Eine kleine Warnung voraus - ich habe eine komplizierte Beziehung zu Agatha Christie, über die ich schon zuvor gesprochen habe.
Ich bin keine Anhängerin ihres Stils und obwohl ich im Laufe meines Lebens so einige ihrer Bücher gelesen habe, habe ich jetzt endgültig aufgegeben.
Ich habe aber auch gesagt, daß ich ihre Handlungen (die meisten) mag und daher Verfilmungen ihrer Bücher bevorzuge. Nicht alle davon jedoch und nicht alle aus denselben Gründen - und das bringt mich zu den vier Miss Marple-Filmen mit der wundervollen Dame Margaret Rutherford.
Sie waren meine Einführung in Agatha Christie als Kind und es ist immer schwer, warme Erinnerungen wie eine robuste alte Lady, die Verbrechen bekämpft und einen trotzdem zum Lachen bringt, zu übertreffen.
Tatsächlich laufen die Filme ja an Feiertagen hier noch im Fernsehen, manchmal zwei davon, aber letzte Ostern waren es alle vier ... und obwohl ich die DVD-Box habe, schaue ich sie an, wenn ich sie im Fernsehen erwische. Immer.
Ich liebe Rutherfords Miss Marple.
Christie-Puristen werden zweifelsohne schockiert sein - es scheint eine endlose Diskussion zu sein, welche Miss Marple die beste ist - und natürlich haben sie recht, wenn sie sagen, daß Rutherford ganz und gar nicht wie die Jane aus den Büchern ist und daß die Filme den Büchern nicht folgen! Sogar Christie war dagegen! Schande!
Ich verstehe es ja. Rutherford selber zögerte des Themas wegen, die Rolle zu übernehmen. Ich kann selber eine ausgesprochen nervige Puristin sein, wenn es um Bücher und Verfilmungen geht, aber in diesem Fall ist mir das sowas von egal (und vergessen wir doch nicht Christies Widmung in "Mord im Spiegel" - "Für Margaret Rutherford, in Bewunderung" - nachdem sich die beiden Frauen kennengelernt hatten.
Nur die Musik zu hören macht mich schon glücklich.
Wie erwähnt gab es vier Filme.
"16 Uhr 50 ab Paddington" von 1961 beruht auf dem gleichnamigen Buch.
Im Buch wird Miss Marples Freundin Mrs McGillicuddy Zeugin eines Mords in einem vorbeifahrenden Zug. Die Polizei kann keine Leiche finden, also bittet sie Miss Marple um Hilfe, diese schickt Lucy Eyelesbarrow, eine freiberufliche Haushälterin nach Rutherford Hall, wo sie die Leiche vermuten.
Miss Marple wird im englischen Buch (ich habe die deutsche Übersetzung nicht vorliegen) als "an elderly, frail old lady" beschrieben, eine ältliche, zerbrechliche alte Dame (ältlich und alt?)
Der Film ignoriert Mrs McGillicuddy und Lucy. Miss Marple wird Zeugin des Mords, sucht dann zusammen mit dem Dorfbibliothekar Mr Stringer (von Rutherfords Eheman Stringer Davis gespielt) die Gleise ab und nimmt eine Stellung als Haushälterin in Ackenthorpe Hall an, um die Angelegenheit persönlich zu übernehmen.
"Der Wachsblumenstrauß" von 1963 basiert auf dem gleichnamigen Buch".
Das passiert im Buch - nach dem Begräbnis von Richard Abernethie gibt seine Schwester Cora einen Kommentar darüber ab, daß er ermordet wurde. Am nächsten Tag wird Cora tot aufgefunden und der Familienanwalt bittet Hercule Poirot darum zu ermitteln.
Das ist richtig, es ist ein Poirot-Roman.
Im Film sind es Miss Marple und Mr Stringer, die Zeugen vom Tod des alten Mr Enderby werden, und es ist Miss Marple, die Coras Leiche findet und daraufhin im Reiterhotel "Gallop", wo alle Erben und Erbinnen versammelt sind, ermittelt.
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| Ja, ich hatte mich darüber beschwert, daß Angela Lansburys Miss Marple raucht, aber Rutherfords tanzende Miss Marple nehme ich jederzeit! 😍 |
"Vier Frauen und ein Mord" von 1964 beruht ebenfalls auf dem gleichnamigen Buch (nur die englischen Filmtitel wichen von den Buchtiteln ab).
Nach der Verurteilung von James Bentley für den Mord an seiner Hauswirtin Mrs McGinty kommen Superintendent Spence Zweifel an dessen Schuld und er bittet Poirot, sich in dem Dorf, wo es geschehen ist, umzuhören. Die Krimiautorin Ariadne Oliver ist ebenfalls dabei.
Oh, noch ein Poirot-Roman.
Keine Sorge, im Film kann Miss Marple den Fall genauso gut lösen, wie er das könnte. Hier ist sie die einzige Geschworene, die Zweifel hat und daher eine Verurteilung verhindert. Nachdem sie in Mrs McGintys Haus Informationen findet, die zu einem Theaterensemble führen, beschließt sie, dieses zu infiltrieren ...
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| Miss Marple stellt sich mit "The Shooting of Dan McGrew" vor, einem Gedicht, das Rutherford auch im echten Leben gern vortrug. Ich liebe ihre Capes - das waren ihre, keine Kostüme - und hätte wahnsinnig gern eins. Damit bin ich nicht allein! |
"Mörder Ahoi!" von 1964 beruht auf keinem Buch von Christie, sondern ist eine Originalgeschichte.
Miss Marple sitzt in einem Kuratorium für das Übungsschiff "Battledore". Einer der Kuratoren ist mitten in einer Besprechung tot zusammengebrochen und nachdem Miss Marple entdeckt, daß er vergiftet wurde, zögert sie nicht, sich das Schiff mal selber anzusehen, natürlich in vollem Seemannskostüm!
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| Mr Stringer hatte einen kleinen Schock, aber Miss Marple ist natürlich vorbereitet |
Eine typische Christie-Miss Marple? Für mich ist das zweifellos Joan Hickson (die übrigens einen Auftritt als die Tageshilfe auf Ackenthorpe Hall hat).
Die Miss Marple, die am meisten Spaß macht? Mit Abstand Margaret Rutherford.
Wenn ihr einen Christie-Krimi und nichts darüber hinaus erwartet, sind die Filme nichts für euch. Ignoriert den Namen Marple und ein Genuß wartet auf euch.
Obwohl Rutherford 72 war, als der letzte Film erschien, - ein Grund dafür, warum es nicht noch mehr gab - ist sie keine "ältliche, zerbrechliche alte Frau". Sie hat eine Riesenpräsenz und füllt den Bildschirm aus. Sie ist eine sture und exzentrische Miss Marple, die keine Angst hat, ihre Meinung zu sagen, und die sie nicht einfach von Polizei, Verdächtigen oder Mördern einschüchtern läßt.
Daß (Chef)inspektor Craddock - ebenfalls eine Erfindung der Filme - immer wieder Zweifel an ihr hat, spornt sie nur noch mehr an, die Rätsel zu lösen, die er nicht mal erkennt. Schließlich hat sie Hunderte von Krimis gelesen und ist mehr als vorbereitet. Ihr Erfolg bestätigt das. Warum die Polizei sie sich nicht längst als Beraterin geschnappt hat, verstehe ich nicht.
Mr Stringer läßt sie nie im Stich, obwohl er nicht so viel Courage wie seine furchtlose Anführerin hat. So wie Rutherford ihren Ehemann nicht im Stich gelassen hat, indem sie darauf bestand, daß er an ihrer Seite spielte. Kein Mr Stringer in den Büchern, die Rolle wurde speziell für Stringer Davis kreiert.
Im Laufe der Filme erhalten wir auch Einblicke in Miss Marples Vergangenheit. Sie kann soviel mehr als nur stricken (in allen Filmen sieht man sie nur einmal dabei, obwohl sich der Inspektor einmal auch fast auf ihre Strickarbeit setzt).
Beim Golfspielen auf dem Grund von Ackenthorpe Hall: "Ich habe schon einmal die Golfmeisterschaft der Damen gewonnen im Jahre 1921."
Als sie den vintage Sattel ihrer Mutter im Reiterhotel vorzeigt: "Sie müssen wissen, daß ich zu meiner Zeit viel geritten bin. Junior-Silbersporen Brockbrook 1910."
Beim Analysieren der Schnupftabakreste des toten Kuratoren mit dem "Slogums Advanced Chemistry Set for Girls": "Strychnin."
Beim Degenkampf mit dem Mörder auf der "Battledore": "Ich war nämlich nationale englische Fechtmeisterin im Jahre 1932."
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| Ist es ein Wunder, daß sich die Männer links und rechts in sie verknallen? Das ist kein Witz, aber diesmal gibt's keine Spoiler. |
Die meisten scheinen darin übereinzustimmen, daß "16 Uhr 50 ab Paddington" der beste der Filme ist und danach "Der Wachsblumenstrauß". Bei den beiden anderen gibt es geteilte Meinung.
Ich stimme zu, was die beiden ersten angeht, aber im Gegensatz zu anderen ziehe ich "Mörder Ahoi!" "Vier Frauen und ein Mord" vor, der nicht schlecht, meiner Meinung nach aber nicht so charmant ist.
Margaret Rutherford ist jedoch in allen einfach wunderbar. Wie sie in "Mörder Ahoi!" sagt: "Ich bin immer auf der Höhe, was auch passieren mag." Wer würde ihr das nicht glauben?
(Das englische Original gefällt mir allerdings besser "I am always myself. Hmpf.")
Warum holt ihr euch nicht einfach was Heißes zum Trinken, eine Decke, macht es euch auf eurer Couch bequem und schaut es euch selber an?
Quellen/weitere Lektüre (englischsprachig):
1. Diana und Connie Metzinger: The Miss Marple Mysteries with Margaret Rutherford. Auf: Silver Scenes, 17. März 2014
2. Ginny Kaczmarek: A Margaret Rutherford moment. Auf: Ginny Kaczmarek, 7. Dezember 2021
3. Jack Buckley: Remembering Margaret Rutherford: murder on and off screen. Auf: Seen and Heard International, 18. April 2020
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.













































