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Samstag, 27. Juni 2026

Einfach nur so Samstag - Postkarten

Erinnert ihr euch an diesen Post über eine Postkarte, die in das Haus zurückkehrte, aus dem sie kam? Nach fast 50 Jahren?


Nun denkt ihr vielleicht, daß das jetzt nur ein weiteres Beispiel von Nostalgie ist, und zum Teil ist es das wahrscheinlich, für mich bedeutet es aber tatsächlich, mehr über unsere Heimatstadt und ihre Geschichte zu erfahren.
Manchmal dauert es eine Weile, online etwas zu finden, manchmal gibt es nichts zu finden.

Und die Rückseiten der Karten - wie im obengenannten Fall - können ebenfalls sehr interessant sein, aber das ist vielleicht eine Geschichte für ein andermal.

Kürzlich wurde mir klar, daß ich absolut nichts über die Geschichte der Postkarte an sich wußte. Ein neues Kaninchenloch? Wohl eher ein ganzer Kaninchenbau. Es gibt da draußen soviele Seiten dazu, und obwohl sie in manchem übereinstimmen, tun sie das bei anderen Dingen nicht - hört sich das nicht vertraut an ... Wer war der erste, der die "echte" Postkarte erfand? Welches Land war das erste? Was ist eine "echte" Postkarte überhaupt? Es gibt Postkarten und Bildpostkarten. Um ehrlich zu sein, war mein Gehirn davon überfordert, das alles zu sortieren und vor allem in einen Post zu packen, der kürzer als eine Abhandlung ist, und ich habe kläglich versagt.
Sagen wir also einfach, daß es scheinbar so richtig im 19. Jahrhundert angefangen hat (ich bleibe damit auf der sicheren Seite) und daß sich die meisten Quellen einig sind, daß diese österreichischen "Korrespondenzkarten" die ersten "echten" Postkarten sind, obwohl es schon vorher Karten gegeben hat.
Hier ist eine Seite von einer Postkartenausstellung mit der Geschichte.

Korrespondenzkarte von 1869
Gemeinfrei über Wikipedia

Als Heinrich von Stephan, der die deutsche Post neu organisierte, 1865 etwas Ähnliches vorschlug, das "offene Postblatt", das dank aufgedruckter Briefmarke einen Umschlag überflüssig machen sollte, wenn man nur eine kurze Nachricht schicken wollte, wurde die Idee nicht gut aufgenommen.
Was wenn zum Beispiel die Bediensteten die Post ihrer Herrschaft lasen? Wie stand es um die Wahrung der öffentlichen Moral? Menschenopfer, Hunde und Katzen in Frieden miteinander, Massenhysterie! Sorry, das ist ein Zitat aus "Ghostbusters".
Jedenfalls setzten sich Postkarten auch in anderen Ländern durch, nachdem die österreichische Karte so ein Riesenerfolg war, selbst in Deutschland. Ich konnte keine Information über die Dienerschaft-Herrschaft-Krise in diesem Zusammenhang finden 
😉
Gegen Ende des Jahrhunderts gab es immer mehr Bildpostkarten. Bilder konnten Lithographien sein, manchmal koloriert, oder Fotos. Sie zeigten einzelne Gebäude, Straßen, Parks, aber auch Menschen.
Monarchien nutzten Postkarten zum Beispiel für Propaganda, indem sie ihre Familien als Vorbilder für ihre Untertanen darstellten und um ein positives Bild von sich zu formen - was bei manchen funktionierte, anderen aber nicht. Dabei fallen einem beispielsweise die Romanovs, Queen Victoria, Kaiser Wilhelm II. ein.

Frühe Karten sahen noch anders aus. Im Gegensatz zu den Karten, die ihr vermutlich kennt, war eine Seite nur für die Adresse gedacht, die Nachricht wurde über, unter oder um das Bild herum geschrieben, wie in diesem Panorama von Göppingen aus dem 1903, das aus drei Postkarten besteht.
Bei nur einer Karte konnte der Absender nicht sehr viel Text unterbringen
.


Vielleicht veränderten sich Postkarten deshalb später. Die Bilder nahmen eine ganze Seite ein und die Rückseite war aufgeteilt in einen Teil für die Anschrift und einen für die Nachricht.
Ist die Handschrift nicht schön? So gerne ich aber Sütterlinschriften anschaue, ist es für uns heute nicht immer einfach, sie zu entziffern.


Es überrascht mich oft, was Absender auf Postkarten teilen. Manchmal ist es nur ein Gruß von einem kurzen Ausflug, einem Besuch, einem längeren Urlaub, anläßlich eines Feiertaags, ein Dankeschön, aber wir haben mehr als eine gesehen, die aus einem Krankenhaus geschrieben wurde, und die Neuigkeiten waren nicht immer sehr gut.

Neujahrsgrüße. Ihr denkt vielleicht, daß das Wort und die Blumen handgemalt
sind, aber sie sind aufgedruckt, wahrscheinlich nach einem handgemalten Entwurf.

Ich habe an Autos im allgemeinen kein großes Interesse, aber schaut euch diese Schönheiten an!
Mir gefällt ein schöner alter Käfer einfach. Dieses Lokal liegt außerhalb der Stadt an einem Stausee. Nur sieht man dort keine Käfer mehr.
Auf der anderen Karte seht ihr unser Renaissanceschloß. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr nicht nur die alten Autos, sondern auch - leider verschwommen - eine Pferdekutsche im Hintergrund.


Die folgenden Bilder sind keine Postkarten, sondern Belegexemplare, die als Vorlagen dienten. Tatsächlich sind sie nur halb so groß wie eine Karte.
Sie wurden von einem lokalen Fotografen aufgenommen. Viele meiner Karten wurden von lokalen Fotografen, Buch- oder Schreibwarenläden hergestellt.


Das ist der alte Bahnhofsplatz mit dem Postamt auf der rechten Seite.


Noch mehr alte Autos, für mich war es jedoch interessant, von der sogenannten Kraftpost zu erfahren. Diese Nachfolger der Postkutschen waren Postbusse, die in Deutschland (auch andere Länder hatten so etwas) für eine Kombination aus Postversand und Passagiertransport genutzt wurden. Am Postamt sieht man ein Schild. Hier ist es unleserlich, aber ich kenne auch ein Bild mit einem späteren Schild, das man gut lesen konnte.

Machen wir hier Schluß, sonst höre ich vielleicht gar nicht mehr auf.
Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt, aber vielleicht habt ihr jetzt eine kleine Vorstellung davon, wie Postkarten die Geschichte im Laufe der Jahre illustriert haben, egal ob ihr nur an der eurer Stadt oder Gegend oder an Weltgeschichte interessiert seid.
Wann habt ihr das letzte Mal eine Karte geschickt?

Samstag, 31. Mai 2025

Einfach nur so Samstag - Die Welt ist klein ...

Wir haben alle unsere Geschichten, da bin ich mir sicher.
Man trifft jemand im Ausland und sie kommen aus deiner Heimatstadt.
Man trifft jemand und erfährt, daß man irgendwie miteinander verwandt ist.
Man trifft jemand und findet heraus, daß man dieselben Freunde hat.
Solche Geschichten.

Erst kürzlich haben meine Schwester und ich unserem Repertoire eine neue hinzugefügt.

Natürlich hat sich unsere Stadt ziemlich verändert, seit wir Kinder waren, und sie verändert sich weiter. Alte Häuse werden abgerissen, es wird gebaut, Läden schließen, neue werden eröffnet oder aus einem Ladengebäude wird ein Wohnhaus usw.
Manchmal bin ich unterwegs und versuche mich zu erinnern, wie ein Laden hieß, der mal hier war, oder wie das Gebäude aussah, das dort war, wo sich jetzt auf einmal ein großes Loch auftut.
Selbst als Kind liebte ich alte Fotos, und in diesen Momenten denke ich dann, wie schade es ist, daß wir nicht mehr Fotos von der Stadt haben.
Es hat aber immer Leute gegeben, die Bilder gemacht haben, und es gab Postkarten, und manche von denen tauchen in den sozialen Medien auf, auf Webseiten, die Postkarten für Sammler verkaufen und auf eBay.

Immer wieder mal schauen wir sie durch und in sehr seltenen Fällen kaufen wir sogar eine - wie die, von der ich euch jetzt erzählen möchte.

Meine Schwester rief mich an und meinte, ich solle mir doch mal die Postkarte von unserer Stadthalle und dem Park anschauen.
Als Kinder waren wir oft in dem Park, weil wir fast daneben wohnten, zum Spielen, Lesen, nach Kaulquappen schauen.
Es war interessant zu sehen, wie klein die Bäume auf der rechten Seite da noch waren, wie anders die Wege aussahen, die Blumen um die Springbrünnchen fehlten noch, das Gebäude hatte noch die Uhr und das alte Logo ...


Der Verkäufer hatte auch ein Bild von der Rückseite eingestellt. Obwohl die Karte von 1976 ist, habe ich private Informationen versteckt.


"Liebe Frau ...!
Vielen Dank für Ihre lieben Weihnachts- und Neujahrswünsche, die ich herzlich erwidere. Ich wohne jetzt gleich neben der
Stadthalle. xx Es ist wirklich schön! Wie geht es Ihnen? Sind Sie alle wohlauf? Liebe Grüße! ..."

Ich las meiner Schwester die Unterschrift vor und fragte mich gerade noch, warum mir der Name so vertraut vorkam, als sie "Was??" sagte.
Der Name war so vertraut gewesen, weil sie eine Frau als Nachbarin gehabt hatte ... die neben der Stadthalle wohnte ... im selben Haus wie sie ...
Da fiel es mir auf. Die Karte war ja in rot geschrieben, aber neben dem Wort Stadthalle waren diese zwei schwarzen Kreuzchen, und auf der vertikalen Linie mit dem Namen des Kartendruckers war ein schwarzes Kreuzchen, und was uns beiden zuvor nicht aufgefallen war, war ... kein Scherz ... die Adresse meiner Schwester!
Ihre Nachbarin hatte diese Karte verschickt!

Das heißt, die Postkarte ging Januar 1976 nach Österreich und fast 50 Jahre später kam sie mit Umweg über einen Berliner Postkartenverkäufer nach Göppingen zurück, zurück in dasselbe Haus, in dem sie wahrscheinlich geschrieben worden war ... in der Wohnung, in der jetzt ein weiteres Mitglied meiner Familie wohnt!
Ich muß gestehen, ich habe ein bißchen Gänsehaut bekommen und ja, natürlich haben wir sie gekauft.
Im Ernst jetzt, wie stehen die Chancen, daß sowas passiert?

Habt ihr eine Geschichte über die "kleine Welt"?
Falls ja, würde ich sie echt gern hören!

P.S. Seht ihr die Zahl, die ich eingekringelt habe? Unsere Postleitzahl, könnte man meinen ... falsch, unsere Postleitzahl war damals 732!