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Donnerstag, 10. September 2026

Stummfilme - Mighty Like a Moose

Letzte Woche habe ich über eine Affäre gesprochen, die für jemanden ein tragisches Ende fand, die heutige Affäre ist ganz anders.
Wenn ich euch sage, daß Charley Chase hier dabei ist, erinnert ihr euch vielleicht daran, daß er für Komödien bekannt war. Ich denke, nach dem Drama der letzten Woche, haben wir eine solche verdient.
Hier ist "Mighty Like a Moose" von 1926 (scheint, ich stecke gerade in diesem Jahr fest, aber das ist reiner Zufall!).


Beginnen wir mit der Handlung (Spoileralarm!).

Mr. Moose hat vorstehende Zähne und Mrs. Moose hat eine große Nase.


Die Nachbarskinder - kein Respekt. Ich mußte dieses Bild einfügen, weil es mich an die Szene aus "Fröhliche Weihnachten" erinnerte, in der die Kinder ihrer Lehrerin einen Streich spielten, indem sie falsche vorstehende Zähne trugen (aus Wachs, wie man in dem Buch lesen kann, das den Film inspirierte ... ich schweife ab, sorry).


Mr. und Mrs. Moose haben beide seit Monaten gespart, um ihre Ehepartner mit einem Facelift zu überraschen - et voilà.


Mr. Mooses Zahnarzt läßt ein Vorher-Nachher-Bild machen und gibt seinem Patienten außerdem falsche Zähne, damit seine Familie ihn noch erkennen kann. Außerdem lädt er ihn auf eine Party ein, aber Mr. Moose lehnt ab, da er verheiratet sei.
Dann begegnet er Mrs. Moose im Flur, sie erkennen sich jedoch gegenseitig nicht und beginnen einen Flirt, also lädt er sie zur Party ein. Beide fühlen sich nicht gut dabei, ihre Ehepartner zu hintergehen, aber andererseits können sie nicht widerstehen, nachdem sie die Auswirkungen ihrer jeweiligen Operationen gesehen haben
.


Sie kommen getrennt zu Hause an und bemerken sich anfangs auch nicht, indem sie eine Art "Tanz" um einander herum aufführen - einer kommt in den Raum, wenn die andere gerade herausgeht.
Auf der Party versucht Mr. Moose einen Tanz mit seinem Date zu erhaschen, aber stattdessen wird sie ihm quasi entrissen, während er zu einem Tanz mit einer Dame gebeten wird, die nur die Polka kann (leider habe ich es nicht geschafft, einen Screenshot zu bekommen, der wirklich zeigt, wie witzig dieser Tanz ist).
Was niemand weiß ist, daß die Polizei schon darauf wartet, eine Razzia auf der Party durchzuführen, da sie den Doktor des Alkoholbesitzes verdächtigen (Prohibitionszeiten!), sie "verhaften zur Übung alle".
Mr. Moose hat die Polizisten entdeckt und warnt Mrs. Moose. Sie drehen sich beide herum, mit dem Ergebnis, daß die Polizei ein Bild von ihnen macht. Ihr erinnert euch, sie wissen nicht, daß sie ein Ehepaar sind.


Daheim ist Mr. Moose überrascht, als sein Date kurz nach ihm sein Haus betritt. Er hört, wie sie dem Mädchen von der Operation erzählt, und ist schockiert, daß seine Frau ihn hintergangen hat. Also sagt er Mrs. Moose als ihr Date, daß er nicht ohne sie leben kann, kommt dann mit den falschen Zähnen zurück, und schließlich täuscht er einen Kampf zwischen "dem Date" und "dem Ehemann" vor (mit Hilfe eines pendelnden Stiefels).


Unglücklicherweise für ihn hat Mrs. Moose die Zeitung gefunden, in der auch das Vorher-Nachher-Bild ihres Mannes ist. Als sie ihn dafür schlägt, daß er versucht hat, sie mit dem falschen Kampf zu täuschen, verliert er die falschen Zähne.
Wo sind sie? Oh, gefunden!


Verwechslungen sind schon lang eine Grundlage für Komödien. Als also ein Blogger schrieb, daß er nicht versteht, wie sie sich gegenseitig nicht erkennen konnten, brachte mich das zum Lachen.
Mein Lieblingsbeispiel - Clark Kent/Superman. Aus irgendeinem seltsamen Grund wissen Leute immer noch, wer ich bin, selbst ohne meine Brille.
Wenigstens erfahren wir, daß Mrs. Moose sich auch neue Kleider gekauft hat, die ihr Mann noch nicht kennt.

Ich war außerdem vom unmittelbaren Erfolg der OPs entzückt. Keine Verbände, keine Spuren, keine Schmerzen, die zwei hüpfen aus den Behandlungsstühlen und alle sind glücklich.
Wünschten wir uns nicht, daß es wirklich so einfach wäre?
Falls ihr euch übrigens fragt, Nasen-OPs gibt es schon ganz schön lange - zum ersten Mal um 600 v. Chr. in Indien. Im Westen wurden sie im späten 19. Jahrhundert wirklich populär und wurden später nicht nur rein für die Ästhetik durchgeführt, sondern auch um Männern zu helfen, die im Krieg verwundet wurden.

Der Kampf, den Mr. Moose mit sich selber führte, war natürlich auch nicht realistisch, vor allem am Ende, als er sekundenschnell die Identitäten wechselte und immer von derselben Seite kam.
All das war clever geschnitten, nur Superman hätte so schnell sein können.

Ist das alles aber irgendwie wichtig? Natürlich nicht!
Der gesamte Film nutzte die wundervolle Choreographie, um das Publikum zum Lachen zu bringen, und bei mir hat das sowas von gut geklappt.
Ich hatte auch Spaß mit den witzigen Zwischentiteln. Mein Favorit war der, als Mr. Moose ins Haus kommt und von seinem Hund attackiert wird, der ihn mit den neuen Zähnen nicht erkennt, sodaß er die falschen einsetzen muß
.


Das ist natürlich eine Anspielung auf EMI's Nipper, der "His Master's Voice", der Stimme seines Herrn zuhört (schaut euch meinen Post über Nipper an, falls ihr nicht wißt, wovon ich spreche).

Schlußfolgerung - ist der Film realistisch? Nein. Ist er witzig? Sowas von!
Für mich sogar so witzig, daß ich laut lachen mußte.
Bis jetzt mochte ich jeden Charley Chase-Film, den ich gesehen habe, und ich freue mich darauf, mehr davon zu erforschen
.


Weitere Lektüre:

Fritzi Kramer: Mighty Like a Moose (1926) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 27. April 2014



Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 27. August 2026

Stummfilme - By Might of His Right

Ich habe erst vor ungefähr zwei Wochen von Mr. & Mrs. Sidney Drew erfahren.
Mr. und Mrs. Drew waren ein Komikerteam, das ... aber wartet mal, tatsächlich gab es zwei Mrs. Drews, Gladys Rankin und Lucille McVey. Nachdem Gladys starb, heiratete Sidney Lucille, die viele ihrer fast 150 Ehekomödien produzierte und auch mit Regie führte und schrieb.
Ich habe eine davon herausgepickt - willkürlich wie immer - und bin bei
 "By Might of His Right" von 1915 gelandet.
Sidney war übrigens der Onkel der Schauspieler Lionel, Ethel und John Barrymore, und Johns Enkelin is Drew Barrymore. Nun wißt ihr, wie sie zu ihrem Namen kam.


Erstmal die Handlung.

Als Henry von der Arbeit nach Hause kommt, stellt er fest, daß sie einen Hausgast haben, Lucilles Bruder, der Ferien hat (gespielt vom Charakterdarsteller Donald Macbride).
Er hat den ganzen Elan eines Collegeboys, rah-rah-rah eingeschlossen, was Lucille prächtig amüsiert, während Henry wirklich nur etwas Ruhe und Frieden möchte.


Pech gehabt.
Der Jüngling schüttelt Henrys Hand wie verrückt, er macht sich über seinen Hut lustig, bevor er sich draufsetzt, wird sehr vertraut mit dem Dienstmädchen, schnappt sich eine Zigarre von Henry, dann seine Zeitung und schließlich seinen Stuhl, ...
 

... bevor er an seinem ahnungslosen Schwager demonstriert, wie man einen Tackle und einen Knockout ausführt.
Am nächsten Morgen schiebt er sich Henrys Zigarettenetui in die Tasche und verkündet dann, daß er beabsichtigt, seine gesamten Ferien über dazubleiben!


Henry muß etwas unternehmen, um den jungen Mann loszuwerden. Er versichert sich der Unterstützung seines Freundes Tony Trexel, der in einem Boxstudio trainiert und ihm hilft, einen Boxer zu finden, der gegen 50 Dollar eine Niederlage vortäuschen wird (das sind heutzutage ungefähr 1600, man sieht also, wie verzweifelt Henry ist).
Zu Hause sagt er, daß Tony sie zu einer 
neuartigen Boxparty eingeladen hat.
Als sie dort sind, erfahren sie, daß "Knock'em Dead" Jones verhindert ist und ein Gegner für den "Battler" benötigt wird. Natürlich denkt Lucille sofort an ihren Bruder, aber plötzlich ist er nicht mehr so begeistert, wie er das daheim noch war.


Also erhebt sich zur Überraschung aller Henry. Nach einem köstlichen "Kampf", in dem die beiden sich erst nicht einmal berühren, "schlägt" Henry den "Battler" k.o.


Zurück daheim ist sein Schwager nicht mehr ganz so selbstbewußt. Tatsächlich hat er solche Angst vor Henry, daß er behauptet, seine Mutter hätte ihn zurückgerufen, seine Taschen packt und geht.


Henry hatte seiner Frau schon von seinem Bluff erzählt und sie brechen in Gelächter aus, als sich die Tür schließt.
Da ich selber eine große Schwester bin, macht das absolut Sinn für mich (obwohl man in einem Bild sieht, daß ihr kleiner Bruder ihr auch leid tut, aber nur ein bißchen!)



Drew selber hat gesagt: "Es gibt viele, die eher actionreiche Arbeit vorziehen, da es aber einen Bereich gibt, der den Anspruch an eine raffiniertere Intelligenz voll erfüllen kann, richten wir uns an diese Klientel" und mir hat das wirklich gut gefallen.
Henry benutzt sein Gehirn - okay, und eine Stange Geld - um seinen Hausgast loszuwerden. Er erteilt ihm eine Lektion darin, andere Leute, oder sollte ich sagen ältere Leute - nicht zu unterschätzen, ohne ihn zu sehr zu erniedrigen. Immerhin hätte er ihn in den Ring drängen können.

Obwohl dieser knapp 15 Minuten lange Film über 100 Jahre alt ist, denke ich, wir können uns alle irgendwie damit identifizieren. Es muß ja nicht immer ein Hausgast sein, der zu lange bleibt, es könnte zum Beispiel auch einfach jemand sein, der nicht kapiert, daß die Party vorbei ist.

Dies ist ein weiterer Film, der verloren geglaubt wurde, bis ein Abzug in Neuseeland auftauchte, der durch eine Partnerschaft des
 New Zealand Film Archive, der amerikanischen Archivgemeinschaft und dem National Film Preservation Foundation erhalten wurde.
Ich freue mmich darauf mehr von Mr. und Mrs. Sidney Drews Universum der Ehe zu erforschen.


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. By Might of His Right (1915). Auf: National Film Preservation Foundation. Preserved Films
2. Fritzi Kramer: By Might of His Right (1915) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 27. November 2023


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 20. August 2026

Stummfilme - Danse Macabre

Neue Woche, neuer Kurzfilm (tut mir leid, aber es ist immer noch zu heiß, und obwohl man während einer Fernsehserie mal ein bißchen die Augen zumachen kann, funktioniert das seltsamerweise nicht, wenn man einen Stummfilm anschaut ...).
Heute ist es ein experimenteller Film, oooh.
Hier haben wir "Danse Macabre" von 1922.


"Mitternacht im pestverseuchten Spanien -- Jugend und Liebe flüchten vor Tod, der ihren Spuren folgt -
Liebe spürt seinen unheimlichen Atem und fällt in Ohnmacht - - - Jugend verzweifelt und betet, - als schaut! - der Hahn der Dämmerung kräht und Tod in den Schatten seines Grabes verblaßt."

Die Skelette bewegen sich, bis sie die Titelworte formen.

Jugend und Liebe betreten einen Raum. Jugend entzündet eine Kerze und die Liebenden liegen sich in den Armen.


Wenn sie geglaubt haben, hier sicher zu sein, irren sie sich, denn Tod folgt ihnen bereits.


Jugend schenkt Liebe eine Stola und einen Fächer und sie tanzen miteinander.


Liebe beginnt die Nähe von Tod zu spüren. Sie fühlt sich schwach und bittet Jugend, die Fenster zu öffnen.


Sie tanzen weiter, aber Tod sucht sie immer weiter heim, bis Liebe ohnmächtig wird und Jugend sie auf ein Sofa legt.
Tod schleicht näher heran ...


Gerade rechtzeitig geht die Sonne zum Hahnenschrei auf ...


... und Tod weicht vor dem Licht zurück und schwindet, während Liebe in Jugends Armen wieder zu Kräften kommt.


Die Liebenden frohlocken, umarmen und küssen sich, sie sind sicher ...
 

... doch sind sie das wirklich?


Der "Danse Macabre" oder "Totentanz" ist eine Allegorie aus dem Spätmittelalter, die Menschen an die Zerbrechlichkeit des Lebens erinnert - jedermanns Leben, König or Arbeiter, Papst oder Kind.
1874 schrieb der französische Komponiste Camille Saint-Saëns eine Tondichtung mit diesem Titel.
Der unabhängige Regisseur Dudley Murphy und sein Kompagnon Claude MacGowan hatten eine Serie von "Visual Symphonies" geplant, bei denen die Filme klassische Musik interpretieren sollten, und begannen mit diesem Stück.
Große Kinos hatten früher Livevorführungen mit Musik und Tanz als Einführungen zu den Filmen, aber zu dieser Zeit war es noch schwieriger, Film und Musik perfekt zu synchronisieren, und obwohl erfahrene Musiker das hinbekommen hätten, hätte die Praxis für kleine Kinos nicht so gut funktioniert.
Obwohl der Film Aufmerksamkeit erregte, reichte es offensichtlich nicht aus, um die Serie weiterzuführen.

Das ist schade, denn wenn "Danse Macabre" ein Beispiel ihrer Vision war, wäre es großartig gewesen zu sehen, was sie sonst noch fertiggebracht hätten.
Die Darsteller sind die Ballettänzer und Choreographen Adolph Bolm (Jugend) und Ruth Page (Liebe, sie war Bolms Schülerin), Tod wird vom Charakterschauspieler Olin Howland verkörpert.
Wie ihr an den Bildern sehen könnt, ist der Kurzfilm eine Mischung aus Animations- und Realfilm, und ehrlich, er ist wirklich sehr cool. Ich hatte ihn willkürlich aus einer Playlist von Kurzfilmen ausgewählt und bin so froh darüber, weil ich Saint-Saëns' "Danse Macabre" schon vorher geliebt habe und diese Interpretation liebe.


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Rob Johnson: Danse Macabre 1922. Auf: The Devil's Manor, Juli 2012
2. Fritzi Kramer: Danse Macabre (1922) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 18. Juli 2022


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 13. August 2026

Stummfilme - Namakura Gatana

Nicht das erste Anime, aber einer der frühesten überlebenden japanischen Animationsfilme ist der Kurzfilm, den ich heute mitgebracht habe. Es ist "Namakura Gatana" ("The Dull Sword" = "Das stumpfe Schwert") von 1917.
 

Die Handlung ist sehr schnell erzählt, da der Film in der längsten verfügbaren Version nur 4 Minuten läuft (es gibt inzwischen eine 5 Minuten-Version).

Ein Samurai prüft sein Schwert auf Schärfe.


Er geht zum Schwertschmied "Stumpfes Schwert", wo er sogar ein Problem damit hat, sein Katana in die Scheide zu schieben. Kein sehr schlauer Samurai.
 

Auf dem Rückweg beschließt er, es an Leuten auszuprobieren, die er zufällig trifft (zum Glück kann er sie nicht verletzen und kriegt stattdessen selber eins drauf) - zuerst einem Blinden, der Flöte spielt (einen Blinden von hinten anzugreifen, Schande über ihn) ...
 

... dann einen Reisenden, der direkt über ihn trampelt, nachdem er ihn besiegt hat.


Als er versucht aufzustehen, indem er sich auf das Schwert stützt, verbiegt es völlig, was ihn so wütend macht, daß er es wegwirft
.


Für ein heutiges Publikum sieht das wie ein sehr seltsamer kleiner Film aus. Nicht nur ist die Idee eines Samurais, der bereit ist, sein Schwert an ahnungslosen Leuten auszuprobieren, ziemlich unfaßbar, sondern es ist auch eine Menge komisches Augenrollen dabei und die Augenbrauen gehen wild auf und ab.

Ich habe es schon mehr als einmal gesagt. Dieser Film ist fast 110 Jahre alt.
Einer Reuters-Story über den Fund dieses Kurzfilms und eines anderen zufolge wurden US-amerikanische und europäische Animationsfilme in Japan zum ersten Mal um 1914 herum gezeigt.
Ich verstehe einfach nicht, warum es immer Leute gibt, die versuchen, Werke aus dieser Zeit an modernen Maßstäben zu messen.
Tatsächlich war ich überrascht, wie flüssig die Animation ist.
Es gab auch Leute, die sich darüber beschwerten, daß es keinen Ton gibt ...
Etwas, das ich bisher nicht wußte, ist, daß es im japanischen Stummfilm Standardpraxis war, einen "benshi" oder Filmerzähler zu haben, was der Grund dafür sein könnte, daß es so wenig Zwischentitel gibt. Wer weiß, vielleicht verpassen wir einen köstlichen Austausch zwischen dem Samurai und dem Schwertschmied.

Der Film galt als verschollen, wurde aber 2007 bei einem Antikmarkt in Osaka zusammen mit einem anderen Film verkauft. Was für ein Fund!
Ihr wißt, wie aufregend ich solche Geschichten finde!


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Catherine Munroe Hotes: The Dull Sword 
(なまくら刀, 1917). Auf: Nishikata Film Review, 13. März 2017
2. National Film Archive of Japan: The Dull Sword. Auf: Japanese Animated Film Classics


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Stummfilme - Ein Hundeleben

Heute habe ich zwei Chaplins für euch. Ich meine nicht zwei Filme mit Chaplin, sondern zwei Chaplins in einem Film - Charlie und seinen Bruder Sydney.
Schauen wir uns "Ein Hundeleben" von 1918 an.


Hier die Handlung mit Spoilern.

Der kleine Tramp versucht das Beste aus seinem Leben auf der Straße zu machen, obwohl er draußen schläft, manchmal gezwungen ist, Essen zu stehlen und seine Zusammenstöße mit dem Gesetz hat.


Es ist nicht so, daß er nicht arbeiten will, aber in der Agentur stoßen ihn die anderen aus dem Weg und am Ende ist für ihn kein Job übrig.
Dann trifft er Scraps. Der kleine Streunerhund hat einen Knochen gefunden, der viele andere Hunde anlockt, und Charlie rettet Scraps aus dem Gerangel.

Ich gebe gerne zu, daß mir dabei gleich
ganz sentimental zumute wurde.
Der Rest des Rudels überfiel in der
Zwischenzeit einen Krämerladen.

An einem Kaffeestand nutzt Scraps die Chance, ein paar Würstchen zu stibitzen und der Tramp stopft sich jedes Mal den Mund mit Essen voll, wenn der Eigentümer grad nicht hinschaut.

Eine köstliche Szene. Der Standeigentümer
ist übrigens Sydney Chaplin.

Nun, da sie etwas zu essen gehabt haben, steuert der Tramp auf eine Tanzhalle zu. Leider bietet das "Green Lantern" zwar kostenlosen Tanz an, erlaubt aber keine Hunde, und sie werden rausgeworfen.
Er will Scraps aber nicht draußen lassen und versteckt ihn schlau. Wenn nur nicht der Schwanz durch ein Loch in der Hose herausgucken würde, wild wedelnd.


In der Bar ist eine neue Sängerin und Hostess, die das Publikum mit ihrem traurigen Lied zu Tränen rührt.
Der Barbesitzer will seine Gäste allerdings glücklich haben ... und durstig! "If you smile and wink, they'll buy a drink." Wenn du lächelst und zwinkerst, kaufen sie einen Drink.
Also versucht sie ihr Glück beim Tramp. Nach etwas Verwirrung bittet er sie um einen Tanz, der, gelinde gesagt, interessant ist.
Als der Bartender allerdings feststellt, daß er kein Geld hat, um Drinks zu kaufen, wirft er ihn hinaus.

Flirten für Anfänger.

Draußen überfallen zwei Gauner einen betrunkenen Gentleman und nehmen sich seine Brieftasche. Da sie von der Polizei verfolgt werden, vergräbt sie einer von ihnen in einem Loch neben dem bevorzugten Schlafplatz des Tramps.
Zum Glück findet Scraps die Brieftasche und zurück geht's zum "Green Lantern".
Inzwischen hat es die Sängerin geschafft, gefeuert zu werden, weil sie es ablehnt, mit einem anderen Kunden zu tanzen. Sie ist verzweifelt, weil der Besitzer sie nicht bezahlen will, aber der Tramp zeigt ihr das Geld, das er gefunden hat, und meint, daß sie aufs Land ziehen werden.
Zu dumm, daß die Gauner sie hören und sich die Brieftasche zurückholen. Der Tramp gibt allerdings nicht so schnell auf und es gelingt ihm, das Geld wiederzubekommen. 

Dem Gauner seine Arme "leihen" -
eine großartige Vorführung.

Die Gauner jagen ihn bis zum Kaffeestand, während des Gerangels fällt die Brieftasche zu Boden - von wo sie Scraps erfolgreich rettet, während die Gauner von der Polizei verhaftet werden und der Tramp entkommt. Der arme Standbesitzer bleibt verwirrt und lädiert zurück.

Am Ende sieht man das glückliche Paar auf ihrem Hof und ein Körbchen steht auf dem Boden - nicht mit einem Baby, sondern einem ganzen Wurf!


Zwei Dinge stechen in diesem Film klar heraus.

1. Scraps (Mutt im echten Leben) hat allen absolut die Show gestohlen. Sorry, Charlie und Edna und die anderen, ihr wart witzig, aber wir wissen alle, wer hier die wahre Heldin war.
2. Das Kleid der Sängerin. Ich konnte einfach nicht über dieses Meisterstück des Modedesigns hinwegkommen. Wir sollten alle solche Kleider tragen, Frauen, Männer, Kinder.
Es sah aus wie ein langer weißlicher Rock mit einem durchsichtigen schwarzen Top, über dem eine Art schwarze Schürze lag, deren zwei Teile an den Hüften durch schwarze Streifen verbunden waren. Aber halt! Da ist noch mehr. Ähm, ein flatterndes Stück Vorhang, das am Rücken befestigt ist?
"Wir brauchen noch ein Kleid für Edna. Oh hey, hier liegen noch ein paar übriggebliebene Stoffteile herum. Damit kann ich was anfangen!" Absolut brilliant 
😂


Nicht nur Scraps führt im Film ein Hundeleben, sondern auch der Tramp und die Sängerin, wenn auch nicht buchstäblich.
Die Assoziation zwischen den Szenen, in denen der Tramp den Kampf um einen Job in der Agentur und Scraps den um den Knochen verliert, ist offensichtlich.
Alle drei wurden zu diesem Leben gezwungen, was es in der Tat besonders herzerwärmend macht zu sehen, wie sie ihr Happy End bekommen (selbst wenn es auf unrechtmäßigem Geld gegründet ist). Ich war vollkommen darauf vorbereitet, sie eine einsame Straße in eine unsichere Zukunft hinuntergehen zu sehen, aber das gefiel mir viel besser.

Ich fand auch die Gags richtig gut und die "Choreographie", in der Chaplin so bewandert war.
In der Tat 32 angenehm verbrachte Minuten.

P.S. Ist euch an den Bildern etwas aufgefallen? Das vertraute Stöckchen fehlt. Ich schätze, ein Stöckchen und eine Leine wären zuviel gewesen.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Stummfilme - Mary, Queen of Tots (Our Gang Comedy)

Erinnert ihr euch noch an "Die kleinen Strolche", im Original bekannt als "Our Gang" und später "The Little Rascals"?
Ich denke, es wird Zeit, daß wir uns mal einen der Filme aus dieser beliebten Reihe anschauen!
Heute habe ich "Mary, Queen of Tots" von 1925 für euch.

Gemeinfrei über Wikipedia

"Die kleine Mary aus dem großen Haus - - Vater und Mutter sind immer zu beschäftigt, um sich daran zu erinnern, daß sie sie lieben - -" (Das erinnert mich irgendwie an "Pünktchen und Anton", das aber natürlich erst 1931 herauskam.)
Mary ist einsam in dem großen Haus. Ihre Gouvernante ist sehr streng und erlaubt ihr nicht mal Puppen. Ihr einziger Freund ist der Gärtner.


Nachdem sie Mary mit einem sehr nassen Hund im Badezimmer findet, befiehlt die Gouvernante ihr, in ihrem Zimmer zu bleiben. Mary kickt mit viel Verve ein paar Dinge durch die Gegend und setzt sich dann weinend auf ihr Bett.


Aber keine Sorge. Ihr Gärtnerfreund wird von einer Dame angesprochen, die zusammen mit ihrem Mann Puppen herstellt, und er kauft vier und schleicht sich dann in Marys Zimmer, um sie ihr zu geben.
Mary liest ihren neuen Freunden vor, wird aber müde und schläft auf dem Boden ein. Die Puppen und zwei Plüschtiere, ein Hund und ein Esel, erwachen zum Leben und erkunden das Zimmer.


Als die Gouvernante hereinkommt, um nach Mary zu sehen, bevor sie ausgeht, findet sie die Puppen und wirft sie direkt in den Müll (was eine absolute Schande ist, weil die Puppen wirklich großartig aussehen, außerdem hätte sie Mary auf ihr Bett legen können ... wir mögen sie nicht).


Mary wacht auf und rennt hinaus, um nach ihren Puppen zu suchen, aber sie findet nur vier Jungen, die genau wie sie aussehen!


She umarmt sie, was sie komplett verwirrt, fragt sie, warum sie weggelaufen sind und nimmt sie mit zurück ins große Haus, wo sie ihnen alles zeigt. "- - Und das ist das Eßzimmer." Ich liebe die Antwort. "Das interessiert mich - Essen wir! - -" (Das hätte ich sein können.)
Während Mary in die Küche geht, um Essen zu holen, erforschen die Jungen - Joe, Jackie, Mickey und Little Farina - das Haus. Sie benutzen den Teewagen als Roller, Farina kämpft mit einem Chapeu Claque - einem Zylinder, der dauernd von allein auf- und wieder zuklappt -, sie wechseln sich alle dabei, auf einem Teppich hinzufallen, den Mickey hundertprozentig für einen Zauberteppich hält (es ist einfach nur ein Läufer auf einem sehr rutschigen Boden), und sie werden nervös, als ein sehr lautes Radio sie mit HEY anschreit.
Als die Gouvernante zurückkommt, ist sie schockiert, die Jungs zu sehen, die so sehr wie die Puppen aussehen, die sie weggeworfen hat. Mickey teilt ihr mit, daß sie zum Essen eingeladen worden sind, aber sie geht los, um die Polizei zu holen.
Inzwischen hat der Gärtner die Puppen im Müll gefunden und Mickey erklärt, daß sie für das Puppenmacherpaar Modell stehen. Er warnt sie außerdem, daß die Gouvernante die Polizei mitbringen wird.


Die Jungen verstecken sich schnell in der Küche, daher findet der Polizist nur die Puppen vor. Er fragt Mary, ob die Gouvernante verrückt ist. Sie sagt, sie wisse es nicht sicher, vielleicht, und er nimmt die Gouvernante mit.


In einem andern Kurzfilm heißt es "Mary - - Sie ist die Ursache für alle Kämpfe in der Nachbarschaft - Und es gibt eine Menge davon - -"
Mary Kornman war von 1922 bis 1926 Hauptdarstellerin in den "Our Gang Comedies". Obwohl dieser Kurzfilm von 1925 ist, weiß ich, daß ich irgendwo gelesen habe, dies könnte die Geschichte sein, wie Mary ursprünglich zur Gang kam, wenn ich nur wüßte wo!

"Our Gang"  wurde von Hal Roach erfunden, der auch mit Laurel und Hardy und mit Harold Lloyd arbeitete.
Roach sagte, er habe ein paar Kinder gesehen, die sich in einem Hof um den besten Stock stritten, und sich gedacht, daß sie jetzt sowas von wichtig für sie waren, obwohl sie sie in ein paar Stunden schon vergessen haben würden. Das gab ihm die Idee für eine Serie mit Kindern und Haustieren ein.
Obwohl natürlich in mancher Hinsicht veraltet, geht es bei "Our Gang" einfach um Kinder aus einem Arbeiterviertel (was zu Streitereien mit wohlhabenderen Kindern führen kann) - sie spielen, sind sie selber, voller Phantasie, Ideen und Enthusiasmus, aber auch erfinderisch dabei, Aufgaben oder Schularbeiten zu vermeiden.

Zwischen 1922 und 1944 gab es 88 Stummkurzfilme, 132 Tonkurzfilme und einen Spielfilm.
Natürlich waren über eine so lange Zeit verschiedene Kinder beteiligt.

Wir haben "Die kleinen Strolche" im Fernsehen gesehen, als ich ein Kind war, aber ich erinnere mich an nichts mehr (außer dem Hund). Ich habe ein paar der Filme angeschaut und diesen ausgesucht, weil er einfach nett ist, vor allem die Szene, in der die Puppen lebendig werden und Marys Zimmer erkunden.
Ich wäre nicht überrascht, wenn sie immer mal wieder auf dem Blog auftauchen würden ...


Quellen und weitere Info (englischsprachig):

1. The Our Gang Story: A History of "The Little Rascals". Auf dem YouTube-Kanal von Legend Films
2. Our Gang/The Little Rascals (Partially Lost 1920s Silent Short and Foreign Prints). Auf: Lost Media Archive


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.