Donnerstag, 10. September 2026

Stummfilme - Mighty Like a Moose

Letzte Woche habe ich über eine Affäre gesprochen, die für jemanden ein tragisches Ende fand, die heutige Affäre ist ganz anders.
Wenn ich euch sage, daß Charley Chase hier dabei ist, erinnert ihr euch vielleicht daran, daß er für Komödien bekannt war. Ich denke, nach dem Drama der letzten Woche, haben wir eine solche verdient.
Hier ist "Mighty Like a Moose" von 1926 (scheint, ich stecke gerade in diesem Jahr fest, aber das ist reiner Zufall!).


Beginnen wir mit der Handlung (Spoileralarm!).

Mr. Moose hat vorstehende Zähne und Mrs. Moose hat eine große Nase.


Die Nachbarskinder - kein Respekt. Ich mußte dieses Bild einfügen, weil es mich an die Szene aus "Fröhliche Weihnachten" erinnerte, in der die Kinder ihrer Lehrerin einen Streich spielten, indem sie falsche vorstehende Zähne trugen (aus Wachs, wie man in dem Buch lesen kann, das den Film inspirierte ... ich schweife ab, sorry).


Mr. und Mrs. Moose haben beide seit Monaten gespart, um ihre Ehepartner mit einem Facelift zu überraschen - et voilà.


Mr. Mooses Zahnarzt läßt ein Vorher-Nachher-Bild machen und gibt seinem Patienten außerdem falsche Zähne, damit seine Familie ihn noch erkennen kann. Außerdem lädt er ihn auf eine Party ein, aber Mr. Moose lehnt ab, da er verheiratet sei.
Dann begegnet er Mrs. Moose im Flur, sie erkennen sich jedoch gegenseitig nicht und beginnen einen Flirt, also lädt er sie zur Party ein. Beide fühlen sich nicht gut dabei, ihre Ehepartner zu hintergehen, aber andererseits können sie nicht widerstehen, nachdem sie die Auswirkungen ihrer jeweiligen Operationen gesehen haben
.


Sie kommen getrennt zu Hause an und bemerken sich anfangs auch nicht, indem sie eine Art "Tanz" um einander herum aufführen - einer kommt in den Raum, wenn die andere gerade herausgeht.
Auf der Party versucht Mr. Moose einen Tanz mit seinem Date zu erhaschen, aber stattdessen wird sie ihm quasi entrissen, während er zu einem Tanz mit einer Dame gebeten wird, die nur die Polka kann (leider habe ich es nicht geschafft, einen Screenshot zu bekommen, der wirklich zeigt, wie witzig dieser Tanz ist).
Was niemand weiß ist, daß die Polizei schon darauf wartet, eine Razzia auf der Party durchzuführen, da sie den Doktor des Alkoholbesitzes verdächtigen (Prohibitionszeiten!), sie "verhaften zur Übung alle".
Mr. Moose hat die Polizisten entdeckt und warnt Mrs. Moose. Sie drehen sich beide herum, mit dem Ergebnis, daß die Polizei ein Bild von ihnen macht. Ihr erinnert euch, sie wissen nicht, daß sie ein Ehepaar sind.


Daheim ist Mr. Moose überrascht, als sein Date kurz nach ihm sein Haus betritt. Er hört, wie sie dem Mädchen von der Operation erzählt, und ist schockiert, daß seine Frau ihn hintergangen hat. Also sagt er Mrs. Moose als ihr Date, daß er nicht ohne sie leben kann, kommt dann mit den falschen Zähnen zurück, und schließlich täuscht er einen Kampf zwischen "dem Date" und "dem Ehemann" vor (mit Hilfe eines pendelnden Stiefels).


Unglücklicherweise für ihn hat Mrs. Moose die Zeitung gefunden, in der auch das Vorher-Nachher-Bild ihres Mannes ist. Als sie ihn dafür schlägt, daß er versucht hat, sie mit dem falschen Kampf zu täuschen, verliert er die falschen Zähne.
Wo sind sie? Oh, gefunden!


Verwechslungen sind schon lang eine Grundlage für Komödien. Als also ein Blogger schrieb, daß er nicht versteht, wie sie sich gegenseitig nicht erkennen konnten, brachte mich das zum Lachen.
Mein Lieblingsbeispiel - Clark Kent/Superman. Aus irgendeinem seltsamen Grund wissen Leute immer noch, wer ich bin, selbst ohne meine Brille.
Wenigstens erfahren wir, daß Mrs. Moose sich auch neue Kleider gekauft hat, die ihr Mann noch nicht kennt.

Ich war außerdem vom unmittelbaren Erfolg der OPs entzückt. Keine Verbände, keine Spuren, keine Schmerzen, die zwei hüpfen aus den Behandlungsstühlen und alle sind glücklich.
Wünschten wir uns nicht, daß es wirklich so einfach wäre?
Falls ihr euch übrigens fragt, Nasen-OPs gibt es schon ganz schön lange - zum ersten Mal um 600 v. Chr. in Indien. Im Westen wurden sie im späten 19. Jahrhundert wirklich populär und wurden später nicht nur rein für die Ästhetik durchgeführt, sondern auch um Männern zu helfen, die im Krieg verwundet wurden.

Der Kampf, den Mr. Moose mit sich selber führte, war natürlich auch nicht realistisch, vor allem am Ende, als er sekundenschnell die Identitäten wechselte und immer von derselben Seite kam.
All das war clever geschnitten, nur Superman hätte so schnell sein können.

Ist das alles aber irgendwie wichtig? Natürlich nicht!
Der gesamte Film nutzte die wundervolle Choreographie, um das Publikum zum Lachen zu bringen, und bei mir hat das sowas von gut geklappt.
Ich hatte auch Spaß mit den witzigen Zwischentiteln. Mein Favorit war der, als Mr. Moose ins Haus kommt und von seinem Hund attackiert wird, der ihn mit den neuen Zähnen nicht erkennt, sodaß er die falschen einsetzen muß
.


Das ist natürlich eine Anspielung auf EMI's Nipper, der "His Master's Voice", der Stimme seines Herrn zuhört (schaut euch meinen Post über Nipper an, falls ihr nicht wißt, wovon ich spreche).

Schlußfolgerung - ist der Film realistisch? Nein. Ist er witzig? Sowas von!
Für mich sogar so witzig, daß ich laut lachen mußte.
Bis jetzt mochte ich jeden Charley Chase-Film, den ich gesehen habe, und ich freue mich darauf, mehr davon zu erforschen
.


Weitere Lektüre:

Fritzi Kramer: Mighty Like a Moose (1926) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 27. April 2014



Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

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