Für heute habe ich einen Film vom Ende der Stummfilmära mit Marion Davies in der Hauptrolle, die ich in "Ein Mädel mit Tempo" so köstlich fand.
Es ist "Es tut sich was in Hollywood" von 1928.
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| Public Domain über Wikipedia |
Meine Damen und Herren - die Handlung (mit Spoilern)!
"Für Hunderte von hoffnungsvollen Menschen gibt es einen goldenen Punkt auf der Landkarte, genannt – Hollywood."
Ein von diesen Hunderten ist Miss Peggy Pepper aus Georgia, die von ihrem Vater, Colonel Pepper, nach Hollywood gebracht wird.
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| Von Hollywood überwältigt |
Im Besetzungsbüro demonstriert Peggy ihre schauspielerischen Fähigkeiten, aber es ist nicht leicht, auch tatsächlich für einen Film besetzt zu werden. Dann aber treffen sie und ihr Vater Billy Boone in der Kantine, der sie einlädt, bei seinem Set aufzutauchen.
Was sie nicht weiß ist, daß Billy in Slapstickkomödien arbeitet, während sie danach strebt, eine dramatische Schauspielerin zu sein. Nachdem sie in ihrer ersten Szene Seltzer ins Gesicht gespritzt bekommt, bricht sie in Tränen aus, aber Billy überzeugt sie davon, es durchzuziehen, indem er sie daran erinnert, wie aufregend es für sie sein wird, sich selbst im Kino zu sehen.
Tatsächlich wird Peggy sofort ein Erfolg, und nachdem sie noch mehr Filme mit Billy macht, erhält sie einen Vertrag vom High Arts Studio (der Name sagt alles), das heißt, sie verläßt die Komikertruppe und Billy.
Nach ihren Probeaufnahmen sagt ihr ihr neuer Co-Star Andre, der sie wissen läßt, daß er tatsächlich der Comte d'Avignon sei, daß sie ihre Persönlichkeit ändern und sich neue Freunde suchen muß, um ein Star zu werden.
Also wird aus Peggy Pegger dann Patricia Pepoire und der Starruhm steigt ihr zu Kopf.
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| Marion Davies's witzige Imitation von Mae Murray, die wir auch schon in "Ein Mädel mit Tempo" gesehen haben. |
Eines Tages haben sie und Billys Komikertruppe Aufnahmen am selben Ort. Billy freut sich, sie zu sehen, und versucht mit ihr herumzublödeln, aber sie verletzt ihn, als sie ihn einen billigen Clown nennt und davonrennt.
Kurz darauf wird Peggy aus einem Studioessen geholt. Der Produzent zeigt ihr ein Bündel Telegramme, in denen steht, daß das Publikaum nicht mehr an "Miss Pepoire" interessiert ist. Er warnt sie, daß er wieder die alte Peggy sehen möchte, aber sie ist so von sich selber eingenommen, daß sie Andre sagt, Produzenten würden keine Kunst erkennen, wenn sie sehen.
Einige Zeit später kommt der Hochzeitstag von Peggy und Andre. Billy schleicht sich mit den Lieferanten ins Haus und bekniet Peggy, nicht zu heiraten und sich stattdessen an die alten Zeiten zu erinnern.
Um sie zur Besinnung zu bringen, bespritzt er sie mit Seltzer wie in ihrer ersten Szene zusammen. Peggy ist so wütend, daß sie nach einer Sahnetorte greift, aber statt Billy trifft sie Andre, der gerade die Tür öffnet, damit ins Gesicht.
Sie fängt an zu weinen und Billy geht, aber als sie Andre anschaut, kann sie sich das Lachen nicht verkneifen. Als ihr klar wird, daß Billy die einzige "echte Person" in ihrem Leben ist (ich finde, da vergißt sie ihren Vater), sagt sie die Hochzeit ab.
Peggy hat einen Plan. Sie überzeugt ihren Regisseur King Vidor (der sich selbst spielt), Billy in einem Kriegsfilm zu besetzen, ohne ihm zu sagen, daß sie mitspielt.
Natürlich ist Billy überrascht, Peggy zu sehen, aber als sie ihm sagt, daß er jetzt nicht gehen kann, weil die Kamera schon läuft, reißt er sie in seine Arme. Da der für die Szene geschriebene Kuß kein Ende findet, lassen Vidor und die Crew die beiden leise auf dem Set zurück.
In Kürze, das hat SPASS gemacht.
Es heißt, der Film sei von Gloria Swansons Geschichte beeinflußt, die von der Komödie zum großen Drama wechselte, aber auch von einem Roman (der später zu einem Stück und einem (verschollenen) Film wurde) mit dem Titel "Merton of the Movies", in dem ein junger Mann versucht, es in Hollywood zu etwas zu bringen.
Ich liebe Marion Davies absolut in diesem Film. Sie macht alle Klischees durch, zieht die witzigsten Gesichter, ist aber auch angemessen dramatisch für die Zeit.
Wie ich in meinem Blogpost über "Ein Mädel mit Tempo" erwähnt hatte, war Davies die Geliebte von William Randolph Hearst, der sie in epischen Dramen sehen wollte, wie schade, da sie doch so eine wundervolle Komödiantin war.
Es gibt die Szene im Besetzungsbüro, in der die unschuldige und ahnungslose Südstaatenschönheit nach Fotos gefragt wird und begeistert ihr Babyfoto vorzeigt. Als sie danach gefragt wird, ob sie schauspielern kann, präsentiert sie ihre verschiedenen Stimmungen, von Meditation zu Freude.
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Das hier ist natürlich "Leidenschaft", was |
Das gab es übrigens wirklich.
Hier sind die Stimmgungen von "The Biograph Girl" Florence Lawrence, die manchen Quellen nach als der erste Filmstar betrachtet wird.
Mir gefällt auch William Haines als Billy. Er ist charmant und witzig, aber man kann auch seinen Schmerz darüber spüren, wie ihn Peggy behandelt.
In einer Szene ruft er sie an, um sie zum Essen mit ihm und ihrem Vater einzuladen, der sagt, daß selbst er sie nicht mehr oft zu Gesicht bekommt. Ich kann das wirklich nachvollziehen.
Und doch ist er so stolz auf sie und ihre Karriere und gibt den Versuch nicht auf, ihr klarzumachen, daß die Leute die alte Peggy wieder wollen.
Tatsächlich mag ich alle, Peggys liebenswerten Vater (Dell Henderson, der auch in "Ein Mädel mit Tempo" ihren Vater gespielt hat), den verrückten Komödienregisseur, der sich nicht mal im Kino zurückhalten kann, dem Regisseur im "High Arts Studio", der alles gut, um Peggy zum Lachen oder Weinen zu bringen (eine wundervolle Szene, und übrigens, wußtet ihr, daß es am Set zu diesem Zweck tatsächlich sogenannte Stimmungsmusiker gab, dazu eine tolle Geschichte hier?), Andre als der "Comte", der in Wirklichkeit vorher Kellner in einem Spaghetti-Restaurant war, und Miss Pepoire's verrücktes Dienstmädchen.
Ich darf aber nicht vergessen zu erwähnen, daß der Film voller Gastauftritte von wichtigen Filmleute aus der Zeit ist.
Da ist zum Beispiel Charlie Chaplin, der nach ihrem ersten großen Film um Peggys Autogramm bittet. Peggy, genervt davon, daß er so hartnäckig ist, fragt Billy "Wer ist dieser kleine Kerl?". Noch viel mehr sind bei dem Essen im Studio, zum Beispiel Douglas Fairbanks.
In der Tat bekommen wir sogar einen Gastauftritt von Davies selber, aber ...
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| Peggy ist von Marion nicht beeindruckt. |
Obwohl der Film keinen Sprechdialog hat, hat er einen Soundtrack, der wirklich gut paßt.
Ich hatte soviel Spaß, daß die 82 Minuten wie im Flug vergingen. Das kommt definitiv auf meine Favoritenliste!
Quellen:
1. Fritzi Kramer: Show People (1928) - A Silent Film. Auf: Movies Silently, 29. Juni 2013
2. Thomas Doherty: FROM THE ARCHIVES: Show People. Auf: Cineaste, Herbst 2012
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.




















































