Ich weiß, ich hatte Douglas Fairbanks letzte Woche, aber dieser Kurzfilm flog mir quasi vor die Füße - wow, was für eine Überleitung für den Titel 🥳 ich habe für euch "Das Geheimnis der fliegenden Fische" von 1916.
Wenn ihr euch das Kinoplakat gut anschaut, werdet ihr vielleicht überrascht sein. Es gibt mehrere Hinweise darauf, wovon der Film handelt. "The 1916 Cocaine Classic"?? Ich glaube nicht, daß ich das übersetzen muß. Ich schätze, bevor wir in die Handlung eintauchen, müssen wir hier erstmal über ein paar Dinge sprechen.
1. Dies ist eine Sherlock-Holmes-Parodie. Wir wissen alle, daß Sherlock diese ungesunde Angewohnheit hat, die Dr. Watson nicht gutheißt. Der Name "Coke" Ennyday scheint jedoch mehr eine Anspielung auf den "amerikanischen Sherlock Holmes", Craig Kennedy, zu sein, von dessen Existenz ich das erste Mal gehört habe (dann aber prompt den ersten Roman von Arthur B. Reeve in meinen Vintage Crime-Ordner gepackt habe).
2. 1916 war lang vor der Zeit, in der der Hays Code durchgesetzt wurde und sogar noch vor den Hollywood-Skandalen, die als erstes dazu führten, daß die Studios mit der Selbstregulierung anhand von Empfehlungen anfingen, die Hays 1924 einführte. Dope wurde auch in anderen Filmen erwähnt.
3. Kokain hat eine lange Verwendungsgeschichte - Coca Cola zum Beispiel hat seinen Namen ja aus einem Grund - und erst im 20. Jahrhundert begann sich die Sicht auf die Droge und ihre medizinischen Anwendungen zu verändern. Der Harrison Narcotics Tax Act, der die Verwendung von Opiaten reguliert und besteuerte, ist von 1914. Leider hat Kokain auch in Hollywood seine Geschichte ... und seine Opfer.
4. Die Geschichte ist von Tod Browning, dem Regisseur des "Dracula" von 1931, der für Horror- und Unterweltdramen bekannt war. "Freaks" verfolgt mich immer noch, also bezweifelte ich, daß dieser Kurzfilm das übertreffen können würde.
Nun da wir das geklärt haben, können wir zur Handlung übergehen. Ich möchte, daß ihr nicht mal versucht, sie mit irgendwelcher Logik anzugehen, weil es keine gibt. Nein, ehrlich, versucht es nicht.
Wir lernen "den größten wissenschaftlichen Detektiv der Welt" kennen, Coke Ennyday. Ja, er sieht nicht so recht danach aus, aber dafür kennen wir ja den Grund.
Wir wissen es sogar noch mehr, wenn wir das hier sehen. Nein, ich meine nicht die Verkleidungen, sondern die Kiste, die davor steht.
(Und warum erinnert mich der Bedienstete an Peter Boyle in "Frankenstein Junior", nur mit einer zu kleinen Pagenuniform?)
Ennyday wird von Stadtconstable Doolittle gebraucht - weil sich ein Mann ohne sichtbares Einkommen im Reichtum wälzt (Doolittles Worte, nicht meine). Sehr verdächtig.
Tatsächlich ... buchstäblich im Reichtum wälzend, was an Dagobert Duck erinnert, obwohl der Typ hier nicht in Münzen schwimmt, was sehr viel angenehmer aussieht.
Was sagt ihr dazu, das ganze Geld hat er gemacht, weil er an einem Drogenschmuggel beteiligt ist. Nein, nein ... nein, hört auf ... fragt nicht, warum man ausgerechnet Ennyday hinschicken würde, um sich das anzuschauen ... ich hab's euch gesagt, keine Logik!
Ennyday fährt an die Küste und findet heraus, daß die Drogen mit aufblasbaren "fliegenden Fischen" geschmuggelt werden (es heißt, sie seien für diesen Film erfunden worden, nochmal, fragt mich nicht, aber sie erinnern mich wirklich an fliegende Fische - im Original heißen sie springende Fische - und ich denke, sie würden heute noch gut ankommen).
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| Fliegender Fisch, gemeinfrei über Wikimedia |
Nur 25 Cents, um eine Stunde lang auf dem fliegenden Fisch zu reiten, der vom "Fischaufbläser"-Mädchen (Bessie Love) persönlich aufgeblasen ist!
Um es kurz zu machen, mit Hilfe einiger seiner erstaunlichen Verkleidungen - die Bedeutung von erstaunlich sei jedem selber zur Interpretation überlassen - findet Ennyday heraus, daß der verdächtige Typ mit einer jungen Dame und ein paar Asiaten (!!) zusammenarbeitet, die die "Sum Hop-Wäscherei" betreiben (autsch zum Namen ... aber ich habe ein neues englisches Slangwort für Opium gelernt).
Es folgt Chaos (plus ein kleiner Test der geschmuggelten Ware durch Ennyday und dem Beweis, daß die Fischaufbläserin sich gut selbst wehren kann, als sie gekidnappt wird und einer der Männer sie zu belästigen versucht), aber am Ende sind all die Bösewichte bereit, von der Polizei abgeholt zu werden, und es gibt ein Happy End für Ennyday und die Fischaufbläsern (es war damals nicht ungewöhnlich, daß die Charaktere keinen Namen hatten).
Aber ist das das Ende des Films?
Nein.
Denn als nächstes sind wir im Büro eines Szenarien-Entwerfers, der Doug sagt, er solle das Schreiben von Szenarien aufgeben und sich ans Schauspielern halten, also gehen Doug und Bessie.
Ende!
Ihr habt jetzt wahrscheinlich Fragen. Ich habe Fragen. Ich bezweifle, daß jemand Antworten hat, also ist hier ein Zitat von Fritzi Kramers Blog: "Ich habe einen Rat: stellt all diese Fragen nicht. Lehnt euch einfach zurück, entspannt euch und genießt diesen bizarren Kultklassiker als das, was er ist."
Ich mag das Seltsame oder leicht Bizarre, zum Beispiel bin ich Monty-Python-Fan und ich liebe (einige) schräge Cartoons. Und wie Fritzi außerdem vorhersagte - "es ist kein guter Film und es ist keine gute Komödie", aber ich "konnte nicht mal eine Minute wegschauen". Ich gab "whoa" von mir und "was zur ..." und andere Geräusche.
Dann erinnerte ich mich daran, wie ich mal mit jemandem einen schlechten Tierhorrorfilm angeschaut habe und wir uns ernsthaft fragten, wie wohl das erste Produktionsmeeting für diesen Film war ... soll heißen, was für "Erfrischungen" nahmen sie wohl zu sich? Hier hatte ich das gleiche Gefühl. Was ging da vor sich?
Lea Stans schreibt, daß "Doug für den Rest seines Lebens so tun würde, als ob "Das Geheimnis der fliegenden Fische" nicht existierte". Ja, kann ich verstehen.
Es tut mir nicht leid, ihn angeschaut zu haben. Ich bin noch nicht fertig damit zu analysieren warum.
Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):
1. Fritzi Kramer: The Mystery of the Leaping Fish - A silent film review. Auf: Movies Silently, 25. Oktober 2015
2. Lea Stans: Thoughts On: "The Mystery of the Leaping Fish" (1916). Auf: Silent-ology, 14. November 2020
3. Douglas Small: Cocaine: a cultural history, from medical wonder to illicit drug. Auf: Aeon. Essays. 4. Oktober 2024
Es
tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber
mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand
für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit
finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel
interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen
Eindruck vermitteln können.
















































