Samstag, 11. April 2026

10 am 10. - Würdest du lieber ...

Zunächst mal, ja, ich weiß, daß es nicht der 10. ist. Ich bin nur komisch in Bezug auf zwei Posts am selben Tag.
Also, ohne Umschweife, hier sind meine 10 am, nun ja, 11. Das sind die Fragen, die Marsha uns gestellt hat.


Würdest du lieber einen Vokuhila oder eine Dauerwelle tragen?

Dauerwelle, obwohl ich das vor vielen Jahren zweimal ohne überzeugende Resultate probiert habe. Ich habe immer von sanften Wellen geträumt, aber die hatte ich nur, wenn meine Haare naß waren, egal wieviel ich herumgeknetet habe. Es ist witzig, daß ich vor Jahren auf einmal ein paar Wellen in meinen sehr langen Haaren bekam, aber seltsamerweise sind es nur ein paar Strähnen und nicht unbedingt die obendrauf.

Hättest du lieber einen Zauberteppich oder eine Kristallkugel?


Leicht. Auf jeden Fall eine Kristallkugel. Sogar als Kind hatte ich schon Probleme damit, an Detektiv Tiegelmann auf seinem magischen Teppich zu denken. Schaut euch das Bild an, macht euch das nicht nervös? Ich meine, ist das wie ein Holzbrett oder hängt er beim Flug durch? Was ist mit Turbulenzen? Kann man echt ein Faß draufstellen? Nein nein, ich möchte bitte die Kristallkugel haben. Ich sage aber nicht, daß ich sie benutzen würde. Sie könnte auf einem Tisch in der Ecke herumstehen und hübsch aussehen.

Würdest du dich lieber sofort irgendwohin teleportieren oder lieber Gedanken lesen können?

Auch einfach. Teleportieren natürlich! Wenn das mit einem Fingerschnipsen funktionieren würde, wäre das toll. Keine Maschinen, dabei denke ich an "Die Fliege" oder eine sehr gruselige Geschichte, die ich mal gelesen habe.
Für jemanden, der nicht sehr mobil ist, hört sich Teleportieren großartig an. Als erstes würde ich ein paar Onlinefreunde besuchen.
Gedanken lesen - nein. Wenn man sieht, wie Gedanken die ganze Zeit im Internet ausgeschüttet werden, ist das tatsächlich ein gräßlicher Gedanke. Es sei denn, man könnte es ab- und anschalten. Nö, nicht mal dann.

Würdest du lieber Brokkoli mit Schokogeschmack oder Schokolade mit Brokkoligeschmack essen?

Ich habe das zuerst als schokoladeüberzogenen Brokkoli gelesen, aber natürlich könnte es ein klein wenig schwierig sein, dafür Schokolade mit Brokkoli zu überziehen (und es hört sich ekelhaft an).
Wo ist hier die Auswahl? Ich könnte ja immer die Augen schließen, um zu vergessen, daß ich Brokkoli esse, und den perfekten Schokogeschmack bekommen, nicht wahr, aber ich glaube, andersherum würde das nicht funktionieren.

Hättest du lieber eine sprechende Toilette oder einen sprechenden Kühlschrank?

Ich mag gar nicht, wenn meine Geräte sprechen. Ich schreie meine Waschmaschine an, wenn sie mich vom Bad aus anpiept, um ihr zu sagen, sie soll die Klappe halten, ich komme, wenn ich soweit bin. Wenn mein Kühlschrank mich anpiept, um mich zu informieren, daß die Tür zu lang offen war, während ich noch versuche, die letzten Teile von der Lebensmittellieferung reinzupressen, rufe ich "Ich weiß, ich weiß, ich beeile mich ja!"
Ich spreche mit unbelebten Objekten, ich muß es echt nicht haben, daß sie zurückquatschen, aber wenn ich wählen muß, wird es der Kühlschrank. Ich frage mich nur, ob wir philosophische Gespräche führen werden oder ob er mich nur an das sterbende Gemüse oder an den lebenden Käse erinnern wird.

Würdest du lieber Glitzer niesen oder Gelee weinen?

Habt ihr schon jemals ein Zeitlupenvideo von einem Nieser gesehen? Und habt ihr je einen meiner Überraschungsnieser gesehen? Ich möchte nicht in einer Welt voller Glitzer leben. Ich mag, wie Glitzer aussieht, aber ich habe ihn aus gutem Grund schon lang aufgegeben.
Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie schwierig es wäre, Gelee zu weinen, aber angesichts der Körpertemperatur wäre es wahrscheinlich nicht zu schrecklich?

Würdest du lieber einen Schneemann oder eine Sandburg bauen?

Bild über pxhere

Aus Erfahrung würde ich sagen, daß ich in beidem ziemlich schlecht sind. Ich bin kein großer Strandfan, was das Herumliegen in der Sonne angeht, aber ihr - ich sehe besonders dich an, Marsha - wißt, daß ich Schnee hasse, also wird es die häßliche Sandburg.

Hättest du lieber ein Einhorn oder einen Drachen als Haustier?

Ich werde nicht wählen. Ich ... ich werde beides haben. Ja, und sie werden beste Freunde sein ... und dann werden wir die besten Abenteuer haben und ... und ich werde sie Amalthea und Puff nennen ... und sie werden in meinem Zimmer schlafen ...

Bilder über pxhere

Tut mir leid, aber bei einer solchen Frage kann ich nicht anders als zum Kind werden. Ich hoffe, ich habe meine aufgeregten Schnaufer gehört und vielleicht hatte ich einen Finger im Mund, um besser denken zu können (und habe doch keine weniger klischeehaften Namen gefunden).
Aber ja, ich werde auf jeden Fall beide haben.

Wärst du lieber die witzigste Person im Raum oder die klügste Person im Raum?

Nun, das kommt auf die Umstände an, nicht wahr? Wenn ich für eine Standup-Routine auf der Bühne stehe, würde ich vorziehen, die witzigste zu sein, bei einer Arbeitsbesprechung wäre ich lieber die klügste.
Allgemein gesprochen, würde ich aber immer wählen, die klügste zu sein, hoffentlich nicht auf nervige Art.

Hättest du lieber eine Unterhaltung mit deinem früheren Ich oder deinem zukünftigen Ich?

Ich bin schrecklich bei diesen Zeitreiseangelegenheiten. Ich könnte meinem früheren Ich einige Ratschläge geben, aber was würde das mit meinem gegenwärtigen Ich anstellen? Ich möchte die Kristallkugel nicht benutzen, also warum sollte ich mit meinem zukünftigen Ich sprechen wollen?
Ich würde lieber mit meinem Kühlschrank über flaumigen Käse sprechen.

Wie hättet ihr diese Fragen beantwortet?

Freitag, 10. April 2026

Weekend Traffic Jam Reboot - Woche 151

Willkommen beim Weekend Traffic Jam Reboot!
Meine Posts für den Linkup gehen freitags um 3.30 morgens live (das ist dem Zeitunterschied zu den USA geschuldet).



Wenn ihr mich schon eine Weile kennt, kennt ihr das obligatorische Frühlingsbild.
Kleine Herzen im Garten ... ich freue mich darauf, sie in voller Blüte zu sehen. Es ist nur eine Pflanze, aber sie macht mich immer so glücklich (wenn ihr wissen möchtet warum -> hier).



Seid ihr für das Wochenende bereit?

Als Teil des Reboots werden wir jede Woche einen anderen Blog vorstellen.
Wie wäre es, wenn ihr vorbeischaut und hallo sagt? Sagt ihnen, daß wir euch geschickt haben.



Diese Woche fällt unser Spotlight auf For Family Caregivers.


Charlene und Justin von For Family Caregivers schreiben: "Wir sind ein Mutter-Sohn-Duo, das fünf Jahre lang für einen geliebten Menschen gesorgt hat, nachdem er die Diagnose einer primär progressiven Aphasie aufgrund einer Degeneration des Frontallappens erhalten hatte. Es ist eine Krankheit, von der niemand gehört hatte, bis sie auch bei Bruce Willis diagnostiziert wurde. Wir haben gelernt, uns für eine Krankheit zu engagieren, über die wenig bekannt war, uns an rasante Veränderungen anzupassen, die dazu führten, daß er nicht mehr sprechen und sich selber ernähren konnte und daß er vollkommen auf Hilfe angewiesen war. Wir lernten aus der Praxis - wir grübelten, forschten nach, stellten Fragen und manchmal gaben wir in Tränen und Frustration auf.
Es war eine Herausforderung. Herzzerreißend. Und ein Privileg. Wir sind nicht die einzige Familie, die diese unerwartete Reise antritt. Wir möchten unser schwer erworbenes Wissen teilen, damit andere von unseren Kämpfen profitieren und ihnen Bedeutung geben können. Das kann nur 5-10 Minuten dauern, denn das ist die ganze "Freizeit", die Pflegende haben! Kurze und knackige Häppchen: zeitsparende Tips zum Nachmachen, Denkanstöße, neue Herangehensweisen, eine Abwechslung von der Routine, etwas Selbstfürsorge, nützliches Wissen ... Wir haben diese schweren Zeiten durchgemacht und wir möchten sie für andere leichter machen."



Marsha von Marsha in the Middle hat 2021 als Training mit dem Bloggen angefangen, um ihre Neuroplastizität zu erhöhen. Ach, wem machen wir was vor? Marsha hat mit dem Bloggen angefangen, weil sie Kleidung liebt, und sie redet oder in diesem Fall schreibt einfach gern!

Melynda von Scratch Made Food! & DIY Homemade Household - Der Name sagt schon alles, wir haben uns im Osten von Texas angesiedelt, wobei sich drei Generationen das Land teilen. Ich koche und backe alles selber, wenn ich nicht gerade gärtnere oder den Hühnern nachlaufe, und stricke!

Lisa von Boondock Ramblings erzählt von den Büchern, die sie schreibt und liest, ihrem Glauben, Home-Schooling, Fotografie und mehr.

Cat von
 Cat's Wire hat, was sie ein Springspinnengehirn nennt. Sie hat viele Interessen und bloggt über das, was immer gerade ihre Aufmerksamkeit erregt - Handarbeiten, Bücher, alte Filme, Sammelwertes oder "einfach nur so".

Rena von Fine Whatever Blog schreibt über Stil, Leben im mittleren Alter und die "gut, was auch immer" Momente, die dem Leben Sinn und Spaß geben. Seit 2015 feiert sie Kreativität, Selbstvertrauen und die Freude am Alltag.


Hier ist meine Auswahl von ein paar Posts aus dem Linkup der letzten Woche (englischsprachig).


Melody denkt, ihr solltet Kristin Hannahs "The Great Alone" lesen. Hier ist warum.

Amys Post hat mich daran erinnert, daß ich immer noch keine gerösteten Radieschen probiert haben und sie sehen so gut aus!

Ich bin selber keine Handwerkerin, also bin ich immer beeindruckt, wenn jemand etwas repariert, wie es Gina mit der Öffnung zu ihrer Bühne gemacht hat (für Nichtschwaben: Dachboden!).

Oh, die Jagd nach Kleidern in einer bestimmten Farbe. Gail hat genau das gefunden, was sie wollte.



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Donnerstag, 9. April 2026

Stummfilme - Flitterwochen im Fertighaus

Wie gut seid ihr darin, Möbel zusammenzubauen? Ich habe zwei kleine identische Truhen. Eine sieht gut aus, die andere geht an einer Stelle immer ein bißchen auseinander - bis ich sie mit einem gut gezielten Schlag wieder zusammenklopfe. Ich habe absolut keine Ahnung, was ich bei der zweiten anders gemacht habe. Das ist nur ein Beispiel. Manchmal bin ich gut, manchmal nicht so sehr.
Könnte ich aber ein ganzes Haus zusammenbauen?
Schauen wir mal, wie gut Buster Keaton darin ist, okay? Heute habe ich den 20-Minuten-Film "Flitterwochen im Fertighaus" von 1920 für euch.


Wie gewöhnlich die Handlung (Spoiler!). Meine Einführung hat euch wahrscheinlich schon eine Vorstellung gegeben ...

Zu ihrer Hochzeit schenkt Onkel Mike einem glücklichen Brautpaar ein Haus und Grundstück Nr. 99 Apple Street.

Der Fahrer ist Handy Hank,
der Typ, den die Braut abgewiesen hat.

Als sie aber zum Grundstück kommen, ist dort kein Haus, sondern ein Laster, der Kisten von der Portable House Co. abliefert. In der Anleitung heißt es, sie sollen ihr Heim den Nummern auf den Kisten nach zusammenbauen, "um diesem Haus ein pfiffiges Aussehen zu verleihen".


Buster fängt sofort an, aber der eifersüchtige Hank verändert heimlich ein paar Zahlen auf den Kisten.


Als Buster also fertig ist, ist es keine Überraschung, daß das Haus so aussieht.


Und so.


Uuund so.

Eine der Gelegenheiten, bei der sich Buster tatsächlich
während eines Stunts verletzte - ich empfehle nicht,
aus einer Tür so hoch oben zu treten
und auf den Rücken zu fallen!


Freitag der 13. ist der Tag der Hauseinweihung. Jeder schaut sich in all den Räumen um, als ein Sturm aufzieht. Erst regnet es durch das Dach - irgendjemand überrascht? - dann fängt das Haus an, sich zu drehen, und wird so praktisch zu einem Fahrgeschäft.
Am nächsten Tag sieht es so aus.


Dann werden sie darüber informiert, daß sie auf dem falschen Grundstück sind, das Schild war umgedreht worden, und es ist nicht Nr. 99, sondern 66. Ihr Grund liegt jenseits der Eisenbahngleise (ja, ihr wißt, was als nächstes kommt).
Sie benutzen Fässer als Räder und fangen an, das Haus mit Hilfe des Autos fortzuziehen, aber es bleibt auf den Gleisen stecken (denkt noch jemand dabei an "Hausboot"?) und ein Zug nähert sich.
Gerade als sie erleichtert sind zu sehen, daß der Zug das Haus verpaßt hat ...


... kein Kommentar.


Buster stellt ein "Zu verkaufen"-Schild auf und läßt die Anleitung zurück, und sie gehen Hand in Hand davon.

Ich weiß, es ist eine verrückte Assoziation, aber ich mußte an Shirley Jackson denken, in deren Büchern Häuser oft eine wichtige Rolle spielen und eigene Wesen sein können.
Dieses Produkt von "Portable House" sieht für mich echt wie ein solches aus, denn es kann nicht sein, daß ein paar veränderte Nummern es so verwandeln können ...

Die Handlung scheint für einer Dokumentation der Ford Motor Company inspiriert worden zu sein
. Ford hatte von 1914 bis 1925 Lehrfilme gemacht und einer mit dem Namen "Home Made" von 1919 zeigte die Konstruktion eines Fertighauses.
Ich muß ihn nicht gesehen haben, um zu wissen, daß er nicht so witzig wie "Flitterwochen im Fertighaus" war.
"Flitterwochen im Fertighaus" war nicht der erste Kurzfilm, den Keaton allein machte (nachdem er davor mit Roscoe "Fatty" Arbuckle gearbeitet hatte), aber er war der erste, der im September 1920 herauskam.
Was ihn so großartig machte war, daß kein Modell benutzt wurde. Das war ein echtes Haus, auf einer Drehscheibe gebaut. In Kombination mit den Stunts und den Gags war das extrem effektiv - und davon gab es eine Menge, von denen mir manche erst auffielen, als ich den Film ein zweites (aber sicherlich nicht letztes) Mal anschaute.
Das sind nur ein paar der Stunts. Keaton und Sybil Seely machten sie selber - wie das Hauspaneel, das sich vertikal drehte, wodurch Sybil hochgehoben wurde, und das dann auf Buster herunterfiel (ein Stunt, den er auch in anderen Filmen anwandte).


Was diesen Kurzfilm für mich sogar noch besser machte, war die Chemie zwischen Keaton und Sybil. Ich mochte sie in "Buster Keatons Trauung mit Hindernissen", aber hier sind sie schon von Anfang an zusammen und rennen von einem Problem ins nächste, und dennoch geben sie nicht auf. Ein schneller Kuß und weiter geht's. Sie geben so ein goldiges Paar ab. Es ist schade, daß Seely das Filmen sehr früh aufgabe, nachdem sie heiratete und ein Kind bekam.

Außer den Stunts gibt es auch noch eine sehr charmante Szene, in der Sybil in der Wanne sitzt und die Seife verliert.
Ich liebe, wie sie das gemacht haben, und noch mehr das verschmitzte kleine Lächeln, daß Sybil dem Zuschauer schenkt, nachdem die "zensierende" Hand weg ist.


Ein Riesenspß und auf jeden Fall auch eine gute Wahl für einen ersten Stummfilm! 
😉

Übrigens zeigt der Film, wie jeden Tag ein Kalenderblatt abgerissen wird.
Wenn wir nach den Wochentagen im Jahr 1920 gehen, wäre das Haus entweder im Februar oder im August gebaut worden. Nein, ich weiß auch nicht, warum ich das Bedürfnis hatte, das nachzuschauen! Ich bin eben seltsam, was sowas angeht! 
😂


Quellen (englischsprachig):

1. Lea Stans: Thoughts on Keaton's "One Week". Auf: Silent-ology, 23. März 2014
2. Virginie Pronovost: My First Time with Buster Keaton: One Week. Auf:: The Wonderful World of Cinema, 22. Februar 2017
3. Daniel Eagan: One Week. Auszug auf: National Film Preservation Board - Documents


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 7. April 2026

Ich wohne nur hier ...

... und bin wieder mal informiert worden, daß ich nichts zu sagen habe und mir nichts gehört (obwohl ich diejenige mit den opponierbaren Daumen bin).
Gebührend zur Kenntnis genommen, Mylady 
😑

Sonntag, 5. April 2026

Lilien auf dem Felde

Es gibt die Geschichte, daß ich fünf Jahre alt war, als ich meinen ersten ganzen Film angeschaut habe. Meine Mutter hat die Geschichte erzählt, und ihr wißt, wie das so ist, im Geiste habe ich eine tatsächliche Szene drumherum aufgebaut. Ich kann mich auf dem Boden sitzen sehen, vor dem Fernseher in unserer Schrankwand, in meiner typischen Haltung, Knie nach vorne, Füße an den Seiten - ich war damals wesentlich beweglicher - einfach weil ich das später immer so gemacht habe.
Auf jeden Fall hörte ich als Kind gern meine Mutter die Geschichte meines ersten "richtigen" Films erzählen und wie ich am Bildschirm klebte. Der Film war "Lilien auf dem Felde" von 1963, der immer noch einer meiner Favoriten ist, nachdem ich ihn mindestens Dutzende Male angeschaut habe.


Natürlich habe ich ein Bild aus "Lilien
auf dem Felde" ausgewählt, um für
meine Fanwand ein Perlenwebporträt
von Sidney Poitier zu machen.

Fangen wir mit dem Film an (es gibt Spoiler für den Film und für das Buch, auf dem er basiert).


Homer Smith hält an einer kleinen heruntergekommenen Farm an, weil er Wasser für seinen Wagen braucht. Dort sind fünf Frauen, und als eine von ihnen, die sich als Mutter Maria vorstellt, Homer sieht, dankt sie Gott dafür, daß er ihr einen starken Mann geschickt hat.
Homer hat jedoch nicht vor zu bleiben. Da er im Moment nicht viel im Geldbeutel hat, sagt er zu, das Dach zu reparieren - ein Mann für einen Tag. Am Ende des Tages reicht er Mutter Maria die Rechnung und sie nimmt sie einfach und meint, sie sagt ihm dann, wenn das Abendessen fertig ist.
Homer ist überrascht zu sehen, daß die Frauen tatsächlich Nonnen sind. Sie kommen aus Deutschland, Österreich und Ungarn und versuchen Englisch zu lernen, also gibt er ihnen nach dem äußerst mageren Mahl eine Unterrichtsstunde.

Am nächsten Morgen ist Homer bereit weiterzufahren, aber Mutter Maria bringt ihn zu einer Baustelle, wo er für sie eine Kapelle bauen soll. Wieder ignoriert sie die Rechnung.
Nachdem er den Platz aufgeräumt hat, versucht es Homer abends noch einmal, indem er aus der Bibel zitiert, aber die Mutter zitiert aus der Bergpredigt - daher der Filmtitel - und informiert ihn, daß er sie am nächsten Tag zur Messe fahren wird.
Da er selber Baptist ist, nimmt Homer nicht an der Messe teil. Er geht zum Frühstücken in ein Diner, wo ihm Juan, der Besitzer, erzählt, daß die Nonnen von einem ostdeutschen Orden kommen, der die Farm geerbt hat, und daß sie über die Berliner Mauer geflüchtet sind.

Meine Lieblingsszene - Homer bestellt "ein echtes
Frühstück", nachdem er die "katholischen" Mahlzeiten
ertragen mußte. Seine Leidenschaft für Weizenpfannkuchen
mit Ahornsirup, Kaffee und frischen Orangensaft
macht mich jedesmal hungrig, wenn ich das anschaue.

Ungewollt wird Homer immer mehr in die Sache hineingezogen. Als er beschließt, endgültig wegzugehen, läßt ihn die Mutter sie und eine der Schwestern in die Stadt mitnehmen, um Mr. Ashton, den Besitzer einer Baufirma, um Spenden zu bitten. Sie sagen ihm, daß Homer ihr Bauunternehmer ist, und da er Ashton nicht die Genugtuung geben will, seine Zweifel darüber zu bestätigen, sagt Homer, daß er das in der Tat ist.
Er beginnt an der Kapelle zu arbeiten, aber auch zwei Tage die Woche für Mr. Ashton, und das Geld benutzt er, um Lebensmittel für die Nonnen zu kaufen. Mutter Maria hat aber kein Glück damit, mehr Geld und Ziegel zu besorgen, und eines Abends kochen die Emotionen so hoch, daß Homer geht.



Irgendwann kommt er dann aber doch zurück, wenn auch etwas angeschlagen.
Das beeindruckt die Menschen in der hispanischen Gemeinde so sehr, daß sie endlich beschließen zu helfen, mit Material und ihrer Arbeitskraft. Zunächst weigert sich Homer, sie helfen zu lassen, und er gibt den Nonnen gegenüber zu, daß er schon immer etwas allein erbauen wollte, aber dann erkennt er, wieviel es bedeutet, daß alle bei diesem besonderen Projekt helfen möchten, wie er Mr. Ashton erzählt, der dann doch noch Ziegel spendiert.

Als die Kapelle fertig ist, signiert Homer seine Arbeit. Er weiß, daß es Zeit für ihn ist, jetzt zu gehen, obwohl Mutter Maria schon neue Pläne für eine Schule und mehr hat.


Egal wie ich oft ich den Film anschaue, ich
wundere mich jedes Mal, warum das h kleingeschrieben ist.

Am Abend vor der Einweihung der Kapelle singen Homer und die Nonnen noch einmal miteinander.
Dann steht er auf, immer noch singend, packt seine Sachen zusammen und fährt in die Nacht hinein.


Was könnte es an dem Film gewesen sein, daß er eine Fünfjährige so beeindruckte, daß er einer ihrer absoluten Lieblingsfilme wurde? Ich habe noch nie zuvor versucht, meine Gefühle dazu unter die Lupe zu nehmen, ich weiß einfach nur, daß ich mich bei dem Film gut fühle.

Ein Punkt ist einfach zu finden - ich liebe "Amen", das baptistische Spiritual, das Homer mit den Nonnen singt, und ich fürchte, ich habe das damals daheim zu einem Ohrwurm gemacht, natürlich nur den "Amen"-Teil. Ich singe heute noch mit.
Tatsächlich mag ich die gesamte Filmmusik.



Poitier sang übrigens nicht selber. "Amen" wurde von Jester Hairston geschrieben und gesungen (wenn ihr mehr über ihn wissen möcht, schaut in die Quellen).

Aber offensichtlich wurde ich zu Poitier selber hingezogen und zu dem Humor, den er zum Film beisteuert. Ich liebe sein Lächeln und Lachen, ich liebe, daß der Humor warm und freundlich ist, vor allem in den Szenen mit ihm und der strengen Mutter Maria.
Die Rolle wurde zuerst Harry Belafonte angeboten, aber Belafonte fand, daß sie erniedrigend war und das Thema der sozialen Gerechtigkeit fehlte und daß Homer ein zu einfacher Charakter war, daher lehnte er sie ab. Er diskutierte das sogar mit Poitier, der seine Gründe, das nicht zu tun, verteidigte.
Tatsächlich beschäftigt sich der Film nicht groß mit Rassismus außer dem einen Mal, als Ashton Homer "Boy" nennt, worauf Homer reagiert, indem er es direkt zurückgibt. Stattdessen zeigt er, wie Menschen aus unterschiedlichen Kreisen - der schwarze Handwerker, europäische Nonnen, eine hispanische Gemeinschaft, ein irischer Priester und sogar ein weißer Geschäftsmann - zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen, das niemand für möglich gehalten hätte, trotz der Unterschiede in Rasse, Vermögen und Glauben.
Obwohl der Funke für die Handlung Mutter Marias ungebrochener Glaube an Gott ist, war es für mich nie ein religiöser Film (als ich erstmal alt genug war, darüber nachzudenken), obwohl mir klar ist, daß andere das nicht so sehen mögen. Für mich geht es um Gemeinschaft, Kommunikation, Kooperation, Verständnis und Beharrlichkeit. Habe ich schon das Wort freundlich benutzt (ich weiß, daß ich das habe)?



Sidney Poitier gewann einen Oscar als Bester Hauptdarsteller (der erste Afroamerikaner, der diesen bekam), einen Golden Globe und den Silbernen Bären als Bester Hauptdarsteller bei der Berlinale, er wurde außerdem für weitere Auszeichnungen nominiert.
Lilia Skala als Mutter Maria wurde für mehrere Preise als Beste Nebendarstellerin nominiert.
Nicht daß mich das als Fünfjährige groß gekümmert hätte (als ob ich es überhaupt gewußt hätte! 
😉)

Es war für Ralph Nelson nicht einfach, das Geld für den Film aufzutreiben. Es wurde sogar vorgeschlagen, eine Liebesgeschichte einzubauen, mit einer Nonne, die das Gelübde noch nicht abgelegt hatte. Ein anderes Studio wollte Steve McQueen als Homer.
Schließlich fand Ralph Nelson ein Studio, das ein Budget von 250000 $ anbot, aber eine Sicherheit verlangte. Nelson bot dafür sein eigenes Haus an. Zu dieser Zeit war Poitier bereits ein anerkannter Schauspieler gewesen und verdiente pro Film ungefähr das Doppelte dieses Budgets. Poitier akzeptierte jedoch 50000 $ als Gage plus zehn Prozent der Bruttoeinnahmen. Und da das Budget so niedrig war, mußte er die schwere Arbeit im Film tatsächlich selber machen. Beide glaubten wirklich an diesen Film, der übrigens in vierzehn Tagen abgedreht wurde.
Nun, und es wurde ein Erfolg, in den ersten sechs Monaten lagen die Einnahmen bei 2 1/2 Millionen $.

Nun zum Buch.

Mein deutsches Exemplar.

William Barrett schrieb Romane, von denen drei verfilmt wurden, "Lilien auf dem Felde" eingeschlossen. Er war katholisch und schrieb auch Essays, Rezensionen und Biographien, eine davon über Papst Paul VI.

Die Geschichte der Nonnen beruht tatsächlich auf der wahren Geschichte der Abbey of St. Walburga in Colorado. 1935 wurden drei Schwestern aus dem bayerischen Mutterhaus Abtei St. Walburg nach Colorado geschickt, wo sie billig Land von Mönchen kauften, die es als "für eine Farm ungeeignet" bezeichneten. Ursprünglich war es als möglicher Zufluchtsort vor dem Nazi-Regime gedacht, falls notwendig, aber schließlich wurde die Farm zum Priorat und dann zur Abtei.
Das Buch änderte die Zeit natürlich zu der des Kalten Krieges und die Nonnen flohen, wie oben erwähnt, aus Ostdeutschland.

Es erklärt auch etwas mehr zu Homer.
Er ist 24 (das ist jünger, als Poitier beim Dreh war)
, er "lebt sein Leben von einem Tag zum anderen, es ist Lachen in ihm". Er hat ein bißchen Geld, nachdem er die Army verlassen hat, und möchte den Westen sehen (der Film spielt in Arizona). Und er schätzt seine Freiheit, daß er hingehen kann, wo er will, wenn er will, und nur arbeitet, wenn er muß. "Ein Mann war frei, wenn er 'ja' sagen oder 'nein' sagen konnte." Und dennoch hat er das Gefühl, daß er zu Mutter Maria Marthe nicht einfach nein sagen kann.

Es gibt aber auch ein paar kleine Unterschiede, die aber nicht wirklich wichtig sind. Der Priester ist kein Ire, sondern Hispano, und er muß den Gottesdienst nicht von der Ladefläche eines Autos aus halten, es gibt eine kleine Kirche. Es gibt keinen Mr. Ashton, im Buch heißt er Livingston.
Das Buch erklärt auch, was Homer tut, als er das erste Mal weggeht. Er besorgt sich einen Job bei einer Abbruchfirma in der großen Stadt, aber obwohl sich seine Tage mit den Nonnen wie ein Traum anfühlen, denkt er an sie, als sie eine Reihe von Häusern abreißen. Er schaut sich das an, was sie herausgeholt haben und denkt, daß die Nonnen eine Badewanne brauchen. Also kauft er eine und bringt sie als Geschenk mit zurück.
Im Film kommt er einfach mit einem blauen Auge zurück, aber im Buch steht nichts darüber, daß er Ärger hat oder auch warum er zurückkehrt.

Der größte Unterschied ist allerdings der Schluß.
Homer fährt schon in die Nacht hinein, das Buch endet hier aber nicht.
Eine Legende entsteht um Homer und seine Kapelle herum. Touristen kommen zu Besuch. Dank Spenden können die Nonnen eine Schule bauen und Jungen aus kaputten Familien aufnehmen, um ihnen bei ihrem Lebensweg zu helfen. Und in der Kapelle gibt es ein Gemälde von Sankt Benedikt dem Mohren, das Schwester Albertine gemalt hat und das wie Homer aussieht.
Um ehrlich zu sein, ich bin froh, daß der Film diesen Teil ausgelassen hat.

Nun entschuldigt mich, ich denke, ich werde den Film gleich nochmal anschauen.


Quellen und weitere Informationen (englischsprachig):

1. Brian Bergen-Aurand: Lilies of the Field (1963). Auf: Foreign Influence, 3. Februar 2017
2. Ron Olesko: "Amen" and Jester Hairston. Auf: Sing Out!, 22. März 2008
3. Abbey of St. Walburga History
4. David A. King: The heart of Barrett's 'The Lilies of the Field'. In: The Georgia Bulletin, 20. März 2014
5. "Lilies of the Field: The Story Behind the Film" auf YouTube


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Freitag, 3. April 2026

Weekend Traffic Jam Reboot - Woche 150

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Etwas ist bei der Zuteilung der Ostereier an die neuen Auszubildenden Wilma und Otto schiefgelaufen ...


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Diese Woche fällt unser Spotlight auf Our New Vista.


Ann von Our New Vista schreibt: "Hi - ich bin eine Schulbibliothekarin im Ruhestand, die es liebt zu lesen, kochen, dekorieren, reisen und das gute Leben mit meinem tollen Ehemann von über 40 Jahren zu genießen! Ich hoffe, ich kann mit euch meine Reise zum Minimalismus und Lebensgenuß teilen!"



Marsha von Marsha in the Middle hat 2021 als Training mit dem Bloggen angefangen, um ihre Neuroplastizität zu erhöhen. Ach, wem machen wir was vor? Marsha hat mit dem Bloggen angefangen, weil sie Kleidung liebt, und sie redet oder in diesem Fall schreibt einfach gern!

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Hier ist meine Auswahl von ein paar Posts aus dem Linkup der letzten Woche (englischsprachig).


Ich habe es selber nie nach Hamburg geschafft, darum habe ich die Bilder, die Barbara gemacht hat, um so mehr genossen.

Mireille zeigt uns Kombinationen mit ihren Jeanslatzhosen. 

Laura teilt Frühlingdips mit uns.

Zitrone und Mohn - Esme bringt sie in Pfannkuchen zusammen.

Amy hat ein paar entzückende Häschenkarten gemacht.


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Donnerstag, 2. April 2026

Stummfilme - Spuk im Schloß

Heute habe ich einen Stummfilm von 1927 für euch, von dem es mehrere Remakes unter verschiedenen Titeln gab (im Gegensatz zu den Originalen, für die der Titel überwiegend beibehalten wurde), nämlich "Spuk im Schloß".


Hier ist die Handlung mit Spoilern:

Der vermögende Cyrus West fühlt sich wie ein Kanarienvogel unter Katzen, umgeben von seiner Verwandtschaft, die nicht nur gierig sind, sondern ihn auch für verrückt halten.
West verfügt, daß sein Testament 20 Jahre nach seinem Tod geöffnet werden soll, während derer nur die Haushälterin Mammy Pleasant in seinem gruseligen Herrensitz wohnt.
Als sein Anwalt Roger Crosby ankommt, um das Testament aus dem Safe zu holen, findet er darin eine lebende Motte - und einen zweiten Umschlag, der geöffnet werden soll, falls die Bedingungen des Testaments nicht erfüllt werden.


"Es war der Geist, der den zweiten Umschlag
hineingelegt hat!"
 


Die ganze Verwandtschaft hat sich versammelt, Tante Susan und ihre Nichte Cecily, die Cousins Harry, Charlie und Paul, und schließlich noch Annabelle.


Sehr zur Empörung und Enttäuschung der anderen ist Annabelle, die entfernteste Verwandte, die den Namen West trägt, die Erbin von Cyrus' Vermögen, die berühmten verlorenen West-Diamanten eingeschlossen. FALLS sie die ärztliche Untersuchung bezüglich ihres Geisteszustands besteht. Fällt sie durch, geht alles an die Person, die im zweiten Umschlag genannt ist.
Mit ihr allein sagt Crosby to Annabella, daß sie nun diejenige im Käfig ist, von Katzen umgeben.


Gerade als er den Namen im zweiten Umschlag enthüllen will, weil er sich sorgt, was diese Person antun könnte, wird er von einer Klauenhand fortgezerrt.


Inzwischen ist ein Wärter aufgetaucht, um alle vor einem Wahnsinnigen, "Die Katze" genannt, zu warnen, der aus der Anstalt entflohen ist. Er sagt, er sei ihm bis zum Herrensitz gefolgt.
Dann informiert Annabella sie darüber, daß Crosby verschwunden ist. Tante Susan meint, das käme der Erbin ja sehr gelegen und würde offensichtlich beweisen, daß sie wahnsinnig ist (ja, klar).

Alle gehen auf ihre Zimmer, mehr oder weniger verängstigt und Annabelle findet, von einer Notiz geleitet, die berühmten Diamanten in einer der wohl häßlichsten Halsketten, die ich je gesehen habe. Nicht daß das irgendeinen Einfluß darauf hätte, was als nächstes passiert.

Vielleicht kann sie sie ja auseinandernehmen
und die Perlen und Steine anderweitig nutzen?

Klauenhand stiehlt die Kette, als Annabelle schläft.


Sie erzählt ihren Verwandten davon und Tante Susan denkt erneut, daß sie, ihr wißt schon, verrückt ist.
Nun passieren die Dinge Schlag auf Schlag.
Crosbys Leiche taucht hinter einer versteckten Tür auf und verschwindet wieder. Mammy Pleasant macht sich auf, um die Polizei zu benachrichtigen. Tante Susan läuft in Panik davon und läßt sich von einem Milchmann mitnehmen, bevor Polizisten, die auf dem Weg zum Herrensitz sind, sie aufgreifen und mit sich zurücknehmen. Dr. Lazar erscheint mitten in der Nacht, um Annabelle zu untersuchen. Paul geht in den Gang hinter der versteckten Tür, die sich schließt. Im Gang trifft er auf Die Katze, er wird in einen Kampf verwickelt und zurückgelassen, weil er für tot gehalten wird.

Das ist mal eine häßliche "Katze".

Die Katze greift Annabelle an, aber Paul ist rechtzeitig da, um sie zu retten. Die Polizei erscheint. Die Katze ist kein Wahnsinniger, sondern Charlie in Verkleidung! Er hatte den Wärter angeheuert, damit er ihm dabei hilft, Annabelle in den Wahnsinn zu treiben, da sein Name im zweiten Umschlag steht.
Annabelle und Paul bekommen ein Happy End.

Wahrscheinlich habt ihr so etwas schon erwartet. Ich meine, wir kennen heute alle Scooby-Doo, richtig?
Zu wissen, was wahrscheinlich passieren wird, sorgt jedoch nicht dafür, daß der Film weniger Spaß macht.

"Spuk im Schloß" basiert auf einem Theaterstück von John Willard aus dem Jahr 1922 (vielleicht erinnert ihr euch noch, daß auch "Das Rätsel der Fledermaus" auf einem Stück basiert und die beiden waren nicht die einzigen frühen Horrorkomödien, für die das galt).
Paul Leni drückte dem Film seinen persönlichen Stempel auf, eine Mischung aus deutschem Expressionismus und Humor (wie er das schon in "Das Wachsfigurenkabinett" getan hatte), und er hat auch die Sets entworfen.
Er spielte mit Dunkelheit und Licht und hat Überlagerungen genutzt, um Stimmungen und Spannung heraufzubeschwören, sie hatten aber auch Spaß mit den Zwischentiteln.

Cyrus in seinem Stuhl, überragt von Medizinflaschen
und von riesigen Katzen bedroht.

Ein Zwischentitel, der die zittrige
Stimme des Taxifahrers verkörpert.

Mir gefiel die Mischung aus gruseligen Vibes und Humor, die sich auch in den Charakteren widerspiegelt.
Paul ist ein bißchen doof, bis ihn seine Liebe zu Annabelle zu einem Helden macht.

Paul versteckt sich unter dem Bett - ich gestehe,
ich weiß, warum das Tante Susan erschreckt hat.

Mammy Pleasant ist geheimnisvoll und gruselig (steckt aber nicht mit Charlie unter einer Decke).
Tante Susan ist besonders witzig während ihrer Fahrt mit dem Milchmann und dann der Polizei.
Die arme Annabelle hat die typische Rolle der Jungfrau in Nöten. Sie darf oft erschreckt dreinschauen, zeigt sich aber auch ein bißchen mutig. Ehrlich, ich hätte nicht allein in dem Zimmer geschlafen.


Auf jeden Fall eine Empfehlung von mir!


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig)

1. Lea Stans: Thoughts On: "The Cat And The Canary" (1927). Auf: Silent-ology, 7. Oktober 2016
2. Dr Lenera: The Cat and the Canary [1927]. Auf: HorrorCultFilms, 8. April 2024


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.