Sonntag, 8. März 2026

Ton gießen

Wußtet ihr, daß ich ein Fan von "Great Pottery Throw Down" bin? Nein? (Ich habe es nur einmal in diesem Post erwähnt, also überrascht mich das nicht.)
Wußtet ihr, daß ich die Arbeit mit der Töpferscheibe immer mal ausprobieren wollte, es aber irgendwie nie dazu kam? Nein?
Aber wußtet ihr, daß es eine Zeit gab, in der ich das Tongießen so ein bißchen ausprobierte? Auch nicht? Nun, dann laßt euch überraschen.

Die Geschichte fängt mit "Kontakt" an und "Kontakt" fängt mit der Deutsch-Amerikanischen Freundschaftswoche an.
In meiner Stadt gab es früher einen US Army-Stützpunkt. Einmal im Jahr feierten sie im Sommer die Freundschaftswoche, was im Grund ein riesiger Tag der offenen Tür war, damit die Leute den Stützpunkt kennenlernen konnten. Am letzten Tag gab es ein großes Feuerwerk.

Es war eine Mischung aus kleinem Jahrmarkt mit großem Bierzelt, wo man Essen im amerikanischen Stil bekam (Tacos und Burritos eingeschlossen
 😉) oder einen mechanischen Bullen reiten konnte, Führungen durch die Gebäude am Stützpunkt, aber auch Vorführungen.
Eine davon war eine Schminkdemonstration auf einer Bühne. Meine beiden Freundinnen beschlossen, daß ich diejenige war, die hinaufgehen sollte. Ich erinnere mich, daß ich da gerade einen regelrechten Vesuv auf der Nase hatte und mir darum nicht danach war, aber sie bestanden darauf (wir waren alle Teenager, ihr könnt euch die Szene wahrscheinlich vorstellen).
Während die arme Make-up-Lady ihr Bestes tat, meine Nase zu bedecken und wegen meines Alters mit braunem Maskara und Rosentönen arbeitete (warum weiß ich das noch und außerdem, daß ich, obwohl es Sommer war, eine warme Jacke trug, die ich wegen ihrer Kapuze "den Mönch" nannte, und einen laaaaangen handgestrickten Schal?), wurden meine Freundinnen von jemandem von Kontakt angesprochen. Am Ende meinte eine meiner Freundinnen, daß sie gern mal zu einem Treffen gehen wollte und ich ging mit und wurden Mitglieder (um unser Englisch zu verbesser, aber laßt es mich mal so sagen, wir verbesserten definitiv unser Wissen über Flüche auf Englisch).

Wir machten alles Mögliche, vom Minigolf spielen bis zu Ausflügen in der Gegend, Weihnachtsmarkt, Barbecues, Filme, Kuchenverkäufe, ein denkwürdiges Halloween, von dem ich gerne Bilder hätte, und mehr.
Und wir machten einen Tongießkurs im Rec Center mit, den ich am meisten mochte.
Was ist Tongießen? (Sehr) kurz gesagt hat man einen Tonschlicker, der in eine poröse Gipsform gegossen wird. Nachdem sich eine Tonschicht gebildet hat, weil die Form das Wasser absorbiert, wird der Rest des Schlickers wieder ausgegossen, und wenn der Ton fest genug ist, wird die Form entfernt.
Ich habe es geliebt. Sie hatten so viele Formen. Bei den Amerikanern sehr beliebt waren die riesigen Bierkrüge, aber natürlich begannen wir klein. Tatsächlich schafften wir es nie bis zu den wirklichen großen Stücken, was ich immer bedauert habe, obwohl ich
keinen Bierkrug wollte.

Wir fingen mit kleinen Figuren an, von denen ich die meisten verschenkte und von denen manche irgendwann wieder zu mir zurückkamen, wie diese kleinen Damen, die bei meiner Mutter im Regal standen.
Die blonde muß mal gefallen sein, weil ihr Haar etwas Glasur verloren hat und ihr der halbe Arm fehlt. Es macht wirklich keinen Sinn, sie zu behalten, aber jetzt erinnert sie mich erstmal noch an die Zeit, während derer sie bei meiner Mutter im Regal stand.



Der Welpe und die Schnecke waren meine allerersten Stücke, wenn ich mich recht erinnere, weil sie klein und die einfachsten waren. Sie gingen zu meiner Oma.
Ein Clubmitglied machte damals eine Ausbildung als Porzellanmalerin, was man leicht erkannte, weil ihre Stücke soviel besser aussahen als die von uns anderen. Die Schnecke war mein erstes Stück und ich hatte Probleme mit dem Aufmalen der Augen, als ich sie also mehr als einmal heruntergekratzt hatte, bat ich sie um Hilfe und sie gab ihr diese Schieläuglein.


Dann sind da noch die Buddhas.
Tatsächlich machte ich drei. Einer davon ging an eine Freundin der Familie. Ich erinnere mich noch, wie sie lachte und meinte "Wenigstens ein Mann, der mich anlächelt." Ich weiß, daß er wenigstens ein paar Jahre in ihrem Bücherregal verbrachte.

Diese zwei sind meine eigenen.
Der stehende war eigentlich für jemand anderen gedacht, aber wie ihr sehen könnt, hat er ein Problem.
 

Die Werkstatt hatte große Regale, um all die Stücke während der unterschiedlichen Stadien aufzubewahren, denn natürlich konnten die Leute nicht jeden Tag da sein, um zu bemalen, glasieren oder auch nur ihre Arbeiten abzuholen.
Eines Nachts brach jemand in der Werkstatt ein. Sie traten die Tür so gewaltsam ein, daß sie in eins der Regale krachte.  Ich glaube nicht, daß sie jemals herausfanden, wer es war oder warum sie es taten. Es gab nichts dort, was etwas wert war, es sei denn, sie hätten von einem Schwarzmarkt für Ton und gebrauchte Formen gewußt. Wahrscheinlich war es reiner Vandalismus.
Einige der Stücke wie mehrere riesige Krüge waren komplett kaputt, manchmal überlebte ein Teil davon, zum Beispiel ein Krugdeckel. Wir hatten ziemlich Glück, weil wir nichts Großes hatten, das uns schon eine Menge Arbeit gekostet hätte, aber mein Buddha war eins der Opfer. Die Werkstattleiterin meinte, ich solle ihn kleben, wahrscheinlich weil ich ihr leid tat. Die Hand war jedoch nicht zu finden.


Ich wünschte, ich könnte euch auch den Krugdeckel zeigen. Er sah wie ein Zauberer aus und ich hatte ihn schon zuvor bewundert, aber die Form war begehrt und es bestand keine Chance, daß ich nur den Zauberer gießen konnte. Die Frau wollte einen neuen Krug machen und fragte mich, ob ich gern den Deckel hätte. Es war nur der Stab abgebrochen, also nahm ich das natürlich an.
Da ging dann aber unser Clubleiter nach Amerika zurück und der Club veränderte sich sehr mit dem neuen.
Leider haben wir es nie in die Werkstatt zurückgeschafft, also lebte der Zauberer ungebrannt in einer meiner Vitrinen. Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht, wo er jetzt ist, vielleicht ging er beim Umzug kaputt, vielleicht ist er an einem sicheren Ort versteckt. Falls ich finde, füge ich ein Bild hinzu.

Dann gibt es noch die Tasse. Ich habe sie nicht benutzt, um daraus zu trinken, weil ich meiner Glasur nicht vertraute, aber ich hatte Stifte darin.


Es ist das eine Stücke, auf dem man meine "Signatur" am besten erkennt. Wir bekamen Zahlen zugeteilt, um zu unterscheiden, wer was gemacht hatte, und ich ergänzte noch meine übliche Katze und meinen Namen.


Das war also meine "Karriere" als Töpferin.
Daß sie so kurz war, ist die einzige Entschuldigung dafür, daß ich so lausig darin war. Egal wie sehr ich es versucht habe oder wie wenig oder viele Glasurschichten ich auftrug, es gab einfach Stellen, wo ich jämmerlich dabei scheiterte, sie gleichmäßig hinzubekommen. 
Meine müde kleine Lady hat keinen richtigen Hals, weil sich Glasur unter ihrem Kinn ansammelte, meine Schnecke hat das gleiche Problem auf ihrem Haus.
Ich sehe mich noch im Haus unserer zukünftigen Porzellanmalerin sitzen, wie ich versuche, den Buddhas ein gleichmäßiges Blau zu geben. Ich war hoffnungslos verliebt in das Königsblau und hoffnungslos schlecht darin, es zu benutzen.
Ich bin mir sicher, daß ich es hätte lernen können, aber es sollte eben nicht sein, obwohl man sieht, daß ich vom einen zum anderen Buddha schon ein kleines bißchen besser geworden war.
Was die Farbe betrifft, waren die besten Stücke die Tasse - ich wollte tatsächlich, daß der Himmel so wurde, obwohl das sicherlich besser gegangen wäre -, der dritte Buddha (nicht blau) 
und (wenn ich mich recht erinnere) ein Welpe und ein kleines Mädchen für meine andere Oma, die aber nicht zu mir zurückgekommen sind, also müßt ihr mir das einfach glauben! 😉

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn ihr mögt, was ihr gelesen habt, wenn ihr eine Frage oder zusätzliche Information habt, oder wenn ihr einfach nur Hallo sagen möchtet, tut das bitte! Ich liebe Kommentare und würde gern von euch hören.
Kommentare sind allerdings zum Schutz vor Spammern moderiert, werden also erst nach der Freigabe veröffentlicht.