Posts mit dem Label Erinnerungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Erinnerungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 12. Mai 2026

Nostalgie - Schnecken

"Als Mr. Peter Knoppert das Beobachten von Schnecken zu seinem Hobby machte, hatte er keine Ahnung, daß seine Handvoll von Exemplaren im Handumdrehen auf Hunderte wachsen würde. ... 'Mir war Natur in meinem Leben vorher immer egal', sagte Mr. Knoppert oft - er war Partner in einer in einem Maklerbüro, ein Mann, der sein gesamtes Leben der Finanzwissenschaft gewidmet hatte - 'aber Schnecken haben mir die Augen für die Schönheit der Tierwelt geöffnet.'" (Anmerkung: eigene Übersetzung, da ich die Geschichte auf Deutsch nicht da habe)
Das ist aus dem Anfang einer von Patricia Highsmiths Kurzgeschichten über Menschen und Schnecken, diese heißt "Der Schneckenforscher", die andere "Auf der Suche nach X. Claveringi" (die englischen Geschichten könnt ihr hier finden (obwohl es für Claveringi zwei Versionen gibt)).


Highsmith liebte Schnecken und hielt Hunderte von ihnen als Haustiere. Sie nahm sie mit zu Partys, auf Salat in ihrer Handtasche sitzend, und sie schmuggelte sie in ihrem BH nach Frankreich hinein, weil sie sie nicht in England zurücklassen wollte.
Ich las ihre beiden Schneckengeschichten in jungem Alter in einer Anthologie, aber "Der Schneckenforscher" beeindruckte mich mehr, und das Bild, das ich mir vom Ende ausmalte, hat sein eigenes Zimmerchen in meinem Kopf und springt jedesmal heraus, wenn ich eine Schnecke sehe.
Wenn ihr die Geschichten kennt, könnt ihr euch vorstellen warum. Habe ich erwähnt, daß es eine Horror-Anthologie war?

Es gibt noch andere Schnecken in meinen Kindheitserinnerungen, wie die Süßwasserschnecken in den Teichen des Parks nahe unserem Haus.


Wir liefen auf den Mäuerchen herum und hielten nach Schnecken Ausschau (wir haben sie immer dort gelassen, falls ihr euch das fragen solltet). Meinen Erinnerungen nach schätze ich, daß es Post- und Spitzhornschnecken waren. Von der Posthornschnecken gab es weniger und ich war überzeugt, daß sie das zu den Schneckenköniginnen machte, also war es sehr aufregend, eine von ihnen zu sehen.

Links: Posthornschnecke
Rechts: Spitzhornschnecke
Bild von Se90 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Natürlich waren wir auch von Landschnecken fasziniert (nicht Nacktschnecken, sie waren mir unheimlich, vor allem nach einem großen Regen, als der Weg in den Wald hinauf von ihnen übersät war, es sah wie eine Invasion aus). Die, die man hier am häufigsten sieht, ist die Gartenbänderschnecke, aber es war etwas Besonderes, Weinbergschnecken zu finden.
Einmal fanden meine Freundin und ich zwei von ihnen auf der Straße und beschlossen, sie an einen sicheren Ort in einem Garten zu setzen, aber der Gartenbesitzer war draußen und sagte, wir sollen es ja nicht wagen, also ließen wir sie auf einer Mauer zurück (obowhl sie und andere Schneckenarten keine Schädlinge sind!). Hinterher machte ich mir recht lang große Sorgen bezüglich ihres Schicksals und dachte, wir hätten eine wirklich sichere Stelle für sie finden müssen. Tut mir leid, kleine Schnecken!
Ich möchte mich außerdem dafür entschuldigen, eins von diesen nervigen Kindern gewesen zu sein, die manchmal eure Augen anstupsten, um zu sehen, wie ihr sie einzieht, und dafür, daß wir euch am Haus hochgehoben haben, wir wußten nicht, daß euch das wehtun kann.

Tatsächlich habe ich seit Jahren keine Weinbergschnecken mehr in freier Wildbahn gesehen, aber Schnecken haben mich in meiner Kreativität inspiriert, im Drahtwickeln, Nadelfilzen und Perlenstickerei.



Und dann ist da natürlich noch Nelly.
Nelly gab es in zwei Farben, blau und braun mit Tupfen, und in einer Größe von 10 cm. In den 60ern hatte Steiff einige Designs, die nur kurze Zeit hergestellt wurden - 1961 bis 1963 für Nelly - und als Schmusekumpel ziemlich ungewöhnlich waren.


Außer Nelly gab es zum Beispiel Fledermäuse und bunte Spinnen (und ich könnte jetzt noch wegen der Geschichte Tränen vergießen, die uns die Dame vom Spielwarenladen erzählte, daß sie sie nicht verkaufen konnten und statt Süßigkeiten beim Faschingsumzug in der Stadt hinauswarfen, argh!).
Als der Ex und ich unseren ersten Steiff-Preisführer kauften, wußten wir sofort, daß wir sie alle wollten, nicht wegen ihrer Seltenheit, sondern wir sie richtig süß fanden (finde ich immer noch).

Nelly ist aus Baumwollsamt mit Lederimitat auf der Unterseite und hat ein bemaltes Gummihaus und Gummifühler, deren Enden gern mal abbrachen, wie ihr an einem davon sehen könnt.
Ist dieses kleine Paar nicht einfach goldig?


Ist euch aber etwas an ihnen aufgefallen? Mit diesen Häusern sind sie keine Landschnecken und ich habe bis heute nie darüber nachgedacht. Ich frage mich, warum Steiff sich dafür entschieden hat.

Da habt ihr's, meine Schneckenerinnerungen.
Ich habe euch die eine erspart, als ich versehentlich auf ei.... nein, vergessen wir das.

Dienstag, 24. März 2026

Nostalgie - Erinnerungen ans Schreiben

Vor einer Weile fingen eine amerikanische Freundin und ich an, über Schulerinnerungen zu sprechen. Es wurde dadurch ausgelöst, daß ich erwähnte, wie schlecht meine Handschrift  geworden ist, seit ich hauptsächlich Dinge schreibe, die nur ich lesen können muß, und daß ich wieder zum Füller greifen wollte, vor allem für Briefe, nachdem ich ihn in letzter Zeit vernachlässigt habe.

Vom Füller kamen wir zu Unterschieden in unseren Schulsystem (die kann ich hier natürlich nicht alle aufführen).
Etwas, das mich immer überraschen wird, wenn ich es in einer Fernsehserie oder einem Film sehe, sind Bleistifte in amerikanischen schule. Es ist natürlich nicht so, daß wir gar keine Bleistifte benutzen, aber nicht so lange, nicht so viel und auf keinen Fall in Klassenarbeiten. Soweit ich weiß, sind Bleistifte hier immer noch nicht in Klassenarbeiten erlaubt.
Das folgende Bild ist für mich so amerikanisch (da ich nicht weiß, welche anderen Ländern ebenfalls Bleistifte benutzen). Ich kann mich ehrlich nicht daran erinnern, daß ich in der Schule jemals einen Multiple-Choice-Test gemacht hätte. Von dem, was ich gelesen und gehört habe, werden sie in deutschen Schulen immer noch kaum verwendet, aber man findet sie an Universitäten.

Bild von Nguyen Dang Hoang Nhu über Unsplash

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, in welcher Klasse wir in den frühen 70ern angefangen haben zu lernen, wie man einen Füller benutzt, aber anfangs hatten wir eine Plastiktafel und einen Griffel wie die auf dem Bild. Die Zeiten echter Schiefertafeln und -griffel waren da bereits vorbei.
Das hier sind nicht meine Originaltafeln, ich habe sie auf dem Flohmarkt gefunden (wie man deutlich am Zustand erkennen kann) und die Griffel sind neu. Sehr zu meiner Überraschung gibt es Plastiktafeln und Griffel immer noch und werden auch immer noch benutzt, hauptsächlich in der ersten Klasse. Ich schätze, ich alter Dinosaurier hatte erwartet, daß Kinder heutzutage direkt auf Tablets anfangen zu schreiben 
😉
Wenn man auf einer noch nassen Tafel schrieb, wurde die Handschrift ganz fett und "cremig". Ich bezweifle, daß ich das einzige Kind war, das je mit diesem Effekt herumspielte, aber es wurde nicht ermutigt, weil sich der Griffel dadurch schneller abnutzte.

Diese Schreibschrift habe ich damals noch gelernt.
Ich weiß, heute sieht das etwas anders aus.

Die Rückseite - entweder mit Kästchen für Zahlen oder leer
zum Zeichnen. Wie ihr sehen könnt, bin ich in beidem Spitzenklasse.

Ich habe einiges an Diskussionen auf deutschen Seiten gefunden, wann man Kinder beibringen sollte, mit dem Füller zu schreiben. Es gibt sogar ein paar Schulen - obwohl sie wirklich in der Minderheit zu sein scheinen - die in der ersten Klasse anfangen, andere lassen Kinder für manches die Tafel benutzen, aber auch Papier und Bleistift, dann einen Tintenroller, und der Füller folgt dann in der zweiten oder dritten Klasse. "Tintenkiller" sind gewöhnlich nicht erlaubt.
Mein Vater hatte meinen ersten Füller für mich gekauft und ihn sogar mit meinem Namen gravieren lassen, was ihn für mich echt besonders machte, weil mein Name wegen der Schreibweise nie auf irgendwas stand.

Es war ein roter "Pelikano" und mir war nicht klar gewesen, daß die rote Farbe - die Mädchen mehr ansprechen sollte als das Blau - erst seit September 1970 verkauft wurde, also als ich mit der Schule anfing. Es würde mich nicht überraschen, wenn er noch irgendwo stecken würde, aber zum Schreiben war er nicht mehr geeignet. Sollte ich ihn finden, werde ich ein Bild einfügen.


Zu meiner Zeit hatte man entweder einen Pelikan- oder einen Geha-Füller (damals beides deutsche Marken) und man verteidigte ihn bis zum Tod. Ich meine den Tod des Füllers. Ernsthaft, man kann jetzt noch Berichte über Wurfspiele gelesen, mit denen bestimmt werden sollte, welche Marke besser war! Weniger gewalttätig war der Streit über die Farben (Pelikano blau oder rot, später auch schwarz, Geha grün) oder über die Tatsache, daß der Geha als erster ein Sichtfenster hatte (was ich immer noch häßlich finde, weil es für mich den Fluß des Füllers unterbricht und ja, ich weiß, daß ich von einem Schulfüller spreche) und einen Reservetank.
Ich kann mich an keine Wettbewerbe in meiner eigenen Klasse erinnern, aber eine gewisse Rivalität gab es. Vergeßt nicht, wir sprechen hier über Grundschulkinder.

Während diese zwei ganz sicher den Großteil an Schulfüllern zu dieser Zeit ausmachten, gab es aber auch andere Marken, meine Schwester zum Beispiel hatte einen Artus Prinz.
Alle hatten Patronen, ich glaube nicht, daß ich jemanden kannte, der da noch einen Tintenfaß benutzte. Man konnte übrigens die Pelikan-Patronen in einem Geha benutzen, aber nicht die von Geha im Pelikano. Pff. Die Geha-Kids kamen sich so besonders vor, aber haben gern Patronen von uns ausgeliehen, wenn ihre leer waren 
😉
Ich erinnere mich auch, daß meine englische Brieffreundin mir Patronen geschickt hat, die konnte ich aber nicht benutzen, weil sie zu lang waren. Ich weiß nicht mehr, für welche Sorte Füller sie gedacht waren.

Heutzutage verwende ich einen Parker. Ich bin kein Fan von dicken Kugelschreibern oder Füllern, um damit zu schreiben (zum Anschauen manchmal schon) und habe immer das Gefühl eines schlanken Parker in meiner Hand bevorzugt. Er kann mit Patronen oder einem Konverter bestückt werden und ich benutze einen Konverter mit Tintengläsern. Es erinnert mich an meine Teenagerzeit, als meine Freundin und ich im Schreibwarenladen herumhingen (ich habe schon mal darüber geschrieben, wie wir dort Wachssiegel gekauft haben, was Teil meiner Schreiberinnerungen ist, aber ich möchte mich hier nicht wiederholen). Damals gab es Pelikan-Tintengläser mit unterschiedlichen Tintenfarben. Ich habe sogar schon in der Schule immer gern in anderen Farben geschrieben und wollte all diese Gläser so gern haben - diese teuren kleinen Gläser, seufz.
Heute bin ich viel vernünftiger und weiß mich zu beschränken, also habe ich nur "Intense Black" und "Tender Purple" gekauft. Vor acht Jahren! Ich habe meinen Füller immer nur für ein kurzes Danke benutzt, wenn ich ein Schmuckstück verschickt habe, oder auf den seltenen Karten, die ich schrieb. Nun da ich wieder Brieffreundinnen habe, habe ich endlich eine Entschuldigung, mehr zu kaufen.
Es gibt nur ein Problem mit Tinte und mir, vor allem wenn ich meinen Parker auffülle. Ich bin erbärmlich darin. Letztes Mal mußte ich drei Tage lang mit zwei Fingernägeln in Lila gerändert herumlaufen, weil sich die Tinte einfach nicht abschrubben ließ! Ein kleiner Preis dafür, elegant genug zu sein, um ein Tintenglas zu verwenden 
😂

Meine Handschrift hat sich ein ganz klein wenig verändert.
Wenigstens ist es mit Füller etwas besser als mit Kuli.

Für einen Schuß extra Nostalgie zeige ich euch, wie wir in meiner Zeit Lesen und Rechtschreibung gelernt haben. Diese sogenannte "Lese-Uhr" wurde von einem örtlichen Verlag für "Lehrmittel und Schulspiele" hergestellt, E. Kuhlemann.


Im Laufe der Jahre gab es mehrere Versionen, aber ich kann euch den Zeitraum, während dessen sie tatsächlich in der Schule benutzt wurden (es hörte aber irgendwann in den 70ern auf, denn mein (nicht so) kleiner Bruder hatte sie nicht mehr), oder wo genau nicht sagen, aber von einer Unterhaltung darüber weiß ich, daß es definitiv nicht in ganz Deutschland war - verschiedene Bundesländer, verschiedene Regeln - aber auch nicht nur in meinem Bundesland.
Ich konnte schon lesen, als ich mit der Schule anfing, also erinnere ich mich nicht daran, wie hilfreich die Uhr tatsächlich war, aber wir hatten Spaß damit.


Das war die, die ich hatte. Blaues Plastik
mit Druckbuchstaben. Sie ist die, die man
heute noch recht einfach finden kann,
gewöhnlich in gutem Zustand und sogar
mit dem Original-Papierumschlag, auf dem
eine Anleitung zur Nutzung stand.

Die hier hatte ich jahrelang nur auf Bildern aus
Museen gesehen, es ist die ältere Pappversion
(die einer Schule gehörte, sie hat einen Stempel
und eine Inventarnummer). Es gibt ein paar
Unterschiede zur neueren, wie zum Beispiel die
farbigen Buchstaben und das Bild vorne drauf.

Das ist eine neuere Version mit
Schreibschriftbuchstaben. Es gibt keinen
Umschlag, sondern zwei Blätter mit
Erklärungen und Übungen für den
synthetisch unterrichtenden Lehrer.

Es gab außerdem große Vorführuhren für die Lehrer, in Druck- und Schreibschrift.


Saarländisches Schulmuseum
Diese ist fast 90 cm hoch und aus Hartfaser
und beschichteter Pappe.

Bild über Wikipedia von Pomona unter CC BY-SA 3.0,
im Museum Schönholthausen in Finnentrop aufgenommen

Und natürlich muß ich diesen Post mit meinem Wachssiegel beenden ... Für die, die es noch nicht gesehen hatten, erkennt ihr das Bild?

Sonntag, 22. März 2026

Auf ewig ausgeliehen

Kürzlich habe ich diesen Cartoon auf Instagram gesehen.
Falls ihr dem Link nicht folgen könnt, das ist ein Teil davon: "Ich habe das Buch deiner Schwester ausgeliehen, aber sie ist heute morgen nach Hause gefahren! Sie wird ewig nicht zurückkommen! Im Grunde habe ich es gestohlen!" "Oh, das ist in Ordnung. Jeder Bücherliebhaber hat mindestens ein auf ewig ausgeliehenes Buch."

Autsch. Muß ich wirklich immer wieder daran erinnert werden?
Es ist wahr. Ich habe zwei auf ewig ausgeliehene Bücher und nach über 40 Jahren fühle ich mich deswegen immer noch schlecht.

In diesem Post habe ich euch von Kontakt erzählt, dem Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsclub, bei dem ich ein paar Jahre Mitglied war.
Ein anderes Mitglied brachte seinen Stiefsohn J mit auf einige unserer Ausflüge. Einmal lud er ein paar von uns auf einen Abend ein und J zeigte mir seine Bücher (er war so ein Flirter, aber drei Jahre jünger als ich, nicht daß ihr hier eine falsche Vorstellung bekommt).
Zwei davon schienen nicht recht dazuzupassen, da sie ziemlich alt aussahen. J zog sie aus dem Regal und erzählte mir, daß er sie von seinem Vater bekommen hatte. Fangt ihr an zu verstehen, warum ich mich schlecht fühle?


Denn als ich sah, daß es Kinderbücher waren und ich sagte, daß ich sie nie auf Englisch gelesen hatte - nur als Feststellung, ehrlich - veranlaßte das J, darauf zu bestehen, sie an mich auszuleihen.
Ich sollte mich mehr bemühen sollen abzulehnen, tat es aber nicht.
Nicht weil ich dachte, daß ich sie behalten würde, sondern weil ich nicht wußte, wann wir uns wiedersehen würden. Zu dieser Zeit traf sich der Club nicht mehr so regelmäßig. Mitglieder waren auf andere Stützpunkte umgezogen oder hatten die Army verlassen, dann bekamen wir einen neuen Clubvorsitzenden, der neue Mitglieder mitbrachte, die Gruppendynamik veränderte sich, nicht unbedingt zum Besseren.

Wie es so kommen sollte, war das tatsächlich das letzte Mal, daß J und ich uns jemals sehen sollten. Im Club wurden Pläne geschmiedet, Pläne wurden abgesagt, und das nächste, was ich hörte, war, daß J und seine Familie weg waren.
Ohne die Bücher, die noch bei mir waren.
Nun fragt ihr euch vielleicht, warum ich nicht versucht habe herauszufinden, wohin sie gezogen waren. Ich tat mein Bestes, aber da war ich dann schon nicht mehr in "Kontakt", was die Dinge erschwerte, da man natürlich nicht einfach so auf den Stützpunkt gehen konnte. Ich hätte jemanden finden müssen, der die Familie von J kannte, aber ich konnte mich nicht mal an den Nachnamen seines Stiefvaters erinnern, falls ich ihn überhaupt jemals gehört hatte. Ich weiß nicht, ob es andersherum einfacher gewesen wäre oder ob J es überhaupt versuchte.


Es ist nicht so, als hätte ich die letzten 40+ Jahre jede Sekunde lang an sie gedacht, aber sie zu sehen, wenn ich an meinem Kinderbuchschrank war, sorgte für einen Anflug von Schuldgefühl.
Jahrelang sagte ich mir, daß J die Bücher in Ehren hielt, weil sein Vater sie ihm geschenkt hatte, aber wißt ihr was? Offen gesagt erinnere ich mich nach all dieser Zeit nicht einmal mehr daran, ob er das wirklich gesagt hat oder ob ich es automatisch implizierte, weil ich so über Geschenke dachte. Und darüber habe ich erst jetzt, da ich das hier schreibe, nachgedacht.
"Mein Vater hat sie mir geschenkt" hieß nicht unbedingt, daß er sie seinem Sohn als Kind vorgelesen hatte. Es hätte einfach nur eine Erklärung für zwei alte Bücher im Regal sein können. Andererseits könnte es seine Gefühle zeigen, daß er sie behalten hatte.
Was auch immer die Wahrheit sein mag, ich kann nichts machen, ich habe sie jetzt. Nachdem ich zuviel darüber nachgedacht habe, wie das so meine Gewohnheit ist, denke ich, ich gehe einfach zum Schuldgefühl zurück.

Aber - es gibt immer ein aber - woher kamen diese Bücher? Sind sie überhaupt
die Bücher?
Ups, noch mehr Nachdenkerei.
Tatsächlich scheinen beide Bücher aus britischen Antiquariaten zu stammen oder sogar nur einem, weil die Handschrift im Preis so ziemlich gleich aussieht, nicht daß es nicht möglich wäre, daß der Vater von J sie dort gekauft hat, aber zumindest würde das nicht bedeuten, daß es Familienerbstücke sind.
Natürlich müssen sie erstmal irgendwie zu diesem Laden gekommen sein. In einem steht ein Name (wer war Ellen (ich habe den Nachnamen und ja, ich habe eine schnelle Suche durchgeführt)?), das andere kam aus einer Schule.

Was mich dann an das Buch erinnerte, das wir vor Urzeiten auf unserem alten Dachboden (den wir hier natürlich Bühne nennen) fanden und das meiner Grundschulbücherei gehörte uuund von dem ich mich nicht erinnern konnte, daß ich es jemals ausgeliehen hätte, also werde ich die Schuld hierfür einfach meiner Schwester geben, um mein Schuldgefühl in Grenzen zu halten.


Wie steht's mit euch? Habt ihr irgendwelche "auf ewig ausgeliehenen" Bücher? Falls ja, wie fühlt ihr euch damit?

Sonntag, 15. März 2026

Aus meinem Kinderbuchschrank - Finchen

Letzten Juni habe ich davon erzählt, daß ich ein lebendiges Kasperle haben wollte, als ich fünf Jahre alt war.
Es scheint, ich habe irgendwie Gefallen an lebendigen Puppen, es sei denn, sie heißen Chucky (ich habe den Film nie gesehen).
Lisa-Marie Blum hatte Malerei und Graphik in Berlin studiert, wo sie mit ihrem Ehemann lebte, der ebenfalls Künstler und Graphiker war. Als sie im Krieg alles verloren, zogen sie zurück in Blums Geburtsort und später dann nach Hamburg, wo sie Kinder- und Jugendbuchautorin und -illustratoren wurde, aber auch Lyrik und Prosa veröffentlichte.
Dieses Buch, erstmals 1960 veröffentlicht, erzählt die Geschichte einer liebenswerten lebendigen Puppe, Finchen.



Finchen ist über 70 Jahre alt. Seit fünf Jahren ist sie Inas Puppe, aber davor hat sie ihrer Großmutter Gabriele gehört.
Obwohl sie sich über ihren altmodischen Namen Wilhelmine-Josefine beschwert, sagt ihr Ina, daß an ihr gar nichts altmodisch ist. Sie hat neue Arme, neue Beine, ein neues Kleid, sogar neue Haare, die aussehen wie eine Pusteblume.
Nun ihr Holzkopf mit den leuchtendblauen Augen ist noch alt und kennt so viele Geschichten.

Eine davon handelt davon, wie Gabriele und sie zum Hafen gingen. Als sie sich vornüberlehnte, um die Kombüse eines Fischkutters zu sehen, fiel Finchen auf das Deck, und der Schiffsjunge meinte, Gabriele solle herunterkommen und sie selber zurückholen. Dann zeigte ihr der Fischer alles, als sie dann eilig aufbrechen mußte - wir erfahren später, daß ihr Onkel zu Besuch gekommen ist - hat Gabriele Finchen vergessen und der Schiffsjunge hat sie erst gefunden, als der Kutter schon auf See war.
So hat Finchen den Klabautermann, das gute Schiffsgespenst, kennengelernt. Er gab ihr eine rosa Muschel, die einer anderen Puppe gehörte, "Blauer Mohn", und sagte ihr, daß die sie brauchte, um wieder lebendig zu werden.


Der Fischer schickte Finchen in einem Paket nach Hause, wo - Klabautermänner wissen solche Dinge - Blauer Mohn das Geschenk war, das Gabrieles Onkel ihr aus Südamerika mitgebracht hatte, und tatsächlich fehlte eine Muschel in ihrer Kette.
Finchen wurde jedoch krank, bevor sie die Gelegenheit hatte, ihr die Muschel zu geben, und als es ihr wieder gut ging, war Blauer Mohn weg. Sie war zu jemandem geschickt worden, der sie zeichnen und ein Buch über sie schreiben wollte, um sie dann an ein Museum weiterzugeben.

Also beginnt die Suche nach Blauer Mohn im örtlichen Museum, wo Ina Stefan kennenlernt, der sie einlädt, mit seiner Eisenbahn zu spielen. Bei ihm in der Wohnung treffen sie Nora, die Nichte der Hauswirtin.
Finchen lädt die beiden Kinder nach Hause ein und verspricht, ihnen ebenfalls die Geschichte zu erzählen.
Als sie nach Hause kommen, ist Inas Vater, ein Anthropologe, von seiner Reise nach Südamerika zurückgekehrt und wie es das Schicksal so will, hat er ein Bild des Mädchens Schneeblüte und ihrer Puppe mitgebracht. Es ist Blauer Mohn!
Wenn sie aber in Amerika ist, wie können sie ihr dann die Muschel zurückgeben?

Am nächsten Tag gehen die Kinder zum Fluß und schwimmen in einer kleinen Bucht. Finchen ruht sich unter einem kleinen Zelt aus, das Stefan für sie gemacht hat, als neben ihr plötzlich eine Möwe mit dem Klabautermann auf dem Rücken landet! Er ärgert sich, als er hört, daß Finchen immer noch die Muschel hat, aber zum Glück hat sie sie heimlich mitgebracht.


Der Klabautermann sagt, er wird sie seinem Freund geben, der ebenfalls Anthropologe ist und dorthin reisen wird. Und weil Schiffsgespenster so etwas wissen - hatte ich das schon mal erwähnt? - kann er ihr genau sagen, was geschehen wird, und Finchen kann die Geschichte ihren Freunden weitererzählen.
Wie sein Freund mit einem Kanu auf dem Fluß reisen wird, wie alle in den Dörfern entlang des Flusses schon wissen, daß er Schneeblüte die Muschel bringt. Wie er zum Dorf kommt und eine alte Frau die Muschel an der Kette befestigt und dann ...
"Blauer Mohn fühlt die Muschel, atmet, bewegt den schönen Kopf und hebt ihre Hand dem Fremden entgegen".

Ich liebte diese Stelle als Kind. Es geht nichts über ein glückliches Ende, richtig?
Tatsächlich war das Buch nicht meins. Es gehörte meiner Schwester und ich kaufte mein eigenes Exemplar viele Jahre später auf dem Flohmarkt. Als ich sie fragte, ob sie sich daran erinnerte, wann sie ihres bekommen hatte, schaute sie nach, denn zu der Zeit schrieben wir oft unseren Namen, die Adresse, das Alter, manchmal sogar die Klasse, in der wir waren, in Bücher. Nicht in diesem Fall, da stand nur ihr Name.
Nach einer kurzen Pause fragte sie mich nach den Illustrationen in meinem Exemplar und ich meinte, die wären schwarz-weiß. Ihre nicht.


Sie hatte sich nicht daran erinnert, daß sie die meisten mit Bunt- oder Filzstiften ausgemalt hatte und außerdem, zweifellos des künstlerischen Flairs wegen, auf manchen Bildern noch Muster hinzugefügt hatte, zum Beispiel auf dem Bettzeug oder Kleidern.
Was uns etwas verwirrte war, daß auf ein paar der Bildern Notizen waren, die für uns wie Schulnoten aussahen. Wir haben aber keine Ahnung, was das N. nach der 1 bedeuten könnte.
Das sind die kleinen Überraschungen, die ich an alten Büchern so liebe. Man weiß nie, was man finden wird!

Was mir auch gefiel, war die Verlagsnotiz am Ende.
Sie erklärt, wieviele Leute beteiligt sind, bis ein Kind ein Buch in der Hand hat - Papiermacher, Zeichner, Graphiker, Buchdrucker und Buchhändler, aber auch die Männer (denkt dran, es ist 1960!) von der Post und der Eisenbahn - aber daß nicht alle Namen aufgeführt werden können außer der Autorin und dem Verlag.
Dann werden die Kinder eingeladen, der Autorin unter der Verlagsadresse zu schreiben und ihr zu sagen, was ihnen gefallen hat, aber auch wo sie etwas anders gemacht hätten. Ist es nicht nett, daß sie sie ermutigen, ihre ehrliche Meinung zu sagen?
Sie versprechen auch mehr oder weniger, daß die Autoren zurückschreiben und ein echtes Autogramm mitschicken wird.


Man fragt sich, wiewiele Briefe Lisa-Marie Blum wohl bekommen hat, oder?
Habt ihr schon jemals an eine Autorin oder einen Autor geschrieben?

Sonntag, 8. März 2026

Ton gießen

Wußtet ihr, daß ich ein Fan von "Great Pottery Throw Down" bin? Nein? (Ich habe es nur einmal in diesem Post erwähnt, also überrascht mich das nicht.)
Wußtet ihr, daß ich die Arbeit mit der Töpferscheibe immer mal ausprobieren wollte, es aber irgendwie nie dazu kam? Nein?
Aber wußtet ihr, daß es eine Zeit gab, in der ich das Tongießen so ein bißchen ausprobierte? Auch nicht? Nun, dann laßt euch überraschen.

Die Geschichte fängt mit "Kontakt" an und "Kontakt" fängt mit der Deutsch-Amerikanischen Freundschaftswoche an.
In meiner Stadt gab es früher einen US Army-Stützpunkt. Einmal im Jahr feierten sie im Sommer die Freundschaftswoche, was im Grund ein riesiger Tag der offenen Tür war, damit die Leute den Stützpunkt kennenlernen konnten. Am letzten Tag gab es ein großes Feuerwerk.

Es war eine Mischung aus kleinem Jahrmarkt mit großem Bierzelt, wo man Essen im amerikanischen Stil bekam (Tacos und Burritos eingeschlossen
 😉) oder einen mechanischen Bullen reiten konnte, Führungen durch die Gebäude am Stützpunkt, aber auch Vorführungen.
Eine davon war eine Schminkdemonstration auf einer Bühne. Meine beiden Freundinnen beschlossen, daß ich diejenige war, die hinaufgehen sollte. Ich erinnere mich, daß ich da gerade einen regelrechten Vesuv auf der Nase hatte und mir darum nicht danach war, aber sie bestanden darauf (wir waren alle Teenager, ihr könnt euch die Szene wahrscheinlich vorstellen).
Während die arme Make-up-Lady ihr Bestes tat, meine Nase zu bedecken und wegen meines Alters mit braunem Maskara und Rosentönen arbeitete (warum weiß ich das noch und außerdem, daß ich, obwohl es Sommer war, eine warme Jacke trug, die ich wegen ihrer Kapuze "den Mönch" nannte, und einen laaaaangen handgestrickten Schal?), wurden meine Freundinnen von jemandem von Kontakt angesprochen. Am Ende meinte eine meiner Freundinnen, daß sie gern mal zu einem Treffen gehen wollte und ich ging mit und wurden Mitglieder (um unser Englisch zu verbesser, aber laßt es mich mal so sagen, wir verbesserten definitiv unser Wissen über Flüche auf Englisch).

Wir machten alles Mögliche, vom Minigolf spielen bis zu Ausflügen in der Gegend, Weihnachtsmarkt, Barbecues, Filme, Kuchenverkäufe, ein denkwürdiges Halloween, von dem ich gerne Bilder hätte, und mehr.
Und wir machten einen Tongießkurs im Rec Center mit, den ich am meisten mochte.
Was ist Tongießen? (Sehr) kurz gesagt hat man einen Tonschlicker, der in eine poröse Gipsform gegossen wird. Nachdem sich eine Tonschicht gebildet hat, weil die Form das Wasser absorbiert, wird der Rest des Schlickers wieder ausgegossen, und wenn der Ton fest genug ist, wird die Form entfernt.
Ich habe es geliebt. Sie hatten so viele Formen. Bei den Amerikanern sehr beliebt waren die riesigen Bierkrüge, aber natürlich begannen wir klein. Tatsächlich schafften wir es nie bis zu den wirklichen großen Stücken, was ich immer bedauert habe, obwohl ich
keinen Bierkrug wollte.

Wir fingen mit kleinen Figuren an, von denen ich die meisten verschenkte und von denen manche irgendwann wieder zu mir zurückkamen, wie diese kleinen Damen, die bei meiner Mutter im Regal standen.
Die blonde muß mal gefallen sein, weil ihr Haar etwas Glasur verloren hat und ihr der halbe Arm fehlt. Es macht wirklich keinen Sinn, sie zu behalten, aber jetzt erinnert sie mich erstmal noch an die Zeit, während derer sie bei meiner Mutter im Regal stand.



Der Welpe und die Schnecke waren meine allerersten Stücke, wenn ich mich recht erinnere, weil sie klein und die einfachsten waren. Sie gingen zu meiner Oma.
Ein Clubmitglied machte damals eine Ausbildung als Porzellanmalerin, was man leicht erkannte, weil ihre Stücke soviel besser aussahen als die von uns anderen. Die Schnecke war mein erstes Stück und ich hatte Probleme mit dem Aufmalen der Augen, als ich sie also mehr als einmal heruntergekratzt hatte, bat ich sie um Hilfe und sie gab ihr diese Schieläuglein.


Dann sind da noch die Buddhas.
Tatsächlich machte ich drei. Einer davon ging an eine Freundin der Familie. Ich erinnere mich noch, wie sie lachte und meinte "Wenigstens ein Mann, der mich anlächelt." Ich weiß, daß er wenigstens ein paar Jahre in ihrem Bücherregal verbrachte.

Diese zwei sind meine eigenen.
Der stehende war eigentlich für jemand anderen gedacht, aber wie ihr sehen könnt, hat er ein Problem.
 

Die Werkstatt hatte große Regale, um all die Stücke während der unterschiedlichen Stadien aufzubewahren, denn natürlich konnten die Leute nicht jeden Tag da sein, um zu bemalen, glasieren oder auch nur ihre Arbeiten abzuholen.
Eines Nachts brach jemand in der Werkstatt ein. Sie traten die Tür so gewaltsam ein, daß sie in eins der Regale krachte.  Ich glaube nicht, daß sie jemals herausfanden, wer es war oder warum sie es taten. Es gab nichts dort, was etwas wert war, es sei denn, sie hätten von einem Schwarzmarkt für Ton und gebrauchte Formen gewußt. Wahrscheinlich war es reiner Vandalismus.
Einige der Stücke wie mehrere riesige Krüge waren komplett kaputt, manchmal überlebte ein Teil davon, zum Beispiel ein Krugdeckel. Wir hatten ziemlich Glück, weil wir nichts Großes hatten, das uns schon eine Menge Arbeit gekostet hätte, aber mein Buddha war eins der Opfer. Die Werkstattleiterin meinte, ich solle ihn kleben, wahrscheinlich weil ich ihr leid tat. Die Hand war jedoch nicht zu finden.


Ich wünschte, ich könnte euch auch den Krugdeckel zeigen. Er sah wie ein Zauberer aus und ich hatte ihn schon zuvor bewundert, aber die Form war begehrt und es bestand keine Chance, daß ich nur den Zauberer gießen konnte. Die Frau wollte einen neuen Krug machen und fragte mich, ob ich gern den Deckel hätte. Es war nur der Stab abgebrochen, also nahm ich das natürlich an.
Da ging dann aber unser Clubleiter nach Amerika zurück und der Club veränderte sich sehr mit dem neuen.
Leider haben wir es nie in die Werkstatt zurückgeschafft, also lebte der Zauberer ungebrannt in einer meiner Vitrinen. Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht, wo er jetzt ist, vielleicht ging er beim Umzug kaputt, vielleicht ist er an einem sicheren Ort versteckt. Falls ich finde, füge ich ein Bild hinzu.

Dann gibt es noch die Tasse. Ich habe sie nicht benutzt, um daraus zu trinken, weil ich meiner Glasur nicht vertraute, aber ich hatte Stifte darin.


Es ist das eine Stücke, auf dem man meine "Signatur" am besten erkennt. Wir bekamen Zahlen zugeteilt, um zu unterscheiden, wer was gemacht hatte, und ich ergänzte noch meine übliche Katze und meinen Namen.


Das war also meine "Karriere" als Töpferin.
Daß sie so kurz war, ist die einzige Entschuldigung dafür, daß ich so lausig darin war. Egal wie sehr ich es versucht habe oder wie wenig oder viele Glasurschichten ich auftrug, es gab einfach Stellen, wo ich jämmerlich dabei scheiterte, sie gleichmäßig hinzubekommen. 
Meine müde kleine Lady hat keinen richtigen Hals, weil sich Glasur unter ihrem Kinn ansammelte, meine Schnecke hat das gleiche Problem auf ihrem Haus.
Ich sehe mich noch im Haus unserer zukünftigen Porzellanmalerin sitzen, wie ich versuche, den Buddhas ein gleichmäßiges Blau zu geben. Ich war hoffnungslos verliebt in das Königsblau und hoffnungslos schlecht darin, es zu benutzen.
Ich bin mir sicher, daß ich es hätte lernen können, aber es sollte eben nicht sein, obwohl man sieht, daß ich vom einen zum anderen Buddha schon ein kleines bißchen besser geworden war.
Was die Farbe betrifft, waren die besten Stücke die Tasse - ich wollte tatsächlich, daß der Himmel so wurde, obwohl das sicherlich besser gegangen wäre -, der dritte Buddha (nicht blau) 
und (wenn ich mich recht erinnere) ein Welpe und ein kleines Mädchen für meine andere Oma, die aber nicht zu mir zurückgekommen sind, also müßt ihr mir das einfach glauben! 😉

Samstag, 14. Februar 2026

Einfach nur so Samstag - Lila/violett und grün

Falls ihr etwas über Farbkombinationen in Kunst oder Mode erwartet, liegt ihr falsch, tut mir leid. Das hier ist nur ein weiterer Post über Erinnerungen, der von einem Post von Nicole auf Huisvlijt inspiriert ist, "Kringloop Tristesse".
Ich spreche kein Holländisch, aber ich habe der Firefox-Übersetzung entnommen, daß es um eine Gießkanne geht, die eine Schulklasse ihrer Lehrerin geschenkt hat und die noch mit dem Anhänger in einem Trödelladen gelandet ist.
Keine Ahnung, wie es in anderen Ländern ist, aber zu meiner Zeit waren Geschenke für Lehrer nicht üblich, zumindest nicht in meiner Schule. Also habe ich einen Lehrer gefragt, wie das heute ist, und auch er meinte, das komme mal vor, aber nicht oft.

Wir hatten jedoch einen Lehrer, der von einem Teil der Klasse mehrere Geschenke bekam, und dazu gibt es eine Geschichte.
Eine meiner Schulfreundinnen liebte die Farben lila und violett und trug sie auch oft. Der besagte Lehrer mochte kein Lila. Ich weiß den genauen Grund nicht mehr, aber einmal sagte er im Spaß zu meiner Freundin, daß Violett keine Farbe, sondern eine Strafe sei (es hieß mal lila, mal violett).
Also beschloß unsere komplette Reihe, ihm etwas in Lila zu schenken. Meine Freundin war die Tochter eines ehemaligen Bäckers und selber sehr gut im Backen - wie ich ihre Weihnachtsgutsle liebte! - und schlug einen Marmorkuchen vor, aber mit lila und rose Lebensmittelfarbe. Er war ein großer Hit (obwohl ich keine Ahnung habe, ob unser Lehrer etwas davon aß.
Auf jeden Fall bekam er von da an immer am Ende des Schuljahres etwas in Lila. Natürlich nichts Großes, nur um den Witz am Leben zu erhalten, und wir versuchten auch immer, etwas Nützliches oder Eßbares zu wählen, damit es nicht unnötig Platz verbrauchte.

In einem Jahr machte eine andere Lehrerin einen Scherz darüber, wie sehr wir ihn "verwöhnten" (sie waren in der Zwischenzeit ein Paar geworden, obwohl wir das da noch nicht wußten), und eine andere Freundin von mir meinte, sie solle sich auch eine Farbe aussuchen. Sie sagte grün. Diese Freundin machte Makramee und strickte wie verrückt Socken - es waren die 80er und eine Menge Schülerinnen (und ein paar Schüler) strickten im Unterricht -, also machte sie ein wunderschönes Paar grüner Socken als Weihnachtsgeschenk, sehr zur Überraschung, aber auch Freude unserer Lehrerin.
Also mußten wir von da an etwas in Lila und in Grün besorgen.

Bild von Konevi über pxhere

Ich erhielt die Tradition sogar noch ein paar Jahre lang aufrecht, nachdem wir aus der Schule waren. Viele meiner Schulfreundinnen hatten die Stadt verlassen, um anderswo zu arbeiten oder studieren, aber ich wohnte während meiner Ausbildung als Bibliothekarin daheim und meine Lehrer nicht weit entfernt von mir.
Einmal überreichte mein Lehrer
mir ein kleines Päckchen und meinte "okay, manchmal kann lila ja auch ganz hübsch sein, wenn es an der richtigen Stelle ist". Es war ein gerahmtes Bild eines lilafarbenen Porsches (er hatte selber einen alten, nicht lila, sondern rot). Ich weiß nicht, ob ich das Bild womöglich noch irgendwo habe, aber ich erinnere mich, daß ich damals wirklich lachen mußte.

Bild von Alex Ifti über Unsplash

Also ja, das ist meine kleine Geschichte über einen "Apfel für den Lehrer".
Ist es dort, wo ihr seid, üblich, daß Kinder ihre Lehrer beschenken?

Samstag, 27. September 2025

Einfach nur so Samstag - Tagebücher

Heute habe ich auf Instagram einen Post mit ein paar Bildern gesehen, in denen mehrere Leute Ausschnitte aus den Tagebüchern ihrer Teenagerzeit geteilt haben. Mir schauderte dabei, nicht wegen der Dinge, die sie geschrieben hatten, sondern weil ich kürzlich meine eigenen Tagebücher gefunden hatte, als ich nach etwas anderem suchte.

Ich bekam mein erstes Tagebuch mit 12. Während der Ferien verbrachte ich ein paar Tage mit meiner besten Schulfreundin und wir sind viel herumgezogen. Eines Tages wanderten wir ins nächste Städtchen, um eine weitere Schulfreundin zu besuchen und auf dem Weg entdeckten wir das Schaufenster eines kleinen Ladens.
Ich frage mich, ob diese Art von Lädchen noch in manchen Dörfern und Städtchen existiert. Es ist praktisch ein Raum, wo man alles Mögliche bekommen kann, von Stiften zu Zeitschriften, Gläsern zu Figürchen, Lotterietickets zu Tagebüchern.
Ja, in dem Fenster lagen Tagebücher und wir beschlossen spontan, uns gegenseitig eins zu schenken, denn das ist, was beste Freunde tun, anstatt sich ein eigenes zu kaufen.


Kommen sie euch bekannt vor? Sie kamen aus Shanghai und ich war überrascht, wie viele Leute danach zu suchen scheinen.
Es gab zwei Größen, dies ist das "Shanghai diary 112" (das andere war 110), sie kamen in allen möglichen Farben und mit verschiedenen Motiven. Es gab auch Notizbücher und sogar Rezeptbücher in der Art (auf dem Rücken stand, was es war).
Sie waren liniert, die linken Seiten hatten einen orangefarbenen Rand mit einer Sonne und Blumen, die rechts hatten Bäume und Berge in rosa. Zumindest galt das für meine, vielleicht gab es ja auch noch welche mit anderen Bildern.

Von 12 bis 24 hatte ich drei dieser Tagebücher, gefüllt habe ich ungefähr zweieinhalb davon. Ich war keine sehr regelmäßige Schreiberin und manchmal gab es große Lücken.
Es war so eine Überraschung, sie zu finden, weil ich sie in meiner Erinnerung schon vor langer Zeit entsorgt hatte. Das war anscheinend nicht das einzige Mal, daß meine Erinnerung versagte.

Ich find mit dem an, das ich abgebrochen hatte, weil es das kürzeste war. Es war aus der Zeit, als ich die Ausbildung zur Bibliothekarin machte und dann anfing zu arbeiten, wo ich dann auch meinen Ex kennenlernte. Also ja, es war damals alles sehr rosarote Brille und Liebeslieder in der Luft 😉, aber es gab keine überraschenden Erinnerungen, also ging der Shredder ans Werk.

Dann wandte ich mich dem ersten zu, weil ich mir dachte, da stünden bestimmt ein paar Dinge drin, an die ich mich nicht erinnerte, und damit hatte ich recht.
Die frühe Teenagerzeit war eine relativ sorglose Zeit. Ich schrieb hauptsächlich über Freunde, was wir taten, was wir aßen, was wir kauften, wohin wir gingen. Der Rest war mit Erzählungen über die Schule aufgefüllt und der gelegentlichen Bemerkung, daß ich mal wieder nicht genug für die Geigenstunde geübt hatte.

Das zweite ist volle Kanne Pubertät und es war einfach nur peinlich, davon zu lesen, wie linkisch ich war (das ist ein Euphemismus) und mich nach dem einen oder anderen Jungen (oder jungen Mann, als ich älter wurde) verzehrte. Das zu lesen jagte mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken 
😂
Manche dieser Erinnerungen waren in einem Schränkchen in einer kleiner Ecke voller Spinnweben in meinem Kopf gelandet und dahin beschloß ich sie auch zurückzustecken.
Stellt euch nur vor, wenn ich doch noch berühmt werde - hört auf zu lachen - und jemand nach meinem Tod dieses Tagebuch herauszieht, ich würde ja im Grab rotieren! Okay, ich würde nicht wollen, daß das irgendjemand liest, berühmt oder nicht.
Also ja, es wanderte in den Shredder.



Es gab aber auch ein paar rehabilitierende Züge. Ich widersetzte mich Rassismus (für einen Freund), ich war nicht egoistisch (oder verknallt) genug, um mir keine Gedanken um den Zustand der Welt zu machen (und mir natürlich Sorgen deshalb zu machen), und ich war für Freunde da.
Es war eine Erleichterung zu lesen, daß ich keine völlige Idiotin war, sondern einfach nur ein Teenager.

Nachdem ich mein Tagebuch mit 24 aufgab, habe ich nie mehr eins angefaßt. Ich war schon immer schrecklich darin, selbst Notizbücher und Kalender am Laufen zu halten, also ist es eher überraschend, daß ich überhaupt soviel geschrieben habe.
Das einzige, was ich in dieser Hinsicht bereue, ist, nie ein Traumtagebuch ausprobiert zu haben. Meine Träume sind wild, aber selten peinlich, ich denke, sie wären eine viel witzigere Lektüre gewesen - die meisten jedenfalls. Jetzt werde ich allerdings damit nicht mehr anfangen.

Habt ihr (noch) ein Tagebuch oder Tagebücher aus eurer Vergangenheit?

Samstag, 16. August 2025

Einfach nur so Samstag - Bücher auf Reisen

In meinem Post über "Der kleine Nick" vor ein paar Tagen habe ich gesagt, daß meine persönlichen Exemplare der Bücher eine eigene Geschichte haben.
Hier ist sie.

Das Jahr ist 1994 und es ist zwei Tage vor meinem Geburtstag.
Wir drei Schwestern nehmen zufällig nach der Arbeit denselben Zug und meine älteste Schwester hat mein Geburtstagsgeschenk in einer Tüte, das sie gerade vom Buchladen auf dem Weg zum Bahnhof abgeholt hat.
Die Fahrt von Bad Cannstatt dauert ungefähr 30 Minuten. Wir reden, wir lachen, wir steigen aus dem Zug ... da bemerkt meine Schwester, daß sie die Büchertüte im Zug gelassen hat!
Es ist zu spät, nochmal einzusteigen, also bleiben jetzt nur zwei Dinge zu tun, 1. zum Service-Büro zu gehen und zu sie darum bitten, jemanden zu kontaktieren, 2. zu hoffen, daß sich kein Fahrgast die Tüte schnappt und sich denkt, daß das doch nette Bücher sind.

Etwas im Zug zu verlieren oder zu vergessen ist ein Glücksspiel. Manche geben so etwas dem Schaffner, damit es ins Fundbüro des Bahnunternehmens kommt (und in eine Auktion, falls niemand darauf Anspruch erhebt), aber manche denken sich "selber schuld" und behalten es oder denken wenigstens darüber nach (habe ich selber schon gesehen) und manche ignorieren es einfach.
Beim Service sagte man meiner Schwester, daß sie jemanden an der Endstation kontaktieren würden, damit der Schaffner im Zug nachschauen könnte, falls er die Tüte nicht sowieso schon selber gefunden hätte.
Wenn die Tüte da wäre, würden sie sie mit dem nächstmöglichen Zug zurückschicken und beim Service-Büro abgeben, wo meine Schwester sie dann am nächsten Tag abholen könnte.

Das Glück war auf unserer Seite und meine Schwester holte die Tüte am nächsten Tag ab.
Um das zu feiern, zeichnete sie in jedes Buch ein kleines Bild, um die Geschichte zu erzählen.

Von links nach rechts - meine Schwester A., moi und meine
Schwester B. In der Zeichnung gibt es eine Menge Details, von A.s
Zopf bis zu meinen langen Haaren, die ich offen trage, und B.s Bob,
aber auch A.s typischer Rucksack, mein Shopper und B.s Tasche,
und natürlich die Büchertüte, auf der "Stehn" steht, ein
Buchladen, den es heute nicht mehr gibt.

An diesem Bild liebe ich zwei Dinge besonders.
Da ist einmal die Firma Hengstenberg, die nächstes Jahr 150
Jahre alt wird und Essig, Eingelegtes, Senf usw. produziert.
Heute sind nur noch Büros in dem Gebäude, aber es ist trotzdem
noch Teil der regionalen Geschichte.
Außerdem ist das noch einer der alten Züge. Es ist durchaus
möglich, daß wir in einem davon fuhren, denn die Doppelstockzüge
wurden um die Zeit gerade erstmal eingeführt.
Könnt ihr uns im letzten Fenster sehen?
 

Oh nein! Wir sind daheim aus dem Zug gestiegen, aber die Tüte
ist noch da drin! Unsere schockierten Gesichter bringen mich
jedes Mal zum Lächeln 
🙃

Sagt mir ohne Worte, wie die Bücher von Geislingen von Göppingen
zurückfuhren. Sind euch die Geschwindigkeitslinien aufgefallen?

Das Service-Büro der Deutschen Bahn (das es auch nicht mehr gibt,
weil sie den Vertrag für diese Strecke vor einigen Jahren verloren
haben und weil sie sowieso erwarten, daß man sich um seinen
eigenen Service kümmert) am Tag vor meinem Geburtstag.
An der Uhr kann man erkennen, daß A. und ich unseren zu dieser
Zeit üblichen Zug genommen haben, und oh Wunder, er war auch
noch pünktlich!


Ich finde, die Zeichnungen machen diese Bücher wirklich ganz besonders. Meint ihr, daß jemand sie irgendwann mal in der Zukunft in den Händen halten wird und sich fragt, was das wohl alles zu bedeuten hatte ...

Dienstag, 29. Juli 2025

Aus meinem Kinderbuchschrank - Firma Zaubermeister & Co.

Ich weiß nicht, ob es in eurer Familie dasselbe war, aber manche Bücher schienen einfach schon immer da zu sein.
Das Buch, über das ich heute sprechen will, war eins davon, was mir eine Überraschung bescherte, als ich mein Exemplar herauszog, weil das jedenfalls nicht das Familienexemplar war, und nicht nur weil ein Aufkleber mit einem fremden Namen drin ist. Ich meine mich zu erinnern, daß unseres viel abgegriffener aussah, wahrscheinlich keine Überraschung in einer großen Familie.



Es ist Sid Fleischmans erstes Kinderbuch "Firma Zaubermeister & Co." über einen reisenden Zauberer und seine Familie, und erst als ich als Erwachsene eines seiner anderen Bücher fand, wurde mir bewußt, wieviel mehr er geschrieben hatte, nicht nur Kinderbücher, sondern auch Drehbücher, Erwachsenenromane wie Detektiv- oder Abenteuergeschichten und Bücher über das Zaubern.

Ich weiß, daß ich dieses Buch als Kind geliebt habe, habe es aber schon ewig nicht mehr gelesen, wer weiß also, ob die Magie noch da ist (Wortwitz beabsichtigt!). Finden wir es gemeinsam heraus.

Die Firma Zaubermeister & Co. - das ist die Familie Hackett mit dem Vater Andrew Perkins Hackett, Mama, ähm, deren Name niemals erwähnt wird, und den Kindern Jane, Paul und Anne.
Dazu gehören noch Hokus und Pokus, die Pferde, die den Planwagen ziehen, und Madam Zuckererbse, die Kuh, die die Reisegeschwindigkeit vorgibt, und ein paar Kaninchen.
Die Geschichte spielt 1884 und erzählt von der Reise der Hacketts durch das Land. Ihr Ziel ist San Diego, wo sie endlich seßhaft werden wollen.

Auf ihren Reisen von Stadt zu Stadt unterhalten sie die Leute mit ihrer Zauberschau, in der jeder von ihnen eine eigene Rolle spielt, der Vater als Zaubermeister, bei dem ein Huhn Milch gibt, der Kaninchen aus Hüten zieht und mit der Laterna Magica Bilder zeigt, die Mutter am Klavier, Jane als die schlafende Prinzessin, die in der Luft schwebt, Paul als der allwissende Sphinx, und Anne ist die lebende Puppe im verzauberten Puppenhaus.

Es gibt aber noch mehr in ihrem Leben. Die Mutter, die früher Lehrerin war, gibt ihnen Unterricht, aber sie haben auch Abenteuer.
Sie haben eine Begegnung mit dem mürrischen Jeb Grimes, dessen Hund sie gefunden haben, für den der Vater seine goldene Uhr hergibt. Er ist so schlau, daß sie ihn in "Professor" umbenennen und er bekommt sogar seinen eigenen Auftritt in der Schau, weil er es liebt, Seil zu springen.
Sie helfen einem Sheriff dabei, den Dieb namens Western Jim (the Badlands Kid im Original), der Grimes' Gold gestohlen hat, zu fangen.
Sie fahren auf einem Hochrad, als sie einen wandernden Zeitungsmann und seine Familie treffen, die unterwegs sind, um eine neue Stadt zu gründen.
Sie benutzen die Laterna Magica, um Pferdediebe zu verjagen (dazu später noch mehr).
Der Vater führt ein paar Farmarbeiter hinters Licht, die einen Richter eingesperrt haben, nachdem er einen ihrer Freunde wegen Viehdiebstahls zu Gefängnis verurteilt hat.


Und dann gibt es da natürlich noch den Abakadabratag (was meiner Meinung nach natürlich Abrakadabratag heißen muß, wie es auch im Original steht!).
Das ist der geheime Familienfeiertag. Da die Kinder keine große Gelegenheit dazu bekommen, sich auch mal danebenzubenehmen, bekommen sie alle einen Tag, an dem es ihnen erlaubt ist, sich schlecht zu benehmen oder Streiche zu spielen, ohne daß sie dafür bestraft werden, aber sie dürfen es nicht vorher ankündigen.
Paul löst mit den Füßen den Knoten des Seils, mit dem Madam Zuckererbse an den Wagen gebunden ist.
Jane steckt während einer Schau ihre Haare hoch, obwohl die Mutter meint, sie sei zu jung dafür.
Anne fängt zehn Frösche, die sie während einer Schau freiläßt.

Am Ende schaffen sie es nach Kalifornien. Der Gedanke, nie mehr eine Zauberschau zu präsentieren, macht sie alle traurig, aber andererseits sind sie auch glücklich darüber, seßhaft zu werden. Jane wird Freundinnen für langer als einen Tag haben, Paul wird dem Vater auf der Farm helfen und Anne kann vielleicht die Ballettstunden nehmen, von denen sie geträumt hat.
Dann treffen sie Big Jim Norton. Er plant, ein Theater zu eröffnen und bittet sie, einmal in Monat eine Schau auf die Füße zu stellen und der Vater willigt ein.
"Donner und Doria! Das nenn' ich einen schnellen Handel! Wir könnten das zu einer Art von Familien-Abakadabratag ernennen. Einmal im Monat Magie für alle!"

Dieses Buch ist von 1962 und natürlich wirkt es so auch hier und da.
In einer Stadt gibt es einen "Holzindianer vor dem Tabakladen", was leider noch viel länger nicht ungewöhnlich war, und die oben erwähnten Diebe sind Indianer.
In einer Goodreads-Kritik steht zum Beispiel, daß es andere Bücher gibt, die nicht "Rassismus aufrechterhalten und normalisieren". Um ehrlich zu sein, ich finde, das ist zu weit getrieben. Es heißt, daß die Mutter gute und böse Indianer kennengelernt hat, es gibt keine Schimpfnamen (das Wort "Indianer" wurde zu der Zeit noch benutzt), und sie sind nicht die einzigen, die im Buch eine Bedrohung darstellen.
Was mir persönlich an diesem Teil des Kapitels am unangenehmsten war, war die Illustration, die dazu gehörte.
Ich denke, wenn man das Buch einem Kind vorliest, könnte man diesen Teil entweder überspringen oder ihn für eine kleine Geschichtsstunde nutzen.

Es kommt aber wahrscheinlich auf das Kind an, ob das eine lustige Geschichte ist, die ihm ein wenig über die alten Zeiten erzählt - wie die Erklärung des Zeitungsmanns, daß man eine Stadt gründen kann, indem man zunächst eine Zeitung gründet und dann so Leute anzieht - oder ob es sie für langweilig hält.
Ich finde, es ist immer noch ganz lustig.

Los Angeles Times,
CC BY 4.0, über Wikimedia Commons


Fleischman schrieb das Buch übrigens für seine eigenen Kinder Jane, Paul (der ebenfalls Schriftsteller wurde) und Anne und widmete es ihnen.
In der fünften Klasse beschloß er, Zauberer zu werden. Nach dem Krieg schloß er das College ab und arbeitete als Reporter, dann wurde er Romanschriftsteller, was dazu führte, daß er Drehbuchautor in Hollywood wurde.
Durch das Schreiben von "Firma Zaubermeister & Co." für seine Kinder wurde er Kinderbuchautor, die Magie gab er aber nie komplett auf.
"Sie verstanden nicht, womit ich Geld verdiente. Andere Väter gingen morgens aus dem Haus und kamen am Ende des Tages zurück. Ich war immer im Haus. Ich beschloß das Geheimnis aufzuklären und schrieb ein Buch nur für sie."

Fleischman 
brachte gern Geschichte, Folklore und natürlich die Magie in seinen Büchern ein, aber auch Humor.
Der Sid Fleischman Humor Award, dessen erster Empfänger er war (neben vielen anderen Preisen, die Newbery Medal eingeschlossen), wird jedes Jahr von der Society of Children's Book Writers and Illustrators in seinem Namen vergeben.


Quellen (englischsprachig):

1. Sid Fleischman Website
2. Mr. Mysterious & Company auf Goodreads

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.