Habt ihr jemals von Lonesome Luke gehört? Die Chancen stehen gut, daß ihr den Schauspieler kennt, der nach Luke eine andere, viel bekanntere Persönlichkeit verkörpert hat, aber werdet ihr ihn erkennen?
Heute habe ich einen Kurzfilm von 1917 für euch - Lonesome Luke, Messenger.
Hier ist die "Handlung".
Luke und Snub sind Boten.
Eines Tages sollen sie ein paar große Pakete bei einem Mädchenseminar abliefern.
Luke wird von einem der Mädchen "eingeladen" und sofort wieder von der Hausmutter hinausgeworfen, was seinen und Snubs Drang danach, wieder hineinzukommen, jedoch nur verstärkt.
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| Das ist kein Stuntman, der da die Treppe hinunterrollt! |
Snub schafft es hinein, als ihn ein Handwerker fragt, ob er für seinen "Tapezierassistenten" einspringen will, der sich verspätet.
Luke schafft es schließlich, indem er sich als Telefontechniker ausgibt und ankündigt, daß "kostenloser Telefonprobetag" ist.
Wie ihr euch vorstellen könnt, bieten Tapete, Kleister, Leitern und Kabel Raum für eine Menge Slapstickaktion.
Von da an herrscht das blanke Chaos - Leute, die voreinander abhauen, hierhin rennen und dorthin rennen, Kamine hinunterkriechen, an Telefonleitungen baumeln, und am Ende jagen sie alle Luke!
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| Die Mädchen schmollen, aber Luke hat noch nicht aufgegeben. |
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| Die erste Flucht. |
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| Uuuund er ist zurück. |
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| Die zweite Flucht. Netter Sprung! |
Aus der Autobiographie: "Der raffinierte Gedanke hinter all dem, wie ihr bemerken werdet, war, das Outfit von Chaplin umzudrehen. Alle seine Kleider waren zu große, meine alle zu klein. Meine Schuhe waren lustig aber anders; mein Schnurrbart lustig aber anders. Dennoch war die Idee reine Imitation und wurde als solche vom Publikum erkannt, obwohl ich sehr sorgfältig vermied, die wohlbekannten Eigenarten von Chaplin zu vermeiden. ... Das Kostüm war nicht nur eine Imitation, sondern ursprünglich auch eine Beleidigung für das Auge. Mit der Zeit verfeinerte ich es, bevor es starb, aber ich erinnere mich nicht gern daran ...
Ich war überzeugt, daß der Charakter so weit gekommen war, wie wir ihn bringen konnten, und außerdem, daß ich einen besseren hatte.
Und den hatte er. Habt ihr ihn erkannt?
Es ist Harold Lloyd, bevor er sich den "Jungen mit der Brille" ausdachte, an den wir denken, wenn wir heute seinen Namen hören.
Tatsächlich wurde der Look mit der Brille - die übrigens keine Gläser hatte - so kultig, daß es scheint, daß jedes Mal, wenn jemand anderer in einem Stummfilm eine runde Brille trägt, irgendjemand kommentiert "Er sieht wie Harold Lloyd aus!", obwohl die Brille die einzige Ähnlichkeit ist. Die Leute hatten sogar Schwierigkeiten, Lloyd zu erkennen, wenn er sie nicht trug.
Aber zurück zu Lonesome Luke.
67 Filme wurden zwischen 1915 und 1917 produziert - für eine Filmrolle brauchten sie ungefähr eine Woche -, aber die meisten davon sind jetzt verschoellen. Ich habe in einem Post gelesen, daß nur 14 davon überlebten, in einem späteren Kommentar unter einem Video hieß es, es seien noch welche gefunden worden und damit wäre man nun bei 18. Immer noch nicht sehr viele.
Wenn ihr denkt, daß sich der heutige Kurzfilm nach nicht viel anhört, habt ihr recht. Ihr müßt jedoch auch bedenken, daß das 1917 war. Die Vorstellung von Filmen und besonders Komödien waren damals noch ganz anders ... oder? Um ehrlich zu sein, wenn ich so manche Komödie heute sehe, fühlt es sich wirklich nicht so an, als ob diese Art von Humor völlig verschwunden ist.
Nehmt zum Beispiel Leute, die fallen. Warum waren Homevideo-Shows mit Leute, die in Seen fallen oder von Stühlen oder Bühnen usw. so beliebt? Schadenfreude. Stürze waren eine große Sache in Stummfilmen, und wie ihr inzwischen wißt, haben die Schauspielerinnen und Schauspieler oft ihre eigenen Stunts gemacht. Wie sieht es mit Lloyd aus, der diese Steinstufen hinunterpurzelt? Ich tu mich manchmal schwer damit, das anzuschauen und rufe oft automatisch "autsch", aber ich kenne genug Leute, die das heute noch genauso witzig finden würden wie ein Publikum vor über 100 Jahren.
Luke war beim Publikum beliebt, aber Lloyd wollte mehr als Jagden und auf dem Hintern zu landen.
Tatsächlich hatte ich, bevor ich anfing, seine Autobiographie zu lesen, nicht gewußt, daß seine Anfänge nicht darin lagen, Komiker zu sein, sondern ein Bühnenarbeiter, Bühnenmeister, Assistenz-Elektriker usw. - schon im jungen Alter - aber auch im Spielen von kleinen und dann größeren Rollen.
"Daher kannte ich mein Theater von Shakspere bis zu den Xylophonspielern." (Das ist kein Tippfehler, es gab unterschiedliche Schreibweisen für den Barden.)
Dann zog sein Vater nach Kalifornien, Harold begann als Komparse in Filmen zu arbeiten und er traf Hal Roach, der zu der Zeit ebenfalls Komparse war, dann aber anfing, in der Bradbury Mansion (die 1929 für einen Parkplatz abgerissen wurde) Filme zu produzieren.
Erkennt ihr die Treppe?
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| Bild von Lemuel S. Ellis, ca. 1887, über The Huntington Digital Library |
Ich kann verstehen, daß jemand, der schon früh Ambitionen hatte, was das Theater betrag, irgendwann von Luke gelangweilt war, und natürlich wird Harold Lloyd für die meisten von uns "Der Junge mit der Brille" bleiben, was er sicherlich vorziehen würde.
Quellen und weitere Lektüre:
1. Harold Lloyd with Wesley W. Stout: An American Comedy. New York : Dover Publications, 1971 (ungekürzte Wiederveröffentlichung, mit kleineren Korrekturen, des Werks von 1928)
2. Trav S. D.: Lonesome Luke's Lively Life: Hal Roach, Harold Lloyd and the Rolin Film Co. Auf: Travalanche, 31. Juli 2025
3. John Bengtson: Harold Lloyd Takes A Chance on Court Hill. Auf: Chaplin-Keaton-Lloyd film locations (and more), 1. Januar 2014
4. John Bengtson: Lady Cops (and Harold Lloyd) Reveal 1914 Lost LA Treasures. On: Chaplin-Keaton-Lloyd film locations (and more), 12. Dezember 2021
Es
tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber
mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand
für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit
finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel
interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen
Eindruck vermitteln können.










































