1884 erschien der Roman "Die Abenteuer des Huckleberry Finn", die Fortsetzung zu "Die Abenteuer des Tom Sawyer" von Mark Twain, im Vereinigten Königreich und kurze Zeit später in den USA.
Seither gabe es zahlreiche Verfilmungen. Die, die mich am meisten beeindruckte, einfach weil es die erste war, die ich je sah, gehörte zu den berühmten Weihnachtsvierteilern, einer deutsch-französisch-rumänischen Koproduktion von 1968, die ich als Wiederholung sah (ich war mehr am dem Huck-Schauspieler interessiert als an der Geschichte).
Wir hatten auch beide Bücher, die sich jetzt in meiner persönlichen Bibliothek befinden.
Heute habe ich für euch jedoch die früheste Verfilmung, "Huckleberry Finn" von 1920.
Ich bezweifle, daß ich diesmal groß über Spoiler nachdenken muß. Hier ist die Handlung.
Tom Sawyer und sein Freund Huckleberry haben einen Schatz gefunden und Geld daraus erhalten.
Die Witwe Douglas und ihre Schwester Miss Watson nehmen Huck unter ihre Fittiche. Huck ist nicht glücklich darüber, sich benehmen zu müssen, bleibt aber, damit er weiterhin Teil von Toms Bande bleiben kann.
"Pap", sein Vater, ist hinter dem Geld her und verschleppt Huck zu einer abgelegenen Hütte. Nachdem Pap im Delirium Tremens versucht, ihn umzubringen, täuscht Huck seinen Mord vor und flieht.
Als er sieht, daß die Leute aus der Stadt ein Brot mit Quecksilber darin in den Fluß werfen, weiß er, daß sie ihn für tot halten, und er macht Jackson's Island zu seinem "Königreich".
Eines Morgens findet er dort den schlafenden Jim vor, einen von Miss Watsons Sklaven. Jim ist weggelaufen, weil Miss Watson ihn an einen schlechten Mann verkaufen wollte. Er kann kaum glauben, daß Huck am Leben ist und bittet ihn, bei ihm bleiben zu dürfen.
Huck geht als Mädchen verkleidet in die Stadt, um das Neueste zu erfahren, und erfährt, daß die Stadtbewohner Jim im Verdacht hat, ihn ermordet zu haben und dann weggelaufen zu sein, und daß sie ihn auf Jackson's Island suchen wollen.
Also nehmen sie das Floß, das Jim gebaut hat, und fahren den Fluß hinunter, wo ihnen zwei Diebe begegnen, die aus einer Stadt geflüchtet sind.
Einer davon behauptet, von Geburt ein Herzog und ein Schauspieler zu sein (der andere bezeichnet sich im Buch als König), und in der nächsten Stadt legen sie das Publikum mit überteuerten Eintrittskarten für einen Bühnenauftritt herein.
Weiter den Fluß hinunter begegnet ihnen ein Mann, der die beiden Diebe fragt, ob sie die Brüder eines Mr. Wilks sind, der gestorben ist. Als sie hören, daß er einiges an Besitz hinterlssen hat, sehen sie eine Gelegenheit, Mr. Wilks' drei Töchter um alles zu betrügen.
Huck verliebt sich allerdings in eine der Töchter, Mary-Jane, und nach einer Weile verrät er ihr, daß die "Brüder" Gauner sind.
Dann tauchen zwei Männer auf und können durch ihre Kenntnis über die Tätowierung auf der Brust des Toten beweisen, daß sie die echten Brüder sind.
Huck und Jim gelingt es nicht, ohne die zwei Gauner abzuhauen, und als sie die nächste Stadt erreichen, verkauft einer von ihnen Jim an einen Mann names Phelps. Huck beschließt, Jim zu retten. Als er bei der Plantage ankommt, wird er von Mrs. Phelps begrüßt, die zufällig Tom Sawyers Tante ist und ihn für Tom hält.
Auf dem Weg nach Pikesville, um "seinen" Koffer zu holen, trifft Huck auf Tom.
Er erzählt ihnen von seinen Abenteuern und Jim, und natürlich denkt sich Tom sofort einen Plan aus. Er wird vorgeben, sein Bruder Sid zu sein, und werden Jim bei der Flucht helfen (wozu eine Verkleidung in Frauenkleidern gehört).
Als sie Jim herausschmuggeln und zum Floß gehen, werden sie von den Stadtbewohnern verfolgt und Tom bekommt einen Schuß ins Bein ab (die Szenen fehlen im Video). Obwohl Tom die Flucht durchziehen möchte, besteht Jim darauf, daß Huck einen Arzt holt, der Tom dann zum Haus der Phelps zurücktragen läßt.
Am nächsten Tag erscheint Toms Tante Polly und erzählt ihnen, daß Miss Watson vor einem Monat gestorben ist und Jim seine Freiheit gegeben hat, wie Tom weiß. Als er gefragt wird, warum er einen freien Mann befreien wollte, antwortet Tom, daß er es wegen des Abenteuers getan hat und er mit Huck ein weiteres erleben wird.
Huck jedoch wünscht sich, daß Tante Sally ihn adoptiert, damit er ein wohlerzogener junger Mann werden und zu Mary-Jane zurückkehren kann.
Und das erzählt er auch Mark Twain am Ende - daß es über ihn nichts mehr zu schreiben gibt außer vielleicht irgendwann eine Liebesgeschichte ...
Ich will gar nicht auf die Kontroverse rund um das Buch selber eingehen. Der Film hatte ein paar rassistische Momente, aber das hat mehr mit der Vorlage selber zu tun. Das N-Wort wird nur einmal von Jim selber benutzt. Ich weiß nicht, ob das Absicht waar.
William Desmond Taylor (heute bekannter für den ungelösten Mord an ihm im Jahr 1922 und dem darauf folgenden Skandal) hat drei Film nach den Büchern von Twain gemacht, "Tom Sawyer" 1917, "Huck and Tom" 1918 und "Huckleberry Finn" 1920.
Der Film wurde als verschollen angesehen, bis in den 60ern ein Abzug davon in einem dänischen Archiv gefunden und 2006 restauriert wurde. Wie oben erwähnt fehlen Szenen, die in Zwischentiteln erläutert werden.
E. W. Kemble, der Illustrator der Originalausgabe, meinte, daß Taylor seine Illustrationen nahm und zum Leben erweckte.
Tatsächlich ist der Film recht buchgetreu, obwohl Teile ausgelassen wurden, zum Beispiel wie Jim Paps Leiche findet oder die tödliche Familienfehde, deren Zeuge Huck wird.
Daß diese fehlen, macht ihn zu einer recht freundlichen Verfilmung, obwohl der Teil, in dem Huck von seinem Vater festgehalten und bedroht wird, ziemlich gewalttätig ist.
Ich denke, es wäre interessant, mehr davon zu sehen, wie mit der Erzählung um Jim herum umgegangen wurde, die leider fehlt, zum Beispiel der Flucht (Schande über Tom dafür, einen so komplizierten Plan nur um des Abenteuers willen auszuhecken anstatt Jim zu sagen, daß er ein freier Mann ist). Ich hätte das der Geschichte vom Herzog und König vorgezogen, die sehr langsam war.
Außerdem wurde die Beziehung zwischen Huck und Jim nicht sehr erforscht, Hucks Entscheidung, Jim nach dem Verkauf zu retten, ausgeschlossen.
Lewis Sargent gab einen überzeugenden Huck ab, und es ist erwähnenswert, daß in einer Zeit, in der Blackface in Filmen gängig war, die Rolle von Jim nicht von einem weißen Mann, sondern von George Reed gespielt wurde.
Alles in allem wird es der Film nicht auf meine Favoritenliste zum nochmal Anschauen schaffen, weil ich mit der Geschichte an sich ein Problem habe.
Quellen (englischsprachig):
1. David Kiehn: Huckleberry Finn. Auf: San Francisco Silent Film Festival. Essay. 2011
2. Lorraine Lo: Huckleberry Finn (1920). Auf: TCM. Articles. 10. Oktober 2011
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.




































