Donnerstag, 19. März 2026

Stummfilme - Rebecca of Sunnybrook Farm

Vielleicht habt ihr den Titel des heutigen Films schon mal gehört, da es für das Buch, auf dem er basiert, mehrere Umsetzungen gibt. Ich kannte weder das Buch (ich konnte auch nur eine recht neue Übersetzung dafür finden) noch einen der Filme, die im Laufe der Jahre davon inspiriert wurden (einer davon mit Shirley Temple).
Ich spreche von "Rebecca of Sunnybrook Farm" von 1917 mit "America's Sweetheart" Mary Pickford in der Hauptrolle.


Hier ist die Handlung (mit Spoilern!).

Rebecca Randall ist eins von sieben Geschwistern. Da die Farm ihrer Mutter mit einer Hypothek belegt ist, wird sie zu ihren Tanten geschickt, um dort zu leben.
Bei ihrer Ankunft macht sich Rebecca sofort eine Feindin - Minnie Smellie, die Tochter des Reverends - und gewinnt eine beste Freundin - Emma Jane Perkins.

Rebecca ist egal, ob sich Minnie bei
ihrer Mutter beschwert, beim gesamten
Staat Maine oder sogar - dem PRÄSIDENTEN!

She merkt auch schnell, daß Tante Miranda eine sehr strenge Frau ist, während Tante Jane freundlich ist, aber nicht viel zu sagen hat.



Wenn Rebecca etwas nicht ist, ist es schüchtern. Sie behauptet sich, sie sagt, was sie denkt - so manches Mal etwas zu viel - und sie hat immer Unfug im Kopf, wie zum Beispiel die große Zirkusaufführung, als ihre Tanten nicht da sind.


Sie hat aber auch ein gutes Herz.
In der Stadt lebt eine arme Familie - und bereitet euch auf den Schock vor, das Paar ist nicht mal verheiratet (tatsächlich gab es einen Zensor, der verlangte, daß der Zwischentitel, der uns über diese Tatsache informiert, herausgeschnitten würde)!
Rebecca und Emma Jane verkaufen Seife, denn sie können durch das Einschicken von 400 Einwickelpapieren eine "Bankettlampe" für die Simpsons bekommen, die "diese dringend benötigen", wie Rebecca Alan Ladd erzählt, einem jungen Mann, der ein Vermögen gemacht hat, bevor er in seine Heimatstadt Riverboro zurückgekommen ist.

"Bankettlampen" sind hohe verzierte
Öllampen, die in den 1880ern beliebt
waren. Es gab unterschiedliche Stile.

Nachdem Alan - offiziell allerdings seine Tante - 350 Seifenstücke kauft, werden er und Rebecca gute Freunde und sie nennt ihn Mr. Aladdin (der Name und die Lampe, versteht ihr?).


Als Tante Miranda Rebecca den Hintern versohlt, nachdem sie Jane bei der Zirkusvorführung hereingeplatzt sind, beschließt das Mädchen, während eines Gewitters davonzulaufen. Ein herumfliegendes Stück Holz trifft sie am Kopf, aber Alan findet sie und besucht sie dann auch zu Hause, während sie sich erholt.
Er gibt ihr sogar den Ehering seiner verstorbenen Mutter, damit sie ihn an Dave Simpson weitergeben kann (der zuvor sein Pferd gestohlen hat!), damit er seine Frau endlich heiraten kann (Rebecca ist überzeugt, daß das Problem einfach nur darin lag, daß sie keinen Ehering hatten). Als der Sheriff den Dieb bei seiner Hochzeitsfeier verhaften will, sagt Alan, daß er die Anzeige fallen läßt, da Dave und seine Frau jetzt für ihn die Farm führen werden.
Rebecca ist so beeindruckt, daß sie ihm mitteilen, sie habe beschlossen, ihn zu heiraten, wenn sie erwachsen ist.

Zunächst schicken ihre Tanten sie allerdings auf ein Internat.
Nach drei Jahren kommt Rebecca als wohlerzogene junge Dame zurück und findet Tante Miranda auf dem Sterbebett vor, sie um Verzeihung bittend, daß sie so streng mit ihr war. Sie hinterläßt Rebecca das Haus, was bedeutet, daß ihre Familie nun dort wohnen kann, nachdem sie Sunnybrook verkauft hat.
Bei einem Picknick erinnert Alan Rebecca daran, was sie vor Jahren gesagt hat, aber im letzten Augenblick entschlüpft Rebecca ihm und läuft fort und Alan rennt ihr hinterher.


Ich sage es, bevor es sonst jemand sagt - hier gibt es ganz "Anne auf Green Gables" Vibes. Oder wartet mal, wurde Lucy Maud Montgomery von Kate Douglas Wiggin inspiriert?
Tatsächlich erschien Wiggins Buch 1903, fünf Jahre vor "Anne auf Green Gables" und es gibt definitiv Ähnlichkeiten, aber Rebecca und würden da nicht die einzigen bleiben. Denkt an "Polyanna" oder (obwohl es Übersetzungen gibt, kenne ich keines der Bücher) oder den Comicstrip über die "Kleine Waise Annie".
Da ich zwar "Anne auf Green Gables", aber nicht "Rebecca of Sunnybrook Farm" oder eine der Fortsetzungen gelesen habe (vielleicht irgendwann mal), kann ich diese Ähnlichkeiten nicht selber beurteilen, aber ich habe einen (englischen) Artikel darüber gefunden, den ich in den Quellen verlinken werde.

Wenn ihr von Mary Pickford gehört habt oder euch an meinen Post über sie in "Ein Waisenkind" erinnert, wißt ihr wahrscheinlich, daß Rebecca nicht das einzige Kind war, das sie gespielt hat, Mädchen oder Junge, allerdings nicht ausschließlich. Es half, daß sie nur ungefähr 1,50 m groß war, und das Publikum liebte diese Rollen. Es gab einen Aufschrei, als Pickford ihre charakteristischen Locken abschnitt, als sie in ihren 30ern war!

Der Film hat nicht wirklich eine Geschichte, sondern zeigt Episoden aus Rebeccas Leben, auf eine Weise, die es Pickford erlaubt, zu glänzen und sehr gut und auf sehr witzige Art ihr Repertoire an Gesichtsausdrücken zu zeigen.
Das Buch selber ist ziemlich dick und die Drehbuchschreiberin Frances Marion nahm sich bei der Umsetzung ein paar Freiheiten heraus. Im Buch bemerkt Alan am Ende, daß Rebecca nun erwachsen zu sein scheint, ihre Augen aber noch die eines Kindes sind, also bedrängt er sie nicht.
Ich weiß nicht, ob Marion Rebecca im Film davonlaufen ließ, um so ein Happy End irgendwann mal in der Zukunft anzudeuten.
Wieder (siehe "Ein Waisenkind") gibt es einen Altersunterschied. Im Buch ist Alan am Ende 34 und Rebecca wahrscheinlich so um die 19. Für uns seltsam anzuschauen, für die Zeit aber nicht ungewöhnlich.


Der Film ist aber mehr Komödie als echte Liebesgeschichte. Rebecca unterhält die halbe Stadt mit ihrem Umfug, ihr solltet das Publikum sehen, das sie im Zirkus hat!
Obwohl es nicht überraschend ist, daß es ein paar Momente gibt, die einem modernen Publikum aufstoßen (wie ein Beispiel von Blackface und außerdem gefiel es mir nicht, einen Welpen während der Zirkusparade in einem Vogelkäfig zu sehen), macht es Spaß, Pickford anzuschauen, egal ob sie sich mit ihrem Sonnenschirm verteidigt, wegen eines Stücks Pastete mit ihrem Gewissen kämpft oder in der Zirkusszene zu einem Ritt ohne Sattel an einem Draht hängt.


Quellen und weitere Literatur (englischsprachig):

1. Lea Stans: Thoughts On: "Rebecca of Sunnybrook Farm". Auf: Silent-ology, 17. März 2016
2. Chris Scott Edwards: Rebecca of Sunnybrook Farm (1917). Auf: Silent Volume, 12. Januar 2011
3. Izawa Yuko: Rebecca of Sunnybrook Farm and Anne of Green Gables : Similarities and Differences. In: Jinbun shakai kagaku rons
ō, 20(2011), März


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn ihr mögt, was ihr gelesen habt, wenn ihr eine Frage oder zusätzliche Information habt, oder wenn ihr einfach nur Hallo sagen möchtet, tut das bitte! Ich liebe Kommentare und würde gern von euch hören.
Kommentare sind allerdings zum Schutz vor Spammern moderiert, werden also erst nach der Freigabe veröffentlicht.