Sprechen wir heute über "The Wishing Ring: An Idyll of Old England" von 1914.
Wie gewöhnlich erstmal die Handlung (mit Spoilern).
Giles ist der Sohn des Earl of Bateson und einer dieser Studenten, die ihr Studium extrem ernstnehmen. Zumindest erzählt er das seinem Vater. Leider sieht die Realität etwas anders aus und Giles wird aus der Schule geworfen - und dann daheim hinausgeworfen, als sein Vater die Wahrheit erfährt. Vielleicht hätte er nicht versuchen sollen, Dad die Geschichte von Ferien "als Belohnung für vorbildliches Betragen" zu verkaufen. So eine Nummer zieht man nicht bei einem grummeligen alten Mann ab, der an Gicht leidet.
Der Earl weigert sich, Giles zurückkommen zu lassen, bis er ohne fremde Hilfe eine halbe Krone verdient hat.
Es stimmt, Giles ist absolut verantwortungslos und meint, ihm stünde alles zu, was er will. Er nimmt sich einfach Obst von einer Frau, und als sie protestiert, wirft er es auf sie. Er tritt einen kleinen Hund (das ist nur impliziert, man sieht es nicht) und lacht darüber. An diesem Punkt mögen wir Giles nicht.
Der Hund läuft nach Hause und wir erfahren, daß er der Gefährte von Sally ist, der Tochter des armen Pfarrers.
Zum Glück hat Giles einen vermögenden Patenonkel, Squire Annesley. Der Squire, dem gerade sein Gärtner davongelaufen ist, nachdem er ihn ausgeschimpft hat, weil jemand einige seiner Rosen gestohlen hat, steht kurz vor einer Reise und beschließt zu helfen, indem er Giles aufträgt, sich während seiner Abwesenheit um seine Rosen zu kümmern.
Giles entdeckt den Rosendieb recht schnell, es ist Sally.
Ihr Argument, daß Blumen ein Geschenk Gottes an die Menschen ist, arm oder reich, überzeugt ihn nicht so recht. Als sie ihm aber zeigt, daß die Blumen als Dekoration für die bescheidene Kirche gedacht sind, läßt er sie nicht nur behalten, sondern lädt sie auch noch auf ein Marmeladenbrot ein. Dann lädt Sally ihn nach Hause ein, um ihm ihren Vater vorzustellen.
Es liegt eindeutig Liebe in der Luft, da Giles sogar noch lächelt, als Sally völlig schräg sing und er ihr Löwenzahngebräu trinken muß!
Auf ihrem ersten gemeinsamen Spaziergang, besuchen sie ein Roma-Lager und Sally kauft einen silbernen "Wunschring".
Der Squire schickt Giles einen Brief und bitten ihn, alle Nachbarn zu einem Gartenfest einzuladen, um seine Rückkehr zu feiern. Natürlich schließt er Sally und ihren Vater ein, aber sie hat nichts anzuziehen, also schickt ihr "der Wunschring" alias Giles ein neues Kleid, einen Hut und Schuhe.
Auf dem Gartenfest finden Sally und der Pfarrer Giles' wahre Identität heraus, als er den Brief des Earls fallen läßt, und Sally begibt sich auf die Mission, Vater und Sohn zu versöhnen, indem sie Geschenke bringt, ihren Hund vorstellt und den Earl zu einer Schachpartie herausfordert. Er ist bezaubert, weigert sich aber, über Giles zu sprechen.
Da sie glaubt, daß ein Heilmittel für die Gicht helfen wird, besucht Sally noch einmal die Roma und bekommt gesagt, daß sie um Mitternacht bei Mondlicht ein Zauberkraut auf der Teufelsklippe pflücken soll, was sie sofort in Angriff nimmt.
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| Ich bin gesetzlich verpflichtet, Filmszenen mit Katzen zu erwähnen. Diese Katze wird sogar zweimal gezeigt. |
Am nächsten Morgen stellt der Pfarrer fest, daß Sally weg ist, und bittet ein paar Dorfjünglinge, ihm bei der Suche zu helfen. Einer davon denkt daran, den Hund mitzunehmen, der sie zu Sally führt, die von der Teufelsklippe gefallen ist.
Als der Earl davon hört, vergißt er seine Gicht völlig, verlangt nach einem Pferd und macht sich auf den Weg. Leider lahmt das Pferd und er bittet beim Gasthaus um ein neues. Der Wirt rennt zum Squire, wo ihm Giles sagt, er solle das Pferd aus dem Stall nehmen - wofür der Earl eine halbe Krone zahlt, die der Wirt zu Giles trägt, er erzählt ihm dann auch gleich von Sallys Unfall.
Als sich Giles und sein Vater an Sallys Bett begegnen, wird der Earl wütend und will gehen, aber Sally reicht ihm die halbe Krone und Giles sagt ihm, daß er ihn selber unwissentlich damit bezahlt hat.
Alle sind zum Hochzeitsfest eingeladen, Dorfjünglinge und -mädchen, Lehrer und Soldaten, Roma - und natürlich Sallys Hund!
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| Ich liebe es zu sehen, wie das junge Mädchen ißt. Das nenne ich mal Konzentration. |
Vom Titel her und nachdem ich "Der blaue Vogel" gesehen hatte, stellte ich mir vor, daß das noch so ein Märchen mit Moral sein würde, aber tatsächlich ist es eine Romcom und so eine süße!
Der Titel ist etwas irreführend, der Wunschring spielt keine so große Rolle, außer daß er Giles erlaubt, Sally anonym das neue Partykleid zu schenken.
Ich liebte zu sehen, wie Sallys unkompliziertes und enthusiastisches Verhalten - vielleicht etwas zu unkompliziert, was die Rosen betrifft, hätte sie den Squire nicht darum bitten können? - Giles verändert, aber ich denke, man konnte schon erkennen, daß Giles kein ganz böser Junge ist, als ihm der Squire auftrug, sich um seine Rosen zu kümmern. Keine Beschwerde, Schürze angelegt und los ging es, auch wenn wir nicht wissen, wie gut er es gemacht hat.
Es war auch schön zu sehen, wie schnell Sally das Herz des Earls für sich gewann. Das hatte für mich Vibes à la "Der kleine Lord", es genügte, daß Sally ungehemmt sie selbst war, genau wie Cedric, keine Vorstellung von Klassenunterschieden oder Schüchternheit.
Wir haben eine charmante Romanze, wir haben unsere witzigen Stellen, wir haben unser Drama, was könnte einem daran nicht gefallen?
Vor allem bei Bildern, die so schön sind wie das hier? Gebt es zu, das sieht nach einer schönen Stelle für ein Päuschen aus.
Der Film basiert auf Owen Davis' Theaterstück von 1910, was den Anfang und das Ende mit der Vorbühne und dem Vorhang erklärt und auch den stummen Chor aus vier jungen Mädchen, denen wir während des Films mehrfach begegnen.
Nun kommen wir aber zum wirklichen Helden, Gyp William als "Die Waise". Oh wartet, ich habe bis jetzt gar kein Waisenkind erwähnt? Nun, nicht unter diesem Namen ... ja, unser kleiner Gyp wird im Vorspann als vierter genannt, und wenn ihr mich fragt, verdient er das auch für seine großartige Darstellung!
Oh, und übrigens, dies war ein weiterer Glücksfund, als der Filmhistoriker Kevin Brownlow in einer nicht mehr bestehenden Filmbibliothek darauf stieß und zunächst nicht mal dachte, daß er die gewünschte Summe wert war!
Definitiv ein Eintrag für meine Liste von Lieblingsstummfilmen.
Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):
1. Fritzi Kramer: The Wishing Ring (1914) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 21. September 2014
2. Kyle Westphal: The Wishing Ring: An Idyll of Old England. Auf: Library of Congress. National Film Preservation Board. Documents
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.







































