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Mittwoch, 14. Dezember 2022

Mari Lwyd - Das vierzehnte Türchen


Gestern hatten wir Musik und Lichter, heute haben wir eine Tradition, bei der es sich um einen Pferdeschädel dreht - die walisische Mari Lwyd.
Das erste Mal habe ich von der Mari Lwyd ("Graue Maria" für manche, die sie mit der Jungfrau Maria in Verbindung bringen, "Graue Mähre" für andere, die sie mit den fahlen Pferden der walisischen Mythologie verbinden) im letzten Buch der Reihe "Die Dunkelheit erhebt sich" von Susan Cooper, "Die Mächte des Lichts" - ein Pferdeskelett, das lautlos und schneller als jedes lebende Pferd galoppiert, mit roten Bändern, die von seinem Unterkiefer hängen. Ih erinnere mich gut, wie gruselig ich diese Vorstellung fand.

Damals wußte ich nichts über den walisischen Heischebrauch, der das erste Mal 1800 aufgezeichnet wurde.
Die Mari Lwyd kann, von einer Personengruppe begleitet, an eurer Tür auftauchen - in alten Zeien war auch noch eine Punch & Judy-Show dabei - und verlangen, für Speis und Trank eingelassen zu werden, eine Forderung, die mehrmals abgelehnt werden muß, bevor man die Gruppe schließlich hereinläßt. Ähnliche Bräuche existieren auch in anderen Ländern für die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr.
Das Besondere ist, daß die Mari Lwyd ein Pferdeschädel mit Glas oder Kugeln als Augen ist, mit Bändern verziert, und daß sie auf von einer Person unter einem Umhang auf einem Stab getragen wird.
Klar doch, komm herein, totes Pferd, trinken wir etwas miteinander!
Als ob das noch nicht genug ist, ist die Mari auch auf andere Art etwas bedrohlich, sie jagt Leute und schnappt nach ihnen.

R. fiend, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons


Manche glauben, die Mari Lwyd stamme aus dem vorchristlichen Paganismus, aber es gibt keine Aufzeichnungen, die dies bestätigen würden. Nichtsdestotrotz kritisierten christliche Kirchenleute im 19. Jahrhundert den Brauch, der auszusterben schien, aber nie ganz verschwand.
Heutzutage ist die Tradition wiederbelebt, tatsächlich hat sie sich sogar auf Regionen ausgebreitet, wo sie vorher nicht ausgeübt wurde, wie die USA, was zur Frage geführt hat, ob das nicht kulturelle Aneignung ist. Ist die Mari Lwyd nur für Waliser, die auch in Wales leben?

Ich bin in Deutschland, also werde ich wohl nicht so bald eine eche Mari Lwyd sehen, ich finde es aber eine faszinierende Tradition!

Übrigens, habt ihr euch gefragt, wie man Mari Lwyd ausspricht? Bitte schön. Gern geschehen.



Literaturhinweise (deutsch):
Jude Rogers: Die mittwinterliche Majestät der Mari Lwyd


Literaturhinweise (englisch):
David R. Howell: It's Mari Lwyd season - but who owns the tradition?
Sympathy for the Moon (blog by David K. Thorpe): On the trail of the Mari Lwyd

Sonntag, 8. August 2010

Cardiff - Tag Fünf und Sechs

Ich weiß, daß heute Zitat der Woche-Sonntag ist, aber ich dachte, ich lasse es heute mal für den letzten Urlaubsbericht sausen, ihr werdet mir vergeben.

Als wir das erste Mal in der Stadt drin waren, gingen wir zum Touristenbüro und fragten nach dem besten Weg, etwas Landschaft zu sehen. Ernsthaft, Leute, ich hatte mehr Wasser und Kühe gesehen als die berühmten walisischen Hügel und Schafe, also dachte ich, ein kleiner Ausflug wäre nett.
Uns war ein kleines malerisches Dorf namens Llantwit Major mit einem Strand in der Nähe empfohlen worden, das wir mit der Buslinie X91 erreichen konnten. Es war ein schöner, warmer Tag. Perfekt.
Als wir am Hauptbahnhof ankamen, sahen wir uns nach X91 um. Hm, da war ein Schild, aber der Zaun rundherum war nicht sehr ermutigend. Wir sahen uns den Fahrplan an und fanden heraus, daß auch noch zwei andere Busse dorthinfahren würden ... von denen einer an uns vorbeifuhr, gerade als wir nach dem Startplatz suchte. Ach, kein Problem, richtig? Einer der anderen würde bald fahren.
Oder vielleicht auch nicht.
Wir stellten fest, daß wir eine Stunde warten müßten. Wir sind jedoch flexibel, also gingen wir nachsehen, ob denn auch ein Zug dorthinfahren würde. Wir bekamen unsere Fahrkarten, jeder zwei, und man sagte uns, wir hätten zwei Minuten. Reeeeeeeennt!
Das wollten wir, aber es ist nicht leicht durchzurennen, wenn man versucht, das falsche Ticket einzustecken. "Dieses Ticket geht nach Cardiff, Ma'am (oh, wie ich es hasse, Ma'am genannt zu werden), Sie sind in Cardiff." Ach ja? Hörte sich das irgendwie vertraut an? Wie am Flughafen in Amsterdam, als ich die falsche Boardingkarte aus meiner Tasche zog und man mir erklärte, ich SEI schon in Amsterdam? Ich hasse es, in Eile zu sein, es blockiert meine Gehirnzellen. Ich war zwar nicht die einzige, aber ich fühlte mich wirklich als Tourist gebrandmarkt.
Ja, für Leute, die das nicht wissen, das System ist anders in Deutschland. Wir müssen nicht durch ein Drehkreuz zum Zug gehen.
Es war klar, daß wir gar nicht hätten rennen müssen, der Zug hatte Verspätung. Aber schließlich saßen wir drin und hörten einer kleinen alten Lady zu, die uns allen immer wieder erzählte, daß ihre Pension ein paar Pence raufgegangen wäre, außerdem interessante Fakten über Zahnpasta, und die, als sie aus dem Zug stieg, sagte: "Fahrer, ich bin sicher, Sie sind froh, daß Sie auch ruhigere Passagiere haben."

Llantwit Major, letzter Halt vor Bridgend. Ok, der Bahnhof war offensichtlich nicht der malerische Teil des Dorfs. Wir gingen den Hügel hinunter. Und gingen. Und gingen noch etwas mehr. Ah, da! Ein Schild, das auf den Strand hinwies! Die Straße war ja schon ein bißchen schmal. War dies wirklich der richtige Weg? Vielleicht mußten wir dort hinauf, wo "Schutzgebiet" stand?
Habe ich erwähnt, daß es warm war? Den Hügel hoch, den Hügel hoch, und als ich es beinahe geschafft hatte, hörte ich die Worte "Nö. Da ist ein geschlossenes Tor. Darum sind die anderen wahrscheinlich hier wieder heruntergekommen." Den Hügel runter, den Hügel runter. "Laß uns auf dem Fußweg langgehen, wo die anderen vorhin gelaufen sind." Über die Wiesen, ja, was für eine gute Idee. Ich wette, das waren Einheimische, die genau wußten, was sie taten, mit ihrem großen Strandball und mit den Sandalen an.

Wir gingen. Mir wurden all die Kuhfladen, die herumlagen, ein bißchen verdächtig und dann sahen wir sie, eine Herde riesiger, bösartig aussehender Kühe. Mit einem Wimmern fragte ich, ob wir wohl da durchlaufen mußten. Ich war nicht mehr so vielen Kühen nahegekommen, seit ich ein Kind gewesen war und ich war nicht sicher, ob ich schneller als sie rennen konnte. Es war schließlich warm, wißt ihr, und meine Tasche rutschte mir dauernd von der Schulter. Und ich bin ein Angsthase bei manchen Tieren, vor allem wenn sie in Herden auftreten. Vielleicht sahen sie ja gar nicht so bösartig, aber doch noch immer groß aus.
Wir drehten um und gaben es auf, den Strand an diesem Tag zu sehen, also bekommt ihr nur dieses Bild, das ich genauso gut in unserer Nachbarschaft hätte machen können. Zumindest bin ich ehrlich deswegen.


Es ging zurück bergauf, wobei wir uns die hübschen kleinen Häuser mit Namen wie "Rose Cottage" genauer ansahen, und schließlich landeten wir in Elaine's Tearooms, wo ich einen ausgezeichneten Drei-Käse-Salat aß, bevor wir den Zug zurück nach Cardiff nahmen. Es gibt immer einen Silberstreifen.
Vielleicht hätten wir den anderen Rat beherzigen und den Strand in Barry anschauen sollen. Ach ja.
Leider fühlte ich mich nicht besonders, als wir zurück in der Stadt waren, ich neige dazu, Probleme mit warmem Wetter zu haben, als nahmen wir den Rest des Tages ziemlich leicht mit einem kleinen Spaziergang und ein recht frühen Abendessen am Mermaid Quay.
Und einem letzten Bild der Aussicht vom Balkon aus.


Über Sonntag gibt es nicht soviel zu sagen, da wir nicht viel mehr machen konnte, als unser Zeug zu packen, zu frühstücken und auf unsere Fahrt zum Flughafen zu warten.
Ich machte dann noch ein letztes Bild vom Fenster in der Halle.


Unsere Flüge waren pünktlich und es gab nur ein kleines Problemchen.
Wir waren abends in Stuttgart zurück. Unser Gepäck nicht. Für die, die diesem Blog schon eine Weile folgen, könnte das vertraut klingen. Genau wie letztes Jahr hatte es unser Gepäck nicht geschafft, durchgecheckt zu werden.
Was soll's. Es fühlte sich gut an, wieder daheim zu sein und von quengelnden Katzen begrüßt zu werden, auch wenn es nur ein kurzer Urlaub gewesen war.

Samstag, 7. August 2010

Cardiff - Tag Vier

Im Wissen, daß wir am frühen Nachmittag Eddy, eine meiner Gilden- und Onlinefreundinnen (schaut euch ihr ArtFire-Studio, so witzig), treffen würden, planten wir nicht viel für den Morgen von Tag Vier.
Wir gingen hinüber zum Mermaid Quay und weiter zur Norwegian Church. Die Kirche, die jetzt ein Kulturzentrum ist, wurde im 19. Jahrhundert gebaut, als Cardiff einer von England's wichtigsten Häfen war. Zu dieser Zeit war die norwegische Handelsflotte die drittgrößte in der Welt, also wurde diese Kirche als Andachtsort für die norwegischen Seeleute errichtet.
Roald Dahl, der berühmte Schriftsteller, wurde in dieser Kirche getauft, die ursprünglich am Platz unseres Hotels stand!


Direkt neben der Kirche ist das Scott Antarctic Memorial, das an Captain Scott's unselige Terra Nova-Expedition erinnert, deren Ziel es war, als erste den geographischen Südpol zu erreichen. Cardiff war eine der größten Spenderinnen für diese Expedition.


Wir gingen weiter durch die Dockgebiete, bevor wir die Cardiff Bay Barrage erreichten, die in den 1990ern errichtet wurde, um die Dockgebiete zu erneuern und durch die ein riesiger Süßwassersee entstand, getrennt vom Meer.


Es gibt auch eine Meeresangelzone und natürlich mußten wir dort einen Stopp einlegen. Nein, ich bin in diesem Haus nicht die angelnde Person und ich muß zugeben, daß mein Interesse einigermaßen begrenzt war, vor allem da ich dort die einzige Frau in dem Moment war, was sich etwas seltsam anfühlte. Ich muß auch zugeben, daß ich nicht scharf darauf war, dort zu bleiben, bis jemand einen Fisch geangelt hatte. Auf der anderen Seite war es witzig, als einer dachte, er hätte einen Fisch am Haken, und dann feststellte, daß es nur die Angelschnur eines anderen war.
Ich habe keine Ahnung, wofür genau diese Hütte genutzt wird, aber ein rosa Gebäude in einem Gebiet, wo sehr männliche Männer einer sehr männlichen und ernsthaften Aktivität nachgehen, brachte mich zum Kichern.


Erinnert ihr euch an die Gebäude, die ich so faszinierend fand? Ein verlassenes, abbruchreifes Haus und ein Restaurant, das 18nochwas gebaut wurde. Ich nehme an, ich mag einfach alte Gebäude.


Wir dachten, es wäre nett, den Wasserbus zurück über die Bucht zu nehmen und wir hatten Glück, nicht lang warten zu müssen.
Von dort gingen wir hinunter in das Feuchtbiotop auf ein Sandwich, bis es Zeit würde, Eddy zu treffen. Wir saßen nicht lang dort, bevor ein Schwan sich entschloß, uns Gesellschaft zu leisten (obwohl die Sandwiches noch nicht ausgepackt waren) und nach einer Weile noch einen Freund herüberzurufen. Wir fütterten sie nicht, keine Sorge. Das schien sie aber nicht glücklich zu machen, also kamen sie schließlich heraus und gingen auf der anderen Seite ins Wasser. Ich machte ein Video von ihnen, wie sie langsam das Wasser hinunterschwammen, bis sie im Schilf verschwanden. Zitat: "Wer kommt nach Wales, um schwimmende Schwäne zu filmen?". Na, ich! ;-)


Jetzt war es Zeit, zur Cardiff Bay Station zu gehen. Als Zugpendlerin seit 1983 war diese Station etwas überraschend für mich. Ernsthaft, ich habe so etwas noch nie gesehen. Selbst die kleinste Station, die ich kenne, hat zwei Gleise. Meine Überraschung erkennt ihr daran, daß ich sogar ein Foto von diesem einzelnen Gleis machte, das aussieht, als führe es direkt zu dem Hochhaus im Hintergrund.


Wir hatten einen lustigen Nachmittag. Leider sind die Bilder persönlich und nicht für Bloggebrauch, ihr kennt die Regeln. Wir machten eine Busfahrt (wieviele Touristen kriegen das Krankenhaus in Cardiff zu sehen?), wir sahen uns Läden und die neue Bibliothek von außen an, wir aßen eine Kleinigkeit, wir gingen am Schl0ß entlang, um dann die Animal Wall zu sehen (die wir an Tag Zwei verpaßt hatten), und weiter zum Bute Park.


Es war ein schöner Tag, es war reizende Gesellschaft - danke, Eddy! - und obwohl ich KEINEN grünen Ballon (Insiderwitz) bekommen habe, habe ich den Nachmittag wirklich genossen.
Wir nahmen den Aquabus zurück zum Mermaid Quay, wo wir erst noch Eis aßen und uns schließlich verabschiedeten.

Bleibt dran bis morgen, wenn ihr es wagt, jeglichen Respekt, den ihr je zuvor für mich gehabt haben mögt, zu verlieren ;-)

Freitag, 6. August 2010

Cardiff - Tag Drei

Man hatte uns empfohlen, uns St Fagans National History Museum anzuschauen.
Es ist ein Freilichtmuseum auf dem Grund des St Fagans Castle mit seinen Gärten. Mehr als vierzig Originalgebäude wurden hier wieder aufgebaut, so interessant!
Keine Angst, ich werde euch jetzt keine vierzig Bilder zeigen.

Ich zeige euch das Kennixton-Bauernhaus mit seinen leuchtendroten Mauern (zum Schutz gegen böse Geister?)



Schon mal von einem "Prefab" gehört? Um gegen den Wohnungsmangel nach dem Krieg anzugehen, produzierte die Regierung in Massen Bungalows, die aus Flugzeugteilen und Altmetall gemacht wurden. Sie erwiesen sich als so beliebt, daß es immer noch Hunderte davon gibt, die bewohnt werden!


Dies ist der Gwalia-Laden. Der linke Gebäudeteil ist wie ein Laden aus alten Zeiten eingerichtet, was mir ein richtig nostalgisches Gefühl gab. Im rechten Gebäudeteil ist ein "echter" Laden, der walisische Spezialitäten verkauft, und darüber ist ein Teehaus im Stil der 20er, den wir verpaßten, weil auf einmal bei mir ein Zahn anfing zu spinnen, was mich dann doch ablenkte. Ich frage mich, ob sie im Laden spezielle walisische Schmerztabletten für mich gehabt hätten! ;-)


Eines meiner Lieblingsgebäude war das kleinste Postamt von Wales, eingerichtet wie in Kriegszeiten. Ich glaube, hier hätte auch ich mich nicht verirren können.


Es gab so viel mehr interessante Gebäude, eine Kirche, Bauernhäuser aus verschiedenen Zeiten, einen Fotoladen, eine Schmiede, eine Sattlerei - manchmal arbeiten dort Handwerker, aber leider nicht, als wir dort waren.

Also beschlossen wir weiterzugehen und dort trafen wir dann ihn - Lionel, einen Rauperich, der den Weg überquerte. Er hatte es etwas eilig, also hatten wir keine Zeit für ein Gespräch, aber er ließ mich ein Bild von sich machen.


Die hier waren nicht so in Eile auf ihrer Weide. Ich gebe zu, ich bin zu schwarzen Tieren hingezogen ("Hexe, Hexe, verbrennt sie!! *grins*).


Schließlich kamen wir zum St Fagans Castle, das eigentlich ein elisabethanisches Herrenhaus ist. Am besten gefiel mir die Reproduktion der Küche, die aufgebaut war, als ob ein großes Mahl vorbereitet würde. Ich kriege schon Panik in meiner eigenen Küche, aber die Größe dieser Utensilien, oh Mann!


Am meisten genoß ich allerdings den Garten. Ich wäre gern länger geblieben.


Wen ihr je nach Cardiff fahrt, schaut euch St Fagans an, ich kann es nur empfehlen.

Und zu guter Letzt meine Lieblingsbilder (fast, aber ich darf das nicht zeigen, auf dem der Lange ins Licht geht, obwohl das so klasse aussieht).

Einmal mit Blitz, einmal ohne. Ist das nicht schön? Ich konnte mich selber in einem aufwendig verzierten Kleid sehen, wie ich hier spazierengehe ...



Donnerstag, 5. August 2010

Cardiff - Tag Zwei

Scheint, als hätte ich vergessen, ein Bild vom Frühstücksbüffet zu machen. Ihr denkt, ich scherze? Ich weiß, es gibt Leute, die das tun, aber mir müßt ihr jetzt einfach glauben, wenn ich sage, daß es eine Mischung aus kontinentalem und englischem Frühstück war. Die Leute häuften sich diese Würstchen und Speckstreifen auf ihre Teller! Selbst ich wurde in dieses Komplott hineingelockt (das des warmen Frühstücks, nicht von Würstchen und Speck).

Auf diese Weise für den Tag gestärkt machten wir uns auf den Gang zur Stadtmitte. Irgendwie hatten wir irgendwie erwartet, daß es etwas näher wäre. Wir hätten ja einen Bus nehmen können, aber stattdessen liefen und liefen und liefen wir. Es war ein warmer Tag, aber dank des stetigen Windes war es nicht zuviel. Es windete die ganze Zeit, was mich sogar dazu zwang, meine Haare zu einem Zopf zu flechten, damit ich sie nicht ständig im Mund hatte. Schlimm genug, daß ich Probleme hatte, durch mein langes Pony zu schauen, das mir dauernd in die Augen flog!


Schließlich schafften wir es zur Stadtmitte. Zuerst steuerten wir auf das
National Museum zu. Wir dachten schon, wir hätten es gefunden.


Aber dann sah ich dieses Schild, natürlich auf Englisch und Walisisch, das uns mitteilte, daß dies das Rathaus war. Das National Museum war direkt daneben, und Junge, hatten wir Spaß.



Zuerst sahen wir uns die Fotoausstellung an, die mich meine kleine Kamera beschämt verstecken ließ. Es war die Ausstellung Wildlife Photographer of the Year 2009 und wir waren tief beeindruckt. Wir führten auch ein nettes Gespräch mit einem Museumswärter darüber.
Mir gefiel das ganze Museum sehr, vor allem die Impressionisten - und ein kleines Mädchen, das seiner Großmutter sagte "Horch, die Leute sprechen Französisch!" Hm, nicht ganz, aber was soll's. Die Richtung war nicht so schlecht.


Als nächstes besuchten wir Cardiff Castle. Wir sahen die sogenannten Castle Apartments und ich suchte mir meinen neuen Arbeitsplatz aus! Leider schien es nicht so, als wollten sie umgekehrt mich auswählen! ;-)


Wir liefen den normannischen Burgfried hinauf, mit der walisischen Flagge, die stolz auf der Spitze wehte, fast den ganzen Weg hinauf, aber dann entschied ich, daß meine Füße wirklich zu groß für die kleinen Stufen waren (und meine sind nicht die größten in der Familie!) und außerdem bin ich nicht sehr scharf drauf, von offenen Räumen hinunterzuschauen. Die Bilder sind durch kleine Schießscharten gemacht, die mir Sicherheit gaben ...



Inzwischen waren wir doch einige Stunden lang gelaufen und unsere Füße (und der Rücken) fingen an zu schmerzen, also machten wir uns langsam auf den Weg zurück ins Hotel. Obwohl es so weit entfernt vom Stadtzentrum lag, war es auch nett, zur Ruhe dieser Umgebung zurückzukommen, die nur durch das "Lachen" der Möwen gestört wurde.

Mittwoch, 4. August 2010

Cardiff - Tag Eins

Ich habe euch gewarnt, nicht wahr? Jetzt geht's los.
Hört euch eine Geschichte voller Leid, Liebe, Emotion, Schmerz, Wind und Möwen an - vieler Möwen.
Hat das eure Aufmerksamkeit geweckt? Dann laßt uns anfangen.

Dienstagmorgen fuhren wir los zum Flughafen, früh genug, um entspannt und in guter Laune zu sein. Das änderte sich ein wenig, als wir im Cityhopper auf unpünktliche Passagiere warteten. Sehr, sehr, sehr unpünktliche Passagiere. Als sie endlich ankamen, brachten sie ihren gesamten Haushalt mit. Natürlich, denn es war zu spät gewesen, um das Gepäck einzuchecken. Der Flugbegleiter war nicht amüsiert, man konnte es ihm am Gesicht ansehen.
Da wir kein so großes Zeitfenster zwischen den Flügen hatten, lag auf unseren Gesichtern ein leicht beunruhigter Blick, aber obwohl wir fast nicht mehr darauf gehofft hatten, flogen wir irgendwann doch noch los.

Der Flughafen Shiphol in Amsterdam erlebte uns von einem Gate zum anderen rennend. Außer in dem peinlichen Moment im Scanner, als sie mich herausrufen mußten, weil ich mich in der Lektüre der Erklärung an der Wand verlor.

Und dann landeten wir in Cardiff. Ich schwöre, das ist der goldigste kleine Flughafen, den ich je gesehen habe. Obwohl ich null Orientierungssinn habe - ich brauche ein Navi, um mich vom Schlaf- ins Wohnzimmer zu geleiten - könnte nicht mal ich dort verlorengehen. Erstaunlich!
Ein Taxi brachte uns zu unserem Hotel,
The St. David's Hotel and Spa. Wir wurden durch den Fahrer freundlich gewarnt, nicht zu sagen, daß wir in England seien. Wir waren jetzt in Wales! ;-)
In den letzten zwei Jahren, hatten wir Hotelzimmer im viktorianischen und edwardianischen Stil gehabt, aber dieses Jahr standen wir vor einem hochmodern aussehenden Hotel mit einem Loch in der Mitte, sozusagen. Von der Halle aus konnte man bis ganz nach oben sehen und die Zimmer waren um diesen Freiraum herumgebaut.

Dies ist die Aussicht durch das Fenster in der Halle, wenn man im dritten Stock steht.


Das Zimmer selber war nicht aufregend. Vielleicht bin ich zu romantisch veranlagt, aber es schien mir etwas kühl, gar nichts Besonderes zu sein. Hübsch war das Fenster von der Decke bis zum Boden, sodaß man die Bucht auch vom Bett aus sehen konnte. Und die Aussicht von dem kleinen Balkon aus war sogar noch besser.

Das ist die Bucht in Cardiff, links, die Mitte und rechts.

Links kann man den Damm sehen, dessen Bau die Bucht in einen Süßwassersee verwandelte.


Die Gebäude in der Mitte faszinierten mich. Nicht so sehr die Kirche oben, aber das lange, das man am linken Bildrand sehen kann, also beschlossen wir, einmal dorthin zu gehen.



Rechts sieht man einen Teil der sogenannten Wetlands Reserve, einem Feuchtbiotop und Schutzgebiet.


Es war aber noch etwas zu früh dafür, nur auf dem Balkon zu stehen und sich umzusehen, also gingen wir hinüber zum Mermaid Quay auf der anderen Seite des Hotels. Komischerweise habe ich davon kein Bild gemacht und ich kann nicht mal sagen warum. Die einzigen Bilder, die ich habe, sind vom Pierhead Building, das ein Besucherzentrum und ein Veranstaltungszentrum, unter anderem auf die National Assembly von Wales bezogen, beherbergt.
Wie ihr sehen könnt, haben mir die dämonisch aussehenden Kreaturen, die das Gebäude von oben bewachen, am besten gefallen.



Wegen eines Rückenproblems wußten wir, daß die Tage kürzer als erwartet sein würden, also gingen wir nach einem kleinen Spaziergang sehr gut indisch essen und gingen dann bald zum Hotel zurück, um Pläne für Tag Zwei zu schmieden.