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Dienstag, 13. Oktober 2026

Diederichs Märchen der Weltliteratur oder Mit Märchen rund um die Welt

Ich habe schon früher von unserer alten Bücherei erzählt, der, die nach dem Krieg die amerikanische Bücherei war, bevor sie mit der Stadtbücherei zusammengelegt wurde, nicht mal so lang, bevor ich anfing, sie zu benutzen.
Ich hatte auch erwähnt, daß das Gebäude jetzt ein Wohnhaus ist. Ich wünschte, ich hätte Bilder vom Innern, die in meinem Kopf noch so lebendig sind, die Tür, von der ich scheinbar noch spüren kann, wie ich sie aufdrücke (und sie hören), ach, sogar die Toilette, die ich nie benutzt habe, weil ich nie tapfer genug war, nach dem Schlüssel zu fragen (sie war nicht in der Bücherei, sondern im Flur gleich neben dem Eingang), was bedeutete, daß mancher Besuch abgekürzt werden mußte.
In einem Post schrieb ich "
Das Gefühl, dort hineinzugehen und nicht nur nach neuen Büchern zu suchen, sondern auch immer wieder zu den Wohlfühlbüchern meiner Kindheit zurückzukehren, wie ein Magnet zu bestimmten Regalen hingezogen, ist mir immer noch im Gedächtnis."

Und vor drei Jahren kommentierte ich auf einem
 Blog "Als ich ein Kind und Teenageer war, hatte unsere Stadtbücherei ein ganzes Regal voll von diesen Büchern, und ich liebte, wie all die schönen Buchrücken beieinander aussahen. Da ich natürlich weder den Platz noch das Geld hatte, um sie selber zu besitzen, wollte ich wenigstens jedes einzelne lesen und auch meinem kleinen Bruder vorlesen, aber ich glaube nicht, daß ich es jemals ganz geschafft habe. So viele Bücher zu lesen, so wenig Zeit."
Heute möchte ich über dieses Regal sprechen, auf dem die Reihe namens
 "Märchen der Weltliteratur" aus dem Diederichs-Verlag stand (die die Bibliothek übrigens heute noch hat).


Die Reihe
 wurde von 1912 bis 1940 in Jena und wieder ab 1952 in anderen Städten wie Düsseldorf verlegt.
Sie besteht aus 182 Bänden, aber wenn man einige der bearbeiteten Ausgaben nicht einrechnet, sondern nur die unterschiedlichen Länder oder Themen, gibt es 165 davon.
Ich frage mich, ob es jemanden gibt, der sie alle hat. Sie würden allerdings eine Menge Platz brauchen.


Ich liebe die reichen schwarz-goldenen Buchrücken mit den in Gold auf Farbe geprägten Titeln und fand immer schade, daß man die hübschen Umschlagmuster, die so lang typisch für diese Reihe waren, nicht sehen konnte, ohne die Bücher herauszuziehen (neuere Ausgaben waren Taschenbücher und die Umschläge wurden modernisiert).
Andererseits war es immer eine Überraschung, willkürlich eins herauszuziehen, um zu sehen, wie es aussah. Ich bin manchmal so leicht zufriedenzustellen
.


Diese 15 Bände waren ein Konvolut auf eBay und ich bekam sie für weniger als 1 € pro Buch, Porto eingeschlossen. Ich sentimentale Närrin konnte einfach nicht widerstehen.
Aber schaut sie euch doch mal an, sie sind so hübsch! Sie sehen aus, als wären sie frisch aus dem Buchladen gekommen, sie haben noch ihre originalen Plastikschutzumschläge und sogar die Enden der Lesezeichenbänder stecken noch in den Büchern. Als ich vorsichtig einige davon öffnete, machten sie ein "erstes Mal-Geräusch".
Wißt ihr, was ich meine? Dieses leicht knarzende Geräusch, wenn der Buchrück das erste Mal bewegt und der Farbschnitt - grau in diesem Fall - "geöffnet" wird?



Die meisten davon sind aus den 70ern, aber das älteste ist von 1958.
Wo waren sie all diese Zeit über? Sind sie wirklich unberührt und wenn ja, warum? Wurden sie rein zur Dekoration benutzt? Oder waren es ungeliebte Geschenke, die der Empfänger nicht wegzugeben wagte?
Es ist eine interessante Mischung - Japan, China, Vietnam, Korea, Tibet, Indien zum Beispiel, aber auch die Kabylei (die ich, wie ich gestehen muß, nachschlagen mußte, es ist eine Region in Nordalgerien), Dänemark und ein Band ist komplett auf Plattdeutsch!

In einem der Bücher, das ich mir anschaute, fand ich diesen Flyer, der Preise für die "Löwenbücher" (so benannt nach dem Verlagslogo) im Jahr 1974 aufführte, ein ganzes Stück mehr als ich dafür bezahlt habe, das kann ich euch sagen.


Werde ich sie alle lesen? Nun ja, von vorne bis hinten ... ich weiß nicht. Diese Bände enthalten mehrere Hundert Märchen. Aber wer weiß, vielleicht könnte ich ja jeden Abend vor dem Schlafengehen eins lesen, und vielleicht erzähle ich euch hin und wieder davon?

Altes Relief mit dem Diederichs-
Logo, Bild von Andreas
Praefcke, CC BY 3.0
über Wikimedia Commons

Samstag, 27. Juni 2026

Einfach nur so Samstag - Postkarten

Erinnert ihr euch an diesen Post über eine Postkarte, die in das Haus zurückkehrte, aus dem sie kam? Nach fast 50 Jahren?


Nun denkt ihr vielleicht, daß das jetzt nur ein weiteres Beispiel von Nostalgie ist, und zum Teil ist es das wahrscheinlich, für mich bedeutet es aber tatsächlich, mehr über unsere Heimatstadt und ihre Geschichte zu erfahren.
Manchmal dauert es eine Weile, online etwas zu finden, manchmal gibt es nichts zu finden.

Und die Rückseiten der Karten - wie im obengenannten Fall - können ebenfalls sehr interessant sein, aber das ist vielleicht eine Geschichte für ein andermal.

Kürzlich wurde mir klar, daß ich absolut nichts über die Geschichte der Postkarte an sich wußte. Ein neues Kaninchenloch? Wohl eher ein ganzer Kaninchenbau. Es gibt da draußen soviele Seiten dazu, und obwohl sie in manchem übereinstimmen, tun sie das bei anderen Dingen nicht - hört sich das nicht vertraut an ... Wer war der erste, der die "echte" Postkarte erfand? Welches Land war das erste? Was ist eine "echte" Postkarte überhaupt? Es gibt Postkarten und Bildpostkarten. Um ehrlich zu sein, war mein Gehirn davon überfordert, das alles zu sortieren und vor allem in einen Post zu packen, der kürzer als eine Abhandlung ist, und ich habe kläglich versagt.
Sagen wir also einfach, daß es scheinbar so richtig im 19. Jahrhundert angefangen hat (ich bleibe damit auf der sicheren Seite) und daß sich die meisten Quellen einig sind, daß diese österreichischen "Korrespondenzkarten" die ersten "echten" Postkarten sind, obwohl es schon vorher Karten gegeben hat.
Hier ist eine Seite von einer Postkartenausstellung mit der Geschichte.

Korrespondenzkarte von 1869
Gemeinfrei über Wikipedia

Als Heinrich von Stephan, der die deutsche Post neu organisierte, 1865 etwas Ähnliches vorschlug, das "offene Postblatt", das dank aufgedruckter Briefmarke einen Umschlag überflüssig machen sollte, wenn man nur eine kurze Nachricht schicken wollte, wurde die Idee nicht gut aufgenommen.
Was wenn zum Beispiel die Bediensteten die Post ihrer Herrschaft lasen? Wie stand es um die Wahrung der öffentlichen Moral? Menschenopfer, Hunde und Katzen in Frieden miteinander, Massenhysterie! Sorry, das ist ein Zitat aus "Ghostbusters".
Jedenfalls setzten sich Postkarten auch in anderen Ländern durch, nachdem die österreichische Karte so ein Riesenerfolg war, selbst in Deutschland. Ich konnte keine Information über die Dienerschaft-Herrschaft-Krise in diesem Zusammenhang finden 
😉
Gegen Ende des Jahrhunderts gab es immer mehr Bildpostkarten. Bilder konnten Lithographien sein, manchmal koloriert, oder Fotos. Sie zeigten einzelne Gebäude, Straßen, Parks, aber auch Menschen.
Monarchien nutzten Postkarten zum Beispiel für Propaganda, indem sie ihre Familien als Vorbilder für ihre Untertanen darstellten und um ein positives Bild von sich zu formen - was bei manchen funktionierte, anderen aber nicht. Dabei fallen einem beispielsweise die Romanovs, Queen Victoria, Kaiser Wilhelm II. ein.

Frühe Karten sahen noch anders aus. Im Gegensatz zu den Karten, die ihr vermutlich kennt, war eine Seite nur für die Adresse gedacht, die Nachricht wurde über, unter oder um das Bild herum geschrieben, wie in diesem Panorama von Göppingen aus dem 1903, das aus drei Postkarten besteht.
Bei nur einer Karte konnte der Absender nicht sehr viel Text unterbringen
.


Vielleicht veränderten sich Postkarten deshalb später. Die Bilder nahmen eine ganze Seite ein und die Rückseite war aufgeteilt in einen Teil für die Anschrift und einen für die Nachricht.
Ist die Handschrift nicht schön? So gerne ich aber Sütterlinschriften anschaue, ist es für uns heute nicht immer einfach, sie zu entziffern.


Es überrascht mich oft, was Absender auf Postkarten teilen. Manchmal ist es nur ein Gruß von einem kurzen Ausflug, einem Besuch, einem längeren Urlaub, anläßlich eines Feiertaags, ein Dankeschön, aber wir haben mehr als eine gesehen, die aus einem Krankenhaus geschrieben wurde, und die Neuigkeiten waren nicht immer sehr gut.

Neujahrsgrüße. Ihr denkt vielleicht, daß das Wort und die Blumen handgemalt
sind, aber sie sind aufgedruckt, wahrscheinlich nach einem handgemalten Entwurf.

Ich habe an Autos im allgemeinen kein großes Interesse, aber schaut euch diese Schönheiten an!
Mir gefällt ein schöner alter Käfer einfach. Dieses Lokal liegt außerhalb der Stadt an einem Stausee. Nur sieht man dort keine Käfer mehr.
Auf der anderen Karte seht ihr unser Renaissanceschloß. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr nicht nur die alten Autos, sondern auch - leider verschwommen - eine Pferdekutsche im Hintergrund.


Die folgenden Bilder sind keine Postkarten, sondern Belegexemplare, die als Vorlagen dienten. Tatsächlich sind sie nur halb so groß wie eine Karte.
Sie wurden von einem lokalen Fotografen aufgenommen. Viele meiner Karten wurden von lokalen Fotografen, Buch- oder Schreibwarenläden hergestellt.


Das ist der alte Bahnhofsplatz mit dem Postamt auf der rechten Seite.


Noch mehr alte Autos, für mich war es jedoch interessant, von der sogenannten Kraftpost zu erfahren. Diese Nachfolger der Postkutschen waren Postbusse, die in Deutschland (auch andere Länder hatten so etwas) für eine Kombination aus Postversand und Passagiertransport genutzt wurden. Am Postamt sieht man ein Schild. Hier ist es unleserlich, aber ich kenne auch ein Bild mit einem späteren Schild, das man gut lesen konnte.

Machen wir hier Schluß, sonst höre ich vielleicht gar nicht mehr auf.
Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt, aber vielleicht habt ihr jetzt eine kleine Vorstellung davon, wie Postkarten die Geschichte im Laufe der Jahre illustriert haben, egal ob ihr nur an der eurer Stadt oder Gegend oder an Weltgeschichte interessiert seid.
Wann habt ihr das letzte Mal eine Karte geschickt?

Dienstag, 22. Juli 2025

Nostalgie - Meine Stacey

Es ist nicht das erste Mal, daß ich einen Teil dieser Geschichte erzählt habe, die an Weihnachten begann, aber in einem Post zu etwas anderem und mit einem schrecklichen Bild.
Diese Geschichte führte viele Jahre später zu meiner Sammlung, also denke ich, sie ist es wert, richtig erzählt zu werden.

Heiligabend 1970, ein aufgeregtes kleines Mädchen wartet darauf, daß sich die Wohnzimmertür öffnet.
Mich erwartete ein nagelneuer Puppenwagen und handgenähte Kleider für mein Dickerchen (keine Ahnung, woher der Name kam).

Die kleine Cat war jedoch ein undankbares Kind, muß ich leider sagen. Ihre älteren Schwestern bekamen Mattel-Puppen, und da die kleine Cat schon immer Miniaturen liebte (was sich bis heute nicht geändert hat), war sie fasziniert. Die kleinen Schuhe, die winzigen Knöpfe und Reißverschlüsse ... Cat begann zu nerven, wie das nur eine Fünfjährige kann. Sie ärgerte ihre Schwestern damit, daß sie ihre Puppen anschauen wollte.
Und als sie lange genug genörgelt und wahrscheinlich alle in den Wahnsinn getrieben hatte, bekam sie endlich versprochen, daß sie ihre eigene Mattel-Puppe bekommen würde, sobald die Läden wieder offen hatte - am 27.
Das kann für meine Familie kein Spaß gewesen sein. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, aber ich bin mir sicher, daß ich nur daran denken konnte, wann endlich der 27. war, und wahrscheinlich wollte ich gleich als erstes morgens losziehen.

Als ich imstande war, Jahre später so richtig darüber nachzudenken, fühlte ich mich deswegen irgendwie schlecht.
Ja, nur irgendwie, denn ich bin immer noch richtig glücklich, daß ich meine Puppe bekam, aber 1. schwammen wir nicht gerade im Geld und 2. muß meine Mutter so enttäuscht über meine Reaktion gewesen sein, nachdem sie diese Puppenkleider selber genäht hatte. Wie hätte sie nicht denken können, daß ich ein verzogenes kleines Gör war? Ich hatte das an ihrer Stelle.

Dennoch nahm sie mich am 27. mit zum Laden und ich bekam meine erste Mattel-Puppe.
Ich habe eine sehr vage Vorstellung von dem Stockwerk des Spielzeugladen, in den wir gingen - den "Fässler" - (Name nach den Erinnerungen meiner Schwester geändert 
😉), aber ich könnte euch nicht sagen, ob ich die Puppe und die zwei Outfits selber aussuchte oder ob meine Mutter das tat. Ich könnte nicht mal sagen, ob meine Schwestern dabei waren und ihren Expertenrat zu dieser Angelegenheit abgaben (es wird irgendwann einen Post geben, in dem es darum geht, wie man zu dieser Zeit zum Experten wurde).
Auf jeden Fall war meine Puppe - ich sollte sagen ist, denn sie ist natürlich noch Teil meiner Sammlung - eine Stacey mit platinblonden Haaren.
Meine Schwester hatte auch eine Stacey, aber mit rotem Haar, und ich hoffe, sie vergibt mir, wenn ich euch erzähle, daß sie stichelte, meine Stacey sei alt, weil sie graue Haare hätte. Geschwister, was?
Ich liebte meine Stacey und ich spielte mit ihr. Dieses arme Mädchen mußte so einiges durchmachen. Eine Fünfjährige hat nicht die Geschicklichkeit, ihre Modepuppe ohne bleibenden Schaden an- und auszuziehen. Ich schätze, das war, warum ich einen Puppenwagen bekommen hatte.

Im Laufe der Jahre wurde Staceys Kopf gelb und ihr Gesicht schwitzt. Das ist nicht meine Schuld, es ist etwas, das einer Menge Vinylpuppen aus der Zeit passiert ist. Ich könnte versuchen, sie restaurieren zu lassen (oder es selber zu probieren), zum Beispiel indem man die Haut bemalt, aber ich denke mir, sie ist eben einfach zusammen mit ihr alt geworden.
Sie war die erste in meiner Sammlung - von der ich nicht wußte, daß ich sie haben würde -, sie wurde als Spielzeug und nicht als Sammlerstück gekauft, und überraschenderweise überlebte sie. Es fühlt sich falsch an, darüber nachzudenken, sie zu verändert, fast als hätte ich eine Schönheits-OP (und auch ich "bemale" meine Haut nicht).

Oh die Geschichten, die diese arme kleine Lady erzählen könnte ...

Ihre kränkliche Gesichtsfarbe ist nicht ihr einziges Problem. Sogar gewaschen wurde ihr Haar nie mehr wie neu.
Da sie jemand *unschuldiges Pfeifen* oft zur Bücherei gehen ließ (die ich in einem Sessel aufgebaut hatte, komplett mit handgemachten Signaturenschildern) und dabei ihre Füße immer zu hart auf dem Boden aufsetzte, verlor sie irgendwann einen halben Fuß.
Vor vielen Jahren nähte meine Schwester (die andere, die eine (aschblonde) Summer Sand TNT Barbie an diesem Weihnachten bekam) ein Abendkleid für sie, aber wegen ihres Fußes kann sie keine Pumps dazu tragen. Stattdessen trägt sie ein Paar vintage weiße lange Schnürstiefel.

Ihr fehlt außerdem ein Finger, er brach ab, weil ich zu oft Armbänder über ihre Hand streifte.
Erinnert ihr euch noch, daß früher die zwei Teile von Kugelschreiben nicht unbedingt direkt zusammengeschraubt wurden? Oft war da noch ein kleiner Metallring dazwischen, in silber oder gold. Es gab ganz dünne und die breiten. Die dünnen konnte man leicht über die Hand bekommen, weil man sie einfach verbiegen konnte und dann bog man sie einfach am Handgelenk wieder hin. Mit den breiteren war das nicht so einfach und wenn man Staceys kleinen Finger oft genaug dabei verbog, dann brach er eben irgendwann einfach ab.

Ein weiteres sehr typisches Problem bei Puppen, mit denen gespielt wurde, waren die Risse im Kopf. Stellt euch ein kleines Mädchen vor, das andauernd den Kopf herunterreißt, um Kleidung oder handgemachte Halsketten anzulegen (jetzt weiß ich, wie man kleine Halsketten mit Haken macht), und ihn dann wieder auf den Hals quetscht, es ist ein Wunder, daß die Risse nicht noch schlimmer sind. Man kann sie zwar kleben, aber ihr kennt ja meine zerbrechliche Verbindung mit Klebstoff.

Stacey war eine sogenannte TNT-Puppe - Twist'n'Turn -, was bedeutete, daß sie nicht nur den Kopf hin und her drehen konnte, sondern auch ihre Taille. Sie hatte außerdem knickbare Beine.
Stacey wurde 1968 als Barbies britische Freundin eingeführt, Teil der "britischen Invasion". Sie brachte den Geist von Mary Quant und Londons Carnaby Street mit sich - eine echte "Mod" Puppe.
Es gab sie in zwei Versionen, die beide nur bis 1971 hergestellt wurden, was wirklich schade ist.
Da war einmal die Talking Stacey, die mit britischem Akzent sprach, einen seitlichen Pferdeschwanz und ein Pony hatte, in platinblond oder rot (auch "Copper Penny" genannt).
Die TNT-Puppen hatten ebenfalls blonde or rote Haare. Die 1968 TNT hatte einen Seitenscheitel und kleine Löckchen an Stirn und Seiten, ihr Pferdeschwanz war am Hinterkopf.

Eine wunderschöne platinblonde TNT Stacey von 1968 - kein gelbes Gesicht! -
mit offenem Haar, sie trägt das "Suburban Shopper"-Kleid (#969, 1959 - 1964)
ohne Accessoires und mit blauen Pumps anstatt der weißen offenen Schuhe.

Die TNT von 1969 bis 1971 hatte kurzes Haar mit Seitenscheitel und Außenrollen, wenn mit ihnen aber gespielt wurde und man sie kämmte und abhängig von der Fülle an Haar (das war nicht immer gleich), konnte das eine sehr üppige Frisur ergeben.

"Copper penny" Stacey - ebenfalls mit gelbem, aber nicht schwitzendem
Gesicht -, die "Sleeping Pretty" (#1636, 1965) ohne Accessoires trägt, einer der
offenen Schuhe hat leider seinen Pompom verloren, was nicht ungewöhnlich ist.

Sie lächeln alle und zeigen dabei Zähne, haben eingezogene Wimpern und Rouge auf den Wangen.
Sie sind nicht nur wegen ihrer Schönheit bei Sammlern beliebt, sondern auch, weil sie nicht sehr lang auf dem Markt waren.

Es gab zwei Sears Exclusive Geschenksets für Stacey, "Stripes Are Happening" (#1545, 1968) und "Stacey Nite Lightning (#1591, 1969). Dies sind die einzigen Outfits, in denen ein Stacey-Label eingenäht ist. Sears Exclusives sind wunderschön, für kleine deutsche Mädchen waren sie leider keine Option.
Stacey erschien auch auf mehreren Koffern, entweder allein oder zusammen mit Barbie, einmal auch mit Barbie und Francie.


Quellen (englischsprachig):

1. Sibyl DeWein and Joan Ashabraner: The Collector's Encyclopedia of Barbie Dolls and Collectibles. Paducah, KY, Collector Books, 1994
2. Sarah Sink Eames: Barbie Doll Fashion, Bd. I, 1959 - 1967. Paducah, KY, Collector Books, 1994
3. Vintage Stacey Dolls 1968 - 1971. Auf: Fashion Doll Guide



Stacey/Barbie/Francie ist ein eingetragenes Warenzeichen. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.

P.S. Falls ihr euch Gedanken um meine Babypuppe macht, so ist das nicht nötig. Sie wurde in ihrem neuen Wagen auf Spaziergänge mitgenommen und auch ihre neuen Kleider trug sie. Als sie schließlich kaputtging (sie verlor immer ihre Gliedmaßen, weil das Plastik ausleierte), erbte mein Teddy, der ungefähr die gleiche Größe hat, den für ihn geeigneten Teil der Kleidung.
Ok, das ist natürlich kein Grund, sich wie ein verwöhntes Gör zu benehmen, aber ich habe mich im Laufe der Jahre oft genug dafür entschuldigt 
😂

Dienstag, 20. Mai 2025

Nostalgie - Princess / Prinzess Victoria Nadeln

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche"-Posts machte, hatte ich ein paar, "Ich bin eine Sammlerin" genannt, in denen ich Vintagestücke gezeigt habe.
Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen zum größten Teil nicht mehr gewachsen, aus unterschiedlichen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch Vintagestücke, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere.
Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

Da dies eine noch wachsende Sammlung ist, habe ich inzwischen beschlossen, ihr eine eigene Seite auf dem Blog zu geben, damit ich leichter Updates machen kann.
Ihr findet sie hier.

Tatsächlich habe ich über die kleine Sammlung von heute schon vor ein paar Jahren als Teil einer Hommage an Nadeln gesprochen. Damals wußte ich nur noch nicht, daß das eine eigene Sammlung werden würde.
Seit ich mit Perlenarbeiten angefangen habe, habe ich schon so einige Nadeln benutzt und kaputtgemacht. Perlenstickerei, vor allem auf den Perlen-Turnschuhen (keine Ahnung, warum Blogger in diesem Post zum Teil auf extra Zeilenabstand bestand) und den HeatherCat-Schuhen (das ist der letzte von vier Posts, er enthält alle Links, falls ihr interessiert seid), war besonders schwer für sie (und auch meine Hände).

Im Hommage-Post erzählte ich davon, wie ich auf der Suche nach Perlennadeln vintage Papiernadelheftchen entdeckte und wie ich mich in manche der Aufkleber verliebte.

Am faszinierendsten waren für mich die Princess Victoria Nadeln, weil es Variationen gab, und ich dachte mir, daß sie inzwischen einen eigenen Post verdienen, auch weil es vermutlich den einen oder anderen Zuwachs dazu geben wird.
Das bedeutet, daß ich dann anstatt dem anderen, der sonst wohl etwas zu lang würde, diesen Post hier aktualisieren werde.
Tatsächlich ist dieser hier auch schon ziemlich lang.

Nett ist aber, daß die Heftchen nicht viel Platz wegnehmen, und natürlich kann ich die Nadeln auch jederzeit benutzen, wenn ich sie brauche, da die meisten Heftchen voll sind, also ist das nicht nur Dekoration (das rede ich mir jedenfalls selber ein). Die Päckchen sind über meine Steiffsammlung verstreut, recht passend, finde ich, immerhin besteht sie ja überwiegend aus genähten Tieren.

Was also sind Princess Victoria Nadeln? Ich wünschte ehrlich, ich wüßte, wie sie zu dem Namen gekommen sind.
Als ich das erste winzige Heftchen mit langen Nadeln ("Sharps") in Größe 12 bekam - nicht mal 2,5 cm - fing ich an zu suchen, aber ohne Erfolg.
Was ich weiß ist, daß es alle möglichen Größen gibt, daß die Päckchen einen roten oder goldenen Rand und ebenso das "Banner" um Victoria herum in rot oder gold haben können, und daß es unterschiedliche Bilder von Victoria gibt. Manche sehen mehr vintage aus, manche ziemlich modern, manche haben einen verschwommenen oder unsauberen Druck, manche einen sehr klaren modern aussehenden.

Manche Aufkleber sind komplett auf Englisch, manche komplett auf Deutsch (dort steht Prinzess statt Princess und es werden die deutschen Ausdrücke für die Nadeln benutzt, zum Beispiel Frauennadeln), manche sind eine Mischung aus Englisch und Deutsch, dort steht dann beispielsweise "Prinzess" und "feinste", aber der Begriff "sharps".
Auf eBay UK fand ich sogar ein Heftchen mit einem italienischen Aufkleber (und wünschte jetzt, ich hätte das gekauft)!
Dann gibt es die ohne Herkunftsland, aber auch einige, die es angeben, "Germany", "Made in Germany"
, "M.i W. Germany, Imp. Allemagne OCC" (zwischen 1949 und 1989), aber auch "Made in Czechoslovakia" (das heißt zwischen 1918 und 1992) oder "Made in the Czech Republic" (nach 1992).
Zu guter Letzt haben die meisten, die ich gesehen habe, keinen Firmenaufdruck, es gibt jedoch Ausnahmen. Bis jetzt habe ich "Prym", "Rhein Nadel" und einen Namen gesehen, bei dem ich mir nicht sicher bin, "St. Witte", "Stowitte"? Was hat das zu bedeuten?
Ging die Nadelproduktion von einem Unternehmen zum nächsten?

Und wer ist eigentlich diese Prinzessin Victoria?
Bezieht sich der Name auf eine tatsächliche Prinzessin Victoria, wie die Tochter von Queen Victoria (die irgendwann deutsche Kaiserin wurde) oder die Tochter von Edward VII.? Oder bezieht er sich auf die Queen selber? Ich denke, das ist möglich, da es auch Queen Victoria Nadeln mit einer ähnlichen Victoria auf einem etwas anderen Hintergrund gibt (davon habe ich keine). Macht es nicht irgendwie Sinn, daß es dieselbe ist?
Wie ihr weiter unten sehen werdet, gibt es die Nadeln schon lang, aber schließlich wurde Victoria 1838 gekrönt.
Ich bezweifle, daß sie wirklich wichtig genug war, um jemanden denken zu lassen, der
Name würde Käufer ansprechen, bevor sie Königin wurde.

Zu irgendeinem Zeitpunkt muß doch jemand gesagt haben "nennen wir sie doch auf immer und ewig so", aber warum? Ihr müßt nämlich wissen, daß man tatsächlich immer noch eine Mischung von Größen von Prym bekommen, nur in einem Plastikröhrchen und auch nicht mehr mit Silber- oder Goldöhr um "die Umwelt zu schützen".
Möglicherweise hat der (haben die?) Hersteller sie hauptsächlich für den englischen Markt vorgesehen und daher den Namen benutzt, um die Käufer dort anzusprechen? Warum würden sie sich dann überhaupt die Mühe machen, einen Unterschied zwischen den "Princess" und "Queen" Nadeln zu machen?

Dann habe ich
diesen älteren Blogpost von Papergreat (auf Englisch) wiedergefunden, den ich schon 2022 kommentiert und dann sofort wieder vergessen hatte.
Chris hatte das folgende in The Economist vom 18. November 1899, Seite 1629 - 1630 vom Korrespondenten in Frankreich gefunden:
"Eine Abordnung von Krawattenherstellern wurde diese Woche vom Handelsminister empfangen, um sich über die Benutzung falscher Markenzeichen bei der Einfuhr der von ihnen verkauften Artikel aus Deutschland, Österreich, Belgien und Italien zu äußern. Diese Waren, erklärte die Abordnung, sind mit der Aufschrift "Made in London" oder anderen Worten versehen, die implizieren, daß sie englischer Herkunft sind, was für Käufer eine Empfehlung zu sein scheint, und daher wurde der Minister gebeten, Artikel 2 des Abkommens von Madrid anzuwenden, nach dem sie beschlagnahmt werden können. ... Die Preise, zu denen diese Waren verkauft werden, sind wahrscheinlich niedriger als die Preise, zu denen sie aus England importiert werden können, und französische Hersteller sind durch die höheren Kosten und die hohen Zölle vor Importen aus England geschützt. Es ist jedoch gängige Praxis, deutsche Waren, die als englische gekennzeichnet sind
, zu importieren, und kürzlich wurde die Britische Handelskammer auf den Verkauf von Nadelheftchen in Frankreich aufmerksam gemacht, die ein Porträt der Queen mit den Worten "Prinzess Victoria Needles" und dem Namen eines fiktiven Herstellers in Redditch (Anmerkung: da frage ich mich doch, ob auf den Heftchen Redditch stand) trugen. Die Schreibweise des Wortes "Princess" verriet die Herkunft des Artikels, würde dem Käufer aber entgehen."

Heißt das also, daß einige deutsche Unternehmen diesen Namen für die Nadeln in dem Versuch verwendeten zu verbergen, woher sie kamen - aber warum dann die Mischung der Sprachen und warum die unterschiedlichen Victorias? Könnten sie mir vielleicht etwas über das Alter der Nadeln sagen, so wie unterschiedliche Steiff-Knöpfe etwas über die Zeitspanne aussagen, in dem ein Tier hergestellt wurde?
Es wird nur noch faszinierender. Ich fürchte, ich bin mit diesem Kaninchenloch noch nicht fertig. Ich bin Bibliothekarin und entschlossen, was heißt, daß ich wahrscheinlich mal in ein paar unserer Datenbanken reinschauen muß, um zu sehen, wie weit ich damit komme.
Ok, ich bin wohl nicht nur entschlossen, sondern inzwiscchen auch besessen hiervon.

Klickt auf die Fotos, um die Details besser sehen zu können.

Das ist das eine, mit dem alles anfing. So ein winziges Heftchen, gerade mal in etwa 2,5 cm!


Update Victoria Nadeln April 2025:
Ich habe noch ein paar mehr Heftchen bekommen. Eins davon ist so winzig wie das ganz oben. Diesmal haben wir tatsächlich einen Namen, aber ich bin mir nicht sicher, wie der ist.
Auf Google kann ich ein Ergebnis für "St. Witte & Co." finden, das gar nicht weiterhilft, aber da ist doch etwas zwischen dem T und dem W. Könnte das ein schlecht gedrucktes O sein (ich habe den Namen Stowitte gefunden, aber auch das ohne weitere Informationen) oder ist das eine Art Abkürzung?
Der einzig andere Name, den ich finden konnte, war "Schmidt, Witte & Co.", eine Schiffahrtsgesellschaft, aber auch das half nicht groß weiter. Oder könnte es sich um ein fiktives Unternehmen handeln?
Auf jeden Fall haben wir diesmal deutsche Bezeichnungen für diese "Langen" in Größe 10, und auch die Prinzess wird wie im Deutschen mit z geschrieben.



Diese drei Heftchen habe ich zu einem sehr guten Preis bekommen. Alle sind unbenutzt und voller großer, dicker Nadeln der Größe 2. Wie ihr sehen könnt, sind wir wieder zurück bei englischen Begriffen.


Um euch den Größenunterschied zu zeigen, habe ich ein Bild all meiner Neuerwerbungen zusammen gemacht.


Dann bekam ich diese hier - ein paar "Lange" und ein paar "Halblange" ("betweens" auf Englisch"), zwei davon mit deutschem Aufdruck und eine von "Rhein Nadel", einem weiteren ehemaligen Nadelhersteller in Aachen (der sein Arbeitsgebiet schließlich von Nadeln auf Automation umstellte, also muß dieses Heftchen vor 2003 produziert worden sein).


Da steht "Made in Germany" auf Englisch, die Prinzess hat aber wieder mal ein z. Noch lustiger ist, daß der Aufdruck sehr klar und moderner aussieht, daß "Prinzess Victoria" aber spiegelverkehrt gedruckt wurde!
Dieses Päckchen ist identisch mit einem, das ich mit Prym markiert gesehen habe. Hat ein Unternehmen die Heftchen gemacht und dann für verschiedene Firmen bedruckt oder hat Prym einfach von Rhein Nadel übernommen?
Ist das eine Verschwörung, um mich in den Wahnsinn zu treiben?
😂


Dann ging ich auf eine kleine Einkaufstour im Netz, aber das ist es dann für eine Weile, ich schwöre!
Wenn ich etwas Neues bekomme, wird es eine Variation sein müssen (oh-oh, ich habe vielleicht ... im Mai ...).
Das ist ein Ergebnis dieses Einkaufs. Es ist alter Neubestand von einer Verkäuferin, die ihre ungebrauchten Artikel in Lagerhäusern findet.
Nun habe ich alle Größen der "Langen" und endlich auch ein paar Päckchen mit dem roten statt dem goldenen "Banner". Die Ränder sind auf allen golden - bis auf eins, das gelb ist!

Ich denke, das mit der Aufschrift "gold ey'd" müßte das älteste sein, es ist auch das einzige mit dem "Princess"-Druck und ohne Herkunftsland.
Alle anderen sind mit "Prinzess" und "Made in Czechoslovakia" bedruckt, bis auf eins, auf dem "Made in Czech Republic" steht, aber da es unterschiedliche Fonts gibt, glaube ich nicht, daß sie alle gleich alt sind. Meiner Einschätzung nach sind die mit den roten Bannern jünger, auch weil eins davon aus der Tschechischen Republik ist, was, wie wir ja wissen, nach 1992 gewesen sein muß.


Hier ist ein Vergleich zwischen den zwei Heftchen mit den "Langen" in Größe 0.
Der Druck auf dem alten Päckchen ist soviel hübscher und detaillierter, die Kronen sind völlig unterschiedlich, Victoria hat viel mehr Details bis hin zum Anhänger, den sie trägt! Sogar die Blumen sind schöner.


So sehen die Goldöhre übrigens aus. Ein paar der Nadeln sind korrodiert, aber ich wette, sie sind um die 100 Jahre alt, wenn nicht älter, also ist das zu erwarten.


Update Mai 2025 (alle Updates nach dem 20. Mai sind auf der neuen Blogseite).

Dieses Päckchen gehört ebenfalls zu den Winzlingen.
Es ist das erste, auf dem die Bezeichnung auf Deutsch und Englisch steht, "Frauen Nadeln" und "Sharps", und wieder einmal sieht Victoria anders aus.
Der Farbdruck ist allerdings ganz schön unsauber.


Das hier ist bis jetzt mein Favorit. Ich schätze, es war eine Musterkarte, vielleicht wurde sie zur Vorlage in Kurzwarengeschäften benutzt.
Darin sind die Größen 1 bis 10 sicher in Fadenschlaufen eingesteckt und es gibt noch ein extra Nadelheftchen mit der Aufschrift 1/9, wobei die /9 in Handschrift ergänzt wurde, tatsächlich sind aber 12 verschiedene Nadeln darin.
Die Zahlen unter den Nadelproben mit der Artikelnummer 126 und "Et. 925" ((noch) keine Ahnung, was das heißen könnte) sind ebenfalls von Hand geschrieben, sehr sorgfältig.
Das Päckchen hat die Aufschrift "Gold Ey'd Sharps" und "Made in Germany".
Außerdem - nochmal eine andere "Prinzess Victoria"!



Das hier ist eine andere Art von Nadelbuch, in dem meine letzte Neuerwerbung eingeklebt ist. Ich habe mehrere Beispiele für dieses Nadelbuch aus dem frühen 20. Jahrhundert in vergangenen Auktionen gefunden, und eins davon bildete genau das gleiche Nadelpäckchen ab, allerdings in anderem Zustand, es war also nicht meins.


Victoria sieht hier so wie auf der Musterkarte aus, aber diesmal haben wir "elliptic gold eyed sharps" in den Größen 3 bis 9.


Braucht jemand eine Nadel? Ich hätte da zufällig so eine oder zwei ...

Hier ist die Princess/Prinzess-Galerie der verschiedenen Gesichter, die ich bis jetzt habe.

Mittwoch, 4. Dezember 2024

Nostalgie - Chinook

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche"-Posts machte, hatte ich ein paar, "Ich bin eine Sammlerin" genannt, in denen ich Vintagestücke zeigte.
Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen zum größten Teil nicht mehr gewachsen, aus unterschiedlichen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch Vintagestücke, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere.
Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

Wie ihr wißt, bin ich ein Katzenmensch. Ich liebe Hunde, sage aber gern, daß ich eine bessere Hundetante als -mutter wäre. Andererseits bin ich eine fantastische Katzenmutter (ignoriert Gundel und den Dekan, die sich dort hinten ihre pelzigen kleinen Hintern ablachen).
Dennoch habe ich eine Menge mehr Hunde als Katzen von Steiff. Genauso wie echte Hunderassen sich mehr voneinander unterscheiden als Katzenrassen, hat Steiff viel mehr verschiedene Hunde als Katzen gemacht, möglicherweise genau aus diesem Grund.

Einer davon ist Chinook.
Habt ihr jemals von Chinook gehört, der einer ganzen Hunderasse seinen Namen gab, die seit 2009 offizieller Staatshund von New Hampshire ist?
Chinooks Geschichte aber begann schon vor über 100 Jahren, mit Arthur Treadwell Walden von Wonalancet Farm and Inn. Walden hatte während des Goldrausches im Klondike gearbeitet, wo er Vorräte und Post auslieferte und so Erfahrung mit Schlittenhunden sammelte. Dort lernte er einen indigenen Führer und seinen Hund namens Chinook kennen.

Walden und Chinook (Public Domain über
Wikimedia Commons)


Nach seiner Erfahrung im Klondike beschloß Walden, selber Schlittenhunde zu züchten, stark und schnell.
1917 wurden drei Welpen geboren, von einem Grönland-Husky - einer Nachfahrin von Admiral Pearys Leithund auf seiner Nordpol-Expedition, Polaris - und einer Mischung aus Mastiff und Art von Bernhardiner. Waldens Frau nannte sie Rikki, Tikki und Tavi, nach dem Dschungelbuch, aber Rikki wurde dann zu Ehren des ursprünglichen Chinook umbenannt.



Er war eine Laune der Natur, das bedeutet, er ähnelte keinem Elternteil - und das gab er an seine eigenen Nachkommen weiter. Außerdem war er nicht nur ein hervorragender Schlittenhund, sondern auch ein sehr freundlicher.

Mountan Laurel Ajax
(von Muu-karhu auf Wikipedia, freie Nutzung)


1927 wählte Admiral Richard Byrd Walden als Führer der Hundeteams (von denen die Hälfte aus Chinooks Nachkommen bestand) während der ersten Antarktis-Expedition aus (1928 - 1930).
Walden akzeptierte erst, nachdem ihm garantiert wurde, daß keine Hunde erschossen würden, um Vorräte zu sparen.
Im Januar 1929 verschwand Chinook aus dem Camp und kehrte niemals zurück (falls ihr bereit dafür seid, eine Runde mit dem Taschentuch zu arbeiten, schaut euch den Zeitungsartikel von 1930 auf dem Blog an, den ihr unter 1. in meinen Quellen findet).
Sein Erbe lebte jedoch in der seltenen Hunderasse namens Chinook weiter.
Als Walden aus der Antarktis zurückkam, stellte er fest, daß wegen einer Krankheit seiner Frau ein Teil seiner Farm verkauft worden war, und er verkaufte auch seine Hunde an eine andere Züchterin, hatte aber immer noch Einfluß auf die Rasse.
Wenn ihr an mehr zur Geschichte interessiert seid, schaut euch bitte die Quellen am Ende meines Posts an.

Nun zu meinem eigenen Chinook.
Als wir den Steiff-Chinook das erste Mal im Cieslik-Buch sahen, war es Liebe auf den ersten Blick. Im Laufe der Jahre hatten wir das große Glück, zwei davon zu finden, also bekamen wir beide einen, als wir uns trennten. Sonst hätte ich vielleicht um ihn kämpfen müssen ;-)

Steiffs Chinook gab es in drei Versionen, liegend, stehend und sitzend (letzeres mit oder ohne Halsmechanik, die den Kopf bewegte, wenn man den Schwanz drehte). Die Version mit Halsmechanik ist die seltenste mit 257 Exemplaren, aber "Chinook - Byrd's Antarctic Expedition Dog" (das steht auf dem Brustschild) ist allgemein fast so selten wie die echte Rasse.
Laut Cieslik-Buch wurden zwischen 1930 und 1931 nur 2493 gemacht. Allerdings untertitelten sie ein Bild von einem Mann, der für mich wie Walden mit Chinook aussieht, mit dem Namen Byrd, und laut Steiffgals Blog war die Produktionszeit von 1930 bis 1932. Beide sind sich jedoch einig, daß er selten ist.


Hier ist mein eigener Chinook, der gewöhnlich in meiner Hundevitrine liegt, von anderen wundervollen Steiff-Hunden umgeben.


Dann ist sein Wollplüsch eben nicht mehr so leuchtend in der Farbe, sein Geschirr ist weg und sein Halsband sehr abgenutzt, aber ist er nicht trotzdem fantastisch?
Ich liebe sein Gesicht so sehr.



Man kann sich nur wünschen, mit mehr als 90 Jahren so gut auszusehen. Stellt euch vor, was das in Hundejahren wäre!



Quellen:

1. Heather Wilkinson Rojo: "Chinook's Great Adventure at the South Pole" in "Nutfield Genealogy", gepostet am 21. Mai 2020 (englisch, es gibt mehrere Posts über Chinooks auf diesem Blog)

2. Arthur Treadwell Walden im englischen Wikipedia

3. Chinook Owners Assocation: History (englisch, mit einer Menge historischer Bilder)

4. Chinook Club of America Inc: Chinook History (englisch, ebenfalls mit historischen Bildern)

5. Jürgen and Marianne Cieslik: Knopf im Ohr. Jülich, Cieslik, 1989

6. My Steiff Life (Steiffgals Blog)


Und hier ist ein kleines Extra (ich würde empfehlen, die Musik abzustellen, aber das ist nur meine persönliche Meinung).

Donnerstag, 22. September 2022

Hüte, Hüte, Hüte

Dieser Post ist von zwei Dingen inspiriert.
Das eine ist ein Blogpost über die Hüte meiner Freundin Michelle von My Bijou Life. An der Linkparty konnte ich nicht teilnehmen, weil ich keine Selfies mache, aber ich dachte mir, ich könnte doch trotzdem über meine sehr kleine Hutsammlung bloggen.
Das andere ist, daß diese Anstifterin mich mit ihrem Post dazu brachte, einen neuen Hut zu kaufen ;-)
Ich habe ihn für ein neues Projekt besorgt, weiß aber noch nicht, wann ich anfange, daran zu arbeiten - tatsächlich habe ich im Moment ein Problem damit, zu entscheiden, was ich als nächstes machen will, weil einiges auf der Liste steht.

Zurück zu meiner Sammlung.
Obwohl ich nur Hüte trage, wenn es regnet, liebe ich vor allem Vintage-Hüte. Ich liebe Netze, ich liebe Pailletten, ich liebe Samt und Filz.
Leider kooperieren meine langen Haare nicht so recht mit den meisten Hüten, die ich habe, weil sie sich hinten am Kragen verfangen, damit die Hüte hoch- und mir in die Augen schiebt, was sich dann wiederum nicht mit meiner Brille verträgt. Wahrscheinlich müßte ich versuchen, mir im Nacken einen Dutt zu machen, aber das Beste, was ich hinbekomme, ist ein krummer Zopf.
Das größere Problem ist jedoch, daß ich eine T-Shirt-, Jeans- und Turnschuhfrau bin, zum Teil weil es das einfachste Outfit für mich ist, in dem ich mich auch am meisten wohlfühle, zum Teil, weil süße Schuhe für mich nicht in Frage kommen, weil ich einfach nicht mehr darin laufen kann. T-Shirt und Jeans passen nicht sehr gut zu eleganten Vintage-Hüten, was eine absolute Schande ist.

Die meisten meiner Hüte habe ich bei Besuchen in Trödel- und Antiquitätenläden in den USA gekauft. Meine Schwester war bei dieser Reise dabei und sie liebt Vintage-Hüte genauso wie ich. Wir hatten soviel Spaß, denn auf den Flohmärkten oder in den Läden in Deutschland, die wir besuchten, gab es nicht gerade viele Hüte, also war das recht neu für uns.

Jetzt aber zu den Hüten!
Wie ihr sehen könnt, bevorzuge ich hauptsächlich dunkle Farben.






Was ich aber am meisten liebe, sind Melonen (die von Briten Bowler, in den USA Derby genannt werden). Wer weiß, vielleicht hat es damit zu tun, daß ich schon als Mädchen ein Fan von Emma Peel and John Steed war?
Mit einer Melone fing auch alles an, auf einem riesigen Flohmarkt in der Bay Area, zu dem uns unsere Freundin brachte. Es war Liebe auf den ersten Blick.



Dann kaufte ich in einem Antiquitätenladen in Santa Rosa diese Damenmelone. Ich erinnere mich nicht an den Namen des Ladens, aber ich weiß noch, daß auf dem kleinen Fernseher dort "Ein Goldfisch an der Leine" lief. Ist es nicht komisch, welche Dinge einem im Gedächtnis bleiben?


Kommen wir mit den zwei Mützen zum Ende, die ich tatsächlich trage.
Da ist einmal meine geliebte Harris Tweed Baker Boy Kappe. Sie ist eines meiner bunteren Stücke, und inzwischen wünsche ich mir, ich hätte mehr als eine genommen, als sie noch verschiedene Größen hatten anstatt einer einzigen Größe mit Elastikband.
Ihre beste Eigenschaft ist, daß sie einfach perfekt paßt, wenn ich alle Haare darunterstecke.


Die zweite erinnert ein wenig an eine Cloche-Form. Ich habe sie selber aus ein paar Knäueln "Wash+Filz-it" gehäkelt, die ich als Sonderangebot in einem Ständer vor einem Laden fand. Filzen in der Waschmaschine war eine völlig neue Erfahrung für mich, daher schätzte ich mich glücklich, die Größe genau hinzubekommen - ihr habt es wahrscheinlich schon erraten, mit all meinen Haaren daruntergesteckt.
Tatsächlich ist sie so perfekt, daß ich mich sogar stur weigerte, sie meiner Mutter zu schenken, als sie sie bewunderte. Ich bin gewöhnlich großzügig mit so etwas, aber nicht nur hatte ich keine Wolle mehr, sondern ich war auch ganz sicher, daß keine Chance bestand, solch ein Wunder noch einmal hinzubekommen!


Und noch ein PS. Ich habe den Hut vergessen, den die Katze an der Treppe trägt!