Einer der Stummfilmblogs, denen ich folge, hat mich (wieder einmal) auf Harry Langdon aufmerksam gemacht. Es gibt Leute, die ihn in einer Gruppe mit Chaplin, Keaton und Lloyd als einen der vier großen Komiker dieser Zeit sehen.
Ich hatte noch nichts mit Langdon angeschaut, also habe ich sehr willkürlich einen Film von 1927 ausgesucht - "Die ersten langen Hosen".
Hier ist die Handlung (mit Spoilern, wie ihr wißt).
Obwohl er erwachsen ist, läßt Harry Shelbys Mutter ihn immer noch keine langen Hosen tragen. Seine einzigen romantischen Erfahrungen kommen aus Büchereibüchern und Träumen.
Dann schenkt ihm sein Vater sein erstes Paar lange Hosen und Harrys Leben verändert sich völlig.
Zwar erwarten seine Eltern, daß er seine Kindheitsfreundin Priscilla heiratet, aber Harry fällt die Femme Fatale Bebe Blair ins Auge, deren Auto liegengeblieben ist. Bebe küßt ihn im Scherz, und nachdem sie weg ist, findet Harry eine Notiz - offensichtlich nicht für ihn gedacht - auf der es heißt "Ich werde zurückkommen, um dich zu heiraten.
Da Bebe nicht zurückkommt, naht stattdesssen der Tag von Harrys und Priscillas Hochzeit. An diesem Tag liest Harry in der Zeitung, daß die "Schneeschmugglerin" Bebe im Stadtgefängnis sitzt und er trifft die schnelle Entscheidung, ihr bei der Flucht zu helfen. Zuerst muß er aber Priscilla loswerden, daher nimmt er sie mit in den Wald, um sie zu erschießen.
Der Plan läuft völlig schief und als Priscilla die Waffe findet und ein paar Übungsschüsse auf ein Ziel abgibt, das sie an einen Baum geheftet hat, bekommt Harry Angst und rennt weg in die Stadt.
Bebe ist es schon gelungen zu entkommen und Harry hilft ihr sich in einer Transportkiste zu verstecken, die er wegträgt.
Nach ein paar Abenteuern mit einem Polizisten und einem Alligator bittet ihn Bebe, ihr kriminelles Leben mit ihr zu teilen.
Als sie aber zu einem Club gehen, damit Bebe dort mit der Sängerin und Tänzerin abrechnen kann, die ihr den Mann weggenommen hat, läuft alles schief. Bebe und ihr Mann erschießen sich gegenseitig und Harry wird von der Menge Neugieriger niedergetrampelt, also geht er nach Hause zurück und wird von Priscilla und seinen Eltern glücklich willkommen geheißen.
Tja, Leute. Ihr mögt euch jetzt wundern, aber das soll wirklich eine Komödie sein. Ich meine, ich habe gar nichts gegen schwarzen Humor, aber das hier machte mich etwas sprachlos. Mein erster Gedanke war, daß ich keinen zufälligen Langdon-Film hätte aussuchen sollen, sondern daß ich besser nach einer Auswahl für Anfänger geschaut hätte.
Laut einem Filmhistoriker fand sogar Buster Keaton, der ein Fan von Langdon war, daß die Szene im Wald etwas zu weit ging.
Und es scheint, daß es auch einen Streit zwischen Langdon und Frank Capra, dem Regisseur des Films, gab, weil er zu düster war. Ich sage "scheint", weil ich noch keine Ahnung von den unterschiedlichen Blickwinkeln und Ansichten darüber habe. Bei einer schnellen Suche stieß ich auf verschiedene Meinungen, als werde ich mich (noch?) nicht an das Thema heranwagen.
Alles was ich bisher habe ist, daß manche Langdon als komödiantisches Genie, wenn auch gewöhnungsbedürftig, ansehen und andere sagen, sie "können sich einfach nicht mit ihm anfreunden".
Würde ich schnell nach nur einem Film ein Urteil treffen, wäre ich Teil der zweiten Gruppe. Es gab ein paar witzige Szenen, zum Beispiel, als Harry denkt, daß ihn Bebe durch das Loch in der Transportkiste anstupst, obwohl es der Alligator ist.
Alles in allem fand ich aber, daß fast eine Stunde ziemlich lang für etwas war - mögen Langdon-Fans mir verzeihen - mich als Komödie nicht so sehr beeindruckte.
Trotzdem kann ich nicht nur aufgrund dieses Films ein Urteil fällen, also werde ich nächstes Mal erst nach Empfehlungen suchen, und wer weiß, vielleicht werde ich mich auch irgendwann mit ihm anfreunden.




































