Kürzlich habe ich diesen Cartoon auf Instagram gesehen.
Falls ihr dem Link nicht folgen könnt, das ist ein Teil davon: "Ich habe das Buch deiner Schwester ausgeliehen, aber sie ist heute morgen nach Hause gefahren! Sie wird ewig nicht zurückkommen! Im Grunde habe ich es gestohlen!" "Oh, das ist in Ordnung. Jeder Bücherliebhaber hat mindestens ein auf ewig ausgeliehenes Buch."
Autsch. Muß ich wirklich immer wieder daran erinnert werden?
Es ist wahr. Ich habe zwei auf ewig ausgeliehene Bücher und nach über 40 Jahren fühle ich mich deswegen immer noch schlecht.
In diesem Post habe ich euch von Kontakt erzählt, dem Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsclub, bei dem ich ein paar Jahre Mitglied war.
Ein anderes Mitglied brachte seinen Stiefsohn J mit auf einige unserer Ausflüge. Einmal lud er ein paar von uns auf einen Abend ein und J zeigte mir seine Bücher (er war so ein Flirter, aber drei Jahre jünger als ich, nicht daß ihr hier eine falsche Vorstellung bekommt).
Zwei davon schienen nicht recht dazuzupassen, da sie ziemlich alt aussahen. J zog sie aus dem Regal und erzählte mir, daß er sie von seinem Vater bekommen hatte. Fangt ihr an zu verstehen, warum ich mich schlecht fühle?
Denn als ich sah, daß es Kinderbücher waren und ich sagte, daß ich sie nie auf Englisch gelesen hatte - nur als Feststellung, ehrlich - veranlaßte das J, darauf zu bestehen, sie an mich auszuleihen.
Ich sollte mich mehr bemühen sollen abzulehnen, tat es aber nicht.
Nicht weil ich dachte, daß ich sie behalten würde, sondern weil ich nicht wußte, wann wir uns wiedersehen würden. Zu dieser Zeit traf sich der Club nicht mehr so regelmäßig. Mitglieder waren auf andere Stützpunkte umgezogen oder hatten die Army verlassen, dann bekamen wir einen neuen Clubvorsitzenden, der neue Mitglieder mitbrachte, die Gruppendynamik veränderte sich, nicht unbedingt zum Besseren.
Wie es so kommen sollte, war das tatsächlich das letzte Mal, daß J und ich uns jemals sehen sollten. Im Club wurden Pläne geschmiedet, Pläne wurden abgesagt, und das nächste, was ich hörte, war, daß J und seine Familie weg waren.
Ohne die Bücher, die noch bei mir waren.
Nun fragt ihr euch vielleicht, warum ich nicht versucht habe herauszufinden, wohin sie gezogen waren. Ich tat mein Bestes, aber da war ich dann schon nicht mehr in "Kontakt", was die Dinge erschwerte, da man natürlich nicht einfach so auf den Stützpunkt gehen konnte. Ich hätte jemanden finden müssen, der die Familie von J kannte, aber ich konnte mich nicht mal an den Nachnamen seines Stiefvaters erinnern, falls ich ihn überhaupt jemals gehört hatte. Ich weiß nicht, ob es andersherum einfacher gewesen wäre oder ob J es überhaupt versuchte.
Es ist nicht so, als hätte ich die letzten 40+ Jahre jede Sekunde lang an sie gedacht, aber sie zu sehen, wenn ich an meinem Kinderbuchschrank war, sorgte für einen Anflug von Schuldgefühl.
Jahrelang sagte ich mir, daß J die Bücher in Ehren hielt, weil sein Vater sie ihm geschenkt hatte, aber wißt ihr was? Offen gesagt erinnere ich mich nach all dieser Zeit nicht einmal mehr daran, ob er das wirklich gesagt hat oder ob ich es automatisch implizierte, weil ich so über Geschenke dachte. Und darüber habe ich erst jetzt, da ich das hier schreibe, nachgedacht.
"Mein Vater hat sie mir geschenkt" hieß nicht unbedingt, daß er sie seinem Sohn als Kind vorgelesen hatte. Es hätte einfach nur eine Erklärung für zwei alte Bücher im Regal sein können. Andererseits könnte es seine Gefühle zeigen, daß er sie behalten hatte.
Was auch immer die Wahrheit sein mag, ich kann nichts machen, ich habe sie jetzt. Nachdem ich zuviel darüber nachgedacht habe, wie das so meine Gewohnheit ist, denke ich, ich gehe einfach zum Schuldgefühl zurück.
Aber - es gibt immer ein aber - woher kamen diese Bücher? Sind sie überhaupt die Bücher?
Ups, noch mehr Nachdenkerei.
Tatsächlich scheinen beide Bücher aus britischen Antiquariaten zu stammen oder sogar nur einem, weil die Handschrift im Preis so ziemlich gleich aussieht, nicht daß es nicht möglich wäre, daß der Vater von J sie dort gekauft hat, aber zumindest würde das nicht bedeuten, daß es Familienerbstücke sind.
Natürlich müssen sie erstmal irgendwie zu diesem Laden gekommen sein. In einem steht ein Name (wer war Ellen (ich habe den Nachnamen und ja, ich habe eine schnelle Suche durchgeführt)?), das andere kam aus einer Schule.
Was mich dann an das Buch erinnerte, das wir vor Urzeiten auf unserem alten Dachboden (den wir hier natürlich Bühne nennen) fanden und das meiner Grundschulbücherei gehörte uuund von dem ich mich nicht erinnern konnte, daß ich es jemals ausgeliehen hätte, also werde ich die Schuld hierfür einfach meiner Schwester geben, um mein Schuldgefühl in Grenzen zu halten.
Wie steht's mit euch? Habt ihr irgendwelche "auf ewig ausgeliehenen" Bücher? Falls ja, wie fühlt ihr euch damit?



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