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Dienstag, 7. Oktober 2025

Was man mit einem Loch macht ... oder zwei ... oder drei ... - Teil 1

Der Moment war endlich gekommen, ich war bereit, zum ersten Mal auf Kleidung zu sticken.
Der Grund dafür war einfach. Laßt mich mal ein bißchen über mein Leben als ewige Nicht-Fashionista erzählen, die nicht viel Kleidung kauft.

Ich besitze das gleiche Baumwollkleid in sechs verschiedenen Farben mit verschiedenen Ausschnitten (und noch eine Farbe in Viskose). Es hat alles, was ich will und mich wirklich glücklich macht - Empirestil mit einem Rock in A-Linie, Midilänge, Dreiviertelärmel und Taschen! Und ich habe alle zu unterschiedlichen Zeiten in Sonderverkäufen bekommen.
Sie sind meine Arbeitstiere, soll heißen, ich habe im letzten Jahr zu Hause praktisch ausschließlich sie getragen (das erste kaufte ich vor über zwei Jahren, dann schlug ich bei Sonderverkäufen im letzten Jahr zu, tatsächlich war es die einzige Kleidung, die ich kaufte). Sie sind bequem, sie haben hübsche Farben und habe ich eigentlich erwähnt, daß sie Taschen haben (so perfekt)?
Draußen trage ich kaum jemals Kleider, ein Grund dafü ist, daß meine Füße schon seit Jahren keine hübschen Schuhe mehr vertragen. Dort trage ich stattdessen als Jeans mit langen Shirts in A-Linie und Dreiviertelärmeln, von denen ich ebenfalls mehrere Farben habe.

Ich weiß, daß sich das für manche von euch unglaublich langweilig anhören wird, aber für mich war es toll,
das eine Design zu finden, das mich echt glücklich machte, weil es einfach alles hatte. Inklusive Taschen.
Natürlich bedeutet das, daß diese Kleider oft gewaschen werden und außerdem häufig Katzenkrallen ausgesetzt sind.
Was davon schuld ist, weiß ich nicht immer - vielleicht war es sogar eine vegane Motte, obwohl ich das bezweifle
 😁 - aber hier und da tauchten die winzigen Löcher auf, die für diese Art Jersey so typisch sind.

Waschmaschine oder Katzenkralle -
wir werden es niemals erfahren.

Gundel haßt es, wenn ich ihr etwas auf ihre Allergiestellen schmiere (ich bin froh, daß es nicht mehr oft notwendig ist, entschuldigt mich kurz, während ich wie blöd auf Holz klopfe).
Nun ja, eigentlich ist es nicht so sehr das Gel selber, sie haßt es einfach, hochgehoben zu werden. Anders als Meffi, die sich beim Hochnehmen in einen Katzopus mit scheinbar unzähligen bekrallten Tentakeln, die herumwirbelten, verwandelte, suchen sich Gundels Krallen das erste aus, in das sie einhaken können, ein Kissen, eine Decke ... mein Kleid ... und natürlich ist es unmöglich, sie da wieder herauszubekommen, denn je mehr man versucht, ihr zu helfen, desto mehr wird sie einen Mordversuch erwarten und sich festkrallen. Dann nutzt sie die nächste Chance zur Flucht ... und zerrt dabei entweder das Kissen oder die Decke mit sich oder macht mir ein Loch ins Kleid, weil sie mich nicht mit sich zerren kann (gebt mir nicht den Rat, ihre Krallen zu stutzen, es macht in solch 
(aus ihrer Sicht) lebensbedrohlichen Situationen keinen Unterschied, ich weiß, wovon ich spreche).
In einem Fall lag sie auf meiner Brust, ausgestreckt, eingehakt, und als ich versuchte, ihre Kralle aus dem Ärmel meines Kleids zu lösen, drehte sie völlig grundlos durch, zerrte und rannte. Das wurde dann mehr ein Schlitz als ein Loch.

Obwohl ich die Kleider nur daheim trage, ziehe ich mich natürlich nicht um, wenn ich Post entgegennehme, den Müll runterbringe oder auch nur im Garten sitze. Obwohl die Löcher überwiegend winzig sind und jedes Kleid nur ein oder zwei hat, ärgerte es mich dann doch und ich wollte etwas deswegen unternehmen.
"Visible mending", also sichtbares Flicken, hatte ich noch nie ausprobiert, "invisible mending", die unsichtbare Variante, kam nicht in Frage (ich hatte das mal an einem T-Shirt ausprobiert und war von mir selber so gar nicht beeindruckt), aber natürlich hatte ich eine Kiste voller Sticktwist.
Bevor ihr jetzt etwas sagt, mir ist klar, daß Stickerei nicht die beste Wahl für Kleidung ist, die dauernd in der Waschmaschine ist (ich will diese großen Kleider nicht von Hand waschen), selbst wenn ich ein mildes Waschmittel, ein Netz usw. 
verwende. Das ist Teil des Experiments und ich bin da völlig unbekümmert und bereit für Reparaturen oder Auftrennen. Das heißt natürlich, daß ich nicht plane, superkomplizierte Designs zu machen. Das würden meine Hände wahrscheinlich sowieso nicht aushalten.

Mein erstes Experiment waren ein paar Sterne, die Anleitung dafür hatte ich auf dem Instagram von pick.and.stitch gefunden. Meine sind nicht perfekt, bei weitem nicht, aber das war immerhin mein erster Versuch auf Kleidung, auf einem etwas dehnbaren Stoff, und weil ich manchmal sehr ungeduldig bin, hatte ich für die Rückseite nichts zum Stabilisieren benutzt (ich hatte noch nichts). Außerdem scheint es, als wäre ich im Transfer von Mustern echt schlecht.
Statt sechs Fäden zu verwenden, nahm ich nur vier, denn so konnte ich eine kleinere Nadel benutzen, die viel einfacher durch den Stoff ging und ihn nicht noch mehr als nötig dehnte.

Das hier war der schwierigste, weil er so nah am Saum liegt. Ja, da war ein Loch, ich hätte die Stelle nicht selber ausgesucht, weil ich wußte, daß der Stern bestimmt nicht hübsch würde. Ich hatte recht.


Für einen nahm ich zwei Farben, weil die eine Farbe um die Banderole der anderen gewickelt war und ich mir dachte warum eigentlich nicht. Es gibt keine Regeln.


Außerdem machte ich zwei oder drei extra Sticke über die Mitte, um so die obersten Fäden zu verankern. Waschen, erinnert ihr euch? Die erste Wäsche machte ich ohne Netz und war angenehm überrascht zu sehen, daß die Sterne nicht gleich kaputt gingen, nicht mal der größte.


Jetzt da ich Vlies zum Stabilisieren habe, hoffe ich, daß die Sterne regelmäßiger sein wird, denn ich bin mir sicher, daß mit der Zeit noch mehr dazukommen müssen werden. Außerdem braucht die leere linke Seite auf jeden Fall direkt noch einen.
Es tut mir leid, daß ich kein besseres Bild hinbekommen habe, aber mit dem weiten Rock und dadurch, daß die Sterne so weit auseinanderliegen, habe ich es nicht besser hinbekommen. Ich habe das Kleid einfach über eine Tür geworfen und dann versucht, alles auf das Bild zu bekommen.


Die anderen Kleider werde ich nach und nach zeigen, bis jetzt habe ich aber nur bei einem angefangen, das etwas länger dauern wird und für die anderen habe ich noch keine Ideen. 
Hoffentlich werden die Katzen nicht versuchen, mir zu assistieren, indem sie noch mehr Löcher pieksen und das hier in eine Sisyphusaufgabe verwandeln!

Mittwoch, 1. Januar 2025

Der Kater

Frohes Neues Jahr!
Kein schlechter Tag, um etwas frisch vom Stickrahmen zu zeigen.

Neulich hing ich auf meinem Bett herum wie so oft - es ist groß und der perfekte Platz für die Katzen und mich, Werkzeug und Vorratsboxen, Bücher und Fernbedienungen.
Der Dekan ist ein wirklich anhänglicher Kater, also habe ich gewöhnlich irgendeine Decke über den Beinen, dünn oder dick, Sommer oder Winter, damit der Meister sich aussuchen kann, ob er auf meinen Beinen schläft, auf meinen Füßen oder unter der Decke, an meine Beine gekuschelt (was ganz nett sein kann, wenn es kalt ist, weil er eine richtige kleine Wärmflasche ist, nur mit Trockenfutter statt Wasser gefüllt, wenn es zu heiß ist, bleibt er zum Glück neben mir).
In diesem Fall lag er auf der Decke und schlief, wie nur er es kann, soll heißen, sein Gewicht verdreifachte sich mysteriöserweise von einer Sekunde zur nächsten, sodaß ich komplett gelähmt war. Ja, ich weiß, er ist ein verwöhntes Gör, aber ich mache die Regeln nicht, ich arbeite nur hier.
Ich war nie Pfadfinderin, aber mein Motto für solche Situationen ist "Allzeit bereit", mein Stickkasten war also direkt neben mir. Ich hatte nichts Spezielles geplant, aber als ich sein süßes kleines Gesicht sah, schnappte ich mir meinen kleinsten Stickrahmen, einen meiner wasserlöslichen Stifte, und machte eine schnelle Skizze, so gut ich eben konnte, ich bin keine Künstlerin.

Das hieß nicht, daß ich plante, meine Katze so aussehen zu lassen wie den Dekan, soweit bin ich mit meinen Stickkünsten definitiv noch nicht und ich weiß auch nicht, ob ich das jemals sein werde, aber das macht auch nichts, da ich einfach den Prozeß genieße.
Außerdem bin ich völlig überwältigt von all den Farben, die Katzen haben, egal ob sie "nur" schwarz oder getigert sind. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich meine Katzen verwundert anstarre und versuche herauszubekommen, welche Farben ich im Moment sehe, abhängig vom Licht. Dem Dekan ist es meistens egal, wenn ich jede Farbe anstupse, die ich in seinem Pelz sehe - "boop, boop, boop" (wenn ihr das albern findet, seid froh, daß ihr nicht mehr wißt).
Ich weiß immer noch nicht, welche Grundfarbe er eigentlich hat. Manchmal sieht er braun aus, manchmal ist es mehr grau.

Eines der Dinge, die ich gern mache, wenn ich ohne klaren Plan mit etwas anfange, ist, eine Reihe Farben von denen auszuwählen, die ich gerade da habe.
Damit meine ich nicht meinen gesamten Vorrat, sondern das, was ich in meiner Projektkiste aktuell finde, was nur eine nettere Bezeichung für den Karton ist, in den ich Perlen werfe, weil ich zu faul bin, sie direkt wegzuräumen.
Meine Stickkiste ist allerdings organisiert, aber nur weil ich noch nicht genug Vorrat habe, um eine zweite Kiste anzufangen, und das heißt, daß ich eine begrenzte Anzahl an Farben habe, und zwar mehr Braun als Grau, was die Farbe meiner Katze bestimmte.

Immer wenn der Dekan wieder auf mir schlief, schaute ich ihn zur Inspiration ganz genau an und machte mich über eine Woche immer wieder an die Arbeit an dem Stück.
Wie üblich sehe ich die Fehler und Abkürzungen sehr genau, aber es ist eine Reise, von der ich nicht weiß, wohin sie mich führen wird, und im Augenblick akzeptiere ich meine Fehler noch und erlaube mir sehr bewußt Abkürzungen. Meine Erfahrung ist, daß es, wenn ich etwas zu schnell will und damit scheitere, aus WIPs (Werke in Arbeit) UFOs (unfertige Objekte) - das ist meine Definition - werden können, und ich wollte nicht, daß das hiermit passierte.
Der Dekan möchte jedoch anmerken, daß seine Nase viel goldiger ist, und da muß ich ihm zustimmen.

Echt geärgert hat mich, daß eine Stelle des gelben Stifts sich hartnäckig weigerte, wieder herauszukommen. Als ich ihn das letzte Mal benutzte, hatte ich ihn vollkommen abgedeckt und mußte ihn daher nicht auswaschen, aber nicht diesmal.
Die einzige Idee, die mir einfiel, war, den Hintergrund etwas zum Funkeln zu bringen, was ich sowieso schon vorgehabt hatte, nur eben nicht an dieser speziellen Stelle. Verratet es niemandem ;-)

Ich hatte ein paar runde Rahmen bestellt, aus Holz - ich habe einen für meine/n Waldwächter/in benutzt - und Vintagerahmen aus Messing. Sie haben unten ein kleines Loch und einen Haken, was mich zunächst verwirrt hat, aber natürlich sollen sie in einer Reihe aneinander aufgehängt werden, zum Beispiel mit Familienbildern. Das hat mich 45 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt, zum Wohnzimmer meiner Geigenlehrerin. Ich kann mich nicht mehr an jedes Detail davon erinnern, aber ich erinnere mich, daß es sich bequem und gemütlich anfühlte - sogar obwohl ich nie genug geübt hatte - und ein bißchen altmodisch und plüschig, mit eleganter Tapete und Miniaturporträts. Ich fragte mich immer, ob es wohl Ahnen von ihr waren, traute mich aber nie zu fragen.



Ich weiß nicht, ob ich irgendwann was machen werde, das zum Tiger paßt, damit ich so eine Porträtreihe machen kann.
Erstmal werde ich mir etwas dafür ausdenken müssen, wie ich dieses Loch etwas weniger auffällig machen kann. Eine Idee ist, daß ich das Leinen an dieser Stelle golden anmale oder eine Perle einklebe oder daß ich einen Haken einhänge - den originalen oder einen kleineren - und daran dann einen Anhänger, obwohl ich gerade noch keinen Plan habe, was da funktionieren könnte. Was denkt ihr?

Sonntag, 15. Dezember 2024

Wachen über den Wald

Als ich dieses Bild zum ersten Mal sah, stellte ich mir mich vor, wie ich frühmorgens aus dem Haus gehe, auf dem Weg zum Bahnhof, noch halb schlafend.


Es gibt eine kleine Straße und einen Platz zwischen einer Schule und einer Turnhalle, die ich an jedem Arbeitstag überquerte. Dort hat es ungefähr zehn Straßenlampen und diese Lampen waren manchmal kaputt, sie fingen nacheinander an zu blinken, meistens nur ein oder zwei, was ja noch ging, aber einmal gingen von einem Tag zum nächsten immer mehr kaputt, bis sie schließlich alle in einer Art stummem Code blinkten. Ehrlich, um 5 Uhr morgens habe ich schnell seltsame Ideen und es fühlte sich echt seltsam an. An diesem Tag dachte ich aber endlich daran, das online zu melden, und am nächsten Tag waren sie schon repariert.
Natürlich war es keine Hilfe gewesen, daß der kleine Park daneben dank diesem Blinken sogar noch merkwürdigere Schatten warf als sonst. Ich hatte Glück, daß die Frau, die dort eine Weile lang ihre dänische Dogge ohne Leine ausführte, zur der Zeit nicht da war. Sagt euch Hund von Baskerville etwas? Das erste Mal, daß ich diesen Hund aus dem Dunkel kommen sah, machte ich echt einen Satz.

Und nun stellt euch mal vor, was es meinem müden Gehirn angetan hätte, wenn ich unerwartet auf so etwas wie diese unheimliche "Kreatur" gestoßen wäre. Ich kann mich selber schreiend in die Hügel flüchtend sehen, nur kann ich nicht rennen und es gibt auch keine Hügel.

Trotzdem liebe ich dieses Bild und finde es schade, daß diese Straßenlampe in Warschau dem Web zufolge seither ihr Haar verloren hat, da die Firma, auf deren Grundstück sie steht, sie zu gefährlich für Fußgänger fand.

Das Bild ist schon eine Weile im Netz und taucht immer wieder mal auf. Als eine Freundin von mir es das letzte Mal teilt, dachte ich mir, daß ich wirklich gern versuchen würde, das irgendwie einzufangen. Früher hätte ich versucht, es aus Perlen zu weben, hätte aber die Ranken wahrscheinlich nicht so hinbekommen wie gewünscht. Perlenstickerei war eine weitere Möglichkeit, aber am Ende fühlte sich Handsticken wie die beste Wahl an.

Anfangs war der Plan, mehr oder weniger einen Teil des Bildes auf einem ziemlich kleinen Rahmen zu kopieren, um zu sehen, wie lange es wohl dauern würde und ob eine größere Version Sinn machte. Ich machte zunächst die Umrisse und die fließenden Ranken um Körper und Kopf herum und da dachte ich dann, ich müsse dem ganzen wenigstens so ein bißchen was von meinem eigenen Touch geben. Dadurch, daß ich ihr mehr Haare gab, wurde die Kreatur irgendwie anders für mich.
Ab diesem Punkt hätte es schon ziemlich klar sein können, daß das kein Probestück bleiben würde, denn als nächstes füllte ich die Umrisse stundenlang mit haufenweise kleinen Stichen in allen Richtungen, um ihnen Textur zu verleihen.

Das Gesicht hatte ich mir für den Schluß aufgehoben. Natürlich wollte ich nichts an dem Glühen ändern, schließlich erzeugt das diesen tollen Effekt. Wieder überlegte ich mir unterschiedliche Optionen, Perlen mit Silbereinzug, andere Perlen, sogar passend zugeschnittene Pailletten, nur weil ich mir nicht zutraute, diesen glühenden Effekt mit Stickerei zu erzielen, ich hatte ja das Schattieren noch nicht so sehr geübt.
Am Ende überzeugte mich mein inneres Spielkind, das gerne Dinge ausprobiert, es doch zu versuchen. Ich habe sechs Farben von meinem Sticktwist ausgesucht, einfach improvisiert und war damit viel zufriedener als erwartet.

Irgendwie veränderte sich das Wesen in meinem Kopf und der Pfosten auf der linken Seite fühlte sich falsch an, stattdessen mußte ich an Bäume denken. Meine Lieblingsbäume waren immer Birken, wir hatten welche in der Nachbarschaft, als ich ein Kind war, und sie waren so hübsch.
Ich konnte mich nicht zurückhalten und machte einen Baum nach dem anderen, und dann hatte ich nicht mehr wirklich eine Entschuldigung dafür, das bißchen, was vom Hintergrund noch übrig war, nicht auch noch aufzufüllen. Nun ja, und dann verlangte die Szene auch noch Schneefall.

Als ich meiner Freundin das erste schlechte Bild des fertigen Stücks zeigte, meinte sie, sie liebe "sie" mit einem Fragezeichen beim "sie". Ich antwortete, daß ich mir selber noch nicht mal sicher war, ob es "sie" oder "er" war, und daß ich das Gefühl hatte, daß hier eine Geschichte drin steckte, die zu schreiben ich leider nicht gut genug war.
Kleine Details anderer Geschichten, die ich kannte, gingen mir andauernd durch den Kopf, als ich hieran arbeitete, zum Beispiel meine liebste Weihnachtsgeschichte aus einer Anthologie, die ich als Kind geschenkt bekommen hatte. Sie spielt in den Wäldern und ich liebe sie so sehr, daß ich sie in einem Jahr tatsächlich mal abgetippt (Schreibmaschine, das zeigt euch, wie lange das her ist), kopiert und dann an meine Freunde verteilt habe.
Diese Schnipsel ergaben noch keine Geschichte für mein/e Wächter/in - denn das ist das einzige, worüber ich mir sicher bin, daß dies ein/e Wächter/in des Waldes aus uralten Zeiten und einer spirituellen Welt ist.
Ich möchte das nicht erzwingen, aber vielleicht wird sie oder er mir die Geschichte irgendwann erzählen, selbst wenn ich sie nicht in Worte fassen kann, sondern sie nur vor meinem inneren Auge sehe. Vielleicht werde ich ja etwas einem meiner verrückten Träume sehen.


Auf jeden Fall bin ich wirklich glücklich mit meiner neuen Freundin oder meinem neuen Freund.
Es wird kein größeres Stück davon geben, nicht nur weil ich ewig dafür brauchen würde, sondern auch weil die Geschichte nicht wiederholt werden kann.
Ich habe jetzt einen schlichten Rahmen dafür bestellt und kann nicht erwarten, es an die Wand zu hängen (soweit entfernt vom Dekan wie möglich!).
Ich konnte jedoch nicht widerstehen, es euch jetzt schon zu zeigen.

Donnerstag, 21. November 2024

Hab' noch einen gefunden!

Ich werde echt gut in der Kryptidenjagd!
Könnt ihr fassen, daß ich einfach nur einen kleinen Waldspaziergang gemacht habe, und da war er? Ich wußte nicht mal, daß es Bigfoots in deutschen Wäldern gibt!
Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, also mußte ich ganz schnell heimrennen und den Moment sticken, in dem er von mir wegging, solang das Bild mir noch klar im Kopf war.
Okay, ihr habt mich erwischt. Die Vorstellung, wie ich renne, ist mehr als lächerlich, und tatsächlich habe ich auch noch nie von einem Bigfoot in Deutschlang gehört.

Der letzte Teil stimmt aber, ich habe den Moment gestickt, in dem er, sagen wir mal, von mir weggegangen sein könnte, zwischen den Bäumen des Oberholzes, unseres örtlichen Waldes, verschwindend.


Habt ihr das Gefühl, daß ich zuviel Spaß mit meiner Stickerei habe? Nicht ernsthaft genug?
Wartet erstmal mein nächstes Projekt ab, das ich für meinen Urlaub geplant habe. Obwohl ich mir ganz und gar nicht sicher bin, daß es so funktionieren wird, wie ich mir das jetzt vorstelle, freue ich mich echt drauf, es zu versuchen.
Natürlich gibt es auch noch dieser äußerst ernsthafte Weißstickerei-Kurs, den ich mir für den Urlaub aufgehoben habe.

Dann ist da noch das hier - könnte das die Pfote einer Kryptidenkatze sein? ;-)
Oh ja, es gibt auch Kryptiden der Katzenfamilie ... hmm ... wo ist meine Ideenliste ...

Mittwoch, 6. November 2024

Funkelherz

Vor ein paar Wochen habe ich erklärt, warum mein Blog auf einmal aus lauter Handstickerei zu bestehen scheint (mein arthritisches Daumengelenk), aber auch davon gesprochen, daß ich einen Plan für Perlenstickerei hatte.
Nun bin ich mit dem ersten Stück, das aus diesem Plan hervorging, zurück, aber das würdet ihr nicht mal bemerken, wenn ich nichts gesagt hätte, weil es nur ein klein wenig anders als meine vorherigen Stücke ist.

In dem Blogpost darüber, wie mein Daumen meine Arbeit zur Zeit beeinflußt, habe ich auch erwähnt, daß ich mir ein Stickset mit einem zweiten Ständer und austauschbaren Rahmen in unterschiedlichen Größen besorgt habe. Das brachte mich auf die Frage, warum ich meine Perlenstickereien nicht einfach auch so machte?
Ich klebte meine Cabochons auf wie immer, dann spannte ich einen dünneren Stoff in den Rahmen und nähte durch ihn und meine Stickunterlage hindurch, als ich die Fassung für die Cabochons machte.
Ich habe immer am liebsten Anhänger gemacht und der kleinste Rahmen, den ich mit dem Ständer benutzen kann, ist nicht so klein, also war es mein Plan, an zwei Anhängern zu arbeiten und sie zusammen herunterzuschneiden, um sie fertigzumachen.
Wißt ihr was? Das hat tatsächlich ganz gut funktioniert und auch wenn es nicht hieß, daß sich mein Daumengelenk komplett ausruhen konnte, so vermied ich doch wenigstens ein paar der Bewegungen, die es haßt. Nun mußte ich nur noch schauen, ob der Stoff dünn genug war, um nicht aufzutragen und damit meinem Rand in die Quere zu kommen.
Spoileralarm - er war es.
Ich bin mir sicher, daß die Idee nicht neu ist, ich habe das nicht nachgeschaut, sondern einfach drauflos probiert, aber es zählt nur, daß es funktioniert.

Hier ist der erste Anhänger, der jetzt fertig ist, über den anderen grübelt meine Muse noch nach.
Ich habe hierfür keinen Cabochon verwendet, sondern ein Marmorherz. Es ist wirklich glatt, aber glänzt nicht, und es hat noch diesen irgendwie rohen, unpolierten Look, den ich mit einem glatten Look für die Fassung und mit einem dunklen Funkeln für den Rand als Gegensatz zum subtilen hellen Funkeln des Marmors (der auf Bildern nicht so gut herauskommt, schade) ausbalancieren wollte.
Für die Fassung wählte ich graue Rocailles mit einem leichten Goldschimmer, blaugraue Delicas als Kontrast und eine Reihe winziger silberner Rocailles, die Umrandung ist aus schwarzen Kristallen, ebenfalls mit einem Schimmer von Gold, kombiniert mit Perlen aus echtem Hämatit und passenden Rocailles.



Dieser Anhänger ist daneben. Wenn ihr nur flüchtig hinschaut, merkt ihr es vielleicht gar nicht sofort, bei einem genaueren Blick aber schon.
Der Stein ist asymmetrisch und ich habe nicht versucht, das zu verstecken. Also ist die Fassung auch asymmetrisch und ebenso der Kristallrand. Die Öse mußte ich so plazieren, daß der Anhänger trotzdem noch richtig hängt, und die beiden Perlen oben - eine Buttonperle und ein facettierter Mondstein - sitzen nur so etwa in der Mitte.
Die Rückseite ist eine echte Überraschung mit ihrer leuchtenden Beerenfarbe. So herumgedreht sieht man auch die Asymmetrie ganz deutlich.



Nun, sind wir nicht alle ein bißchen "daneben"? Ein Auge größer als das andere, ein Ohr ein wenig höher, ein Fuß länger oder was sonst noch so vorkommt, und manchmal ist auf der Rückseite eine Überraschung ;-)
Ich hatte es übrigens nicht von Anfang geplant, es passierte einfach dadurch, daß ich dem Stein mit den Perlen folgte, aber je länger ich daran arbeitete, um so mehr dachte ich, daß ich mich anscheinend endlich auf die Asymmetrie einließ, etwas, womit ich immer sehr gekämpft, es aber nie aufgegeben hatte. Ich finde, es ist einfacher, komplett über Bord zu gehen, mit Freiform.
Macht es mich immer noch etwas nervös? Auf jeden Fall, aber mir gefällt der Gedanke, wie sich jemand fragt, was bei diesem Stück denn anders ist, es Schritt für Schritt herausfindet und sich vielleicht ebenfalls darauf einläßt.

Nun muß ich den nächsten Schritt für das andere "Rahmen"stück finden, damit ich es fertigmachen kann.
Ich werde das Gefühl nicht los, daß ich mich damit selbst in ein Eck gedrängt habe, aber Wunder geschehen, also werde ich die Hoffnung mal noch nicht aufgeben.

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Nessie-Sichtung!

Als mein Bruder noch klein war, hatte er drei Bücher, die er absolut liebte. Ich kann nicht mal sagen, wie oft wir sie uns anschauen mußten. Sie handelten von UFOs, Geistern und Ungeheuern - und das letzte war bei weitem sein Favorit.
Für mich war das in Ordnung, da ich selber seit meiner Kindheit genauso fasziniert bin.

Mein Lieblingskryptid ist Nessie. Ich liebe den Gedanken daran, wie sie in diesem wunderschönen Loch schwimmt und sich versteckt und ich wollte Loch Ness schon so lange unbedingt sehen.
2009 bekam ich endlich die Chance. Der Ex und ich besuchten Edinburgh und es war klar, daß ein Tag für einen Tagesausflug zum Loch Ness reserviert sein würde. Es war fantastisch und ich muß immer noch lächeln, wenn ich an diesen Tag zurückdenke, aber auch ein klein wenig traurig, weil ich ziemlich sicher bin, daß ich nicht wieder dahin zurückkommen werde. Falls ihr ein bißchen über diesen Tag lesen und Bilder sehen möchtet, könnt ihr euch "Edinburgh Day 2" anschauen, nur auf Englisch allerdings, denn damals hatte ich den deutschen Blog noch nicht.



Ich bin mir sicher, daß wir Nessie an diesem Tag gesehen hätten, wenn da nicht so viele Menschen gewesen wären! ;-)

Nun, wenn Nessie schon damals nicht zu mir kommen wollte, dann mußte ich einfach dafür sorgen, daß sie jetzt zu mir kam. Sticken war die Rettung! :-D
Seht ihr, sie existiert doch!


P.S. Man sollte allerdings nie sticken, wenn man verärgert ist,  denn wenn man einen dicken Hals kriegt, überträgt sich das womöglich ein ganz klein wenig auf Nessie ;-)

Donnerstag, 17. Oktober 2024

Ein Schnabel leuchtet hell

Es scheint, daß der unsichtbare Schnabel des letzten traumatisch für mich war und ich einfach nicht drüber hinwegkam ... ich mußte noch ein Huhn machen, aber diesmal als Anhänger.
Ich unterschätze immer noch jedes Mal, wie lange ich für ein solches Stück brauchen werde, vor allem da ich nur ein oder zwei Fäden des Stickgarns nehme und ziemlich kleine Stiche mache. Das ist vielleicht etwas, an dem ich noch irgendwann werde arbeiten müssen.

Warum diese gefiederte Dame ein Nest mitten auf einer Wieso haben wollen würde, wollt ihr wissen? Ich habe keine Ahnung.
Zuerst kam die Henne, die im Gras saß, und dann fühlte es sich irgendwie richtig an, ihr ein Nest zu geben. Vielleicht wollte mein Unterbewußtsein es vermeiden, Beine sticken zu müssen?
Oder vielleicht ist diese kleine Szene ein Flashback zu Kindheitserinnerungen? Es gibt eine bestimmte wilde Wiese, die mir immer einfällt, wenn ich so etwas sehe oder mache.

Die Bienen haben es offensichtlich auf die Blumen abgesehen. Sie waren erst Fliegen, aber das sah dann etwas nervig für mich aus, also gab ich ihnen Streifen.
Diese Blumen müssen köstlich sein oder es wären nicht so viele!

Und natürlich hat die Dame einen Schnabel, der so hell wie die Sonne leuchtet. Ganz und gar nicht unsichtbar! ;-)

Mittwoch, 9. Oktober 2024

Die Henne und das Ei

Vor ein paar Wochen besuchten wir die örtliche "Töpferei auf dem Jackenhof", wo ich letztes Jahr auch meine fröhlichen gelben Becher gekauft habe (und ja, ich liebe sie immer noch so sehr und benutze sie die ganze Zeit). Obwohl ich diesmal nur die Begleitung war, konnte ich nicht widerstehen, wenigens ein bißchen was zu kaufen, in diesem Fall eine kleine Vase in einem wunderschönen Blau und geformt wie ein Ei, dessen Deckel ab ist (sagt man das überhaupt so?).
Ich habe ein Bild gezeigt, weil ich Freunde haben, die ebenfalls Töpferwaren lieben, und eine von ihnen meinte, sie frage sich, was wohl daraus geschlüpft sei.
Jetzt habe ich es herausgefunden! Es ist allerdings etwas überraschend, ich hatte irgendwie was Größeres erwartet ...


Immer wenn ich eine neue Technik lerne, ist mein Ziel zu versuchen, ob ich sie mit meinen vorherigen Techniken kombinieren kann.
Offensichtlich Perlenstickerei ist am einfachsten mit Handstickerei zu mischen. Man schmeißt einfach ein paar extra Perlen drauf, richtig?
Wie soviele meiner Stücke war diese winzige Henne völlig ungeplant. Ich hatte ein Reststückchen Leinen und fragte mich, wie es für mich wäre, ohne Rahmen zu arbeiten. Die Inspiration, eine Henne zu machen, kam von einem Cartoon, den ich kurz zuvor gesehen hatte.

Natürlich gibt es einiges, was ich jetzt anders machen würde. Ich hätte das Polstern der Henne eingeplant, damit der Silberrand nicht ganz so obendrauf sitzen würde, obwohl ess 15er Perlen sind. Ich hätte zum Stabilisieren des Leinens nicht den dickeren Filz benutzt und meine Henne hätte einen Schnabel bekommen, den man besser sehen könnte. Meine einzige Entschuldigung dafür, ecru gewählt zu haben ist, daß es spätnachts war und ich einfach nach etwas gegriffen habe, ohne nachzudenken.
Schließlich war das ja ursprünglich nur als kleines Experimentalstück gedacht, ich hätte nicht mal geglaubt, so weit zu kommen.

Ich habe auf jeden Fall etwas daraus gelernt. Vielleicht finde ich eine Nadel, die klein genug für hintendrauf ist, und stecke mir die Henne an den Kragen meiner Jeansjacke. Oder vielleicht habt ihr ja eine Idee?

Montag, 7. Oktober 2024

Daumenstützen

Es ist ein wenig seltsam, daß ich mein Daumengelenk mit der Arbeit an etwas anstrenge, daß meinem Daumengelenk helfen soll, ich weiß. Tatsächlich fühlt es sich aber im Momen überwiegend etwas besser an und ich habe genug Pausen gemacht, um es nicht schlimmer zu machen. Vielleicht lerne ich doch noch dazu, wer weiß?

Ich spreche über die Daumenstützen, die ich mir besorgt habe. Ich trage sie ungern, aber wenn ich sie schon nachts tragen muß, können sie wenigstens hübsch aussehen ... denn wer schläft schon nachts. Vielleicht ist es ja einfach das Gefühl, daß sie anders sind.

Es ist witzig, ich habe schwarze gewählt, weil sie am wenigstens auffallend sind, und dann beschließe ich plötzlich, daß sie etwas Farbe brauchen, und zwar viel davon.

Ich habe gerade Fliegenstich gelernt, aber davon kann man hier nicht viel sehen, weil ich so viele kürzere Fadenreste hatte und mich nicht stoppen konnte. Ich wünschte, ich könnte solche Blumen in echt wachsen lassen
😉
Da hatte ich noch nicht geplant gehabt, auch den Riemen zu besticken, sonst hätte ich versucht, das etwas passender zu machen.
Die Länge des Riemens verlangte aber offensichtlich nach Ranken oder Kletterrosen (auch wenn sie seitwärts klettern), und da ich immer noch vom Knötchenstich besessen bin und mich außerdem mit dem Federstich vertraut gemacht habe, klangen die Röschen perfekt.
Damit brauchte ich tatsächlich all die bunten Reste, die ich bisher hatte, auf - denkt daran, daß ich diese Reise erst relativ kürzlich begonnen habe - und so war mein schwäbisches Herz sehr glücklich
😂







Für die zweite Stütze wollte ich jedoch definitiv etwas anderes, und da die Stützen nicht speziell für die rechte und linke Hand sind, ist der Riemen an der rechten Hand sowieso hauptsächlich auf der Handfläche, also mußte ich mir was ausdenken, was für die andere Seite funktionieren würde. Natürlich kann ich auch noch jeweils die zweite Seite der Stützen besticken, falls ich jemals den Drang verspüren sollte.

Seid ihr überrascht, daß sich meine Gedanken sofort Katzen zuwandten? Es ist möglich, daß die witzigen kleinen Hasenfüßchen des Dekans eine zusätzliche Inspiration waren.




Was lieben wir an Katzenfüßen? Die "Bohnen", wie der auf Englisch gern verwendete Ausdruck übersetzt heißt, also die Ballen!

Es war gut, daß ich dem links ein paar schwarze Flecken verpaßte, denn dadurch war es kein Problem, zwei weitere hinzuzufügen - nachdem ich meinen Finger das dritte Mal mit der Nadel gepiekst hatte, bevor ich bemerkte, daß ich schon auf die Pfote geblutet hatte! Könnt ihr fassen, daß ich mich tatsächlich schon gewundert hatte, warum da auf der Pfote zwei verschiedene Rosatöne waren (das Rot hatte sich auf dem Faden zu einem dunklen Rosa aufgehellt)?
😂

Dann brauchte ich noch etwas für den Teil des Riemens, den man sehen kann - natürlich noch eine Katze!
Die war echt hart, vor allem die Teile, wo ich Stiche auf Stichen auf schwierigem Untergrund machte, also ist sie keinesfalls perfekt, aber es war eine gute Übung und ich denke, sie ist trotzdem ganz niedlich.
Falls ihr euch wundert, warum die Augen etwas schielen, seufz, was kann ich sagen - noch mehr Blut, das ich verstecken mußte, aber diesmal ging mir dann auch noch der dunkelgrüne Faden aus, von dem ich nur die Hälfte der üblichen Länge hatte. Ich stelle mir einfach vor, das Kätzchen zwinkert mir zu.



Ich lasse es euch wissen, falls ich jemals etwas mit den anderen Seiten mache, aber ich muß gestehen, daß es echt zäh war, weil das nicht gerade ein einfacher Stickuntergrund ist, also glaube ich ich nicht, daß das sehr bald passieren wird, wenn überhaupt. Da waren all die kleinen schwarzen Schlaufen, die hochstanden, einige Stellen waren zu dick gepolstert, um überhaupt durchzukommen, an manche kam man nicht so gut heran oder ich kam nur unter Verwendung einer Zange durch.
Außerdem gibt es ja soviel anderes zu machen!

Donnerstag, 19. September 2024

Der Daumen und ich

Noch mehr Stickerei?
Ihr fragt euch vielleicht, ob das der Wahnsinn des neuen Hobbys ist. Es wäre nicht ungewöhnlich, sich mit einer neuen Technik, die man gerade für sich entdeckt hat, auszutoben. Ich bin da keine Ausnahme, obwohl ich trotzdem immer eine gute Mischung versucht habe, aber es ist schwer, nicht der Aufregung und dem Abenteuer neuer Experimente zu unterliegen ;-)

Es gibt jedoch noch einen weiteren Grund für diese Stickereiflut.
Ich habe Rhizarthrose in beiden Daumengelenken, rechts noch nicht so schlimm, aber links macht es mir doch jetzt schon eine Weile ganz schön zu schaffen. Ich bin Rechtshänderin, aber meine linke Hand muß größtenteils greifen, festhalten und die Spannung halten, was anscheinend der schwierigere Part ist.
Das bedeutete mehr Pausen, viel kürzere Arbeitssitzungen, Tage ganz ohne etwas zu machen, und manches kommt zur Zeit gar nicht in Frage, zum Beispiel Draht, und sogar beim Arbeiten mit Perlen bewegt sich der Daumen falsch. Es ist frustrierend und meine Freundin haben inzwischen wahrscheinlich genug von meiner Jammerei.
Ich habe noch nicht ausprobiert, wie gut das Perlenweben für mich gerade funktionieren würde, aber ich habe einen Plan für Perlenstickerei - nun, und dann gibt es da noch das Handsticken.

Ich habe schnell herausgefunden, daß es eine schlechte Idee ist, meinen Stickrahmen in der Hand zu halten, tatsächlich war das der Anstoß dafür, daß mein Daumen sauer auf mich wurde. Ich weiß, ich hätte schon lange mehr Pausen machen sollen, aber es ist für mich echt schwierig aufzuhören, wenn ich mal dabei bin.
Als ich aber meinen Kurs für die Silk-Shading-Blume gekauft habe, hieß es, daß ich einen Ständer brauchte, um beide Hände für das Arbeiten frei zu haben, und das hat einen großen Unterschied gemacht.

Das heißt nicht, daß ich so lange Sitzungen wie früher haben kann, es heißt auch nicht, daß es völlig schmerzfrei ist, aber es besteht kein Zweifel, Handsticken ist für mich im Moment die einfachste Technik.
Also besorgte ich mir einen zweiten Ständer mit austauschbaren Rahmen in unterschiedlichen Größen und benutzte den kleinsten davon, um mehrere Anhänger zu machen, die nicht unterschiedlicher voneinander sein könnten.

1. In meinem Schmuckforum, der Jewelry Artisans Community, haben wir gerade eine Challenge mit dem Thema "Musik" laufen und ich habe einen fröhlichen kleinen Musikanhänger dafür gemacht. Versucht gar nicht erst, die Melodie zu singen ;-)


2. Das war ein Experiment, aus einer anderen Idee entstanden, die noch in meinem Kopf herumspukt.
Ich empfange abstrakte 60er Jahre Vibes davon, was durch die Form unterstützt wird, und ich muß sagen, es hat echt Spaß gemacht, weil ich einfach loslassen konnte.


3. Ja, keine große Überraschung hier. Wir wußten alle, daß während meiner Stickreise ziemlich schnell mindestens eine Katze auftauchen würde, ich wußte nur nicht, daß es eine Art Karikatur werden würde, bis ich nicht widerstehen konnte, echt große Augen zu machen.


4. Der letzte Anhänger hat eine Hintergrundgeschichte.
Ich habe schon früher erwähnt, daß ich in Göppingen lebe, welches am Fuß des Hohenstaufen liegt, einem der Drei Kaiserberge, zusammen mit Rechberg und Stuifen.
Sie haben ihren Namen von der Dynastie der Staufer - von denen Friedrich I. Barbarossa wahrscheinlich der berühmteste ist. Sie hatten eine Burg auf dem Hohenstaufen, aber es sind nur noch wenige der Grundmauern übrig (man sagt, das Stadtschloß von Göppingen sei teilweise aus Steinen der Burgruine erbaut worden).
Dies ist meine Homage an unsere Berge und ihre lange Geschichte.
Natürlich liegen sie in Wirklichkeit nicht so dicht beieinander (siehe das Bild unter dem Link oben) wie in unserem Stadtlogo ...


... oder in meinem Anhänger.


Also ja, ich schätze, ihr werdet in der näheren Zukunft wohl noch mehr Stickerei hinnehmen müssen.
Ich werde den Draht und die Perlen deshalb aber nicht fallenlassen, und hoffe, Eispacks, Schienen und mehr Ruhe werden mir dabei helfen können!

Sonntag, 15. September 2024

Der geheimnisvolle Dekorateur

Ich frage mich, wer diesen Baum im Winterwald dekoriert hat? Vielleicht könnten wir es herausfinden, wenn wir den Fußabdrücken im Schnee folgen würden, aber manchmal ist ein Geheimnis ganz nett, oder?

Ja, ich weiß, daß es früh ist, aber ich habe meine Metallfäden bekommen und mußte sie einfach an etwas ausprobieren!

Samstag, 31. August 2024

Organisieren

Ich bin kein Naturtalent im Organisieren. Ich habe zwar Vorratsboxen, aber Dinge neigen dazu, in Übergangsboxen abzuwandern, in Schubladen, auf meinen Nachttisch - es ist normal, Drahtspulen auf dem Nachttisch zu haben, oder? - meine "Arbeitsschachtel" und zweifelsohne in mehrere Paralleluniversen.

Als ich mit dem Sticken anfing, lagerte ich meine neu erworbenen Vorräte in den Umschlägen oder Kartons, in denen sie bei mir ankamen, weil ich noch keine Idee hatte, was ich wo und wie unterbringen sollte.
Zum Glück schickt die Royal School of Needlework ihre Kits in großen Schachteln mit Fächern!

Nachdem ich also mein erstes Kit fertig hatte, war die Schachtel leer und bereit, mit all meinen Vorräten aufgefüllt zu werden.
Ich hatte wirklich nicht erwartet, daß das Garnset, das ich gekauft hatte, so viel Platz einnehmen würde, ich habe es gerade so reinbekommen und es ist drei oder vier Schichten hoch.
Im Moment ist nicht viel übrig, das nicht mehr reingepaßt hat, und wenn ich erstmal mein zweites Kit fertiggemacht habe, wird eine weitere Schachtel darauf warten, aufgefüllt zu werden.

Kann mir jetzt jemand helfen, dasselbe für meine Drähte zu tun? ;-)


Freitag, 30. August 2024

Lavendel

Natürlich stand Schmuck auf meiner Liste, seit ich mich das erste Mal im Handsticken versucht habe. Mir war klar, daß es anders sein würde, als an einem großen Projekt zu arbeiten, weil der Platz wirklich beschränkt ist, aber als ich meine ersten Fassungen bekam, stellte ich fest, daß es sogar noch schwieriger für mich war, mir ein eigenes Design auszudenken, das auf diesem Raum Platz hat.

Ich begann mit einer kleinen Silk Shading-Blume, aber zu viele Blüttenblätter bedeuteten zuviel Breite.
Als nächstes fing ich mit einem kleinen Farn an, aber darüber bin ich mir noch nicht ganz im Klaren, er ist ein wenig langweilig und ich werde nicht viel mehr mit draufpacken können, also steht noch in den Sternen, ob er fertig wird.

Dann kam mir ein Bild von Lavendel unter. Lange Stengel mit vielen kleinen Blüten hörte sich perfekt an, außerdem waren in meinem Fadenvorrat (den ich erst heute aufgeräumt habe, ich frage mich, warum ich wohl meinte, ich müsse dieses Fadenset kaufen, aber auf jeden Fall habe ich jetzt echt viel Grün - Farn für alle! ;-)) drei Lilatöne.

Ich hatte echt Spaß und machte wie wild französische Knoten (die ich jetzt schon liebe) und Bullion-Knoten (die ich noch nicht so sehr liebe, aber ich denke, das ist eine Frage der Übung), fügte hier und da ein paar braune Fleckchen hinzu, und dann brauchte es nur noch einen kleinen Farbakzent  auf diesem neutralen Hintergrund - eine Biene, was sonst?

Ich finde, es ist hübsch für ein erstes kleines eigenes Design, und ich freue mich schon darauf, noch mehr herumzuspielen.

Sonntag, 18. August 2024

Blume in "Silk Shading"-Technik

Silk shading, thread painting, needle painting auf Englisch, Nadelmalerei auf Deutsch - alles Namen für eine Sticktechnik.
Ich habe sie schon öfter gesehen und fand sie wirklich schön, sie stand aber nie auf meiner Wunschliste.
Als ich beschloß, daß ich Sticken echt mal ausprobieren wollte, war das, weil ich total fasziniert von wunderschöner Goldstickerei war, was bei einer Schmuckmacherin wahrscheinlich nicht sehr überraschend ist.
Ich hatte keine großen Erwartungen an meine eigenen Fähigkeiten, also dauerte es sehr lang, bis ich ins kalte Wasser sprang, aber schließlich bestellte ich doch mein Lieblingskit von Becky Hogg - das Füchslein (falls ihr den Blogpost nicht gesehen habt, er ist hier). Das hat mich ganz schön gefordert und meine Hände noch mehr, aber sehr zu meiner eigenen Überraschung hat mich das nicht abgeschreckt.
Tatsächlich hatte ich das Kit gerade erst bestellt und wußte schon, daß ich mir irgendwann den Onlinekurs "Einführung in Goldstickerei" zum Selbststudium gönnen würde, der von der Royal School of Needlework
angeboten wird, aber als ich so weit war, ihn zu bestellen, war er wegen Materialknappheit nicht verfügbar und ich mußte mir einen anderen Kurs aussuchen.
Es gibt 16 Kurse und ich tat mich echt schwer damit, einen auszusuchen, dem ich mich gewachsen fühlte. Am Ende wählte ich Silk Shading, nicht weil ich mir den so sehr zutraute, aber weil mir das Design am besten gefiel (obwohl ich mir darüber im Klaren war, daß ich mein eigenes vielleicht nicht so sehr mögen würde).

Als nächstes bestellte ich mir einen Sitz-Stickrahmen und etwas Schrägband, um meinen Rahmen zu umwickeln.
Als dann aber mein RSN-Paket ankam, zögerte ich sehr, mit dem Kit anzufangen. Ich hatte das erste Video schon ein paar Mal angeschaut und zur Übung sogar schon ein paar Muster gemacht. Das Kit wirkte auf mich jedoch soviel furchteinflößender. Was hatte ich mir nur gedacht?

Es dauerte zwei Monate, dieses Projekt fertigzustellen. Sieben Wochen waren drei Blütenblättern und dem Blatt gewidmet - ich brauchte eine Menge langer Pausen - und in der letzten Woche war ich mit dem Prozeß vertrauter geworden und stickte die letzten fünf Blütenblätter, den Stengel und die Mitte.

Ich habe dabei ein paar Dinge gelernt, nicht alle davon haben mit der Sticktechnik zu tun.

1. Während Gundel normalerweise damit zufrieden ist, von ferne zuzuschauen, ist der Dekan entschlossen, sich den Stickfaden zu holen, und würde wahnsinnig gern den Arbeitsfaden schnappen und daran ziehen (fragt nicht, woher ich das weiß). Zum Glück beruhigte er sich irgendwann, und nachdem wir jedesmal, wenn ich mit einer Sitzung anfing, seine und meine Wünsche diskutiert hatten
("Nein! Nein! Du kannst das nicht haben, Dekan. Denk nicht mal ... Dekan, geh weg, ich habe eine Nadel in der Hand! Hör auf! Du willst doch nicht zum Tierarzt, oder?"), war er gewöhnlich von einem Snack abgelenkt und ging dann woanders Unheil anrichten oder ein Nickerchen machen.

2. Ich habe absolut keinen Richtungssinn und obwohl ich die Stich- und Farbdiagramme durchaus theoretisch verstand, hatte ich damit Probleme, das in meine Stickerei zu übertragen. Um ehrlich zu sein, glaube ich, daß das viel damit zu tun hat, daß ich so daran gewöhnt bin, planlos zu arbeiten (außer beim Perlenweben) und eher meinem Bauch als meinem Kopf zu folgen. Zum größten Teil war das gar nicht so schlimm, aber ich mochte mein zweites Blütenblatt nicht sehr und um das Aussehen zu retten, machte ich das letzte Blatt dann größer als im Design, bevor ich schließlich das ungeliebte Blatt doch wieder auftrennte.
Tatsächlich ist es okay für mich, aber es ist auch typisch für mich - außerhalb der Linien malen ;-)

3. Ich mag fertige Stickerei, habe aber meinen Fuchs immer noch nicht aufgehängt und habe keinen Plan, wie ich die Blume rahmen soll.

4. Ich bin so hart zu meinen Sticknadeln wie zu meinen Perlennadeln.

5. "Sie werden ein größeres Boot ... ähm, Stickring brauchen." Tatsächlich denke ich, ich werde mehr Größen brauchen, aber ich versuche, jetzt nicht durchzudrehen und wie verrückt Zubehör zu kaufen, egal wie verführerisch dieser Gedanke ist, außerdem ...

5.1. ... hasse ich Brexit, weil so viel Zubehör viel einfacher in Großbritannien zu bekommen ist, Zollgebühren und Steuer aber schnell ein Sümmchen zusammenbringen (ja, es ist ein sehr egoistischer Grund).

6. Bullion knots (Bullion-Knotenstich, Wickelstich) und ich sind noch keine guten Freunde, aber ich liebe French knots (französische Knoten, Knötchenstich), sowohl das Aussehen als auch das Sticken, tatsächlich war das einer der ersten Stiche, die ich bewußt wahrnahm, wenn ich Stickereien sah.

6. Ich liebte den Kurs in meinem eigenen Tempo. Ich habe die kompletten Videos mehr als einmal angeschaut und manchmal ging ich zu einer bestimmten Stelle, um mir etwas in Erinnerung zu rufen. Kate Barlow ist eine wundervolle Lehrerin, die alles sehr deutlich erklärt und zeigt.
Ich sage oft, daß ich mit Tutorials nicht gut bin, zu ungeduldig, und das stimmt auch, also war es für mich etwas überraschend, daß ich das durchgezogen habe und das schreibe ich auch Kate zu.

Da ist wahrscheinlich noch mehr, aber ihr habt jetzt schon genug gelitten, also zeige ich euch jetzt endlich meine Blume, ohne euch auf die Fehler hinzuweisen, weil ich wirklich glücklich damit bin!

Dienstag, 18. Juni 2024

Kreative Energie

Wow, es ist schon wieder eine Weile her, aber tatsächlich paßt das ganz gut zum heutigen Thema.

Mein Tank mit kreativer Energie war schon eine Weile zwar nicht leer, aber verschlossen gewesen, könnte man sagen.
Ich habe immer eine Liste von Ideen im Kopf, von denen manche schon seit Monaten existieren oder noch länger, und immer neue kamen dazu.
Das ist nicht neu, ich habe das schon immer so gemacht, und ich schätze mal, daß 90 % davon nie umgesetzt wurden, entweder weil ich gleich wieder sehr schnell vergesse (da ich normalerweise nichts aufschreibe) oder weil etwas Neues meine Aufmerksamkeit erregt (oooh, was Glänzendes) oder weil ich nicht schnell genug herausbekam, wie ich etwas hinbekommen könnte (ich kann ewig herumexperimentieren, wenn ich einmal dabei bin, aber ich kann Dinge auch sehr schnell aufgeben, bevor ich sie überhaupt angefangen habe) oder weil sie in der berüchtigten WIP-Schublade gelandet sind (was tatsächlich das Codewort für Schubladen oder Schränke in der ganzen Wohnung ist).

Eine ganze Zeit lang hatte ich aber keinerlei Motivation oder Enerige, irgendetwas anzufangen. Nachts lag ich im Bett und dachte mir alle möglichen fantastischen Dinge aus, die zweifelsohne die Handarbeitswelt revolutioniert hätten ;-)
Am nächsten Tag klickte ich mich dann ziellos durch Webseiten oder schaltete beim Fernseher hin und her und dachte, daß ich jetzt echt was anfangen sollte, konnte mich aber meistens nicht dazu aufraffen.
Es ist nicht so, als hätte ich gar nichts gemacht, und wenn ich erst einmal in diesem fast meditativen Zustand war, machte ich auch weiter, aber das war weit entfernt davon, wie ich vorher gearbeitet hatte, und ich hatte keine Ahnung, was los war und ließ mich manchmal echt davon runterziehen.

Vielleicht hätte ich eher erkennen sollen, daß es eine Art Schmuck-Burnout war. Ich schätze, ich war so daran gewöhnt, Schmuck zu machen, daß ich nicht mal bemerkte, daß es mich gerade nicht nur nicht glücklich machte, sondern außerdem meinen Drang, etwas anderes zu machen, unterdrückte, weil ich das Gefühl hatte, ich müsse stattdessen neue Designs machen.
Dazu dann noch eine großzügige Portion Weltschmerz, das hat auch nicht gerade geholfen.

Also beschloß ich, eine meiner sehr aktiven Verkaufsgruppen zu verlassen, die leider schon zu lang nicht mehr erfolgreich für mich war, um etwas von dem Druck loszuwerden und etwas für mich selber zu machen, das schon fast anderthalb Jahre auf meiner Liste stand! Dafür plane ich einen extra Blogpost, weil ich erst noch ein paar Detailbilder machen möchte.
Dann war natürlich noch etwas vollkommen Neues auf meiner Liste, von dem ich euch gern erzählen würde.

Ich bin schon lang von anderen Kunsthandwerken fasziniert. Ich schaue mir gern Videos über Töpfern, Nähen, Weben und mehr an, aber zwei Dinge haben mein Interesse wirklich geweckt - Spinnen und Sticken.
Nun habe/hatte ich zwar Freundinnen, die spinnen - leider nicht in meiner Nähe - aber ich hätte nie gedacht, daß ich es selber mal ausprobieren würde, und nun kämpfe ich immer noch mit Anfänger-Handspindeln, nach Wochen, in denen ich nicht mehr als 12 cm brauchbares Garn produziert habe. Ich fange zu denken, daß das ein Zeichen sein sollte, aber hey, der Dekan genießt es so zu helfen und hat Spaß! Nicht daß es das einfacher machen würde. Noch gebe ich aber nicht auf.

Handsticken ist ein anderes Thema.
In der Grundschule hatten wir etwas wie ein Stickheft. Das war kein Sampler, meiner Erinnerung nach sah es wirklich wie ein Büchlein aus und jede Seite war dazu da, einen bestimmten Stich zu üben. Ich war echt schlecht darin, vielleicht nicht so ungewöhnlich für eine 6- oder 7jährige, aber andererseits führten meine Schulerfahrungen dazu, daß ich lange dachte, ich könnte gar keine Handarbeiten irgendwelcher Art.
Meine zweite Erfahrung mit Sticken kam, nachdem ich in einem Wolleladen gewesen war - ich hatte mit ungefähr 17 das Stricken für mich entdeckt, viel später als all die anderen in meiner Runde - und einem hübschen Tischtuch-Set mit kleinen Veilchen nicht widerstehen konnte. 1 1/2 Veilchen waren mein Limit, meine Schwester machte es schließlich fertig.
Das wars. Ich faßte kein Stickgarn mehr an. Dann, viele, viele Jahre später, entdeckte ich auf einer britischen Webseite Metallfäden - oooh, es glänzt - als ich eigentlich nach einem bestimmten Kalender suchte, und noch später machte eine Freundin ein Kit der RSN-Tutorin Becky Hogg, in das ich mich verliebte, einen kleinen Goldwork-Fuchs. Es dauerte lange, bis ich den Sprung wagte und das Kit selber bestellte, und dann dauerte es noch länger, bis ich endlich damit anfing. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich diese Schachtel aufmachte, die Metallfäden bewunderte, aber zu feige war, es zu probieren.
Vor ein paar Monaten dann schrieb Deana von vuvu_ceramics etwas in einem ihrer Instagram-Posts, das mir wirklich den Tritt versetzte, den ich brauchte. Ich kann mich nicht an die genauen Worte erinnern, aber es ging darum, Dinge einfach anzupacken und Spaß damit zu haben, egal wie sie werden. Das hatte ich schon vorher gehört, aber die Art, in der sie das sagte ... ich kann auch nicht erklären warum, aber ich kommentierte, daß ich mich mit einem Kit, das ich gekauft hatte, schwertäte, weil ich Angst hatte, es zu verderben, und dann meldete sich Lauren (Confesstress) mit ermutigenden Worten und etwas Hilfestellung ... nun, ich fing tatsächlich an, an meinem Kit zu arbeiten.
Ich lüge nicht, wenn ich sage, es war hart. Ich hatte nie zuvor von Couching (Aufnähen von Fäden mit einem zweiten Faden) und Punching von Fäden (das Einnähen und Befestigen auf der Rückseite des Stickstoffs) und Cutwork (das Schneiden von feinen verdrehten Metall"federn", die man dann wie Perlen aufnäht) und Purl und Passing (verschiedene Fäden, keine Ahnung, wie sie auf Deutsch heißen) und all dem auch nur gehört. Außerdem hatte ich nicht erwartet, daß meine Hände so wehtun würden, aber gleichzeitig den Stickrahmen zu halten und zu versuchen, die Metallfäden geformt auf dem Stoff aufzulegen, damit ich sie aufnähen konnte, war wirklich hart für sie. Ich mußte mich dazu zwingen, Pausen zu machen, obwohl ich das nicht immer wollte, weil ich so wild entschlossen war, daß das kein WIP werden würde.
Und ich habe es fertiggemacht. Ist es perfekt? Himmel, nein. Es hat Fehler und Fehler und Fehler, die ich nicht auflisten werde (man sieht sie sowieso). Aber ich habe es fertiggemacht und war darüber sogar glücklicher, als ich es erwartet hätte. Nimm das, Stickheft!!
Tatsächlich gab es einen Fehler, den ich meinte, verstecken zu müssen, statt also das Gesicht nicht zu besticken wie vorgesehen, nähte ich weiße Rocailles in zwei Größen auf, darum guckt mein Füchslein nun etwas schräg, wahrscheinlich aus Überraschung, endlich doch noch das Tageslicht erblickt zu haben.
Zuerst wollte ich Foxy in etwas Gras mit Blumen setzen, aus Perlen oder in einem ehrgeizigen Versuch, noch mehr Stickstiche zu verwenden, die ich nicht wirklich kannte (obwohl jemand, der ungenannt bleiben soll, ein Konvolut mit willkürlich ausgewählten Fadenfarben gekauft haben mag), aber nachdem ich so weit gekommen war, wollte ich den Stoff nicht versauen.
Also habe ich stattdessen - und ich hoffe wirklich, Becky vergibt mir, daß ich das Design geändert habe, wenn auch nur ein klein wenig - kleine und winzige goldene Rocailles rund um Foxy verstreut. Ich nehme an, ich kann einfach nicht ohne Perlen und außerdem liebe es, Techniken zu verbinden.

Und hier ist nun Foxy.
Wenn ihr es bis hierher geschafft habt, vielen Dank für eure Geduld!




Die beiden Bilder sind unter meinen Tageslichtlampen gemacht, aber schaut, wie hübsch Foxy in warmem Licht ist!



Freitag, 16. Oktober 2009

Krabbeltier in meinem Haus

Ich mag Spinnen, wirklich. Sie sind schöne Geschöpfe, sie sind talentierte kleine Kunsthandwerker und auch wenn ich keiner begegnen wollen würde, die so groß wie Tarantula ist (es geht doch nichts über alte Schwarzweißfilme mit herrlichen Spezialeffekten ;-)), beobachte ich sie gern. Ich habe schon stundenlang zugesehen, wie sie ihre Netze spinnen.

Ich habe bereits Spinnenohrringe besessen (wo sind die nur hingekommen?), ich habe eine schöne riesige Straßspinnenbrosche, die aber ein Bein verloren hat :-( and bald hoffe ich meine Kollegen mit meiner neuen Perlenspinnenhaarklammer zu beeindrucken.

Als ich also diese Untersetzer von Auntifrannis Sunny Days Embroidery gesehen habe, war ich sofort hingerissen.


Wollt ihr das Coolste daran hören? Die Spinne leuchtet im Dunkeln! Da ich kein Schwarzlicht bekommen habe, habe ich schließlich beschlossen, Bilder im Dunklen zu machen. Ihr werden mir die Qualität (der Bilder!) vergeben, hoffe ich. Auf jeden Fall bekommt ihr eine Vorstellung davon.




Ich liebe meine Untersetzer so sehr, daß ich sie jetzt beinahe nicht benutzen will!

Schaut mal in Franni's Shop rein, sie hat noch soviel mehr coole Sachen. Ich weiß, daß
ich rechtzeitig für Weihnachten nochmal vorbeisehen werde!