Dienstag, 24. März 2026

Nostalgie - Erinnerungen ans Schreiben

Vor einer Weile fingen eine amerikanische Freundin und ich an, über Schulerinnerungen zu sprechen. Es wurde dadurch ausgelöst, daß ich erwähnte, wie schlecht meine Handschrift  geworden ist, seit ich hauptsächlich Dinge schreibe, die nur ich lesen können muß, und daß ich wieder zum Füller greifen wollte, vor allem für Briefe, nachdem ich ihn in letzter Zeit vernachlässigt habe.

Vom Füller kamen wir zu Unterschieden in unseren Schulsystem (die kann ich hier natürlich nicht alle aufführen).
Etwas, das mich immer überraschen wird, wenn ich es in einer Fernsehserie oder einem Film sehe, sind Bleistifte in amerikanischen schule. Es ist natürlich nicht so, daß wir gar keine Bleistifte benutzen, aber nicht so lange, nicht so viel und auf keinen Fall in Klassenarbeiten. Soweit ich weiß, sind Bleistifte hier immer noch nicht in Klassenarbeiten erlaubt.
Das folgende Bild ist für mich so amerikanisch (da ich nicht weiß, welche anderen Ländern ebenfalls Bleistifte benutzen). Ich kann mich ehrlich nicht daran erinnern, daß ich in der Schule jemals einen Multiple-Choice-Test gemacht hätte. Von dem, was ich gelesen und gehört habe, werden sie in deutschen Schulen immer noch kaum verwendet, aber man findet sie an Universitäten.

Bild von Nguyen Dang Hoang Nhu über Unsplash

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, in welcher Klasse wir in den frühen 70ern angefangen haben zu lernen, wie man einen Füller benutzt, aber anfangs hatten wir eine Plastiktafel und einen Griffel wie die auf dem Bild. Die Zeiten echter Schiefertafeln und -griffel waren da bereits vorbei.
Das hier sind nicht meine Originaltafeln, ich habe sie auf dem Flohmarkt gefunden (wie man deutlich am Zustand erkennen kann) und die Griffel sind neu. Sehr zu meiner Überraschung gibt es Plastiktafeln und Griffel immer noch und werden auch immer noch benutzt, hauptsächlich in der ersten Klasse. Ich schätze, ich alter Dinosaurier hatte erwartet, daß Kinder heutzutage direkt auf Tablets anfangen zu schreiben 
😉
Wenn man auf einer noch nassen Tafel schrieb, wurde die Handschrift ganz fett und "cremig". Ich bezweifle, daß ich das einzige Kind war, das je mit diesem Effekt herumspielte, aber es wurde nicht ermutigt, weil sich der Griffel dadurch schneller abnutzte.

Diese Schreibschrift habe ich damals noch gelernt.
Ich weiß, heute sieht das etwas anders aus.

Die Rückseite - entweder mit Kästchen für Zahlen oder leer
zum Zeichnen. Wie ihr sehen könnt, bin ich in beidem Spitzenklasse.

Ich habe einiges an Diskussionen auf deutschen Seiten gefunden, wann man Kinder beibringen sollte, mit dem Füller zu schreiben. Es gibt sogar ein paar Schulen - obwohl sie wirklich in der Minderheit zu sein scheinen - die in der ersten Klasse anfangen, andere lassen Kinder für manches die Tafel benutzen, aber auch Papier und Bleistift, dann einen Tintenroller, und der Füller folgt dann in der zweiten oder dritten Klasse. "Tintenkiller" sind gewöhnlich nicht erlaubt.
Mein Vater hatte meinen ersten Füller für mich gekauft und ihn sogar mit meinem Namen gravieren lassen, was ihn für mich echt besonders machte, weil mein Name wegen der Schreibweise nie auf irgendwas stand.

Es war ein roter "Pelikano" und mir war nicht klar gewesen, daß die rote Farbe - die Mädchen mehr ansprechen sollte als das Blau - erst seit September 1970 verkauft wurde, also als ich mit der Schule anfing. Es würde mich nicht überraschen, wenn er noch irgendwo stecken würde, aber zum Schreiben war er nicht mehr geeignet. Sollte ich ihn finden, werde ich ein Bild einfügen.


Zu meiner Zeit hatte man entweder einen Pelikan- oder einen Geha-Füller (damals beides deutsche Marken) und man verteidigte ihn bis zum Tod. Ich meine den Tod des Füllers. Ernsthaft, man kann jetzt noch Berichte über Wurfspiele gelesen, mit denen bestimmt werden sollte, welche Marke besser war! Weniger gewalttätig war der Streit über die Farben (Pelikano blau oder rot, später auch schwarz, Geha grün) oder über die Tatsache, daß der Geha als erster ein Sichtfenster hatte (was ich immer noch häßlich finde, weil es für mich den Fluß des Füllers unterbricht und ja, ich weiß, daß ich von einem Schulfüller spreche) und einen Reservetank.
Ich kann mich an keine Wettbewerbe in meiner eigenen Klasse erinnern, aber eine gewisse Rivalität gab es. Vergeßt nicht, wir sprechen hier über Grundschulkinder.

Während diese zwei ganz sicher den Großteil an Schulfüllern zu dieser Zeit ausmachten, gab es aber auch andere Marken, meine Schwester zum Beispiel hatte einen Artus Prinz.
Alle hatten Patronen, ich glaube nicht, daß ich jemanden kannte, der da noch einen Tintenfaß benutzte. Man konnte übrigens die Pelikan-Patronen in einem Geha benutzen, aber nicht die von Geha im Pelikano. Pff. Die Geha-Kids kamen sich so besonders vor, aber haben gern Patronen von uns ausgeliehen, wenn ihre leer waren 
😉
Ich erinnere mich auch, daß meine englische Brieffreundin mir Patronen geschickt hat, die konnte ich aber nicht benutzen, weil sie zu lang waren. Ich weiß nicht mehr, für welche Sorte Füller sie gedacht waren.

Heutzutage verwende ich einen Parker. Ich bin kein Fan von dicken Kugelschreibern oder Füllern, um damit zu schreiben (zum Anschauen manchmal schon) und habe immer das Gefühl eines schlanken Parker in meiner Hand bevorzugt. Er kann mit Patronen oder einem Konverter bestückt werden und ich benutze einen Konverter mit Tintengläsern. Es erinnert mich an meine Teenagerzeit, als meine Freundin und ich im Schreibwarenladen herumhingen (ich habe schon mal darüber geschrieben, wie wir dort Wachssiegel gekauft haben, was Teil meiner Schreiberinnerungen ist, aber ich möchte mich hier nicht wiederholen). Damals gab es Pelikan-Tintengläser mit unterschiedlichen Tintenfarben. Ich habe sogar schon in der Schule immer gern in anderen Farben geschrieben und wollte all diese Gläser so gern haben - diese teuren kleinen Gläser, seufz.
Heute bin ich viel vernünftiger und weiß mich zu beschränken, also habe ich nur "Intense Black" und "Tender Purple" gekauft. Vor acht Jahren! Ich habe meinen Füller immer nur für ein kurzes Danke benutzt, wenn ich ein Schmuckstück verschickt habe, oder auf den seltenen Karten, die ich schrieb. Nun da ich wieder Brieffreundinnen habe, habe ich endlich eine Entschuldigung, mehr zu kaufen.
Es gibt nur ein Problem mit Tinte und mir, vor allem wenn ich meinen Parker auffülle. Ich bin erbärmlich darin. Letztes Mal mußte ich drei Tage lang mit zwei Fingernägeln in Lila gerändert herumlaufen, weil sich die Tinte einfach nicht abschrubben ließ! Ein kleiner Preis dafür, elegant genug zu sein, um ein Tintenglas zu verwenden 
😂

Meine Handschrift hat sich ein ganz klein wenig verändert.
Wenigstens ist es mit Füller etwas besser als mit Kuli.

Für einen Schuß extra Nostalgie zeige ich euch, wie wir in meiner Zeit Lesen und Rechtschreibung gelernt haben. Diese sogenannte "Lese-Uhr" wurde von einem örtlichen Verlag für "Lehrmittel und Schulspiele" hergestellt, E. Kuhlemann.


Im Laufe der Jahre gab es mehrere Versionen, aber ich kann euch den Zeitraum, während dessen sie tatsächlich in der Schule benutzt wurden (es hörte aber irgendwann in den 70ern auf, denn mein (nicht so) kleiner Bruder hatte sie nicht mehr), oder wo genau nicht sagen, aber von einer Unterhaltung darüber weiß ich, daß es definitiv nicht in ganz Deutschland war - verschiedene Bundesländer, verschiedene Regeln - aber auch nicht nur in meinem Bundesland.
Ich konnte schon lesen, als ich mit der Schule anfing, also erinnere ich mich nicht daran, wie hilfreich die Uhr tatsächlich war, aber wir hatten Spaß damit.


Das war die, die ich hatte. Blaues Plastik
mit Druckbuchstaben. Sie ist die, die man
heute noch recht einfach finden kann,
gewöhnlich in gutem Zustand und sogar
mit dem Original-Papierumschlag, auf dem
eine Anleitung zur Nutzung stand.

Die hier hatte ich jahrelang nur auf Bildern aus
Museen gesehen, es ist die ältere Pappversion
(die einer Schule gehörte, sie hat einen Stempel
und eine Inventarnummer). Es gibt ein paar
Unterschiede zur neueren, wie zum Beispiel die
farbigen Buchstaben und das Bild vorne drauf.

Das ist eine neuere Version mit
Schreibschriftbuchstaben. Es gibt keinen
Umschlag, sondern zwei Blätter mit
Erklärungen und Übungen für den
synthetisch unterrichtenden Lehrer.

Es gab außerdem große Vorführuhren für die Lehrer, in Druck- und Schreibschrift.


Saarländisches Schulmuseum
Diese ist fast 90 cm hoch und aus Hartfaser
und beschichteter Pappe.

Bild über Wikipedia von Pomona unter CC BY-SA 3.0,
im Museum Schönholthausen in Finnentrop aufgenommen

Und natürlich muß ich diesen Post mit meinem Wachssiegel beenden ... Für die, die es noch nicht gesehen hatten, erkennt ihr das Bild?

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