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Dienstag, 21. April 2026

Barbies Kleiderschrank - Orange Blossom

Ich bin keine Fashionista. Ich bin ... man könnte sagen ... eine Kleiderträgerin. Ich mag meine Kleidung bequem und in der richtigen Größe und, wenn möglich, daß sie keine Löcher oder Flecken hat (der Teil ist nicht immer einfach, wenn man Katzen hat, erst kürzlich habe ich entsetzt drei Löcher in einem meiner Kleider gefunden, nachdem meine Lady eine Schmusesitzung auf mir hatte).
Es gibt Dinge, die ich an Kleidung liebe, wie Taschen in Kleidern oder Dreiviertelärmel, aber darüber hinaus bin ich recht anspruchslos und nicht abenteuerlustig.
Das heißt nicht, daß ich gar keine Kleider anschauen mag, vor allem die, die ich niemals selber tragen könnte, des Geldes oder meiner Figur wegen, Mangel an Gelegenheit usw. Es gibt trotzdem noch Wege, Haute Couture in mein Leben zu bringen. Ich meine Barbie und ihre Freundinnen.
Ich war schon immer von Miniaturen fasziniert (siehe meinen Post vom Sonntag) und Barbies vintage Outfits mit ihren winzigen Reißverschlüssen und Knöpfen und Schnallen sind unglaublich. Das ist mein "Modeleben", entweder über meine eigene kleine Sammlung oder Bilder.
(Und ja, ich weiß, daß Barbies Körper nicht natürlich ist, ich wußte das als Kind und habe nie versucht, ihr nachzueifern ... hätte ich das, wäre was schiefgelaufen).
Ich würde euch gern ab und zu einen Blick in Barbies Kleiderschrank werfen lassen.

Ich weiß, daß es schon über ein halbes Jahr her ist, daß Barbies Kleiderschrank aufgegangen ist. Das war buchstäblich, weil mir nicht danach war, ihn zu öffnen - den Puppenschrank meine ich, nicht den Kleiderschrank.
Ich bewundere immer, wieviele Bilder andere von ihren Puppen machen, während ich immer fürchte, alles umzuwerfen, aber hier sind wir nun, mit einem hübschen klassischen Outfit, das einfach perfekt für den Frühling ist. Es heißt "Orange Blossom", ein sehr passender Name, wie ihr sehen werdet.


Laßt mich zunächst unser heutiges Modell vorstellen.
Sie ist eine Bubblecut aus den frühen 60ern und es ist leicht zu erkennen, woher der Name kommt.

Bubblecut Barbies (1961 to 1967) gehören zu meinen Lieblingsmodellen, weil sie gleich aussehen. Es gab sie mit verschiedenen Haarfarben, der "Bubble" konnte fester und enganliegender sein oder echt groß, was nicht nur von der Haarlänge abhängt, sondern manchmal auch daran, wie sie eingezogen wurden. Es konnte Unterschiede bei Lippenstift und Nagellack oder sogar bei der Augenfarbe geben. Manche von ihnen haben eine seltene Haarfarbe - wie die "Brownette", ein helleres Braun - oder Lippenfarbe - wie die White Ginger. Es gab sogar Puppen mit einem Seitenscheitel (ob es ein "echter" ist, erkennt man sicher nur am gekreuzten Haareinzug), sie sind gefragt, weil sie nur in Europa und Kanada verkauft wurden. Manche von ihnen haben im Gegensatz zur Standard-Bubblecut sogar knickbare Beine.
Die weißen Lippen unseres Modells deuten darauf hin, daß es sich um eine "Platinum Blonde" handelt. Ich weiß, daß sich das seltsam anhört, aber Haarfarben von Barbies konnten sich durch Oxidation verändern (erinnert ihr euch, daß ich die Diskussion über rothaarige TNTs erwähnt hatte?). Und Lippenfarben ebenso. Die rosa Lippen der platinblonden Bubblecut konnten weiß werden und das Haar dunkler.

Vielleicht habt ihr bemerkt, daß die Ohrring
fehlen. Obwohl es nicht die originalen waren, die
eine Bubblecut hatte, bin ich kein Risiko
eingegangen, um die Gefahr der grünen Ohren
zu vermeiden, und habe sie entfernt.

Nun zu "Orange Blossom".
Man sieht es oft an Barbies Freundin Midge, weil es ein Brautjungfernkleid ist und wir wissen, daß Barbie wunderschöne Hochzeitskleider hatte (sogar schon bevor es Ken gab!).
Tja, in diesem Fall ist Barbie mal die Brautjungfer.


Barbie trägt ein schulterfreies gelbes Etuikleid und ein hübsches Überkleid mit ausgestelltem Rock aus weißer Spitze.
Die weißen Handschuhe gab es je nach Jahr in zwei Längen. Hier hat Barbie die kurzen gewählt.
Ihre Schuhe sind offene weiße Pantoletten mit Absatz.
Der Hut ist ein gelbes Haarband mit Tüll.
Keine Brautjungfer ohne Bouquet. Das hier hat weiße und gelbe Bänder, die zum Outfit passen.

Obwohl die Perlenkette die perfekte Ergänzung zu sein scheint, gehört sie eigentlich nicht zum Outfit. Erinnert ihr euch, daß ich im Post über das Modell "Midnight Blue" geschrieben habe "
Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich eine Kette habe, sie aber von einer anderen Puppe getragen wird." Nun, jetzt wissen wir wohl, wer sie hat. Sie hat sich auch geweigert, sie zurückzugeben (das heißt, der Haken ging nicht auf und es war so spät, als ich diese Bilder macht, daß mir nicht nach Herumpusseln war)!

Auf einer Seite hat sich die Autorin gewundert, warum der Name für dieses Outfit "Orange Blossom" und nicht "Lemon Blossom" ist.
Ich habe auf einer Gartenseite gelesen, daß Zitronenblüten auf der Rückseite der Blütenblätter lila sind, Orangenblüten jedoch nicht, also finde ich tatsächlich, daß der Name wunderbar paßt.


Von Alexander Hardin - Eigenes Werk, CC BY 3.0,
über Wikimedia Commons
 
Es gibt übrigens ein hübsches Blumenmädchenoutfit für Skipper, das dazu paßt. Natürlich wurde es für ein Mädchen angepaßt, aber es ist aus demselben gelben Stoff und weißer Spitze.
Ich habe es selber nicht, aber ihr könnt es euch hier anschauen.

"Orange Blossom" wurde von 1961 bis 1964 unter der Nummer 987 hergestellt. Das Outfit ist nicht so schwer zu finden, obwohl der Hut fehlen kann. Ich weiß das, denn ich habe es zweimal (beide von einer Bubblecut getragen, um Midge eine Pause von der Brautjungfernpflicht zu gönnen), einmal mit den kurzen Handschuhen (1961/62) und einmal mit den langen (1963/64), aber in der Tat fehlt ein Hut und außerdem trägt eine der Damen geschlossene Pumps (die ich soviel eleganter als die offenen finde).

Gundel hat sich gefragt, warum ich diese Bilder
mitten in der Nacht gemacht habe, wenn dies doch
nach Frühlings- oder Sommerhochzeit schreit ...

Um das klarzustellen, ich habe zwar den Puppenständer aus den Bildern entfernt, aber nichts am Outfit geändert.

Barbie ist ein eingetragenes Warenzeichen. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.


Quellen (englischsprachig):

1. Sibyl DeWein und Joan Ashabraner: The Collector's Encyclopedia of Barbie Dolls and Collectibles. Paducah, KY, Collector Books, 1994
2. Sarah Sink Eames: Barbie Doll Fashion, Vol. II, 1968 - 1974. Paducah, KY, Collector Books, 1997

3. Vintage Barbie Orange Blossom. Auf: Fashion Doll Guide
4. Vintage Barbie Bubblecut Dolls. Auf: Fashion Doll Guide
5. Bubble Cut Barbies 1961 to 1967. Auf: My Vintage Barbies


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Samstag, 18. April 2026

Einfach nur so Samstag - Die kleine Welt

Diesmal spreche ich nicht darüber, wenn man herausfindet, daß die neue Freundin auch eine Freundin eures Cousins zweiten Grades ist, von dem ihr erst gestern erfahren habt, oder irgendetwas in der Art.
Ich spreche von der Welt der Miniaturen.

Als Kind wollte ich soo gern ein Puppenhaus haben, aber das war eine Frage von Platz und wahrscheinlich auch Geld. Ich hatte jedoch Glück, meine Freundin hatte eins. Wißt ihr, was echt komisch ist? Wir haben gar nicht mal soviel damit gespielt. Wir haben die Puppeneltern ins Bett gesteckt, um sie aus dem Weg zu haben (manche Puppen sitzen nicht so gut aufrecht, aber man kann nie damit falsch liegen, sie ein schönes Nickerchen machen zu lassen), und die drei Kinder gingen dann auf Abenteuer - was jetzt, da ich drüber nachdenke, so ziemlich nach den fünf Freunden oder den Lockett-Kindern und all den anderen klingt ...
Meine Freundin hatte eine Menge Platz und wir schickten die Kinder in den Wilden Westen, auf Berge und in Höhlen und so weiter. Was ich an dem Haus (sehr 70er) übrigens am meisten liebte, war der weiße Stutzflügel und der Weihnachtsbaum.

Dann gab es da noch die antiken Puppenläden und das Puppenhaus im "Storchen", unserem Heimatmuseum. Die waren natürlich hinter Glas. Sogar jetzt noch sind mir die Spielzeuge das Liebste am Museum.

Als Erwachsene bekam ich ein Puppenhaus, aber es wurde recht schnell ziemlich vernachlässigt, da es wegen der Katzen außer Reichweite gestellt werden mußte. Es war schlimm genug, daß ich andauernd Steifftiere vom Boden aufheben mußte, ich wollte nicht auch noch nach winzigen Teilchen suchen müssen.
Irgendwann verschenkte ich die Möbel und behielt nur ein paar Sachen wie die Katze auf dem Kissen (kaum überraschend).
Das bedeutet aber nicht, daß ich Miniaturen nicht mehr liebe. Ganz und gar nicht! Als mir also ein Familienmitglied erzählte, daß sie welche geschenkt bekommen hatte, wollte ich die natürlich unbedingt sehen - und Bilder machen.

Mein Favorit ist das gute alte Telefonbuch,
in diesem Fall "Das Örtliche" für lokales Gewerbe,
und übrigens, das rote Buch ist handgemacht!


Ich liebe die winzigen Bauklötzchen, aber die Fadenspulen
liebe ich sogar noch mehr!


1. Kaffeemaschine und Kasserolle (für Frühstückseier vielleicht?)
2. Die Teller, Serviettenhalter, Platte, Blumentopf und Kerzenhalter
sind sehr hübsch handgemacht
3. Verschiedene Küchenutensilien
4. Zwei Arten von Besteck, so goldig!


Die Waage funktioniert, aber die Gewichte sind
eingeklebt (gute Idee).
Ich liebe den Fischtopf, könnt ihr das an der
Nahaufnahme erkennen?


Amerikaner benutzen "Mason jars", wir Deutschen haben natürlich
Weckgläser zum Einwecken. Ich finde es herrlich, daß daraus sogar ein
eigenes Wort entstanden ist.
Ich liebe auch den altmodischen Buttermixer (der wirklich
funktioniert, ich meine, er bewegt sich, ich habe nicht versucht, Butter
damit zu machen) und den vintage Fleischwolf.


Weihnachten!! Ich liebe die glänzenden Christbaumkugeln einfach.
Sie haben ein kleines Geheimnis. Sie haben nämlich ein Loch unten,
woraus ich schließe, daß sie aus den Glasperlenketten gemacht sind,
wie sie zum Beispiel in Gablonz (Jablonec nad Nisou) hergestellt
wurden und werden. Perlen konnten/können einzeln oder in
Gruppen abgeschnitten und dann mit Hilfe von Draht zu
aufwendigem Weihnachtsschmuck verarbeitet werden, wie in
den Stücken, die ihr hier finden könnt.


Ich hoffe, ihr hattet Spaß an diesem kleinen Ausflug in die Miniaturenwelt.
Für den Fall, daß ihr an der Psychologie hinter der Liebe zu winzigen Dingen interessiert seid, habe ich aus den vielen Artikeln, die es zum Thema gibt (allerdings englische, denn bei deutschen habe ich hauptsächlich etwas über das Anmalen von Miniaturen gefunden), zwei ausgesucht - hier und hier.
 

Sonntag, 5. April 2026

Lilien auf dem Felde

Es gibt die Geschichte, daß ich fünf Jahre alt war, als ich meinen ersten ganzen Film angeschaut habe. Meine Mutter hat die Geschichte erzählt, und ihr wißt, wie das so ist, im Geiste habe ich eine tatsächliche Szene drumherum aufgebaut. Ich kann mich auf dem Boden sitzen sehen, vor dem Fernseher in unserer Schrankwand, in meiner typischen Haltung, Knie nach vorne, Füße an den Seiten - ich war damals wesentlich beweglicher - einfach weil ich das später immer so gemacht habe.
Auf jeden Fall hörte ich als Kind gern meine Mutter die Geschichte meines ersten "richtigen" Films erzählen und wie ich am Bildschirm klebte. Der Film war "Lilien auf dem Felde" von 1963, der immer noch einer meiner Favoriten ist, nachdem ich ihn mindestens Dutzende Male angeschaut habe.


Natürlich habe ich ein Bild aus "Lilien
auf dem Felde" ausgewählt, um für
meine Fanwand ein Perlenwebporträt
von Sidney Poitier zu machen.

Fangen wir mit dem Film an (es gibt Spoiler für den Film und für das Buch, auf dem er basiert).


Homer Smith hält an einer kleinen heruntergekommenen Farm an, weil er Wasser für seinen Wagen braucht. Dort sind fünf Frauen, und als eine von ihnen, die sich als Mutter Maria vorstellt, Homer sieht, dankt sie Gott dafür, daß er ihr einen starken Mann geschickt hat.
Homer hat jedoch nicht vor zu bleiben. Da er im Moment nicht viel im Geldbeutel hat, sagt er zu, das Dach zu reparieren - ein Mann für einen Tag. Am Ende des Tages reicht er Mutter Maria die Rechnung und sie nimmt sie einfach und meint, sie sagt ihm dann, wenn das Abendessen fertig ist.
Homer ist überrascht zu sehen, daß die Frauen tatsächlich Nonnen sind. Sie kommen aus Deutschland, Österreich und Ungarn und versuchen Englisch zu lernen, also gibt er ihnen nach dem äußerst mageren Mahl eine Unterrichtsstunde.

Am nächsten Morgen ist Homer bereit weiterzufahren, aber Mutter Maria bringt ihn zu einer Baustelle, wo er für sie eine Kapelle bauen soll. Wieder ignoriert sie die Rechnung.
Nachdem er den Platz aufgeräumt hat, versucht es Homer abends noch einmal, indem er aus der Bibel zitiert, aber die Mutter zitiert aus der Bergpredigt - daher der Filmtitel - und informiert ihn, daß er sie am nächsten Tag zur Messe fahren wird.
Da er selber Baptist ist, nimmt Homer nicht an der Messe teil. Er geht zum Frühstücken in ein Diner, wo ihm Juan, der Besitzer, erzählt, daß die Nonnen von einem ostdeutschen Orden kommen, der die Farm geerbt hat, und daß sie über die Berliner Mauer geflüchtet sind.

Meine Lieblingsszene - Homer bestellt "ein echtes
Frühstück", nachdem er die "katholischen" Mahlzeiten
ertragen mußte. Seine Leidenschaft für Weizenpfannkuchen
mit Ahornsirup, Kaffee und frischen Orangensaft
macht mich jedesmal hungrig, wenn ich das anschaue.

Ungewollt wird Homer immer mehr in die Sache hineingezogen. Als er beschließt, endgültig wegzugehen, läßt ihn die Mutter sie und eine der Schwestern in die Stadt mitnehmen, um Mr. Ashton, den Besitzer einer Baufirma, um Spenden zu bitten. Sie sagen ihm, daß Homer ihr Bauunternehmer ist, und da er Ashton nicht die Genugtuung geben will, seine Zweifel darüber zu bestätigen, sagt Homer, daß er das in der Tat ist.
Er beginnt an der Kapelle zu arbeiten, aber auch zwei Tage die Woche für Mr. Ashton, und das Geld benutzt er, um Lebensmittel für die Nonnen zu kaufen. Mutter Maria hat aber kein Glück damit, mehr Geld und Ziegel zu besorgen, und eines Abends kochen die Emotionen so hoch, daß Homer geht.



Irgendwann kommt er dann aber doch zurück, wenn auch etwas angeschlagen.
Das beeindruckt die Menschen in der hispanischen Gemeinde so sehr, daß sie endlich beschließen zu helfen, mit Material und ihrer Arbeitskraft. Zunächst weigert sich Homer, sie helfen zu lassen, und er gibt den Nonnen gegenüber zu, daß er schon immer etwas allein erbauen wollte, aber dann erkennt er, wieviel es bedeutet, daß alle bei diesem besonderen Projekt helfen möchten, wie er Mr. Ashton erzählt, der dann doch noch Ziegel spendiert.

Als die Kapelle fertig ist, signiert Homer seine Arbeit. Er weiß, daß es Zeit für ihn ist, jetzt zu gehen, obwohl Mutter Maria schon neue Pläne für eine Schule und mehr hat.


Egal wie ich oft ich den Film anschaue, ich
wundere mich jedes Mal, warum das h kleingeschrieben ist.

Am Abend vor der Einweihung der Kapelle singen Homer und die Nonnen noch einmal miteinander.
Dann steht er auf, immer noch singend, packt seine Sachen zusammen und fährt in die Nacht hinein.


Was könnte es an dem Film gewesen sein, daß er eine Fünfjährige so beeindruckte, daß er einer ihrer absoluten Lieblingsfilme wurde? Ich habe noch nie zuvor versucht, meine Gefühle dazu unter die Lupe zu nehmen, ich weiß einfach nur, daß ich mich bei dem Film gut fühle.

Ein Punkt ist einfach zu finden - ich liebe "Amen", das baptistische Spiritual, das Homer mit den Nonnen singt, und ich fürchte, ich habe das damals daheim zu einem Ohrwurm gemacht, natürlich nur den "Amen"-Teil. Ich singe heute noch mit.
Tatsächlich mag ich die gesamte Filmmusik.



Poitier sang übrigens nicht selber. "Amen" wurde von Jester Hairston geschrieben und gesungen (wenn ihr mehr über ihn wissen möcht, schaut in die Quellen).

Aber offensichtlich wurde ich zu Poitier selber hingezogen und zu dem Humor, den er zum Film beisteuert. Ich liebe sein Lächeln und Lachen, ich liebe, daß der Humor warm und freundlich ist, vor allem in den Szenen mit ihm und der strengen Mutter Maria.
Die Rolle wurde zuerst Harry Belafonte angeboten, aber Belafonte fand, daß sie erniedrigend war und das Thema der sozialen Gerechtigkeit fehlte und daß Homer ein zu einfacher Charakter war, daher lehnte er sie ab. Er diskutierte das sogar mit Poitier, der seine Gründe, das nicht zu tun, verteidigte.
Tatsächlich beschäftigt sich der Film nicht groß mit Rassismus außer dem einen Mal, als Ashton Homer "Boy" nennt, worauf Homer reagiert, indem er es direkt zurückgibt. Stattdessen zeigt er, wie Menschen aus unterschiedlichen Kreisen - der schwarze Handwerker, europäische Nonnen, eine hispanische Gemeinschaft, ein irischer Priester und sogar ein weißer Geschäftsmann - zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen, das niemand für möglich gehalten hätte, trotz der Unterschiede in Rasse, Vermögen und Glauben.
Obwohl der Funke für die Handlung Mutter Marias ungebrochener Glaube an Gott ist, war es für mich nie ein religiöser Film (als ich erstmal alt genug war, darüber nachzudenken), obwohl mir klar ist, daß andere das nicht so sehen mögen. Für mich geht es um Gemeinschaft, Kommunikation, Kooperation, Verständnis und Beharrlichkeit. Habe ich schon das Wort freundlich benutzt (ich weiß, daß ich das habe)?



Sidney Poitier gewann einen Oscar als Bester Hauptdarsteller (der erste Afroamerikaner, der diesen bekam), einen Golden Globe und den Silbernen Bären als Bester Hauptdarsteller bei der Berlinale, er wurde außerdem für weitere Auszeichnungen nominiert.
Lilia Skala als Mutter Maria wurde für mehrere Preise als Beste Nebendarstellerin nominiert.
Nicht daß mich das als Fünfjährige groß gekümmert hätte (als ob ich es überhaupt gewußt hätte! 
😉)

Es war für Ralph Nelson nicht einfach, das Geld für den Film aufzutreiben. Es wurde sogar vorgeschlagen, eine Liebesgeschichte einzubauen, mit einer Nonne, die das Gelübde noch nicht abgelegt hatte. Ein anderes Studio wollte Steve McQueen als Homer.
Schließlich fand Ralph Nelson ein Studio, das ein Budget von 250000 $ anbot, aber eine Sicherheit verlangte. Nelson bot dafür sein eigenes Haus an. Zu dieser Zeit war Poitier bereits ein anerkannter Schauspieler gewesen und verdiente pro Film ungefähr das Doppelte dieses Budgets. Poitier akzeptierte jedoch 50000 $ als Gage plus zehn Prozent der Bruttoeinnahmen. Und da das Budget so niedrig war, mußte er die schwere Arbeit im Film tatsächlich selber machen. Beide glaubten wirklich an diesen Film, der übrigens in vierzehn Tagen abgedreht wurde.
Nun, und es wurde ein Erfolg, in den ersten sechs Monaten lagen die Einnahmen bei 2 1/2 Millionen $.

Nun zum Buch.

Mein deutsches Exemplar.

William Barrett schrieb Romane, von denen drei verfilmt wurden, "Lilien auf dem Felde" eingeschlossen. Er war katholisch und schrieb auch Essays, Rezensionen und Biographien, eine davon über Papst Paul VI.

Die Geschichte der Nonnen beruht tatsächlich auf der wahren Geschichte der Abbey of St. Walburga in Colorado. 1935 wurden drei Schwestern aus dem bayerischen Mutterhaus Abtei St. Walburg nach Colorado geschickt, wo sie billig Land von Mönchen kauften, die es als "für eine Farm ungeeignet" bezeichneten. Ursprünglich war es als möglicher Zufluchtsort vor dem Nazi-Regime gedacht, falls notwendig, aber schließlich wurde die Farm zum Priorat und dann zur Abtei.
Das Buch änderte die Zeit natürlich zu der des Kalten Krieges und die Nonnen flohen, wie oben erwähnt, aus Ostdeutschland.

Es erklärt auch etwas mehr zu Homer.
Er ist 24 (das ist jünger, als Poitier beim Dreh war)
, er "lebt sein Leben von einem Tag zum anderen, es ist Lachen in ihm". Er hat ein bißchen Geld, nachdem er die Army verlassen hat, und möchte den Westen sehen (der Film spielt in Arizona). Und er schätzt seine Freiheit, daß er hingehen kann, wo er will, wenn er will, und nur arbeitet, wenn er muß. "Ein Mann war frei, wenn er 'ja' sagen oder 'nein' sagen konnte." Und dennoch hat er das Gefühl, daß er zu Mutter Maria Marthe nicht einfach nein sagen kann.

Es gibt aber auch ein paar kleine Unterschiede, die aber nicht wirklich wichtig sind. Der Priester ist kein Ire, sondern Hispano, und er muß den Gottesdienst nicht von der Ladefläche eines Autos aus halten, es gibt eine kleine Kirche. Es gibt keinen Mr. Ashton, im Buch heißt er Livingston.
Das Buch erklärt auch, was Homer tut, als er das erste Mal weggeht. Er besorgt sich einen Job bei einer Abbruchfirma in der großen Stadt, aber obwohl sich seine Tage mit den Nonnen wie ein Traum anfühlen, denkt er an sie, als sie eine Reihe von Häusern abreißen. Er schaut sich das an, was sie herausgeholt haben und denkt, daß die Nonnen eine Badewanne brauchen. Also kauft er eine und bringt sie als Geschenk mit zurück.
Im Film kommt er einfach mit einem blauen Auge zurück, aber im Buch steht nichts darüber, daß er Ärger hat oder auch warum er zurückkehrt.

Der größte Unterschied ist allerdings der Schluß.
Homer fährt schon in die Nacht hinein, das Buch endet hier aber nicht.
Eine Legende entsteht um Homer und seine Kapelle herum. Touristen kommen zu Besuch. Dank Spenden können die Nonnen eine Schule bauen und Jungen aus kaputten Familien aufnehmen, um ihnen bei ihrem Lebensweg zu helfen. Und in der Kapelle gibt es ein Gemälde von Sankt Benedikt dem Mohren, das Schwester Albertine gemalt hat und das wie Homer aussieht.
Um ehrlich zu sein, ich bin froh, daß der Film diesen Teil ausgelassen hat.

Nun entschuldigt mich, ich denke, ich werde den Film gleich nochmal anschauen.


Quellen und weitere Informationen (englischsprachig):

1. Brian Bergen-Aurand: Lilies of the Field (1963). Auf: Foreign Influence, 3. Februar 2017
2. Ron Olesko: "Amen" and Jester Hairston. Auf: Sing Out!, 22. März 2008
3. Abbey of St. Walburga History
4. David A. King: The heart of Barrett's 'The Lilies of the Field'. In: The Georgia Bulletin, 20. März 2014
5. "Lilies of the Field: The Story Behind the Film" auf YouTube


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 24. März 2026

Nostalgie - Erinnerungen ans Schreiben

Vor einer Weile fingen eine amerikanische Freundin und ich an, über Schulerinnerungen zu sprechen. Es wurde dadurch ausgelöst, daß ich erwähnte, wie schlecht meine Handschrift  geworden ist, seit ich hauptsächlich Dinge schreibe, die nur ich lesen können muß, und daß ich wieder zum Füller greifen wollte, vor allem für Briefe, nachdem ich ihn in letzter Zeit vernachlässigt habe.

Vom Füller kamen wir zu Unterschieden in unseren Schulsystem (die kann ich hier natürlich nicht alle aufführen).
Etwas, das mich immer überraschen wird, wenn ich es in einer Fernsehserie oder einem Film sehe, sind Bleistifte in amerikanischen schule. Es ist natürlich nicht so, daß wir gar keine Bleistifte benutzen, aber nicht so lange, nicht so viel und auf keinen Fall in Klassenarbeiten. Soweit ich weiß, sind Bleistifte hier immer noch nicht in Klassenarbeiten erlaubt.
Das folgende Bild ist für mich so amerikanisch (da ich nicht weiß, welche anderen Ländern ebenfalls Bleistifte benutzen). Ich kann mich ehrlich nicht daran erinnern, daß ich in der Schule jemals einen Multiple-Choice-Test gemacht hätte. Von dem, was ich gelesen und gehört habe, werden sie in deutschen Schulen immer noch kaum verwendet, aber man findet sie an Universitäten.

Bild von Nguyen Dang Hoang Nhu über Unsplash

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, in welcher Klasse wir in den frühen 70ern angefangen haben zu lernen, wie man einen Füller benutzt, aber anfangs hatten wir eine Plastiktafel und einen Griffel wie die auf dem Bild. Die Zeiten echter Schiefertafeln und -griffel waren da bereits vorbei.
Das hier sind nicht meine Originaltafeln, ich habe sie auf dem Flohmarkt gefunden (wie man deutlich am Zustand erkennen kann) und die Griffel sind neu. Sehr zu meiner Überraschung gibt es Plastiktafeln und Griffel immer noch und werden auch immer noch benutzt, hauptsächlich in der ersten Klasse. Ich schätze, ich alter Dinosaurier hatte erwartet, daß Kinder heutzutage direkt auf Tablets anfangen zu schreiben 
😉
Wenn man auf einer noch nassen Tafel schrieb, wurde die Handschrift ganz fett und "cremig". Ich bezweifle, daß ich das einzige Kind war, das je mit diesem Effekt herumspielte, aber es wurde nicht ermutigt, weil sich der Griffel dadurch schneller abnutzte.

Diese Schreibschrift habe ich damals noch gelernt.
Ich weiß, heute sieht das etwas anders aus.

Die Rückseite - entweder mit Kästchen für Zahlen oder leer
zum Zeichnen. Wie ihr sehen könnt, bin ich in beidem Spitzenklasse.

Ich habe einiges an Diskussionen auf deutschen Seiten gefunden, wann man Kinder beibringen sollte, mit dem Füller zu schreiben. Es gibt sogar ein paar Schulen - obwohl sie wirklich in der Minderheit zu sein scheinen - die in der ersten Klasse anfangen, andere lassen Kinder für manches die Tafel benutzen, aber auch Papier und Bleistift, dann einen Tintenroller, und der Füller folgt dann in der zweiten oder dritten Klasse. "Tintenkiller" sind gewöhnlich nicht erlaubt.
Mein Vater hatte meinen ersten Füller für mich gekauft und ihn sogar mit meinem Namen gravieren lassen, was ihn für mich echt besonders machte, weil mein Name wegen der Schreibweise nie auf irgendwas stand.

Es war ein roter "Pelikano" und mir war nicht klar gewesen, daß die rote Farbe - die Mädchen mehr ansprechen sollte als das Blau - erst seit September 1970 verkauft wurde, also als ich mit der Schule anfing. Es würde mich nicht überraschen, wenn er noch irgendwo stecken würde, aber zum Schreiben war er nicht mehr geeignet. Sollte ich ihn finden, werde ich ein Bild einfügen.


Zu meiner Zeit hatte man entweder einen Pelikan- oder einen Geha-Füller (damals beides deutsche Marken) und man verteidigte ihn bis zum Tod. Ich meine den Tod des Füllers. Ernsthaft, man kann jetzt noch Berichte über Wurfspiele gelesen, mit denen bestimmt werden sollte, welche Marke besser war! Weniger gewalttätig war der Streit über die Farben (Pelikano blau oder rot, später auch schwarz, Geha grün) oder über die Tatsache, daß der Geha als erster ein Sichtfenster hatte (was ich immer noch häßlich finde, weil es für mich den Fluß des Füllers unterbricht und ja, ich weiß, daß ich von einem Schulfüller spreche) und einen Reservetank.
Ich kann mich an keine Wettbewerbe in meiner eigenen Klasse erinnern, aber eine gewisse Rivalität gab es. Vergeßt nicht, wir sprechen hier über Grundschulkinder.

Während diese zwei ganz sicher den Großteil an Schulfüllern zu dieser Zeit ausmachten, gab es aber auch andere Marken, meine Schwester zum Beispiel hatte einen Artus Prinz.
Alle hatten Patronen, ich glaube nicht, daß ich jemanden kannte, der da noch einen Tintenfaß benutzte. Man konnte übrigens die Pelikan-Patronen in einem Geha benutzen, aber nicht die von Geha im Pelikano. Pff. Die Geha-Kids kamen sich so besonders vor, aber haben gern Patronen von uns ausgeliehen, wenn ihre leer waren 
😉
Ich erinnere mich auch, daß meine englische Brieffreundin mir Patronen geschickt hat, die konnte ich aber nicht benutzen, weil sie zu lang waren. Ich weiß nicht mehr, für welche Sorte Füller sie gedacht waren.

Heutzutage verwende ich einen Parker. Ich bin kein Fan von dicken Kugelschreibern oder Füllern, um damit zu schreiben (zum Anschauen manchmal schon) und habe immer das Gefühl eines schlanken Parker in meiner Hand bevorzugt. Er kann mit Patronen oder einem Konverter bestückt werden und ich benutze einen Konverter mit Tintengläsern. Es erinnert mich an meine Teenagerzeit, als meine Freundin und ich im Schreibwarenladen herumhingen (ich habe schon mal darüber geschrieben, wie wir dort Wachssiegel gekauft haben, was Teil meiner Schreiberinnerungen ist, aber ich möchte mich hier nicht wiederholen). Damals gab es Pelikan-Tintengläser mit unterschiedlichen Tintenfarben. Ich habe sogar schon in der Schule immer gern in anderen Farben geschrieben und wollte all diese Gläser so gern haben - diese teuren kleinen Gläser, seufz.
Heute bin ich viel vernünftiger und weiß mich zu beschränken, also habe ich nur "Intense Black" und "Tender Purple" gekauft. Vor acht Jahren! Ich habe meinen Füller immer nur für ein kurzes Danke benutzt, wenn ich ein Schmuckstück verschickt habe, oder auf den seltenen Karten, die ich schrieb. Nun da ich wieder Brieffreundinnen habe, habe ich endlich eine Entschuldigung, mehr zu kaufen.
Es gibt nur ein Problem mit Tinte und mir, vor allem wenn ich meinen Parker auffülle. Ich bin erbärmlich darin. Letztes Mal mußte ich drei Tage lang mit zwei Fingernägeln in Lila gerändert herumlaufen, weil sich die Tinte einfach nicht abschrubben ließ! Ein kleiner Preis dafür, elegant genug zu sein, um ein Tintenglas zu verwenden 
😂

Meine Handschrift hat sich ein ganz klein wenig verändert.
Wenigstens ist es mit Füller etwas besser als mit Kuli.

Für einen Schuß extra Nostalgie zeige ich euch, wie wir in meiner Zeit Lesen und Rechtschreibung gelernt haben. Diese sogenannte "Lese-Uhr" wurde von einem örtlichen Verlag für "Lehrmittel und Schulspiele" hergestellt, E. Kuhlemann.


Im Laufe der Jahre gab es mehrere Versionen, aber ich kann euch den Zeitraum, während dessen sie tatsächlich in der Schule benutzt wurden (es hörte aber irgendwann in den 70ern auf, denn mein (nicht so) kleiner Bruder hatte sie nicht mehr), oder wo genau nicht sagen, aber von einer Unterhaltung darüber weiß ich, daß es definitiv nicht in ganz Deutschland war - verschiedene Bundesländer, verschiedene Regeln - aber auch nicht nur in meinem Bundesland.
Ich konnte schon lesen, als ich mit der Schule anfing, also erinnere ich mich nicht daran, wie hilfreich die Uhr tatsächlich war, aber wir hatten Spaß damit.


Das war die, die ich hatte. Blaues Plastik
mit Druckbuchstaben. Sie ist die, die man
heute noch recht einfach finden kann,
gewöhnlich in gutem Zustand und sogar
mit dem Original-Papierumschlag, auf dem
eine Anleitung zur Nutzung stand.

Die hier hatte ich jahrelang nur auf Bildern aus
Museen gesehen, es ist die ältere Pappversion
(die einer Schule gehörte, sie hat einen Stempel
und eine Inventarnummer). Es gibt ein paar
Unterschiede zur neueren, wie zum Beispiel die
farbigen Buchstaben und das Bild vorne drauf.

Das ist eine neuere Version mit
Schreibschriftbuchstaben. Es gibt keinen
Umschlag, sondern zwei Blätter mit
Erklärungen und Übungen für den
synthetisch unterrichtenden Lehrer.

Es gab außerdem große Vorführuhren für die Lehrer, in Druck- und Schreibschrift.


Saarländisches Schulmuseum
Diese ist fast 90 cm hoch und aus Hartfaser
und beschichteter Pappe.

Bild über Wikipedia von Pomona unter CC BY-SA 3.0,
im Museum Schönholthausen in Finnentrop aufgenommen

Und natürlich muß ich diesen Post mit meinem Wachssiegel beenden ... Für die, die es noch nicht gesehen hatten, erkennt ihr das Bild?

Dienstag, 10. März 2026

Zu spät

"Wir sind zu spät dran."
"Wir wußten, daß es schwierig sein würde, die Kitze mitzunehmen, Meister Gnom, aber he, es war ein netter Familienausflug, auch wenn wir es nicht geschafft haben. Der Gedanke zählt, nicht wahr?"

Marsha, sie haben versucht, es rechtzeitig für deinen "Style Imitating Art"-Post zu schaffen, aber du weißt ja, wie das ist.
"Sind wir schon da?" "Ich kann nicht mehr laufen." "Kann ich ein Eis kriegen?" "Trag mich!"
Ich wünschte, wir lebten näher zusammen, wir wären für all deine Hirschbedürfnisse dagewesen (auch wenn es europäische Rehe sind).

Alle Rehe sind natürlich vintage Steiff (ich bin nur Sammlerin und in keiner Weise mit ihnen verbunden), der Gnom wurde von meiner lieben Freundin Jennifer genäht, ich liebe ihn so sehr.

Montag, 23. Februar 2026

Aus meinem Kinderbuchschrank - Die Lockett-Kinder

Ich habe schon von der Stadtbücherei meiner Kindheit erzählt, der, die in ein Wohnhaus umgewandelt wurde, als die Bücherei - dann Bibliothek genannt - 1981 in das "Adelberger Kornhaus" zog. Um fair zu sein war das alte Gebäude ein Wohnhaus, bevor es eine Bücherei beherbergte, zunächst die amerikanische Bücherei nach dem 2. Weltkrieg, die dann mit der stadteigenen Bücherei zusammengelegt wurde.
Ich bin mir sicher, daß die Bibliothekar*innen den Komfort des neuen (naja, eigentlich alten, da das Kornhaus eines der wenigen in der Stadt noch existierenden Gebäude aus dem Mittelalter ist, das für die Bibliothek restauriert wurde) Gebäudes zu schätzen wußten.


Ich weiß, daß ich das als Bibliothekarin würde, aber natürlich habe ich die Bücherei, mit der ich aufgewachsen bin und die sozusagen das Fundament für meine Lesegewohnheiten war (wie auch meine Familie), nicht vergessen.
Das Gefühl, dort hineinzugehen und nicht nur nach neuen Büchern zu suchen, sondern auch immer wieder zu den Wohlfühlbüchern meiner Kindheit zurückzukehren, wie ein Magnet zu bestimmten Regalen hingezogen, ist mir immer noch im Gedächtnis.
Was uns zu dem Buch bringt, das ich heute aus meinem Schrank ausgewählt habe - "Die Lockett-Kinder" von M. E. Atkinson (nur auf den deutschen Übersetzung steht der Name "Mary E."), das 1954 herauskam und dessen Original "August Adventure" von 1936 ist.
Es ist das erste einer Reihe von vierzehn Büchern, die von den drei Lockett-Kindern und ihren Freunden handeln. Ich meine, meine Bücherei hatte alle sechs, von denen ich weiß, daß sie ins Deutsche übersetzt worden sind. Sie sind jetzt Sammlerstücke, daher freue ich mich, daß ich fünf davon schon besitze und auch ein paar englische! Statt mir aber das letzte deutsche zu kaufen, habe ich die fünf Bücher, die mir noch fehlen, auf Englisch bestellt, was mich nur in etwa doppelt soviel kostete wie das eine Buch.


Die Lockett-Kinder sind Oliver (12), Jane (13) und Bill (10). Ihre Eltern leben in Indien. Jane wohnt bei einer Tante und einem Onkel, während ihre Brüder auf ein Internat gehen und nur in den Ferien heimkommen. Zum Glück gibt es mehrere Tanten, die sich damit abwechseln, die drei während der Ferien aufzunehmen.

In diesem Buch gehen jedoch alle Tanten zur selben Zeit auf Reisen, also werden sie für die Sommerferien von ihrer Tante Lavinia eingeladen, die sie bisher noch nicht einmal kennen. Sie ist Malerin und ein Freigeist, der manchmal einfach in ihrem bunt angemalten Pferdewagen loszieht, um durch die Lande zu fahren.

Als die Kinder aber bei ihrem Haus ankommen, ist Lavinia nicht da. Stattdessen finden sie einen fremden Mann vor, der ihnen erklärt, daß Lavinia auf Reisen gegangen ist und nicht so bald wieder da sein wird. Ein Anhänger, der auf dem Tisch liegt, erwähnt eine Stadt.
Wir wissen alle, was die Kinder jetzt tun müssen, richtig? Natürlich müssen sie den Pferdewagen nehmen und zu dieser Stadt fahren. Sie schicken Lavinia allerdings ein Telegramm, von dem sie hoffen, daß es an die aktuelle Adresse, die sie nicht kennen und die ihnen der Postbeamte nicht geben will, weitergeleitet werden wird, aber sie können ja nicht in einem Haus mit einem fremden Mann darin warten, der ihnen erzählt - nicht sehr überzeugend - daß er das Haus für die zehn Tage oder so gemietet hat.

Um die Angelegenheit noch etwas komplizierter zu machen - tatsächlich aber besser, wie sie bald herausfinden - steht ein Mädchen vor der Tür und sagt, sie sei zu Lavinia geschickt worden, weil ihre Großmutter krank ist, und ihr fünfjähriger Bruder Robin würde auch noch dazustoßen.
Zum Glück hat Anna Erfahrung mit Pferden und weiß, wie man mit Pegasus umgeht, und Robin ist viel reifer, als die Locketts es erwartet haben.
Auf geht's und das Abenteuer kann beginnen und ein Abenteuer ist es wahrhaftig. Sie gehen buchstäblich durch Feuer und Wasser, retten einen Hund, verbringen eine Nacht in einem Spukhaus, spielen Kricket, ihnen wird Geld gestohlen und vieles mehr. Noch wichtiger ist, daß sie neue Freundschaften schließen, aber auch ein paar Feinde haben, aber natürlich bekommen wir ein glückliches Ende.

Ah, die Zeiten, in denen Kinder noch Hunderte von Kilometern allein reisen konnten!
Zugegeben, ein Dorfmetzger bezweifelt, daß das eine gute Idee ist, aber nachdem sie dieses Dorf verlassen, kommen sie um noch mehr ungefragte Meinungen von Erwachsenen herum - im Ernst, wie können sie es wagen? - indem sie Annas lange Zöpfe hochstecken, damit sie älter aussieht, da sie die größte von ihnen ist. Erstaunlich, wie leicht man Erwachsene täuschen kann, vor allem wenn man bedenkt, daß Anna tatsächlich ein paar Monate jünger als Jane ist.

Ich habe die Bücher so geliebt und ich war so eifersüchtig, daß 
diese Kinder, das Leben der Freien leben durfte, obwohl ich in Wirklichkeit wußte, daß ich mein Bett schon in der ersten Nacht bitterlich vermißt hätte. Das ist das Schöne an Bücher, man kann sich Dinge einbilden und träumen.
Vielleicht war ich auch neidisch darauf, daß sie so praktisch und geschickt waren. Sie kochten, sie wußten, wie man telegraphiert und einen Pferdewagen lenkt und sie schienen nie viel Angst zu haben ... ein bißchen, aber nicht genug, um sie davon abzuhalten, weiterzumachen und immer einen Weg zu finden, mit den Umständen fertigzuwerden.
Ich hätte es wahrscheinlich schwer gehabt, es ins nächste Dorf zu schaffen.

Übrigens, falls ihr letztes Jahr meinen Post über Enid Blyton und "Domestication", "Foreignization" und "continuation books" gelesen habt, fragt ihr euch vielleicht, wie das mit den deutschen Übersetzungen aussieht.
Natürlich kann ich keinen direkten Vergleich ziehen, da ich die Bücher nur entweder auf Deutsch oder auf Englisch habe, aber ich schätze aufgrund dessen, was ich gelesen habe, daß nicht viel verändert wurde, außer daß bei einem Hausnamen statt "Manor" das deutsche "Herrenhaus" benutzt wurde.
Es gibt auch Fußnoten, eine, die englische Internate erklärt, die anderen, recht ausführlich, erklären Kricket. Es wäre einfach gewesen, den deutschen Text zu ändern, indem man zum Beispiel statt Kricket einen anderen Sport gewählt hätte. Das deutet eher auf Foreignization als auf Domestication hin.


Es ist wirklich schade, daß es fast keine Illustrationen gibt. Die englischen Originale waren wunderschön von Harold Jones illustriert.
Das Umschlagbild des deutschen Buchs ist keine Illustration von Jones, aber ich kann euch nicht sagen, wer es gemalt hat, denn eine Namennennung fehlt im Buch.
Darin findet man nur eine Karte, die die Reise der Locketts zeigt. Das Original war ebenfalls von Jones, aber nicht diese hier. Man kann erkennen, daß sie vom Original inspiriert wurde, aber sie ist nicht so elegant. Einen Namen gibt es auch hierzu nicht.
Ich habe in einem Onlineantiquariat ein Exemplar des Buchs gefunden, für das die Namen Mary E. Atkinson und Susanne Ehmcke aufgeführt wurden. Ehmcke war zwar eine deutsche Kinderbuchautorin und -illustratorin, aber dieser Eintrag ist der einzige, wo ich den Namen überhaupt im Zusammenhang mit den Lockett-Kindern gefunden habe, also habe ich meine Zweifel, ob sie es wirklich war.


Wenn ich heute an die alte Bücherei denke, zum Beispiel, wenn ich an dem Gebäude vorbeikomme, ist das erste, was mir in den Sinn kommt, immer, wie ich auf das Regal für A zugehe und nach den Locketts schaue und oft enttäuscht werde. Die Bücher waren damals beliebt und oft ausgeliehen, nun, und ich schätze mal, irgendwann wurden sie dann ausgesondert, als das Interesse nachließ oder die Bücher zu kaputt waren.

Ich freue mich schon auf die, die unterwegs sind, um meine kleine Sammlung zu vervollständigen.
Sagt mal noch nicht tschüß zu den Locketts, denn die Chancen stehen gut, daß sie wieder hier auf dem Blog auftauchen (besonders mit meinem Lieblingsbuch!).


Weitere Lektüre (inklusive Bildern von Harold Jones' Illustrationen, englischsprachig):

1. **: August Adventure. Auf: The Silver Locket, 29. August 2021
2. **: August Adventure. Auf: The Silver Locket, 18. August 2024
3. Todd Klein: Rereading: AUGUST ADVENTURE by M. E. Atkinson. Auf: Todd's Blog, 28. März 2024

Sonntag, 28. Dezember 2025

Vorsätze?

Ihr wißt, wie das ist. Auf dem Weg zum Jahresende fangen Menschen an, über Vorsätze nachzudenken, über ein Wort für das neue Jahr, über Ziele.
Es gibt eine Menge alte und neue Videos und Artikel da draußen, die erklären, wie man Ziele erreicht und Vorsätze durchhält.

2014 habe ich darüber geschrieben, daß ich keiner dieser Menschen bin. Wenn das für euch funktioniert, ist das toll, aber wir müssen alle unseren eigenen Weg finden.
Für mich bedeutet ein neues Jahr nur, daß ich lernen muß, eine neue Zahl zu schreiben, es ist kein Neuanfang. Ich brauche keinen Neujahrstag, um mir Ziele zu setzen oder gute Vorsätze zu machen, tatsächlich denke ich, daß es für mich besser funktioniert, wenn ich das im Laufe des Jahres machen, wann immer ich dazu bereit bin.

Die Zeiten sind für viele Menschen so schwer, es passiert soviel in der Welt, und da ich über alles immer zuviel nachdenke und eine geborene Pessimistin bin, tu ich mich oft schwer damit, das zu verarbeiten, ohne deshalb direkt in ein großes dunkles Loch zu fallen.
Also habe ich mir überlegt, daß es, wenn ich schon über das Neue Jahr nachdenke, besser wäre, wenn es dabei um die Dinge ginge, auf die ich mich freue (in willkürlicher Anordnung und ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Supergemütliche Nickerchen. Wer braucht schon eine Gewichtsdecke, wenn man sich von den Superschläfern beschweren lassen kann.
Bonus - Schmusesitzungen.



Bücher, Bücher, Bücher!

Bild über pxhere

Noch mehr Stummfilme (und "Talkies") anschauen.

Doug freut sich auch darauf.

Basteln, wenn es geht.


In Kaninchenlöcher abtauchen, neue Dinge lernen, ...

Valerie Hinojosa aus Washington DC, USA,
CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons
"Down the Rabbit Hole"

... und darüber bloggen.


Lächeln und lachen (ja, das bin tatsächlich ich in einem alten Bild). Extrapunkte für Lachen, bis mir die Tränen kommen und der Bauch wehtut.


Nostalgie und Erinnerungen.
Ich sehe die Vergangenheit nicht durch eine rose Brille, aber das heißt nicht, daß es nicht nett sein kann, ab und zu mal in der Zeit zurückzugehen.

Nein, ich bin NICHT auf diesem Bild, auch wenn
mich das mal einer meiner Paketboten gefragt hat,
als er es im Hausflur gesehen hat 😂
Wir haben es gekauft, weil die Katze wie Dude aussah.).

Schönheit und Freude in der Welt um mich herum bemerken.
Frühling in der Luft spüren, Herbstblättern lauschen, die unter meinen Füßen knirschen, Tautropfen in einem Spinnennetz zu sehen.
Ein paar freundliche Worte im Bus mit jemandem austauschen, den ich nicht kenne. Bei einem Lieblingslied mitsingen.
Einen Vogel singen hören, an einer Blume riechen, einen meiner nächtlichen Besucher am Fenster haben
.



Mit meinen Lieblingsmenschen kommunizieren. Tut mir leid, wegen der Privatsphäre gibt es dazu kein Bild.

Nun, und natürlich freue ich mich darauf, mich mit euch zu unterhalten!
Worauf freut ihr euch?