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Dienstag, 23. Juni 2026

Nostalgie - Treff auf Reisen

Dieser Post ist von zwei Themen inspiriert.
Das erste ist meine Liebe zu Steiffs Hund Treff, das zweite ist die faszinierende (und frustrierende) Welt der Paketzustellung, daher der Titel.

Ich erzähle euch erst mal von Treff.
Dieser Bluthund hat mein Herz schon seit den Anfängen unserer Steiff-Sammelleidenschaft. Obwohl es viele Steiff-Hunde gibt, die ich liebe, war Treff immer mein Favorit.
Ich könnte euch nicht mal genau sagen warum. Sind es die langen Ohren, ist es die süße Nase? Die Farbe, die Airbrushdetails im Gesicht, die Augen? Ich schätze, es ist das Gesamtpaket.


Im Laufe vieler Jahre haben es einige in die Sammlung geschafft, alles sitzende Exemplare in verschiedenen Größen von 10 bis 50 cm (aber nicht alle neun Größen), in Mohair und Samt. Das hier sind kleinere, die großen sitzen hinten in der Vitrine, und ich gebe zu, ich hatte keine Lust, all die Tiere davor mit herauszuholen.


Treff war nicht nur bei mir ein beliebter Hund und bliebt daher von 1928 bis 1938 im Steiff-Sortiment, auch stehend, als Reittier, mit einem Musikwerk darin, auf einem Nadelkissen - und als Handpuppe, auf die ich von Anfang an mein sehnsüchtiges Auge geworfen hatte.


Ich weiß nicht, ob es euch auf dem Gruppenbild aufgefallen ist, aber ihre Augen sehen nicht alle gleich aus.
Das Design war patentiert, die Augen sind nicht einfach aufgenäht, sondern so gesetzt, daß ein Teil davon für den typischen Bluthund-Blick vom Stoff abgedeckt war.
Wie
 Steiff Gal zitiert hat, schrieb Steiffs amerikanischer Vertrieb Borgfeldt einmal "den schrägen, halb abgedeckten Augapfel, der dem Gesicht dieses Hundes einen besonders nachdenklichen, intelligenten Ausdruck gibt."
Tatsächlich sieht man jedoch Treffs, bei denen die Augen nicht so aussehen, weil der Stoff hinter das Auge gerutscht ist. Ich lasse das normalerweise so, weil ich nicht am Auge und Stoff herumfummeln möchte, um zu vermeiden, daß etwas einreißt.


Könnt ihr sehen, wie sich der Blick verändert?

Ich liebe die Tierhandpuppen von Steiff und besonders die von vor dem Krieg, und als nach Jahren endlich ein Treff zu Verkauf stand, kaufte ihn der Ex zu meinem Geburtstag.
Wahrscheinlich werden sich nur Leute, die selber sammeln, meine Aufregung beim Warten auf das Paket vorstellen können.

Und das bringt uns zu den Wundern von Postunternehmen ...
Damals bekam meine keine Mails und man hatte kein Livetracking.
Lieferbestätigungen waren noch auf Karten, die im Briefkasten landeten, um einem mitzuteilen, daß man das Paket sonstwo abholen mußte, obwohl man den ganzen Tag daheim war.
Echt verstörend war in diesem Fall allerdings, daß ich weder eine Karte noch ein Paket bekam, mir aber dann mitgeteilt wurde, daß das Pakete ausgeliefert worden war ...
Was hatten sie mit meinem Treff angestellt??

Also rief ich bei der Hotline an. Zumindest hatte ich damals nicht mit einem Chatbot zu tun, aber natürlich mußte ich mich trotzdem Zahl für Zahl zu einem Menschen durchwählen, der mir erklärte, daß ich ein Sortierzentrum in München anrufen mußte.
Ich lebe 200 km von München entfernt. Das Paket lief nicht über München. "Das ist egal, Sie müssen München anrufen". Nachdem ich dann dort endlich einen Menschen am Telefon hatte ... vielleicht habt ihr es schon erraten ... "Warum rufen Sie da bei uns an?" "Wenn ich das mal wüßte, bei der Hotline sagten sie ..." "Ja, hier sind Sie falsch, versuchen Sie es nochmal bei der Hotline." Mit Hilfe von ein bißchen Gewimmere und Gebettel, mich nicht dorthin zurückzuschicken, gaben sie mir wenigstens die direkte Nummer des richtigen Sortierzentrums in unserer Nähe.

Dort konnte ich mit einem sehr netten Mann sprechen, der seltsame Neuigkeiten für mich hatte. Ja, das Paket war heute ausgeliefert worden, ja, sie hatten eine Unterschrift von meinem Mann. Stop, stop ... wir hatten zwar wegen unserer unterschiedlichen Namen immer beide auf Paketen, aber ich war zu Hause gewesen, nicht er.
Ich fragte ihn nach dem Namen und er zögerte nicht, ihn mir zu sagen, also war meine nächste Frage, ob er schwierig zu lesen war und er meinte überhaupt nicht. Ich erklärte ihm, daß es aus zwei Gründen nicht die Unterschrift meines Manns sein konnte - er war nicht daheim und seine Unterschrift war absolut unleserlich, weil sie nicht mal aus einzelnen Buchstaben bestand. Er sagte, er würde sie mir zufaxen (ja, so lange ist das schon her), was nur bestätigte, was ich schon wußte.
WER hatte MEINEN Treff?


Ich machte mir Sorgen und war wütend, schließlich sprechen wir nicht nur über einen gewissen finanziellen, sondern auch einen emotionalen Wert. Das ist nichts, was man einfach so ersetzen könnte.
Er versprach mir, den Paketfahrer bei unserem Haus vorbeizuschicken, um zu sehen, ob es ihm helfen würde, sich an das Paket zu erinnern und wohin er es gebracht hatte.
Als er zurückrief, ließ er mich wissen, daß mein Paket in eine Stadt fünf Kilometer von hier geliefert worden war. An jemand anderen in einer Straße mit einem anderen Namen, der gesehen hatte - natürlich, denn die Adresse war korrekt und leserlich -, daß es nicht für ihn war, aber beschloß, das Paket zu behalten, "nur für den Fall". Was für einen Fall? Daß der tatsächliche Besitzer nicht nachforschen würde?
Natürlich sagte man mir den Namen dieser Person nicht, aber hört sich das für euch so an, als wäre es ein ehrlicher Fehler gewesen? Ich glaube nicht mal, daß er denselben Nachnamen wie mein Mann hatte.
Auf jeden Fall reiste Treff am nächsten Tag zum richtigen Haus und hat es seither nicht verlassen
.

Sonntag, 17. Mai 2026

Nostalgie - Frankenwolf und Freundschaft

Ich möchte euch ein bißchen von meinem Frankenwolf-Mädchen erzählen.
Frankenwolf verdankt ihre Existenz meiner Freundin Jenn und einem gemeinsamen Freund von uns. Besagter Freund - ebenfalls Sammler - hatte sie irgendwann darum gebeten, eine Steiff-Handpuppe und eine Steiff-Figur zu nehmen und in eine neue Kreation zu verwandeln.
Das inspirierte Jenn, dasselbe mit Frankenwolf zu machen.


Das mag sich nun recht gruselig für euch anhören, zwei Steifftiere zu köpfen und zusammenzunähen, aber das ist natürlich nur ein Teil der Geschichte.
Schauen wir uns Frankenwolfs Spender an.

Steiff hat eine lange Geschichte der Herstellung von Deutschen Schäferhunden, es gibt sie seit über 100 Jahren. Ihre Vorfahren jedoch hatten 
immer noch ein schlechtes Image, was wahrscheinlich der Grund dafür war, daß es bis 1956 dauerte, bevor sie in Steiffs Produktion auftauchten.
Der erste Wolf von Steiff war eine Handpuppe namens Loopy nach dem lateinischen "lupus" für Wolf. Das überrascht mich nicht, da es nicht nur nette, kuschelige Handpuppen gab, sondern es auch nützlich sein konnte, einen "Bösewicht" zu haben (wie unseren Teufel aus der Kindheit - kein Steiff - der mit seinem roten Kopf mein Liebling war). Loopy wurde von 1956 bis 1978 hergestellt. Er hat einen offenen Mund mit vier Fangzähnen und eine lange rote Filzzunge. Es war aber nicht ungewöhnlich, daß eine Zunge und/oder Zähne irgendwann während des Spielens verloren gingen.

Ich habe die Handpuppe rechts immer Oma Wolf genannt,
sie scheint ein sehr glücklicher Wolf zu sein.

Der Wolf blieb ein seltenes Tier in Steiffs Verkaufslinie. Es gibt zwei Größen eines stehenden Loopys - der kleinere hat einen geschlossenen, der größere einen offenen Mund - die nur ein Jahr lang 1964 gemacht wurden (einer meiner persönlichen Favoriten). Später tauchten Wölfe manchmal als Begleiter auf, zum Beispiel mit einer Rotkäppchen-Puppe oder einem Eisbär.
Die Handpuppe, die für Frankenwolf benutzt wurde, war in sehr schlechter Verfassung. Tatsächlich ist überraschend, daß sie noch alle Fangzähne hatte. Bevor auch der Kopf weggeworfen wurde, war das hier definitiv die bessere Wahl.

Der Körper kam von einer Micki-Figur, die ein anderes Problem hatte.
Zunächst ein (sehr kurzes) Wort über Mecki. Er ist ein Igel, der ursprünglich aus einem deutschen Puppenfilm stammte und das Maskottchen einer Fernsehzeitschrift wurde, wo er seinen eigenen Comic bekam. Meckis Frau heißt Micki, die Kinder Macki und Mucki. Der Charakter war immer recht beliebt gewesen (um ehrlich zu sein, ich selber war nie ein Fan), also sicherte sich Steiff die Lizenzrechte und stellte ab 1951 seine eigenen Versionen der gesamten Familie her.
Die frühen Versionen hatten ein kleines Problem. Die Köpfe waren aus Gummi gemacht, das dazu neigte auszutrocknen und sich zu zersetzen. Spätere Versionen waren aus einem anderen Material gemacht.

Bilder von NoName_13 über Pixabay

Nun, und Micki hatte dasselbe Problem, aber ihr Körper war noch ganz in Ordnung (auch wenn sie ihre Schürze verloren hatte und ihre Schuhe etwas abgenutzt sind).
Jenn nähte außerdem einen Schwanz und andere Arme an.

Frankenwolf ist aber mehr für mich als nur eine einzigartige Ergänzung meiner Sammlung.

Vor ein paar Jahren habe ich ein wenig davon erzählt, wie ich Jenn kennengelernt habe. Der Ex und ich waren das erste Mal in den USA und hatten die Möglichkeit, FAO Schwarz in San Francisco (der vor über 20 Jahren geschlossen wurde) zu besuchen. Steiff hat im Laufe der Jahre einige wundervolle und gefragte FAO Schwarz-Specials gemacht, von denen ihr welche hier in diesem Video sehen könnt. Wir waren wie Kinder im Süßigkeitenladen ... nein, halt, Spielzeugladen 😉

FAO Schwarz Manhattan, Bild von Rob Young
aus dem Vereinigten Königreich,
CC BY 2.0, via Wikimedia

Als wir uns (und unsere Brieftaschen auch so ein kleines bißchen) erschöpft hatten, fragten wir, ob es so etwas wie einen amerikanischen Steiff-Club gäbe oder irgendeinen Weg, mit anderen Sammlern in Kontakt zu treten. Darüber hatten sie keine Informationen, aber sie gaben uns Jenns Nummer (ich muß daran erinnern, daß Datenschutz damals noch kein so großes Ding war und in diesem Fall bin ich darüber sehr froh). Jenn hatte für sie früher Studio-Steifftiere - erstaunliche Plüschtiere in Lebensgröße - repariert.
Dann saßen wir in unserem Hotelzimmer und der Ex beschloß, daß ich Jenn anrufen mußte. Ich war so nervös. Wie erklärt man einer Fremden am besten, daß man ihre Nummer vom Spielzeugladen hat, weil man eine deutsche Steiff-Sammlerin ist? Ich hätte mir keine Sorgen machen müssen. Nach fünf Minuten bot sie an, uns überall herumzuführen. Ich sagte ihr, daß wir leider am nächsten Tag zurückflogen, das hätte das dann beenden können - tat es aber nicht.
Wir tauschten Adressen aus und fingen an, uns gegenseitig Briefe zu schreiben, dann wechselten wir von Briefen zu Telefongesprächen, was euch vielleicht zeigt, wie wichtig das für uns geworden war. Das war vor Handys und SMS, Mails oder Chats.

Im Jahr darauf reisten wir wieder in die USA und diesmal würden wir Jenn in San Francisco treffen und ich dann mit ihr nach Hause fahren, wohin der Ex dann nach dem Ende seiner Konferenz nachkommen würde. Da verliebte ich mich dann übrigens auch in White Dude, den Kater, den die vorherigen Bewohner in Jenns Haus zurückgelassen hatten und der mit uns nach Deutschland zurückging, weil ihre eigenen Katzen ihn nicht dort haben wollten, kleine Punks (ich liebte sie trotzdem).


Das war vor fast 35 Jahren.
Wir besuchten Jenn, sie besuchte uns, später dann nur mich. Wir haben eine Menge Geschichten und Erinnerungen, gute und nicht so gute, denn so ist das Leben eben.
Ich wünschte, wir hätten keine 9300 Luftmeilen zwischen uns liegen und könnten einfach miteinander abhängen, Tee trinken (oder Leitungswasser, auf dem sie besteht 
😉), Kuchen essen, quatschen, lachen und Dinge tun, die Spaß machen. Die Entfernung macht spontane Dates ein kleeein wenig schwierig. Der Zeitunterschied und Arbeitspläne können es auch schwer machen, miteinander zu reden, aber wenn wir reden, decken wir eine ganze Menge an Themen ab.

Als ich sagte, daß Frankenwolf für mich mehr bedeutet als nur ein Spielzeug, habe ich das damit gemeint. Freundschaft. Sie tut das ... und mein kleiner Gnom, den ihr schon kennt, tut das ... und die Überraschungen, die Jenn mir von Flohmärkten mitgebracht hat, die Teddys, die zu nähen sie mir beigebracht hat, und das eine Mal, als sie mir als Zeichen ihrer Freundschaft einen Zweitschlüssel zu ihrem Haus gab, wobei mir die Tränen kamen.
Kann bitte endlich jemand den Transporter erfinden, den ich so dringend brauche?
Aber auch wenn wir uns seit einigen Jahren nicht gesehen haben, denken wir an einander, und ich hoffe wirklich, daß ich ihre Ohren jetzt zum Klingeln gebracht habe. Wie wir immer am Ende eines Gesprächs zueinander sagen .... love ya, my Jenn.

Dienstag, 12. Mai 2026

Nostalgie - Schnecken

"Als Mr. Peter Knoppert das Beobachten von Schnecken zu seinem Hobby machte, hatte er keine Ahnung, daß seine Handvoll von Exemplaren im Handumdrehen auf Hunderte wachsen würde. ... 'Mir war Natur in meinem Leben vorher immer egal', sagte Mr. Knoppert oft - er war Partner in einer in einem Maklerbüro, ein Mann, der sein gesamtes Leben der Finanzwissenschaft gewidmet hatte - 'aber Schnecken haben mir die Augen für die Schönheit der Tierwelt geöffnet.'" (Anmerkung: eigene Übersetzung, da ich die Geschichte auf Deutsch nicht da habe)
Das ist aus dem Anfang einer von Patricia Highsmiths Kurzgeschichten über Menschen und Schnecken, diese heißt "Der Schneckenforscher", die andere "Auf der Suche nach X. Claveringi" (die englischen Geschichten könnt ihr hier finden (obwohl es für Claveringi zwei Versionen gibt)).


Highsmith liebte Schnecken und hielt Hunderte von ihnen als Haustiere. Sie nahm sie mit zu Partys, auf Salat in ihrer Handtasche sitzend, und sie schmuggelte sie in ihrem BH nach Frankreich hinein, weil sie sie nicht in England zurücklassen wollte.
Ich las ihre beiden Schneckengeschichten in jungem Alter in einer Anthologie, aber "Der Schneckenforscher" beeindruckte mich mehr, und das Bild, das ich mir vom Ende ausmalte, hat sein eigenes Zimmerchen in meinem Kopf und springt jedesmal heraus, wenn ich eine Schnecke sehe.
Wenn ihr die Geschichten kennt, könnt ihr euch vorstellen warum. Habe ich erwähnt, daß es eine Horror-Anthologie war?

Es gibt noch andere Schnecken in meinen Kindheitserinnerungen, wie die Süßwasserschnecken in den Teichen des Parks nahe unserem Haus.


Wir liefen auf den Mäuerchen herum und hielten nach Schnecken Ausschau (wir haben sie immer dort gelassen, falls ihr euch das fragen solltet). Meinen Erinnerungen nach schätze ich, daß es Post- und Spitzhornschnecken waren. Von der Posthornschnecken gab es weniger und ich war überzeugt, daß sie das zu den Schneckenköniginnen machte, also war es sehr aufregend, eine von ihnen zu sehen.

Links: Posthornschnecke
Rechts: Spitzhornschnecke
Bild von Se90 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Natürlich waren wir auch von Landschnecken fasziniert (nicht Nacktschnecken, sie waren mir unheimlich, vor allem nach einem großen Regen, als der Weg in den Wald hinauf von ihnen übersät war, es sah wie eine Invasion aus). Die, die man hier am häufigsten sieht, ist die Gartenbänderschnecke, aber es war etwas Besonderes, Weinbergschnecken zu finden.
Einmal fanden meine Freundin und ich zwei von ihnen auf der Straße und beschlossen, sie an einen sicheren Ort in einem Garten zu setzen, aber der Gartenbesitzer war draußen und sagte, wir sollen es ja nicht wagen, also ließen wir sie auf einer Mauer zurück (obowhl sie und andere Schneckenarten keine Schädlinge sind!). Hinterher machte ich mir recht lang große Sorgen bezüglich ihres Schicksals und dachte, wir hätten eine wirklich sichere Stelle für sie finden müssen. Tut mir leid, kleine Schnecken!
Ich möchte mich außerdem dafür entschuldigen, eins von diesen nervigen Kindern gewesen zu sein, die manchmal eure Augen anstupsten, um zu sehen, wie ihr sie einzieht, und dafür, daß wir euch am Haus hochgehoben haben, wir wußten nicht, daß euch das wehtun kann.

Tatsächlich habe ich seit Jahren keine Weinbergschnecken mehr in freier Wildbahn gesehen, aber Schnecken haben mich in meiner Kreativität inspiriert, im Drahtwickeln, Nadelfilzen und Perlenstickerei.



Und dann ist da natürlich noch Nelly.
Nelly gab es in zwei Farben, blau und braun mit Tupfen, und in einer Größe von 10 cm. In den 60ern hatte Steiff einige Designs, die nur kurze Zeit hergestellt wurden - 1961 bis 1963 für Nelly - und als Schmusekumpel ziemlich ungewöhnlich waren.


Außer Nelly gab es zum Beispiel Fledermäuse und bunte Spinnen (und ich könnte jetzt noch wegen der Geschichte Tränen vergießen, die uns die Dame vom Spielwarenladen erzählte, daß sie sie nicht verkaufen konnten und statt Süßigkeiten beim Faschingsumzug in der Stadt hinauswarfen, argh!).
Als der Ex und ich unseren ersten Steiff-Preisführer kauften, wußten wir sofort, daß wir sie alle wollten, nicht wegen ihrer Seltenheit, sondern wir sie richtig süß fanden (finde ich immer noch).

Nelly ist aus Baumwollsamt mit Lederimitat auf der Unterseite und hat ein bemaltes Gummihaus und Gummifühler, deren Enden gern mal abbrachen, wie ihr an einem davon sehen könnt.
Ist dieses kleine Paar nicht einfach goldig?


Ist euch aber etwas an ihnen aufgefallen? Mit diesen Häusern sind sie keine Landschnecken und ich habe bis heute nie darüber nachgedacht. Ich frage mich, warum Steiff sich dafür entschieden hat.

Da habt ihr's, meine Schneckenerinnerungen.
Ich habe euch die eine erspart, als ich versehentlich auf ei.... nein, vergessen wir das.

Montag, 8. September 2025

Nostalgie - Wie Spielzeuge wirklich werden

Vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal "The Velveteen Rabbit or How Toys Become Real" (im Deutschen "Das Samtkaninchen") gelesen. Hier in Deutschland ist das Buch kein Kinderklassiker, aber ich habe es immer wieder erwähnt gesehen und dachte, es wäre jetzt doch mal Zeit, es zu lesen.
Wenn ihr es nicht kennt, hier ist die Handlung.

Kein Samt-, sondern ein Kunstseidenplüschkaninchen
von Steiff aus den 1940ern (nicht komplett, 
aber in wunderbarem Zustand)

Es gibt verschiedene Arten von Sammlern.
Beim Sammeln kann es um die Vielfalt von Stücken gehen, ein gemeinsames Detail, um den finanziellen oder den emotionalen Wert, um das perfekte oder nicht perfekte Aussehen, um Farbe, um Gebrauch, um Seltenheit, um Geschichte, um Sentimentalität ... ich könnte so weitermachen.

Als Sammlerin von Steifftieren kann ich sagen, daß ein unbespieltes vintage Steifftier, möglicherweise sogar komplett mit Knopf, Schild und Fahne, die ja von Kinderhänden leicht abgerissen werden (keine Sicherheitsknöpfe damals), etwas ganz Besonderes hat. Ich frage mich immer wieder, wie das überhaupt sein kann. Hat es die letzten 50, 70, 100 Jahre oder mehr in einem Schrank verbracht, unberührt? Hat es in einer Blase gelebt (ich verwende absichtlich das Wort "gelebt", ihr werdet sehen warum)?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, daß ich nicht weiß, wie atemberaubend ein altes "neues" Steifftier sein kann. Es gibt Sammler, die nur nach solchen suchen, und sie sind bereit, den Preis für die (oft) wenigen Auserwählten zu bezahlen.

Und dann gibt es noch die anderen.
Ich werde niemals den Flohmarkt vergessen, auf dem ich diesen kleinen Kerl fand. Ich lief hinüber zum Ex, um ihn an den Stand zu zerren und ihm mitzuteilen, daß ich mich verliebt hatte.


Nun versteht ihr ja vielleicht nicht, wie sich jemand in das offensichtliche Opfer eines Mottenangriffs verlieben kann, das auch noch schaukelige Gliedmaßen hat.
Vielleicht denkt ihr sogar, daß das ein bißchen eklig oder verstörend ist.
Ich aber sah einen 80 Jahre alten Freund (inzwischen über 100).

Ein Kind liebte ihn so sehr, daß er immer noch da war, obwohl er fast sein ganzes Fell verloren hatte, liebte ihn so sehr, daß sich jemand die Mühe machte, diesem kleinen Kerl neue Pfoten aus weißem Leder (inzwischen auch abgewetzt) zu geben, sehr sorgfältig und sicher aufgenäht.
Ich erinnere mich, wie nervös ich als Kind war, als mein eigener Teddy Löcher in seinem Pfotenfilz hatte, und ich meiner Mutter dabei zusah, wie sie neue Pfoten aus Stoff aufnähte.

Das Kind gibt es wahrscheinlich nicht mehr, ihn aber schon, und oh die Geschichten, die er erzählen könnte! Vielleicht war er wie mein Teddy und sah zu, wie sein Kind erwachsen und alt wurde, bevor er auf einem Flohmarkt in Marin County landete, nur um dort von einem Paar Deutschen gefunden zu werden, die ihn zurückbrachten, nur 60 km von dort entfernt, wo er einst herkam.

Dem Samtkaninchen wird gesagt: "Wirklich ist nicht, wie du gemacht bist ... Es ist etwas, das dir passiert. Wenn dich ein Kind lange, lange Zeit liebt, nicht nur zum Spielen, sondern dich WIRKLICH liebt, dann wirst du Wirklich." ...
"Im allgemeinen ist fast all dein Haar abgeliebt, wenn du Wirklich bist, und deine Augen fallen aus und du wirst locker in den Gelenken und sehr schäbig. Aber diese Dinge machen überhaupt nichts aus, denn wenn du Wirklich bist, kannst du nicht häßlich sein, außer für Menschen, die es nicht verstehen."
(eigene Übersetzung, ich habe das deutsche Buch nicht)
Spoileralarm: Die Spielzimmerzauberfee macht ihn Wirklich, ein echtes kleines Kaninchen.

Ich habe keinerlei Zweifel, daß dieser Teddy für sein Kind Wirklich wurde, so wie das Samtkaninchen für seinen Jungen, weil er geliebt wurde (auch wenn er seine Schuhknopfaugen noch hat). Vielleicht wartet er noch auf seine Fee und ich gebe ihm gern den Platz bei anderen Teddyfreunden, um das zu tun.

Denn das ist die Art Sammler, die wir waren, und es gibt auch andere wie uns. Sie lieben nicht nur die perfekten, sie lieben die geliebten, die, mit denen gespielt wurde, die mit "Makeln", von denen wir wünschten, sie könnten uns ihre Geschichten erzählen, alle, nicht nur die guten ...

Ich sag' nur.
Einer wie der andere hat seine eigene Schönheit.


Dienstag, 29. April 2025

Nostalgie - Steiff-Holzspielzeug

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche"-Posts machte, hatte ich ein paar, "Ich bin eine Sammlerin" genannt, in denen ich Vintagestücke gezeigt habe.
Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen zum größten Teil nicht mehr gewachsen, aus unterschiedlichen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch Vintagestücke, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere.
Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

In meinem Post über die Teddies for tomorrow hatte ich erwähnt, daß es Zeiten gab, in denen Material für Steiff-Plüschtiere knapp wurde, weil Mohair und Filz für andere Zwecke genutzt wurden, zum Beispiel Uniformen (Plüschtiere wären soviel besser gewesen), und daß sie Ersatzmaterialien verwendeten, aber auch Holzspielzeug herstellten.
Heute möchte ich euch nur ein paar zeigen, die ich aus meinen Vitrinen gezogen habe - buchstäblich gezogen, was nicht einfach war, weil sie natürlich alle ganz hinten standen, es wird spaßig werden, sie wieder hineinzubekommen - und andere zumindest zu erwähnen.

Fangen wir mit dem "Pyramidenkubus", auch unter dem Namen "Satzkubus" erhältlich, in seiner Originalschachtel an - ein Satz von six hohlen Würfeln, denen eine Seite fehlt, damit man sie in der Schachtel ineinanderstecken kann.
Wenn man bedenkt, daß sie wahrscheinlich gestapelt und dann umgeworfen wurden, ist es erstaunlich, daß noch Farbe übrig ist.



Wir bleiben noch etwas länger in der Bauwelt.
Hier haben wir den "Bausack", der von 1951 bis 1958 aus Leinen und mit 100 kleinen Bauklötzchen gefüllt war, später war er auch mit großen Klötzchen in einem Plastiksack erhältlich.
Ich habe übrigens nie nachgezählt, ob alle 100 da sind.


Könnt ihr euch noch keine eigene Schiffahrtslinie leisten? Fangt klein an mit dem "Schiffsbaukasten"! Es ist immer gut, vorbereitet zu sein.


Und noch ein Baukasten, der "BiBau", der wahrscheinlich so heißt, weil die Klötze aus zwei unterschiedlichen natürlichen Hölzern in zwei Farben sind - Mahagoni und Ahorn.
Ich schätze, daß der Ahorn nie so hell wie auf der Schachtel war, weil ich eine andere Schachtel mit Klötzen ähnlicher Farbe gesehen habe. Wie ihr sehen könnt, wurde die Schachtel nicht mal geöffnet, also denke ich, es hat nichts mit dreckigen Kinderpfoten zu tun
😉



Habt ihr wie ich zehn schwarze Daumen? Kein Problem.
Baut euch eure eigenen Blumen aus Plastikstengeln und Holzblättern und -blüten!
Schaut, sogar ich kann das.
Natürlich ist die Schachtel eine grobe Übertreibung dessen, was man mit dem Kasten machen kann. Mein Set ist vollständig und ich konnte nicht mal eine Blume in einer Farbe bauen. Wahrscheinlich bräuchte man drei Schachteln, um das hinzubekommen, was auf dem Bild ist.



Steiff hat einen nicht nur dazu gezwungen, Dinge zu bauen.
Sie haben auch wunderschöne Holztiere gemacht, vor allem vor dem Krieg, aber davon habe ich keine.
Ich habe aber zwei aus der späteren Holzbrennserie.
Es gab noch viel mehr, Wisente, Hunde, Bären, Katzen, Hasen, Zebras, Löwen, Eichhörnchen, Kamele, Elefanten, Kühe, und wer weiß was noch (ohne nachzugucken) - und diese zwei Süßen.
Seht ihr die Metallstreifen anstatt "Knopf im Ohr"?


Das ist natürlich nicht alles.
Steiff hat kleine und größere Züge gemacht, landwirtschaftliche und Baufahrzeuge, Puzzle, winzige Vogelhäuschen, Spielzeugkisten, Steckenpferde, Bollerwagen (so einen habe ich, aber er wird gerade als Ablageeinheit mißbraucht, also sorry, kein Bild), kleine oder etwas größere Roller (ich habe ein paar, schwierig zu fotografieren), YoYos, Pferdewägelchen.
Wenn ihr Interesse daran habt, schaut euch diese Seite an, auf der Steiff-Holzspielzeuge aufgeführt werden.

Ich glaube, mein Lieblings-Steiff aus Holz ist das hier. Ihr werdet sehen warum.


Sieht harmlos genug aus, nicht wahr?
Es kann aber sehr gefährlich sein, wenn man morgens versucht, zu seinem Feld zu fahren und überfallen wird!
😂


Samstag, 25. Juni 2011

Ausflug ins Steiff-Museum

Wir wohnen nicht so weit von Giengen an der Brenz entfernt, und als Steiffsammler waren wir in den letzten 20 Jahren doch so einige Male dort. Ihr kennt Giengen nicht? Ihr habt noch nie von Steiff gehört?
Keine Sorge, ich erspare euch die Firmengeschichte (obwohl sie sehr interessant ist), das ist nicht der Platz für etwas, das man anderswo leicht finden kann. Laßt mich nur sagen, daß ein Steifftier wirklich ein Freund für's Leben ist und daß die Designs erstaunlich lebensecht sind, vor allem die wirklich alten.
2005 öffnete das neue Steiff-Museum seine Türen, und dort sind wir gestern auch hin. Anstatt zu labern lasse ich einfach ein paar der Bilder, die ich gemacht habe, für sich selber sprechen.

Steiff war immer bekannt für mechanische Schaustücke, hier "1001 Nacht"
Der Blick nach oben - Affen in den Bäumen!
Es muß hart sein, für Steiff zu "arbeiten", wenn man ein Eisbär ist
Ein kleiner Steiff-Garten in der Museumshalle
Alte Freunde. Teddy war aus einer Art Holzstoff gemacht, weil in Kriegszeiten Stoff rar war.
Margarete Steiff begrüßt die Leute in der Museumshalle. Sie hatte Kinderlähmung als kleines Kind, daher war sie ihr ganzes Leben auf einen Rollstuhl angewiesen.
Pavianbaby - schon immer eins meiner Lieblingstiere, seit wir das Steiff-Museum zum ersten Mal besuchten (damals noch das alte)
Pinguinfamilie
Nicht der Lange, sondern ein großer Bär ;-)
Schwimmende Schildkröten - das Bild der Muscheln kam leider zu dunkel raus :-(
Coole Schlangenrutsche - wer hätte nicht gern sowas daheim?
Skifahrende Pinguine - sie bewegten sich tatsächlich!
Lächelnde Tiger - ich frage mich, was sie denken
Ein alter Pinguin mit seinem Freund Treff, dem Bluthund (einer meiner Lieblingshunde von Steiff!)
Ist sie nicht süß?

Wenn ihr je die Chance bekommt, schaut euch das an. Die Tour beginnt mit der Geschichte von Margarete Steiff und zeigt ihren Nähraum (nachgebildet), geht dann weiter mit einem Teddy, der die Geschichte von Richard, ihrem Neffen, erzählt, der einer der Erfinder des Teddybärs war (ich werde nicht darüber diskutieren, wer nun der erste war, ich glaube, manche Dinge passieren gleichzeitig in verschiedenen Teilen der Welt, weil die Zeit dafür reif ist), dann folgt die Geschichte der verlorenen 3000 Teddybären. Anschließend öffnet sich die Tür zur Ausstellung, mit Vitrinen voller alter Tiere auf einem und lebensgroßen Tieren auf einem anderen Stockwerk. Sie haben außerdem eine Werkstatt aufgebaut, wo man zusehen kann, wie die Tiere gemacht werden, und wo man die Werkzeuge sehen kann, was sehr interessant ist.

Der einzige Moment gestern, der ein bißchen traurig war, war, als wir zum Essen gehen wollten. All die Jahre aßen wir immer im selben Lokal, aber das gibt es nicht mehr. Ich wünschte, ich hätte mich verabschieden können.