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Donnerstag, 13. August 2026

Stummfilme - Namakura Gatana

Nicht das erste Anime, aber einer der frühesten überlebenden japanischen Animationsfilme ist der Kurzfilm, den ich heute mitgebracht habe. Es ist "Namakura Gatana" ("The Dull Sword" = "Das stumpfe Schwert") von 1917.
 

Die Handlung ist sehr schnell erzählt, da der Film in der längsten verfügbaren Version nur 4 Minuten läuft (es gibt inzwischen eine 5 Minuten-Version).

Ein Samurai prüft sein Schwert auf Schärfe.


Er geht zum Schwertschmied "Stumpfes Schwert", wo er sogar ein Problem damit hat, sein Katana in die Scheide zu schieben. Kein sehr schlauer Samurai.
 

Auf dem Rückweg beschließt er, es an Leuten auszuprobieren, die er zufällig trifft (zum Glück kann er sie nicht verletzen und kriegt stattdessen selber eins drauf) - zuerst einem Blinden, der Flöte spielt (einen Blinden von hinten anzugreifen, Schande über ihn) ...
 

... dann einen Reisenden, der direkt über ihn trampelt, nachdem er ihn besiegt hat.


Als er versucht aufzustehen, indem er sich auf das Schwert stützt, verbiegt es völlig, was ihn so wütend macht, daß er es wegwirft
.


Für ein heutiges Publikum sieht das wie ein sehr seltsamer kleiner Film aus. Nicht nur ist die Idee eines Samurais, der bereit ist, sein Schwert an ahnungslosen Leuten auszuprobieren, ziemlich unfaßbar, sondern es ist auch eine Menge komisches Augenrollen dabei und die Augenbrauen gehen wild auf und ab.

Ich habe es schon mehr als einmal gesagt. Dieser Film ist fast 110 Jahre alt.
Einer Reuters-Story über den Fund dieses Kurzfilms und eines anderen zufolge wurden US-amerikanische und europäische Animationsfilme in Japan zum ersten Mal um 1914 herum gezeigt.
Ich verstehe einfach nicht, warum es immer Leute gibt, die versuchen, Werke aus dieser Zeit an modernen Maßstäben zu messen.
Tatsächlich war ich überrascht, wie flüssig die Animation ist.
Es gab auch Leute, die sich darüber beschwerten, daß es keinen Ton gibt ...
Etwas, das ich bisher nicht wußte, ist, daß es im japanischen Stummfilm Standardpraxis war, einen "benshi" oder Filmerzähler zu haben, was der Grund dafür sein könnte, daß es so wenig Zwischentitel gibt. Wer weiß, vielleicht verpassen wir einen köstlichen Austausch zwischen dem Samurai und dem Schwertschmied.

Der Film galt als verschollen, wurde aber 2007 bei einem Antikmarkt in Osaka zusammen mit einem anderen Film verkauft. Was für ein Fund!
Ihr wißt, wie aufregend ich solche Geschichten finde!


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Catherine Munroe Hotes: The Dull Sword 
(なまくら刀, 1917). Auf: Nishikata Film Review, 13. März 2017
2. National Film Archive of Japan: The Dull Sword. Auf: Japanese Animated Film Classics


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.