Donnerstag, 9. Juni 2022

Hallo, kleiner Igel

Vor fast genau sieben Jahren habe ich eine kleine Igelfamilie gemacht.
Heute ist noch einer dieser kleinen Kerle in meinem Haus aufgetaucht. Vielleicht haben die großen, denen ich immer mal auf dem morgendlichen Weg zum Bahnhof begegnet bin, sie geschickt, um nach mir zu schauen, weil wir uns nicht mehr getroffen haben, seit ich wegen der Pandemie mit Homeoffice angefangen hatte ;-)

Es war lange her gewesen, daß ich einen Igel gemacht hatte, es war aber auch eine Weile her, daß ich das letzte Mal mit Draht gehäkelt hatte.
Es ist so komisch, wie gut es sich einerseits anfühlte - als besuche man eine Freundin, die man lang nicht gesehen hat - aber auch wie anders die Bewegung für Hände und Handgelenke ist als bei den verschiedenen Perlentechniken. Tatsächlich mußte ich mich erst wieder etwas daran gewöhnen.
Außerdem mußte ich ein wenig experimentieren, ihr erinnert euch ja vielleicht daran, daß ich niemals Muster aufschreibe, also mußte ich ein paar Dinge erst wieder austüfteln. Das Gute dabei ist, daß ich etwas anderes ausprobiert habe und sehr zufrieden mit dem Ergebnis war (und ich spreche nicht mal über die Ohren ... ja, sie ist mein erster Igel mit Ohren, die anderen zogen wahrscheinlich vor, mir nicht zuzuhören ;-)).

Sie reist bald übers Meer. Sichere Reise, meine Kleine!


Sonntag, 29. Mai 2022

Der geheimnisvolle Stein

Manchmal ist es echt blöd, alt/älter zu werden. Ich hatte mein ganzes Leben lang Gesundheitsprobleme und denke immer, ich sollte langsam daran gewöhnt sein. Wißt ihr was - ich bin es nicht.
Es fing mit Fußschmerzen an, was dann dazu führte, daß mich die Hexe anschoß, weil ich nicht richtig laufen konnte. Es ist nicht so, als hätte ich mich noch nie zuvor alt gefühlt, aber ihr hättet mich in den letzten paar Wochen sehen sollen. Wenn eine Stelle sich beruhigt hatte, fing die nächste an wehzutun, und es ist auch noch nicht vollkommen erledigt.
Das Schlimmste daran war, daß es mir alle Motivation raubte, auch nur den Versuch zu unternehmen, etwas zu tun, das Spaß machte, wie zum Beispiel kreativ zu sein, denn ich machte mir nur Sorgen darüber, wie ich mich am besten um die Katzen kümmern sollte (zum Glück mit etwas Hilfe aus der Familie) und nicht zu Boden zu gehen, wenn der Dekan versuchte, meinen alten 2 DM Flohmarktstock zu jagen, während ich mein Bestes tat, mich langsam zum Beispiel in die Küche zu bewegen.
Ich war mir so sicher, daß er und ich in einem erderschütternden Sturz sterben würden, er, weil ich auf ihn drauffallen würde! ;-) Seltsamerweise schafften wir es beide lebend.
Gundel war schlau genug, sich da ganz rauszuhalten.

Vor ungefähr einer Woche fing ich dann an, an einer neuen Dawn-Puppe zu arbeiten, und es fühlte sich so gut an, wieder kreativ zu sein.
Vor zwei Tagen aber verspürte ich auf einmal den Drang, ein Schmuckstück zu machen. Ich glaube, das letzte Mal habe ich vor Ostern etwas gemacht, definitiv zu lang her!
Als ich meine Cabochonschublade durchschaute, fand ich einen Stein, den ich schon jahrelang hatte. Ich hatte ihn sogar schon mal für einen Anhänger verwendet, war aber nie richtig glücklich damit.
Wahrscheinlich hatte ich den Stein mal als Handschmeichler gekauft, er ist nämlich wirklich glatt.
Letztes Mal hatte ich Messing- oder Bronzedraht - das ist zehn Jahre her, ich erinnere mich nur, daß es für meine Hände echt hart war - und dunkelrote Swarovski-Doppelkegel benutzt gehabt, und auch bei diesem Perlenstickanhänger blieb ich bei der Farbkombination aus Gold und Rot.

Der geheimnisvolle Stein gefällt mir immer noch, auch wenn ich keine Ahnung habe, was es für einer ist. Was denkt ihr?

Montag, 2. Mai 2022

Dawn trägt jetzt Boho

Gewöhnlich brauche ich eine Pause, nachdem ich ein Puppenoutfit fertigemacht habe. Ich nehme mir eine Weile, um mich in dem Gefühl zu sonnen und meine eigene Arbeit zu bewundern - ja, ich weiß, das klingt nicht sehr bescheiden, aber es ist überwiegend ein sehr interessanter Weg von den ersten paar Perlenreihen bis zur fertigen Puppe, und ich bin immer selber fasziniert, daß es tatsächlich passiert ist!
Diesmal war mein Perlenmojo stark genug dafür, nur ein paar Tage nach Fertigstellung des Brautkleids mit einer neuen Puppe anzufangen, und wieder einmal gab es Experimente, Mißerfolge und eine komplette Planänderung.
Wißt ihr, mein erster Plan war rosa gewesen, aber ich hatte Probleme, das gleiche Rosa in zwei Größen zu bekommen, 11er und 15er, also sah ich mir die Farben an, die ich schon hatte, und entschied mich stattdessen für ein Lüster-Opakrot, das zu meinen Favoriten gehört.
Zum Glück sieht Rot mit goldenen Akzenten an diesem Mädchen mit ihrem langen blonden Haar großartig aus, und glücklicherweise hat sie nicht soviel Angst vor Farbe wie ich oft selber oder dieses Kleid wäre nun schwarz ;-)

Mein zweiter Plan war eine Art Abendkleid gewesen, über das ich nicht mehr sagen möchte, für den Fall, daß ich irgendwann doch noch eine Variation davon mache (wie oft habe ich das schon über etwas gesagt?). Der Grund, diesen Plan nicht weiterzuverfolgen waren die Handschuhe.
Wußtet ihr, daß Dawn echt kleine Hände hat? Perlenhandschuhe sahen einfach zu klobig aus, selbst mit 15ern, und natürlich bestand keine Chance für mich, mit Perlen einen Daumen zu machen.
Also wurden die Handschuhe stattdessen zu Ärmeln, 3/4 lang, was eine von mir bevorzugte Länge ist.
Als ich noch Strickerin war, habe ich Ärmel gehaßt. Das war mein altes Problem, wenn ich dasselbe zweimal machen soll, laaaangweilig. Diesmal habe ich die Ärmel zuerst gemacht, das ist definitiv neu für mich.

Was ich wirklich daran mag, diese Puppenoutfits zu machen, ist, wie eines das andere beeinflußt, oft unerwartet. Nach den Ärmeln habe ich das Top gemacht und nachdem ich oben am Top angekommen war - ich fange oft bei der Taille an, weil die Perlen dort nicht versuchen wegzurennen - und es mit den Ärmeln verband, kam es mir. Ein Carmen-Ausschnitt!
Und der Carmen-Ausschnitt wiederum schrie nach einem weiteren, fließenden Rock.
Ihr denkt vielleicht zuerst, daß dieses Kleid nicht soviel anders aussieht als das der Feenkönigin, aber tatsächlich hat es ein paar Dinge, die ich so das erste Mal gemacht habe.
Da sind der Ausschnitt und meine ersten langen Ärmel, da sind winzige Kristallverzierungen (dabei müßt ihr mir vertrauen, das sieht man hier schlecht), und nicht nur ist die Taille ein bißchen höher angesetzt, was Dawns hübsche Figur betont, sondern der Rock weitet sich ebenfalls schon etwas höher, und nachdem er einige Reihen lang immer an den gleichen Stellen weiter wird, fällt er dann gerade heruner, während der Rock der Feenkönigin rundherum zunimmt und zwar bis ganz nach unten.
Das ist der Spaß daran, diese Kleider zu machen, auch wenn man dadurch eingeschränkt ist, daß die Perlen nicht flexibel sind, kann man trotzdem noch mit Designs spielen.
Ich glaube, Dawn gefällt es auch, von der Art, wie sie ihr neues Kleid herzeigt, zu urteilen.



Das Kleid schien nicht viele Accessoires zu brauchen, also trägt Dawn nur ein paar einfache Goldsandalen - ich bin mir sicher, sie wäre auch gern barfuß gelaufen - eine klassische zweifarbige Kugelkette aus beschichtetem Hämatit und eine süße kleine Gänseblümchenkette. Vielleicht hat sie sie gerade erst selber gemacht, bevor sie zum Markt ging?
Ja, sie ist mit ihrem Einkaufsnetz, das sie zweifelsohne auch selber gemacht hat, auf dem Markt gewesen und hat einen riesigen Maiskolben mit nach Hause gebracht, der das Netz bis obenhin ausfüllt. Hoffentlich ist er Bio, aber ich bin sicher, Dawn weiß, was sie tut! ;-)


Ich habe bereits mindestens zwei neue Designs im Kopf, eins davon erfordert allerdings mehr Planung wegen der Technik, die ich wohl anwenden muß, also kann ich nicht versprechen, wann es mehr zu sehen geben wird.

Sonntag, 17. April 2022

Die Braut

Es ist fast ein Jahr her, daß ich mein letztes Puppenoutfit aus Perlen gemacht habe, das war Miss Francie Bennet, aber an diesem Wochenende spürte ich das plötzliche Bedürfnis, mir eine meiner Topper Dawns zu schnappen und ihr ein neues Outfit zu fädeln.
Diese spezielle Dawn hat mehrere Probleme, überwiegend mit ihren Beinen, also war mein einziger Plan zu diesem Zeitpunkt ein enger Rock, um diese zu verbergen.

Als ich meine allererste Dawn bekam, hatte ich damit angefangen, ein Brautkleid für sie zu machen, das mir aber zur Hälfte des Projekts nicht mehr gefiel, weshalb sie schließlich stattdessen ein Abendkleid bekam.
Wie wäre es, diese Idee nochmal aufzugreifen?
Es gab mehrere Gründe dafür, das zu tun. Bei einem Brautkleid kann man total übertreiben, wenn man das möchte, und deine Puppe kann sich nicht beschweren. Ich wüßte, daß ich ausreichend perlweiße Rocailles in Größe 11 und 15 hatte. Ein Brautkleid ist immer Teil von Modeschauen gewesen. Es ist fast Mai, die Hochzeitssaison steht bevor. Ich nutze jede Entschuldigung, die ich finden kann.
Natürlich habe ich keinen Ehemann für Dawn, aber damit wird sie leben müssen.

Da das Kleid diesmal ausgearbeiteter ist, habe ich mich bei den Accessoires zurückgehalten - weniger zu lesen für euch!
Dawn trägt eine schlichte Silberkette und ein "Perlen"haarband (was elegant aussieht, aber auch hilft zu verstecken, daß irgendwann einmal ein Kind anscheinend versucht hat, ihr ein Pony zu verpassen). Erst fing ich noch an, einen kurzen Schleier zu machen, der vom Haarband herunterfällt, aber er war nicht schwer genug, um auf eine hübsche Art über Dawns Haar zu fallen, also habe ich ihn wieder weggemacht.
Auch Schuhe habe ich diesmal nicht aus Perlen gemacht, ich hatte aber zufällig ein paar Schuhe in weiß, die ich für Klonschuhe halte und die besser an ihren kleinen Problemfüßen hielten (ich kann das so nachvollziehen, auch wenn meine nicht klein sind!).

Nun zum Kleid.

Wie geplant ist der Rockteil schmal und lang genug, die Schuhe zum größten Teil zu verstecken, weil mir ihr Aussehen zu dem Kleid nicht sehr gefielen, wegen des Materials und des Weißtons. Ich habe Dawn versprochen, daß sie keine großen Entfernungen laufen muß ;-)
Der vordere Teil des Rocks ist mit Reihen winziger Kristallrocailles mit Silbereinzug verziert, das hat einen Grund. Wegen der Herringbone-Technik sind kleine Lücken im "Stoff", und ist es, weil ich Dawns Probleme kenne oder weil ich denke, daß ich sie tatsächlich sehen kann, auf jeden Fall hatte ich das Bedürnis, ein wenig davon abzulenken. Außerdem mag ich etwas Silberglitzer!



Das Oberteil ist eine Mischung aus Herringbone und Peyote und hat über die Schultern fallende Träger. Sie verbergen einen Fehler auf Dawns Arm, aber tatsächlich habe ich sie gemacht, weil sie mir zu diesem Oberteil gefallen.

Ich wollte auch eine Schleppe für das Kleid, das war sogar schon für den Versuch mit dem ersten Brautkleid vor Jahren der Plan gewesen.
Die Entscheidung fiel auf diese abgestufte Schleppe, die wie ein Überrock an der Taille beginnt (ich habe Überröcke schon als Kind geliebt, meine gezeichneten Damen trugen immer einen offenen). Daß er an den Rändern nicht gerade ist, liegt übrigens nicht daran, daß die Herringbone-Technik in Perlenpaaren gearbeitet wird, mir gefiel dieser andere Look einfach.
Eine Sekunde lang dachte ich noch daran, sie ebefalls zu verzieren, aber dann entschied ich mich dagegen. Stattdessen fügte ich vorne die kleinen Perlen"ketten" hinzu.



Auch an Blumen habe ich gedacht. Eine Blume am Haarband oder eine am Ausschnitt, vielleicht an der Taille, aber das schien alles zuviel.
Vielleicht gebe ich irgendwann eine einzelne Blume zu halten.

Ich habe schon das nächste Projekt im Kopf, aber dafür brauche ich wahrscheinlich den Webrahmen, und bisher habe ich gezögert, den herauszuholen, wenn der Dekan (mein kleiner Kater) in der Nähe ist.
Wir werden einfach abwarten und mal schauen müssen, was passiert.

Freitag, 1. April 2022

Pack die Vorräte an - Rhodonitanhänger

Normalerweise fange ich einen Vorratsfresser damit an, daß ich meine Vorräte durchschaue, um zu sehen, ob mich irgendetwas anspricht.
Diesmal begann ich mit einem übriggebliebenen Stück Perlenstickuntergrund. Als ich meinen kleinen Igel gemacht habe (über den ich nicht gebloggt habe, den ihr aber auch in meiner Galerie finden könnt), wußte ich zunächst nicht, was daraus und wie groß es werden würde. Nun, nicht sehr groß, wie sich dann herausstellte, also hatte ich ein Stück Untergrund mit einem Loch in der Mitte und null Ahnung, was damit zu machen war - bis ich es in zwei Stücke schnitt und so zwei reichlich seltsame Formen erhielt.

Eine davon nahm ich mit zu meiner Vorratsschublade, um zu sehen, ob ich irgendetwas hatte, was größenmäßig passen und eine Idee hervorbringen könnte, als sich mir ein kleiner Rhodonitdonut in den Weg warf und so den Experimentalmodus einschaltete.

Das war eine recht interessante Reise. Die ersten Schritte waren einfach. Ich klebte den Donut auf, dann suchte ich nach Farben für die Fassung. Lustigerweise hatte ich matte Rocailles, die fast perfekt die Farbe des Rhodonits hatten. Sie kamen aus einem der Überraschungs-Perlenmischungen, die ich gern bestelle, und bis jetzt war ich mir ziemlich sicher gewesen, daß ich sie nicht so bald verwenden können würde. Kennt der Perlenshop meine Vorräte etwa besser als ich? ;-)
Gut, und nun noch welche Farben dazu?
Ich wollte etwas Farbe und etwas Glanz (meine Art zu sagen, daß ich es liebe, Metallic-Akzente zu setzen). War es Zufall, daß die meisten Farben, die ich aussuchte, schon draußen lagen? Und war es Zufall, daß ich die dunkelroten feuerpolierten Kristalle gerade erst wiedergefunden hatte? Von denen einer perfekt ins Loch des Donuts paßte?
Das wurde fast etwas unheimlich!

Von da an folgte ich einfach dem Fluß. Ich hatte die Ränder des Untergrunds willkürlich abgerundet, nun mußte ich dem ein Muster anpassen.
Nachdem ich ein paar Kurven gestickt hatte, bemerkte ich, daß mich das an Kleidermuster aus der Modära erinnerte, fast ein bißchen psychedelisch, obwohl diese Kleider wahrscheinlich viel bunter gewesen wären.

Am Ende brauchte das Teil noch eine Kette, und die konnte ich echt nur auf eine Art befestigen.
Ich kämpfte noch etwas mit der Versuchung, einen Tropfen von der Spitze baumeln zu lassen (die nicht wirklich eine Spitze ist, das ist nur eine Illusion dank des Kristalls, von hinten sieht das Teil mehr aus ein Mitglied der Barbapapa-Familie ;-))  oder Fransen aus winzigen Rocailles oder aus feiner Kette, aber dann schien mir das dann doch zuviel zu sein.



Dieses Experiment hat Spaß gemacht. Vielleicht sollte ich das noch öfter probieren, immerhin habe ich für den Anfang ja noch die zweite Hälfte. Ich lasse euch wissen, wie es ausgeht.

Sonntag, 20. März 2022

Nostalgie - Stollwercks Victoria

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche" machte, hatte ich ein paar, "Ich bin eine Sammlerin" genannt, in denen ich Vintagestücke zeigte. Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen größtenteils nicht mehr gewachsen, aus verschiedenen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch Vintagestücke, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere. Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

Mein letzter Nostalgie-Post ist 1 1/2 Jahre her, ich habe aber in der Zeit auch überhaupt nicht so oft gebloggt.
Heute aber hat mir einer meiner kleinen Steiff-Teddys eine Geschichte erzählt. Es scheint, daß er auf Abenteuersuche ging und mitten im Nirgendwo einen großen (verglichen mit ihm) Automaten für Schokolade und Bonbons fand!
Leider war der Automat leer und Klein-Teddy war recht enttäuscht. Andererseits mußte er zugeben, daß er sowieso kein Geld bei sich hatte, wie leid hätte es ihm also getan, hätte es Schokolade gegeben, aber keine Möglichkeit ranzukommen!


Schauen wir uns den Automaten, den Teddy gefunden hat, mal etwas genauer an.
Es ist der "Victoria" Spar-Automat der Firma Stollwerck.
Stollwerck, ein Hersteller von Schokolade, Kakao und Bonbons, war die erste Firma, die 1887 Verkaufsautomaten in Deutschland aufstellte. Von ihrem großen Erfolg inspiriert beschloß Stollwerck, ab 1890 Miniaturversionen davon herstellen zu lassen, die die Kinder "rechtzeitig an Sparsamkeit" gewöhnen und ihnen eine "Anspornung zum Fleisse" geben sollten. Die Automaten wurden von der Firma von Friedrich Anton Reiche produziert, die auch für ihre Schokoladenformen (heute sehr sammelwürdig) bekannt war.

Wie funktioniert der Automat?
"Victoria" hat zwei Kammern, die mit Probepackungen von "Chocolade" und "Bonbons" befüllt werden konnten.
Das Haus hat zwei Kamine gleich Münzschlitze, und je nachdem in welchen Kamin man das 10 Pfennig-Stück warf, bekam man Schokolade oder Bonbons, wenn man die Schublade herauszog.
Der Text heißt: "Spare dein Geld, mein liebes Kind, Wirf es hier herein geschwind. Alles was du dir gespart, Wird für dich hier aufbewahrt."
Auf der Vorderseite steht außerdem noch: "Knusper, knusper Kneischen, Was klappert in mein Häuschen?", was sich natürlich auf die Münzen bezieht.



Um den Automaten wieder aufzufüllen und das gesparte Geld herauszubekommen, konnte man ihn an der Seite mit einem kleinen Schlüssel aufsperren, was das Abheben der Rückwand und des Dachs erlaubte.
Ich frage mich, wieviele Eltern ihn selber auffüllten und wieviele die Kinder einen Teil ihres Ersparten auf die Füllung verwenden ließen, um sie den Wert des Geldes zu lehren.

Aus dem obigen Zitat könnt ihr leicht erkennen, daß der Automat uns das Märchen von Hänsel und Gretel erzählt, allerdings mit einer kleinen Wendung.
Ihr könnt auch sehen, daß Teddy trotzdem sehr vorsichtig war, damit er keinen Ärger bekam!


1. "Hänsel und Grethel, verirrt und bang, Liefen im dunklen Wald so lang, Standen zuletzt vor'm Zuckerhaus, Kam eine böse Hexe heraus."


2. "Packte die Hexe die Kinder klein, Steckte sie in den Stall hinein, Fletschte die Zähne und freute sich, Sprach: Das giebt einen Schmaus für mich."


3. "Anders kam's als die Alte gedacht; Als sie den Backofen heiss gemacht Packte klein Grethel die Hexe am Bein, Schob sie geschwind in die Glut hinein."

Soweit kennen wir das Märchen, jetzt aber kommt die Wendung von Stollwerck.

4. "So erzählt's das Märchen dir, STOLLWERCK Zuckerhäuschen hier Sieht nicht so gefährlich aus, Schaut auch keine Hexe raus."

5. "Droben aus dem Fenster klein Schaut ein gutes Mütterlein, Bringst ein Stückchen Geld du ihr, Giebt sie stets 'was Süßes dir."


In unserem Stadtmuseum gibt es einen dieser Automaten, in den ich verliebt war, seit ich ein kleines Kind war.
"Victoria" wurde um 1900 herum produziert und ist ein gefragtes Sammlerstück, aber meinem Exemplar fehlt der rote Sockel, stattdessen ist es auf einer Metall/Holzplatte befestigt, was es erschwinglich genug für mich machte, damit mein Traum, meine eigene "Victoria" zu besitzen, wahr wurde.
Wenn nun nur auch Teddy noch seinen Traum von "Chocolade" und "Bonbons" erfüllt bekäme ...

Freitag, 18. März 2022

Pack die Vorräte an - Peyote-Röllchen-Ohrringe

Als ich die Perlen für meinen geflügelten Skarabäus durchschaute, fand ich zwei Röhrchen mit Delicaperlen in meinem Vorrat. Beide waren Teil einer Überraschungsmix-Bestellung gewesen. Wann immer ich eine Perlenbestellung mache, kann ich nicht widerstehen, einen Überraschungsmix in meinen Warenkorb zu legen.
Ich bekomme dann vielleicht ein paar Perlenfarben, -formen oder -größen, für die ich momentan keine Idee habe, aber es ist immer eine nette Herausforderung, etwas zu verwenden, an das ich selber beim Bestellen nie gedacht hätte, und einige dieser Perlen waren einfach genau richtig für meine Projekte.

Diese speziellen Röhrchen waren Delicas in Größe 10 und 8. Ich benutze meine Delicas meistens zum Perlenweben und es hätte ziemlich schwierig werden können, diese größeren in einem Stück einzuarbeiten, also mußte ich mir etwas anderes Kleines ausdenken.
Was mir als erstes einfiel, waren Ohrringe aus Peyote-Röllchen, aber natürlich mußte noch irgendetwas zu den Röllchen dazu, denn einfaches - wenn auch schimmerndes - Weiß mit Goldeinzug oder Rot wäre nicht sehr aufregend.

Nachdem ich die Röllchen also fertig hatte, schaute ich nochmal über meine Vorräte.
Ich liebe diese winzigen Würfelchen in gold AB, so sehr, daß ich, als ich sie erstmals entdeckte, gleich eine ganze Ladung davon bestellte, die ich noch immer nicht komplett aufgebraucht habe.
Ihre Kanten schmiegen sich perfekt in die Lücken zwischen den Delicas an.
Nur noch zwei Swarovski-Kristalle und ein paar winzige Rocailles und voilà, ein hübsches Paar Ohrringe!


Da die roten Delicas kleiner waren, brauchten sie auch kleinere Akzente, aber was?
Dann fiel mein Blick auf meine kleine Steiff-Marienkäfer-Wollminiatur (der gelbe Schimmer kommt übrigens von meiner Tageslichtlampe, tatsächlich ist er völlig rot). Perfekt!
Wie gefallen euch meine Marienkäfer-Ohrringe?