Donnerstag, 19. März 2026

Stummfilme - Rebecca of Sunnybrook Farm

Vielleicht habt ihr den Titel des heutigen Films schon mal gehört, da es für das Buch, auf dem er basiert, mehrere Umsetzungen gibt. Ich kannte weder das Buch (ich konnte auch nur eine recht neue Übersetzung dafür finden) noch einen der Filme, die im Laufe der Jahre davon inspiriert wurden (einer davon mit Shirley Temple).
Ich spreche von "Rebecca of Sunnybrook Farm" von 1917 mit "America's Sweetheart" Mary Pickford in der Hauptrolle.


Hier ist die Handlung (mit Spoilern!).

Rebecca Randall ist eins von sieben Geschwistern. Da die Farm ihrer Mutter mit einer Hypothek belegt ist, wird sie zu ihren Tanten geschickt, um dort zu leben.
Bei ihrer Ankunft macht sich Rebecca sofort eine Feindin - Minnie Smellie, die Tochter des Reverends - und gewinnt eine beste Freundin - Emma Jane Perkins.

Rebecca ist egal, ob sich Minnie bei
ihrer Mutter beschwert, beim gesamten
Staat Maine oder sogar - dem PRÄSIDENTEN!

She merkt auch schnell, daß Tante Miranda eine sehr strenge Frau ist, während Tante Jane freundlich ist, aber nicht viel zu sagen hat.



Wenn Rebecca etwas nicht ist, ist es schüchtern. Sie behauptet sich, sie sagt, was sie denkt - so manches Mal etwas zu viel - und sie hat immer Unfug im Kopf, wie zum Beispiel die große Zirkusaufführung, als ihre Tanten nicht da sind.


Sie hat aber auch ein gutes Herz.
In der Stadt lebt eine arme Familie - und bereitet euch auf den Schock vor, das Paar ist nicht mal verheiratet (tatsächlich gab es einen Zensor, der verlangte, daß der Zwischentitel, der uns über diese Tatsache informiert, herausgeschnitten würde)!
Rebecca und Emma Jane verkaufen Seife, denn sie können durch das Einschicken von 400 Einwickelpapieren eine "Bankettlampe" für die Simpsons bekommen, die "diese dringend benötigen", wie Rebecca Alan Ladd erzählt, einem jungen Mann, der ein Vermögen gemacht hat, bevor er in seine Heimatstadt Riverboro zurückgekommen ist.

"Bankettlampen" sind hohe verzierte
Öllampen, die in den 1880ern beliebt
waren. Es gab unterschiedliche Stile.

Nachdem Alan - offiziell allerdings seine Tante - 350 Seifenstücke kauft, werden er und Rebecca gute Freunde und sie nennt ihn Mr. Aladdin (der Name und die Lampe, versteht ihr?).


Als Tante Miranda Rebecca den Hintern versohlt, nachdem sie Jane bei der Zirkusvorführung hereingeplatzt sind, beschließt das Mädchen, während eines Gewitters davonzulaufen. Ein herumfliegendes Stück Holz trifft sie am Kopf, aber Alan findet sie und besucht sie dann auch zu Hause, während sie sich erholt.
Er gibt ihr sogar den Ehering seiner verstorbenen Mutter, damit sie ihn an Dave Simpson weitergeben kann (der zuvor sein Pferd gestohlen hat!), damit er seine Frau endlich heiraten kann (Rebecca ist überzeugt, daß das Problem einfach nur darin lag, daß sie keinen Ehering hatten). Als der Sheriff den Dieb bei seiner Hochzeitsfeier verhaften will, sagt Alan, daß er die Anzeige fallen läßt, da Dave und seine Frau jetzt für ihn die Farm führen werden.
Rebecca ist so beeindruckt, daß sie ihm mitteilen, sie habe beschlossen, ihn zu heiraten, wenn sie erwachsen ist.

Zunächst schicken ihre Tanten sie allerdings auf ein Internat.
Nach drei Jahren kommt Rebecca als wohlerzogene junge Dame zurück und findet Tante Miranda auf dem Sterbebett vor, sie um Verzeihung bittend, daß sie so streng mit ihr war. Sie hinterläßt Rebecca das Haus, was bedeutet, daß ihre Familie nun dort wohnen kann, nachdem sie Sunnybrook verkauft hat.
Bei einem Picknick erinnert Alan Rebecca daran, was sie vor Jahren gesagt hat, aber im letzten Augenblick entschlüpft Rebecca ihm und läuft fort und Alan rennt ihr hinterher.


Ich sage es, bevor es sonst jemand sagt - hier gibt es ganz "Anne auf Green Gables" Vibes. Oder wartet mal, wurde Lucy Maud Montgomery von Kate Douglas Wiggin inspiriert?
Tatsächlich erschien Wiggins Buch 1903, fünf Jahre vor "Anne auf Green Gables" und es gibt definitiv Ähnlichkeiten, aber Rebecca und würden da nicht die einzigen bleiben. Denkt an "Polyanna" oder (obwohl es Übersetzungen gibt, kenne ich keines der Bücher) oder den Comicstrip über die "Kleine Waise Annie".
Da ich zwar "Anne auf Green Gables", aber nicht "Rebecca of Sunnybrook Farm" oder eine der Fortsetzungen gelesen habe (vielleicht irgendwann mal), kann ich diese Ähnlichkeiten nicht selber beurteilen, aber ich habe einen (englischen) Artikel darüber gefunden, den ich in den Quellen verlinken werde.

Wenn ihr von Mary Pickford gehört habt oder euch an meinen Post über sie in "Ein Waisenkind" erinnert, wißt ihr wahrscheinlich, daß Rebecca nicht das einzige Kind war, das sie gespielt hat, Mädchen oder Junge, allerdings nicht ausschließlich. Es half, daß sie nur ungefähr 1,50 m groß war, und das Publikum liebte diese Rollen. Es gab einen Aufschrei, als Pickford ihre charakteristischen Locken abschnitt, als sie in ihren 30ern war!

Der Film hat nicht wirklich eine Geschichte, sondern zeigt Episoden aus Rebeccas Leben, auf eine Weise, die es Pickford erlaubt, zu glänzen und sehr gut und auf sehr witzige Art ihr Repertoire an Gesichtsausdrücken zu zeigen.
Das Buch selber ist ziemlich dick und die Drehbuchschreiberin Frances Marion nahm sich bei der Umsetzung ein paar Freiheiten heraus. Im Buch bemerkt Alan am Ende, daß Rebecca nun erwachsen zu sein scheint, ihre Augen aber noch die eines Kindes sind, also bedrängt er sie nicht.
Ich weiß nicht, ob Marion Rebecca im Film davonlaufen ließ, um so ein Happy End irgendwann mal in der Zukunft anzudeuten.
Wieder (siehe "Ein Waisenkind") gibt es einen Altersunterschied. Im Buch ist Alan am Ende 34 und Rebecca wahrscheinlich so um die 19. Für uns seltsam anzuschauen, für die Zeit aber nicht ungewöhnlich.


Der Film ist aber mehr Komödie als echte Liebesgeschichte. Rebecca unterhält die halbe Stadt mit ihrem Umfug, ihr solltet das Publikum sehen, das sie im Zirkus hat!
Obwohl es nicht überraschend ist, daß es ein paar Momente gibt, die einem modernen Publikum aufstoßen (wie ein Beispiel von Blackface und außerdem gefiel es mir nicht, einen Welpen während der Zirkusparade in einem Vogelkäfig zu sehen), macht es Spaß, Pickford anzuschauen, egal ob sie sich mit ihrem Sonnenschirm verteidigt, wegen eines Stücks Pastete mit ihrem Gewissen kämpft oder in der Zirkusszene zu einem Ritt ohne Sattel an einem Draht hängt.


Quellen und weitere Literatur (englischsprachig):

1. Lea Stans: Thoughts On: "Rebecca of Sunnybrook Farm". Auf: Silent-ology, 17. März 2016
2. Chris Scott Edwards: Rebecca of Sunnybrook Farm (1917). Auf: Silent Volume, 12. Januar 2011
3. Izawa Yuko: Rebecca of Sunnybrook Farm and Anne of Green Gables : Similarities and Differences. In: Jinbun shakai kagaku rons
ō, 20(2011), März


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 17. März 2026

Der Katzen-Zaubertrank

Wurde euch schon jemals von einer schwarzen Katze an einem Freitag, dem 13. ein Zaubertrank angeboten? Nein? Mir auch nicht.
Ich habe jedoch keinen Zweifel daran, daß das hier die perfekte Flasche für einen solchen wäre, wenn ihn meine kleine Hexe je brauchen sollte.


Tatsächlich ist das eine von zwei kleinen Ginflaschen, die ich vor ein paar Jahren von einem Kumpel bekommen habe.
Natürlich konnte ich sie nicht wegwerfen, als sie leer waren, weil ich wußte, daß ich irgendwann drumherum fädeln wollen würde.
Diesmal hatte ich das Gefühl, ich müßte Katzen eine Hommage erweisen, und das tat ich mit Silhouetten einiger typischen Katzenhaltungen.


Wie ihr euch vielleicht erinnert, benutze ich praktisch nie Muster von anderen. Ich bin keine Peyoteexpertin, also habe ich dabei immer ein wenig mit Mustern zu kämpfen, aber die sitzenden kamen mir recht schnell, vor allem weil die aufrecht sitzende Haltung eine, die ich auch schon mit anderen Techniken benutzt habe, wie Perlenweben und -stickerei.


Die in Bewegung waren etwas schwieriger. Ich wußte, daß ich vier Haltungen und zwei Reihen davon wollte (in der zweiten Reihe sind die gespiegelten Bilder der ersten), und die Beschränkung auf eine kleine Flasche und ungefähr 5 cm an Platz zum Fädeln machte es nicht einfacher. Es wurde dann aber schließlich doch ganz gut, finde ich.


Ein weiteres kleines Problem war, daß diese spezielle Flasche nicht so gerade ist wie die, die ich zuvor benutzt habe. Sie wird nach unten hin schmäler, was in Ordnung ist, aber sie wird oben am Hals außerdem etwas weiter, daher sind die Reihen nicht ganz so gerade, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ich hatte diesmal auch mit dem Abnehmen in Richtung Hals zu kämpfen, weil die Größe mir keine Anzahl an Spalten gab, die ich einfach hätte dividieren können. Um also ein paar Stellen zu verdecken, die nicht perfekt waren, nähte ich silberne Perlen in der Größe 15 auf und dachte mir dann, daß das eigentlich ein nettes Extra für die gesamte Flasche wäre, um ihr etwas Funkeln zu verleihen.

Ich bin wirklich zufrieden damit, wie sie wurde - vor allem, nachdem ich ziemlich lang brauchte, nochmal, ich bin keine Peyoteexpertin, nicht mal darin, meine eigenen Muster zu lesen - und falls Gundel mit einem Trank aufwartet, werde ich bereit sein!

P.S. Falls ihr alle meine Perlenfläschchen sehen möchtet, könnt ihr sie hier finden.

Sonntag, 15. März 2026

Aus meinem Kinderbuchschrank - Finchen

Letzten Juni habe ich davon erzählt, daß ich ein lebendiges Kasperle haben wollte, als ich fünf Jahre alt war.
Es scheint, ich habe irgendwie Gefallen an lebendigen Puppen, es sei denn, sie heißen Chucky (ich habe den Film nie gesehen).
Lisa-Marie Blum hatte Malerei und Graphik in Berlin studiert, wo sie mit ihrem Ehemann lebte, der ebenfalls Künstler und Graphiker war. Als sie im Krieg alles verloren, zogen sie zurück in Blums Geburtsort und später dann nach Hamburg, wo sie Kinder- und Jugendbuchautorin und -illustratoren wurde, aber auch Lyrik und Prosa veröffentlichte.
Dieses Buch, erstmals 1960 veröffentlicht, erzählt die Geschichte einer liebenswerten lebendigen Puppe, Finchen.



Finchen ist über 70 Jahre alt. Seit fünf Jahren ist sie Inas Puppe, aber davor hat sie ihrer Großmutter Gabriele gehört.
Obwohl sie sich über ihren altmodischen Namen Wilhelmine-Josefine beschwert, sagt ihr Ina, daß an ihr gar nichts altmodisch ist. Sie hat neue Arme, neue Beine, ein neues Kleid, sogar neue Haare, die aussehen wie eine Pusteblume.
Nun ihr Holzkopf mit den leuchtendblauen Augen ist noch alt und kennt so viele Geschichten.

Eine davon handelt davon, wie Gabriele und sie zum Hafen gingen. Als sie sich vornüberlehnte, um die Kombüse eines Fischkutters zu sehen, fiel Finchen auf das Deck, und der Schiffsjunge meinte, Gabriele solle herunterkommen und sie selber zurückholen. Dann zeigte ihr der Fischer alles, als sie dann eilig aufbrechen mußte - wir erfahren später, daß ihr Onkel zu Besuch gekommen ist - hat Gabriele Finchen vergessen und der Schiffsjunge hat sie erst gefunden, als der Kutter schon auf See war.
So hat Finchen den Klabautermann, das gute Schiffsgespenst, kennengelernt. Er gab ihr eine rosa Muschel, die einer anderen Puppe gehörte, "Blauer Mohn", und sagte ihr, daß die sie brauchte, um wieder lebendig zu werden.


Der Fischer schickte Finchen in einem Paket nach Hause, wo - Klabautermänner wissen solche Dinge - Blauer Mohn das Geschenk war, das Gabrieles Onkel ihr aus Südamerika mitgebracht hatte, und tatsächlich fehlte eine Muschel in ihrer Kette.
Finchen wurde jedoch krank, bevor sie die Gelegenheit hatte, ihr die Muschel zu geben, und als es ihr wieder gut ging, war Blauer Mohn weg. Sie war zu jemandem geschickt worden, der sie zeichnen und ein Buch über sie schreiben wollte, um sie dann an ein Museum weiterzugeben.

Also beginnt die Suche nach Blauer Mohn im örtlichen Museum, wo Ina Stefan kennenlernt, der sie einlädt, mit seiner Eisenbahn zu spielen. Bei ihm in der Wohnung treffen sie Nora, die Nichte der Hauswirtin.
Finchen lädt die beiden Kinder nach Hause ein und verspricht, ihnen ebenfalls die Geschichte zu erzählen.
Als sie nach Hause kommen, ist Inas Vater, ein Anthropologe, von seiner Reise nach Südamerika zurückgekehrt und wie es das Schicksal so will, hat er ein Bild des Mädchens Schneeblüte und ihrer Puppe mitgebracht. Es ist Blauer Mohn!
Wenn sie aber in Amerika ist, wie können sie ihr dann die Muschel zurückgeben?

Am nächsten Tag gehen die Kinder zum Fluß und schwimmen in einer kleinen Bucht. Finchen ruht sich unter einem kleinen Zelt aus, das Stefan für sie gemacht hat, als neben ihr plötzlich eine Möwe mit dem Klabautermann auf dem Rücken landet! Er ärgert sich, als er hört, daß Finchen immer noch die Muschel hat, aber zum Glück hat sie sie heimlich mitgebracht.


Der Klabautermann sagt, er wird sie seinem Freund geben, der ebenfalls Anthropologe ist und dorthin reisen wird. Und weil Schiffsgespenster so etwas wissen - hatte ich das schon mal erwähnt? - kann er ihr genau sagen, was geschehen wird, und Finchen kann die Geschichte ihren Freunden weitererzählen.
Wie sein Freund mit einem Kanu auf dem Fluß reisen wird, wie alle in den Dörfern entlang des Flusses schon wissen, daß er Schneeblüte die Muschel bringt. Wie er zum Dorf kommt und eine alte Frau die Muschel an der Kette befestigt und dann ...
"Blauer Mohn fühlt die Muschel, atmet, bewegt den schönen Kopf und hebt ihre Hand dem Fremden entgegen".

Ich liebte diese Stelle als Kind. Es geht nichts über ein glückliches Ende, richtig?
Tatsächlich war das Buch nicht meins. Es gehörte meiner Schwester und ich kaufte mein eigenes Exemplar viele Jahre später auf dem Flohmarkt. Als ich sie fragte, ob sie sich daran erinnerte, wann sie ihres bekommen hatte, schaute sie nach, denn zu der Zeit schrieben wir oft unseren Namen, die Adresse, das Alter, manchmal sogar die Klasse, in der wir waren, in Bücher. Nicht in diesem Fall, da stand nur ihr Name.
Nach einer kurzen Pause fragte sie mich nach den Illustrationen in meinem Exemplar und ich meinte, die wären schwarz-weiß. Ihre nicht.


Sie hatte sich nicht daran erinnert, daß sie die meisten mit Bunt- oder Filzstiften ausgemalt hatte und außerdem, zweifellos des künstlerischen Flairs wegen, auf manchen Bildern noch Muster hinzugefügt hatte, zum Beispiel auf dem Bettzeug oder Kleidern.
Was uns etwas verwirrte war, daß auf ein paar der Bildern Notizen waren, die für uns wie Schulnoten aussahen. Wir haben aber keine Ahnung, was das N. nach der 1 bedeuten könnte.
Das sind die kleinen Überraschungen, die ich an alten Büchern so liebe. Man weiß nie, was man finden wird!

Was mir auch gefiel, war die Verlagsnotiz am Ende.
Sie erklärt, wieviele Leute beteiligt sind, bis ein Kind ein Buch in der Hand hat - Papiermacher, Zeichner, Graphiker, Buchdrucker und Buchhändler, aber auch die Männer (denkt dran, es ist 1960!) von der Post und der Eisenbahn - aber daß nicht alle Namen aufgeführt werden können außer der Autorin und dem Verlag.
Dann werden die Kinder eingeladen, der Autorin unter der Verlagsadresse zu schreiben und ihr zu sagen, was ihnen gefallen hat, aber auch wo sie etwas anders gemacht hätten. Ist es nicht nett, daß sie sie ermutigen, ihre ehrliche Meinung zu sagen?
Sie versprechen auch mehr oder weniger, daß die Autoren zurückschreiben und ein echtes Autogramm mitschicken wird.


Man fragt sich, wiewiele Briefe Lisa-Marie Blum wohl bekommen hat, oder?
Habt ihr schon jemals an eine Autorin oder einen Autor geschrieben?

Freitag, 13. März 2026

Weekend Traffic Jam Reboot - Woche 147

Willkommen beim Weekend Traffic Jam Reboot!
Meine Posts für den Linkup gehen freitags um 3.30 morgens live (das ist dem Zeitunterschied zu den USA geschuldet).



Noch ein Freitag, der 13. Seid ihr abergläubisch?
Ich konnte nicht glauben, daß ich, als ich auf Pxhere ging, um nach einem passenden Foto zu schauen, fünf Bilder von schwarzen Katzen bekam (drei davon dieselbe Katze) und ein Bild von "Jason" mit der Hockeymaske.
Schwarze Katzen bringen kein Unglück! Wann werden die Leute das verstehen? Ich meine, schaut doch. Könnte ich mehr Glück haben als mit diesem unschuldigen (und sehr geliebten) Mädchen?


Seid ihr für das Wochenende bereit?

Als Teil des Reboots werden wir jede Woche einen anderen Blog vorstellen.
Wie wäre es, wenn ihr vorbeischaut und hallo sagt? Sagt ihnen, daß wir euch geschickt haben.



Diese Woche fällt unser Spotlight auf Me And My Inklings.


Laura von Me And My Inklings schreibt: "Lauras fröhlicher, energiegeladener und kreativer Stil, der sich in ihren Designs auftaucht, spiegelt ihre Persönlichkeit wider. Sie ist immer bereit, ins kalte Wasser zu springen und etwas Neues auszuprobieren, Ideen zu teilen und gemeinsam mit anderen zu arbeiten, um tolle Ergebnisse zu erzielen. Sie engagiert sich zuverlässig als Freiwillige in den örtlichen Schulen und Organisationen im ganzen Land, um Kunst und Kreativität zu fördern."


Marsha von Marsha in the Middle hat 2021 als Training mit dem Bloggen angefangen, um ihre Neuroplastizität zu erhöhen. Ach, wem machen wir was vor? Marsha hat mit dem Bloggen angefangen, weil sie Kleidung liebt, und sie redet oder in diesem Fall schreibt einfach gern!

Melynda von Scratch Made Food! & DIY Homemade Household - Der Name sagt schon alles, wir haben uns im Osten von Texas angesiedelt, wobei sich drei Generationen das Land teilen. Ich koche und backe alles selber, wenn ich nicht gerade gärtnere oder den Hühnern nachlaufe, und stricke!

Lisa von Boondock Ramblings erzählt von den Büchern, die sie schreibt und liest, ihrem Glauben, Home-Schooling, Fotografie und mehr.

Cat von
 Cat's Wire hat, was sie ein Springspinnengehirn nennt. Sie hat viele Interessen und bloggt über das, was immer gerade ihre Aufmerksamkeit erregt - Handarbeiten, Bücher, alte Filme, Sammelwertes oder "einfach nur so".

Rena von Fine Whatever Blog schreibt über Stil, Leben im mittleren Alter und die "gut, was auch immer" Momente, die dem Leben Sinn und Spaß geben. Seit 2015 feiert sie Kreativität, Selbstvertrauen und die Freude am Alltag.


Hier ist meine Auswahl von ein paar Posts aus dem Linkup der letzten Woche (englischsprachig).


Marsha hat Fragen!

Olivia lädt zu einem Diskussionspost zum Thema verbotener Bücher ein.

Amy möchte, daß ihr euch auf Weihnachten vorbereitet. Nein, laßt sie ausreden, manche Dinge müssen früh begonnen werden - wie ein Quilt.

Habt ihr schon jemals von einem St. Patrick's Day-Baum gehört? Deb zeigt ihn euch!



Macht mit beim Linkup!

Richtlinien:
Diese Linkparty ist nur für Blogposts. Alle anderen Links werden gelöscht.
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Bitte besucht auch andere Blogs und laßt einen Kommentar da.

Zur Beachtung:
Wenn ihr am Weekend Traffic Jam Reboot teilnehmt, versichert ihr damit, daß der Inhalt euch gehört und ihr uns erlaubt, denselben zu teilen, falls euer Post oder euer Blog erwähnt werden.
Wir begrüßen unbegrenzten familienfreundlichen Inhalt. Dazu können Meinungsposts, Rezept, Reiseberichte, Modeideen, Handarbeiten, Second-Hand-Einkaufen, Lifestyle, Buchrezensionen  oder -diskussionen, Fotografie, Kunst und noch vieles mehr gehören!

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Donnerstag, 12. März 2026

Stummfilme - Das gewisse Etwas

Ich schätze, wir alle haben den Begriff "It Girl" gehört. Wußtet ihr aber, daß der Begriff 99 Jahre alt und aufgrund eines Films geprägt wurde, der lose auf einer in zwei Teilen erschienenen Novelle von Elinor Glyn beruht, einer britischen Roman- und Vorlagenautorin?
Und kennt ihr das originale "It Girl", Clara Bow?
Heute habe ich den Film "IT" von 1927 für euch, der im Deutschen "Das gewisse Etwas" heißt. Finden wir mal etwas mehr heraus, in Ordnung?
Ich werde im Post den Ausdruck "It" verwenden.


Die Handlung (Spoiler voraus!).

Waltham's, das größte Kaufhaus der Welt (so bescheiden).
Der Chef ist in Urlaub gefahren und hat Waltham's in den Händen seines Sohnes Cyrus gelassen.
Cyrus erhält Besuch von seinem Freund Monty, gerade als es Zeit ist, einen Rundgang durch den Laden zu machen. Nachdem er einen Teil von Glyns Novelle gelesen hat, beschließt Monty zu überprüfen, welche der Damen, der er sehen wird, das mysteriöse "It" hat, das Glyn so erläutert (eigene Übersetzung): "'It' ist jene seltsame Qualität, die manche Menschen besitzen und die andere des anderen Geschlechts anzieht. Die, die über 'It' verfügen, müssen absolut unbefangen sein und jenen magnetischen "Sexappeal" haben, der unwiderstehlich ist."
Monty hat bereits beschlossen, daß er es hat, Cyrus nicht und auch keines der Ladenmädchen, die er gesehen hat, bis ihm Betty Lou Spence ins Auge sticht.

"Heiße Socken - Der neue Chef!"

Und genauso angetan wie Monty es von Betty ist, ist Betty es mit Cyrus. Sie versucht seine Aufmerksamkeit zu erregen, jedoch ohne Erfolg, also benutzt sie Monty, um an Cyrus heranzukommen, obwohl er Adela, eine Dame der Gesellschaft, ausführt, und diesmal klappt es.
Als Cyrus Betty nach einem Date, für das sie ihn zum Vergnügungspark mitgenommen hat, heimbringt, versucht er sie zu küssen und fängt sich dafür eine Ohrfeige ein.

Cyrus genießt den Spaß der Arbeiterklasse.

Dann schlägt das Drama zu. Betty wohnt mit ihrer kranken Freundin Molly zusammen, die ein Baby hat (aber offensichtlich keinen Vater dazu). Neugierige Nachbarn haben Leute von der Wohlfahrt (offiziell oder selbsternannt, wer weiß) darauf aufmerksam gemacht, die darauf bestehen, Toodles ins Heim zu bringen, weil Molly nicht die Mittel hat, ihn zu versorgen.
Betty läßt sie das Baby jedoch nicht minehmen, sie behauptet es sei ihres und sagt Monty, der gekommen ist, um sie abzuholen, er solle bestätigen, daß sie einen Job hat.
Monty ist so schockiert über das Baby, daß er ein paar Drinks zuviel hat und sich aufmacht, um Cyrus davon zu erzählen, der gerade einen Brief an Betty schreibt, um sie um Verzeihung zu bitten. Um die Dinge noch schlimmer zu machen, tauchen die Damen von der Wohlfahrt ebenfalls auf, um sich von Cyrus bestätigen zu lassen, daß Betty bei Waltham's arbeitet.
Betty weiß davon natürlich nichts, als sie Cyrus also wiedersieht, ist sie verwirrt, warum er zunächst so abweisend ist, dann aber gesteht er, daß er verrückt nach ihr ist, und sie sagt ihm, daß sie ihn ebenfalls liebt.



Der folgende Vorschlag ist allerdings nicht, was sie erwartet hat. Er bietet ihr Diamanten, Kleider, alles was sie will an, aber keine Heirat, und sie stürmt aus seinem Büro.
Erst als Monty sie daheim besucht, beladen mit Körben voller Blumen und Essen, erfährt sie den Grund, und wie Betty so ist, plant sie sofort ihre Rache.
Sie wird Monty auf den Jachtausflug von Cyrus begleiten, Cyrus zu einem ordentlichen Heiratsantrag bringen und dann ablehnen. Und Monty wird die Kleider zahlen, weil er das alles verbockt hat.
Natürlich ist Cyrus nicht glücklich darüber, sie zu sehen - Adela ebenfalls nicht, Überraschung - aber der Plan funktioniert.

Ich würde eher deinen Bürojungen heiraten (der
absolut minderjährig ist, wir haben ihn schon gesehen)!

Betty stellt fest, daß die Ablehnung des Antrags sie nicht so zufriedengestellt hat, wie sie sich das erhofft hatte, ganz im Gegenteil.
Nachdem sie sich an seiner Schulter ausgeweint hat, geht Monty zu Cyrus, um alles aufzuklären, und Cyrus übergibt ihm das Steuerrad. Großer Fehler, denn Monty, vom Drama abgelenkt, bringt es fertig, ein anderes Boot zu rammen.

Mann über Bord! Nun, eigentlich zwei Damen.

Betty beginnt mit der Rettung der in Panik geratenen Adela, dann springt Cyrus ins Wasser, um zu helfen, und die Mannschaft der Jacht schickt Monty in einem Boot los (warum denkt irgendjemand, daß das eine gute Idee ist?).

"Übernimm du deine Freundin. Ich mußte ihr eine
verpassen - aber vielleicht tut ihr das gut." Ich bin
mir nicht so sicher von wegen "mußte", es mag
da noch mehr Gründe gegeben haben.


Betty schwimmt davon und verkündet, daß sie nach Hause geht, und Cyrus schwimmt ihr hinterher, als Monty nahe genug ist, damit er ihm Adela überlassen kann.
Adela sieht sie zusammen auf dem Anker der Jacht stehen und meint "Monty, ich frage mich, ob da irgendetwas zwischen ihnen ist?", worauf er lächelnd "Ich fürchte ja." antwortet.
Seht selber.



Dem zufolge, was ich gelesen habe, war die Ladenmädchen- "Aschenputtel"-Geschichte zu der Zeit sehr beliebt - auch wenn das Aschenputtel in diesem Fall ihren Schuh nicht verliert, sondern ihn auf des Prinzen Kopf wirft, um ihm zu sagen, daß sie auf dem Anker steht.
Es ist eine recht leichte romantische Komödie mit einem Tick an Sozialkommentar.
Ich habe Glyns Novelle nicht gelesen, aber es hört sich auch nicht so an, als würde ich irgendetwas von ihr lesen wollen. Von ihrer Geschichte hat der Film so in etwa das Konzept von "It" behalten und nicht viel mehr, wie es scheint. Sie bekam allerdings einen Gastauftritt, in dem sie noch mal "It" erklären darf. Sehr unnötig, wenn ihr mich fragt, der Ausschnitt aus der Geschichte hätte ausgereicht. Nicht daß sie es übrigens erfunden hätte.
"Es ist nicht unbedingt Schönheit oder gute Gespräche. Es ist einfach "It". Manche Frauen bleiben einem Mann im Gedächtnis, wenn sie nur eine Straße hinuntergehen." Kipling in "Mrs. Bathurst" 1904 (eigene Übersetzung).
Glyn weitete das auf Frauen und Männer aus.


Carl Sandburg sagte über den Film: "Das Interessante an dem Film ist die lebhafte Anregung, Clara anzusehen, über die Untertitel zu lachen, die witzig sind, und wieder Clara anzusehen."
Egal ob es Flirten war, Spaß an einem Fahrgeschäft, Ärgern, das Essen eines Apfels oder Schwimmen, Clare wirkte bei allem frisch, natürlich und spontan.


Grimassenschneiden für Toodles.

Meine Lieblingsszene ist tatsächlich die, in der sie die Wohlfahrtsleute hinauswirft (und in der übrigens ein junger Gary Cooper als Reporter auftaucht, den ich nicht mal erkannte, aber ich war auch nie ein Fan). Die Art, wie sie sie zur Tür hinauswinkt und ihnen die Leviten liest, ist brilliant.

Wieder nimmt Betty die Dinge in die Hand
(ich meine damit nicht Toodles).

Ich kann "It" in Betty sehen, aber vielleicht nicht so sehr in Cyrus. Natürlich bot die Rolle nicht viel Gelegenheit außer vielleicht in den Rummelplatzszenen.
Monty war für mich der interessantere Charakter, weil er so eine merkwürdige und alberne Mischung war. Anders als Cyrus kam er zurück, um Betty zu besuchen (auch wenn er kam, um ihr die alleinstehende Mutter zu "verzeihen", die sie gar nicht war). Dennoch machte er mehr als einmal einen - nicht sehr überzeugenden - Annäherungsversuch. Als sie wegen des Heiratsantrags weinte, umarmte er sie, als sie ihn aber wegschubste, ging er direkt zu Cyrus, um ihm die Wahrheit über das Baby zu erzählen. Tatsächlich erinnerte er mich mehr an einen schwulen besten Freund (mit einem Hauch der Verwirrung eines Bertie Wooster), aber am Ende wurde angedeutet, daß Adela und er zusammenkamen.
Adela wurde nicht sehr fair behandelt. Natürlich war sie wegen Betty unglücklich, aber das einzige, das sie tatsächlich tat, war, einmal ihr Französisch zu testen, weil Cyrus gesagt hatte, daß Monty Betty in Paris kennengelernt hatte (als wäre das ein Grund gewesen, Französisch zu können).

"Wir sind nur ein Paar 'ITS' ohne IT!"

Wegen Clara Bow auf jeden Fall sehenswert!


Quellen und weitere Literatur:

1. Fritzi Kramer: It (1927) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 27. Oktober 2017
2. Stacia Kissick Jones: The White Elephant Blogathon: Clara Bow and It (1927). Auf: She Blogged By Night, 1. April 2012


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 10. März 2026

Zu spät

"Wir sind zu spät dran."
"Wir wußten, daß es schwierig sein würde, die Kitze mitzunehmen, Meister Gnom, aber he, es war ein netter Familienausflug, auch wenn wir es nicht geschafft haben. Der Gedanke zählt, nicht wahr?"

Marsha, sie haben versucht, es rechtzeitig für deinen "Style Imitating Art"-Post zu schaffen, aber du weißt ja, wie das ist.
"Sind wir schon da?" "Ich kann nicht mehr laufen." "Kann ich ein Eis kriegen?" "Trag mich!"
Ich wünschte, wir lebten näher zusammen, wir wären für all deine Hirschbedürfnisse dagewesen (auch wenn es europäische Rehe sind).

Alle Rehe sind natürlich vintage Steiff (ich bin nur Sammlerin und in keiner Weise mit ihnen verbunden), der Gnom wurde von meiner lieben Freundin Jennifer genäht, ich liebe ihn so sehr.

Sonntag, 8. März 2026

Ton gießen

Wußtet ihr, daß ich ein Fan von "Great Pottery Throw Down" bin? Nein? (Ich habe es nur einmal in diesem Post erwähnt, also überrascht mich das nicht.)
Wußtet ihr, daß ich die Arbeit mit der Töpferscheibe immer mal ausprobieren wollte, es aber irgendwie nie dazu kam? Nein?
Aber wußtet ihr, daß es eine Zeit gab, in der ich das Tongießen so ein bißchen ausprobierte? Auch nicht? Nun, dann laßt euch überraschen.

Die Geschichte fängt mit "Kontakt" an und "Kontakt" fängt mit der Deutsch-Amerikanischen Freundschaftswoche an.
In meiner Stadt gab es früher einen US Army-Stützpunkt. Einmal im Jahr feierten sie im Sommer die Freundschaftswoche, was im Grund ein riesiger Tag der offenen Tür war, damit die Leute den Stützpunkt kennenlernen konnten. Am letzten Tag gab es ein großes Feuerwerk.

Es war eine Mischung aus kleinem Jahrmarkt mit großem Bierzelt, wo man Essen im amerikanischen Stil bekam (Tacos und Burritos eingeschlossen
 😉) oder einen mechanischen Bullen reiten konnte, Führungen durch die Gebäude am Stützpunkt, aber auch Vorführungen.
Eine davon war eine Schminkdemonstration auf einer Bühne. Meine beiden Freundinnen beschlossen, daß ich diejenige war, die hinaufgehen sollte. Ich erinnere mich, daß ich da gerade einen regelrechten Vesuv auf der Nase hatte und mir darum nicht danach war, aber sie bestanden darauf (wir waren alle Teenager, ihr könnt euch die Szene wahrscheinlich vorstellen).
Während die arme Make-up-Lady ihr Bestes tat, meine Nase zu bedecken und wegen meines Alters mit braunem Maskara und Rosentönen arbeitete (warum weiß ich das noch und außerdem, daß ich, obwohl es Sommer war, eine warme Jacke trug, die ich wegen ihrer Kapuze "den Mönch" nannte, und einen laaaaangen handgestrickten Schal?), wurden meine Freundinnen von jemandem von Kontakt angesprochen. Am Ende meinte eine meiner Freundinnen, daß sie gern mal zu einem Treffen gehen wollte und ich ging mit und wurden Mitglieder (um unser Englisch zu verbesser, aber laßt es mich mal so sagen, wir verbesserten definitiv unser Wissen über Flüche auf Englisch).

Wir machten alles Mögliche, vom Minigolf spielen bis zu Ausflügen in der Gegend, Weihnachtsmarkt, Barbecues, Filme, Kuchenverkäufe, ein denkwürdiges Halloween, von dem ich gerne Bilder hätte, und mehr.
Und wir machten einen Tongießkurs im Rec Center mit, den ich am meisten mochte.
Was ist Tongießen? (Sehr) kurz gesagt hat man einen Tonschlicker, der in eine poröse Gipsform gegossen wird. Nachdem sich eine Tonschicht gebildet hat, weil die Form das Wasser absorbiert, wird der Rest des Schlickers wieder ausgegossen, und wenn der Ton fest genug ist, wird die Form entfernt.
Ich habe es geliebt. Sie hatten so viele Formen. Bei den Amerikanern sehr beliebt waren die riesigen Bierkrüge, aber natürlich begannen wir klein. Tatsächlich schafften wir es nie bis zu den wirklichen großen Stücken, was ich immer bedauert habe, obwohl ich
keinen Bierkrug wollte.

Wir fingen mit kleinen Figuren an, von denen ich die meisten verschenkte und von denen manche irgendwann wieder zu mir zurückkamen, wie diese kleinen Damen, die bei meiner Mutter im Regal standen.
Die blonde muß mal gefallen sein, weil ihr Haar etwas Glasur verloren hat und ihr der halbe Arm fehlt. Es macht wirklich keinen Sinn, sie zu behalten, aber jetzt erinnert sie mich erstmal noch an die Zeit, während derer sie bei meiner Mutter im Regal stand.



Der Welpe und die Schnecke waren meine allerersten Stücke, wenn ich mich recht erinnere, weil sie klein und die einfachsten waren. Sie gingen zu meiner Oma.
Ein Clubmitglied machte damals eine Ausbildung als Porzellanmalerin, was man leicht erkannte, weil ihre Stücke soviel besser aussahen als die von uns anderen. Die Schnecke war mein erstes Stück und ich hatte Probleme mit dem Aufmalen der Augen, als ich sie also mehr als einmal heruntergekratzt hatte, bat ich sie um Hilfe und sie gab ihr diese Schieläuglein.


Dann sind da noch die Buddhas.
Tatsächlich machte ich drei. Einer davon ging an eine Freundin der Familie. Ich erinnere mich noch, wie sie lachte und meinte "Wenigstens ein Mann, der mich anlächelt." Ich weiß, daß er wenigstens ein paar Jahre in ihrem Bücherregal verbrachte.

Diese zwei sind meine eigenen.
Der stehende war eigentlich für jemand anderen gedacht, aber wie ihr sehen könnt, hat er ein Problem.
 

Die Werkstatt hatte große Regale, um all die Stücke während der unterschiedlichen Stadien aufzubewahren, denn natürlich konnten die Leute nicht jeden Tag da sein, um zu bemalen, glasieren oder auch nur ihre Arbeiten abzuholen.
Eines Nachts brach jemand in der Werkstatt ein. Sie traten die Tür so gewaltsam ein, daß sie in eins der Regale krachte.  Ich glaube nicht, daß sie jemals herausfanden, wer es war oder warum sie es taten. Es gab nichts dort, was etwas wert war, es sei denn, sie hätten von einem Schwarzmarkt für Ton und gebrauchte Formen gewußt. Wahrscheinlich war es reiner Vandalismus.
Einige der Stücke wie mehrere riesige Krüge waren komplett kaputt, manchmal überlebte ein Teil davon, zum Beispiel ein Krugdeckel. Wir hatten ziemlich Glück, weil wir nichts Großes hatten, das uns schon eine Menge Arbeit gekostet hätte, aber mein Buddha war eins der Opfer. Die Werkstattleiterin meinte, ich solle ihn kleben, wahrscheinlich weil ich ihr leid tat. Die Hand war jedoch nicht zu finden.


Ich wünschte, ich könnte euch auch den Krugdeckel zeigen. Er sah wie ein Zauberer aus und ich hatte ihn schon zuvor bewundert, aber die Form war begehrt und es bestand keine Chance, daß ich nur den Zauberer gießen konnte. Die Frau wollte einen neuen Krug machen und fragte mich, ob ich gern den Deckel hätte. Es war nur der Stab abgebrochen, also nahm ich das natürlich an.
Da ging dann aber unser Clubleiter nach Amerika zurück und der Club veränderte sich sehr mit dem neuen.
Leider haben wir es nie in die Werkstatt zurückgeschafft, also lebte der Zauberer ungebrannt in einer meiner Vitrinen. Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht, wo er jetzt ist, vielleicht ging er beim Umzug kaputt, vielleicht ist er an einem sicheren Ort versteckt. Falls ich finde, füge ich ein Bild hinzu.

Dann gibt es noch die Tasse. Ich habe sie nicht benutzt, um daraus zu trinken, weil ich meiner Glasur nicht vertraute, aber ich hatte Stifte darin.


Es ist das eine Stücke, auf dem man meine "Signatur" am besten erkennt. Wir bekamen Zahlen zugeteilt, um zu unterscheiden, wer was gemacht hatte, und ich ergänzte noch meine übliche Katze und meinen Namen.


Das war also meine "Karriere" als Töpferin.
Daß sie so kurz war, ist die einzige Entschuldigung dafür, daß ich so lausig darin war. Egal wie sehr ich es versucht habe oder wie wenig oder viele Glasurschichten ich auftrug, es gab einfach Stellen, wo ich jämmerlich dabei scheiterte, sie gleichmäßig hinzubekommen. 
Meine müde kleine Lady hat keinen richtigen Hals, weil sich Glasur unter ihrem Kinn ansammelte, meine Schnecke hat das gleiche Problem auf ihrem Haus.
Ich sehe mich noch im Haus unserer zukünftigen Porzellanmalerin sitzen, wie ich versuche, den Buddhas ein gleichmäßiges Blau zu geben. Ich war hoffnungslos verliebt in das Königsblau und hoffnungslos schlecht darin, es zu benutzen.
Ich bin mir sicher, daß ich es hätte lernen können, aber es sollte eben nicht sein, obwohl man sieht, daß ich vom einen zum anderen Buddha schon ein kleines bißchen besser geworden war.
Was die Farbe betrifft, waren die besten Stücke die Tasse - ich wollte tatsächlich, daß der Himmel so wurde, obwohl das sicherlich besser gegangen wäre -, der dritte Buddha (nicht blau) 
und (wenn ich mich recht erinnere) ein Welpe und ein kleines Mädchen für meine andere Oma, die aber nicht zu mir zurückgekommen sind, also müßt ihr mir das einfach glauben! 😉