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Donnerstag, 10. September 2026

Stummfilme - Mighty Like a Moose

Letzte Woche habe ich über eine Affäre gesprochen, die für jemanden ein tragisches Ende fand, die heutige Affäre ist ganz anders.
Wenn ich euch sage, daß Charley Chase hier dabei ist, erinnert ihr euch vielleicht daran, daß er für Komödien bekannt war. Ich denke, nach dem Drama der letzten Woche, haben wir eine solche verdient.
Hier ist "Mighty Like a Moose" von 1926 (scheint, ich stecke gerade in diesem Jahr fest, aber das ist reiner Zufall!).


Beginnen wir mit der Handlung (Spoileralarm!).

Mr. Moose hat vorstehende Zähne und Mrs. Moose hat eine große Nase.


Die Nachbarskinder - kein Respekt. Ich mußte dieses Bild einfügen, weil es mich an die Szene aus "Fröhliche Weihnachten" erinnerte, in der die Kinder ihrer Lehrerin einen Streich spielten, indem sie falsche vorstehende Zähne trugen (aus Wachs, wie man in dem Buch lesen kann, das den Film inspirierte ... ich schweife ab, sorry).


Mr. und Mrs. Moose haben beide seit Monaten gespart, um ihre Ehepartner mit einem Facelift zu überraschen - et voilà.


Mr. Mooses Zahnarzt läßt ein Vorher-Nachher-Bild machen und gibt seinem Patienten außerdem falsche Zähne, damit seine Familie ihn noch erkennen kann. Außerdem lädt er ihn auf eine Party ein, aber Mr. Moose lehnt ab, da er verheiratet sei.
Dann begegnet er Mrs. Moose im Flur, sie erkennen sich jedoch gegenseitig nicht und beginnen einen Flirt, also lädt er sie zur Party ein. Beide fühlen sich nicht gut dabei, ihre Ehepartner zu hintergehen, aber andererseits können sie nicht widerstehen, nachdem sie die Auswirkungen ihrer jeweiligen Operationen gesehen haben
.


Sie kommen getrennt zu Hause an und bemerken sich anfangs auch nicht, indem sie eine Art "Tanz" um einander herum aufführen - einer kommt in den Raum, wenn die andere gerade herausgeht.
Auf der Party versucht Mr. Moose einen Tanz mit seinem Date zu erhaschen, aber stattdessen wird sie ihm quasi entrissen, während er zu einem Tanz mit einer Dame gebeten wird, die nur die Polka kann (leider habe ich es nicht geschafft, einen Screenshot zu bekommen, der wirklich zeigt, wie witzig dieser Tanz ist).
Was niemand weiß ist, daß die Polizei schon darauf wartet, eine Razzia auf der Party durchzuführen, da sie den Doktor des Alkoholbesitzes verdächtigen (Prohibitionszeiten!), sie "verhaften zur Übung alle".
Mr. Moose hat die Polizisten entdeckt und warnt Mrs. Moose. Sie drehen sich beide herum, mit dem Ergebnis, daß die Polizei ein Bild von ihnen macht. Ihr erinnert euch, sie wissen nicht, daß sie ein Ehepaar sind.


Daheim ist Mr. Moose überrascht, als sein Date kurz nach ihm sein Haus betritt. Er hört, wie sie dem Mädchen von der Operation erzählt, und ist schockiert, daß seine Frau ihn hintergangen hat. Also sagt er Mrs. Moose als ihr Date, daß er nicht ohne sie leben kann, kommt dann mit den falschen Zähnen zurück, und schließlich täuscht er einen Kampf zwischen "dem Date" und "dem Ehemann" vor (mit Hilfe eines pendelnden Stiefels).


Unglücklicherweise für ihn hat Mrs. Moose die Zeitung gefunden, in der auch das Vorher-Nachher-Bild ihres Mannes ist. Als sie ihn dafür schlägt, daß er versucht hat, sie mit dem falschen Kampf zu täuschen, verliert er die falschen Zähne.
Wo sind sie? Oh, gefunden!


Verwechslungen sind schon lang eine Grundlage für Komödien. Als also ein Blogger schrieb, daß er nicht versteht, wie sie sich gegenseitig nicht erkennen konnten, brachte mich das zum Lachen.
Mein Lieblingsbeispiel - Clark Kent/Superman. Aus irgendeinem seltsamen Grund wissen Leute immer noch, wer ich bin, selbst ohne meine Brille.
Wenigstens erfahren wir, daß Mrs. Moose sich auch neue Kleider gekauft hat, die ihr Mann noch nicht kennt.

Ich war außerdem vom unmittelbaren Erfolg der OPs entzückt. Keine Verbände, keine Spuren, keine Schmerzen, die zwei hüpfen aus den Behandlungsstühlen und alle sind glücklich.
Wünschten wir uns nicht, daß es wirklich so einfach wäre?
Falls ihr euch übrigens fragt, Nasen-OPs gibt es schon ganz schön lange - zum ersten Mal um 600 v. Chr. in Indien. Im Westen wurden sie im späten 19. Jahrhundert wirklich populär und wurden später nicht nur rein für die Ästhetik durchgeführt, sondern auch um Männern zu helfen, die im Krieg verwundet wurden.

Der Kampf, den Mr. Moose mit sich selber führte, war natürlich auch nicht realistisch, vor allem am Ende, als er sekundenschnell die Identitäten wechselte und immer von derselben Seite kam.
All das war clever geschnitten, nur Superman hätte so schnell sein können.

Ist das alles aber irgendwie wichtig? Natürlich nicht!
Der gesamte Film nutzte die wundervolle Choreographie, um das Publikum zum Lachen zu bringen, und bei mir hat das sowas von gut geklappt.
Ich hatte auch Spaß mit den witzigen Zwischentiteln. Mein Favorit war der, als Mr. Moose ins Haus kommt und von seinem Hund attackiert wird, der ihn mit den neuen Zähnen nicht erkennt, sodaß er die falschen einsetzen muß
.


Das ist natürlich eine Anspielung auf EMI's Nipper, der "His Master's Voice", der Stimme seines Herrn zuhört (schaut euch meinen Post über Nipper an, falls ihr nicht wißt, wovon ich spreche).

Schlußfolgerung - ist der Film realistisch? Nein. Ist er witzig? Sowas von!
Für mich sogar so witzig, daß ich laut lachen mußte.
Bis jetzt mochte ich jeden Charley Chase-Film, den ich gesehen habe, und ich freue mich darauf, mehr davon zu erforschen
.


Weitere Lektüre:

Fritzi Kramer: Mighty Like a Moose (1926) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 27. April 2014



Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 3. September 2026

Stummfilme - Es war

Dies ist nicht das erste Mal, daß ich einen Film vorstelle, der auf einem Buch des deutschen Dramatikers Hermann Sudermann (siehe hier), aber es ist das erste Mal, daß ich einen für euch mit Greta Garbo und John Gilbert in den Hauptrollen habe. Interessiert?
Macht euch bereit für "Es war" von 1926.


Hier die Handlung (mit Spoilern!)

Ulrich von Eltz, seine Schwester Hertha und Leo von Harden sind seit ihrer Kindheit befreundet.
Ulrich und Leo dienen zusammen als Soldaten in einem Husarenregiment.
 

Als sie auf Heimaturlaub sind und aus dem Zug steigen, um Hertha (die verzweifelt in Leo verliebt ist) und Leos Mutter zu treffen, verliebt sich Leo in eine Frau, die ebenfalls den Zug verlassen hat.


Er trifft sie auf dem ersten Ball der Saison wieder und sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre.
Leider "vergißt" Felicitas, Leo zu sagen, daß sie verheiratet ist, und ihr Ehemann überrascht die beiden und fordert Leo zum Duell, um aber einen Skandal zu vermeiden, wird als offizieller Grund dafür ein Streit beim Kartenspiel genannt.
Leo erschießt Graf von Rhaden und erhält vom Militärgericht den Rat, sich für fünf Jahre für den Dienst in Afrika zu verpflichten.
Er bittet Ulrich, sich um Felicitas zu kümmern, während er fort ist. Ulrich besucht Felicitas und verliebt sich sofort in sie, von der Affäre mit Leo weiß er nichts. Als er ihr seinen Rat anbietet, ist sie nicht interessiert, als sie aber hört, daß er reich ist und "sein Geldbeutel Leo gehört", hat er ihre Aufmerksamkeit.


Leo darf nach drei Jahren wieder zurückkehren. Natürlich eilt er nach Hause, ist aber schockiert, als er am Bahnhof von Ulrich und seiner Frau willkommen geheißen wird - Felicitas.
Er ist entschlossen, beiden von nun an aus dem Wege zu gehen, kann aber nicht wegbleiben, als ihm Felicitas sagt, wie sehr Ulrich unter der Abwesenheit seines Freunds leidet.


Felicitas versucht immer wieder, Leo zu verführen, und obwohl der Pastor eine flammende Predigt an sie richtet, können sie schließlich nicht widerstehen und beschließen, in dieser Nacht zusammen fortzugehen.


Felicitas hat gepackt und wartet auf Leo, aber Ulrich kommt früher als erwartet von einer Reise zurück. Er macht seiner Frau ein teures Diamantenarmband zum Geschenk, und als Leo eintrifft, um sie mitzunehmen, läßt sie ihn wissen, daß sie nicht tapfer genug ist zu gehen, und fragt, warum sie nicht einfach bleiben und so weitermachen können?


Leo ist von der Vorstellung angewidert und versucht sie zu erwürgen, als Ulrich hereinstürmt (in dem anderen Film nach Sudermann haben wir übrigens ebenfalls eine Würgeszene). Felicitas behauptet, daß Leo sie zwingen wollte, mit ihm fortzugehen, und sie nach ihrer Ablehnung gewürgt hat. In tiefem Zorn fordert Ulrich Leo zu einem Duell am Morgen.
Am nächsten Morgen - die Männer sind bereits auf dem Weg zur Freundschaftsinsel, wo sie als Kinder Blutsbrüder geworden sind - verschafft sich Hertha Zugang zu Felicitas' Zimmer und beschwört sie, das Duell zu verhindern.


Ulrich warnt Leo, daß er schießen wird, um ihn zu töten, aber Leo hebt nur die Pistole, ohne auf Ulrich zu zielen, und plötzlich wird seinem Freund klar, daß Leo Felicitas sogar schon vor ihm geliebt hat. Sie wissen jetzt, daß ihre Freundschaft wichtiger ist als sich wegen einer Frau zu zerstreiten.


In der Zwischenzeit hat Felicitas Herthas Flehen nachgegeben. Auf ihrem Weg zur Insel tritt sie jedoch auf dünnes Eis und ertrinkt, ohne daß jemand ihre Hilferufe hört.



Wow.
Um ehrlich zu sein, ich hatte schon Augenrollen erwartet, da diese Art Handlung gewöhnlich für mich zu dramatisch ist, und von den Bildern her denkt ihr vielleicht das gleiche.
Das ist nicht überraschend, denn Sudermanns Roman, auf dem der Film basiert, von 1894 ist, und nachdem ich einige Erfahrung mit alten "Engelhörnchen"- oder Abenteuerromanen habe, die sich mit Militär-, Studenten- oder Western-Bromances befassen, war ich vorbereitet. Es gibt eine Menge Umarmungen.
 

Meine beste Freundin und ich hatten nie den
Mut, "Blutsschwestern" zu werden, vielleicht
hätte uns eine Skulptur wie diese dabei geholfen ... 😉


Es ist recht seltsam, aber ein Teil von mir verspürt den Drang, mich über den Film lustig zu machen, wegen seines Dramas, seinem übertriebenen Spiel in manchen Szenen (ich fand wirklich, daß Garbo es in der Szene mit Hertha zu weit trieb), der heldenhaften Bromance und auch wegen einiger der komischen Szenen, zum Beispiel mit dem zechenden Pastor.

Ein anderer Teil von mir ist nicht glücklich über die für diese Zeit typische Frauenfeindlichkeit.
Felicitas ist die Böse im Film und sie ist zweifellos die große Manipulatorin, aber es scheint, daß ihr die komplette Schuld zugeschoben wird, weil sie eine Frau war, und ich fand das nicht ganz fair.
An einer Stelle sagt der Pastor zu Leo: "Mein Junge, wenn uns der Teufel nicht durch den Geist erreichen kann ... erschafft er eine Frau, die schön genug ist, uns durch das Fleisch zu erreichen." (daher auch der englische Titel "Flesh and the Devil").
Was Leo natürlich sofortige Absolution davon gibt, der Versuchung nachzugeben, selbst nachdem Felicitas ein zweites Mal verheiratet ist. Mit seinem besten Freund. Dem er nicht von dem wahren Grund für das erste Duell erzählt hat. Seinem besten Freund, seinem Blutsbruder. Ich frage mich, warum er es ihm nicht erzählt hat? Hat er sich geschämt? Nicht genug jedoch, um den Fehler nicht zu wiederholen? Denn Eva, sorry, Felicitas war "schön genug" (was ich an sich schon für eine Beleidigung für Frauen halte).

Es gab ein paar Szenen, die uns zeigen, wie böse Felicitas war (so sehr, daß sie am Schluß sterben mußte).
Wir bekommen das erste Duell nicht komplett zu sehen, wir wissen erst, daß Graf von Rhaden gestorben ist, als seine Witwe mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen schwarze Hüte aufprobiert.
Als der Pastor seine anklagende Predigt hält, schaut sie ihn nur an und frischt langsam ihren Lippenstift auf. In der Kirche!
Beim Abendmahl dreht der Pastor den Kelch mit dem Wein für jede Person etwas weiter, aber sie dreht ihn bewußt zurück, um ihre Lippen auf dieselbe Stelle zu pressen wie Leo.


Vielleicht erwartet ihr jetzt, daß ich sage, ich mochte den Film nicht, aber damit würdet ihr falschliegen. Mir ist all das aufgefallen, und ja, hier und da wurde etwas mit den Augen gerollt, aber im ganzen habe ich den Film wirklich genossen und der Hauptgrund dafür ist Garbo.
Es ist nicht schwer zu erkennen, wie dieser Film ihr Durchbruch wurde.
Sie spielt die Femme Fatale wundervoll und ihre Szenen mit Gilbert - die recht sinnlich ist - profitierten von ihrer aufblühenden Beziehung, die bei Dreh des Films begann (was für das Publikum natürlich äußerst interessant war).
Garbo arbeitete weiterhin mit dem Regisseur Clarence Brown und dem Kameramann
 William H. Daniels, wenn ihr den Film anschaut, werdet ihr verstehen warum. Das Licht, die Stimmung, es war die perfekte Bühne für sie - und für die ganze Geschichte.

Countdown des ersten Duells

Ich habe den Film mit der Musik von Carl Davis gesehen (ihr kennt seine Arbeit vielleicht von "Stolz und Vorurteil" mit Jennifer Ehle und Colin Firth), der eine Menge wunderschöner Stummfilmmusik geschrieben hat. Sie hat das Gesamtgefühl echt verstärkt.

Zeit für meine Abschlußworte - der Film bekommt von mir absolut eine Empfehlung.

P.S. Oh hey, ich habe fast vergessen, das alternative Ende zu erwähnen, das nicht benutzt wurde. Man sieht Ulrich und Leo bei Leos Mutter sitzen, als Hertha herauskommt, um ihnen mitzuteilen, daß sie nun, da sie 18 ist, nach München ziehen wird. Sie steigt in die Kutsche, aber Leo läuft hinterher. Er bringt sie dazu auszusteigen und da stehen sie nun, sich tief in die Augen schauend.
Ich bin froh, daß sie das nicht verwendet haben!

P.P.S. Übrigens hat sich bestimmt kein Deutscher um die deutschen Ausdrücke gekümmert ...



Weitere Lektüre (englischsprachig):

1. "JEC": Flesh and the Devil (1926). Auf: A Cinema History, Juni 2018
2. Brandie Ashe: Feminist Fridays: Flesh and the Devil (1926). Auf: True Classics, 10. September 2010


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 27. August 2026

Stummfilme - By Might of His Right

Ich habe erst vor ungefähr zwei Wochen von Mr. & Mrs. Sidney Drew erfahren.
Mr. und Mrs. Drew waren ein Komikerteam, das ... aber wartet mal, tatsächlich gab es zwei Mrs. Drews, Gladys Rankin und Lucille McVey. Nachdem Gladys starb, heiratete Sidney Lucille, die viele ihrer fast 150 Ehekomödien produzierte und auch mit Regie führte und schrieb.
Ich habe eine davon herausgepickt - willkürlich wie immer - und bin bei
 "By Might of His Right" von 1915 gelandet.
Sidney war übrigens der Onkel der Schauspieler Lionel, Ethel und John Barrymore, und Johns Enkelin is Drew Barrymore. Nun wißt ihr, wie sie zu ihrem Namen kam.


Erstmal die Handlung.

Als Henry von der Arbeit nach Hause kommt, stellt er fest, daß sie einen Hausgast haben, Lucilles Bruder, der Ferien hat (gespielt vom Charakterdarsteller Donald Macbride).
Er hat den ganzen Elan eines Collegeboys, rah-rah-rah eingeschlossen, was Lucille prächtig amüsiert, während Henry wirklich nur etwas Ruhe und Frieden möchte.


Pech gehabt.
Der Jüngling schüttelt Henrys Hand wie verrückt, er macht sich über seinen Hut lustig, bevor er sich draufsetzt, wird sehr vertraut mit dem Dienstmädchen, schnappt sich eine Zigarre von Henry, dann seine Zeitung und schließlich seinen Stuhl, ...
 

... bevor er an seinem ahnungslosen Schwager demonstriert, wie man einen Tackle und einen Knockout ausführt.
Am nächsten Morgen schiebt er sich Henrys Zigarettenetui in die Tasche und verkündet dann, daß er beabsichtigt, seine gesamten Ferien über dazubleiben!


Henry muß etwas unternehmen, um den jungen Mann loszuwerden. Er versichert sich der Unterstützung seines Freundes Tony Trexel, der in einem Boxstudio trainiert und ihm hilft, einen Boxer zu finden, der gegen 50 Dollar eine Niederlage vortäuschen wird (das sind heutzutage ungefähr 1600, man sieht also, wie verzweifelt Henry ist).
Zu Hause sagt er, daß Tony sie zu einer 
neuartigen Boxparty eingeladen hat.
Als sie dort sind, erfahren sie, daß "Knock'em Dead" Jones verhindert ist und ein Gegner für den "Battler" benötigt wird. Natürlich denkt Lucille sofort an ihren Bruder, aber plötzlich ist er nicht mehr so begeistert, wie er das daheim noch war.


Also erhebt sich zur Überraschung aller Henry. Nach einem köstlichen "Kampf", in dem die beiden sich erst nicht einmal berühren, "schlägt" Henry den "Battler" k.o.


Zurück daheim ist sein Schwager nicht mehr ganz so selbstbewußt. Tatsächlich hat er solche Angst vor Henry, daß er behauptet, seine Mutter hätte ihn zurückgerufen, seine Taschen packt und geht.


Henry hatte seiner Frau schon von seinem Bluff erzählt und sie brechen in Gelächter aus, als sich die Tür schließt.
Da ich selber eine große Schwester bin, macht das absolut Sinn für mich (obwohl man in einem Bild sieht, daß ihr kleiner Bruder ihr auch leid tut, aber nur ein bißchen!)



Drew selber hat gesagt: "Es gibt viele, die eher actionreiche Arbeit vorziehen, da es aber einen Bereich gibt, der den Anspruch an eine raffiniertere Intelligenz voll erfüllen kann, richten wir uns an diese Klientel" und mir hat das wirklich gut gefallen.
Henry benutzt sein Gehirn - okay, und eine Stange Geld - um seinen Hausgast loszuwerden. Er erteilt ihm eine Lektion darin, andere Leute, oder sollte ich sagen ältere Leute - nicht zu unterschätzen, ohne ihn zu sehr zu erniedrigen. Immerhin hätte er ihn in den Ring drängen können.

Obwohl dieser knapp 15 Minuten lange Film über 100 Jahre alt ist, denke ich, wir können uns alle irgendwie damit identifizieren. Es muß ja nicht immer ein Hausgast sein, der zu lange bleibt, es könnte zum Beispiel auch einfach jemand sein, der nicht kapiert, daß die Party vorbei ist.

Dies ist ein weiterer Film, der verloren geglaubt wurde, bis ein Abzug in Neuseeland auftauchte, der durch eine Partnerschaft des
 New Zealand Film Archive, der amerikanischen Archivgemeinschaft und dem National Film Preservation Foundation erhalten wurde.
Ich freue mmich darauf mehr von Mr. und Mrs. Sidney Drews Universum der Ehe zu erforschen.


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. By Might of His Right (1915). Auf: National Film Preservation Foundation. Preserved Films
2. Fritzi Kramer: By Might of His Right (1915) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 27. November 2023


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 20. August 2026

Stummfilme - Danse Macabre

Neue Woche, neuer Kurzfilm (tut mir leid, aber es ist immer noch zu heiß, und obwohl man während einer Fernsehserie mal ein bißchen die Augen zumachen kann, funktioniert das seltsamerweise nicht, wenn man einen Stummfilm anschaut ...).
Heute ist es ein experimenteller Film, oooh.
Hier haben wir "Danse Macabre" von 1922.


"Mitternacht im pestverseuchten Spanien -- Jugend und Liebe flüchten vor Tod, der ihren Spuren folgt -
Liebe spürt seinen unheimlichen Atem und fällt in Ohnmacht - - - Jugend verzweifelt und betet, - als schaut! - der Hahn der Dämmerung kräht und Tod in den Schatten seines Grabes verblaßt."

Die Skelette bewegen sich, bis sie die Titelworte formen.

Jugend und Liebe betreten einen Raum. Jugend entzündet eine Kerze und die Liebenden liegen sich in den Armen.


Wenn sie geglaubt haben, hier sicher zu sein, irren sie sich, denn Tod folgt ihnen bereits.


Jugend schenkt Liebe eine Stola und einen Fächer und sie tanzen miteinander.


Liebe beginnt die Nähe von Tod zu spüren. Sie fühlt sich schwach und bittet Jugend, die Fenster zu öffnen.


Sie tanzen weiter, aber Tod sucht sie immer weiter heim, bis Liebe ohnmächtig wird und Jugend sie auf ein Sofa legt.
Tod schleicht näher heran ...


Gerade rechtzeitig geht die Sonne zum Hahnenschrei auf ...


... und Tod weicht vor dem Licht zurück und schwindet, während Liebe in Jugends Armen wieder zu Kräften kommt.


Die Liebenden frohlocken, umarmen und küssen sich, sie sind sicher ...
 

... doch sind sie das wirklich?


Der "Danse Macabre" oder "Totentanz" ist eine Allegorie aus dem Spätmittelalter, die Menschen an die Zerbrechlichkeit des Lebens erinnert - jedermanns Leben, König or Arbeiter, Papst oder Kind.
1874 schrieb der französische Komponiste Camille Saint-Saëns eine Tondichtung mit diesem Titel.
Der unabhängige Regisseur Dudley Murphy und sein Kompagnon Claude MacGowan hatten eine Serie von "Visual Symphonies" geplant, bei denen die Filme klassische Musik interpretieren sollten, und begannen mit diesem Stück.
Große Kinos hatten früher Livevorführungen mit Musik und Tanz als Einführungen zu den Filmen, aber zu dieser Zeit war es noch schwieriger, Film und Musik perfekt zu synchronisieren, und obwohl erfahrene Musiker das hinbekommen hätten, hätte die Praxis für kleine Kinos nicht so gut funktioniert.
Obwohl der Film Aufmerksamkeit erregte, reichte es offensichtlich nicht aus, um die Serie weiterzuführen.

Das ist schade, denn wenn "Danse Macabre" ein Beispiel ihrer Vision war, wäre es großartig gewesen zu sehen, was sie sonst noch fertiggebracht hätten.
Die Darsteller sind die Ballettänzer und Choreographen Adolph Bolm (Jugend) und Ruth Page (Liebe, sie war Bolms Schülerin), Tod wird vom Charakterschauspieler Olin Howland verkörpert.
Wie ihr an den Bildern sehen könnt, ist der Kurzfilm eine Mischung aus Animations- und Realfilm, und ehrlich, er ist wirklich sehr cool. Ich hatte ihn willkürlich aus einer Playlist von Kurzfilmen ausgewählt und bin so froh darüber, weil ich Saint-Saëns' "Danse Macabre" schon vorher geliebt habe und diese Interpretation liebe.


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Rob Johnson: Danse Macabre 1922. Auf: The Devil's Manor, Juli 2012
2. Fritzi Kramer: Danse Macabre (1922) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 18. Juli 2022


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 13. August 2026

Stummfilme - Namakura Gatana

Nicht das erste Anime, aber einer der frühesten überlebenden japanischen Animationsfilme ist der Kurzfilm, den ich heute mitgebracht habe. Es ist "Namakura Gatana" ("The Dull Sword" = "Das stumpfe Schwert") von 1917.
 

Die Handlung ist sehr schnell erzählt, da der Film in der längsten verfügbaren Version nur 4 Minuten läuft (es gibt inzwischen eine 5 Minuten-Version).

Ein Samurai prüft sein Schwert auf Schärfe.


Er geht zum Schwertschmied "Stumpfes Schwert", wo er sogar ein Problem damit hat, sein Katana in die Scheide zu schieben. Kein sehr schlauer Samurai.
 

Auf dem Rückweg beschließt er, es an Leuten auszuprobieren, die er zufällig trifft (zum Glück kann er sie nicht verletzen und kriegt stattdessen selber eins drauf) - zuerst einem Blinden, der Flöte spielt (einen Blinden von hinten anzugreifen, Schande über ihn) ...
 

... dann einen Reisenden, der direkt über ihn trampelt, nachdem er ihn besiegt hat.


Als er versucht aufzustehen, indem er sich auf das Schwert stützt, verbiegt es völlig, was ihn so wütend macht, daß er es wegwirft
.


Für ein heutiges Publikum sieht das wie ein sehr seltsamer kleiner Film aus. Nicht nur ist die Idee eines Samurais, der bereit ist, sein Schwert an ahnungslosen Leuten auszuprobieren, ziemlich unfaßbar, sondern es ist auch eine Menge komisches Augenrollen dabei und die Augenbrauen gehen wild auf und ab.

Ich habe es schon mehr als einmal gesagt. Dieser Film ist fast 110 Jahre alt.
Einer Reuters-Story über den Fund dieses Kurzfilms und eines anderen zufolge wurden US-amerikanische und europäische Animationsfilme in Japan zum ersten Mal um 1914 herum gezeigt.
Ich verstehe einfach nicht, warum es immer Leute gibt, die versuchen, Werke aus dieser Zeit an modernen Maßstäben zu messen.
Tatsächlich war ich überrascht, wie flüssig die Animation ist.
Es gab auch Leute, die sich darüber beschwerten, daß es keinen Ton gibt ...
Etwas, das ich bisher nicht wußte, ist, daß es im japanischen Stummfilm Standardpraxis war, einen "benshi" oder Filmerzähler zu haben, was der Grund dafür sein könnte, daß es so wenig Zwischentitel gibt. Wer weiß, vielleicht verpassen wir einen köstlichen Austausch zwischen dem Samurai und dem Schwertschmied.

Der Film galt als verschollen, wurde aber 2007 bei einem Antikmarkt in Osaka zusammen mit einem anderen Film verkauft. Was für ein Fund!
Ihr wißt, wie aufregend ich solche Geschichten finde!


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Catherine Munroe Hotes: The Dull Sword 
(なまくら刀, 1917). Auf: Nishikata Film Review, 13. März 2017
2. National Film Archive of Japan: The Dull Sword. Auf: Japanese Animated Film Classics


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 6. August 2026

Stummfilme - Der blaue Vogel

Ich hatte schon früher von dem blauen Vogel des Glücks gehört, gesehen, wie er Schmuck und Kunst inspiriert, habe sogar ein Lied gefunden, aber ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals eine Ursprungsgeschichte gehört zu haben, außerdem schien mir, daß er in Deutschland nicht so bekannt war. Woher kam der blaue Vogel des Glücks? Es scheint, daß das Symbol in vielen Kulturen zu finden ist.
Auf jeden Fall habe ich heute für euch
 "Der blaue Vogel" von 1918. Schnallt euch an, das wird eine wilde Fahrt.


Fangen wir wie üblich mit der Handlung an (Spoileeer!).

Es war einmal eine ärmliche Familie - Daddy Tyl, Mummy Tyl, ihr Sohn Tyltyl und ihre Tochter Mytyl.
Auf der anderen Straßenseite war das Haus der reichen Kinder und in der Nähe die Hütte der armen Nachbarin Berlingot und ihrer kleinen Tochter.
Berlingot hat ihrer Tochter vom Vogel des Glücks erzählt und das kranke Mädchen denkt, daß sie vielleicht auch glücklich wäre, wenn sie Mytyls Vogel hätte. Mytyl lehnt es jedoch ab, ihr ihren Vogel zu geben - was ich ehrlich gesagt für ein Kind nicht so ungewöhnlich halte.

Eeeenttäuscht!

In der Nacht schauen die zwei Kinder bei der Feier zu, die im Haus der reichen Kinder stattfindet, und denken sich, wie schön es wäre, aus Spaß statt aus Hunger zu essen, als Berlingot hereinkommt und fragt, ob sie "den Vogel, der blau ist", haben. Aber ist es Berlingot? Nein, es ist tatsächlich die Fee Bérylune, die ihnen sagt, daß sie sich auf die Suche nach dem blauen Vogel des Glücks machen müssen. Sie gibt Tyltyl eine Samtkappe. Den Diamanten darauf zu drehen wird den Kinder das Innere von Dingen zeigen.

Ich bin eine Fee und ich erschrecke gern mitten in der Nacht
Kinder, damit sie mit mir auf eine magische Mission gehen.

Tyltyl dreht den Diamanten und die Dinge zeigen ihre wahre Seele - Brot, Milch, Wasser, Feuer, Licht, Zucker, die Familienkatze und der Hund, sie alle werden die Kinder begleiten.

Abflug!

Es ist eine gefährliche Mission und als die Katze fragt, meint Bérylune, daß der Tod auf alle wartet, die mit den Kindern gehen. Toll. Das nenne ich mal Motivation. Ich bin nicht überrascht, daß die Katze nicht glücklich ist.

Tja, ja, ihr werdet alle sterben. Findet euch damit ab.

Als erstes halten sie bei Bérylunes Palast an - den sie von dem verstorbenen Herrn Blaubart geerbt hat (wenn sie eine Verwandte von ihm ist, könnte das den sicheren Tod am Ende der Reise erklären).
Die Katze nutzt die Gelegenheit und versucht die anderen "Dinge" zu überzeugen, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, das Auffinden des Vogels zu verhindern, auch wenn das das Leben der Kinder gefährdet. Der Hund droht, die Katze erst zu erwürgen und dann zu verpfeifen.
Ich habe es echt satt, daß Katzen so oft zum Bösewicht gemacht werden, distanziert, verräterisch, selbstsüchtig oder was auch immer genannt werden. Ich sag's nur. In meinen Augen half es dem Film nicht, denn ich habe auch sein Makeup gehaßt, das ihn echt gemein aussehen ließ.
Okay, zurück zur Handlung.

Die Gruppe besucht verschiedene Paläste, um nach dem blauen Vogel zu suchen ...
- den Palast der Nacht (sehr cool, da gibt es Geister)
- den Friedhof der glücklichen Toten (wo sie nicht nur ihre toten Großeltern treffen, sondern auch ihre toten Geschwister, sieben an der Zahl!)
- den Palast des Glücks (mit den Luxuriösen, wie zum Beispiel Schläft-Mehr-Als-Notwendig, aber auch den Freuden, von den beinahe alle seltsamerweise durch junge Damen in ätherischen aber recht knappen Outfits (siehe unten) repräsentiert werden, mit Ausnahme der Freude der mütterlichen Liebe)
- im Königreich der Zukunft, wo wir die Kinder finden, die darauf warten, geboren zu werden (ein künftiges Tyl-Kind inklusive, ich wünschte, sie hätten uns seinen Namen gesagt) und wir sehen, wie ihre Mütter auf sie warten,
 

aber den richtigen Vogel finden sie nirgendwo.

Das Oberste Glück zeigt den Kindern das Glück der Reinen
Luft, das Glück des Frühlings, die Freuden der Reinen
Gedanken, die Freude von Wald Wiese und Tal, das Glück
die Sterne aufgehen zu sehen und das Glück zu lieben.

Also sagen sie Lebwohl zu den "Dingen", deren Seelen nun wieder unsichtbar für sie sein werden, während der Hund die Katze verprügelt, ist ja klar, und kehren nach Hause zurück, nur um festzustellen, daß ihr Vogel viel blauer als vorher aussieht. Der blaue Vogel war die ganze Zeit in ihrem eigenen Heim!
Oh, und falls ihr euch fragt, Bérylune ist ja so ein Scherzkeks! Niemand ist gestorben, es sei denn, ihr zählt, daß die meisten von ihnen in den unbelebten Zustand zurückkehren.
Natürlich geben sie der Witwe Berlingot den Vogel für ihre Tochter und es macht sie "so glücklich, so glücklich"! Die Witwe kommt mit ihrer Tochter zurück, die ebenfalls so glücklich ist ... bis der Vogel auf einen hohen Baum abhaut.
Tyltyl tröstet sie, indem er ihr sagt, daß es ausgereicht hat, den Vogel zu finden und ihn im Herzen zu behalten, bevor er die vierte Wand durchbricht und dem Publikum sagt, daß sie nach dem Vogel "zuerst in eurem eigenem Heim suchen sollen, WO ER AM EHESTEN ZU FINDEN IST!".
Ähm, ich reagiere echt nicht gut darauf, wenn mich Leute anschreien, aber okay.


Vielleicht habt ihr gemerkt, daß der Film nicht komplett mein Ding war.
Ich bereue nicht, ihn angeschaut zu haben. Es sind wunderschöne Bilder in dem Film, die es das wert machten. Manche davon waren atmosphärisch, traumartig, und erinnerten mich an den viktorianischen Feenhype (wahrsheinlich rein wegen der Anzahl an tanzenden und hüpfenden Frauen). Wie ihr sehen könnt, ist auch die Färbung wirklich schön und trägt zum romantischen Gefühl bei.
Ich mochte auch die Tricks, die an
 Méliès erinnerten, das tanzende Feuer, das Wasser, das aus dem Wasserhahn rann, oder die Milch vom Tisch, bevor sie zu Menschen wurden.
Und ihr wißt wahrscheinlich inzwischen, daß ich das Bizarre interessant finde.

Wovon ich allerdings kein großer Fan bin ist, wenn man mir ohne jegliche Feinheit Moral an den Kopf wirft.
Nicht daß an der Botschaft an sich etwas falsch wäre. Reine Luft, Frühling und durch den Wald tanzen hört sich völlig in Ordnung an, aber im Grunde sagt man uns, daß wir mit dem zufrieden sein sollen, was wir haben, egal wie wenig es ist. Und die Tyls und Berlingot haben echt wenig, während die reichen Kinder auf der anderen Straßenseite das Gesicht vollstopfen, und das fand ich einfach nicht gut. Und natürlich die Katze. Das hat mich echt geärgert.
Aber natürlich ist alles sehr symbolisch und eine Allegorie. Was an mich irgendwie verschwendet ist. Tut mir leid.

Der Film basiert auf einem Theaterstück von
 Maurice Maeterlinck, einem belgischen Stückeschreiber und Poeten, der 1911 den Literaturnobelpreis gewann.
Ich habe das Stück nicht gelesen und keine der anderen Verfilmungen gesehen (es scheint, die Version von 1940 mit Shirley Temple war recht beliebt?) und habe das auch nicht vor. Tatsächlich hatte ich "Der blaue Vogel" das erste Mal in Noel Streatfeilds "Ballet Shoes" erwähnt gesehen, das ich vor einer Weile gelesen habe, so fand ich auch den Film.

Würde ich empfehlen, ihn anzuschauen? Sagen wir mal, er ist eine Erfahrung, aber wenn ich es täte, dann nur für die Bilder und Atmosphäre und nicht die Geschichte. Oh, und ich fand die Musik zu der Version, die ich angeschaut habe, toll.


Ausgewählte Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Richard Hildreth: The Blue Bird. Essay auf: San Francisco Silent Film Festival 2004
2. Lea Stans: Obscure Films: "The Blue Bird" (1918). Auf: Silent-ology, 9. September 2017
3. Fritzi Kramer: The Blue Bird (1918) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 21. Februar 2016


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.


Eine letzte ernsthafte Frage - kann mir jemand das Design dieses Huts erklären? Gibt es einen Grund dafür, daß er so aussieht? Ist das wohl eine Anspielung auf eine übergroße phrygische Mütze, was denkt ihr?