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Donnerstag, 6. August 2026

Stummfilme - Der blaue Vogel

Ich hatte schon früher von dem blauen Vogel des Glücks gehört, gesehen, wie er Schmuck und Kunst inspiriert, habe sogar ein Lied gefunden, aber ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals eine Ursprungsgeschichte gehört zu haben, außerdem schien mir, daß er in Deutschland nicht so bekannt war. Woher kam der blaue Vogel des Glücks? Es scheint, daß das Symbol in vielen Kulturen zu finden ist.
Auf jeden Fall habe ich heute für euch
 "Der blaue Vogel" von 1918. Schnallt euch an, das wird eine wilde Fahrt.


Fangen wir wie üblich mit der Handlung an (Spoileeer!).

Es war einmal eine ärmliche Familie - Daddy Tyl, Mummy Tyl, ihr Sohn Tyltyl und ihre Tochter Mytyl.
Auf der anderen Straßenseite war das Haus der reichen Kinder und in der Nähe die Hütte der armen Nachbarin Berlingot und ihrer kleinen Tochter.
Berlingot hat ihrer Tochter vom Vogel des Glücks erzählt und das kranke Mädchen denkt, daß sie vielleicht auch glücklich wäre, wenn sie Mytyls Vogel hätte. Mytyl lehnt es jedoch ab, ihr ihren Vogel zu geben - was ich ehrlich gesagt für ein Kind nicht so ungewöhnlich halte.

Eeeenttäuscht!

In der Nacht schauen die zwei Kinder bei der Feier zu, die im Haus der reichen Kinder stattfindet, und denken sich, wie schön es wäre, aus Spaß statt aus Hunger zu essen, als Berlingot hereinkommt und fragt, ob sie "den Vogel, der blau ist", haben. Aber ist es Berlingot? Nein, es ist tatsächlich die Fee Bérylune, die ihnen sagt, daß sie sich auf die Suche nach dem blauen Vogel des Glücks machen müssen. Sie gibt Tyltyl eine Samtkappe. Den Diamanten darauf zu drehen wird den Kinder das Innere von Dingen zeigen.

Ich bin eine Fee und ich erschrecke gern mitten in der Nacht
Kinder, damit sie mit mir auf eine magische Mission gehen.

Tyltyl dreht den Diamanten und die Dinge zeigen ihre wahre Seele - Brot, Milch, Wasser, Feuer, Licht, Zucker, die Familienkatze und der Hund, sie alle werden die Kinder begleiten.

Abflug!

Es ist eine gefährliche Mission und als die Katze fragt, meint Bérylune, daß der Tod auf alle wartet, die mit den Kindern gehen. Toll. Das nenne ich mal Motivation. Ich bin nicht überrascht, daß die Katze nicht glücklich ist.

Tja, ja, ihr werdet alle sterben. Findet euch damit ab.

Als erstes halten sie bei Bérylunes Palast an - den sie von dem verstorbenen Herrn Blaubart geerbt hat (wenn sie eine Verwandte von ihm ist, könnte das den sicheren Tod am Ende der Reise erklären).
Die Katze nutzt die Gelegenheit und versucht die anderen "Dinge" zu überzeugen, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, das Auffinden des Vogels zu verhindern, auch wenn das das Leben der Kinder gefährdet. Der Hund droht, die Katze erst zu erwürgen und dann zu verpfeifen.
Ich habe es echt satt, daß Katzen so oft zum Bösewicht gemacht werden, distanziert, verräterisch, selbstsüchtig oder was auch immer genannt werden. Ich sag's nur. In meinen Augen half es dem Film nicht, denn ich habe auch sein Makeup gehaßt, das ihn echt gemein aussehen ließ.
Okay, zurück zur Handlung.

Die Gruppe besucht verschiedene Paläste, um nach dem blauen Vogel zu suchen ...
- den Palast der Nacht (sehr cool, da gibt es Geister)
- den Friedhof der glücklichen Toten (wo sie nicht nur ihre toten Großeltern treffen, sondern auch ihre toten Geschwister, sieben an der Zahl!)
- den Palast des Glücks (mit den Luxuriösen, wie zum Beispiel Schläft-Mehr-Als-Notwendig, aber auch den Freuden, von den beinahe alle seltsamerweise durch junge Damen in ätherischen aber recht knappen Outfits (siehe unten) repräsentiert werden, mit Ausnahme der Freude der mütterlichen Liebe)
- im Königreich der Zukunft, wo wir die Kinder finden, die darauf warten, geboren zu werden (ein künftiges Tyl-Kind inklusive, ich wünschte, sie hätten uns seinen Namen gesagt) und wir sehen, wie ihre Mütter auf sie warten,
 

aber den richtigen Vogel finden sie nirgendwo.

Das Oberste Glück zeigt den Kindern das Glück der Reinen
Luft, das Glück des Frühlings, die Freuden der Reinen
Gedanken, die Freude von Wald Wiese und Tal, das Glück
die Sterne aufgehen zu sehen und das Glück zu lieben.

Also sagen sie Lebwohl zu den "Dingen", deren Seelen nun wieder unsichtbar für sie sein werden, während der Hund die Katze verprügelt, ist ja klar, und kehren nach Hause zurück, nur um festzustellen, daß ihr Vogel viel blauer als vorher aussieht. Der blaue Vogel war die ganze Zeit in ihrem eigenen Heim!
Oh, und falls ihr euch fragt, Bérylune ist ja so ein Scherzkeks! Niemand ist gestorben, es sei denn, ihr zählt, daß die meisten von ihnen in den unbelebten Zustand zurückkehren.
Natürlich geben sie der Witwe Berlingot den Vogel für ihre Tochter und es macht sie "so glücklich, so glücklich"! Die Witwe kommt mit ihrer Tochter zurück, die ebenfalls so glücklich ist ... bis der Vogel auf einen hohen Baum abhaut.
Tyltyl tröstet sie, indem er ihr sagt, daß es ausgereicht hat, den Vogel zu finden und ihn im Herzen zu behalten, bevor er die vierte Wand durchbricht und dem Publikum sagt, daß sie nach dem Vogel "zuerst in eurem eigenem Heim suchen sollen, WO ER AM EHESTEN ZU FINDEN IST!".
Ähm, ich reagiere echt nicht gut darauf, wenn mich Leute anschreien, aber okay.


Vielleicht habt ihr gemerkt, daß der Film nicht komplett mein Ding war.
Ich bereue nicht, ihn angeschaut zu haben. Es sind wunderschöne Bilder in dem Film, die es das wert machten. Manche davon waren atmosphärisch, traumartig, und erinnerten mich an den viktorianischen Feenhype (wahrsheinlich rein wegen der Anzahl an tanzenden und hüpfenden Frauen). Wie ihr sehen könnt, ist auch die Färbung wirklich schön und trägt zum romantischen Gefühl bei.
Ich mochte auch die Tricks, die an
 Méliès erinnerten, das tanzende Feuer, das Wasser, das aus dem Wasserhahn rann, oder die Milch vom Tisch, bevor sie zu Menschen wurden.
Und ihr wißt wahrscheinlich inzwischen, daß ich das Bizarre interessant finde.

Wovon ich allerdings kein großer Fan bin ist, wenn man mir ohne jegliche Feinheit Moral an den Kopf wirft.
Nicht daß an der Botschaft an sich etwas falsch wäre. Reine Luft, Frühling und durch den Wald tanzen hört sich völlig in Ordnung an, aber im Grunde sagt man uns, daß wir mit dem zufrieden sein sollen, was wir haben, egal wie wenig es ist. Und die Tyls und Berlingot haben echt wenig, während die reichen Kinder auf der anderen Straßenseite das Gesicht vollstopfen, und das fand ich einfach nicht gut. Und natürlich die Katze. Das hat mich echt geärgert.
Aber natürlich ist alles sehr symbolisch und eine Allegorie. Was an mich irgendwie verschwendet ist. Tut mir leid.

Der Film basiert auf einem Theaterstück von
 Maurice Maeterlinck, einem belgischen Stückeschreiber und Poeten, der 1911 den Literaturnobelpreis gewann.
Ich habe das Stück nicht gelesen und keine der anderen Verfilmungen gesehen (es scheint, die Version von 1940 mit Shirley Temple war recht beliebt?) und habe das auch nicht vor. Tatsächlich hatte ich "Der blaue Vogel" das erste Mal in Noel Streatfeilds "Ballet Shoes" erwähnt gesehen, das ich vor einer Weile gelesen habe, so fand ich auch den Film.

Würde ich empfehlen, ihn anzuschauen? Sagen wir mal, er ist eine Erfahrung, aber wenn ich es täte, dann nur für die Bilder und Atmosphäre und nicht die Geschichte. Oh, und ich fand die Musik zu der Version, die ich angeschaut habe, toll.


Ausgewählte Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Richard Hildreth: The Blue Bird. Essay auf: San Francisco Silent Film Festival 2004
2. Lea Stans: Obscure Films: "The Blue Bird" (1918). Auf: Silent-ology, 9. September 2017
3. Fritzi Kramer: The Blue Bird (1918) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 21. Februar 2016


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.


Eine letzte ernsthafte Frage - kann mir jemand das Design dieses Huts erklären? Gibt es einen Grund dafür, daß er so aussieht? Ist das wohl eine Anspielung auf eine übergroße phrygische Mütze, was denkt ihr?

Dienstag, 30. Juni 2026

Meine Juni-Bücher

Dies ist ein Überblick der Bücher, die ich in einem Monat fertiggelesen habe (nicht unbedingt im selben Monat angefangen) und die ich Gundel vorgelesen habe (mit 😸 markiert).
Ich werde jeweils eine kurze Erklärung hinzufügen, warum ich ein Buch ausgewählt oder wie ich es gefunden habe und vielleicht auch, ob es ein Kandidat zum Wiederlesen ist, aber ich werde keine richtigen Rezensionen oder Bewertungen abgeben (Gundel weigert sich ebenfalls zu bewerten). Solltet ihr aber etwas mehr Info zu einem Buch haben wollen, an dem ihr interessiert seid, laßt es mich einfach wissen.

Ein sehr seltsamer Monat mit mehreren abgebrochenen Büchern. Was ich interessant fand war, daß ich einen Moment lang sogar zögerte, das dritte auf die Liste zu setzen, fast so als würde ich versuchen, mein "Versagen" zu verstecken. Lesen sollte sich nicht schuldig anfühlen, egal ob man etwas mochte oder nicht. Dann hatte ich halt das Pech, Bücher auszusuchen, die ich nicht fertiglesen wollte. Was nun? Wird meine Bibliothek mich in Schande hinauswerfen? Nun, hat sie nicht, das einzige, was passierte, war, daß ich wünschte, ich hätte die Zeit stattdessen auf andere Bücher verwendet.
Als ich Ende dess Monats ein viertes hinzufügen mußte, gab ich dafür zuerst der Hitze die Schuld, aber wenn es die Hitze war, warum war ich absolut zufrieden mit den beiden anderen Büchern, die ich zu der Zeit las (wenn auch langsam)?

"Peter Ustinov: The Gift of Laughter" = " Peter Ustinov : Die Gabe des Lachens. Seine Lebensgeschichte" von John Miller, Erstveröffentlichungen 2002


Peter Ustinov - Theater- und Filmschauspieler, Autor von Theaterstücken und Romanen, Regisseur, Produzent, Philanthrop, Universitätskanzler, Interviewer, Unterhalter - war ein erstaunlicher Mann.
Dies ist seine Biographie.

Als ich Ustinov kürzlich erwähnte, fiel mir auf, daß ich nie eine komplette Biographie von ihm gelesen hatte (ich las das Buch seiner Mutter vor Urzeiten). Er war immer äußerst populär in Deutschland, also wurde es Zeit, das nachzuholen, und es hat mir auch gut gefallen.

"Das Dorf in den roten Wäldern" von Louise Penny, Erstveröffentlichung 2005
(Der erste Fall für Gamache)


Als eine der Einwohnerinnen des kleinen Dorfs Three Pines tot aufgefunden wird, werden Armand Gamache und sein Team mit dem Fall betraut. War es ein Jagdunfall oder Mord?

Ich hatte nur die zweite Verfilmung von "Three Pines" mit Alfred Molina gekannt - in der dieses Buch nicht vorkommt - und dachte, ich probiere mal die Bücher aus. Ich glaube, ich mochte die Vorstellung von Three Pines und Gamache mehr als den Fall selber und der Schluß war etwas schwach und offensichtlich, aber es war eine schnelle Lektüre und die Reihe bleibt erstmal auf meiner Liste.

"The Three Investigators in The Mystery of the Coughing Dragon" = "Die drei ??? und der unheimliche Drache" von Nick West (die Bücher wurden unter Nennung von Alfred Hitchcock als Autor veröffentlicht), Erstveröffentlichung 1970 😸
(Die drei ??? 14 (amerikanisch), 9 (deutsch))


Als die drei ??? gebeten werden, den vermißten Hund von Alfred Hitchcocks Freund Mr. Allen zu finden, erwarten sie nicht, mit einem Drachen in einer Höhle konfrontiert zu werden!

Ich habe diese Reihe vor langer Zeit gelesen und mache sie jetzt nochmal Stück für Stück durch, nachdem ich einen Blogpost darüber geschrieben habe. Dieses Buch ist das vierzehnte in der Originalreihe und das neunte in der deutschen Reihe.

"The Correspondent" = "Die Briefeschreiberin" von Virginia Evans, Erstveröffentlichung 2025


Sybil ist 73 und eine begeisterte Briefeschreiberin.
Sie schreibt an Familie, Freunde, Autoren, Nachbarn - und in diesen Briefen erzählt sie uns von ihrem Leben jetzt und damals und davon, was sie am meisten bedauert.

Ich hatte das Buch in Blogs erwähnt gesehen, aber keine Besprechungen gelesen. Als es bei den Neueinträgen auf OverDrive auftauchte, merkte ich es vor, und es war es wert, monatelang darauf zu warten.
Ich habe schon früher bemerkt, daß mir die Briefform gefällt (das begann mit "Daddy Langbein"). Dies ist ein Buch, das ich mir tatsächlich kaufen werde.

"High Wages" von Dorothy Whipple, Erstveröffentlichung 1930


Die Geschichte spielt in den 1910ern und erzählt von Jane, die als Verkäuferin in einem Textilgeschäft anfängt und schließlich nach dem 1. Weltkrieg ihren eigenen Laden eröffnet.

Ich bin auf den Titel durch Zufall auf einem Blog gestoßen, dem ich gewöhnlich nicht folge, und war an der Geschichte von Verkäuferin zu Geschäftseigentümerin interessiert.
Nachdem ich das Sachbuch "The Bookshop, The Draper, The Candlestick Maker" von Annie Gray gelesen hatte, gefiel mir dieses Buch nicht nur wegen der Geschichte selber, sondern auch wegen der Beschreibungen der Geschäfte.


"Peter Pan: The Story of Peter and Wendy" = "Peter Pan" von J. M. Barrie, Erstveröffentlichung als Roman 1911 unter dem Titel "Peter und Wendy"


Peter Pan, der Anführer der Verlorenen Jungs, ist ein schelmischer Junge, der auf der Insel Nimmerland lebt. Er möchte für immer ein kleiner Junge bleiben und Abenteuer erleben.
Eines Nachts nimmt er die Kinder Wendy, John und Michael Darling mit zur Insel, damit Wendy, die Älteste und das einzige Mädchen, ihre Mutter werden kann.

Aus dem digitalisierten Buch,
das ich gelesen habe

Ich hatte "Peter Pan" als Theaterstück gesehen und wollte vor dem Anschauen der ersten Verfilmung auch das Buch lesen.

"Peter Pan in Kensington Gardens" von J. M. Barrie, Erstveröffentlichung 1906 (das meiste davon war bereits Teil des Romans "Kleiner weißer Vogel" von 1902 gewesen)


Man könnte dies Peter Pans Ursprungsgeschichte nennen - wie er aus dem Fenster des Kinderzimmers flog, als er hörte, wie Pläne über sein Leben als Erwachsener gemacht wurde, und in die Kensington Gardens ging, um dort bei den Vögeln zu leben.

Ich hatte hierüber noch überhaupt nichts gehört, bevor ich damit anfing, für eine Stummfilmbesprechung etwas über Peter Pan nachzulesen.
Die Illustrationen von Arthur Rackham sind wunderschön.

"Agnes Aubert's Mystical Cat Shelter" = "Agnes Auberts zauberhafte Katzenzuflucht" von Heather Fawcett, Erstveröffentlichung 2026


Agnes Katzenhilfe (ich finde die deutsche Übersetzung "Zuflucht" hier seltsam) braucht eine neue Bleibe, nachdem ein Duel zwischen Magiern mehrere Gebäude zerstört hat. Ist es Zufall, daß sie in ein Gebäude zieht, in dem einer dieser Magier aus dem Keller heraus sein illegales Geschäft betreibt?

Katzen! Das schien mir ausreichend, um dieses Buch zu lesen. Ich denke, nach dem hier werde aber von Fawcetts Büchern zukünftig die Finger lassen. Es erinnerte mich viel zu sehr an einen Film, den ich gesehen habe (das Buch, auf dem er beruht, kenne ich noch nicht) und liebe, für dieses Buch konnte ich nicht dieselbe Begeisterung aufbringen.

"Miss Buncle's Book" von D. E. Stevenson, Erstveröffentlichung 1934


Miss Buncle braucht Geld, also schreibt sie ein Buch, und da sie keine Fantasie hat, schreibt sie über ihr eigenes Dorf.
Das Buch wird ein Bestseller und Miss Buncles Nachbarn sind nicht amüsiert, etwas über sich selbst durch die Augen von jemand anderem gesehen zu erfahren.

Nachdem ich letzten Monat "Celia's House" gelesen habe und es mir sehr gefiel, habe ich mit diesem Buch weitergemacht und hatte eine Menge Spaß damit.


"Hildur - Die Spur im Fjord" von Satu Rämö, Erstveröffentlichung 2022
(Hildur 1)


Hildur Rúnarsdóttir ist Kriminalbeamtin in den Westfjorden Islands. Immer noch vom Verschwinden ihrer beiden Schwestern 25 Jahre zuvor verfolgt ist sie auf Fälle vermißter Kinder spezialisiert.
Diesmal wird jedoch ein Pädophiler mit durchgeschnittener Kehle gefunden und er bleibt nicht der letzte Tote. Zusammen mit ihrem finnischen Kollegen Jakob versucht sie die Punkte zu verbinden.

Gail von
 Is This Mutton hat das vierte Buch aus der Reihe empfohlen, also dachte ich, ich probiere es mal.
Ich hätte zwar gern weniger Wiederholgungen und Detailbeschreibungen von Workouts gehabt, das nächste Buch ist aber dennoch auf meiner Liste.


"Cinder House" von Freya Marske, Erstveröffentlichung 2025


Das ist eine Nacherzählung von Aschenputtel, aber mit einer interessanten Wendung.

Das Buch war ein Zufallsfund auf OverDrive.


"Return to Foreverware" von Mike Ford, Erstveröffentlichung 1997
(Eerie, Indiana 1)


Die Freunde Marshall und Simon übernehmen einen Wochenendjob bei den Stewarts, um deren Dachboden auszumisten. Etwas ist jedoch seltsam an dem Paar, das in den 70ern steckengeblieben zu sein scheint.

Das Buch ist das erste in der Reihe, die auf der Kinderfernsehserie "Eerie, Indiana" basiert.
Ich habe es für einen Blogpost nochmal gelesen.

"Der Steppenwolf" von Hermann Hesse, Erstveröffentlichung 1927 😸


Harry Haller sieht sich selber als zwei Seelen, den Menschen und den Steppenwolf. Zwischen beiden hin- und hergerissen, versucht er den Sinn in der Welt und seinem Leben zu sehen.

Ich hatte seit der Schule keine deutschen "Klassiker" mehr gelesen und beschloß, es jetzt mit einem im Monat zu versuchen. Keine Ahnung, wie dieses Projekt ausgehen wird.
Das war wahrscheinlich nicht das beste Buch für den Anfang. Hätte ich es nicht laut gelesen, wäre es ziemlich sicher ein DNF geworden, auf die Liste zum Wiederlesen kommt es jedenfalls nicht.

"Classic Movie Comedians" von Neil Sinyard, Erstveröffentlichung 1992


Dieser Band stellt uns einige der großen Komödianten der Leinwand vor. Es gibt ein Kapitel über Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd und Harry Langdon, Stan Laurel und Oliver Hardy, W. C. Fields und die Marx Brothers.

Sinyard ist ein britischer Filmkritiker und offensichtlich ein großer Fan von Chaplin, da dieser nicht nur ein Kapitel bekam, das mehr als zehn Seiten länger als all die anderen war, sondern auch konstant in den anderen Kapiteln erwähnt wird. Als Kurzeinführung war es in Ordnung und eine schnelle Lektüre mit einer Menge Bildern. 


"Coming Up for Air" = "Auftauchen, um Luft zu holen" von George Orwell, Erstveröffentlichung 1939


George Bowling ist sich sicher, daß es bald wieder Krieg geben wird. Er beginnt sich an sein Leben als Kind und junger Mann in Lower Binfield vor dem 1. Weltkrieg zu erinnern, und da er bei einem Rennen etwas Geld gewonnen hat, beschließt er, für ein paar Tage dorthin zurückzukehren, um die Idylle wiederzufinden. Er findet jedoch schnell heraus, daß man nicht mehr zurückkehren kann.

Dies war eines der Lieblingsbücher meines Ex. Ich bin vor kurzem durch Zufall darauf gestoßen und dachte, ich lese es endlich mal.



DNF:

"Theo of Golden" = "Theo in Golden" von Allen Levi, Erstveröffentlichung 2025


Ein alter Mann taucht in der Stadt Golden auf und freundet sich dort mit den Einwohnern an, indem er die Bleistiftporträts kauft, die an den Wänden des Coffee Shops hängen, sie den Menschen auf den Bildern schenkt und sich ihre Geschichten anhört.

Ich sah das Buch immer wieder auf Blogs und fand die Idee mit den Porträts ganz interessant. Dann kämpfte ich mich durch das halbe Buch, nur weil ich dachte, ich müßte irgendetwas verpaßt haben. Ich wünschte, ich hätte eher auf mein Bauchgefühl gehört. Auf keinen Fall etwas für mich.

"Something Wicked This Way Comes" = "Das Böse kommt auf leisen Sohlen" von Ray Bradbury, Erstveröffentlichung 1962


Zwei dreizehnjährige Freunde, Jim und William, bekommen es mit den Alpträumen eines fahrenden Jahrmarkts und seinem Leiter Mr. Dark zu tun, der seltsame Kräfte hat.

Ich habe etwas mehr als ein Drittel des Buches geschafft, aber obwohl die Idee interessant war, gefiel mir der Stil überhaupt nicht. Es schien, als habe der Verfasser mehr Spaß daran, mit Sprache zu spielen als die Geschichte zu erzählen, und in diesem Fall funktionierte das für mich einfach nicht.


"The Female Detective" von Andrew Forrester, Erstveröffentlichung 1864


Das Buch erzählt von mehreren Fällen von Mrs Gladden, der ersten professionellen Detektivin in der britischen Erzählliteratur.

Ich dachte, das wäre genau das Richtige für mich, aber nach einem Drittel gab ich auf, weil ich den Stil furchtbar trocken und langweilig fand. Ich konnte nicht umhin zu denken, daß eine Frau das anders geschrieben (und interessanter gemacht) hätte.

"The Librarianist" von Patrick deWitt, Erstveröffentlichung 2023


Dies ist "die Geschichte von Bob Comet, einem Mann, der sein Leben durch und für Literatur gelebt hat, sich dessen nicht bewußt, daß seine eigene Erfahrung eine bewegende und rührende Erzählung in sich ist."

Ich gestehe, daß mich der Titel und das Cover angezogen haben, aber es wurde zu wenig über Bücher geredet und gab zuviel langweiligen Rückblick. Ich mochte den ersten Teil wirklich, in dem Bob spontan als Freiwilliger in einem Seniorencenter anfängt, aber je länger der Rückblick dauert, um so mehr bewegte mich die Erzählung auf die falsche Weise. Ich habe es durch das halbe Buch geschafft und war nicht mal daran interessiert, wie es endet.


Übrigens, falls ihr Buchbesprechungen schreibt oder Blogposts über andere Dinge, die mit Büchern zu tun haben - sogar Filme, die auf Büchern basieren - schaut bitte bei "A Good Book and a Cup of Tea" vorbei, einer monatlichen Buch-Linkparty, deren Host ich zusammen mit Erin von Still Life, With Cracker Crumbs und Lisa from Boondock Ramblings bin. Hier könnt ihr mehr herausfinden.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Stummfilme - Snow White

Habt ihr gewußt, daß Walt Disneys "Schneewittchen und die sieben Zwerge" dadurch inspiriert wurde, daß er im Alter von 15 Jahren einen Stummfilm angeschaut hat?
Sehen wir uns diesen Film einmal an - "Snow White" von 1916.


Hier ist die Handlung (Spoileralarm, schauen wir doch, ob alles so ist, wie ihr es erwartet!).

Der Film beginnt mit Santa Claus. Ich war auch überrascht.
Santa Claus stellt ein paar Puppen auf einen Tisch, die sich dann in unsere Figuren verwandeln. Charmant
.


"Es war einmal eine schöne Königin namens Imogene, die sich beim Sticken auf einem Ebenholzrahmen in den Finger stach und den Tropfen Blut auf den Schnee vor dem Fenster abschüttelte. Es sah so hübsch aus, daß sie sagte: 'Ich wünschte, ich hätte ein Töchterlein mit Haut weiß wie Schnee, Lippen rot wie blut und Haaren so schwarz wie mein Ebenholzrahmen.'"
Natürlich wissen wir, daß ihr Wunsch erfüllt wurde, aber eine böse Hofdame, Brangomar, verschwor sich mit der Hexe Hex, um schöner zu werden als das Mädchen. Richtig, wir bekommen zwei Bösewichte zum Preis von einem.
Für ihre Hilfe und den Zauberspielgel verlangt die Hexe Schneewittchens Herz.


Wie von Hex vorhergesagt stirbt Königin Imogene und Schneewittchens Vater heiratet Brangomar, die ihre Stieftochter nicht besser behandelt als eine Küchenmagd, also muß sie die neuen Hofmädchen in der Küche empfangen.
 

Zum Haus von Berthold, dem Jäger, ausgeschickt, um Enten für das Essen zu holen, sieht Schneewittchen einen Sittich im Käfig und sagt Bertholds Kindern, daß sie niemals einen Vogel einsperren sollen. Sie lassen ihn frei und schaffen es gerade noch nach draußen, um zu verhindern, daß ihn Prinz Florimond von Calydon, der auf der Jagd ist, tötet. Natürlich verguckt er sich sofort in sie.


Sie begegnen sich wieder, als er zum Hof kommt. Die Hofmädchen leihen Schneewittchen alle etwas zum Anziehen aus (ich bin mir nicht sicher, wie sie trotzdem hinterher alle noch voll angezogen sind, außer den Schuhen) und alle sind verschleiert, um sie so zu verbergen, aber Florimond geht gradewegs auf sie zu.
Brangomar ist recht schockiert über die Nachricht, die der Prinz von seinem Vater überbringt, der möchte, daß sein Sohn seine Cousine Schneewittchen heiratet. Nach kurzer Verwirrung (der Film ist nicht ganz vollständig, vielleicht ist das so ein Moment) beschließt Brangomar, daß sie ein Jahr und einen Tag warten müssen, während dieser Zeit wird sie Schneewittchen in ein "Internat für rückständige Prinzessinnen" schicken. Wow, das ist gemein.


Arme Brangomar, nicht nur ist der Prinz nicht ihretwegen gekommen, sondern nur sagt ihr auch noch der Spiegel, daß sie nicht mehr die Schönste ist, UND Hex taucht in einer Rauchwolke auf, um das versprochene Herz einzufordern. Die Dinge, mit denen sich eine böse Königin herumschlagen muß!
Also ruft sie Berthold zu sich und gibt ihm den Befehl, ihr Schneewittchens Herz zu bringen, sonst wird sie seine Kinder einsperren und verhungern lassen.
Er nimmt die Prinzessin mit in die Wälder, beschließt aber, stattdessen ein Wildschwein zu töten und sie zurückzulassen.
Da taucht der Löwe auf.


Und der Sittich ist zurück und bringt sie dazu, ihm zu einem Häuschen zu folgen.
Die Zwerge, die in einer Mine mit direktem Zugang in ihrem Haus arbeiten, finden das schlafende Schneewittchen und hoffen, daß sie bleiben wird, damit sie sie anschauen können (!). Sie machen ihr kleine Geschenke und sie bleibt mit Freuden, da sie nirgendwo anders hin kann.

Die Zwergen heißen Blick, Flick, Glick, Snick, Plick,
Whick ... und Quee (nicht im Bild).

Inzwischen hat Berthold Brangomar das Herz gebracht, die ihn trotzdem in den Kerker bringen läßt, wo auch seine Kinder schon sind (vergeßt nicht, sie ist böse, also sind sie sogar in unterschiedlichen Zellen).
Der Sittich bringt ihm jedoch ein Seil, mit dem er seine Kinder heraufziehen und außerdem die Schlüssel vom Wärter ergattern kann.


Brangomar bringt das Herz zu Hex, die es haben wollte, um damit ihre Kahlheit zu bekämpfen, da es sich aber um ein Schweineherz handelt, wachsen ihr Ringelschwänzchen statt Haar!
Die Königin befragt den Spiegel, wo Schneewittchen ist, und Hex verwandelt sie in eine Krämerin, was ihr erlaubt, Schneewittchen zu besuchen, ohne erkannt zu werden, da sie offensichtlich niemand anderem den Job anvertrauen kann.



Der erste Versuch mit dem vergifteten Kamm schlägt fehl, weil der Vogel es einem Kaninchen sagt und das Kaninchen den Zwergen, die Schneewittchen rechtzeitig retten, bevor die "Krämerin" bis 100 zählen kann.
Beim nächsten Versuch wird Brangomar ein Kuchenverkäufer und Schneewittchen ißt den vergifteten Apfel.
In der Zwischenzeit haben es Berthold und seine Kinder an den Hof von Calydon geschafft und Florimond zieht sofort los, um nach Schneewittchen zu suchen, findet sie aber tot vor.


Sie bringen sie zu Brangomar, um sie zu rächen, aber was ist das ... Schneewittchen lebt! Die Reise hat das Stückchen vergifteten Apfels in ihrem Hals gelöst.
Die Königin zerbricht ihren Spiegel und ist wieder häßlich, während Hex endlich das Haar bekommt, das sie immer wollte.


Für Schneewittchen und Florimond heißt es danach zweifelsohne "und wenn sie nicht gestorben sind ..." - Zwerge inklusive, die Schneewittchen gebeten hat, bei ihr zu bleiben.


Ich weiß nicht, welche Versionen des Märchens ihr kennt, also kommen wir zu ein paar Details.

Dieser Film basiert auf einem Theaterstück von 1912 mit Marguerite Clark in der Hauptrolle. Obwohl sie zu Zeiten des Stücks schon 29 war, war Clark, die nur 1,50 Meter groß war, gut geeignet für die Rolle, die sie dann auch im Film spielte, der an Weihnachten herauskam (was dann auch Santa Claus erklärt).
Leider ist Clark so gut wie vergessen, obwohl sie einmal fast so populär wie Mary Pickford war. Die meisten ihrer Filme wurden in einem Brand zerstört und auch "Snow White" wurde für verschollen gehalten, bis in Amsterdam ein Abzug auftauchte. Es fehlen jedoch Teile, zum Beispiel die Lieferung von Schneewittchen an ihre Eltern durch einen Storch.

Grundsätzlich ist das Märchen mit dem Film abgedeckt, aber es gibt offensichtliche Unterschiede und ich habe ein paar Fragen.

Am wichtigsten, was ist das mit dem Löwen? Man sieht ihn zweimal und er macht nichts. Soll er für Gefahr stehen? Fehlt an der Stelle etwas im Film?
Warum wird Schneewittchen wie eine Küchenmagd behandelt und was ist mit ihrem Vater passiert? Das ist Aschenputtel, nicht Schneewittchen, so wie auch das Treffen von Prinzessin und Prinz vor dem Ball und dann der Tanz.
Wir haben zwei Bösewichter (eine davon als komische Einlage?), aber wie kommt es, daß Hex am Schluß mit dem Hof feiert? Ich meine, immerhin war sie bereit, Schneewittchens Herz zu verspeisen. Und überhaupt, warum konnte sie Brangomar schöne Haare verschaffen, aber nicht sich selber?
Was passiert mit Brangomar? War die Häßlichkeit ihre einzige Strafe? Das wäre dann ja mal viel netter als das ursprüngliche Ende im Märchen, wo sie sich in glühendheißen Schuhen zu Tode tanzte.
Wo ist der Sittich am Schluß? Es besteht kein Zweifel, daß er der wahre Held des Films ist.


Allerdings ist es nett, daß sich Schneewittchen und Florimond schon vor ihrem Tod kannten. Die Vorstellung eines Prinzen, der zufällig vorbeikommt und ein totes Mädchen küßt, ist irgendwie gruselig, wenn wir ehrlich sind. Ein Cousin, der seine Verlobte heimbringt - auch wenn es für uns heute schräg ist, von Cousins/Cousinen zu hören, die heiraten - macht viel mehr Sinn und der Teil mit dem Apfel hält sich an das ursprüngliche Märchen.

Die Kostüme sind hübsch (wenn man den wilden Stilmix ignoriert) und es gibt ein paar nette Effekte wie die Krone, die sich am Schluß auf Schneewittchens Kopf materialisiert.
Ich habe im Laufe der Jahre viele Märchenverfilmungen gesehen und diese ist süß und freundlich und nicht zu gruselig für Kinder.
Und nun wißt ihr, daß ihr Vorsicht walten lassen müßt in Bezug darauf, was man nicht für Haarwuchs benutzen sollte!


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Scott Simmon und Martin Marks: Snow White (1916). Auf: National Film Preservation Foundation. Preserved Films. Film Notes
2. J. B. Kaufman: Snow White. Auf: San Francisco Silent Film Festival. Essay 2013
3. Fritzi Kramer: Snow White (1916) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 2. März 2014
4. Lea Stans: Fairytales Before Disney: Thoughts On "Snow White" (1916). Auf: Silent-ology, 5. April 2025


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Silent movies - Peter Pan, der Traumelf

Was haltet ihr heute von einem kleinen Ausflug nach Nimmerland?
Ich habe die erste Verfilmung des Theaterstücks und später Roman von J. M. Barrie über den Jungen, der nicht erwachsen werden wollte - "Peter Pan, der Traumelf" von 1924 (witzig, Peter wird nie als Elf bezeichnet, obwohl er im Disney-Film Elfenohren hat).


Ihr seid wahrscheinlich wieder mehr oder weniger vertraut mit der Handlung.

Zuerst lernen wir die Familie Darling mit Mutter, Vater, ihren drei Kindern Wendy, John und Michael und dem Hundekindermädchen Nana kennen. Die Darlings machen sich bereit auszugehen.


Als sich Mr. Darling über Nana ärgert, erzählt ihm seine Frau davon, ein Gesicht am Fenster gesehen zu haben und daß derselbe kleine Junge kürzlich im Zimmer war, Nana ihn aber angesprungen hatte und der Junge - der ein helles Licht als Begleitung hatte - ohne seinen Schatten entkam. Sie denkt, daß er vielleicht zurückkommt, aber Vater bindet Nana trotzdem im Garten an.
Als die Darlings weg sind, kommt der Junge in der Tat zurück, um nach seinem Schatten zu suchen. Es sind natürlich Peter Pan und seine Fee Tinker Bell, die den Schatten in der Schublade findet.


Er fängt an zu weinen, als er ihn nicht wieder festkleben kann, und Wendy wacht auf. Sie stellen sich vor und Wendy näht Peters Schatten an, nachdem sie erfährt, daß er keine Mutter hat, die es tun könnte.


Peter erzählt Wendy, daß er an dem Tag seiner Geburt davongelaufen ist und bei den Feen gelebt hat. Er läßt Tinker Bell aus der Schublade. Als Wendy jedoch zu ihm sagt, daß er ihr einen "Fingerhut" geben kann, was für einen Kuß steht, wird Tinker Bell eifersüchtig und zieht sie an den Haaren.


Nun sagt Peter, daß er ins Nimmerland und zu den "Verlorenen Jungs" - Jungen, die als Babys aus ihren Kinderwagen gefallen sind - zurückkehren muß, weil sie sich vor den Piraten auf der Insel fürchten werden. Wendy ist traurig, also lädt Peter sie ein, mitzukommen und ihre Mutter zu sein.
Er bringt Wendy, John und Michael bei, wie man dank glücklicher Gedanken und Feenstaub fliegt, und obwohl Nana sich losreißt, um ihre Eltern zu warnen, folgen die Kinder Peter und Tinker Bell.


Auf der Insel Nimmerland sehen die Verlorenen Jungs, wie sich Wendy nähert. Die eifersüchtige Tink sagt ihnen, daß Peter möchte, daß sie "den Wendy-Vogel" erschießen, und Tootles schießt sie ab, aber der Pfeil trifft den "Kuß" (eine Eichel), die Peter ihr gegeben hat.
Peter verbannt Tink für eine Woche.


So wird Wendy zur "Mutter" der Jungen mit Peter als "Vater", aber obwohl sie sich in ihn verliebt hat, sind die Gefühle Peters für sie die "eines ergebenen Sohnes". Er läßt sie wissen, daß Tiger Lily, die Prinzessin des Stammes, der auf der Insel lebt (dazu kommen wir später), ebenfalls etwas für ihn sein möchte, aber nicht seine Mutter.
Wendy erzählt den Verlorenen Jungs von der Liebe einer Mutter und daß das Fenster immer für ihre Rückkehr geöffnet bleiben wird, aber Peter meint, daß er versucht habe zurückzugehen und daß das Fenster verschlossen war und ein anderer kleiner Junge in seinem Bett schlief.
Nun hat Wendy Angst, daß ihnen das passieren könnte, und sie möchte heimkehren und alle Verlorenen Jungs mitnehmen, damit ihre Eltern sie adoptieren. Peter weigert sich, mit ihnen zu gehen, weil er nicht erwachsen werden möchte, verspricht aber, Tink mit ihnen zu schicken, um ihnen den Weg zu zeigen.


Inzwischen haben die Piraten den Stamm überfallen, der Peters unterirdisches Haus bewacht.
Käpt'n Hook, dessen Hand Peter abgehauen hat, die dann von einem Krokodil gefressen wurde, läßt die Trommel schlagen, damit sie denken, der Stamm habe gewonnen, und Wendy, ihre Brüder und die Verlorenen Jungs werden gefangengenommen und zum Piratenschiff getragen.
Um Peter loszuwerden, vergiftet er dann dessen Medizin.
Bevor Peter sie jedoch nehmen kann, trinkt Tinker Bell sie und liegt im Sterben. Nur wenn Kinder an Feen glauben, kann sie überleben, also fleht Peter das Publikum an, in die Hände zu klatschen (und ich wette, es wurde laut im Kino!).


Auf dem Piratenschiff will Hook die Jungen über die Planke schicken, vor allem nachdem keiner von ihnen bereit ist, ein Schiffsjunge zu werden. Aber natürlich ist Peter rechtzeitig da, um sie zu retten und stattdessen Hook über die Planke zu schicken ... wo das Krokodil bereits gewartet hat.

Hook war ein toller Bösewicht, überraschenderweise
war es ein anderer Schauspieler als Mr. Darling,
gewöhnlich wurden sie vom selben gespielt.

Das Krokodil spuckt Hooks Haken aus ...

Bevor die anderen zu Hause eintreffen, befiehlt Peter Tink, das Fenster zu schließen, weil er hofft, daß Wendy dann mit ihm auf die Insel zurückkehrt, aber als er die traurigen Darlings sieht, kann er es dann doch nicht tun.
Während Mr. Darling nach Platz sucht, um all ihre neuen Kinder unterzubringen, sagt Mrs. Darling zu Peter, daß er ebenfalls bei ihnen bleiben solle, aber er lehnt ab und bittet Wendy erneut, mit ihm zu kommen. Mrs. Darling erlaubt das nicht, verspricht aber, Wendy jedes Jahr für eine Woche zum Frühjahrsputz zu schicken.
Also kehrt Peter allein ins Nimmerland zurück.


Bevor ich den Film angeschaut habe, kannte ich nur etwas über das Theaterstück aus "Wenn Träume fliegen lernen" und dann hatte ich das Stück (unter der Regie von Sally Cookson) auf National Theatre at Home gesehen (hier ist ein Trailer), was echt faszinierend war, obwohl es sehr lang war, und von dem ich zum ersten Mal von der dunklen Seite von Peter Pan erfuhr.
Dann beschloß ich, auch den Disney-Film anzuschauen, von dem ich nur Ausschnitte kannte, und die Romanumsetzung des ursprünglichen Theaterstücks zu lesen.
Ich weiß, daß es natürlich eine Menge Verfilmungen gibt, alte, moderne, Musicals, Fortsetzungen, Peter als Erwachsenen, sogar Horror, aber irgendwo muß man ein Ende setzen und ich finde, ich habe eine ganz gute Mischung abgedeckt.
Und tatsächlich ist bis jetzt dieser Film mein Favorit.

Sprechen wir erstmal über das offensichtliche Problem.
Der erwähnte Stamm sind amerikanische Ureinwohner, aber "Wir Rothäute - du der große weiße Vater" kommt in unseren Zeiten nicht mehr gut und ebensowenig die Klischees, auch wenn eine Kritik von 1905 es so ausdrückte "Mr. Barrie präsentiert nicht den Piraten oder Indianer des Erwachsenenromans, sondern die von Kinderaugen gesehenen Schöpfungen". Zeitgenössische Produktionen müssen ihre eigenen Wege finden, um damit umzugehen. Ihr könnt einen interessanten Artikel (auf Englisch) im
 Smithsonian Magazine finden.

Ich habe auch die dunkle Seite von "Peter Pan" erwähnt, die im Roman tatsächlich noch mehr zum Ausdruck kommt.
Wußtet ihr, daß Peter "die Jungen aussortiert, wenn sie erwachsen zu werden scheinen, was gegen die Regeln verstößt", wie immer man das interpretieren möchte? Tatsächlich gibt es einige Tode im Roman - obwohl im die Film die Schwerter wie bei Kinderspielen sichtbar zwischen Körper und Arm stechen - und Peter ist auch kein einfacher Held. Dazu, daß er Verantwortung aus dem Weg geht und immer für das nächste Abenteuer bereit ist, kommt auch, daß er oft selbstsüchtig ist und Dinge schnell vergißt. Kein Wunder, daß er eine Mutter brauchte!
Im Roman vergißt er sogar immer wieder, Wendy zum Frühjahrsputz abzuholen, und ist daher eines Tages sehr überrascht, als er sie erwachsen vorfindet, mit einer eigenen Tochter, und irgendwann dann diese Tochter mit einer eigenen Tochter ...

Und so wird es weitergehen, solange Kinder fröhlich
und unschuldig und herzlos sind.

Ich denke aber nicht, daß mir das im Film so sehr aufgefallen wäre, wenn ich nicht vorher den Roman gelesen hätte, auch wenn er sehr nah am Originalstück zu sein scheint.
Übrigens wurde Peter traditionell lange Zeit von jungen Frauen gespielt, der Grund dafür war, daß Kinder so spät nicht auf der Bühne erlaubt waren und erwachsene Männer wegen ihres Aussehens, aber auch ihres Gewichts nicht passend waren. Es wird viel "geflogen"! (Im Stück, das ich sah, war es ein erwachsener Mann und ich muß zugeben, daß mich das nicht völlig zufriedenstellte.)
Die Zwischentitel sind überwiegend Zitate, nur in ein paar Fällen amerikanisiert, zum Beispiel als die Treue zum König zur Treue zu den Stars and Stripes abgeändert wird.

"Peter Pan" ist ein weiterer Film, der als verschollen galt, bis 1971 ein Abzug auftauchte. Wie schade wäre es gewesen, wenn er verschwunden wäre!
Ein Blogautor bemängelte Betty Bronsons Spiel als übertrieben, aber ich fand, daß es in diesem Kontext wirklich gut funktionierte, da ich mir Peter schon als einen kleinen Angeber vorstellte, und sich über Drähte 
in einem Film aus dieser Zeit zu beklagen, schien mir einfach lächerlich.
Eine Menge bekannter Schauspielerinnen sollen damals hinter dieser Rolle hergewesen sein, aber Barrie selbst wählte Bronson.

Ich fand auch, daß die Spezialeffekte für die Zeit toll waren - großer Fan von Tinker Bells Zimmerchen hier -, aber wir dürften auch Nana nicht vergessen. Wer hätte gedacht, daß sich ein Mann in einem Hundekostüm so bewegen könnte? Aber George Ali war ja auch darauf spezialisiert, Tiere auf der Bühne und der Leinwand zu spielen. Möglicherweise war er auch das Krokodil.


Und weil ich bereits mehr Bilder als gewöhnlich geteilt habe, ist hier auch noch die Königin der Meerjungfrauen.


Könnt ihr erkennen, wie sehr mir der Film gefallen hat? Das Video, das ich gesehen hatte, hat überdies auch noch eine Begleitmusik, die wunderbar dazu paßte.
Eine wirklich magische Erfahrung mit einer sehr interessanten Hintergrundgeschichte, absolut eine Empfehlung von mir.

Zu guter Letzt möchte ich noch ein Bild der Peter-Pan-Statue in Kensington Gardens zeigen.
Das erste Mal, daß ich sie sah, waren wir mit einer Fünfjährigen dort und es war toll mit anzusehen, wie sehr sie sie liebte (ich übrigens auch). Dieses Bild ist aus dem Jahr, in dem ich mit einem unwesentlich größeren Ex dort war 
😉
Barrie gab die Statue in Auftrag und ließ sie heimlich nachts aufstellen. Könnt ihr euch die Überraschung der Leute vorstellen, die sie am nächsten Tag fanden?



Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Lea Stans: Thoughts On: "Peter Pan" (1924). Auf: Silent-ology, 6. Dezember 2018
2. Rick Aragon: Peter Pan (1924): A Review. On: Rick's Cafe Texan, 8. Februar 2012
3. Evelyn Harper: 
The Making of a Legend: How Peter Pan (1924) Enchanted the Silent Screen. On: Dark Skies, 27. Oktober 2025


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.