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Samstag, 27. Juni 2026

Einfach nur so Samstag - Postkarten

Erinnert ihr euch an diesen Post über eine Postkarte, die in das Haus zurückkehrte, aus dem sie kam? Nach fast 50 Jahren?


Nun denkt ihr vielleicht, daß das jetzt nur ein weiteres Beispiel von Nostalgie ist, und zum Teil ist es das wahrscheinlich, für mich bedeutet es aber tatsächlich, mehr über unsere Heimatstadt und ihre Geschichte zu erfahren.
Manchmal dauert es eine Weile, online etwas zu finden, manchmal gibt es nichts zu finden.

Und die Rückseiten der Karten - wie im obengenannten Fall - können ebenfalls sehr interessant sein, aber das ist vielleicht eine Geschichte für ein andermal.

Kürzlich wurde mir klar, daß ich absolut nichts über die Geschichte der Postkarte an sich wußte. Ein neues Kaninchenloch? Wohl eher ein ganzer Kaninchenbau. Es gibt da draußen soviele Seiten dazu, und obwohl sie in manchem übereinstimmen, tun sie das bei anderen Dingen nicht - hört sich das nicht vertraut an ... Wer war der erste, der die "echte" Postkarte erfand? Welches Land war das erste? Was ist eine "echte" Postkarte überhaupt? Es gibt Postkarten und Bildpostkarten. Um ehrlich zu sein, war mein Gehirn davon überfordert, das alles zu sortieren und vor allem in einen Post zu packen, der kürzer als eine Abhandlung ist, und ich habe kläglich versagt.
Sagen wir also einfach, daß es scheinbar so richtig im 19. Jahrhundert angefangen hat (ich bleibe damit auf der sicheren Seite) und daß sich die meisten Quellen einig sind, daß diese österreichischen "Korrespondenzkarten" die ersten "echten" Postkarten sind, obwohl es schon vorher Karten gegeben hat.
Hier ist eine Seite von einer Postkartenausstellung mit der Geschichte.

Korrespondenzkarte von 1869
Gemeinfrei über Wikipedia

Als Heinrich von Stephan, der die deutsche Post neu organisierte, 1865 etwas Ähnliches vorschlug, das "offene Postblatt", das dank aufgedruckter Briefmarke einen Umschlag überflüssig machen sollte, wenn man nur eine kurze Nachricht schicken wollte, wurde die Idee nicht gut aufgenommen.
Was wenn zum Beispiel die Bediensteten die Post ihrer Herrschaft lasen? Wie stand es um die Wahrung der öffentlichen Moral? Menschenopfer, Hunde und Katzen in Frieden miteinander, Massenhysterie! Sorry, das ist ein Zitat aus "Ghostbusters".
Jedenfalls setzten sich Postkarten auch in anderen Ländern durch, nachdem die österreichische Karte so ein Riesenerfolg war, selbst in Deutschland. Ich konnte keine Information über die Dienerschaft-Herrschaft-Krise in diesem Zusammenhang finden 
😉
Gegen Ende des Jahrhunderts gab es immer mehr Bildpostkarten. Bilder konnten Lithographien sein, manchmal koloriert, oder Fotos. Sie zeigten einzelne Gebäude, Straßen, Parks, aber auch Menschen.
Monarchien nutzten Postkarten zum Beispiel für Propaganda, indem sie ihre Familien als Vorbilder für ihre Untertanen darstellten und um ein positives Bild von sich zu formen - was bei manchen funktionierte, anderen aber nicht. Dabei fallen einem beispielsweise die Romanovs, Queen Victoria, Kaiser Wilhelm II. ein.

Frühe Karten sahen noch anders aus. Im Gegensatz zu den Karten, die ihr vermutlich kennt, war eine Seite nur für die Adresse gedacht, die Nachricht wurde über, unter oder um das Bild herum geschrieben, wie in diesem Panorama von Göppingen aus dem 1903, das aus drei Postkarten besteht.
Bei nur einer Karte konnte der Absender nicht sehr viel Text unterbringen
.


Vielleicht veränderten sich Postkarten deshalb später. Die Bilder nahmen eine ganze Seite ein und die Rückseite war aufgeteilt in einen Teil für die Anschrift und einen für die Nachricht.
Ist die Handschrift nicht schön? So gerne ich aber Sütterlinschriften anschaue, ist es für uns heute nicht immer einfach, sie zu entziffern.


Es überrascht mich oft, was Absender auf Postkarten teilen. Manchmal ist es nur ein Gruß von einem kurzen Ausflug, einem Besuch, einem längeren Urlaub, anläßlich eines Feiertaags, ein Dankeschön, aber wir haben mehr als eine gesehen, die aus einem Krankenhaus geschrieben wurde, und die Neuigkeiten waren nicht immer sehr gut.

Neujahrsgrüße. Ihr denkt vielleicht, daß das Wort und die Blumen handgemalt
sind, aber sie sind aufgedruckt, wahrscheinlich nach einem handgemalten Entwurf.

Ich habe an Autos im allgemeinen kein großes Interesse, aber schaut euch diese Schönheiten an!
Mir gefällt ein schöner alter Käfer einfach. Dieses Lokal liegt außerhalb der Stadt an einem Stausee. Nur sieht man dort keine Käfer mehr.
Auf der anderen Karte seht ihr unser Renaissanceschloß. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr nicht nur die alten Autos, sondern auch - leider verschwommen - eine Pferdekutsche im Hintergrund.


Die folgenden Bilder sind keine Postkarten, sondern Belegexemplare, die als Vorlagen dienten. Tatsächlich sind sie nur halb so groß wie eine Karte.
Sie wurden von einem lokalen Fotografen aufgenommen. Viele meiner Karten wurden von lokalen Fotografen, Buch- oder Schreibwarenläden hergestellt.


Das ist der alte Bahnhofsplatz mit dem Postamt auf der rechten Seite.


Noch mehr alte Autos, für mich war es jedoch interessant, von der sogenannten Kraftpost zu erfahren. Diese Nachfolger der Postkutschen waren Postbusse, die in Deutschland (auch andere Länder hatten so etwas) für eine Kombination aus Postversand und Passagiertransport genutzt wurden. Am Postamt sieht man ein Schild. Hier ist es unleserlich, aber ich kenne auch ein Bild mit einem späteren Schild, das man gut lesen konnte.

Machen wir hier Schluß, sonst höre ich vielleicht gar nicht mehr auf.
Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt, aber vielleicht habt ihr jetzt eine kleine Vorstellung davon, wie Postkarten die Geschichte im Laufe der Jahre illustriert haben, egal ob ihr nur an der eurer Stadt oder Gegend oder an Weltgeschichte interessiert seid.
Wann habt ihr das letzte Mal eine Karte geschickt?

Samstag, 18. April 2026

Einfach nur so Samstag - Die kleine Welt

Diesmal spreche ich nicht darüber, wenn man herausfindet, daß die neue Freundin auch eine Freundin eures Cousins zweiten Grades ist, von dem ihr erst gestern erfahren habt, oder irgendetwas in der Art.
Ich spreche von der Welt der Miniaturen.

Als Kind wollte ich soo gern ein Puppenhaus haben, aber das war eine Frage von Platz und wahrscheinlich auch Geld. Ich hatte jedoch Glück, meine Freundin hatte eins. Wißt ihr, was echt komisch ist? Wir haben gar nicht mal soviel damit gespielt. Wir haben die Puppeneltern ins Bett gesteckt, um sie aus dem Weg zu haben (manche Puppen sitzen nicht so gut aufrecht, aber man kann nie damit falsch liegen, sie ein schönes Nickerchen machen zu lassen), und die drei Kinder gingen dann auf Abenteuer - was jetzt, da ich drüber nachdenke, so ziemlich nach den fünf Freunden oder den Lockett-Kindern und all den anderen klingt ...
Meine Freundin hatte eine Menge Platz und wir schickten die Kinder in den Wilden Westen, auf Berge und in Höhlen und so weiter. Was ich an dem Haus (sehr 70er) übrigens am meisten liebte, war der weiße Stutzflügel und der Weihnachtsbaum.

Dann gab es da noch die antiken Puppenläden und das Puppenhaus im "Storchen", unserem Heimatmuseum. Die waren natürlich hinter Glas. Sogar jetzt noch sind mir die Spielzeuge das Liebste am Museum.

Als Erwachsene bekam ich ein Puppenhaus, aber es wurde recht schnell ziemlich vernachlässigt, da es wegen der Katzen außer Reichweite gestellt werden mußte. Es war schlimm genug, daß ich andauernd Steifftiere vom Boden aufheben mußte, ich wollte nicht auch noch nach winzigen Teilchen suchen müssen.
Irgendwann verschenkte ich die Möbel und behielt nur ein paar Sachen wie die Katze auf dem Kissen (kaum überraschend).
Das bedeutet aber nicht, daß ich Miniaturen nicht mehr liebe. Ganz und gar nicht! Als mir also ein Familienmitglied erzählte, daß sie welche geschenkt bekommen hatte, wollte ich die natürlich unbedingt sehen - und Bilder machen.

Mein Favorit ist das gute alte Telefonbuch,
in diesem Fall "Das Örtliche" für lokales Gewerbe,
und übrigens, das rote Buch ist handgemacht!


Ich liebe die winzigen Bauklötzchen, aber die Fadenspulen
liebe ich sogar noch mehr!


1. Kaffeemaschine und Kasserolle (für Frühstückseier vielleicht?)
2. Die Teller, Serviettenhalter, Platte, Blumentopf und Kerzenhalter
sind sehr hübsch handgemacht
3. Verschiedene Küchenutensilien
4. Zwei Arten von Besteck, so goldig!


Die Waage funktioniert, aber die Gewichte sind
eingeklebt (gute Idee).
Ich liebe den Fischtopf, könnt ihr das an der
Nahaufnahme erkennen?


Amerikaner benutzen "Mason jars", wir Deutschen haben natürlich
Weckgläser zum Einwecken. Ich finde es herrlich, daß daraus sogar ein
eigenes Wort entstanden ist.
Ich liebe auch den altmodischen Buttermixer (der wirklich
funktioniert, ich meine, er bewegt sich, ich habe nicht versucht, Butter
damit zu machen) und den vintage Fleischwolf.


Weihnachten!! Ich liebe die glänzenden Christbaumkugeln einfach.
Sie haben ein kleines Geheimnis. Sie haben nämlich ein Loch unten,
woraus ich schließe, daß sie aus den Glasperlenketten gemacht sind,
wie sie zum Beispiel in Gablonz (Jablonec nad Nisou) hergestellt
wurden und werden. Perlen konnten/können einzeln oder in
Gruppen abgeschnitten und dann mit Hilfe von Draht zu
aufwendigem Weihnachtsschmuck verarbeitet werden, wie in
den Stücken, die ihr hier finden könnt.


Ich hoffe, ihr hattet Spaß an diesem kleinen Ausflug in die Miniaturenwelt.
Für den Fall, daß ihr an der Psychologie hinter der Liebe zu winzigen Dingen interessiert seid, habe ich aus den vielen Artikeln, die es zum Thema gibt (allerdings englische, denn bei deutschen habe ich hauptsächlich etwas über das Anmalen von Miniaturen gefunden), zwei ausgesucht - hier und hier.
 

Samstag, 14. Februar 2026

Einfach nur so Samstag - Lila/violett und grün

Falls ihr etwas über Farbkombinationen in Kunst oder Mode erwartet, liegt ihr falsch, tut mir leid. Das hier ist nur ein weiterer Post über Erinnerungen, der von einem Post von Nicole auf Huisvlijt inspiriert ist, "Kringloop Tristesse".
Ich spreche kein Holländisch, aber ich habe der Firefox-Übersetzung entnommen, daß es um eine Gießkanne geht, die eine Schulklasse ihrer Lehrerin geschenkt hat und die noch mit dem Anhänger in einem Trödelladen gelandet ist.
Keine Ahnung, wie es in anderen Ländern ist, aber zu meiner Zeit waren Geschenke für Lehrer nicht üblich, zumindest nicht in meiner Schule. Also habe ich einen Lehrer gefragt, wie das heute ist, und auch er meinte, das komme mal vor, aber nicht oft.

Wir hatten jedoch einen Lehrer, der von einem Teil der Klasse mehrere Geschenke bekam, und dazu gibt es eine Geschichte.
Eine meiner Schulfreundinnen liebte die Farben lila und violett und trug sie auch oft. Der besagte Lehrer mochte kein Lila. Ich weiß den genauen Grund nicht mehr, aber einmal sagte er im Spaß zu meiner Freundin, daß Violett keine Farbe, sondern eine Strafe sei (es hieß mal lila, mal violett).
Also beschloß unsere komplette Reihe, ihm etwas in Lila zu schenken. Meine Freundin war die Tochter eines ehemaligen Bäckers und selber sehr gut im Backen - wie ich ihre Weihnachtsgutsle liebte! - und schlug einen Marmorkuchen vor, aber mit lila und rose Lebensmittelfarbe. Er war ein großer Hit (obwohl ich keine Ahnung habe, ob unser Lehrer etwas davon aß.
Auf jeden Fall bekam er von da an immer am Ende des Schuljahres etwas in Lila. Natürlich nichts Großes, nur um den Witz am Leben zu erhalten, und wir versuchten auch immer, etwas Nützliches oder Eßbares zu wählen, damit es nicht unnötig Platz verbrauchte.

In einem Jahr machte eine andere Lehrerin einen Scherz darüber, wie sehr wir ihn "verwöhnten" (sie waren in der Zwischenzeit ein Paar geworden, obwohl wir das da noch nicht wußten), und eine andere Freundin von mir meinte, sie solle sich auch eine Farbe aussuchen. Sie sagte grün. Diese Freundin machte Makramee und strickte wie verrückt Socken - es waren die 80er und eine Menge Schülerinnen (und ein paar Schüler) strickten im Unterricht -, also machte sie ein wunderschönes Paar grüner Socken als Weihnachtsgeschenk, sehr zur Überraschung, aber auch Freude unserer Lehrerin.
Also mußten wir von da an etwas in Lila und in Grün besorgen.

Bild von Konevi über pxhere

Ich erhielt die Tradition sogar noch ein paar Jahre lang aufrecht, nachdem wir aus der Schule waren. Viele meiner Schulfreundinnen hatten die Stadt verlassen, um anderswo zu arbeiten oder studieren, aber ich wohnte während meiner Ausbildung als Bibliothekarin daheim und meine Lehrer nicht weit entfernt von mir.
Einmal überreichte mein Lehrer
mir ein kleines Päckchen und meinte "okay, manchmal kann lila ja auch ganz hübsch sein, wenn es an der richtigen Stelle ist". Es war ein gerahmtes Bild eines lilafarbenen Porsches (er hatte selber einen alten, nicht lila, sondern rot). Ich weiß nicht, ob ich das Bild womöglich noch irgendwo habe, aber ich erinnere mich, daß ich damals wirklich lachen mußte.

Bild von Alex Ifti über Unsplash

Also ja, das ist meine kleine Geschichte über einen "Apfel für den Lehrer".
Ist es dort, wo ihr seid, üblich, daß Kinder ihre Lehrer beschenken?

Samstag, 17. Januar 2026

Einfach nur so Samstag - Wie konntest du nur?

Wir haben fast 34 Jahre miteinander verbracht.
Ich dachte, du wärst die eine Konstante in meinem Leben.
Du würdest immer für mich da sein.
Ich habe Tag und Nacht auf dich gezählt.
Es ist wahr, du warst nicht für jeden hell genug, für mich aber schon.
Doch dann hast du mich verlassen, ohne Vorwarnung.
Du warst einfach weg und hast mich zurückgelassen, in der Dunkelheit.
Ich schätze, ich hätte darauf vorbereitet sein sollen, daß das irgendwann geschehen würde, aber ich fand, daß das ausgesehen hätte, als würde ich dir nicht vertrauen.
Und dann konnte ich dich eines Tages nicht mehr anmachen.

Aber wir hatten einen guten Lauf zusammen, oder?
Leb wohl, kleine Leuchtstoffröhre. Du wirst mir fehlen.

Samstag, 18. Oktober 2025

Einfach nur so Samstag - Bricken oder nicht bricken

Lego war schon mal das Thema eines anderen einfach nur so Samstags vor sieben Jahren, aber damals habe ich nur über meinen Londoner Bus gesprochen und ihn gezeigt.


Ihr habt außerdem ein Bild von meinem Lego Snowglobe as Teil meiner Flurweihnachtsdekoration gesehen.


Es gibt noch mehr. Nicht viel. Lego ist und war schon immer eine Frage von Geld und Platz, was ich beides gerne auf andere Dinge verwende, egal wie verführerisch manche der Projekte auch aussehen mögen (ich sage nur Katze).
Es gibt jedoch Geschichten. Natürlich gibt es die, denn schließlich ist dies der einfach nur so Samstag. Alte und neue.

Ich könnte euch nicht das genaue Alter sagen, in dem ich meine ersten Legos bekommen habe. Damals bekam jedes der Geschwister ein Basisset, das aus einer Grundplatte bestand - damals noch die dickeren - und einigen Steinen. Wir warfen alles zusammen, um damit die Option für größere Projekte zu haben. Basisset bedeutet auch Basissteine, die wir nach der Anzahl der Noppen benannten (keine Ahnung, ob das eine offizielle Bezeichnung war, aber wir hängten überall das schwäbische -le an, also vielleicht nicht).
Am besten erinnere ich mich daran, daß wir kleine Häusermodelle mit begrenzter Wandhöhe und ohne Dach bauten, klein, weil die Grundplatten klein waren und weil wir auch nicht so viele Steine hatten. Außerdem bedeutete das Fehlen eines Dachs, daß wir darin spielen konnten, wobei die kleinsten Steine die Leute waren, die in dem Haus wohnten.

Jahre später hatte mein kleiner Bruder fünf Kästen (vier davon waren Preis bei einer Lotterie gewesen, Größe A bis D) von Märklins (die Firma hat ihren Sitz in unserer Stadt) eigener Steinversion - die sogenannten Minex-Steine (Märklin benutzte den Namen Minex für mehrere Produkte, zum Beispiel Metallbaukästen oder Züge). Mit den fünf Kästen konnte man eine Menge machen und die Steine bekam man auch viel einfacher auseinander, was ein Vor- oder Nachteil sein konnte, aber ich erinnere mich daran, daß wir viel Spaß damit hatten.


Danach war Bricken viele Jahre lang nicht mehr wirklich ein Thema für mich - bis mir mein Kumpel in einem Jahr das Yellow Submarine aus dem Beatles-Film schenkte, um mich in einer Weltschmerzphase aufzuheitern.
Wir verbrachten ein paar Abende damit, an unseren Projekten zu arbeiten, zu essen und trinken, viel zu lachen, immer unter strenger Überwachung von Ponder.
Es machte immer viel Spaß, obwohl erstaunlich ist, wieviele Fehler man an einem Stück machen kann, das von außen nicht mal so schwierig aussieht.


Zu meinem nächsten Geburtstag schenkte er mir dann den Londoner Bus.
Das brachte wirklich Erinnerungen an meinen ersten London-Besuch (leider gab es nur zwei) zusammen mit einer Freundin und ihrer fünfjährigen Tochter zurück. Am ersten Tag machten wir Busspringen, wechselten also willkürlich Busse, um zu sehen, wo wir landen würden.

Wieder fingen wir an, zusammen an unseren Projekten zu arbeiten, aber dann kam das Leben dazwischen und wir machten sie allein fertig. Da fand ich dann heraus, daß ich nicht zum einsamen Bricker geschaffen war. Ich gab irgendwann auf und mußte mich mühsam dazu motivieren, es wieder in Angriff zu nehmen. Darum dauerte es auch fünf Monate, bis ich ihn fertig hatte! Er ist so cool.


Zwei weitere Projekte, die wir dann wieder zusammen machten, waren das Wohnzimmer von The Big Bang Theory und der Lego Snowglobe (die seltsamste Schneekugel je), der als Extrageschenk einer Bestellung beilag.

Es gibt noch ein Stück, das darauf wartet, daß ich daran arbeite. Es steht hier schon mehrere Jahre herum und ich denke, es wird echt Zeit, es anzupacken - das Lego Art-Set "The Beatles". Mit dem Schachtelinhalt kann man eins der vier Porträts machen und mein erstes Problem war zu entscheiden, welches ich machen sollte, denn stellen wir das mal ganz klar, wenn ich eins mache, werde ich das nicht wieder auseinandernehmen, um ein anderes zu machen.
Um ehrlich zu sein, wünschte ich, die Porträts wären alte in Schwarzweiß, aber daran kann man ja nun nix ändern, richtig?


Wenn ich mich erstmal entscheide, mache ich aus diesem Projekt vielleicht kleine WIP-Posts, um mich zu motivieren, damit ich nicht aufgebe.
Welches Porträt würdet ihr denn wählen, FALLS ihr die Beatles überhaupt mögt?

Ich bin mit Lego in keiner Weise verbunden, außer daß ich ab und zu damit spiele.

Samstag, 27. September 2025

Einfach nur so Samstag - Tagebücher

Heute habe ich auf Instagram einen Post mit ein paar Bildern gesehen, in denen mehrere Leute Ausschnitte aus den Tagebüchern ihrer Teenagerzeit geteilt haben. Mir schauderte dabei, nicht wegen der Dinge, die sie geschrieben hatten, sondern weil ich kürzlich meine eigenen Tagebücher gefunden hatte, als ich nach etwas anderem suchte.

Ich bekam mein erstes Tagebuch mit 12. Während der Ferien verbrachte ich ein paar Tage mit meiner besten Schulfreundin und wir sind viel herumgezogen. Eines Tages wanderten wir ins nächste Städtchen, um eine weitere Schulfreundin zu besuchen und auf dem Weg entdeckten wir das Schaufenster eines kleinen Ladens.
Ich frage mich, ob diese Art von Lädchen noch in manchen Dörfern und Städtchen existiert. Es ist praktisch ein Raum, wo man alles Mögliche bekommen kann, von Stiften zu Zeitschriften, Gläsern zu Figürchen, Lotterietickets zu Tagebüchern.
Ja, in dem Fenster lagen Tagebücher und wir beschlossen spontan, uns gegenseitig eins zu schenken, denn das ist, was beste Freunde tun, anstatt sich ein eigenes zu kaufen.


Kommen sie euch bekannt vor? Sie kamen aus Shanghai und ich war überrascht, wie viele Leute danach zu suchen scheinen.
Es gab zwei Größen, dies ist das "Shanghai diary 112" (das andere war 110), sie kamen in allen möglichen Farben und mit verschiedenen Motiven. Es gab auch Notizbücher und sogar Rezeptbücher in der Art (auf dem Rücken stand, was es war).
Sie waren liniert, die linken Seiten hatten einen orangefarbenen Rand mit einer Sonne und Blumen, die rechts hatten Bäume und Berge in rosa. Zumindest galt das für meine, vielleicht gab es ja auch noch welche mit anderen Bildern.

Von 12 bis 24 hatte ich drei dieser Tagebücher, gefüllt habe ich ungefähr zweieinhalb davon. Ich war keine sehr regelmäßige Schreiberin und manchmal gab es große Lücken.
Es war so eine Überraschung, sie zu finden, weil ich sie in meiner Erinnerung schon vor langer Zeit entsorgt hatte. Das war anscheinend nicht das einzige Mal, daß meine Erinnerung versagte.

Ich find mit dem an, das ich abgebrochen hatte, weil es das kürzeste war. Es war aus der Zeit, als ich die Ausbildung zur Bibliothekarin machte und dann anfing zu arbeiten, wo ich dann auch meinen Ex kennenlernte. Also ja, es war damals alles sehr rosarote Brille und Liebeslieder in der Luft 😉, aber es gab keine überraschenden Erinnerungen, also ging der Shredder ans Werk.

Dann wandte ich mich dem ersten zu, weil ich mir dachte, da stünden bestimmt ein paar Dinge drin, an die ich mich nicht erinnerte, und damit hatte ich recht.
Die frühe Teenagerzeit war eine relativ sorglose Zeit. Ich schrieb hauptsächlich über Freunde, was wir taten, was wir aßen, was wir kauften, wohin wir gingen. Der Rest war mit Erzählungen über die Schule aufgefüllt und der gelegentlichen Bemerkung, daß ich mal wieder nicht genug für die Geigenstunde geübt hatte.

Das zweite ist volle Kanne Pubertät und es war einfach nur peinlich, davon zu lesen, wie linkisch ich war (das ist ein Euphemismus) und mich nach dem einen oder anderen Jungen (oder jungen Mann, als ich älter wurde) verzehrte. Das zu lesen jagte mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken 
😂
Manche dieser Erinnerungen waren in einem Schränkchen in einer kleiner Ecke voller Spinnweben in meinem Kopf gelandet und dahin beschloß ich sie auch zurückzustecken.
Stellt euch nur vor, wenn ich doch noch berühmt werde - hört auf zu lachen - und jemand nach meinem Tod dieses Tagebuch herauszieht, ich würde ja im Grab rotieren! Okay, ich würde nicht wollen, daß das irgendjemand liest, berühmt oder nicht.
Also ja, es wanderte in den Shredder.



Es gab aber auch ein paar rehabilitierende Züge. Ich widersetzte mich Rassismus (für einen Freund), ich war nicht egoistisch (oder verknallt) genug, um mir keine Gedanken um den Zustand der Welt zu machen (und mir natürlich Sorgen deshalb zu machen), und ich war für Freunde da.
Es war eine Erleichterung zu lesen, daß ich keine völlige Idiotin war, sondern einfach nur ein Teenager.

Nachdem ich mein Tagebuch mit 24 aufgab, habe ich nie mehr eins angefaßt. Ich war schon immer schrecklich darin, selbst Notizbücher und Kalender am Laufen zu halten, also ist es eher überraschend, daß ich überhaupt soviel geschrieben habe.
Das einzige, was ich in dieser Hinsicht bereue, ist, nie ein Traumtagebuch ausprobiert zu haben. Meine Träume sind wild, aber selten peinlich, ich denke, sie wären eine viel witzigere Lektüre gewesen - die meisten jedenfalls. Jetzt werde ich allerdings damit nicht mehr anfangen.

Habt ihr (noch) ein Tagebuch oder Tagebücher aus eurer Vergangenheit?

Samstag, 13. September 2025

Einfach nur so Samstag - Wörter

Dieser Post wurde von dem Septemberpost für die 10 am 10. auf Marsha in the Middle inspiriert, in dem es um Wörter ging, die auf -ber enden.
Ich habe daran nicht teilgenommen, weil ich mich nicht imstande fühlte, für meinen englischen und meinen deutschen Blog nach zehn Wörtern zu suchen, denn die konnten natürlich nicht dieselben sein, ausgenommen die letzten vier Monate des Jahres.
Das wurde mir allerdings erst klar, als ich schon angefangen hatte, nach Worten mit -ber zu suchen und dabei eine Liste mit englischen und deutschen Wörtern erhielt, die mir völlig neu waren.

Bild von pxhere

"Reihenschieber"
Ein Verschlüsselungssystem für die Westentasche, 1957 entwickelt und bis in die frühen 60er von der deutschen Bundeswehr benutzt, um wichtige Nachrichten zu verschlüsseln

"Schlammfieber" 
Ein anderer Name für Leptospirose, eine bakterielle Infektionskrankheit, die oft von Nagetieren verbreitet wird (daher auch einer der englischen Namen "rat fever")

"Hellschreiber", auch "Typenbildfeldfernschreiber" genannt (das wäre doch was für's Galgenraten 
😄)
Ein faksimilebasierte Fernschreibgerät, das 1929 von einem Hern Hell patentiert wurde.

Hellschreiber in
Bletchley Park,
gemeinfrei über
Wikimedia Commons

Ich bezweifle, daß mir irgendjemand abgenommen hätte, daß diese zu meinen zehn Lieblingswörtern mit -ber gehören.

Ich habe außerdem ein paar coole Namen von Dörfern in Schottland und Wales gelernt (und werde sie sicherlich sofort wieder vergessen) - Ballintubber, Knockentiber, und mein Favorit, Penrhiwceiber. Ratet mal, welches in Wales liegt.

Habt ihr schon jemals "bonnyclabber" gegessen? Das Free Dictionary sagt mir, daß das einfach sauer gewordene Milch sein kann, aber auch "dicke, saure Milch, die mit Sahne und Zucker, Honig oder Melasse gegessen wird. Meine Mutter aß früher gern Dickmilch. Ich hatte seit Ewigkeiten keine, werde mir aber wohl welche besorgen müssen, nur damit ich sagen kann, daß ich "bonnyclabber" hatte, was sich soviel netter anhört als einfach nur Dickmilch.


Bild von pxhere

Falls ihr euch fragt, um was es in diesem Post eigentlich geht, außer daß er ein Beweis für mein "Springspinnengehirn" ist, es geht um Wörter und Sprache.
Sind Wörter nicht faszinierend? Wie sie einem von der Zunge rollen, wie sie einem die Zunge verbiegen, wie ein einziges Wort Erinnerungen, Emotionen, Gerüche, Bilder heraufbeschwören kann? Wo sie herkommen?
Oder wie ist es, wenn man ein kurzes, wirklich vertrautes Wort aufschreibt und dann eine Weile anschaut? Habt ihr jemals das Gefühl gehabt, daß es plötzlich sehr seltsam aussah, und ihr euch gefragt habt, wie da jemand drauf gekommen ist?
Oder habt ihr schon mal ein Wort laut ausgesprochen und euch gefragt, ob das so überhaupt stimmt, weil es sich auf einmal komisch angehört hat (was meiner Schwester zufällig gerade da in einem Telefonanruf passiert ist, als ich an diesem Punkt in meinem Post war)?

Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum ich den Katzen gern vorlese und das lieber auf Englisch statt dem vertrauten Deutsch, um neue Wörter auszukosten oder manchmal lerne, Wörter, die ich bereits kenne, auszusprechen, weil ich vorher, als ich sie nur gelesen habe, nie darüber nachgedacht habe.

Neulich entdeckte ich durch Zufall, daß ich bei den englischen E-Books, die ich auf Overdrive lese (andere Apps haben das wahrscheinlich auch), Definitionen aufrufen kann, indem ich ein Wort markiere, was zum Beispiel bei Slangausdrücken interessant sein kann.
Ich kann mich auch in etymologischen Erklärungen in Wörterbüchern verlieren. Oh Mann, überall diese Kaninchenlöcher!

Ich möchte mich schon mal im voraus entschuldigen, denn ich fürchte, das wird wohl eine neue Kategorie auf meinem Blog, und ich werde ab und zu mit neuen Wörtern auftauchen. Englisch oder Deutsch.
(Vielleicht solltet ihr ja Marsha die Schuld dafür geben, daß ich diese Idee überhaupt bekommen habe 
🤪)

Samstag, 6. September 2025

Einfach nur so Samstag - Wasser

"Kannst du bitte einfach mal unser Mineralwasser probieren?" "Warum kann ich nicht nur Leitungswasser bekommen?" "Das gibt es hier in Restaurants nicht so wirklich. Sie machen ihr Geld gewöhnlich mit den Getränken und das bedeutet, daß sie nicht darauf vorbereitet sind, daß Leute nach kostenlosem Leitungswasser fragen. Ich bin ehrlich, es ist mir etwas peinlich zu fragen. Sie haben stilles Mineralwasser. Könntest du das nicht probieren?" "Ich hätte lieber Leitungswasser."
Es war eine regelmäßige Diskussion mit meiner Freundin aus den USA, als sie vor vielen Jahren das erste Mal hier nach Deutschland kam. Warum wollte sie nichts Neues probieren?
Wir bekamen komische Blicke, aber nicht immer Leitungswasser.

Bild von pxhere

So wie ich darüber überrascht war, daß ich Eiswasser zu jedem Essen angeboten bekam, als ich die USA zum ersten Mal in den frühen 90ern besuchte, konnte meine Freundin einfach nicht begreifen, daß wir eben kein Leitungswasser in Restaurants hatten - und immer noch nicht so wirklich haben.
Tatsächlich tranken hier damals überhaupt nicht soviele Leute Leitungswasser. Wir hatten amerikanische Kühlschränke mit Wasser- und Eiswürfelspendern gesehen, aber das war etwas sehr Exotisches für uns, man bekam sie hier nicht so leicht zu dieser Zeit. Als ich das erste Mal bei meiner US-Freundin im Haus war, spielte ich mit dem Wasserspender wie ein kleines Kind.

Esme und ich liebten Eiswürfel (tu ich immer noch),
sie von außen und ich im Glas

Das meinte ich mit "von außen",
sie leckte gern das Kondenswasser ab
 
Deutsche haben ihr Wasser schon immer geliebt, aber das bedeutete Mineralwasser. Wir haben eine Menge Mineralwässer, deutsche und importierte, die meisten in Plastikflaschen, aber auch immer noch welche in Glasflaschen (die mir lieber sind), mit Kohlensäure - medium ist am beliebtesten vor dem klassischen - oder still, was (anders als in anderen Ländern) an dritter Stelle kommt.

Kein maschinenlesbarer Autor angegeben.
Wahrscheinlich Rainer Zenz
(den Copyright-Angaben nach)
 CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons


Dies ist übrigens die "Perlenflasche", ein Design von Günter Kupetz, produziert seit 1969 - 5 Milliarden Mal! Dies ist nur ein Spitzname, der offizielle Name ist so richtig deutsch, "Normbrunnenflasche" oder "Brunneneinheitsflasche".
Als Perlenfädlerin kann ich diesen Spitznamen ja nur lieben, der von den 230 Glasnoppen inspiriert ist, die nicht nur die Bläschen im Wasser nachahmt, sondern auch in Kombination mit der Einschnürung in der Mitte für mehr Griffsicherheit sorgt. Es funktioniert. Ich mag mein Wasser gern kalt und ich hatte glatte Flaschen, die mir dank Kondenswasser fast aus der Hand rutschen.
Die Flasche hat Designpreise gewonnen und ist so beliebt, daß sie sogar in Plastik reproduziert wurde.

Tatsächlich hat meine eigene Stadt mehrere kostenlose Abfüllstationen für unser örtliches sogenanntes "Sauerwasser", welches eine wichtige Rolle in unserer Geschichte gespielt hat, und bis vor ein paar Jahren konnte man es als Sprudel in Flaschen kaufen, bevor die Abfüllanlage dichtmachte.
Zwei dieser Stationen sind außerhalb unseres örtlichen Freibads und für uns Kinder war es völlig normal hinauszugehen, wenn wir im Bad waren, und schnell einen Schluck zu trinken, weil wir uns nicht leisten konnten, etwas zu kaufen. Im Laufe der Jahre wurden mancher dieser Stationen zeitweilig geschlossen und wieder geöffnet, ich muß gestehen, ich habe keine Ahnung, wie die Lage derzeit ist.
Eine davon ist das Brunnenhäusle in meiner Gegend. An jeder Ecke ist ein Wasserhahn und das Häuschen selber ist ein Kiosk, an dem man Eis und Getränke bekommen kann. Es ist wirklich nett, da draußen zu sitzen.


Viele Familien sparten Geld, indem sie ihre Flaschen an diesen Stationen auffüllten. Natürlich war das Sauerwasser nicht enteisent, was bedeutete, daß die Flaschen, die immer wieder verwendet wurden, irgendwann innen bräunlich aussahen, egal wie sehr man versuchte, sie sauberzuhalten, und es hatte natürlich keine Kohlensäure, es schmeckte also schon lasch, wenn es nicht kalt war. Damals waren stille Wässer nicht beliebt.Die erste urkundliche Nennung des Badhauses ist von 1404. In der Mitte des 16. Jahrhunderts kam Herzog Christoph von Württemberg oft wegen des Wassers und zum Baden. Andere Prominenz folgte, aber nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm das Interesse ab. 1839 kauften zwei Ärzte das Badhaus und das Land drumherum und eröffneten ein Krankenhaus, das es heute noch gibt.

Ich muß allerdings zugeben, daß mir die kohlensäurehaltige Version unseres Mineralwasser immer einen Tick zu salzig war.
Geschmack ist für uns beim Wasser wirklich wichtig. Wir Deutschen können nicht einfach jedes Wasser trinken und mögen es - es sei denn, wir sind sehr durstig und selbst dann besteht noch die Chance, daß wir uns wegen des Geschmacks beschweren.
Wasser kann abhängig von den enthaltenen Mineralien unterschiedlich schmecken, Kalzium, Natrium, Sulfat, Magnesium usw.
Wasser kann seinen Geschmack auch ändern. Es kann vorkommen, daß man sich an ein Mineralwasser gewöhnt hat und auf einmal schmeckt es einem nicht mehr. Das ist mir mit meinem letzten so gegangen (und dazu haben sie auch noch von der Perlenflasche zu einer glatten Flasche gewechselt!), und da ich mir das, das ich mag, nicht liefern lassen kann, habe ich zu Leitungswasser gewechselt. Das war keine leichte Entscheidung für mich. Das Leitungswasser in meiner Region ist ziemlich hart und ich mußte mich erst dran gewöhnen. Manche Leute benutzen Filter, das habe ich auch eine Weile gemacht, aber dann festgestellt, daß es für mich keine Unterschied macht, sondern nur Aufwand und daß ich mir das Geld sparen kann.
Eine Menge Leute trinken hier jetzt Leitungswasser. Nicht nur wird oft gesagt, daß es unser am besten kontrolliertes Lebensmittel ist, es ist auch günstiger als Wasser in Flasche und verfügbar, ohne daß man zum Laden gehen muß. Für die, die stilles Wasser nicht mögen - dazu habe ich auch ich einmal gehört - gibt es Wassersprudler, mit denen man seinen persönlichen Sprudelgrad bestimmen kann.
Meine Stadt und andere haben Projekte laufen, um für Leitungswasser zu werben, indem sie zum Beispiel Abfüllstationen in der Innenstadt errichten oder Geschäfte dazu ermuntern, kostenlose Füllungen anzubieten.

Also ja, das heißt dann ja wohl, daß man in deutschen Restaurants jetzt Leitungswasser bekommt, richtig?
Ja und nein.
In der Trinkwasserverordnung der EU wird empfohlen, den Zugang zum Wasser zu verbessern, "indem die kostenlose Bereitstellung von Wasser für den menschlichen Gebrauch in öffentlichen Verwaltungen und öffentlichen Gebäuden oder - kostenlos oder gegen eine geringe Dienstleistungsgebühr - für Kunden von Restaurants, Kantinen und Verpflegungsdiensten gefördert wird."
Das heißt, man kann fragen, aber es besteht die Möglichkeit, daß man entweder gar keins bekommt oder daß es kostet - und der Betreiber entscheidet wieviel.
Einer Umfrage in Deutschland, Österreich und der Schweiz zufolge, fragen Deutsche immer noch nicht gern im Restaurant nach Leitungswasser.
Ich schätze, die Gründe sind, daß sich die Leute entweder etwas gönnen möchten, wenn sie schon ausgehen, daß sie denken, die Preise für Leitungswasser sind zu hoch - wir haben alle die eine oder andere Geschichte gehört - oder daß sie einfach nicht daran gewöhnt sind, auch nur daran zu denken, daß sie fragen könnten.

Übrigens, Wasser in Restaurants ... wußtet ihr, daß es Wassersommeliers gibt, ungefähr 500 weltweit? Sie arbeiten oft im Hotel- und Gaststättenbereich und empfehlen das richtige Wasser zu bestimmten Speisen oder bieten Wasserverkostungen an.
Es gibt nur wenige Schulen, die diese Ausbildung anbieten.

Habt ihr sschon genug von Wasser? 
🙃 Keine Sorge, ich lasse euch jetzt gehen. Danke, falls ihr es bis hierher geschafft habt!


Quellen:

1. Sabine Riker: Das Wasser, das Göppingen berühmt machte. In: Stuttgarter Zeitung, 15. August 2019
2. 
David Hahn: Darf Leitungswasser etwas kosten? Auf: Südwest Presse, 6. Dezember 2024
3. Olivia Logan: Wie viele Menschen trauen sich in Deutschland, Leitungswasser zu bestellen? Auf: I Am Expat, 13. Juni 2025 (automatische Google-Übersetzung!)
4. Richtlinie (EU) 2020/2184 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2020 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch

Samstag, 16. August 2025

Einfach nur so Samstag - Bücher auf Reisen

In meinem Post über "Der kleine Nick" vor ein paar Tagen habe ich gesagt, daß meine persönlichen Exemplare der Bücher eine eigene Geschichte haben.
Hier ist sie.

Das Jahr ist 1994 und es ist zwei Tage vor meinem Geburtstag.
Wir drei Schwestern nehmen zufällig nach der Arbeit denselben Zug und meine älteste Schwester hat mein Geburtstagsgeschenk in einer Tüte, das sie gerade vom Buchladen auf dem Weg zum Bahnhof abgeholt hat.
Die Fahrt von Bad Cannstatt dauert ungefähr 30 Minuten. Wir reden, wir lachen, wir steigen aus dem Zug ... da bemerkt meine Schwester, daß sie die Büchertüte im Zug gelassen hat!
Es ist zu spät, nochmal einzusteigen, also bleiben jetzt nur zwei Dinge zu tun, 1. zum Service-Büro zu gehen und zu sie darum bitten, jemanden zu kontaktieren, 2. zu hoffen, daß sich kein Fahrgast die Tüte schnappt und sich denkt, daß das doch nette Bücher sind.

Etwas im Zug zu verlieren oder zu vergessen ist ein Glücksspiel. Manche geben so etwas dem Schaffner, damit es ins Fundbüro des Bahnunternehmens kommt (und in eine Auktion, falls niemand darauf Anspruch erhebt), aber manche denken sich "selber schuld" und behalten es oder denken wenigstens darüber nach (habe ich selber schon gesehen) und manche ignorieren es einfach.
Beim Service sagte man meiner Schwester, daß sie jemanden an der Endstation kontaktieren würden, damit der Schaffner im Zug nachschauen könnte, falls er die Tüte nicht sowieso schon selber gefunden hätte.
Wenn die Tüte da wäre, würden sie sie mit dem nächstmöglichen Zug zurückschicken und beim Service-Büro abgeben, wo meine Schwester sie dann am nächsten Tag abholen könnte.

Das Glück war auf unserer Seite und meine Schwester holte die Tüte am nächsten Tag ab.
Um das zu feiern, zeichnete sie in jedes Buch ein kleines Bild, um die Geschichte zu erzählen.

Von links nach rechts - meine Schwester A., moi und meine
Schwester B. In der Zeichnung gibt es eine Menge Details, von A.s
Zopf bis zu meinen langen Haaren, die ich offen trage, und B.s Bob,
aber auch A.s typischer Rucksack, mein Shopper und B.s Tasche,
und natürlich die Büchertüte, auf der "Stehn" steht, ein
Buchladen, den es heute nicht mehr gibt.

An diesem Bild liebe ich zwei Dinge besonders.
Da ist einmal die Firma Hengstenberg, die nächstes Jahr 150
Jahre alt wird und Essig, Eingelegtes, Senf usw. produziert.
Heute sind nur noch Büros in dem Gebäude, aber es ist trotzdem
noch Teil der regionalen Geschichte.
Außerdem ist das noch einer der alten Züge. Es ist durchaus
möglich, daß wir in einem davon fuhren, denn die Doppelstockzüge
wurden um die Zeit gerade erstmal eingeführt.
Könnt ihr uns im letzten Fenster sehen?
 

Oh nein! Wir sind daheim aus dem Zug gestiegen, aber die Tüte
ist noch da drin! Unsere schockierten Gesichter bringen mich
jedes Mal zum Lächeln 
🙃

Sagt mir ohne Worte, wie die Bücher von Geislingen von Göppingen
zurückfuhren. Sind euch die Geschwindigkeitslinien aufgefallen?

Das Service-Büro der Deutschen Bahn (das es auch nicht mehr gibt,
weil sie den Vertrag für diese Strecke vor einigen Jahren verloren
haben und weil sie sowieso erwarten, daß man sich um seinen
eigenen Service kümmert) am Tag vor meinem Geburtstag.
An der Uhr kann man erkennen, daß A. und ich unseren zu dieser
Zeit üblichen Zug genommen haben, und oh Wunder, er war auch
noch pünktlich!


Ich finde, die Zeichnungen machen diese Bücher wirklich ganz besonders. Meint ihr, daß jemand sie irgendwann mal in der Zukunft in den Händen halten wird und sich fragt, was das wohl alles zu bedeuten hatte ...

Samstag, 19. Juli 2025

Einfach nur so Samstag - Der neue Mitbewohner

Warnung: Spinnenbilder und mehr!

Vor Jahren besuchten wir Verwandte des Ex. Sein junger Cousin (tatsächlich waren wir da auch noch jung) hatte alle möglichen Tiere - es war früher ein Bauernhof in einem Dorf - hauptsächlich Geflügel wie Enten in einem Teich, Hühner, Fasanen, aber auch Kaninchen. Als wir sie uns anschauten, setzte er plötzlich eine weiße Maus auf meine Schulter. Natürlich hatte er darauf gehofft, daß ich durchdrehen und schreien würde, aber selbst wenn ich den Drang dazu verspürt hätte, was nicht der Fall war, hätte ich ihm den Gefallen nicht getan.
Stattdessen streichelte ich die Maus und sagte ihr, wie süß sie war. Das war sie nämlich. Ich glaube, daß ich mir an dem Tag seinen Respekt verdient, nicht daß ich darauf aus war.

Ich bin aber ehrlich, ich bin nicht bei allen Tieren so cool, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Wenn mich eine Spinne anspringt, springe ich wahrscheinlich auch, nicht weil es eine Spinne ist, sondern weil ich erschrecke. Ich wage zu behaupten, daß mir das mit jedem anderen Tier genauso gehen würde (der Dekan kann so ein oder vier Geschichten darüber erzählen).

Wenn mich ein Besucher aber nur anschaut, kann ich dementsprechend reagieren. Manchmal kommt eine einzelne Stinkwanze durch das offene Fenster herein und die war dann sanft aber bestimmt hinausgeworfen.
Spinnen dürfen bei mir leben, da ich keine Phobie habe, sehe ich
keinen Grund dafür, das Haus mit ihnen darin niederzubrennen.

Ich finde, sie war
echt hübsch.

Fliegende Exemplare werden so freundlich wie möglich hinausgeleitet, obwohl es etwas hektisch werden kann, wenn sie von der stechenden Sorte sind und ein nicht so kleiner Kater ihretwegen ganz aufgeregt ist. 
Kleidermotten und Teppichkäfer sind eine Ausnahme. Wenn ich sehe, denke ich nicht mal an mein Karma und lasse jegliche Gnade fallen (obwohl Motten ohne Fallen inzwischen ganz schön schwierig zu fangen sind).



Wenn ich den Rolladen an dem Fenster hinter meinem Bett nicht ganz herunterlasse - damit ich zum Beispiel den Mond betrachten kann - habe ich manchmal nächtliche Besucher, Motten und Grashüpfer. Ponder war von ihnen total fasziniert und tupfte immer ganz sanft das Glas an. Es war auch gut, daß da Glas war, denn Ponder mag zwar sehr freundlich gewirkt haben, aber ich habe ihn mehr als eine Spinne plattmachen und verspeisen gesehen.






Diese gestreiften Hügel - der Dekan.



Auch der Dekan ist interessiert, aber er ist mehr von der Sorte, die eine lange Zeit auf der Lauer liegen und dann mit Füßen, die in alle Richtungen schlegeln, losspringen. Ich habe ihn hier drin schon Besucher in die Falle locken gesehen, aber er läßt sie dann normalerweise wieder los und schaut ihnen mit Augen hinterher, die so groß wie die eines Kindes vor dem Weihnachtsbaum sind. Er könnte sie wenigstens sanft umhauen, damit ich die Chance habe, sie rauszusetzen, aber um es nicht so nett ausdrücken, er ist total nutzlos in dieser Hinsicht.

Gestern aber hatten wir einen Besucher, der mich überraschte, weil ich hier noch nie zuvor einen gesehen hatte.
Fangen wir mit dieser Seite aus einem meiner Lieblingsbücher an, "Daddy Langbein" von Jean Webster (hier auf Englisch verfügbar).
Judy, die Hauptfigur, ist im College und schreibt an ihren Mentor.
"Der Anlaß war ein Tausendfüßler wie dieser. Nur noch schlimmer. Gerade als ich den letzten Satz fertig hatte und überlegte, was ich nun sagen sollte, - fiel er von der Decke herunter und landete auf meiner Seite. Ich warf zwei Tassen vom Teetisch, als ich entkommen wollte. Sallie haute mit meiner Haarbürste - die ich nun nie mehr benutzen kann - auf ihn ein und tötete das Vorderteil, aber die hinteren fünfhundert Füße rannten unter die Kommode und entkamen.
Unser Gebäude ist dank seinem Alter und der efeubedeckten Mauern voller Tausendfüßler. Sie sind schreckliche Wesen. Ich würde lieber einen Tiger unter dem Bett finden."
(Anmerkung: Centipede im Original heißt wörtlich Hundertfüßer - bei uns werden beide Namen verwendet - und nur fünfzig Füße sind entkommen. Außerdem wurde in der deutschen Übersetzung leider das "plump" für das Geräusch weggelassen, als er von der Decke fällt, lest weiter, dann seht ihr, warum leider.)


Das beschreibt es ziemlich gut, nur daß das hier kein College ist.
Ich wurde von einem Kater geweckt, der um 5 Uhr morgens Frühstück verlangte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich erst ungefähr vier Stunden geschlafen und war noch nicht so ganz mein waches und energiegeladenes Selbst - hört auf zu lachen!, aber ich bemerkte etwas großes Schwarzes an der Decke hängen, was eindeutig keine Spinne war. Bei genauerem Hinschauen war es ein Hundertfüßer, was mich verblüffte, ungefähr 5 cm lang und völlig außerhalb meiner Reichweite.
Im nächsten Moment aber ... "plump!" (darum leider)! Ich war ehrlich überrascht davon, wie laut der Ton war, als der Hundertfüßer direkt neben mir herunterfiel. Keine Tassen, kein Teetisch, keine Haarbürste (obwohl eine auf meinem Nachttisch liegt). Stattdessen rannte ich zu meinem Bett zurück, um aus Ermangelung einer Schüssel in meinem Schlafzimmer (Notiz: immer eine Schüssel und ein flaches Stück Pappe im Schlafzimmer bereithalten) meine Taschentuchbox zu holen, aber zu spät, er war schon weg. Ich glaube, er ist unter den Kleiderschrank gerannt, und ich stocherte ein bißchen mit einem Besen herum, ohne Erfolg.
Was mich echt ärgert ist, daß ich mir sicher war, er hat nur versucht, sich vor einem Interview mit mir darüber, was er zum Haushalt beitragen kann und wie er die Miete zahlen will, zu verstecken. Ich schwöre, wenn er seine Schuhe in der ganzen Wohnung herumschmeißt, werde ich sauer.

Während ich dies schreibe, bin ich immer noch völlig ahnungslos, wo er steckt. Er könnte überall sein, als schätze ich mal, wir werden erstmal wohl mit ihm leben müssen. Der Dekan hatte ich nicht mal bemerkt, wenn er aber bleibt, könnte es eine Begegnung der vielfüßigen Art geben. Oh Mann, ich hoffe, er ist kein Stepptänzer!

Ich bin seinetwegen nicht wahnsinnig besorgt, aber ich mag die Vorstellung nicht, auf ihn drauf zu treten, zum Beispiel mitten in der Nacht. Ich mag auch die Vorstellung nicht, daß das Gör versucht, ihn zu jagen/töten/essen, und ich bin nicht scharf darauf, ihn in meinem Bett zu finden (das wäre dann wieder die Sache mit dem Anspringen).
Ist es seltsam, daß ich wünschte, ich hätte ein Bild von ihm machen können?

Samstag, 28. Juni 2025

Einfach nur so Samstag - Sparschweine, Teil 2

Letzte Woche hatte ich einen Post über die Geschichte des Sparschweins und meinte, ich würde einen zweiten Post schreiben, in dem dann auch ein paar meiner eigenen Erinnerungen vorkommen, und hier bin ich nun.

Die erste Sparbüchse, an die ich mich erinnern kann, war aus Holz. Ich bekam sie am Weltspartag von der Bank.
Der Weltspartag wurde während des 1. International Savings Bank Congress in Mailand eingeführt, ein Tag, der die Idee des Sparen auf der ganzen Welt bewerben sollte.
In manchen Ländern ist er inzwischen völlig verschwunden, in anderen ist er jedoch immer noch eine Tradition am 31. Oktober oder, wie in Deutschland, am letzten Arbeitstag davor, da der 31. in manchen Regionen ein Feiertag ist. Manche Banken machen sogar eine Weltsparwoche. Heutzutage liegt das Augenmerk der Organisatoren auf Entwicklungsländern.
Es ist keine Überraschung, daß Deutschland ihn noch an, schließlich haben wir uns immer damit gerühmt, die Weltmeister im Sparen zu sein.
Ich liebte die kleinen Geschenke, die wir bekamen, und auch heute noch steckt mein Klebeband in einem (häßlichen) braunen Abroller aus der Zeit! Damals war die einzige Option für unser bißchen Geld der Weg aufs Sparbuch. Meine Jugendsparbücher aus den 70ern und frühen 80ern hatten die passenden Farben und bunte Blumen, die an Prilblumen erinnerten. Ich wäre nicht überrascht, wenn sie noch irgendwo in einem Stapel alter Briefe oder Papiere stecken würde, sollte ich sie zufällig finden, stelle ich hier noch ein Bild ein.

Meine Sparbüchse war schnell kaputt, ich kann sie euch also nicht zeigen, aber ich habe genau die gleiche auf eBay gefunden, in verschiedenen Formen und mit unterschiedlichen Bildern, meistens Märchenmotive.
Während es dort zwar die Form gibt, die auch ich hatte, gibt es das Motiv nicht, ich bin mir ziemlich sicher, daß ich Schneewittchen hatte. Wer weiß jedoch, vielleicht taucht das auch irgendwann auf?
Am Boden war eine Metallscheibe mit einem Schlüsselloch eingesetzt, im Gegensatz zu anderen Spardosen, die - wie ich in meinem ersten Post erwähnte - tatsächlich zerbrochen werden mußten, um an das Geld zu kommen.
Eine weitere Möglichkeit war, eine Büchse zu haben, die nur auf der Bank geöffnet werden konnte, ganz früher gingen Bankangestellte sogar zu den Kunden, um die Büchsen dort zu öffnen.

Ich erinnere mich noch, daß wir in der Grundschule einen Sparschrank hatten. Er war kleiner als der hier in einer Kneipe und stand in einer Ecke in unserem Klassenzimmer, wahrscheinlich auf einem Tisch.

Public Domain, Bild von by Willy Horsch
(über Wikimedia Commons)


Ich erinnere mich nicht mehr, ob jemand von der Bank in die Schule kam, um die Schränke zu öffnen, das Geld aus den kleinen Einsätzen hinter den einzelnen Einwurfschlitzen zu zählen und den Betrag in das Schulsparbuch einzutragen, aber ich schätze, so muß es gewesen sein. Wenn man sich mein Buch anschaut, scheint das aber nicht besonders regelmäßig passiert zu sein.
Ich war nicht sehr gut im Sparen, nur einmal - kurz nach meinem Geburtstag - hatte ich ein wahrhaftiges Vermögen auf meinem Büchlein, das ich aber schnell wieder abhob.
Entschuldigt das Aussehen, es ist über 50 Jahre alt. Außerdem fiel mir wieder auf, daß nicht nur mein Name, sondern auch meine damalige Adresse falsch eingetragen waren.


Übrigens war "Sparefroh", der kleine Kerl mit Münze als Torso, eine Werbefigur, die 1955 in Stuttgart (wo sonst als bei den Schwaben 
😉) erfunden wurde und die es ja offensichtlich noch in den 70ern gab, obwohl ich mich nicht außer auf meinem Sparbuch nicht daran erinnern kann.
Viel populärer war er in Österreich, wo es ihn heute noch in modernisierter Form gibt.

Für die, die Spardosen sammeln möchten, sind die Möglichkeiten endlos, es wird empfohlen, sich auf ein bestimmtes Aussehen oder Material zu beschränken, es sei denn, man hat unbegrenzten Platz und finanzielle Ressourcen.
Es gibt die einfachen Sparschweine, die man zerbrechen muß - es sei denn, man hat wie ich eine professionelle Ausbildung darin, ein Messer durch den Schlitz zu schieben und die Münzen sorgfältig herauszugeleiten -, oder die mit einem Schlüssel, den man selber oder die Bank hat.
Meine Drumbos (über die ich vor ein paar Jahren geschrieben habe) sind die kleine Größe und müßten deshalb mit Messer benutzt werden.


Sammler unterscheiden außerdem zwischen "still banks" ohne Mechanik oder "mechanical banks", die etwas tun, wenn man Geld einwirft, und die besonders in den USA sehr gefragt sind. Die ersten waren zum Beispiel aus Zinn, in den USA auch aus Gußeisen gemacht.
Hunderte von Variationen wurden hergestellt, mit Musik, mit Zählwerk oder mit Bewegung.
Es gibt auch die Verkaufsautomaten wie meine Stollwerck "Victoria" (über die ich hier geschrieben habe), die einem Schokolade oder Bonbons "verkauften".


Mein eigene Lieblingsspardoes war jedoch mein Tresor. Keine Ahnung, wohin er verschwunden ist, aber wahrscheinlich hat er meine gierigen Kinderhände nicht überlebt, die an die Pfennige darin wollten.
Da ich im Moment keine Spardose hatte, habe ich mir selbst eine zum Geburtstag geschenkt (ja, ich mache die seltsamsten Geburtstagsgeschenke). Der Tresor meiner Kindheit war grau, aber ich denke, ich kann mit einer kleinen Farbänderung leben.
Ich bin mir sicher, daß mein Geld jetzt völlig sicher vor Einbrechern sein wird 
😉



Quellen:

1. World Savings Day and the Piggy Bank. History and curiosity. Auf: UniCredit Webseite, 31. Oktober 2023 (auf Englisch)
2. 
Spardosen. Wer den Pfennig nicht ehrt, Spardosen aller Zeiten. Auf: Kreissparkasse Köln - Geldgeschichte (folgt auch all den verschiedenen Links am Ende für detailliertere Artikel und Bilder von unterschiedlichen Sparbüchsen)
3. Jörg Bohn: Spardosen. Auf: Wirtschaftswundermuseum