Bier zu verwenden, konnte ich nicht ausprobieren, da Bier nicht das Getränk meiner Wahl ist und ich keins hatte.

Natürlich hatten wir damals kein Internet und später machte ich mir nicht mal die Mühe, mir die Punzen genauer anzusehen ... was ich aber für diesen Post tat.
Es gibt zwei. Die eine ist "Dansk handarbejde" = "Dänische Handarbeit", die andere "Løgeskov tin Danmark".
Auf Deutsch oder Englisch konnte ich nichts über die Geschichte von Løgeskov Zinn finden und mein Dänisch besteht aus dem unglaublich nützlichen Satz "Das Zimmer ist groß", aber eine Liste verriet mir, daß Løgeskov Tin nicht der einzige Zinnschmuckhersteller in Dänemark war.


Was ich außerdem fand, waren mehrere Bilder von Stücken, die gut zu meinem Armreif gepaßt hätten, entweder weil das Design fast oder sogar ganz dasselbe war oder weil die gleichen hellroten Glascabochons verwendet wurden (immer mein Lieblingsteil an dem Armreif) oder auch beides. Ringe, Anhänger, Ohrringe, sie hatten alles, and ein paar Stücke stehen sogar jetzt gerade auf eBay Deutschland zum Verkauf.
Darüber hinaus entdeckte ich, daß mein Armreif mit Glascabochons in verschiedenen Farben erhältlich war, zum Beispiel gelb, hellgrün oder blau.

Tja, ich habe etwas Neues gelernt und der Armreif wird jetzt erstmal ins Kästchen zurückwandern, wahrscheinlich hat er sich in den letzten 45 Jahren schon daran gewöhnt ;-)

Samstag, 16. Juli 2022

Eine Hommage an Nadeln

Ihr erinnert euch wahrscheinlich nicht an Hannah Needle, meine Mitarbeiterin des Monats im Oktober 2020? Sie hat mir mit meinen HeatherCat-Schuhen geholfen und man kann sehen, daß sie wild entschlossen war.
Tatsächlich konnte ich mich nicht von ihr trennen, irgendwie ist sie für mich ein Symbol von Ausdauer, auch wenn ich nicht glaube, daß sie jemals wieder arbeiten wird.


Andere hatten nicht soviel Glück. Während meiner Arbeit an den Turnschuhen habe ich so einige Nadeln kaputtgemacht und weggeworfen, obwohl ich zugeben muß, daß ich dabei immer danke und Entschuldigung sagte.
Ihr findet das seltsam? Vielleicht. Ich bin aber nicht die einzige, die versucht, ihre Gefühle für unbelebte Objekte auszudrücken, die mir gut gedient haben (oder andere verflucht, die ihr Bestes tun, um mich zu nerven!)
Habt ihr schon mal von
Hari Kuyō gehört? Es ist ein japanisches Fest, bei dem alte Nadeln gefeiert werden, in manchen Landesteilen am 8. Februar, in anderen am 8. Dezember. Es ehrt die Shinto-Gottheit Awashima no kami. Leute - überwiegend professionelle, aber auch Hobbynäher*innen - kommen in den Tempel, um ihre Nadeln zu beerdigen. Sie sagen Dank und beten dafür, in Zukunft besser nähen zu können. Die Nadeln werden in ein Stück Tofu oder Konnyaku gesteckt und auf ihre letzte Reise geschickt. Der Gedanke dahinter ist, daß auch Objekte eine Seele besitzen und solchen Respekt verdienen.

Über die Entschuldigung hinaus hatte ich nie wirklich weiter über Nadeln nachgedacht, wo und wie sie produziert wurde und wieviele verschiedene Arten, Längen und Größen es gibt.
Natürlich hatte ich von den frühen Anfängen von Nadeln in der Jungsteinzeit gehört, aus Knochen gemacht, aber das war es dann auch schon.
Ich werde jetzt nicht die Geschichte der Nadeln erzählen, das haben schon andere gemacht und bestimmt viel besser, als ich es könnte.
Zum Beispiel stieß ich auf einen Artikel im Jahrbuch 2018 von "netzwerk mode textil" über die Nadelproduktion in Aachen. Mir war nicht bewußt gewesen, daß Aachen ein wichtiger Standort für die Produktion von hochwertigen Nadeln war, so wichtig, daß sie sogar einen eigenen Gruß daraus entwickelten, den "Klenkes", einen ausgestreckten kleinen Finger, der daran erinnerte, wie schlechte Nadeln aussortiert wurden, nämlich indem man sie über den kleinen Finger rollte, um zu prüfen, ob sie gerade waren oder nicht.

Wie bin ich aber überhaupt auf diesen Artikel gestoßen?
Ich hatte auf eBay nach Perlennadeln gesucht und landete dann irgendwie bei vintage Nadeln. Mein Sammlerinnenherz verliebte sich in dieses goldige Päckchen mit Frauennadeln (gerade mal 2 cm lang!), ein Begriff, den ich natürlich noch nie gehört hatte.
Im Päckchen sind nur zwei Nadeln übrig, aber schaut, wie hübsch sie sind mit ihren kleinen goldenen Enden. Ja, tut mir leid, so hören sich Sammelwütige an, auch wenn sie (noch) keine Sammlung angefangen haben.



Als ich nach dem Begriff suchte, fand ich den Artikel, der unter anderem eine Erklärung für mich hatte.
"Frauennadeln" werden von Damenschneider*innen benutzt, um feine Stoffe zu nähen, im Gegensatz zu "Männernadeln", die von Herrenschneider*innen für dickere Stoffe bevorzugt werden, wie zum Beispiel Wolle.
Die langen Frauennadeln heißen auf Englisch "sharps" für scharf, die kurzen Männernadeln "blunts" für stumpf, was sich natürlich auf die Nadelspitze bezieht. Es gibt auch noch eine Länge dazwischen, auf Deutsch "halblang" genannt, auf Englisch "betweens".
Lange, feine Nadeln, die am Öhr nicht weit auseinandergehen und in der Hutmacherei und für Perlenapplikationen verwendet werden, heißen auf Englisch unter anderem "straws", also "Stroh", weil sie an Strohhalme erinnern. Dann gibt es noch Stopfnadeln. Wann habt ihr das letzte Mal einen Socken gestopft?
Zu guter Letzt gibt es eine Menge andere Nadeln, für die Polsterei oder für Leder, Nähmaschinennadeln, auch Steck- oder Sicherheitsnadeln und spezielle Nadeln in der Medizin oder - für uns Oldies ;-) - in Schallplattenspielern.

Natürlich hatte ich auch noch nie von der Firma Lammertz gehört, erfuhr aber aus dem Artikel, daß Lammertz-Nadeln wegen ihre guten Qualität von ihren Besitzern gehütet werden wie ein Schatz und daß der Schock unter Profis groß war, als Lammertz 2003 die Produktion einstellte.

Heute gibt es in Europa nur noch zwei Firmen, die High End-Nadeln herstellen. Eine davon ist John James, in der Nähe von London in Redditch, ein Name, der Perlenkünstlern wahrscheinlich sehr vertraut ist, die andere ist Bohin in Frankreich, die dem Ende in den frühen 2000ern knapp entkam und nun ein modernes Museum hat, das die Geschichte und die Techniken der Nadelherstellung am Leben hält.

Hier sind noch ein paar Nadelpäckchen, die ich habe, und ich muß gestehen, daß ich gerade noch ein Päckchen auf eBay gekauft und einen Vorschlag für ein weiteres abgegeben habe. Sie nehmen nicht viel Platz weg und ruhen bequem zwischen meinen Steifftieren.
Ich werde die Bilder dafür noch hier beim Post einstellen, wenn ich sie habe.



Diese Packung aus dem Konvolut hat zwar kein nettes Bild, aber Jecker hat ebenfalls zu den alten Firmen mit Tradition gehört.


Wenn ihr näht, egal ob von Hand oder mit der Maschine, schaut ihr euch eure Nadeln vielleicht etwas genauer an. Vielleicht habt ihr das ja aber auch schon.
Ich würde eure Geschichten wirklich gern hören!


Und hier sind nun die zwei Nadelheftchen, die ich auf eBay bekommen habe.
In beiden sind noch eine Menge Nadeln, also kann ich immer sagen, daß ich sie deshalb gekauft habe ;-)

Die ersten sind DOSCO-Nadeln, hergestellt von
Dossmann u. Co. Nadelfabrik Iserlohn in Westfalen. Außer daß Dossmann die Nadelfabrik eines seiner Nachbarn und Konkurrenten aufkaufte, konnte ich nichts darüber finden.


Ich versuche immer noch, mehr über dieses winzige Heftchen herauszufinden (wie das Lammertz Splendor-Päckchen ist es gerade mal 2 cm), Princess Victoria "sharps" in Größe 12.
Beim Browsen nach vintage Nähnadeln bin ich auf mehrere Victoria-Päckchen mit unterschiedlichen Bildern von Victoria gestoßen.
Ob der Name sich auf eine tatsächliche Prinzessin Victoria, also Queen Victoria's Tochter oder die Tochter Edwards VII., bezieht, blieb mir genauso unklar wie der Hersteller der Nadeln, bevor sie mit PRYM markiert wurden (eine Marke, die heute noch existiert und Victoria-Nadeln in einer Zusammenstellung der Größen 3 bis 7 verkauft, jedoch nicht in diesen kleinen Papierheftchen und auch nicht mehr mit Silber- oder Goldöhr, um "die Umwelt zu schützen").
Möglicherweise hat der Hersteller sie hauptsächlich für den britischen Markt vorgesehen und den Namen daher verwendet. Andererseits wurde die Tochter der Queen deutsche Kaiserin, also wer weiß?

Was die Unterschiede angeht:
Manche Aufkleber sind ganz auf Englisch, manche ganz auf Deutsch (dort steht dann Prinzess statt Princess und es werden die deutschen Begriffe für die Nadeln, so wie Frauennadeln, verwendet), manche sind auf Englisch und Deutsch und verwenden zwar das Wort "Prinzess" und "feinste", aber zum Beispiel auch den Begriff "sharps".
Auf dem britischen eBay fand ich sogar ein Bild mit einem italienischen Aufkleber!

Es gibt die ohne Herkunftsland, aber auch solche, die eines angeben, "Germany", "Made in Germany", "M.i W. Germany, Imp. Allemagne OCC" (diese waren wieder von PRYM), aber auch - in einem weiteren Beispiel von PRYM - "Made in the Czech Republic".

Manche Aufkleber sehen sehr vintage mit leicht verschwommenem Druck und viel mehr Details aus, die mit PRYM markierten, aber nicht nur diese sehen sehr modern mit klaren Linien aus.

Ich schätze mal, nur die Victoria-Nadeln könnten schon eine eigene Sammlung abgeben!


Update 1. August 2022: Hier ist meine letzte Erwerbung. Tatsächlich ist es nicht nur ein Nadelpäckchen, sondern drei, die gleich aussehen, und es gibt absolut nichts, was ich darüber sagen kann, außer das der Aufkleber-Designer anscheinend ein Fan von griechischer Mythologie war, wenn man sich Hephaistos und Hermes am oberen Rand anschaut.
Ich habe zwar einen Aufkleber mit Blitzen gefunden - die Nadeln wurde von der Firma Georg Printz hergestellt und hießen "Blitznadeln" - aber von einer Hand gehalten, nicht von einem Adler (?). Ich habe auch keine Ahnung, wer die zwei Herren am unteren Rand sind und was uns der Orden in der Mitte sagen soll.


Literaturhinweis:
Dorothea Nicolai: Ohne Nadeln keine Theater-Festspiele - die Nadelherstellung in Aachen am Beispiel der Nadelfabrik Leo Lammertz. In: netzwerk mode textil Jahrbuch 2018