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Donnerstag, 22. Oktober 2026

Stummfilme - Das verwunschene Haus

Haltet euch an euren Sitzen fest, meine Damen und Herrn, jetzt wird es echt gruselig.
Bitte begrüßt Mister Buster Keaton in "Das verwunschene Haus" von 1921!


Sind eure Nerven bereit für die Handlung (und Spoiler)?

Keaton ist Bankangestellter.
Und einer seiner Kollegen ist ein Gauner, der mit Falschgeld handelt und mit seiner Bande zusammen die Bank ausrauben und sich dann in gruseligen Verkleidungen in einem "Spukhaus" verstecken will.
Der Morgen geht seinen üblichen Gang, vorausgesetzt ihr zählt dazu, wenn Geld auf Klebstoff trifft.
Wenn ihr nun denkt, daß das nicht gruselig ist, scheint ihr meine toxische Beziehung zu Klebstoff vergessen zu haben. Ich schwöre, ich habe laut aufgeschrien, als ich das sah! 
😉

Klebstoff überall, auf Händen, dem
Boden, Hintern, Taschen und Haaren!

In dem Moment taucht die Bande auf und dank des Klebstoffs gelingt es Keaton fast, den Raub zu vereiteln, als ihn aber der Manager mit der Pistole sieht, jagen alle ihm nach.
Es gelingt ihm zu entkommen und sich unwissentlich in dem "Spukhaus" zu verstecken, aber aber er ist nicht der einzige. Eine Theatertruppe flüchtet von der Bühne, nachdem sie "Faust" völlig verhunzt haben und mit Gemüse beworfen werden - ratet mal, wo es sie hinverschlägt.


Also haben wir jetzt Buster, die Theaterleute und die Gangster im Haus, einer erschreckt den anderen.
Es ist nicht hilfreich, daß sich die Treppe immer wieder in eine Rutsche verwandelt, weswegen Buster Wege finden muß, damit er nicht immer wieder hinunterfällt.

GIF von nishaane auf Tenor

Das ist jedoch nicht die einzige Überraschung im Haus. Wir haben die explodierende Kerze, eine Falltür, den "lebenden" Stuhl und natürlich Geister, Skelette, die einen echten Mann zusammenbauen und den Teufel (Mephisto aus dem Theater)!


Keaton rennt und springt und klettert und fällt, aber dann findet er heraus, daß die "Gespenster" nur Männer in Bettüchern sind.
Und schließlich kommen auch der Bankmanager und die Polizei beim Haus an. Sie fallen durch die Falltür in den Keller und verhaften die ganze Bande dank Buster, der sich inzwischen ebenfalls als Gespenst verkleidet hat.


Bevor er weggebracht wird, schlägt der Boss unseren Helden jedoch auf den Kopf und er ist tot.
Zwei Engel zeigen ihm die lange Treppe in den Himmel, die er hinaufgeht ...


... wo ihm dann von Petrus der Zugang verweigert wird, der den Hebel zieht und die Treppe in eine Rutsche verwandelt ...


... direkt in die Hölle.



Ein Hilfsteufel macht sich daran, Buster mit einem brennenden Dreizack zu pieksen ... was ihn aufweckt, da es nur ein Traum war, das Feuer aber ist echt!
Die Tochter des Bankmanagers ist sehr glücklich, ihn am Leben zu sehen, und sie umarmen sich.




Der aus zwei Spulen bestehende Film (Laufzeit 24 Minuten) ist klar in zwei Teile aufgeteilt, die Bank und das Spukhaus.
Obwohl es in der Bank ein paar witzige Gags gibt, wie zum Beispiel, als Busters Kleider stundenlang in der Tür des Tresors mit Zeitschloß festhängen (warum hat er nicht versucht, sie auszuziehen?), geht es hauptsächlich um die Probleme mit dem Klebstoff, was etwas langweilig wird.

"Nachdem sie ihn überall sonstwo gesucht hat,
hat die Polizei ihn da gefunden, wo er war."

Der zweite Teil war jedoch dank Buster Keatons Energy zum Schießen. Es gab ein paar großartige Fallmanöver und Sprünge und ich mochte die Choreographie, wie sich die Charaktere trafen oder verpaßten.
Die Hauptdarstellerin neben Keaton (und dem Klebstoff) war natürlich die Treppen-/Rutschenkombination, deren himmlische Version euch vielleicht bekannt vorkommt, falls ihr den Film "Irrtum im Jenseits" von 1946 mit David Niven gesehen habt (den ich übrigens empfehlen kann).


Ich mochte die unterschiedlichen Arten, mit denen Buster versucht, den Fall die Rutsche hinunter zu vermeiden - die letzten paar Stufen hinaufzuspringen, den Versuch herunterzurutschen, während es noch eine Treppe war, das Geländer hinunterzurutschen, sogar die Rutsche hinaufzurennen!
Obwohl es also nicht der witzigste Keaton-Film war, den ich bis jetzt gesehen habe - man muß auch bedenken, daß dies noch einer von den früheren war - hatte ich doch meinen Spaß damit.

Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr erschreckt 
😉

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Stummfilme - Unheimliche Geschichten

Der heutige Film ist ein biiiiißchen länger als die letzten beiden und somit auch der Post (sorry). Wir bleiben damit im Geiste von Halloween.
Ich wollte gerade sagen, daß ich bisher noch keinen in der Art auf meinem Blog hatte, aber dann fiel mir "Das Wachsfigurenkabinett" ein - es ist noch ein Anthologiefilm, Bonuspunkte dafür, daß er ebenfalls mit Conrad Veidt ist (und Anita Berber und Reinhold Schünzel)!
Willkommen zu "Unheimliche Geschichten" von 1919 (auch "Grausige Nächte" genannt).


Hier ist die Handlung oder eigentlich die Handlungen, denn wir haben eine Rahmengeschichte und darin Episoden.

Wir sind kurz vor der Schließung in einem Antiquariat.
An den Wänden hängen drei große Gemälde, "Der Teufel", "Die Dirne" und "Der Tod".


Als der Ladeneigentümer weg ist, steigen die drei aus ihren Rahmen und fangen an zu lesen.


1. "Die Erscheinung" von Anselma Heine

Dr. Riedhammer spaziert durch den Park und hilft einer jungen Frau, die von einem Mann belästigt wird - ihrem Ehemann, wie sie ihm später erzählt. Sie nehmen sich zwei Zimmer in einem Hotel. Obwohl sie sich zueinander hingezogen fühlen und sich küssen, läßt er sie dann allein, da sie sich nicht wohlfühlt.


Riedhammer verbringt den Abend mit Freunden, geht aber zum Zimmer der Frau, als er zurückkommt.
Er findet es völlig leer vor, sie ist weg, all die Möbel sind weg. Die Wand sieht aus wie Blut und als sei die Tapete abgerissen worden.


Als er am nächsten Tag nach ihr fragt, sagen ihm alle, daß er allein gekommen ist, und auch das Zimmer sieht wieder normal aus. Bei der Polizei, wo er auch von ihrem Mann angegriffen wird, wird ihm mitgeteilt, daß sie bereits informiert sind und daß er allein war.
Er beginnt an sich zu zweifeln, doch dann erzählt ihm ein Bestatter, daß sie heimlich weggebracht worden ist, weil sie in der Nacht an der Pest gestorben ist ...

2. "Die Hand" von Robert Liebmann

Zwei Männer sind in eine Frau verliebt.


Als sie mit einem anderen Mann tanzt, werden sie eifersüchtig, gehen nach Hause und beschließen, um das Recht zu würfeln, für sie werben zu dürfen.
Der Verlierer kann es jedoch nicht ertragen und erwürgt den Gewinner, dann entkommt er, nachdem er die Hand des Toten von seinem Ärmel losgerissen hat.


Jahre später begegnet er der Frau wieder, sie lädt ihn zu ihrer ersten Tanzaufführung ein, aber dort hat er Halluzinationen von seinem Gegner. Dann wird er zu einer Séance eingeladen und der Tote kehrt zurück ...


3. "Die schwarze Katze" von Edgar Allan Poe

Ein Mann ist an der Frau eines Trunkenbolds interessiert. Als der Ehemann das bemerkt, läßt er es an der geliebten schwarzen Katze seiner Frau aus, aber dabei tötet er stattdessen sie und mauert daraufhin ihre Leiche hinter einer Wand im Keller ein.


Der Mann hört Gerüchte über das Verschwinden der Ehefrau. Er holt die Polizei und sie durchsuchen das Haus. Als sie zum Keller kommen, hören sie ein seltsames jammerndes Geräusch ...


4. "Der Selbstmörderklub" von Robert Louis Stevenson

Ein Mann tritt einem besonderen Club bei. Man tritt auf reguläre Weise bei, aber man verläßt ihn nur den Tod. Wer immer das Pik As zieht, nun ja, ihr wißt schon ... und leider ist das neue Mitglied der "glückliche Gewinner".


Der Präsident hält ihn mit einem Knopfdruck in seinem Stuhl fest (fragt mich nicht, wie das funktioniert) und erklärt ihm, daß er um Mitternacht sterben wird. Dann entriegelt er den Stuhl und läßt den Mann, der in Panik gerät zurück, indem er durch einen Gang in der Uhr verschwindet.


Und dann stirbt der Mann, von der Furcht getötet. Oder doch nicht?

5. "Der Spuk" von Richard Oswald

Ein Kavalier hat einen Unfall mit seiner Kutsche und wird in ein Schloß gebracht, wo er umgehend anfängt, mit der vernachlässigten Frau des Schloßherrn zu flirten.


Dann hat der Ehemann einen Plan ...


Der Antiquar kommt zurück und ist geschockt, die drei vorzufinden. Er holt die Polizei und ist erleichtert, sie in ihren Gemälden zurück zu sehen. Als die Polizisten aber weg sind, erwachen sie erneut zum Leben und er läuft davon.

Schauen wir uns jetzt die Geschichten hinter den Geschichten an.

Anselma Heine war eine deutsche Schriftstellerin.
Ihre Novelle "Die Erscheinung" von 1912 hat eine Menge Atmosphäre und erforscht die Gefühle von Dr. Riedhammer, als er Johne Stevens das erste Mal wie eine Erscheinung in einer Staubwolke sieht, dann auf seinem Schiff kennenlernt und ihr langsam näher kommt und dann seinen Schock, als Johne plötzlich verschwindet. Ich habe mich gefreut, sie online zu finden, und sie hat mir wirklich gefallen.
Da wir drei Hauptdarsteller haben, fügt diese Episode den seltsamen Ehemann hinzu, der in der Novelle nur erwähnt wird, und läßt außerdem die Hintergrundgeschichte weg.
Meiner Meinung nach ist das die stärkste und unheimlichste Geschichte von den fünf.

Robert Liebmann war einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren in der Weimarer Republik.
Die Geschichte ist ein Klassiker, ein von Schuldgefühlen geplagter Mann, der von seinem Opfer heimgesucht wird, aber erst als er die Frau wiedertrifft, die der Grund für sein Verbrechen war. Außerdem ist er nicht der einzige, der ihn sehen kann.
Ein Extraschmankerl ist, daß Berber in dieser Episode tatsächlich eine kurze Tanzszene hat. Ihr wißt vielleicht (oder auch nicht) - zum Beispiel dank des berühmten Porträts von ihr, das Otto Dix gemalt hat -, daß sie als Tänzerin eine Ikone des Berliner Nachtlebens und bekannt für die Skandale in ihrem kurzen Leben war.


Ich denke nicht, daß ich etwas über Edgar Allan Poe sagen muß.
Da ich die Geschichte kannte, war ich vorsichtig, was das Anschauen dieser Episode anging (obwohl die Tiermißhandlung abgeschwächt war und keine Katze getötet wurde, war ich trotzdem überhaupt nicht glücklich darüber, wie der betrunkene Ehemann in einer Szene mit der schwarzen Katze umging).
Wir haben wieder ein Dreieck, um alle drei Schauspieler unterzubringen.
Das Ende hätte dramatischer sein können, aber ich fand es in Ordnung, wenn man bedenkt, daß man die jammernde Katze ja nicht hören konnte.

Ich habe Stevensons Geschichten über den Selbstmörderclub noch nicht gelesen, aber von der Zusammenfassung, die ich überflogen habe, wurde anscheinend nur das Konzept des Clubs an sich für die Episode übernommen.
Am Ende gab es eine nette Wendung.

Die letzte Geschichte hat der Regisseur geschrieben und, wie soll ich das sagen, sie ist nicht unheimlich, sondern scheint mir mehr wie eine komödiantische Einlage.
Offen gesagt fand ich sie langweilig, da man hauptsächlich sah, wie der Kavalier und die Ehefrau sich seltsam anlächelten, ähm, ich meine miteinander flirteten.
Ich weiß nicht, was der Regisseur damit beabsichtigte, denke aber, der Film wäre besser gewesen, wenn die Episode an den Anfang gestellt oder komplett weggelassen worden wäre.

Im ganzen hat mir der Film gefallen. Jeder Film würde unheimlich dadurch, daß man Veidt die Augen schminkt, findet ihr nicht?
Aber im Ernst, er hat gut gespielt. Schünzel andererseits war für meinen Geschmack etwas zu dramatisch als der verrückte oder betrunkene Ehemann. Berber war als katzenliebende Ehefrau am besten (nein, ich sage das nicht, weil mich Gundel dazu zwingt!).




Weitere Lektüre:

1. Fritzi Kramer: Eerie Tales (1919) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 22. September 2024
2. ?: Movie Review - Eerie Tales (1919). Auf: The Revenant Review, 27. Oktober 2015 (interessant mehr wegen des Teils über die Hauptdarsteller als wegen der kurzen Besprechung)


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Stummfilme - Le monstre

Diesmal habe ich echt richtig Zeit in den Film für heute investiert, zweieinhalb Minuten! Soviel zur Aufmerksamkeitsspanne, Leute ...
Der Kurzfilm, den ich für euch habe, ist "Le monstre" von 1903 und ist von Georges Méliès, also wißt ihr vielleicht, was euch erwartet. It's a kind of magic .... (gebt ruhig zu, daß ihr es gesungen habt)

Hier ist die sehr kurze Handlung voller Spoiler 
😉


Ein ägyptischer Prinz und ein Priester treffen sich in einer Vollmondnacht vor der Sphinx.
 
Bitte beachtet, daß die Sphinx noch ihre Nase hat 😉

Der Priester bringt eine dekorierte Truhe und nimmt ein Skelett heraus, was den Prinzen dazu bringt, sich verzweifelt abzuwenden.
Als nächstes wickelt der Priester das Skelett in Stoff und es beginnt einen seltsamen Tanz, während dessen es sich verzerrt, schrumpft und größer wird.


Der Priester wickelt noch mehr Stoff um das Skelett und als er ihn wieder entfernt, ist es zu einer schönen jungen Frau wiederbelebt worden. Der Prinz kann es nicht glauben, er streckt sehnsüchtig die Hand nach ihr aus ...


... aber der Priester verhüllt sie wieder, hebt sie hoch und wirft sie dem Prinzen zu, der schockiert feststellt, daß sie wieder zu einem Skelett geworden ist, und dem flüchtenden Priester hinterherrennt.
 


Letzte Woche habe ich frech behauptet, daß die Geschichte in diesen Filmen. Ja, jetzt kommt ein "aber".
ABER offensichtlich war an dieser Geschichte doch mehr dran. Für diesen Film war eine Sprechbegleitung vorgesehen (erinnert ihr euch, daß ich auch in dem Post über "Namakura Gatana" einen "benshi" oder Erzähler erwähnt habe?), was aus Méliès' Katalogen zu entnehmen war (siehe die Quelle), und die uns erzählt, daß das Skelett die Frau des Prinzen ist.
Hat jemand "Die Mumie" mit Boris Karloff gesehen? Auch er hat fast 30 Jahre später versucht, seine große Liebe wiederzubeleben, und hatte ebenfalls keinen Erfolg damit.
Laßt euch das eine Warnung sein.

Die Menschen sind schon lang vom alten Ägypten fasziniert und sind das auch heute noch, in der Literatur, Kunst, Filmen, Wissenschaft 
(und ich war selbst nicht ganz immun, wie eines meiner Schmuckstücke zeigt, das von Khepri inspiriert wurde (ich hatte das nicht so geplant, aber es ist trotzdem immer noch einer meiner persönlichen Favoriten)).


Nun ist die Frage - hat der Priester versagt oder hat er es absichtlich gemacht? Und wer ist das Monster in diesem Film? Was meint ihr?


Quelle und weitere Lektüre:

Fritzi Kramer: The Monster (1903) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 6. Oktober 2017


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 24. September 2026

Stummfilme - Der Adler

Der Moment mußte ja irgendwann kommen. Ich kann keine Stummfilme anschauen und auf ewig Rudolph Valentino auslassen. Man würde ich vielleicht erwarten, daß ich mit "Der Scheich" anfange (was sein einziger Film war, von dem ich schon gehört hatte, bevor ich dieses Projekt begann), aber stattdessen wählte ich "Der Adler" von 1925, ohne daß ich viel über den einen oder den anderen Film wußte. Schauen wir mal, ob es eine gute Wahl war.


Dies ist die Handlung (mit Spoilern).

Wir steigen direkt damit ein, daß Leutnant Vladimir Doubrovsky von der Kaiserlichen Garde eine außer Kontrolle geratene Kutsche mit einer entzückenden jungen Dame (und ihrer Tante) darin rettet.


Er ist von der Zarin Katharina der Großen beobachtet worden, deren Lieblingspferd er unwissentlich genommen hat. Sie ist mehr als beeindruckt von dem gutaussehenden Leutnant, sie macht sogar Anspielungen darauf, ihn zum General zu machen ... aber das kostet einen Preis, den zu zahlen Vladimir nicht bereit ist.


Er lehnt ab und verdrückt sich, als Katharina hinausgeht, um in etwas Bequemeres zu schlüpfen. Verständlich ... vielleicht. Schlau? Nicht so sehr. Die verschmähte Kaiserin setzt einen Preis auf seinen Kopf aus.
Um alles noch schlimmer zu machen, erfährt er aus einem Brief, daß sein Vater vom neuen Nachbarn Kyrilla um sein Anwesen betrogen worden ist und möchte, daß er an die Zarin appelliert. Schlechtes Timing.
Als er nach Hause kommt und seinen Vater sterbend vorfindet, schwört Vladimir Kyrilla und seinen Nachkommen Rache und wird zum Schwarzen Adler (schaut euch nur diese clevere Maske an).
Eines Tages bringt seine Bande Kyrillas Tochter Mascha mit zurück. Sie ist die junge Dame aus der Kutsche, erkennt ihn aber nicht und läßt ihn wissen, daß "sie in der Regel keinen Umgang mit maskierten Männern pflegt"
. Natürlich läßt er sie laufen.


An der Poststation begegnet Vladimir Monsieur Le Blanc, dem neuen Französischlehrer für Kyrillas Tochter. Er beschließt, sich selber als der neue Lehrer vorzustellen, und gerade als er Kyrilla erstechen will, kommt Mascha herein.
Als sie Hände schütteln, bemerkt Mascha den Siegelring, den sie zuvor am Schwarzen Adler gesehen hat, aber Vladimir meint, er sei von dem Bandit überfallen worden, der ihm den Ring gegeben habe, um ihn an sie weiterzureichen.
Nach einem "kleinen Essen" bittet Vladimir, in seinen Weinkeller zu gehen und eine Flasche zu holen. Es ist ein grausamer Trick, den er Gästen spielt, denn im Keller ist ein angeketteter Bär. Mascha ist empört und geht hinein. Die Kette bricht, der Bär geht auf sie los und Vladimir erschießt ihn.

Die Kamera begann am Ende und wanderte dann
rückwärts die Mitte der langen Tafel entlang,
eine großartige Einstellung!

In der Nacht bemerkt Mascha, wie der Schwarze Adler mit einer Pistole in das Zimmer ihres Vaters geht, und folgt ihm. Obwohl ihr Vater sie beschwört, ihn zu erschießen, sagt sie ihm, er solle gehen.
Ihr Vater macht den "Französischlehrer" zu seinem Leibwächter und Mascha weiß nicht, was sie tun soll, da sie ja weiß, wer er wirklich ist.


Schließlich droht sie ihm an, seine Identität zu verraten, bringt es aber nicht fertig. In der Zwischenzeit haben Kyrillas Kosaken den Stellvertreter des Schwarzen Adlers gefunden, aber bevor er ausgepeitscht wird, gibt Vladimir zu, wer er ist.
Mascha gesteht ihm ihre Liebe und sie entkommen durch einen Geheimgang, geraten aber zwischen die Kosaken der Zarin und Kyrillas, und Vladimir wird gefangengenommen.


Das Todesurteil ist unterzeichnet und Vladimirs letzter Wunsch - Mascha zu heiraten - wird erfüllt.
Die Zarin ist nicht bereit, Vladimir zu verzeihen, obwohl General Kuschka (der Katharinas Vorschlägen
nicht so abgeneigt war wie Vladimir) sie zu überzeugen versucht, daß sie ihn gehen lassen soll. Als sie jedoch von seiner Hinrichtung hört, wird sie von Trauer überwältigt - und als Kuschka sie bittet, den Pass für einen "Monsieur Le Blanc" zu unterschreiben, und sie erfährt, daß die gehörten Schüsse nur eine Demonstration waren, winkt sie dem jungen Paar, das in seine Zukunft fährt, gnädig zu.

General Kuschka, du schlauer alter Fuchs.


Ich wußte wirklich nicht besonders viel über Rudolph Valentino. Ich wußte, daß er in Italien geboren wurde, daß er der erste "Latin Lover" war, daß er eine Menge weiblicher Fans hatte und daß er jung starb, mit nur 31 Jahren (vor 100 Jahren am 23. August). In der Tat war dies einer seiner letzten Filme. Und was hat er für Spaß gemacht!
Nach einer Auszeit von Hollywood und einem Studiowechsel in den frühen 20ern, war "Der Adler" ein Versuch, Valentino zurückzubringen, nicht nur für seine weibliche Fanbasis, sondern auch männliche Zuschauer.

Wir wissen, wie erfolgreich Douglas Fairbanks mit seiner Mischung aus Abenteuer, Stunts und Humor war, und "Der Adler" hat das alles ebenfalls. Ich hatte das Abenteuer und die Stunts erwartet, war aber über die ganzen Schmunzler von Anfang an überrascht.

Vilma Bánky als Mascha und Valentino hatten eine großartige Chemie, auch weil sie nicht einfach das hilflose Dämchen ist, das gerettet werden muß, sondern sich dem Schwarzen Adler auch entgegenstellt. Ich denke, ich muß mir ein paar ihrer anderen Filme anschauen, denn hier hat sie mir wirklich gut gefallen.
Louise Dresser war großartig als Katharina, vor allem in der Szene mit Vladimiar. Diese Szene fand ich besonders witzig, weil sie Valentino auf die andere Seite stellt, er ist nicht der, die die Frau verführt, sondern schockiert darüber, daß sie ihn zu verführen versucht. Seine Blicke waren köstlich.
Das Abenteuer mag nicht viel Neues bieten - denkt an "Robin Hood" oder "Zorro" - ist aber sehr gut gemacht (die einzigen Szenen, die ich nicht mochte, waren die mit dem Bären und das muß ich wohl kaum erklären).
Die Bühnenbilder waren sehr schön und die Kostüme waren großartig!
Ich hatte richtig viel Spaß an dem Film, um mir also selber eine Antwort zu geben - ja, es war eine sehr gute Wahl! (Sorry, Doug, ich liebe dich immer noch.)

Eine Auswahl von witzigen Szenen
1. Das Pferd scheut gerade dann, als Katharina aufsteigen will.
2. Vladimir ist enttäuscht, als er feststellt, daß ihm nicht Mascha zugewinkt hat,
sondern ihre Tante.
3. Katharina versucht, Vladimir betrunken zu machen, aber sie kippen ihren Vodka
beide in Pflanzentöpfe.
4. Als Mascha von der Bande des Schwarzen Adlers entführt wird, versucht ihre
Tante, Cäsar auf sie zu hetzen.
5. Von Maschas Schönheit abgelenkt mahlt Vladimir viel zu viel Pfeffer auf seine Suppe.
6. Mascha denkt, Vladimir versucht, ihren Vater zu erwürgen, aber es war nur eine
Massage für sein Kopfweh (die gewalttätigste, die ich je gesehen habe!).


P.S. Falls ihr übrigens meine Besprechungen von zwei Tonfilmen über Katharina die Große lesen möchtet, könnt ihr sie hier finden: "Die große Zarin oder Die scharlachrote Kaiserin" mit Marlene Dietrich und "Katharina die Große" mit Elisabeth Bergner.


Quellen und weitere Lektüre (überwiegend englischsprachig):

1. Gwenda Young: The Eagle. Essay für A Day of Silents 2023. Auf: San Francisco Silent Film Festival
2. Fritzi Kramer: The Eagle (1925) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 4. Februar 2013
3. Lea Stans: Rudolph Valentino - The Man Behind the Image. Auf: Silent-ology, 12. März 2019
4. Dominic Konrad: Rudolph Valentino - Hollywoods erster Herzensbrecher. Auf: SWR. Kultur. Filme und Serien, 20. August 2026


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 17. September 2026

Stummfilme - The Wishing Ring: An Idyll of Old England

Ihr wißt es nicht, habt aber vielleicht schon mal von einem anderen Film von Maurice Tourneur gehört. Oder darüber gelesen - in meinem Post über "Der blaue Vogel".
Sprechen wir heute über "The Wishing Ring: An Idyll of Old England" von 1914.


Wie gewöhnlich erstmal die Handlung (mit Spoilern).

Giles ist der Sohn des Earl of Bateson und einer dieser Studenten, die ihr Studium extrem ernstnehmen. Zumindest erzählt er das seinem Vater. Leider sieht die Realität etwas anders aus und Giles wird aus der Schule geworfen - und dann daheim hinausgeworfen, als sein Vater die Wahrheit erfährt. Vielleicht hätte er nicht versuchen sollen, Dad die Geschichte von Ferien "als Belohnung für vorbildliches Betragen" zu verkaufen. So eine Nummer zieht man nicht bei einem grummeligen alten Mann ab, der an Gicht leidet.
Der Earl weigert sich, Giles zurückkommen zu lassen, bis er ohne fremde Hilfe eine halbe Krone verdient hat.


Es stimmt, Giles ist absolut verantwortungslos und meint, ihm stünde alles zu, was er will. Er nimmt sich einfach Obst von einer Frau, und als sie protestiert, wirft er es auf sie. Er tritt einen kleinen Hund (das ist nur impliziert, man sieht es nicht) und lacht darüber. An diesem Punkt mögen wir Giles nicht.
Der Hund läuft nach Hause und wir erfahren, daß er der Gefährte von Sally ist, der Tochter des armen Pfarrers.

Zum Glück hat Giles einen vermögenden Patenonkel, Squire Annesley. Der Squire, dem gerade sein Gärtner davongelaufen ist, nachdem er ihn ausgeschimpft hat, weil jemand einige seiner Rosen gestohlen hat, steht kurz vor einer Reise und beschließt zu helfen, indem er Giles aufträgt, sich während seiner Abwesenheit um seine Rosen zu kümmern.
Giles entdeckt den Rosendieb recht schnell, es ist Sally.
Ihr Argument, daß Blumen ein Geschenk Gottes an die Menschen ist, arm oder reich, überzeugt ihn nicht so recht. Als sie ihm aber zeigt, daß die Blumen als Dekoration für die bescheidene Kirche gedacht sind, läßt er sie nicht nur behalten, sondern lädt sie auch noch auf ein Marmeladenbrot ein. Dann lädt Sally ihn nach Hause ein, um ihm ihren Vater vorzustellen.
Es liegt eindeutig Liebe in der Luft, da Giles sogar noch lächelt, als Sally völlig schräg sing und er ihr Löwenzahngebräu trinken muß! 


Auf ihrem ersten gemeinsamen Spaziergang, besuchen sie ein Roma-Lager und Sally kauft einen silbernen "Wunschring".
Der Squire schickt Giles einen Brief und bitten ihn, alle Nachbarn zu einem Gartenfest einzuladen, um seine Rückkehr zu feiern. Natürlich schließt er Sally und ihren Vater ein, aber sie hat nichts anzuziehen, also schickt ihr "der Wunschring" alias Giles ein neues Kleid, einen Hut und Schuhe.


Auf dem Gartenfest finden Sally und der Pfarrer Giles' wahre Identität heraus, als er den Brief des Earls fallen läßt, und Sally begibt sich auf die Mission, Vater und Sohn zu versöhnen, indem sie Geschenke bringt, ihren Hund vorstellt und den Earl zu einer Schachpartie herausfordert. Er ist bezaubert, weigert sich aber, über Giles zu sprechen.


Da sie glaubt, daß ein Heilmittel für die Gicht helfen wird, besucht Sally noch einmal die Roma und bekommt gesagt, daß sie um Mitternacht bei Mondlicht ein Zauberkraut auf der Teufelsklippe pflücken soll, was sie sofort in Angriff nimmt.

Ich bin gesetzlich verpflichtet, Filmszenen mit Katzen
zu erwähnen. Diese Katze wird sogar zweimal gezeigt.

Am nächsten Morgen stellt der Pfarrer fest, daß Sally weg ist, und bittet ein paar Dorfjünglinge, ihm bei der Suche zu helfen. Einer davon denkt daran, den Hund mitzunehmen, der sie zu Sally führt, die von der Teufelsklippe gefallen ist.
Als der Earl davon hört, vergißt er seine Gicht völlig, verlangt nach einem Pferd und macht sich auf den Weg. Leider lahmt das Pferd und er bittet beim Gasthaus um ein neues. Der Wirt rennt zum Squire, wo ihm Giles sagt, er solle das Pferd aus dem Stall nehmen - wofür der Earl eine halbe Krone zahlt, die der Wirt zu Giles trägt, er erzählt ihm dann auch gleich von Sallys Unfall.

Als sich Giles und sein Vater an Sallys Bett begegnen, wird der Earl wütend und will gehen, aber Sally reicht ihm die halbe Krone und Giles sagt ihm, daß er ihn selber unwissentlich damit bezahlt hat.


Alle sind zum Hochzeitsfest eingeladen, Dorfjünglinge und -mädchen, Lehrer und Soldaten, Roma - und natürlich Sallys Hund!

Ich liebe es zu sehen, wie das junge Mädchen ißt.
Das nenne ich mal Konzentration.


Vom Titel her und nachdem ich "Der blaue Vogel" gesehen hatte, stellte ich mir vor, daß das noch so ein Märchen mit Moral sein würde, aber tatsächlich ist es eine Romcom und so eine süße!
Der Titel ist etwas irreführend, der Wunschring spielt keine so große Rolle, außer daß er Giles erlaubt, Sally anonym das neue Partykleid zu schenken.

Ich liebte zu sehen, wie Sallys unkompliziertes und enthusiastisches Verhalten - vielleicht etwas zu unkompliziert, was die Rosen betrifft, hätte sie den Squire nicht darum bitten können? - Giles verändert, aber ich denke, man konnte schon erkennen, daß Giles kein ganz böser Junge ist, als ihm der Squire auftrug, sich um seine Rosen zu kümmern. Keine Beschwerde, Schürze angelegt und los ging es, auch wenn wir nicht wissen, wie gut er es gemacht hat.
Es war auch schön zu sehen, wie schnell Sally das Herz des Earls für sich gewann. Das hatte für mich Vibes à la "Der kleine Lord", es genügte, daß Sally ungehemmt sie selbst war, genau wie Cedric, keine Vorstellung von Klassenunterschieden oder Schüchternheit.

Wir haben eine charmante Romanze, wir haben unsere witzigen Stellen, wir haben unser Drama, was könnte einem daran nicht gefallen?
Vor allem bei Bildern, die so schön sind wie das hier? Gebt es zu, das sieht nach einer schönen Stelle für ein Päuschen aus.


Der Film basiert auf Owen Davis' Theaterstück von 1910, was den Anfang und das Ende mit der Vorbühne und dem Vorhang erklärt und auch den stummen Chor aus vier jungen Mädchen, denen wir während des Films mehrfach begegnen.


Nun kommen wir aber zum wirklichen Helden, Gyp William als "Die Waise". Oh wartet, ich habe bis jetzt gar kein Waisenkind erwähnt? Nun, nicht unter diesem Namen ... ja, unser kleiner Gyp wird im Vorspann als vierter genannt, und wenn ihr mich fragt, verdient er das auch für seine großartige Darstellung!


Oh, und übrigens, dies war ein weiterer Glücksfund, als der Filmhistoriker Kevin Brownlow in einer nicht mehr bestehenden Filmbibliothek darauf stieß und zunächst nicht mal dachte, daß er die gewünschte Summe wert war!

Definitiv ein Eintrag für meine Liste von Lieblingsstummfilmen.


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Fritzi Kramer: The Wishing Ring (1914) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 21. September 2014
2. Kyle Westphal: The Wishing Ring: An Idyll of Old England. Auf: Library of Congress. National Film Preservation Board. Documents


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.