Meine Schwester bekam "Krabat" zu Weihnachten, als ich 6 war. Ich könnte euch nicht mehr sagen, wann ich es das erste Mal gelesen habe und leider kann ich mich auch nicht an meine erste Reaktion darauf erinnern. Es kann mich nicht abgeschreckt haben, weil ich es seither sehr oft wiedergelesen habe.
Warum es mich abgeschreckt haben sollt, wollt ihr wissen, falls ihr "Krabat" nicht kennt?
Sprechen wir darüber.
"Krabat" wurde von Otfried Preußler geschrieben, die Erstveröffentlichung war 1971.
Es erhielt mehrere Preise und ist inzwischen in 39 Sprachen übersetzt worden.
Anmerkung: Ihr habt vielleicht von dem Film von 2008 gehört, ihn vielleicht sogar gesehen, aber ich werde nicht darüber sprechen, weil ich ihn nicht mochte.
Ich werde aber ein paar Quellen für weitere Lektüre am Ende des Posts angeben, wenn ihr an mehr Details zum Buch interessiert seid, aber auch an der Biographie des Autoren, die in diesem Zusammenhang interessant ist. Da ich über mehrere Dinge sprechen möchte, die in Verbindung mit dem Buch stehen, würde der Post zu lang werden, wenn ich das direkt vertiefe.
Das Buch spielt während des Großen Nordischen Kriegs im frühen 18. Jahrhundert.
Krabat und zwei weitere wendische Betteljungen gehen von Dorf zu Dorf, um als die drei Könige für etwas Essen zu singen, als Krabat in drei Träumen zur Mühle in Schwarzkollm gerufen wird.
Er folgt dem Ruf zu der Mühle beim Schwarzen Wasser im Koselbruch, wo ihm der geheimnisvolle einäugige Meister anbietet, ihn zu seinem Lehrling zu machen und ihn das Mahlen von Korn zu lehren, aber auch "den Rest". Krabat nimmt an, ohne zu wissen, daß die Mühle auch eine "Schwarze Schule" und "der Rest" die Zauberei ist. Es bedeutet harte Arbeit, ja, aber es gibt auch ausreichend zu essen, was für einen Waisenjungen in diesen harten Zeit verführerisch genug ist.
Krabat und seine elf Mühlenbrüder, aber einmal in der Woche werden sie zu Raben und der Meister lehrt sie schwarze Magie.
Obwohl das Zaubern ihr Leben aber auf manche Art leichter macht, bringt es auch die Gefahr mit sich, der eine zu sein, der an Silvester sterben muß, weil er eine Bedrohung für den Meister darstellt. Der Meister selber hat sich nur dem Gevatter zu verantworten, der die Mühle in jeder Neumondnacht besucht und Säcke mit grausigem Inhalt zum Mahlen mitbringt.
Nachdem er also zwei seiner Freunde verloren hat, muß Krabat in seinem dritten Jahr in der Mühle entscheiden, was er vom Leben erwartet, vor allem nachdem er sich in ein Mädchen aus dem nahegelegenen Dorf verliebt hat. Sie ist diejenige, die ihm dabei helfen kann, der Mühle zu entkommen und der Herrschaft des Meisters ein Ende zu setzen, auch wenn das bedeutet, daß die Gesellen ihre Zauberkräfte verlieren werden. Falls sie aber scheitert, wird das den Tod für Krabat und sie bedeuten.
Nun versteht ihr vielleicht, warum ich mich gefragt habe, wann ich das das erste Mal gelesen habe und warum es mich nicht abgeschreckt hat.
"Krabat" ist kein lustiges Buch über Zauberer und Magie. Teile davon sind sehr düster und unheimlich, es geht um Macht, wie sie mißbraucht wird oder wie man davon manipuliert wird, damit man in der Hoffnung, nicht derjenige zu sein, der ihr Opfer sein wird, schweigt oder andere verrät. Es geht darum, schlau zu sein, und um Freundschaft, Vertrauen, Hoffnung und Liebe.
Obwohl es für junge Leser*innen geschrieben ist, ist es für Erwachsene nicht langweilig, sie werden eine Menge mehr als nur eine Abenteuergeschichte darin finden.
Ursprünglich ist Krabat der Held einer sorbischen Volkssage, in der er als Zauberer dargestellt wurde, der seine Kräfte hauptsächlich zum Guten nutzte.
Sorben sind eine westslawische Ethnie, die in der Lausitz im Osten Deutschlands lebt und als nationale Minderheit anerkannt sind.
Es gibt aber auch einen wirklichen Krabat - den "Kroat" Johann Schadowitz, der für den Kurfürsten von Sachsen Johann Georg II. gekämpft hat und mit einem Gut in Särchen belohnt wurde, wo er eine Menge für die arme und daher ungebildete sorbische Bevölkerung getan hat, was ihm den Ruf als Zauberer einbrachte.
Preußler war nicht der einzige, der von der Sage um Krabat inspiriert wurde.
1954 nutzte Měrćin Nowak-Njechorński sie für seinen sorbischen Roman "Mišter Krabat" (eine der Inspirationen für Preußler, aber kurz nach dem 30jährigen Krieg spielend) und mischte sie mit Legenden über eine weitere sorbische Figur, Martin Pumphut (der als Pumphutt in zwei Kapiteln von Preußlers Buch auftaucht), der seine Zauberkräfte dafür benutzte, anderen Müllerburschen zu helfen. Das Buch wurde von Jurij Brězan ins Deutsche übersetzte, der selber zwischen 1968 und 1993 drei Romane über Krabat schrieb.
Seid ihr schon verwirrt?
Wie wäre es, wenn wir uns dann jetzt ein paar Filme anschauen?
Brězans erstes Buch "Die schwarze Mühle" ist seine Version der Krabat-Sage und inspirierte einen Film mit demselben Titel, der 1975 von der DEFA in der DDR gemacht wurde, deren Märchenfilme ja auch jetzt noch hier im Fernsehen gezeigt werden.
Die Version ist in mancher Hinsicht anders als die von Preußler, wobei am wichtigsten wohl ist, daß der Meister Menschen, die ihm nicht zu Willen sind, in Tiere verwandelt, und daß es nicht die Liebe eines Mädchens ist, die letztendlich die Herrschaft des Meistes zerstört, sondern die einer Mutter.
Es gibt aber auch einen Animationsfilm, der auf Preußlers Buch basiert.
1977 produzierte der tschechische Filmregisseur und Animator Karel Zeman "Čarodějův učeň" (das heißt "Der Zauberlehrling", aber der deutsche Titel ist "Krabat"), von dem jemand aus meiner Familie sagt, daß er ihn immer noch super gruselig findet. Er hat wirklich eine tolle Atmosphäre.
Ich kann die Filme nur empfehlen, aber Preußlers Buch ist es wirklich wert, gelesen zu werden, falls ihr das tatsächlich noch nicht getan hättet. Auch zwei Mal oder drei Mal.
Weitere Lektüre:
1. Caroline Roeder: Mediales Mühlengeklapper - die Otfried-Preußler-Debatte 2023 f. Auf: Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
2. Webseite "Auf den Spuren des Krabat"
3. Die Sagenfigur Krabat. On: Schwarzkollm.de
4. Krabat auf dem deutschen Wikipedia
5. Krabat: Die wahre Geschichte hinter dem DDR-Kultfilm. Bei MDR Dok auf YouTube
6. Hannah *: 51 Jahre Krabat - warum man manchmal erst erwachsen werden muss, um ein Jugendbuch wirklich zu verstehen. Auf: Buchfreaks, 24. Januar 2022





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