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Montag, 3. August 2026

A Good Book & a Cup of Tea - August 2026 Linkparty

Willkommen zu A Good Book & A Cup of Tea (eine monatliche buchbezogene Link Party)!
Dieser Link Up ist für Posts zu Büchern und Lesen oder alles, was damit zu tun hat (sogar Filme, die auf Büchern basieren!)
.


Jede Linkparty wird einen Monat lang offen sein.
Meine Mithosts für diesen Event sind Lisa von Boondock Ramblings und Erin von Still Life, With Cracker Crumbs.
Ihr könnt bei jeder von uns verlinken.


Hier sind meine Lieblingsposts aus der Juli-Party (englisch/holländisch).


Joanne erzählt uns von den Büchern, die sie im Juni gelesen hat.

Olivia hat mit einer persönlichen Klassiker-Challenge angefangen, hier ist die Liste von Büchern, die sie zu lesen plant.

Lisa spricht über "Miss Buncle's Book" von D. E. Stevenson.

Nicole hat beschlossen, eine Pause von Freida McFadden zu machen.


Das sind die Richtlinien:

1. Blogger können unbegrenzt Posts, die mit Büchern und Lesen zu tun haben, verlinken. Es können ältere oder neuere Posts sein. Dieses können Posts darüber sein, was ihr lest, Buchbesprechungen, Bücher, die neu in eurem Regal gelandet sind, Lesegewohnheiten, was ihr gelesen habt, Ausflüge in den Buchladen und so weiter. Ihr wißt schon.
2. Verlinkt zu einem spezifischen Blogpost (den Link zum Post selber, nicht der Website). Verlinkt gern auch ältere Posts, von denen ihr meint, daß sie auch noch etwas Liebe und Aufmerksamkeit vertragen könnten.
3. Bitte schaut bei mindestens zwei anderen Bloggern auf dieser Liste vorbei und gebt Kommentare bei ihren Posts ab. Habt Spaß! Interagiert! Holt euch ein paar Bücherempfehlungen.
4. Leser*innen können auf den blauen Button unten klicken, um Blogposts zu besuchen.
5. Mit eurer Verlinkung gebt ihr mir die Erlaubnis, eure(n) Post(s) zu teilen und darauf zurück zu verlinken.



You are invited to the Inlinkz link party!

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Donnerstag, 30. Juli 2026

Stummfilme - The Reckless Age

Habt ihr jemals von "Floyd's of London" gehört? Ich bin mir ziemlich sicher daß nicht, denn es ist eine Anspielung auf "Lloyd's of London", den berühmten Versicherungsmarkt.
Ja, heute sind wir in der Welt der Versicherungen und ihr könnt euch vorstellen, daß es eine ungewöhnliche sein wird, mit der wir es in "The Reckless Age" von 1924 zu tun haben.


Zunächst die Handlung (Spoiler!).

Lord Allan Harrowby aus London trifft sich mit den beiden Topmanagern von Floyd's of London.
Er hat eine ungewöhnliche Bitte. Er wird bald die Erbin Cecilia Meyrick heiraten und möchte eine Versicherung über 100000 $ abschließen für den Fall, daß sie ihre Meinung ändert.
Die Manager stimmen zu, aber zuerst muß er eine Vereinbarung unterschreiben, daß es keine Kompensation geben wird, falls die Hochzeit aufgrund Aktionen seinerseits ausfällt. Außerdem werden sie ihren Risikomanager Richard Minot mit nach Florida schicken, um sicherzustellen, daß die Hochzeit stattfindet.


Sie setzen all ihr Vertrauen auf Dick, der sie bis jetzt noch nie enttäuscht hat, und geben ihm ein Zeichen ihrer Wertschätzung, eine Uhr.
Die Uhr ist auf der Rückseite graviert - und nein, ich habe absolut keine Ahnung, ob sie zu geizig waren, die echte Uhr für den Film gravieren zu lassen oder ob dieses Bild im einzig existierenden Abzug fehlte und durch dieses Meisterstück ersetzt wurde (das zweimal vorkommt).


Im Zug begegnet Dick zufällig Cecilia. Unglückseligerweise ist es für ihn Liebe auf den ersten Blick, was diese ganze Mission für ihn nun sehr unangenehm macht.
Obwohl Cecilia sich auch zu Dick hingezogen fühlt, will sie unbedingt rechtzeitig zu dem Lunch in San Marco kommen, bei dem ihre Verlobung verkündet werden wird.



Als der Zug durch eine Schweinefamilie aufgehalten wird, beschließt Dick, ein "Taxy" zu nehmen, um Cecilia rechtzeitig zu dem Lunch zu bringen. Die Zug-Auto-Jagd führt zu einem echt coolen Stunt, der mich hochfahren ließ.

Von diesem Moment an hat es Dick schwer, diese Hochzeit zustandezubringen.
Cecilia ist sich ganz und gar nicht mehr sicher, sie und Dick flirten ständig.
Der naive Lord Harrowby freundet sich mit dem Schwindler Martin Wall an.
Eine wertvolle Diamantenkette wird direkt von Cecilias Hals weg gestohlen.
 
Cecilia wird hinübergeschubst, um bei
Lord Harrowby in Ohnmacht zu fallen.

Ein Mann taucht auf und behauptet, der echte Lord Harrowby zu sein. Dick läßt ihn auf Walls Yacht bringen, um ihn aus dem Weg zu haben.
Die Schauspielerin Gabrielle Rose, mit der der Lord früher mal eine Affäre hatte, trifft ein. Sie droht, ihn wegen des Brechens seines Eheversprechens zu verklagen. Zum Glück findet Dick einen Beweis dafür, daß sie zu der Zeit schon verheiratet war und immer noch nicht geschieden ist.

Seid ihr schon verwirrt? Denn ihr müßt wissen, wir sind noch nicht mal halb durch mit dem Film.

In der Zwischenzeit hat Allan Wall in der Police eingetragen, weil er ihm das Geld leiht, daß er glaubt zu brauchen, um Gabrielle Rose loszuwerden. Natürlich erkennt Wall seine Chance, eine Menge Geld zu machen, wenn er den anderen Lord ins Spiel zurückholt.
Cecilias Vater verlangt eine Identifizierung, wenn die Hochzeit stattfinden soll.
Allans Reaktion darauf ist es wegzulaufen. Es sieht nicht gut für ihn aus.
Gut jedoch für Dick und Cecilia. Nur will sie das nicht sehen, weil sie immer noch nicht weiß, warum Dick alles getan hat, um diese Hochzeit durchzudrücken, obwohl er sagt, daß er sie liebt. Es ist recht verständlich, daß sie wütend ist.


Und wißt ihr was, der Lord ist zurück! Er ist in Gesellschaft des Duke und der Duchess von Lismore, die Freunde von ihm und auch den Meyricks sind.
Der andere Lord wird vorgestellt und Lismore erkennt ihn als den früheren Butler. Noch ein Hindernis ist aus dem Weg geschafft.


Martin Wall arbeitet jedoch noch immer an seinem Plan. Er bietet dem Herausgeber der örtlichen Zeitung 1000 $ an, damit er die Versicherungsstory in die nächste Ausgabe bringt.
Der Herausgeber denkt, daß er noch mehr rausholen kann, druckt die Geschichte und geht mit dem Angebot zu Cecilias Vater, die Ausgabe zu zerstören, wenn er die Zeitung für 20000 $ kauft.
Natürlich ist Wall nicht glücklich, als er das herausfindet, sie fangen an zu kämpfen, Dick kommt dazu und macht mit (Denny war früher Boxer und fing auch in Boxfilmen an), dann noch die Angestellten, und am Ende liegt das gesamte Büro in Trümmern. Als Allan und Cecilia auftauchen, erfährt Cecilia von der Versicherung und Dicks Rolle dabei. Natürlich ist die Hochzeit jetzt endgültig abgesagt und auch Dick hat nicht besonders gute Karten.


Wall versucht, Anspruch auf das Geld zu erheben, aber da es Allans Schuld war, daß er ihm davon erzählt hat, ist die Police hinfällig. Dazu ersccheint dann noch ein Polizist, weil in Walls Zimmer die Halskette und weitere Juwelen gefunden wurden, ja, er hat sogar die Yacht gestohlen!

Dick und Cecilia treffen sich wieder, als der Zug, in dem sie sitzen, ein Problem hat und sie beim selben "Taxy" landen. Der Fahrer merkt, daß etwas zwischen ihnen nicht stimmt und fährt absichtlich so wild, daß sie aneinander stoßen - bis sie nicht mehr widerstehen können.


Ich weiß, daß es sich wie ein sehr verwirrender Film anhört, aber das ist er echt nicht.
Dick kümmert sich um ein Problem nach dem anderen und Floyds Vertrauen in ihn ist absolut gerechtfertigt, weil er das gut macht.
Denny war in den 20ern ein beliebter Schauspieler (und arbeitete noch bis zu seinem Tod im Film, daneben war er außerdem Ingenieur und Erfinder), was nicht überraschend ist, denn er war gut in Romantik, Komödie, aber auch Action.
Dank ihm und Ruth Dwyer ist dieses eine süße kleine Romantikkomödie.
Wie ihr vielleicht wißt, haben Dollarprinzessin absolut existiert - reiche Erbinnen, die in Adelsfamilien in Geldnöten einheirateten. In diesem Fall ist der Lord sogar in Cecilia verliebt - das waren bei diesen Ehen nicht immer der Fall - obwohl ich mir bei ihren Gefühlen nicht ganz sicher bin, denn sie verliebt sich schrecklich schnell in Dick.
Nicht mal die Versicherung ist
so ungewöhnlich. Es gibt in der Tat eine Versicherungsgesellschaft, die eine Police zur "Meinungsänderung" anbietet, nur nicht so kurz vor dem Hochzeitstermin.
Der einzige peinliche Moment war, daß der Taxifahrer ein Fall von Blackface war.

Als ich sah, daß dies eine Verfilmung des Buchs "Love Insurance" von Earl Derr Biggers war, hatte ich gerade ein anderes Buch fertig und dachte mir, warum nicht?
Obwohl ich nur vor Jahren ein oder zwei der Bücher gelesen und ein oder zwei der Filme gesehen hatte, war mir Biggers als der Schöpfer von Charlie Chan vertraut. Mir war nicht bewußt gewesen, daß er auch Journalist und Stückeschreiber war und außerdem andere erfolgreiche Romane vor Charlie Chan geschrieben hatte.

Ihr dachtet, im Film sei viel passiert?
Obwohl die Handlung grundsätzlich die gleich war, gab es im Buch sogar noch mehr Leute und Wendungen! Aus irgendeinem Grund machte der Film aus Lloyd's Floyd's und aus Cynthia Cecilia.
Die Geschichte erschien 1914 als Serie in mehreren Zeitungen und wurde später im Jahr dann als Buch veröffentlicht. Es war recht amüsant zu lesen, so sehr, daß ich auch andere von Biggers' vor-Chan-Büchern auf meine Liste setzte, aber ich denke, es wäre sinnvoller gewesen, das Buch nicht am Stück zu lesen, um das Wirbelwindgefühl etwas im Zaum zu halten. Naja, diese schlaflosen Nächte halt.


Quelle:

Marc Wanamaker/Kimberly Pucci/Janice Simpson: The Reckless Age (L'età frenetica). Auf: Le Giornate del Cinema Muto 36, Pordenone, 30 September | 7 October 2017


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Mittwoch, 1. Juli 2026

A Good Book & a Cup of Tea - Juli 2026 Linkparty

Willkommen zu A Good Book & A Cup of Tea (eine monatliche buchbezogene Link Party)!
Dieser Link Up ist für Posts zu Büchern und Lesen oder alles, was damit zu tun hat (sogar Filme, die auf Büchern basieren!).


Jede Linkparty wird einen Monat lang offen sein.
Meine Mithosts für diesen Event sind Lisa von Boondock Ramblings und Erin von Still Life, With Cracker Crumbs.
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Hier sind meine Lieblingsposts aus der Juni-Party (englischsprachig).

Gail stellt die Bücher vor, die sie im Juni gelesen hat.

Veronica listet die Queer-Bücher auf, die ihr seit dem letzten Pride Month gefallen habe, und beschreibt sie in fünf Worten.

Ich habe Laura Ingalls Wilder selber nie gelesen, aber Lisas Post über Charles Ingalls war sehr interessant.


Das sind die Richtlinien:

1. Blogger können unbegrenzt Posts, die mit Büchern und Lesen zu tun haben, verlinken. Es können ältere oder neuere Posts sein. Dieses können Posts darüber sein, was ihr lest, Buchbesprechungen, Bücher, die neu in eurem Regal gelandet sind, Lesegewohnheiten, was ihr gelesen habt, Ausflüge in den Buchladen und so weiter. Ihr wißt schon.
2. Verlinkt zu einem spezifischen Blogpost (den Link zum Post selber, nicht der Website). Verlinkt gern auch ältere Posts, von denen ihr meint, daß sie auch noch etwas Liebe und Aufmerksamkeit vertragen könnten.
3. Bitte schaut bei mindestens zwei anderen Bloggern auf dieser Liste vorbei und gebt Kommentare bei ihren Posts ab. Habt Spaß! Interagiert! Holt euch ein paar Bücherempfehlungen.
4. Leser*innen können auf den blauen Button unten klicken, um Blogposts zu besuchen.
5. Mit eurer Verlinkung gebt ihr mir die Erlaubnis, eure(n) Post(s) zu teilen und darauf zurück zu verlinken.



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Sonntag, 5. April 2026

Lilien auf dem Felde

Es gibt die Geschichte, daß ich fünf Jahre alt war, als ich meinen ersten ganzen Film angeschaut habe. Meine Mutter hat die Geschichte erzählt, und ihr wißt, wie das so ist, im Geiste habe ich eine tatsächliche Szene drumherum aufgebaut. Ich kann mich auf dem Boden sitzen sehen, vor dem Fernseher in unserer Schrankwand, in meiner typischen Haltung, Knie nach vorne, Füße an den Seiten - ich war damals wesentlich beweglicher - einfach weil ich das später immer so gemacht habe.
Auf jeden Fall hörte ich als Kind gern meine Mutter die Geschichte meines ersten "richtigen" Films erzählen und wie ich am Bildschirm klebte. Der Film war "Lilien auf dem Felde" von 1963, der immer noch einer meiner Favoriten ist, nachdem ich ihn mindestens Dutzende Male angeschaut habe.


Natürlich habe ich ein Bild aus "Lilien
auf dem Felde" ausgewählt, um für
meine Fanwand ein Perlenwebporträt
von Sidney Poitier zu machen.

Fangen wir mit dem Film an (es gibt Spoiler für den Film und für das Buch, auf dem er basiert).


Homer Smith hält an einer kleinen heruntergekommenen Farm an, weil er Wasser für seinen Wagen braucht. Dort sind fünf Frauen, und als eine von ihnen, die sich als Mutter Maria vorstellt, Homer sieht, dankt sie Gott dafür, daß er ihr einen starken Mann geschickt hat.
Homer hat jedoch nicht vor zu bleiben. Da er im Moment nicht viel im Geldbeutel hat, sagt er zu, das Dach zu reparieren - ein Mann für einen Tag. Am Ende des Tages reicht er Mutter Maria die Rechnung und sie nimmt sie einfach und meint, sie sagt ihm dann, wenn das Abendessen fertig ist.
Homer ist überrascht zu sehen, daß die Frauen tatsächlich Nonnen sind. Sie kommen aus Deutschland, Österreich und Ungarn und versuchen Englisch zu lernen, also gibt er ihnen nach dem äußerst mageren Mahl eine Unterrichtsstunde.

Am nächsten Morgen ist Homer bereit weiterzufahren, aber Mutter Maria bringt ihn zu einer Baustelle, wo er für sie eine Kapelle bauen soll. Wieder ignoriert sie die Rechnung.
Nachdem er den Platz aufgeräumt hat, versucht es Homer abends noch einmal, indem er aus der Bibel zitiert, aber die Mutter zitiert aus der Bergpredigt - daher der Filmtitel - und informiert ihn, daß er sie am nächsten Tag zur Messe fahren wird.
Da er selber Baptist ist, nimmt Homer nicht an der Messe teil. Er geht zum Frühstücken in ein Diner, wo ihm Juan, der Besitzer, erzählt, daß die Nonnen von einem ostdeutschen Orden kommen, der die Farm geerbt hat, und daß sie über die Berliner Mauer geflüchtet sind.

Meine Lieblingsszene - Homer bestellt "ein echtes
Frühstück", nachdem er die "katholischen" Mahlzeiten
ertragen mußte. Seine Leidenschaft für Weizenpfannkuchen
mit Ahornsirup, Kaffee und frischen Orangensaft
macht mich jedesmal hungrig, wenn ich das anschaue.

Ungewollt wird Homer immer mehr in die Sache hineingezogen. Als er beschließt, endgültig wegzugehen, läßt ihn die Mutter sie und eine der Schwestern in die Stadt mitnehmen, um Mr. Ashton, den Besitzer einer Baufirma, um Spenden zu bitten. Sie sagen ihm, daß Homer ihr Bauunternehmer ist, und da er Ashton nicht die Genugtuung geben will, seine Zweifel darüber zu bestätigen, sagt Homer, daß er das in der Tat ist.
Er beginnt an der Kapelle zu arbeiten, aber auch zwei Tage die Woche für Mr. Ashton, und das Geld benutzt er, um Lebensmittel für die Nonnen zu kaufen. Mutter Maria hat aber kein Glück damit, mehr Geld und Ziegel zu besorgen, und eines Abends kochen die Emotionen so hoch, daß Homer geht.



Irgendwann kommt er dann aber doch zurück, wenn auch etwas angeschlagen.
Das beeindruckt die Menschen in der hispanischen Gemeinde so sehr, daß sie endlich beschließen zu helfen, mit Material und ihrer Arbeitskraft. Zunächst weigert sich Homer, sie helfen zu lassen, und er gibt den Nonnen gegenüber zu, daß er schon immer etwas allein erbauen wollte, aber dann erkennt er, wieviel es bedeutet, daß alle bei diesem besonderen Projekt helfen möchten, wie er Mr. Ashton erzählt, der dann doch noch Ziegel spendiert.

Als die Kapelle fertig ist, signiert Homer seine Arbeit. Er weiß, daß es Zeit für ihn ist, jetzt zu gehen, obwohl Mutter Maria schon neue Pläne für eine Schule und mehr hat.


Egal wie ich oft ich den Film anschaue, ich
wundere mich jedes Mal, warum das h kleingeschrieben ist.

Am Abend vor der Einweihung der Kapelle singen Homer und die Nonnen noch einmal miteinander.
Dann steht er auf, immer noch singend, packt seine Sachen zusammen und fährt in die Nacht hinein.


Was könnte es an dem Film gewesen sein, daß er eine Fünfjährige so beeindruckte, daß er einer ihrer absoluten Lieblingsfilme wurde? Ich habe noch nie zuvor versucht, meine Gefühle dazu unter die Lupe zu nehmen, ich weiß einfach nur, daß ich mich bei dem Film gut fühle.

Ein Punkt ist einfach zu finden - ich liebe "Amen", das baptistische Spiritual, das Homer mit den Nonnen singt, und ich fürchte, ich habe das damals daheim zu einem Ohrwurm gemacht, natürlich nur den "Amen"-Teil. Ich singe heute noch mit.
Tatsächlich mag ich die gesamte Filmmusik.



Poitier sang übrigens nicht selber. "Amen" wurde von Jester Hairston geschrieben und gesungen (wenn ihr mehr über ihn wissen möcht, schaut in die Quellen).

Aber offensichtlich wurde ich zu Poitier selber hingezogen und zu dem Humor, den er zum Film beisteuert. Ich liebe sein Lächeln und Lachen, ich liebe, daß der Humor warm und freundlich ist, vor allem in den Szenen mit ihm und der strengen Mutter Maria.
Die Rolle wurde zuerst Harry Belafonte angeboten, aber Belafonte fand, daß sie erniedrigend war und das Thema der sozialen Gerechtigkeit fehlte und daß Homer ein zu einfacher Charakter war, daher lehnte er sie ab. Er diskutierte das sogar mit Poitier, der seine Gründe, das nicht zu tun, verteidigte.
Tatsächlich beschäftigt sich der Film nicht groß mit Rassismus außer dem einen Mal, als Ashton Homer "Boy" nennt, worauf Homer reagiert, indem er es direkt zurückgibt. Stattdessen zeigt er, wie Menschen aus unterschiedlichen Kreisen - der schwarze Handwerker, europäische Nonnen, eine hispanische Gemeinschaft, ein irischer Priester und sogar ein weißer Geschäftsmann - zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen, das niemand für möglich gehalten hätte, trotz der Unterschiede in Rasse, Vermögen und Glauben.
Obwohl der Funke für die Handlung Mutter Marias ungebrochener Glaube an Gott ist, war es für mich nie ein religiöser Film (als ich erstmal alt genug war, darüber nachzudenken), obwohl mir klar ist, daß andere das nicht so sehen mögen. Für mich geht es um Gemeinschaft, Kommunikation, Kooperation, Verständnis und Beharrlichkeit. Habe ich schon das Wort freundlich benutzt (ich weiß, daß ich das habe)?



Sidney Poitier gewann einen Oscar als Bester Hauptdarsteller (der erste Afroamerikaner, der diesen bekam), einen Golden Globe und den Silbernen Bären als Bester Hauptdarsteller bei der Berlinale, er wurde außerdem für weitere Auszeichnungen nominiert.
Lilia Skala als Mutter Maria wurde für mehrere Preise als Beste Nebendarstellerin nominiert.
Nicht daß mich das als Fünfjährige groß gekümmert hätte (als ob ich es überhaupt gewußt hätte! 
😉)

Es war für Ralph Nelson nicht einfach, das Geld für den Film aufzutreiben. Es wurde sogar vorgeschlagen, eine Liebesgeschichte einzubauen, mit einer Nonne, die das Gelübde noch nicht abgelegt hatte. Ein anderes Studio wollte Steve McQueen als Homer.
Schließlich fand Ralph Nelson ein Studio, das ein Budget von 250000 $ anbot, aber eine Sicherheit verlangte. Nelson bot dafür sein eigenes Haus an. Zu dieser Zeit war Poitier bereits ein anerkannter Schauspieler gewesen und verdiente pro Film ungefähr das Doppelte dieses Budgets. Poitier akzeptierte jedoch 50000 $ als Gage plus zehn Prozent der Bruttoeinnahmen. Und da das Budget so niedrig war, mußte er die schwere Arbeit im Film tatsächlich selber machen. Beide glaubten wirklich an diesen Film, der übrigens in vierzehn Tagen abgedreht wurde.
Nun, und es wurde ein Erfolg, in den ersten sechs Monaten lagen die Einnahmen bei 2 1/2 Millionen $.

Nun zum Buch.

Mein deutsches Exemplar.

William Barrett schrieb Romane, von denen drei verfilmt wurden, "Lilien auf dem Felde" eingeschlossen. Er war katholisch und schrieb auch Essays, Rezensionen und Biographien, eine davon über Papst Paul VI.

Die Geschichte der Nonnen beruht tatsächlich auf der wahren Geschichte der Abbey of St. Walburga in Colorado. 1935 wurden drei Schwestern aus dem bayerischen Mutterhaus Abtei St. Walburg nach Colorado geschickt, wo sie billig Land von Mönchen kauften, die es als "für eine Farm ungeeignet" bezeichneten. Ursprünglich war es als möglicher Zufluchtsort vor dem Nazi-Regime gedacht, falls notwendig, aber schließlich wurde die Farm zum Priorat und dann zur Abtei.
Das Buch änderte die Zeit natürlich zu der des Kalten Krieges und die Nonnen flohen, wie oben erwähnt, aus Ostdeutschland.

Es erklärt auch etwas mehr zu Homer.
Er ist 24 (das ist jünger, als Poitier beim Dreh war)
, er "lebt sein Leben von einem Tag zum anderen, es ist Lachen in ihm". Er hat ein bißchen Geld, nachdem er die Army verlassen hat, und möchte den Westen sehen (der Film spielt in Arizona). Und er schätzt seine Freiheit, daß er hingehen kann, wo er will, wenn er will, und nur arbeitet, wenn er muß. "Ein Mann war frei, wenn er 'ja' sagen oder 'nein' sagen konnte." Und dennoch hat er das Gefühl, daß er zu Mutter Maria Marthe nicht einfach nein sagen kann.

Es gibt aber auch ein paar kleine Unterschiede, die aber nicht wirklich wichtig sind. Der Priester ist kein Ire, sondern Hispano, und er muß den Gottesdienst nicht von der Ladefläche eines Autos aus halten, es gibt eine kleine Kirche. Es gibt keinen Mr. Ashton, im Buch heißt er Livingston.
Das Buch erklärt auch, was Homer tut, als er das erste Mal weggeht. Er besorgt sich einen Job bei einer Abbruchfirma in der großen Stadt, aber obwohl sich seine Tage mit den Nonnen wie ein Traum anfühlen, denkt er an sie, als sie eine Reihe von Häusern abreißen. Er schaut sich das an, was sie herausgeholt haben und denkt, daß die Nonnen eine Badewanne brauchen. Also kauft er eine und bringt sie als Geschenk mit zurück.
Im Film kommt er einfach mit einem blauen Auge zurück, aber im Buch steht nichts darüber, daß er Ärger hat oder auch warum er zurückkehrt.

Der größte Unterschied ist allerdings der Schluß.
Homer fährt schon in die Nacht hinein, das Buch endet hier aber nicht.
Eine Legende entsteht um Homer und seine Kapelle herum. Touristen kommen zu Besuch. Dank Spenden können die Nonnen eine Schule bauen und Jungen aus kaputten Familien aufnehmen, um ihnen bei ihrem Lebensweg zu helfen. Und in der Kapelle gibt es ein Gemälde von Sankt Benedikt dem Mohren, das Schwester Albertine gemalt hat und das wie Homer aussieht.
Um ehrlich zu sein, ich bin froh, daß der Film diesen Teil ausgelassen hat.

Nun entschuldigt mich, ich denke, ich werde den Film gleich nochmal anschauen.


Quellen und weitere Informationen (englischsprachig):

1. Brian Bergen-Aurand: Lilies of the Field (1963). Auf: Foreign Influence, 3. Februar 2017
2. Ron Olesko: "Amen" and Jester Hairston. Auf: Sing Out!, 22. März 2008
3. Abbey of St. Walburga History
4. David A. King: The heart of Barrett's 'The Lilies of the Field'. In: The Georgia Bulletin, 20. März 2014
5. "Lilies of the Field: The Story Behind the Film" auf YouTube


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Montag, 2. Februar 2026

Aus meinem Kinderbuchschrank - Krabat

Meine Schwester bekam "Krabat" zu Weihnachten, als ich 6 war. Ich könnte euch nicht mehr sagen, wann ich es das erste Mal gelesen habe und leider kann ich mich auch nicht an meine erste Reaktion darauf erinnern. Es kann mich nicht abgeschreckt haben, weil ich es seither sehr oft wiedergelesen habe.
Warum es mich abgeschreckt haben sollt, wollt ihr wissen, falls ihr "Krabat" nicht kennt?
Sprechen wir darüber.

"Krabat" wurde von Otfried Preußler geschrieben, die Erstveröffentlichung war 1971.
Es erhielt mehrere Preise und ist inzwischen in 39 Sprachen übersetzt worden.
Anmerkung: Ihr habt vielleicht von dem Film von 2008 gehört, ihn vielleicht sogar gesehen, aber ich werde nicht darüber sprechen, weil ich ihn nicht mochte.
Ich werde aber ein paar Quellen für weitere Lektüre am Ende des Posts angeben, wenn ihr an mehr Details zum Buch interessiert seid, aber auch an der Biographie des Autoren, die in diesem Zusammenhang interessant ist. Da ich über mehrere Dinge sprechen möchte, die in Verbindung mit dem Buch stehen, würde der Post zu lang werden, wenn ich das direkt vertiefe.



Das Buch spielt während des Großen Nordischen Kriegs im frühen 18. Jahrhundert.
Krabat und zwei weitere wendische Betteljungen gehen von Dorf zu Dorf, um als die drei Könige für etwas Essen zu singen, als Krabat in drei Träumen zur Mühle in Schwarzkollm gerufen wird.
Er folgt dem Ruf zu der Mühle beim Schwarzen Wasser im Koselbruch, wo ihm der geheimnisvolle einäugige Meister anbietet, ihn zu seinem Lehrling zu machen und ihn das Mahlen von Korn zu lehren, aber auch "den Rest". Krabat nimmt an, ohne zu wissen, daß die Mühle auch eine "Schwarze Schule" und "der Rest" die Zauberei ist. Es bedeutet harte Arbeit, ja, aber es gibt auch ausreichend zu essen, was für einen Waisenjungen in diesen harten Zeit verführerisch genug ist.



Krabat und seine elf Mühlenbrüder, aber einmal in der Woche werden sie zu Raben und der Meister lehrt sie schwarze Magie.
Obwohl das Zaubern ihr Leben aber auf manche Art leichter macht, bringt es auch die Gefahr mit sich, der eine zu sein, der an Silvester sterben muß, weil er eine Bedrohung für den Meister darstellt. Der Meister selber hat sich nur dem Gevatter zu verantworten, der die Mühle in jeder Neumondnacht besucht und Säcke mit grausigem Inhalt zum Mahlen mitbringt.
Nachdem er also zwei seiner Freunde verloren hat, muß Krabat in seinem dritten Jahr in der Mühle entscheiden, was er vom Leben erwartet, vor allem nachdem er sich in ein Mädchen aus dem nahegelegenen Dorf verliebt hat. Sie ist diejenige, die ihm dabei helfen kann, der Mühle zu entkommen und der Herrschaft des Meisters ein Ende zu setzen, auch wenn das bedeutet, daß die Gesellen ihre Zauberkräfte verlieren werden. Falls sie aber scheitert, wird das den Tod für Krabat und sie bedeuten.


Nun versteht ihr vielleicht, warum ich mich gefragt habe, wann ich das das erste Mal gelesen habe und warum es mich nicht abgeschreckt hat.
"Krabat" ist kein lustiges Buch über Zauberer und Magie. Teile davon sind sehr düster und unheimlich, es geht um Macht, wie sie mißbraucht wird oder wie man davon manipuliert wird, damit man in der Hoffnung, nicht derjenige zu sein, der ihr Opfer sein wird, schweigt oder andere verrät. Es geht darum, schlau zu sein, und um Freundschaft, Vertrauen, Hoffnung und Liebe.
Obwohl es für junge Leser*innen geschrieben ist, ist es für Erwachsene nicht langweilig, sie werden eine Menge mehr als nur eine Abenteuergeschichte darin finden.

Ursprünglich ist Krabat der Held einer sorbischen Volkssage, in der er als Zauberer dargestellt wurde, der seine Kräfte hauptsächlich zum Guten nutzte.
Sorben sind eine westslawische Ethnie, die in der Lausitz im Osten Deutschlands lebt und als nationale Minderheit anerkannt sind.
Es gibt aber auch einen wirklichen Krabat - den "Kroat" Johann Schadowitz, der für den Kurfürsten von Sachsen Johann Georg II. gekämpft hat und mit einem Gut in Särchen belohnt wurde, wo er eine Menge für die arme und daher ungebildete sorbische Bevölkerung getan hat, was ihm den Ruf als Zauberer einbrachte.

Preußler war nicht der einzige, der von der Sage um Krabat inspiriert wurde.
1954 nutzte 
Měrćin Nowak-Njechorński sie für seinen sorbischen Roman "Mišter Krabat" (eine der Inspirationen für Preußler, aber kurz nach dem 30jährigen Krieg spielend) und mischte sie mit Legenden über eine weitere sorbische Figur, Martin Pumphut (der als Pumphutt in zwei Kapiteln von Preußlers Buch auftaucht), der seine Zauberkräfte dafür benutzte, anderen Müllerburschen zu helfen. Das Buch wurde von Jurij Brězan ins Deutsche übersetzte, der selber zwischen 1968 und 1993 drei Romane über Krabat schrieb.
Seid ihr schon verwirrt?
Wie wäre es, wenn wir uns dann jetzt ein paar Filme anschauen?

Brězans erstes Buch "Die schwarze Mühle" ist seine Version der Krabat-Sage und inspirierte einen Film mit demselben Titel, der 1975 von der DEFA in der DDR gemacht wurde, deren Märchenfilme ja auch jetzt noch hier im Fernsehen gezeigt werden.
Die Version ist in mancher Hinsicht anders als die von Preußler, wobei am wichtigsten wohl ist, daß der Meister Menschen, die ihm nicht zu Willen sind, in Tiere verwandelt, und daß es nicht die Liebe eines Mädchens ist, die letztendlich die Herrschaft des Meistes zerstört, sondern die einer Mutter.


Es gibt aber auch einen Animationsfilm, der auf Preußlers Buch basiert.
1977 produzierte der tschechische Filmregisseur und Animator Karel Zeman "
Čarodějův učeň" (das heißt "Der Zauberlehrling", aber der deutsche Titel ist "Krabat"), von dem jemand aus meiner Familie sagt, daß er ihn immer noch super gruselig findet. Er hat wirklich eine tolle Atmosphäre.


Ich kann die Filme nur empfehlen, aber Preußlers Buch ist es wirklich wert, gelesen zu werden, falls ihr das tatsächlich noch nicht getan hättet. Auch zwei Mal oder drei Mal.


Weitere Lektüre:

1. Caroline Roeder: Mediales Mühlengeklapper - die Otfried-Preußler-Debatte 2023 f. Auf: Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
2. Webseite "Auf den Spuren des Krabat"
3. Die Sagenfigur Krabat. On: Schwarzkollm.de
4. 
Krabat auf dem deutschen Wikipedia
5. Krabat: Die wahre Geschichte hinter dem DDR-Kultfilm. Bei MDR Dok auf YouTube
6. Hannah *: 51 Jahre Krabat - warum man manchmal erst erwachsen werden muss, um ein Jugendbuch wirklich zu verstehen. Auf: Buchfreaks, 24. Januar 2022

Montag, 4. August 2025

Broccoli Cat Art

Heute möchte ich euch Broccoli Cat Art vorstellen.
(Das ist keine Werbung, ich bekomme nichts dafür, sondern zeige nur etwas, das ich liebe, und natürlich habe ich um Erlaubnis gebeten, diesen Post schreiben zu dürfen, und ich benutze absichtlich ein eigenes Bild statt des besseren Originals).

Broccoli Cat Art ist Bikky aus Melbourne, ihrer Webseite nach eine Künstlerin mit "gemischtem kulturellem Hintergrund", die "ihre Liebe für die Ästhetik von Ukiyo-e mit dem Bestreben nach und Kommunizieren von mentaler Freiheit, Heilung und einfachem Glück verbindet".
Lest die ganze Vorstellung direkt auf ihrer Webseite, um mehr über ihre Inspiration zu erfahren.

Alle Bilder von Bikky zeigen eine weiße Katze mit Tigerzeichnung "nach dem Vorbild ihrer eigenen Katze names Broccoli aus dem Tierheim" (was für ein toller Name, ihr wißt, ich liebe ungewöhnliche Namen für Tiere).

Ich hatte ihre Kunst schon vor ein paar Jahren auf sozialen Medien geteilt gesehen und folgte dann ihrer Instagram-Seite, als sie dort in meinem Feed auftauchte.
Ich liebe nicht nur ihre digitalen Zeichnungen (mehr darüber auf ihrer Webseite) und den Touch von Ukiyo-e, den sie haben, sondern auch das Gefühl, das ich habe, wenn ich sie anschaue.
Bisher hat es kein einziges Bild gegeben, das mich nicht zum Lächeln gebracht hat. Ich weiß, daß sich das sentimental anhören mag (ich gebe bereitwillig zu, daß ich das sein kann), aber die Bilder bewirken bei mir einen Moment dieses einfachen Glücks, das Bikky erwähnt. Sie fühlen sich so an, wie wenn ich Gundel umarme und der Dekan in meinem Arm schläft, nur kürzer, es sind Glimmer in meinem Tag.

Mehr als einmal war ich in Versuchung, mir einen Druck von ihr zu besorgen, und wünschte mir, daß Porto, Steuer und Zoll- und Bearbeitungsgebühren in den letzten paar Jahren nicht derartig gestiegen wären. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich schon auf ihren Shop für Drucke geklickt und ihn dann zögernd wieder verlassen hatte.
Ich schätze, ich mußte einfach auf den perfekten Druck warten - und als ich ihn sah, hielt ich mich nicht zurück.
Könnt ihr sehen warum?


Katze, Teddy, Buch, hätte es noch besser und noch mehr "ich" sein können als das??
Ich habe einen hellen Rahmen dafür ausgesucht, um die Farbe des Hintergrunds aufzugreifen und die Katze in den Mittelpunkt zu stellen.

Wenn ihr Katzen und Ukiyo-e mögt, schaut euch Bikkys Arbeit an.
Vielleicht bringt sie euch ja auch zum Lächeln.

Sonntag, 30. März 2025

Nadines Privatinsel

Ihr wißt vielleicht nicht, daß ich ein Riesenfan von David Zinn bin. Wenn ihr auf Facebook oder Instagram, YouTube oder TikTok seid, bin ich mir ziemlich sicher, daß ihr seine Arbeit schon mal gesehen habt.

Nun eine kleine Warnung oder Entschuldigung. Ich liebe Davids Kunst so sehr, aber ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte finden werde, um das zu erklären. Manchmal bin ich voller Worte, aber die richtigen kommen nicht raus. Das kann dann zu etwas führen, das in meinem Kopf total Sinn macht, aber aufgeschrieben nicht so sehr.


Das ist von Davids Website:
"Jetzt ist Mr. Zinn dank der Versuchungen einer Schachtel Straßenkreide an einem ungewöhnlich sonnigen Tag auf der ganzen Welt für die Kunst bekannt, die er zu seinen Füßen erschafft. Davids temporäre Straßenzeichnungen bestehen ausschließlich aus Kreide, Kohle und gefundenen Objekten und werden immer vor Ort durch einen Prozeß improvisiert, der (fast niemandem) als "ephemere pareidolische Anamorphose" bekannt ist.
Seinem
TEDx-Talk zufolge ist das keine "capital A Art" (Kunst mit großem K), sondern "small a art" (Kunst mit kleinem k).

Es ist Kunst, die nicht lange hält, Kunst, die man aus einem bestimmten Winkel sehen muß, um das Bild richtig zu erkennen, Kunst, die davon inspiriert ist, daß man eine Bedeutung oder ein Bild in etwas erkennt, das ursprünglich nichts damit zu tun hat, so wie man einer Wolke etwas erkennt, das für den Verstand Sinn ergibt, eine Kuh oder ein Auto.

Das letzte kennen wir alle. Ich sehe regelmäßig Gesichter, Drachenköpfe und anderes in meinen Badezimmerfliesen und das macht mir auch keine Sorgen, solange sie nicht anfangen, laut mit mir zu reden.
Was ich aber noch nie gemacht habe, ist, mit dieser Pareidolie zu arbeiten und Rissen, Linien, Kaugummiflecken, Blätter, Büsche oder Metallabdeckungen auf der Straße zu nutzen, um daraus etwas Witziges, Verrücktes, Herzerwärmendes zu machen. Ich habe ein paar Schmuckstücke gemacht, die als Art Kritzelei anfingen, zum Beispiel aus einem Stück verbogenen Draht, und daraus etwas Erkennbares gemacht, aber nicht so oft. Ich spiele zwar, aber die Ergebnisse sind meistens abstrakt.

David hingegen läßt uns an einer Welt aus Kreaturen teilhaben - wie Sluggo, das grüne Monster mit den Stielaugen, oder Philomena, das fliegende Schwein, Zwerge und Trolle, Hasen und Dinosaurier, Drachen und Hamster. Sie sind alle liebenswert, sogar die mürrischen, oft sind ihre Ängste und Freuden und Macken äußerst nachvollziehbar, und manchmal ist mir danach, ein Stück Straßenkunst zu umarmen oder mit ihm zu reden. Ich weiß, daß ich damit nicht allein dastehe, denn obwohl ich versuche, meinem eigenen Rat zu folgen und niemals die Kommentare auf sozialen Medien zu lesen, gibt es Posts, bei denen ich weiß, daß die Kommentare kein brennender Müllcontainer sind (wie es auf Englisch sehr passend genannt wird)
, und sie zeigen, wie sehr diese kleinen Kreaturen die Menschen ansprechen.

Ich bedauere sehr, daß ich niemals eine in echt sehen werde. David zeigt seine Kunst nicht nur in Bildern, sondern macht auch Videos davon, wie seine Kreaturen zum Leben erweckt werden, und es gibt auch Bücher, Drucke und Kalender, was wundervoll ist, aber egal wie gut ein Bild ist, glaube ich nicht, daß es genau dasselbe Gefühl auslösen kann.
Natürlich ist ein Punkt die Vorstellung, unerwartet darüber zu stolpern. In einem seiner Bücher sagt David, daß normalerweise nur ein paar Dutzend Leute seine Originalkunst zu Gesicht bekommen, wobei Festivals oder Veranstaltungen natürlich eine Ausnahme sind. Das ist nicht überraschend, wenn man sieht, wie Menschen herumrennen, ohne sich umzuschauen, mich selbst zweifellos eingeschlossen (außer dem Teil mit dem Rennen, daß ich so langsam laufe, könnte mir eine etwas bessere Chance verschaffen).
Es gab mal eine Zeit, in der ich auf meinem Heimweg bewußt nach oben schaute und Bleiglasfenster, Initialen an Häusern, sogar Mosaike entdeckt habe, die ich vorher nicht gesehen hatte. Ich glaube aber nicht, daß ich mir den Boden beim Laufen sehr bewußt anschaue, sondern nur wenn ich irgendwo sitze, und natürlich komme ich heutzutage sowieso nicht viel herum.
Wie groß wären meine Chancen also überhaupt, Kunst zu sehen, die mich nicht direkt anspringt wie zum Beispiel eine große Wand voller Graffiti?
Der andere Punkt ist, daß man auf den Bildern meistens von Anfang an den richtigen Winkel hat und man es nicht selber entdecken muß. Würde ich sonst überhaupt erkennen, was ich anschaue?
Würde ich Nadine sehen?

Ja, wir kommen endlich zu Nadine.
Sie ist mein absoluter Liebling, eine kleine Maus in einem blauen Kleid (hier könnt ihr ein paar Bilder von ihr finden). David nennt sie "eine Maus des Abenteuers".
Nadine schließt ohne Bedenken Freundschaften, mit Katzen, großen Fröschen, Schafen, Sluggo und sogar Drachen und dem Chalk Ness Monster.
Sie mag Abenteuer, genießt aber auch ruhige und einsame Zeiten mit einem Buch oder einem schönen Täßchen irgendwas.
Sie kümmert sich um Pflanzen, sie benutzt eine Kristallkugel, sie tanzt und sie scheint sehr im Moment zu leben und das zu genießen, was sie eben so tut.
Ich bin eine mürrische alte Katzenlady ... und ich glaube, ich beneide sie ein wenig darum, daß sie Nadine sein darf
😉

Vom ersten Mal an, als ich es sah, ging mir dieses Bild von ihr nicht mehr aus dem Kopf.

"Nadines Privatinsel"
Mit Erlaubnis von David Zinn

Das ist nicht das einzige Mal, daß ich Nadine mit einem Buch gesehen habe, aber im Vergleich zur Hängematte oder dem Baum ist das hier ein wirklich privater Ort.
Hätten wir nicht alle manchmal gern unsere eigene Privatinsel?
Vor allem heutzutage? Ein Ort, an dem uns die Welt wenigstens für ein Weilchen nicht berühren kann? Kein Telefon (obwohl mein Handy selten an ist, ist mein Festnetz rege in Gebrauch), keine Technik, keine Nachbarn, keine lauten Autos, nur wir und ein Buch. Ich hoffe, es sind keine nervigen Boote vorbeigekommen, aber wie ich Nadine kenne, wäre sie darauf wahrscheinlich auch vorbereitet.

Auf jeden Fall bekam ich dieses nagende Gefühl eines Bedürfnisses und einer Herausforderung.
Das Bedürfnis war der Wunsch, hieraus Fan Art zu machen. Die Herausforderung war die Entscheidung, was ich genau machen sollte und wie, und das war nicht so einfach. Am Ende schien nur Sticken das Richtige zu sein.
Also schnappte ich mir einen 9 cm-Stickrahmen - denn Nadine ist eine kleine Maus - und verbrachte ein paar spaßige Tage mit Sticken.



Meine Palme ist nicht ganz zu hoch und ich bekam auch nicht die ganze Insel drauf, aber Nadine scheint das egal zu sein.
Die Blätter waren zunächst ein bißchen problematisch, weil ich noch nie zuvor Stumpwork (3D-Stickerei) ausprobiert hatte und mit der kleinen Größe zu kämpfen hatte. Nach vier oder fünf Versuchen gab ich mich schließlich geschlagen und begab mich auf vertrautes Terrain zurück, soll heißen, ich fädelte die Blätter stattdessen (und nahm mir die künstlerische Freiheit heraus, sie heller zu machen, weil ich nicht mehr genug dunkelgrüne Perlen hatte).

Leider sind meine Messingrahmen einen Tick zu klein, das haut mit den gefädelten Blättern nicht hin, und meine Holzrahmen sind für diese Szene zu düster.
Ich werde irgendwann schon etwas finden.


Als ich mitten in der Nacht fertig war, machte ich ein schnelles und nicht sehr gutes Bild, und bevor ich wie üblich zuviel darüber nachdenken und kneifen konnte, schickte ich David eine Mail und bat ihn um Erlaubnis, dieses Stück öffentlich teilen zu dürfen.
Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich fühlte, als ich am schon am nächsten Tag eine Antwort bekam? Natürlich hatte ich auf eine gehofft, aber ich war mir da ganz und gar nicht sicher und vor allem nicht so schnell. Und wie ihr aus diesem Post erkennen könnt, war es ein Ja, was mir echt viel bedeutete.
Um Davids Worte aus dem TEDx-Talk zu benutzen, als er die Geschichte des ohrlosen Micky erzählte, ich war "kindisch glücklich".

Dies ist nur für mich, eine kleine Erinnerung daran, daß ich versuchen sollte, vielleicht manchmal mehr wie Nadine zu sein.
Ich lasse euch wissen, wie's läuft 😉
Außerdem bin ich mir sicher, daß es mich immer zum Lächeln bringen wird, wenn ich sie ansehe.

Dienstag, 11. Februar 2025

Die "Queens of Crime" und mehr - Einführung

Kennt ihr die vier "Queens of Crime"? Sie waren die dominierendsten Krimiautorinnen in den 20ern und 30ern, vielleicht habt ihr schon von allen gehört, vielleicht nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß ihr die kennt, mit der ich beginnen werde.

Ihre Namen sind Agatha Christie, Ngaio Marsh, Dorothy L. Sayers und Margery Allingham.
Auf einer Buchladenseite habe ich gelesen, daß manche auch Gladys Mitchell und Josephine Tey in den Club aufnehmen würden. Wie im Fall von Margery Allingham habe ich zwar den Namen ihrer bekanntesten Charaktere gehört, aber keines ihrer Bücher gelesen. Noch nicht. Gerade vor ein paar Tagen ist ein Buch von Allingham angekommen und hoffentlich werde ich auch ein oder mehr von Mitchell und Tey finden. Und wenn ich schon dabei bin, werde ich vielleicht auch noch in meine Bibliothek eintauchen und eine Dame hinzufügen, die ihr vielleicht nicht so sehr als Krimiautorin kennt, sondern stattdessen für ein anderes Genre - Georgette Heyer.

Natürlich wird es mir nicht möglich sein, Besprechungen der gesammelten Werke abzugeben, ich werde nicht mal ihr komplettes Werk lesen können (außer Sayers und Heyer, ich glaube, ich habe alle ihrer Krimis), vielleicht weil ich das gar nicht will oder weil es zuviel ist oder weil ich gar nicht an alle rankommen würde.

Eine meiner Hoffnungen ist es, wieder über meine Lesefaulheit hinwegzukommen, jetzt da ich nicht mehr jeden Tag mit Draht und Perlen verbringen kann, auch wenn ich einiges davon schon gelesen habe, und ich mag die Vorstellung, die Posts erstmal auf ältere Krimis zu beschränken. Vielleicht werde ich ja sogar etwas komplett Neues für mich entdecken?
Vielleicht werde ich irgendwann auch einzelnen Bücher dieser Autorinnen besprechen wollen und vielleicht sind es am Ende nur kurze Erklärungen, warum ich eine Autorin lieber mag als die andere, vielleicht werde ich ja sogar meine eigene Meinung über eine Autorin ändern oder vielleicht wird das alles etwas ganz anderes werden?
Ich werde es sehen. Ihr werdet es sehen.


P.S. Dieses Bild habe ich in meiner Bibliothek aufgenommen. Dieser Lederhocker war schon immer dort, und wie ihr sehen könnt, ist er von Generationen von Katzen mißbraucht worden. Egal wie er aussieht, würde ich nicht wagen, ihn wegzuwerfen, so viele Erinnerungen stecken darin.

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Fröhliche Weihnachten

"Du wirst dir ein Auge ausschießen."
Entweder kennt ihr dieses Zitat, fangt an zu lachen und kommt direkt mit einem eigenen Zitat um die Ecke, vielleicht den gelben Augen von Scut Farkus oder dem Pferd des Neffen des Lone Rangers (Victor), oder ihr kennt es nicht, was bedeutet, daß ihr noch nie " Fröhliche Weihnachten" gesehen habt.

Ralphie und sein verzweifelter Weihnachtswunsch nach einem offiziellen Red Ryder Luftgewehr sind seit vielen Jahren Teil meines Lebens, zunächst dank des deutschen Fernsehens, dann, nachdem sie aus unbekannten Gründen aufgehört haben, den Film zu zeigen, auf englischer DVD.
Die Weihnachtszeit wäre nicht dieselbe ohne diesen Film, ohne Ralphie in seinem Häschenkostüm, einem Geschenk von Tante Clara, die unter dem falschen Eindruck leidet, daß er ein auf ewig vier Jahre altes Mädchen ist, ohne seinen Vater, der besessen von seinem Preis aus einem Kreuzworträtselwettbewerb ist, einer Lampe in Form eines Damenbeins, und seine Frau beschuldigt, diese absichtlich zerstört zu haben, ohne Ralphie, der versucht, überall (nicht immer ganz so) subtile Hinweise bezüglich des Red Ryder fallen zu lassen, und natürlich ohne die Nachbarshunde, die den Truthahn stehlen.
Oh, und falls ihr wissen möchtet, ob Ralphie sein Luftgewehr bekommt, solltet ihr euch den Film anschauen.

Wußtet ihr, daß die Geschichten im Film Teil einer Sammlung sind,  "In God We Trust: All Others Pay Cash" von Jean Shepherd? Soweit ich sehen kann, wurde es aber nie ins Deutsche übersetzt.

1. Auflage 1966, Bild in "Fair Use"
über Wikipedia


Jean Shepherd was ein amerikanischer Humorist, der für das Radio auftrat. Irgendwann wurde er überzeugt, seine Radiogeschichten niederzuschreiben, fiktionale Geschichten, gemischt mit Faken aus seiner eigenen Kindheit.
Er hat übrigens auch am Film mitgeschrieben und als Erzähler fungiert, was er brilliant gemacht hat (schließlich hatte er Erfahrung vom Radio)
Also mußte ja auch das Buch gut sein, oder? Njaa (das soll ein Geräusch sein, das Unsicherheit ausdrückt) .... Ich kaufte das Buch, kämpfte damit auf zu vielen meiner Pendlerfahrten, schaffte es mit Müh und Not bis zum Ende und rührte es nie wieder an.
Versteht mich nicht falsch, es gab Teile, die mich zum Kichern oder Lachen brachten, aber es waren viele, viele Wörter, viele, viele Beschreibungen, und der Rahmen, in den die Geschichten eingebettet waren - der erwachsene Ralphie kehrt nach Hause zurück und erzählt in der Bar seines alten Freundes Flick von seinen Erinnerungen - hat für mich nicht wirklich funktioniert.
Rezensionen zufolge, die ich gelesen habe, sind wie immer nicht alle meiner Meinung, aber so manche denken genau wie ich.
Ich schätze, ich werde mich einfach an den Film halten, vielen Dank.

P.S. Ich hatte gar nicht über die Fortsetzungen Bescheid gewußt und den Sommerfilm werde ich mir auch sparen, aber ich warte gerade auf die zweite Fortsetzung, also werde ich vielleicht irgendwann eine Kurzrezension zu diesem Post hinzufügen, sobald der Film da ist.
Und da sind wir auch schon - A Christmas Story Christmas von 2022 (keine deutsche Version).
Es ist 1973. Ralphie ist erwachsen und hat jetzt seine eigene Familie. Er hat sich eine Auszeit von der Arbeit genommen, um einen Science-Fiction-Roman zu schreiben, aber sein episches Werk von 2000 Seiten wird von allen Verlegern abgelehnt.
Kurz vor Weihnachten ruft seine Mutter an, um ihm zu sgen, daß sein Vater gestorben ist, also macht sich die Familie auf, um Weihnachten mit ihr zu verbringen.
In Gedanken an seinen Vater möchte Ralph dies zum allerbesten Weihnachten machen, aber es funktioniert nicht ganz so (wie erwartet ;-)).

Tatsächlich war ich etwas überrascht - vorsichtig, wie ich bei Fortsetzungen nun mal bin - daß mir der Film wirklich gefallen hat.
Natürlich ist es eine andere Mutter (Melinda Dillon war zu der Zeit schon 82 und hatte vor Jahren mit dem Schauspielern aufgehört), aber es sind ein paar vertraute Charaktere aus dem ersten Film dabei, was, wie ich finde, zum Spaß sehr beiträgt. Wird er Kult werden wie der erste? Ich bezweifle es, weil die Eltern so ein wichtiger Teil davon waren, aber ich war nicht enttäuscht.

Donnerstag, 12. Dezember 2024

Wintersonnenwende

In alten Zeiten, fast vergessen, habe ich anderen Nachhilfe gegeben, hauptsächlich in Latein und Englisch, überwiegend weil mein Lateinlehrer sie an mich verwiesen hat.
Manche von ihnen waren kaum jünger als ich, und nachdem wir gepaukt haben, haben wir manchmal etwas zusammen unternommen, sind in die Stadt gegangen, haben ein Brettspiel gespielt oder einfach nur über Bücher und Musik gequatscht.

Eine von ihnen hat mir das Buch "Wintersonnenwende" von Susan Cooper ausgeliehen und es wurde schnell zu einem meiner Favoriten, das ich auch jetzt noch als Erwachsene liebe.
Ewig lang war mir nicht klar, daß es das zweite Bücher in einer fünfteiligen Serie war, einfach weil nur dieses eine ins Deutsche übersetzt worden war. Damals war es nicht so einfach, an englische Bücher zu kommen, man konnte nicht einfach online gehen und etwas von einem speziellen Buchladen oder gar von einem anderen Land bestellen. Buchläden hatten gewöhnlich ein kleines Regal mit englischen Büchern, weil die Nachfrage damals nicht so hoch war (ich spreche hier von den späten 70ern und frühen 80ern).

Dann passierte etwas Schreckliches. Ich spielte mit meinem kleinen Bruder, als das ausgeliehene Buch hinter das Ende meines Couchbetts gestoßen wurde, das zur Wand zeigte, es öffnete sich beim Fall, und der Umschlag blieb an dem Regal, das dort stand, hängen und riß sofort ab. Es war eine sache von Sekunden und obwohl ich noch versucht hatte hinterherzuspringen, war der Schaden schon passiert. Ihr könnt euch vorstellen, wie entsetzt ich war, nicht nur als Buchliebhaberin, sondern weil das Buch nicht mir gehörte (bis zu diesem Tag verstehe ich nicht, wie manche unserer Bibiotheksbenutzer unsere Bücher behandeln, ohne zu respektieren, daß sie nicht ihnen gehören).


Einfach, zum Buchladen gehen und ein neues kaufen, richten? Nicht so einfach. Erstens bedeutete es, daß ich das Geld für fast eine ganze Nachhilfestunde los war, was für mich damals viel war, und zweitens war es so schrecklich peinlich, daß ich meiner Nachhilfeschülerin sagen mußte, was passiert war, immerhin hatte sie mir eines ihrer Lieblingsbücher anvertraut.

Ich habe das Buch immer noch, wie ihr sehen könnt, und nachdem ich es damals sehr schlecht repariert hatte, um den Umschlag nicht zu verlieren, ging er schließlich wieder ab, als ich es letztes Jahr las.
Fragt ihr euch, warum ich mir selber in den über 40 Jahren kein neues Exemplar gekauft habe, zum Beispiel als endlich die anderen vier hier herauskamen? Es ist die Erinnerung. Manchmal bin ich eben seltsam.
Außerdem habe ich mir irgendwann auch die englischen Originale bestellt.
Oh, und übrigens war meine Nachhilfeschülerin sehr gnädig und meinte sogar, ich hätte ihr kein neues Buch kaufen müssen. Ich frage mich, wo sie heute wohl ist.

Nun mögt ihr euch außerdem fragen, warum ein Verlag nur eines von fünf Bücher übersetzen wollen würde, aber - und damit stehe ich nicht allein da - dieses Buch braucht die anderen nicht unbedingt. Eine YouTuberin meinte, man könnte gut das zweite Buch zuerst und dann erst das erste lesen, was witzig ist, denn ursprünglich war das erste Buch als einzelner Roman gedacht, tatsächlich kam es acht Jahre vor dem zweiten heraus.
Ich habe "Wintersonnenwende" in den letzten 40 Jahren sehr oft gelesen, es ist regelmäßige Weihnachtslektüre für mich, die anderen vier hingegen nicht so sehr. Sie sind gut, aber fesseln mich nicht auf die gleiche Weise.

In den Büchern geht es um den Kampf zwischen "dem Licht" und "der Finsternis", gut gegen böse, und sie sind von der Artuslegende, keltischer und nordischer Mythologie und englischer Folklore inspiriert.
"Wintersonnenwende" handelt von Will Stanton, dem siebten Sohn eines siebten Sohnes. An seinem 11. Geburtstag, am Tag der Wintersonnenwende erlebt er seltsame und magische Dinge. Er kann sie nicht verstehen, bis er einen Fremden names Merriman Lyon (der Name deutet auf Merlin - Merry Lion - hin) und eine alte Dame kennenlernt, die ihm erklären, daß er der Letzte der Uralten ist, Wächter des Lichts, und daß es seine Aufgabe ist, die sechs Teile des Zeichenkreises zu finden, einer der vier magischen Talismane, die das Licht in seinem Kampf gegen die Finsternis benötigt.
Da die Wintersonnenwende die dunkelste Zeit im Jahr auf der nördlichen Halbkugel ist, ist dies die perfekte Zeit für die Finsternis anzugreifen.

Ich habe mir immer gewünscht, daß jemand diese Zeichen in echt herstellen würde, ich liebe ihre Beschreibung.
Sie haben alle dieselbe Form, einen Kreis, gevierteilt durch ein Kreuz in der Mitte.
"Erhebt die Finsternis sich wieder, wehren sechs sie ab;
Drei aus dem Kreis und drei von dem Pfad.
Holz, Bronze, Eisen; Wasser, Feuer, Stein;
Fünf kehren wieder und einer geht allein."

Ich habe schon mal darüber nachgedacht, wie ich am besten mein eigenes Zeichen machen kann, habe aber noch nicht die perfekte Idee gehabt.

Nun entschuldigt mich bitte, ich habe das Buch in diesem Jahr noch nicht fertig. Statt es leise zu lesen, lese ich es meinen Katzen vor. Das mag zwar länger dauern, aber in letzter Zeit neigt mein Gehirn dazu, sich leichter ablenken zu lassen. Zuviel geschieht zur Zeit und ich denke sowieso von Natur aus zuviel über alles nach. Haßt ihr es auch, wenn ihr einen Satz fünf Mal lest und dann bemerkt, daß ihr immer noch wißt, worum es eigentlich geht?
Laut zu lesen hilft mir dabei und die Katzen scheinen den Klang meiner Stimme auch zu genießen. Der Dekan wird ruhiger, Gundel schnurrt, und wenn sie einschlafen und etwas verpassen, nehme ich das nicht persönlich ;-)

Oh, noch eine letzte Notiz.
Sie haben das zweite Buch verfilmt - Wintersonnenwende - Die Jagd nach den sechs Zeichen des Lichts. Ich war schlau genug, ihn nicht anzuschauen, nicht mal bevor ich dann Bewertungen gelesen habe, und Mannomann, es gibt ein paar äußerst eloquente Kritiken da draußen (obwohl es natürlich auch ein paar Leute gibt, die den Film gar nicht so schlecht finden, so wie es auch Leute gibt, die das Buch für langweilig halten *keuch*).

Montag, 9. Dezember 2024

Jede Frau braucht einen Engel

Vor ein paar Tagen habe ich "Jede Frau braucht einen Engel" mit Cary Grant, Loretta Young und David Niven angeschaut (auf Englisch gibt es ihn hier auf YouTube, nicht, daß ich die DVD nicht schon ewig hätte).
Er ist mein absoluter Lieblings-Weihnachtsfilm und zwar, seit ich klein war. Ich glaube, Filme, die ich schon so viele Jahre lang liebe, geben mir immer ein extra gutes Gefühl, und um ehrlich zu sein, glaube ich, ich müßte sie nicht mal anschauen, weil sie mir so vertraut sind, daß ich sie einfach in meinem Kopf abspielen könnte. Anschauen ist aber trotzdem besser ;-)

Public Domain über Wikipedia

Tatsächlich ist dieses Jahr etwas so Unangenehmes in meinem Leben passiert, das mich so fertig gemacht hat, daß die einzige Möglichkeit, mich in diesem Moment zu trösten war, "Jede Frau braucht einen Engel" anzuschauen - im August.

Natürlich habe ich meine Lieblingsszenen, das Schmücken des Baums - das ich übrigens vor genau zwölf Jahren für mein Zitat der Woche benutzt habe - und das Eislaufen, die Predigt, aber ich freue mich immer am meisten auf den Jungenchor, sie singen so schön und ich liebe auch das Lied. Ich mag auch, wie sie einer nach dem anderen hereinkommen, von einem Winken von Dudleys Hand herbeigeführt, und ihn anschauen, als ob sie sich fragen, was hier geschieht.





Wartet mal, mir ist gerade aufgefallen, daß ich es total für selbstverständlich gehalten habe, daß ihr den Film kennt, tut mir leid.
Dies ist die Geschichte.
Bischof Henry Brougham hat Probleme damit, Geld für den Bau einer großen Kathedrale zu sammeln. Er betet für göttliche Führung und ihm wird ein Engel geschickt. Dudley hilft allerdings nicht ganz so, wie er sich das von ihm gewünscht hätte. Offiziell als des Bischofs Assistent auftretend, beginnt er die Leben der Menschen um den Bischof, seine Frau Julia und ihre Tochter herum zu verändern, die seines Personals, eines alten Freundes, des wohlhabenden Gemeindemitglieds, das versucht, Henry zu bedrängen, damit er die Kathedrale zu einem Denkmal für ihren verstorbenen Ehemann macht, sogar den Taxifahrer, der sie zur Chorprobe fährt.
Henry bekommt das Gefühl, daß ihm alles entgleitet, und er spürt, daß Dudley sich in Julia verliebt. Endlich erkennt er, was wirklich wichtig ist. Nun ist Dudleys Aufgabe erfüllt und er wird zurückgerufen, auch wenn er das bedauert.
Am nächsten Tag hat jeder vergessen, daß er jemals da war, und man sieht ihn auf der Straße stehen und die Menschen beobachten, die in die Kirche gehen, in der Henry die Predigt hält, die Dudley geschrieben hat.

Falls ihr den Film aber kennt, kennt ihr denn dann auch das Buch, auf dem er basiert?
Es ist eine Novelle von Robert Nathan von 1928 und sie ist nicht ganz so wie der Film.
Tatsächlich werdet ihr eine Menge Leute finden, die den Film dem Buch vorziehen, mich eingeschlossen. Gewöhnlich ist es andersherum, aber ich glaube, es kommt auch darauf an, worin man sich zuerst verliebt. Ich kenne den Film seit meiner Kindheit, habe das Buch aber erst viele Jahre später bekommen und eine große Überraschung erlebt.

Stünde das Buch allein, wäre es vielleicht eine interessante Lektüre gewesen, über eine Ehe, in der sich die Frau damit abgefunden hat, ohne jegliche Leidenschaft oder viel Intimität zu leben, deren einziger Trost ist, eine Tochter zu haben, um die sie sich kümmern kann, während ihr Mann, der Bischof, nur darüber nachdenkt, Gelder für eine große Kathedrale zu sammeln und über die Reinheit, an der es dem Land seiner Meinung nach mangelt. Er sucht nach einem neuen Erzdiakon und bittet um einen Engel, der ihm zu Hilfe kommen soll.
Auftritt von Michael, dem Engel, der seine Zeit lieber mit Poeten statt Klerikern verbracht hat, der über den moralischen Verfall der modernen Zeit schockiert ist, der gerne philosophiert, der mehr als bereit ist, dem Bischof bei seinen Plänen für die Kathedrale zu helfen ... und der sich auf nicht sehr spirituelle Art in die Frau des Bischofs verliebt und in ihr Gefühle auslöst, die sie glaubte, weggesperrt zu haben.
Als sie sich aber küssen, ist es Julia, die sich zurückzieht.
Am Ende findet sie sich mit einem Leben mit einem Mann ab, der nicht imstande sein wird, ihr die Liebe zu geben, nach der sie sich sehnt, und beschließt, noch ein Kind zu bekommen, um Glück zu finden.

Mein Problem ist, daß ich keinen der Charaktere wirklich mag, nicht einmal die Tochter. Mir fehlt der Charme und Humor und ja, das warme, gute Gefühl im Buch.
Das ist nicht die Schuld des Buch, es wurde offensichtlich nicht als charmante Weihnachtsgeschichte geschrieben, aber ich finde es recht erstaunlich, daß jemand die Geschichte gelesen und gesagt hat: "Hey, machen wir daraus doch einen herzerwärmenden Weihnachtsfilm!" Ich habe das jedenfalls nicht darin entdecken können. Es gab für niemanden ein Happy End und der Gedanke, daß die Broughams einfach so weitermachen in ihrem "reinen" Leben wäre traurig, wenn ich mich dazu bringen könnte, mehr Interesse an ihnen zu zeigen.
Nachdem ich es nochmal durchgeblättert hatte - ich konnte mich nicht aufraffen, es noch ein zweites Mal komplett zu lesen - habe ich mich gefragt, warum ich es überhaupt behalten habe, und habe beschlossen, daß es in den öffentlichen Bücherschrank wandern wird. Vielleicht wird es jemand mitnehmen und mehr wertschätzen als ich.

Ich weiß, daß dies kaum eine Rezension ist, da ich soviel ausgelassen habe, falls ihr aber gern mehr herausfinden möchtet, könnt ihr hier einen englischen Artikel finden. Leider habe ich nichts auf Deutsch gefunden.