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Sonntag, 19. Juli 2026

Barbies Kleiderschrank - Shift Into Knit

Ich bin keine Fashionista. Ich bin ... man könnte sagen ... eine Kleiderträgerin. Ich mag meine Kleidung bequem und in der richtigen Größe und, wenn möglich, daß sie keine Löcher oder Flecken hat (der Teil ist nicht immer einfach, wenn man Katzen hat, erst kürzlich habe ich entsetzt drei Löcher in einem meiner Kleider gefunden, nachdem meine Lady eine Schmusesitzung auf mir hatte).
Es gibt Dinge, die ich an Kleidung liebe, wie Taschen in Kleidern oder Dreiviertelärmel, aber darüber hinaus bin ich recht anspruchslos und nicht abenteuerlustig.
Das heißt nicht, daß ich gar keine Kleider anschauen mag, vor allem die, die ich niemals selber tragen könnte, des Geldes oder meiner Figur wegen, Mangel an Gelegenheit usw. Es gibt trotzdem noch Wege, Haute Couture in mein Leben zu bringen. Ich meine Barbie und ihre Freundinnen.
Ich war schon immer von Miniaturen fasziniert und Barbies vintage Outfits mit ihren winzigen Reißverschlüssen und Knöpfen und Schnallen sind unglaublich. Das ist mein "Modeleben", entweder über meine eigene kleine Sammlung oder Bilder.
(Und ja, ich weiß, daß Barbies Körper nicht natürlich ist, ich wußte das als Kind und habe nie versucht, ihr nachzueifern ... hätte ich das, wäre was schiefgelaufen).
Ich würde euch gern ab und zu einen Blick in Barbies Kleiderschrank werfen lassen.

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich, anstatt euch in dieser neuen Hitzewelle ein leichtes und luftiges Outfit zu zeigen, in "Strick schlüpfe", nun ja, nicht ich, sondern Barbie. Keine Sorge, ihr werdet schon sehen.

Barbie hat im Moment dasselbe Problem wie ich,
daß der Ventilator ihr andauernd Haare über
das Gesicht pustet. Ich sollte sie in kochendem
Wasser "legen", um sie davon abzuhalten,
aber ich habe bei dem Wetter einfach keine Lust.

Ich wollte euch ein neues Modell vorstellen.
Dies ist eine Color Magic Barbie von 1966/67. Obwohl sie dasselbe Gesicht wie die Puppen vor ihr hat, ist der Unterschied, daß an ihrem strahlenden Haar nichts Subtiles ist.
Tatsächlich kam die Color Magic in zwei unterschiedlichen Haarfarben, genannt Golden Blond (goldblond) und Midnight Black (mitternachtschwarz).
Der Körper war der gleiche wie der eines American Girl, das heißt, sie hatte noch keine drehbare Taille, aber knickbare Beine.
Ihr Gesicht konnte eine "soft color" oder "high color" haben. Unser Modell hat ein "soft color" Gesicht, der Lippenstift und das Rouge sind heller und die Nasenlöcher nicht bemalt.

Was aber bedeutet Color Magic?
Diese Schönheiten hatten nicht nur Accessoires dabei wie ein Haarband, das zum Badeanzug paßte, Haarklammern und Bänder, sondern auch zwei Flaschen "Hair Color Changer A & B". A verwandelte Golden Blonde in Scarlet Flame und Midnight Black in Ruby Red. Es veränderte auch die Farbe des Badeanzugs und Outfits, die speziell für die Color Magic gemacht waren. B änderte die Farbe zurück. Oder nicht. Zu dumm, aber es funktionierte nicht wirklich bei Midnight Black, was Puppen, die noch schwarzes Haar haben, seltener macht. Tatsächlich konnte sich das Schwarz in Rot verwandeln, ohne daß die Lösung überhaupt angewendet wurde (ein Problem, da auch die Julia-Puppe hat, die ihr irgendwann kennenlernen werdet).
Es gibt auch eine seltene Color Magic mit platinfarbenen Haaren. Ich habe selber nie eine in echt gesehen, habe aber gelesen, daß sich ihre Haare gar nicht veränderten.

Eine Midnight Black, deren schwarzes Haar sich ein bißchen
verändert hat, eine Ex-Midnight Black, die komplett einer
Ruby Red wurde, und die Golden Blonde aus diesem Post.

Unsere Golden Blonde trägt "Shift Into Knit".
 

Ich glaube nicht, daß Barbie in diesem ärmellosen Strickminikleid zu sehr schwitzen wird (übrigens auch so ein in der Tat existierendes Problem von vintage Puppen), das als #1478 von 1969 bis 1970 produziert wurde.

Es hat ein hellrotorangefarbenes Oberteil (wer erinnert sich noch an die alten Telefone in "hellrotorange"?), das, wie ich finde, toll zum Haar paßt - und einen dunkelblauen Rockteil. Als Accessoires gehören dazu ein goldener Kettengürtel, der in einer goldenen Scheibe endet, und ein Fransenschal.
Es war zu heiß dafür, ihn um den Hals zu wickeln, ich könnte mir sogar vorstellen, daß Barbie ihn tagsüber als Haarband benutzt, weil sie ihr originales nicht mehr hat.


Die Schuhe, die ursprünglich mit dem Outfit kamen, waren entweder klobige rote Pilgrim- oder rote Schleifenschuhe. Leider habe ich im Moment weder die einen noch die anderen, also habe ich Barbie ein Paar moderne rote Pumps gegeben.
Der Schal und der Gürtel sind etwas schwieriger zu finden als das Kleid selber. Kleiner Zubehörteile - wie Schuhe! - sind einfach viel leichter verlorengegangen
.

Seid ihr alt genug, um euch an Kleider wie diese zu erinnern?



Um das klarzustellen, ich habe zwar den Puppenständer aus den Bildern entfernt, aber nichts am Outfit geändert.

Barbie ist ein eingetragenes Warenzeichen. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.


Quellen (überwiegend englischsprachig):

1. Sibyl DeWein und Joan Ashabraner: The Collector's Encyclopedia of Barbie Dolls and Collectibles. Paducah, KY, Collector Books, 1994
2. 
Sarah Sink Eames: Barbie Doll Fashion, Vol. II, 1968 - 1974. Paducah, KY, Collector Books, 1997
3. Color Magic Barbies 1966 - 1967. Auf: My Vintage Barbies
4. Iris Schmid: Color Magic Barbie #1150 1966, 1967. Auf: Vintage und Mod Barbies in Deutschland, Europa und weltweit 2 (deutsch, sehr informativer Post!)


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 23. Juni 2026

Nostalgie - Treff auf Reisen

Dieser Post ist von zwei Themen inspiriert.
Das erste ist meine Liebe zu Steiffs Hund Treff, das zweite ist die faszinierende (und frustrierende) Welt der Paketzustellung, daher der Titel.

Ich erzähle euch erst mal von Treff.
Dieser Bluthund hat mein Herz schon seit den Anfängen unserer Steiff-Sammelleidenschaft. Obwohl es viele Steiff-Hunde gibt, die ich liebe, war Treff immer mein Favorit.
Ich könnte euch nicht mal genau sagen warum. Sind es die langen Ohren, ist es die süße Nase? Die Farbe, die Airbrushdetails im Gesicht, die Augen? Ich schätze, es ist das Gesamtpaket.


Im Laufe vieler Jahre haben es einige in die Sammlung geschafft, alles sitzende Exemplare in verschiedenen Größen von 10 bis 50 cm (aber nicht alle neun Größen), in Mohair und Samt. Das hier sind kleinere, die großen sitzen hinten in der Vitrine, und ich gebe zu, ich hatte keine Lust, all die Tiere davor mit herauszuholen.


Treff war nicht nur bei mir ein beliebter Hund und bliebt daher von 1928 bis 1938 im Steiff-Sortiment, auch stehend, als Reittier, mit einem Musikwerk darin, auf einem Nadelkissen - und als Handpuppe, auf die ich von Anfang an mein sehnsüchtiges Auge geworfen hatte.


Ich weiß nicht, ob es euch auf dem Gruppenbild aufgefallen ist, aber ihre Augen sehen nicht alle gleich aus.
Das Design war patentiert, die Augen sind nicht einfach aufgenäht, sondern so gesetzt, daß ein Teil davon für den typischen Bluthund-Blick vom Stoff abgedeckt war.
Wie
 Steiff Gal zitiert hat, schrieb Steiffs amerikanischer Vertrieb Borgfeldt einmal "den schrägen, halb abgedeckten Augapfel, der dem Gesicht dieses Hundes einen besonders nachdenklichen, intelligenten Ausdruck gibt."
Tatsächlich sieht man jedoch Treffs, bei denen die Augen nicht so aussehen, weil der Stoff hinter das Auge gerutscht ist. Ich lasse das normalerweise so, weil ich nicht am Auge und Stoff herumfummeln möchte, um zu vermeiden, daß etwas einreißt.


Könnt ihr sehen, wie sich der Blick verändert?

Ich liebe die Tierhandpuppen von Steiff und besonders die von vor dem Krieg, und als nach Jahren endlich ein Treff zu Verkauf stand, kaufte ihn der Ex zu meinem Geburtstag.
Wahrscheinlich werden sich nur Leute, die selber sammeln, meine Aufregung beim Warten auf das Paket vorstellen können.

Und das bringt uns zu den Wundern von Postunternehmen ...
Damals bekam meine keine Mails und man hatte kein Livetracking.
Lieferbestätigungen waren noch auf Karten, die im Briefkasten landeten, um einem mitzuteilen, daß man das Paket sonstwo abholen mußte, obwohl man den ganzen Tag daheim war.
Echt verstörend war in diesem Fall allerdings, daß ich weder eine Karte noch ein Paket bekam, mir aber dann mitgeteilt wurde, daß das Pakete ausgeliefert worden war ...
Was hatten sie mit meinem Treff angestellt??

Also rief ich bei der Hotline an. Zumindest hatte ich damals nicht mit einem Chatbot zu tun, aber natürlich mußte ich mich trotzdem Zahl für Zahl zu einem Menschen durchwählen, der mir erklärte, daß ich ein Sortierzentrum in München anrufen mußte.
Ich lebe 200 km von München entfernt. Das Paket lief nicht über München. "Das ist egal, Sie müssen München anrufen". Nachdem ich dann dort endlich einen Menschen am Telefon hatte ... vielleicht habt ihr es schon erraten ... "Warum rufen Sie da bei uns an?" "Wenn ich das mal wüßte, bei der Hotline sagten sie ..." "Ja, hier sind Sie falsch, versuchen Sie es nochmal bei der Hotline." Mit Hilfe von ein bißchen Gewimmere und Gebettel, mich nicht dorthin zurückzuschicken, gaben sie mir wenigstens die direkte Nummer des richtigen Sortierzentrums in unserer Nähe.

Dort konnte ich mit einem sehr netten Mann sprechen, der seltsame Neuigkeiten für mich hatte. Ja, das Paket war heute ausgeliefert worden, ja, sie hatten eine Unterschrift von meinem Mann. Stop, stop ... wir hatten zwar wegen unserer unterschiedlichen Namen immer beide auf Paketen, aber ich war zu Hause gewesen, nicht er.
Ich fragte ihn nach dem Namen und er zögerte nicht, ihn mir zu sagen, also war meine nächste Frage, ob er schwierig zu lesen war und er meinte überhaupt nicht. Ich erklärte ihm, daß es aus zwei Gründen nicht die Unterschrift meines Manns sein konnte - er war nicht daheim und seine Unterschrift war absolut unleserlich, weil sie nicht mal aus einzelnen Buchstaben bestand. Er sagte, er würde sie mir zufaxen (ja, so lange ist das schon her), was nur bestätigte, was ich schon wußte.
WER hatte MEINEN Treff?


Ich machte mir Sorgen und war wütend, schließlich sprechen wir nicht nur über einen gewissen finanziellen, sondern auch einen emotionalen Wert. Das ist nichts, was man einfach so ersetzen könnte.
Er versprach mir, den Paketfahrer bei unserem Haus vorbeizuschicken, um zu sehen, ob es ihm helfen würde, sich an das Paket zu erinnern und wohin er es gebracht hatte.
Als er zurückrief, ließ er mich wissen, daß mein Paket in eine Stadt fünf Kilometer von hier geliefert worden war. An jemand anderen in einer Straße mit einem anderen Namen, der gesehen hatte - natürlich, denn die Adresse war korrekt und leserlich -, daß es nicht für ihn war, aber beschloß, das Paket zu behalten, "nur für den Fall". Was für einen Fall? Daß der tatsächliche Besitzer nicht nachforschen würde?
Natürlich sagte man mir den Namen dieser Person nicht, aber hört sich das für euch so an, als wäre es ein ehrlicher Fehler gewesen? Ich glaube nicht mal, daß er denselben Nachnamen wie mein Mann hatte.
Auf jeden Fall reiste Treff am nächsten Tag zum richtigen Haus und hat es seither nicht verlassen
.

Sonntag, 17. Mai 2026

Nostalgie - Frankenwolf und Freundschaft

Ich möchte euch ein bißchen von meinem Frankenwolf-Mädchen erzählen.
Frankenwolf verdankt ihre Existenz meiner Freundin Jenn und einem gemeinsamen Freund von uns. Besagter Freund - ebenfalls Sammler - hatte sie irgendwann darum gebeten, eine Steiff-Handpuppe und eine Steiff-Figur zu nehmen und in eine neue Kreation zu verwandeln.
Das inspirierte Jenn, dasselbe mit Frankenwolf zu machen.


Das mag sich nun recht gruselig für euch anhören, zwei Steifftiere zu köpfen und zusammenzunähen, aber das ist natürlich nur ein Teil der Geschichte.
Schauen wir uns Frankenwolfs Spender an.

Steiff hat eine lange Geschichte der Herstellung von Deutschen Schäferhunden, es gibt sie seit über 100 Jahren. Ihre Vorfahren jedoch hatten 
immer noch ein schlechtes Image, was wahrscheinlich der Grund dafür war, daß es bis 1956 dauerte, bevor sie in Steiffs Produktion auftauchten.
Der erste Wolf von Steiff war eine Handpuppe namens Loopy nach dem lateinischen "lupus" für Wolf. Das überrascht mich nicht, da es nicht nur nette, kuschelige Handpuppen gab, sondern es auch nützlich sein konnte, einen "Bösewicht" zu haben (wie unseren Teufel aus der Kindheit - kein Steiff - der mit seinem roten Kopf mein Liebling war). Loopy wurde von 1956 bis 1978 hergestellt. Er hat einen offenen Mund mit vier Fangzähnen und eine lange rote Filzzunge. Es war aber nicht ungewöhnlich, daß eine Zunge und/oder Zähne irgendwann während des Spielens verloren gingen.

Ich habe die Handpuppe rechts immer Oma Wolf genannt,
sie scheint ein sehr glücklicher Wolf zu sein.

Der Wolf blieb ein seltenes Tier in Steiffs Verkaufslinie. Es gibt zwei Größen eines stehenden Loopys - der kleinere hat einen geschlossenen, der größere einen offenen Mund - die nur ein Jahr lang 1964 gemacht wurden (einer meiner persönlichen Favoriten). Später tauchten Wölfe manchmal als Begleiter auf, zum Beispiel mit einer Rotkäppchen-Puppe oder einem Eisbär.
Die Handpuppe, die für Frankenwolf benutzt wurde, war in sehr schlechter Verfassung. Tatsächlich ist überraschend, daß sie noch alle Fangzähne hatte. Bevor auch der Kopf weggeworfen wurde, war das hier definitiv die bessere Wahl.

Der Körper kam von einer Micki-Figur, die ein anderes Problem hatte.
Zunächst ein (sehr kurzes) Wort über Mecki. Er ist ein Igel, der ursprünglich aus einem deutschen Puppenfilm stammte und das Maskottchen einer Fernsehzeitschrift wurde, wo er seinen eigenen Comic bekam. Meckis Frau heißt Micki, die Kinder Macki und Mucki. Der Charakter war immer recht beliebt gewesen (um ehrlich zu sein, ich selber war nie ein Fan), also sicherte sich Steiff die Lizenzrechte und stellte ab 1951 seine eigenen Versionen der gesamten Familie her.
Die frühen Versionen hatten ein kleines Problem. Die Köpfe waren aus Gummi gemacht, das dazu neigte auszutrocknen und sich zu zersetzen. Spätere Versionen waren aus einem anderen Material gemacht.

Bilder von NoName_13 über Pixabay

Nun, und Micki hatte dasselbe Problem, aber ihr Körper war noch ganz in Ordnung (auch wenn sie ihre Schürze verloren hatte und ihre Schuhe etwas abgenutzt sind).
Jenn nähte außerdem einen Schwanz und andere Arme an.

Frankenwolf ist aber mehr für mich als nur eine einzigartige Ergänzung meiner Sammlung.

Vor ein paar Jahren habe ich ein wenig davon erzählt, wie ich Jenn kennengelernt habe. Der Ex und ich waren das erste Mal in den USA und hatten die Möglichkeit, FAO Schwarz in San Francisco (der vor über 20 Jahren geschlossen wurde) zu besuchen. Steiff hat im Laufe der Jahre einige wundervolle und gefragte FAO Schwarz-Specials gemacht, von denen ihr welche hier in diesem Video sehen könnt. Wir waren wie Kinder im Süßigkeitenladen ... nein, halt, Spielzeugladen 😉

FAO Schwarz Manhattan, Bild von Rob Young
aus dem Vereinigten Königreich,
CC BY 2.0, via Wikimedia

Als wir uns (und unsere Brieftaschen auch so ein kleines bißchen) erschöpft hatten, fragten wir, ob es so etwas wie einen amerikanischen Steiff-Club gäbe oder irgendeinen Weg, mit anderen Sammlern in Kontakt zu treten. Darüber hatten sie keine Informationen, aber sie gaben uns Jenns Nummer (ich muß daran erinnern, daß Datenschutz damals noch kein so großes Ding war und in diesem Fall bin ich darüber sehr froh). Jenn hatte für sie früher Studio-Steifftiere - erstaunliche Plüschtiere in Lebensgröße - repariert.
Dann saßen wir in unserem Hotelzimmer und der Ex beschloß, daß ich Jenn anrufen mußte. Ich war so nervös. Wie erklärt man einer Fremden am besten, daß man ihre Nummer vom Spielzeugladen hat, weil man eine deutsche Steiff-Sammlerin ist? Ich hätte mir keine Sorgen machen müssen. Nach fünf Minuten bot sie an, uns überall herumzuführen. Ich sagte ihr, daß wir leider am nächsten Tag zurückflogen, das hätte das dann beenden können - tat es aber nicht.
Wir tauschten Adressen aus und fingen an, uns gegenseitig Briefe zu schreiben, dann wechselten wir von Briefen zu Telefongesprächen, was euch vielleicht zeigt, wie wichtig das für uns geworden war. Das war vor Handys und SMS, Mails oder Chats.

Im Jahr darauf reisten wir wieder in die USA und diesmal würden wir Jenn in San Francisco treffen und ich dann mit ihr nach Hause fahren, wohin der Ex dann nach dem Ende seiner Konferenz nachkommen würde. Da verliebte ich mich dann übrigens auch in White Dude, den Kater, den die vorherigen Bewohner in Jenns Haus zurückgelassen hatten und der mit uns nach Deutschland zurückging, weil ihre eigenen Katzen ihn nicht dort haben wollten, kleine Punks (ich liebte sie trotzdem).


Das war vor fast 35 Jahren.
Wir besuchten Jenn, sie besuchte uns, später dann nur mich. Wir haben eine Menge Geschichten und Erinnerungen, gute und nicht so gute, denn so ist das Leben eben.
Ich wünschte, wir hätten keine 9300 Luftmeilen zwischen uns liegen und könnten einfach miteinander abhängen, Tee trinken (oder Leitungswasser, auf dem sie besteht 
😉), Kuchen essen, quatschen, lachen und Dinge tun, die Spaß machen. Die Entfernung macht spontane Dates ein kleeein wenig schwierig. Der Zeitunterschied und Arbeitspläne können es auch schwer machen, miteinander zu reden, aber wenn wir reden, decken wir eine ganze Menge an Themen ab.

Als ich sagte, daß Frankenwolf für mich mehr bedeutet als nur ein Spielzeug, habe ich das damit gemeint. Freundschaft. Sie tut das ... und mein kleiner Gnom, den ihr schon kennt, tut das ... und die Überraschungen, die Jenn mir von Flohmärkten mitgebracht hat, die Teddys, die zu nähen sie mir beigebracht hat, und das eine Mal, als sie mir als Zeichen ihrer Freundschaft einen Zweitschlüssel zu ihrem Haus gab, wobei mir die Tränen kamen.
Kann bitte endlich jemand den Transporter erfinden, den ich so dringend brauche?
Aber auch wenn wir uns seit einigen Jahren nicht gesehen haben, denken wir an einander, und ich hoffe wirklich, daß ich ihre Ohren jetzt zum Klingeln gebracht habe. Wie wir immer am Ende eines Gesprächs zueinander sagen .... love ya, my Jenn.

Dienstag, 12. Mai 2026

Nostalgie - Schnecken

"Als Mr. Peter Knoppert das Beobachten von Schnecken zu seinem Hobby machte, hatte er keine Ahnung, daß seine Handvoll von Exemplaren im Handumdrehen auf Hunderte wachsen würde. ... 'Mir war Natur in meinem Leben vorher immer egal', sagte Mr. Knoppert oft - er war Partner in einer in einem Maklerbüro, ein Mann, der sein gesamtes Leben der Finanzwissenschaft gewidmet hatte - 'aber Schnecken haben mir die Augen für die Schönheit der Tierwelt geöffnet.'" (Anmerkung: eigene Übersetzung, da ich die Geschichte auf Deutsch nicht da habe)
Das ist aus dem Anfang einer von Patricia Highsmiths Kurzgeschichten über Menschen und Schnecken, diese heißt "Der Schneckenforscher", die andere "Auf der Suche nach X. Claveringi" (die englischen Geschichten könnt ihr hier finden (obwohl es für Claveringi zwei Versionen gibt)).


Highsmith liebte Schnecken und hielt Hunderte von ihnen als Haustiere. Sie nahm sie mit zu Partys, auf Salat in ihrer Handtasche sitzend, und sie schmuggelte sie in ihrem BH nach Frankreich hinein, weil sie sie nicht in England zurücklassen wollte.
Ich las ihre beiden Schneckengeschichten in jungem Alter in einer Anthologie, aber "Der Schneckenforscher" beeindruckte mich mehr, und das Bild, das ich mir vom Ende ausmalte, hat sein eigenes Zimmerchen in meinem Kopf und springt jedesmal heraus, wenn ich eine Schnecke sehe.
Wenn ihr die Geschichten kennt, könnt ihr euch vorstellen warum. Habe ich erwähnt, daß es eine Horror-Anthologie war?

Es gibt noch andere Schnecken in meinen Kindheitserinnerungen, wie die Süßwasserschnecken in den Teichen des Parks nahe unserem Haus.


Wir liefen auf den Mäuerchen herum und hielten nach Schnecken Ausschau (wir haben sie immer dort gelassen, falls ihr euch das fragen solltet). Meinen Erinnerungen nach schätze ich, daß es Post- und Spitzhornschnecken waren. Von der Posthornschnecken gab es weniger und ich war überzeugt, daß sie das zu den Schneckenköniginnen machte, also war es sehr aufregend, eine von ihnen zu sehen.

Links: Posthornschnecke
Rechts: Spitzhornschnecke
Bild von Se90 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Natürlich waren wir auch von Landschnecken fasziniert (nicht Nacktschnecken, sie waren mir unheimlich, vor allem nach einem großen Regen, als der Weg in den Wald hinauf von ihnen übersät war, es sah wie eine Invasion aus). Die, die man hier am häufigsten sieht, ist die Gartenbänderschnecke, aber es war etwas Besonderes, Weinbergschnecken zu finden.
Einmal fanden meine Freundin und ich zwei von ihnen auf der Straße und beschlossen, sie an einen sicheren Ort in einem Garten zu setzen, aber der Gartenbesitzer war draußen und sagte, wir sollen es ja nicht wagen, also ließen wir sie auf einer Mauer zurück (obowhl sie und andere Schneckenarten keine Schädlinge sind!). Hinterher machte ich mir recht lang große Sorgen bezüglich ihres Schicksals und dachte, wir hätten eine wirklich sichere Stelle für sie finden müssen. Tut mir leid, kleine Schnecken!
Ich möchte mich außerdem dafür entschuldigen, eins von diesen nervigen Kindern gewesen zu sein, die manchmal eure Augen anstupsten, um zu sehen, wie ihr sie einzieht, und dafür, daß wir euch am Haus hochgehoben haben, wir wußten nicht, daß euch das wehtun kann.

Tatsächlich habe ich seit Jahren keine Weinbergschnecken mehr in freier Wildbahn gesehen, aber Schnecken haben mich in meiner Kreativität inspiriert, im Drahtwickeln, Nadelfilzen und Perlenstickerei.



Und dann ist da natürlich noch Nelly.
Nelly gab es in zwei Farben, blau und braun mit Tupfen, und in einer Größe von 10 cm. In den 60ern hatte Steiff einige Designs, die nur kurze Zeit hergestellt wurden - 1961 bis 1963 für Nelly - und als Schmusekumpel ziemlich ungewöhnlich waren.


Außer Nelly gab es zum Beispiel Fledermäuse und bunte Spinnen (und ich könnte jetzt noch wegen der Geschichte Tränen vergießen, die uns die Dame vom Spielwarenladen erzählte, daß sie sie nicht verkaufen konnten und statt Süßigkeiten beim Faschingsumzug in der Stadt hinauswarfen, argh!).
Als der Ex und ich unseren ersten Steiff-Preisführer kauften, wußten wir sofort, daß wir sie alle wollten, nicht wegen ihrer Seltenheit, sondern wir sie richtig süß fanden (finde ich immer noch).

Nelly ist aus Baumwollsamt mit Lederimitat auf der Unterseite und hat ein bemaltes Gummihaus und Gummifühler, deren Enden gern mal abbrachen, wie ihr an einem davon sehen könnt.
Ist dieses kleine Paar nicht einfach goldig?


Ist euch aber etwas an ihnen aufgefallen? Mit diesen Häusern sind sie keine Landschnecken und ich habe bis heute nie darüber nachgedacht. Ich frage mich, warum Steiff sich dafür entschieden hat.

Da habt ihr's, meine Schneckenerinnerungen.
Ich habe euch die eine erspart, als ich versehentlich auf ei.... nein, vergessen wir das.

Freitag, 3. April 2026

Weekend Traffic Jam Reboot - Woche 150

Willkommen beim Weekend Traffic Jam Reboot!
Meine Posts für den Linkup gehen freitags um 3.30 morgens live (das ist dem Zeitunterschied zu den USA geschuldet).


Etwas ist bei der Zuteilung der Ostereier an die neuen Auszubildenden Wilma und Otto schiefgelaufen ...


Seid ihr für das Osterwochenende bereit?

Als Teil des Reboots werden wir jede Woche einen anderen Blog vorstellen.
Wie wäre es, wenn ihr vorbeischaut und hallo sagt? Sagt ihnen, daß wir euch geschickt haben.



Diese Woche fällt unser Spotlight auf Our New Vista.


Ann von Our New Vista schreibt: "Hi - ich bin eine Schulbibliothekarin im Ruhestand, die es liebt zu lesen, kochen, dekorieren, reisen und das gute Leben mit meinem tollen Ehemann von über 40 Jahren zu genießen! Ich hoffe, ich kann mit euch meine Reise zum Minimalismus und Lebensgenuß teilen!"



Marsha von Marsha in the Middle hat 2021 als Training mit dem Bloggen angefangen, um ihre Neuroplastizität zu erhöhen. Ach, wem machen wir was vor? Marsha hat mit dem Bloggen angefangen, weil sie Kleidung liebt, und sie redet oder in diesem Fall schreibt einfach gern!

Melynda von Scratch Made Food! & DIY Homemade Household - Der Name sagt schon alles, wir haben uns im Osten von Texas angesiedelt, wobei sich drei Generationen das Land teilen. Ich koche und backe alles selber, wenn ich nicht gerade gärtnere oder den Hühnern nachlaufe, und stricke!

Lisa von Boondock Ramblings erzählt von den Büchern, die sie schreibt und liest, ihrem Glauben, Home-Schooling, Fotografie und mehr.

Cat von
 Cat's Wire hat, was sie ein Springspinnengehirn nennt. Sie hat viele Interessen und bloggt über das, was immer gerade ihre Aufmerksamkeit erregt - Handarbeiten, Bücher, alte Filme, Sammelwertes oder "einfach nur so".

Rena von Fine Whatever Blog schreibt über Stil, Leben im mittleren Alter und die "gut, was auch immer" Momente, die dem Leben Sinn und Spaß geben. Seit 2015 feiert sie Kreativität, Selbstvertrauen und die Freude am Alltag.


Hier ist meine Auswahl von ein paar Posts aus dem Linkup der letzten Woche (englischsprachig).


Ich habe es selber nie nach Hamburg geschafft, darum habe ich die Bilder, die Barbara gemacht hat, um so mehr genossen.

Mireille zeigt uns Kombinationen mit ihren Jeanslatzhosen. 

Laura teilt Frühlingdips mit uns.

Zitrone und Mohn - Esme bringt sie in Pfannkuchen zusammen.

Amy hat ein paar entzückende Häschenkarten gemacht.


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Dienstag, 10. März 2026

Zu spät

"Wir sind zu spät dran."
"Wir wußten, daß es schwierig sein würde, die Kitze mitzunehmen, Meister Gnom, aber he, es war ein netter Familienausflug, auch wenn wir es nicht geschafft haben. Der Gedanke zählt, nicht wahr?"

Marsha, sie haben versucht, es rechtzeitig für deinen "Style Imitating Art"-Post zu schaffen, aber du weißt ja, wie das ist.
"Sind wir schon da?" "Ich kann nicht mehr laufen." "Kann ich ein Eis kriegen?" "Trag mich!"
Ich wünschte, wir lebten näher zusammen, wir wären für all deine Hirschbedürfnisse dagewesen (auch wenn es europäische Rehe sind).

Alle Rehe sind natürlich vintage Steiff (ich bin nur Sammlerin und in keiner Weise mit ihnen verbunden), der Gnom wurde von meiner lieben Freundin Jennifer genäht, ich liebe ihn so sehr.

Samstag, 20. September 2025

Barbies Kleiderschrank - Patio Party

Ich bin keine Fashionista. Ich bin ... man könnte sagen ... eine Kleiderträgerin. Ich mag meine Kleidung bequem und in der richtigen Größe und, wenn möglich, daß sie keine Löcher oder Flecken hat (der Teil ist nicht immer einfach, wenn man Katzen hat).
Es gibt Dinge, die ich an Kleidung liebe, wie Taschen in Kleidern oder Dreiviertelärmel, aber darüber hinaus bin ich recht anspruchslos und nicht abenteuerlustig.
Das heißt nicht, daß ich gar keine Kleider anschauen mag, vor allem die, die ich niemals selber tragen könnte, des Geldes oder meiner Figur wegen, Mangel an Gelegenheit usw. Es gibt trotzdem noch Wege, Haute Couture in mein Leben zu bringen. Ich meine Barbie und ihre Freundinnen.
Ich war schon immer von Miniaturen fasziniert und Barbies vintage Outfits mit ihren winzigen Reißverschlüssen und Knöpfen und Schnallen sind unglaublich. Das ist mein "Modeleben", entweder über meine eigene kleine Sammlung oder Bilder.
(Und ja, ich weiß, daß Barbies Körper nicht natürlich ist, ich wußte das als Kind und habe nie versucht, ihr nachzueifern ... hätte ich das, wäre was schiefgelaufen).
Ich würde euch gern ab und zu einen Blick in Barbies Kleiderschrank werfen lassen.

Heute machen wir eine kleine Reise in die Mod-Ära. Tatsächlich kommen diesmal sowohl unser Model als auch ihr Outfit aus denselbem Zeitraum, nämlich 1967 - 1968.


Seid ihr bereit für eine Party? Diese hübsche (nicht so junge) Dame ist es.
Sie ist eine TNT Barbie mit tizianrotem Haar. TNT steht für Twist'n'Turn, das 
bedeutete, daß sie nicht nur den Kopf hin und her drehen konnte, sondern auch ihre Taille (wie ihre britische Freundin Stacey, über die ich kürzlich geschrieben habe.). Sie hatte außerdem knickbare Beine.
Ihr glattes Haar mit dem unregelmäßigen Schnitt und dem Pony kam in vier Farben - "Chocolate Bon-Bon" (dunkelbrünett), "Sun Kissed" (hellblond), Go Go Co Co (braun/brünett) und "Summer Sand" (aschblond). Das Tizianrot ist keine offizielle Farbe und taucht nicht so oft auf. Es wird immer noch diskutiert, ob es ein paar echte Rothaarige gibt oder ob das immer das Ergebnis von Oxidation ist.

Barbie zeigt uns ein fabelhaftes Mod-Outfit namens "Patio Party".
Mod-Designer wußten echt, wie man Farben kombiniert.



Barbie trägt einen Nylon-Jumpsuit in einem Multicolor-Paisley-Blumen-Print mit sehr weiten Palazzohosenbeinen.
Das Überkleid mit den asymmetrisch verteilten Farben ist aus einem mitternachtsblauen und einem kontrastierenden leuchtendgrünen Satin.
Ich habe dies für sie zum Tragen ausgesucht, weil ich finde, daß es großartig zu ihrem roten Haar paßt.
Die Pumps greifen das Blau aus dem Jumpsuit und dem Überkleid auf.
Dieses sogenannte Hostess-Ensemble ist in der Tradition von älteren mit dem Unterschied der weiten Hosenbeine und natürlich der Farben.


Das einzige Accessoire ist ein Paar verrückter Ohrringe. Obwohl das Outfit selber - als #1693 produziert - eins der 1600er Modelle ist, das man leichter finden kann, gilt das für die Ohrringe nicht. Sie können durch Reproduktionen ersetzt werden.
Ich bekam dieses Outfit allerdings von der ursprünglichen Eigentümerin, komplett mit Ohrringen. Wenn man bedenkt, wie klein und einfach zu verlieren sie sind, ist es unglaublich für mich, daß sie sie noch hatte!



Wenn ihr euch aber fragt, warum Barbie sie nicht trägt, laßt mich schnell den Fluch des grünen Ohrs ansprechen. Das mag sich ja wie der Titel für einen meiner frühen Stummhorrorfilme anhören (oder auch ein Buch der drei ???), aber es ist nur stummer Horror.
Das Vinyl der Puppen kann mit dem Metall der Ohrringe reagieren und das Grün kann sich echt ausbreiten. Besser kein Risiko eingehen, da es durchaus möglich ist, daß man es nicht wieder los wird!
Aber selbst ohne die Ohrringe ist das so ein cooles Outfit, um es auf einer Terrassenparty zu tragen.


Um das klarzustellen, ich habe zwar den Puppenständer aus dem Bild entfernt, aber nichts am Outfit geändert.

Barbie ist ein eingetragenes Warenzeichen. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.

Quellen (englischsprachig):

1. Sibyl DeWein und Joan Ashabraner: The Collector's Encyclopedia of Barbie Dolls and Collectibles. Paducah, KY, Collector Books, 1994
2. Sarah Sink Eames: Barbie Doll Fashion, Vol. II, 1968 - 1974. Paducah, KY, Collector Books, 1997
3. Vintage Barbie Patio Party. Auf: Fashion Doll Guide
4. Vintage Twist'n'Turn Barbie Doll. Auf: Fashion Doll Guide



Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Montag, 8. September 2025

Nostalgie - Wie Spielzeuge wirklich werden

Vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal "The Velveteen Rabbit or How Toys Become Real" (im Deutschen "Das Samtkaninchen") gelesen. Hier in Deutschland ist das Buch kein Kinderklassiker, aber ich habe es immer wieder erwähnt gesehen und dachte, es wäre jetzt doch mal Zeit, es zu lesen.
Wenn ihr es nicht kennt, hier ist die Handlung.

Kein Samt-, sondern ein Kunstseidenplüschkaninchen
von Steiff aus den 1940ern (nicht komplett, 
aber in wunderbarem Zustand)

Es gibt verschiedene Arten von Sammlern.
Beim Sammeln kann es um die Vielfalt von Stücken gehen, ein gemeinsames Detail, um den finanziellen oder den emotionalen Wert, um das perfekte oder nicht perfekte Aussehen, um Farbe, um Gebrauch, um Seltenheit, um Geschichte, um Sentimentalität ... ich könnte so weitermachen.

Als Sammlerin von Steifftieren kann ich sagen, daß ein unbespieltes vintage Steifftier, möglicherweise sogar komplett mit Knopf, Schild und Fahne, die ja von Kinderhänden leicht abgerissen werden (keine Sicherheitsknöpfe damals), etwas ganz Besonderes hat. Ich frage mich immer wieder, wie das überhaupt sein kann. Hat es die letzten 50, 70, 100 Jahre oder mehr in einem Schrank verbracht, unberührt? Hat es in einer Blase gelebt (ich verwende absichtlich das Wort "gelebt", ihr werdet sehen warum)?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, daß ich nicht weiß, wie atemberaubend ein altes "neues" Steifftier sein kann. Es gibt Sammler, die nur nach solchen suchen, und sie sind bereit, den Preis für die (oft) wenigen Auserwählten zu bezahlen.

Und dann gibt es noch die anderen.
Ich werde niemals den Flohmarkt vergessen, auf dem ich diesen kleinen Kerl fand. Ich lief hinüber zum Ex, um ihn an den Stand zu zerren und ihm mitzuteilen, daß ich mich verliebt hatte.


Nun versteht ihr ja vielleicht nicht, wie sich jemand in das offensichtliche Opfer eines Mottenangriffs verlieben kann, das auch noch schaukelige Gliedmaßen hat.
Vielleicht denkt ihr sogar, daß das ein bißchen eklig oder verstörend ist.
Ich aber sah einen 80 Jahre alten Freund (inzwischen über 100).

Ein Kind liebte ihn so sehr, daß er immer noch da war, obwohl er fast sein ganzes Fell verloren hatte, liebte ihn so sehr, daß sich jemand die Mühe machte, diesem kleinen Kerl neue Pfoten aus weißem Leder (inzwischen auch abgewetzt) zu geben, sehr sorgfältig und sicher aufgenäht.
Ich erinnere mich, wie nervös ich als Kind war, als mein eigener Teddy Löcher in seinem Pfotenfilz hatte, und ich meiner Mutter dabei zusah, wie sie neue Pfoten aus Stoff aufnähte.

Das Kind gibt es wahrscheinlich nicht mehr, ihn aber schon, und oh die Geschichten, die er erzählen könnte! Vielleicht war er wie mein Teddy und sah zu, wie sein Kind erwachsen und alt wurde, bevor er auf einem Flohmarkt in Marin County landete, nur um dort von einem Paar Deutschen gefunden zu werden, die ihn zurückbrachten, nur 60 km von dort entfernt, wo er einst herkam.

Dem Samtkaninchen wird gesagt: "Wirklich ist nicht, wie du gemacht bist ... Es ist etwas, das dir passiert. Wenn dich ein Kind lange, lange Zeit liebt, nicht nur zum Spielen, sondern dich WIRKLICH liebt, dann wirst du Wirklich." ...
"Im allgemeinen ist fast all dein Haar abgeliebt, wenn du Wirklich bist, und deine Augen fallen aus und du wirst locker in den Gelenken und sehr schäbig. Aber diese Dinge machen überhaupt nichts aus, denn wenn du Wirklich bist, kannst du nicht häßlich sein, außer für Menschen, die es nicht verstehen."
(eigene Übersetzung, ich habe das deutsche Buch nicht)
Spoileralarm: Die Spielzimmerzauberfee macht ihn Wirklich, ein echtes kleines Kaninchen.

Ich habe keinerlei Zweifel, daß dieser Teddy für sein Kind Wirklich wurde, so wie das Samtkaninchen für seinen Jungen, weil er geliebt wurde (auch wenn er seine Schuhknopfaugen noch hat). Vielleicht wartet er noch auf seine Fee und ich gebe ihm gern den Platz bei anderen Teddyfreunden, um das zu tun.

Denn das ist die Art Sammler, die wir waren, und es gibt auch andere wie uns. Sie lieben nicht nur die perfekten, sie lieben die geliebten, die, mit denen gespielt wurde, die mit "Makeln", von denen wir wünschten, sie könnten uns ihre Geschichten erzählen, alle, nicht nur die guten ...

Ich sag' nur.
Einer wie der andere hat seine eigene Schönheit.


Montag, 7. Juli 2025

Aus meinem Kinderbuchschrank - Susanne Barden

Zunächst einmal - bevor ich mich jetzt anspringt, falls ihr die "Susanne Barden"-Serie kennt, ich weiß, daß das keine Kinder-, sondern Jugendbücher sind.
In dem Schrank, den ich schon immer meinen Kinderbuchschrank nenne, ist eine Mischung aus beidem.


Ich wollte selber nie Krankenschwester sein. Nichts davon spricht mich persönlich an. Als erstes kann ich zwar mein eigenes Blut sehen, aber nicht das von anderen. Mir wird schon schwach nur von dem Geruch eines Krankenhauses, wenn ich es betrete. Hauptsächlich denke ich allerdings, daß ich zu weich bin ... oder anders ausgedrückt ein Feigling.
Dank dieses Gefühls schätze ich Krankenschwestern und -pfleger sogar noch mehr dafür, daß sie das fertigbringen. Ich habe so ein oder zwei in meinem Leben gekannt (und war nicht mit allen davon glücklich, schließlich sind wir alle Menschen) und ich bin auch mit ein oder zwei befreundet.
Warum also habe ich "Susanne Barden" gelesen und warum habe ich die Bücher sogar selber?
Oh, und falls ihr die Reihe nicht kennt, wer ist Susanne Barden überhaupt?

"Susanne Barden" ist die Geschichte einer jungen Frau von der Probe- bis zur Stabsschwester, erzählt in sieben Büchern, die zwischen 1936 und 1952 von Helen Dore Boylston geschrieben wurden, die selber Krankenschwester war.
Ihre Bücher gelten in den USA
 als zu den ersten gehörend, die die Kategorie von Büchern für junge Erwachsene definieren.

Boylston arbeitete während des 1. Weltkriegs als Krankenschwester in einem Feldlazarett und schrieb auch ein Buch über diese Erfahrung. Sie blieb dann in Europa, um in verschiedenen Ländern für das Rote Kreuz zu arbeiten.
Nachdem sie die Autorin Rose Wilder Lane (die Tochter von Laura Ingalls Wilder) traf, beschlossen sie, in einem Ford Modell T von Paris nach Albanien zu fahren. Sie lebten ungefähr ein Jahr lang in Albanien, bevor sie in die USA zurückkehrten, ein Buch, das auf ihren Tagebüchern und Briefen beruhte, erschien 1983.

Helen Dore Boylston, ca. 1928


Nachdem sie während der Depression Geld verlor, ging Boylston in die Krankenpflege zurück und fing dann ernsthafter mit dem Schreiben an.
Ihre Susanne Barden-Bücher basierten auf ihren eigenen Erfahrungen und echten Personen, die sie kannte, sie behielt sogar manche der richtigen Namen bei, bestand aber darauf, daß Susanne nicht autobiographisch ist, sondern die Krankenschwester, die sie selber gern gewesen wäre.
Ihr Ziel war es, kein romantisches, sondern ein realistisches Bild der Arbeit als Krankenschwester zu vermitteln, und ihre Hauptfigur schlug im Laufe ihrer Karriere verschiedene Wege ein, genau wie sie es selber getan hatte.

In der Originalreihe gab es sieben Bücher, "Sue Barton: Student Nurse", "Sue Barton: Senior Nurse", "Sue Barton: Visiting Nurse", "Sue Barton: Rural Nurse", "Sue Barton: Superintendent of Nurses", and the last two which followed some years later, "Sue Barton: Neighborhood Nurse", and "Sue Barton: Staff Nurse".
Hier sieht man schon, daß aus Sue Barton im Deutschen Susanne Barden wurde, oft Suzy genannt, mehr dazu noch später.

In den ersten zwei Büchern erfahren wir, wie Susanne und ihre Freundinnen Kit und Connie in einem berühmten Krakenhaus ihre Ausbildung machen. Sie verliebt sich in den jungen Arzt Bill Barry und verlobt sich, besteht aber darauf, erst noch als Krankenschwester zu arbeiten, bevor sie heiraten.
Im dritten Buch arbeiten Suzy und Kit für das Sozialprojekt Henry Street Settlement in New York als Gemeindeschwestern. Bill, der eine Stelle als Landarzt angenommen hat, hat seine Meinung über das Warten geändert und möchte so schnell wie möglich heiraten, was zu einer Trennung führt, jedoch nicht für lang.
Als sein Vater stirbt, muß Bill die Hochzeit verschieben. Suzy möchte in seiner Nähe sein und organisiert im vierten Buch für sich eine Stelle als Gemeindeschwester auf dem Land.
Zu Beginn des fünften Buches heiraten 
Suzy und Bill und Suzy arbeitet als Chefin der Schwesternschule im neuen Krankenhaus, ist sich aber nicht sicher, ob sie die Richtige für diese Arbeit ist. Die Ehe verliert etwas an Glanz, aber am Ende ist Suzy mit ihrem ersten Kind schwanger und kündigt ihre Stelle bei der Schule.
Im sechsten Buch haben 
Suzy und Bill drei Kinder. Suzy bereut, nicht mehr als Krankenschwester zu arbeiten, stellt aber fest, daß ihre Erfahrung ihr auch in der Familie und Nachbarschaft zugutekommt. Kit ist nun die Chefin der Schwesternschule.
Im letzten Buch wird Bill krank. Er muß monatelang in einem Sanatorium bleiben, also muß Suzy wieder arbeiten und mit Hilfe einer alten Freundin für ihre nun vier Kinder sorgen. Bill erholt sich, und obwohl das Ende offen ist, scheint es doch darauf hinzudeuten, daß Suzy die Arbeit wieder aufgeben wird, sobald er zurückkommt.

In Deutschland wurden die Bücher zunächst in den 50ern als eine Ausgabe mit drei Bänden veröffentlicht. Mehr Auflagen folgten, aber erst später als Serie von sieben Büchern. Ich erinnere mich, wie überrascht ich war, als ich zum ersten Mal die sieben Taschenbücher in unserem Buchladen sah, weil ich dachte, ich hätte etwas verpaßt, bis ich dann die Beschreibungen las.
Die sieben Bücher hießen bei uns jeweils "Susanne Barden" mit dem Zusatz "Hinaus ins Leben", "Zeig, was du kannst", "in New York", "Weite Wege", "Jung verheiratet", "Heiter bis bewölkt", "Ende gut, alles gut", was sicherlich auch daran lag, daß es die englischen Begriffe so bei uns im Deutschen nicht gibt.


Susanne Barden - Hinaus ins Leben
 (Sue Barton: Student Nurse/Senior Nurse)
Susanne Barden - Weite Wege
(Sue Barton: Visiting Nurse/Rural Nurse)
Susanne Barden - Reifen und Wirken
(Sue Barton: Superintendent of Nurses/
Neighborhood Nurse/Staff Nurse

Ich haßte diese Einbände und habe mich dieses Jahr zum Geburtstag selber mit einem Set der Ausgabe beschenkt, die ich aus meiner Kindheit kannte.
So sentimental, ich weiß! Die neueren Einbände erinnerten mich aber immer an Arztromane (was mich in Gedanken zu dem Regal im Einkaufsladen meiner Kindheit zurückbringt, in dem all die Heftchenromane angeboten wurden, so witzig, an was wir uns erinnern). Ich mochte sogar die alte Schriftart lieber.
Sind sie nicht hübsch?


Für diesen Post habe ich Teile der ersten Bücher auf Englisch (die ich auf The Internet Archive gefunden habe) und auf Deutsch verglichen, und die Übersetzung scheint überwiegend nah am Original zu sein, ist aber in Bezug auf den Stil sehr frei.
Es gab auch ein paar kleine Kürzungen im Text. Vielleicht war der Grund dafür, daß sie aus sieben Büchern drei machten. Ich finde es trotzdem nicht in Ordnung und frage mich, warum sie die Reihe überhaupt erst als Trilogie herausgegeben haben.
Wie gesagt wird aus Sue Susanne und auch ein paar der anderen Namen sind geändert (was ich nur in einem Fall verstehe, in dem der Name etwas aussagt).
Was mich überrascht hat war, daß Fahrenheit nicht zu Celsius geändert wurde, denn das wäre nun etwas gewesen, das ich gemacht hätte. 68 Grad Fahrenheit sagten mir als Kind gar nichts.

Meine Schwester war die erste, die die Bücher aus unserer Stadtbücherei auslieh und ihr gefielen sie (obwohl sie auch keine Krankenschwester sein wollte), also las ich sie auch. Das muß so in der zweiten Hälfte der 70er gewesen sein.
Ich glaube nicht, daß ich so recht darüber nachgedacht habe, wie alt die Bücher genau waren, in den 70ern schienen sie mir noch gar nicht so sehr veraltet, schließlich hatte ich ja auch keine Ahnung von Krankenpflege und man hätte mir einfach alles verkaufen können.
Als Erwachsene kaufte ich die Bücher dann für meine Sammlung. Natürlich wurde mir da klar, wie alt sie waren, aber jetzt war es ja sowieso vintage Lesestoff.

Meine Favoriten waren die ersten eineinhalb deutschen Bücher (englisch 1 bis 3) und das letzte Dritte des dritten Buchs (englisch 7). Ich mochte die anderen auch, aber nicht so sehr, obwohl ich mir damals nicht groß überlegte, warum das so war. Habt ihr schon einen Verdacht?

Als ich die Bücher für diesen Post noch einmal las, wurde es so offensichtlich für mich. Anders als andere war ich kein Fan von Bill.
Meine Favoriten zeigten Suzy als eine unabhängige Frau, die ihrem Traum folgte und gut darin war (okay, vielleicht etwas zu gut, um realistisch zu sein, aber immerhin ist es Fiktion), und Bill kam darin gar nicht so herausstechend vor. Klar, er war für die Liebesgeschichte da, aber die Romanze war für mich in diesen Büchern gar nicht der wichtige Anteil. Ich glaube, ich hatte genug von ihm, als er wegen der Heirat drängelte, obwohl er Suzy doch versprochen hatte, daß er warten würde. 

In einem Buch nennt Suzy Bill "zu ernst, denke ich manchmal". Offen gesagt schien er mir manchmal ein verwöhntes Kind zu sein, egal was er für ein wundervoller Arzt ist, während Suzy irgendwie viel reifer erscheint.
Boylston heiratete übrigens nie und auch nicht Kit in den Büchern, die einer meiner Lieblingscharaktere ist.
Dann erinnere ich mich selber wieder an die Zeit, in der diese Bücher geschrieben wurden. Die 30er waren eine Zeit, in der Frauen begannen, Unabhängigkeit zu erreichen, zum Beispiel in Berufen wie der Krankenpflege, aber die 50er, als die letzten beiden Bücher erschienen, wollten Frauen zurück im Haus sehen, am Herd und für Mann und Kinder sorgend.
Wenigstens konnte Suzy beweisen, daß sie imstande war, ohne Mann im Haus zu überleben.

Ich stimme allerdings einer Bloggerin zu, die geschrieben hat "I think the author sold out to the publishers on that one.", also daß die Verfasserin sich dem Verlag unterworfen hat.
Zugegeben, als Bill Kit erzählt, daß er bald wieder heimkommen wird und Suzy überraschen will, ist sie sich sicher, daß Suzy die Arbeit aufgeben wird, aber Bill fragt sich, ob sie ihr nicht fehlen wird. Kit meint, das müßten sie beide entscheiden und Bill antwortet, Suzy müßte es entscheiden. Es ist nur so, daß ich dabei das Gefühl bekam, daß er darauf hofft, daß sie kündigt, und damit scheine ich nicht allein dazustehen. Vielleicht vertrauen wir nicht darauf, daß Bill erwachsen genug geworden ist, um das zu verstehen?
Da dies das letzte Buch ist, schätze ich, wir können selber entscheiden, was Suzy tatsächlich als nächstes tun wird.

Ich kann euch nicht wirklich sagen, warum ich diese Bücher so gern lesen, aber ich schnappe sie mir gelegentlich und habe immer noch Spaß damit, ärgere mich immer noch über Bill und bin immer noch froh, daß ich keine Krankenschwester bin (so wie es auch alle Patienten sein sollten).

P.S. Ich meine mich zu erinnern, daß ich Boylstons andere Reihe über die Schauspielerin Carol Page in der Bücherei oder sonstwo gesehen hatte, glaube aber nicht, daß ich sie je gelesen habe.
Ich habe auch nie Cherry Ames gelesen, eine weitere in den USA sehr beliebte Serie über eine Krankenschwester. Tatsächlich hatte ich, bevor ich für diesen Post recherchierte, noch nie von ihr gehört und konnte auch keine deutsche Übersetzung für die Bücher finden.


Quellen (englischsprachig):

1. Katherine Ashenburg: Rereading: Sue Barton and Me. In: The American Scholar 72(2003),3, pp. 137 - 141 (Closed Access)
2. Deborah Philips: Healthy Heroines: Sue Barton, Lillian Wald, Lavinia Lloyd Dock and the Henry Street Settlement. In: Journal of American Studies 33(1999),1, pp. 65 - 82 (Closed Access)
3. Rebecca M. Douglass: Middle Grade Monday: Helen Dore Boylston. Auf: The Ninja Librarian, 1. November 2021
4. "lunacat101": Helen Dore Boylston (1895-1984), Teil I, II, III. Auf: Authors' real lives, 3. Januar 2015 - 5. April 2015 - 19. September 2015
5. Travels with Zenobia - Paris to Albania by Model T Ford : A Journal by Rose Wilder Lane and Helen Dore Boylston. Hrsg. von William Holtz. Columbia & London, University of Missouri Press, 1983

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.