Donnerstag, 18. Juni 2026

Silent movies - Peter Pan, der Traumelf

Was haltet ihr heute von einem kleinen Ausflug nach Nimmerland?
Ich habe die erste Verfilmung des Theaterstücks und später Roman von J. M. Barrie über den Jungen, der nicht erwachsen werden wollte - "Peter Pan, der Traumelf" von 1924 (witzig, Peter wird nie als Elf bezeichnet, obwohl er im Disney-Film Elfenohren hat).


Ihr seid wahrscheinlich wieder mehr oder weniger vertraut mit der Handlung.

Zuerst lernen wir die Familie Darling mit Mutter, Vater, ihren drei Kindern Wendy, John und Michael und dem Hundekindermädchen Nana kennen. Die Darlings machen sich bereit auszugehen.


Als sich Mr. Darling über Nana ärgert, erzählt ihm seine Frau davon, ein Gesicht am Fenster gesehen zu haben und daß derselbe kleine Junge kürzlich im Zimmer war, Nana ihn aber angesprungen hatte und der Junge - der ein helles Licht als Begleitung hatte - ohne seinen Schatten entkam. Sie denkt, daß er vielleicht zurückkommt, aber Vater bindet Nana trotzdem im Garten an.
Als die Darlings weg sind, kommt der Junge in der Tat zurück, um nach seinem Schatten zu suchen. Es sind natürlich Peter Pan und seine Fee Tinker Bell, die den Schatten in der Schublade findet.


Er fängt an zu weinen, als er ihn nicht wieder festkleben kann, und Wendy wacht auf. Sie stellen sich vor und Wendy näht Peters Schatten an, nachdem sie erfährt, daß er keine Mutter hat, die es tun könnte.


Peter erzählt Wendy, daß er an dem Tag seiner Geburt davongelaufen ist und bei den Feen gelebt hat. Er läßt Tinker Bell aus der Schublade. Als Wendy jedoch zu ihm sagt, daß er ihr einen "Fingerhut" geben kann, was für einen Kuß steht, wird Tinker Bell eifersüchtig und zieht sie an den Haaren.


Nun sagt Peter, daß er ins Nimmerland und zu den "Verlorenen Jungs" - Jungen, die als Babys aus ihren Kinderwagen gefallen sind - zurückkehren muß, weil sie sich vor den Piraten auf der Insel fürchten werden. Wendy ist traurig, also lädt Peter sie ein, mitzukommen und ihre Mutter zu sein.
Er bringt Wendy, John und Michael bei, wie man dank glücklicher Gedanken und Feenstaub fliegt, und obwohl Nana sich losreißt, um ihre Eltern zu warnen, folgen die Kinder Peter und Tinker Bell.


Auf der Insel Nimmerland sehen die Verlorenen Jungs, wie sich Wendy nähert. Die eifersüchtige Tink sagt ihnen, daß Peter möchte, daß sie "den Wendy-Vogel" erschießen, und Tootles schießt sie ab, aber der Pfeil trifft den "Kuß" (eine Eichel), die Peter ihr gegeben hat.
Peter verbannt Tink für eine Woche.


So wird Wendy zur "Mutter" der Jungen mit Peter als "Vater", aber obwohl sie sich in ihn verliebt hat, sind die Gefühle Peters für sie die "eines ergebenen Sohnes". Er läßt sie wissen, daß Tiger Lily, die Prinzessin des Stammes, der auf der Insel lebt (dazu kommen wir später), ebenfalls etwas für ihn sein möchte, aber nicht seine Mutter.
Wendy erzählt den Verlorenen Jungs von der Liebe einer Mutter und daß das Fenster immer für ihre Rückkehr geöffnet bleiben wird, aber Peter meint, daß er versucht habe zurückzugehen und daß das Fenster verschlossen war und ein anderer kleiner Junge in seinem Bett schlief.
Nun hat Wendy Angst, daß ihnen das passieren könnte, und sie möchte heimkehren und alle Verlorenen Jungs mitnehmen, damit ihre Eltern sie adoptieren. Peter weigert sich, mit ihnen zu gehen, weil er nicht erwachsen werden möchte, verspricht aber, Tink mit ihnen zu schicken, um ihnen den Weg zu zeigen.


Inzwischen haben die Piraten den Stamm überfallen, der Peters unterirdisches Haus bewacht.
Käpt'n Hook, dessen Hand Peter abgehauen hat, die dann von einem Krokodil gefressen wurde, läßt die Trommel schlagen, damit sie denken, der Stamm habe gewonnen, und Wendy, ihre Brüder und die Verlorenen Jungs werden gefangengenommen und zum Piratenschiff getragen.
Um Peter loszuwerden, vergiftet er dann dessen Medizin.
Bevor Peter sie jedoch nehmen kann, trinkt Tinker Bell sie und liegt im Sterben. Nur wenn Kinder an Feen glauben, kann sie überleben, also fleht Peter das Publikum an, in die Hände zu klatschen (und ich wette, es wurde laut im Kino!).


Auf dem Piratenschiff will Hook die Jungen über die Planke schicken, vor allem nachdem keiner von ihnen bereit ist, ein Schiffsjunge zu werden. Aber natürlich ist Peter rechtzeitig da, um sie zu retten und stattdessen Hook über die Planke zu schicken ... wo das Krokodil bereits gewartet hat.

Hook war ein toller Bösewicht, überraschenderweise
war es ein anderer Schauspieler als Mr. Darling,
gewöhnlich wurden sie vom selben gespielt.

Das Krokodil spuckt Hooks Haken aus ...

Bevor die anderen zu Hause eintreffen, befiehlt Peter Tink, das Fenster zu schließen, weil er hofft, daß Wendy dann mit ihm auf die Insel zurückkehrt, aber als er die traurigen Darlings sieht, kann er es dann doch nicht tun.
Während Mr. Darling nach Platz sucht, um all ihre neuen Kinder unterzubringen, sagt Mrs. Darling zu Peter, daß er ebenfalls bei ihnen bleiben solle, aber er lehnt ab und bittet Wendy erneut, mit ihm zu kommen. Mrs. Darling erlaubt das nicht, verspricht aber, Wendy jedes Jahr für eine Woche zum Frühjahrsputz zu schicken.
Also kehrt Peter allein ins Nimmerland zurück.


Bevor ich den Film angeschaut habe, kannte ich nur etwas über das Theaterstück aus "Wenn Träume fliegen lernen" und dann hatte ich das Stück (unter der Regie von Sally Cookson) auf National Theatre at Home gesehen (hier ist ein Trailer), was echt faszinierend war, obwohl es sehr lang war, und von dem ich zum ersten Mal von der dunklen Seite von Peter Pan erfuhr.
Dann beschloß ich, auch den Disney-Film anzuschauen, von dem ich nur Ausschnitte kannte, und die Romanumsetzung des ursprünglichen Theaterstücks zu lesen.
Ich weiß, daß es natürlich eine Menge Verfilmungen gibt, alte, moderne, Musicals, Fortsetzungen, Peter als Erwachsenen, sogar Horror, aber irgendwo muß man ein Ende setzen und ich finde, ich habe eine ganz gute Mischung abgedeckt.
Und tatsächlich ist bis jetzt dieser Film mein Favorit.

Sprechen wir erstmal über das offensichtliche Problem.
Der erwähnte Stamm sind amerikanische Ureinwohner, aber "Wir Rothäute - du der große weiße Vater" kommt in unseren Zeiten nicht mehr gut und ebensowenig die Klischees, auch wenn eine Kritik von 1905 es so ausdrückte "Mr. Barrie präsentiert nicht den Piraten oder Indianer des Erwachsenenromans, sondern die von Kinderaugen gesehenen Schöpfungen". Zeitgenössische Produktionen müssen ihre eigenen Wege finden, um damit umzugehen. Ihr könnt einen interessanten Artikel (auf Englisch) im
 Smithsonian Magazine finden.

Ich habe auch die dunkle Seite von "Peter Pan" erwähnt, die im Roman tatsächlich noch mehr zum Ausdruck kommt.
Wußtet ihr, daß Peter "die Jungen aussortiert, wenn sie erwachsen zu werden scheinen, was gegen die Regeln verstößt", wie immer man das interpretieren möchte? Tatsächlich gibt es einige Tode im Roman - obwohl im die Film die Schwerter wie bei Kinderspielen sichtbar zwischen Körper und Arm stechen - und Peter ist auch kein einfacher Held. Dazu, daß er Verantwortung aus dem Weg geht und immer für das nächste Abenteuer bereit ist, kommt auch, daß er oft selbstsüchtig ist und Dinge schnell vergißt. Kein Wunder, daß er eine Mutter brauchte!
Im Roman vergißt er sogar immer wieder, Wendy zum Frühjahrsputz abzuholen, und ist daher eines Tages sehr überrascht, als er sie erwachsen vorfindet, mit einer eigenen Tochter, und irgendwann dann diese Tochter mit einer eigenen Tochter ...

Und so wird es weitergehen, solange Kinder fröhlich
und unschuldig und herzlos sind.

Ich denke aber nicht, daß mir das im Film so sehr aufgefallen wäre, wenn ich nicht vorher den Roman gelesen hätte, auch wenn er sehr nah am Originalstück zu sein scheint.
Übrigens wurde Peter traditionell lange Zeit von jungen Frauen gespielt, der Grund dafür war, daß Kinder so spät nicht auf der Bühne erlaubt waren und erwachsene Männer wegen ihres Aussehens, aber auch ihres Gewichts nicht passend waren. Es wird viel "geflogen"! (Im Stück, das ich sah, war es ein erwachsener Mann und ich muß zugeben, daß mich das nicht völlig zufriedenstellte.)
Die Zwischentitel sind überwiegend Zitate, nur in ein paar Fällen amerikanisiert, zum Beispiel als die Treue zum König zur Treue zu den Stars and Stripes abgeändert wird.

"Peter Pan" ist ein weiterer Film, der als verschollen galt, bis 1971 ein Abzug auftauchte. Wie schade wäre es gewesen, wenn er verschwunden wäre!
Ein Blogautor bemängelte Betty Bronsons Spiel als übertrieben, aber ich fand, daß es in diesem Kontext wirklich gut funktionierte, da ich mir Peter schon als einen kleinen Angeber vorstellte, und sich über Drähte 
in einem Film aus dieser Zeit zu beklagen, schien mir einfach lächerlich.
Eine Menge bekannter Schauspielerinnen sollen damals hinter dieser Rolle hergewesen sein, aber Barrie selbst wählte Bronson.

Ich fand auch, daß die Spezialeffekte für die Zeit toll waren - großer Fan von Tinker Bells Zimmerchen hier -, aber wir dürften auch Nana nicht vergessen. Wer hätte gedacht, daß sich ein Mann in einem Hundekostüm so bewegen könnte? Aber George Ali war ja auch darauf spezialisiert, Tiere auf der Bühne und der Leinwand zu spielen. Möglicherweise war er auch das Krokodil.


Und weil ich bereits mehr Bilder als gewöhnlich geteilt habe, ist hier auch noch die Königin der Meerjungfrauen.


Könnt ihr erkennen, wie sehr mir der Film gefallen hat? Das Video, das ich gesehen hatte, hat überdies auch noch eine Begleitmusik, die wunderbar dazu paßte.
Eine wirklich magische Erfahrung mit einer sehr interessanten Hintergrundgeschichte, absolut eine Empfehlung von mir.

Zu guter Letzt möchte ich noch ein Bild der Peter-Pan-Statue in Kensington Gardens zeigen.
Das erste Mal, daß ich sie sah, waren wir mit einer Fünfjährigen dort und es war toll mit anzusehen, wie sehr sie sie liebte (ich übrigens auch). Dieses Bild ist aus dem Jahr, in dem ich mit einem unwesentlich größeren Ex dort war 
😉
Barrie gab die Statue in Auftrag und ließ sie heimlich nachts aufstellen. Könnt ihr euch die Überraschung der Leute vorstellen, die sie am nächsten Tag fanden?



Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Lea Stans: Thoughts On: "Peter Pan" (1924). Auf: Silent-ology, 6. Dezember 2018
2. Rick Aragon: Peter Pan (1924): A Review. On: Rick's Cafe Texan, 8. Februar 2012
3. Evelyn Harper: 
The Making of a Legend: How Peter Pan (1924) Enchanted the Silent Screen. On: Dark Skies, 27. Oktober 2025


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

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