Vor zwei Wochen hatten wir "das Profil", heute bringe ich "die Augen" zurück - Conrad Veidt.
Der Film ist von 1929 und heißt "Illusion".
Fangen wir mit der Handlung und ein paar Spoilern an.
Bühnenmagier und Hypnotiseur Erik der Große ist seine hübsche und viel jüngere Assistentin Julie verliebt, sie aber scheint das nicht wirklich zu erwidern, obwohl er mit ihr verlobt zu sein meint.
Eines Nachts steigt ein Einbrecher in Eriks Suite ein, um Essen zu stehlen. Jeder, Julie und Buffo, Eriks anderer Assistent, kommen gelaufen, aber Erik versichert ihnen, daß alles in Ordnung ist, und bietet Mark auf den Vorschlag von Julie hin sogar eine Stelle als Assistent an.
Erik plant seine Verlobung mit Julie an ihrem 18. Geburtstag bekanntzugeben, aber bevor die Feier beginnt, erzählt ihm der eifersüchtige Buffo von der heimlichen Liebe zwischen Julie und Mark.
Also verkündet Erik stattdessen die Verlobung von Julie und Mark, sehr zur Überraschung der Gäste und zum Ärger von Buffo.
Während ihres nächstes Bühnenauftritts wird Buffo in einem Trick mit einer Truhe und Schwertern, den Mark ausführt, getötet.
Beim Mordprozeß (mit Sam de Grasse, den wir aus vier Filmen kennen, über die ich schon geschrieben habe, als Ankläger), fleht Julie Erik um Hilfe an für Mark an.
Erik bittet den Richter, den Trick vorführen zu dürfen. Er zeigt, wie er das Publikum getäuscht durch das Zeigen eines blutigen Schwerts hat, damit es denkt, Mark hätte den tödlichen Stich ausgeführt, aber wie tatsächlich er Buffo mit einem in seinem Ärmel versteckten Dolch getötet hat.
Er erklärt, gehofft zu haben, daß Julie zu ihm zurückkäme, wenn er den unloyalen Buffo losgeworden wäre und Mark durch seine Beschuldigung aus dem Weg geräumt hätte.
Dann tötet er sich vor den Augen eines schockierten Publikums mit dem Dolch.
Veidt war zu der Zeit 26, Philbin 26. Tatsächlich kam dieser Film nur ein Jahr heraus, nachdem sie in "Der Mann, der lacht" (einer meiner Posts, der leider überhaupt keine Kommentare bekommen hat, obwohl ich den Film wirklich faszinierend fand) ein sehr glaubwürdiges Paar gewesen waren.
Also hatte ich hier nicht das "Igitt"-Gefühl, das ich schon bei anderen Filmen hatte, nicht nur weil ich ein Fan von Veidt bin, selbst wenn sie schwer mit Makeup und silbernen Schläfen gearbeitet haben, um die Vorstellung eines großen Altersunterschieds zu vermitteln.
Der Film wurde auf dem Set von "Das Phantom der Oper" gedreht und hatte zwei Versionen. Die eine war teilweise vertont - wir sind am Ende der Stummfilmära und Veidt ging nach diesem Film nach Deutschland zurück - und gilt als verschollen (in der ungarischen Version wurde Veidt von Bela Lugosi synchronisiert).
Die Stummfilmversion enthielt Szenen, die als verschollen gelten.
Ich habe den Abzug mit dänischen Zwischentiteln gesehen, der ungefähr eine Stunde lang läuft, also ist die Entwicklung teilweise vielleicht etwas überstürzt.
Ich habe gelesen, daß es eine Szene gab, in der Erik einen Zusammenbruch hat. Das muß gut gepaßt haben, denn es ist schwer zu glauben, daß er den ganzen Film über so ruhig geblieben sein soll, außer am Ende natürlich.
Obwohl es recht vorhersehbar war, daß Julie und Mark zusammenkommen würde, habe ich ihnen nicht die Daumen gedrückt, obwohl es wahrscheinlich so gedacht war, daß das Publikum das tut.
Oh schau, der alte Mann nutzt das junge Mädchen aus, das nur geblieben ist, weil er soviel für sie getan hat.
Ich denke, das hätte ich eher nachvollziehen können, wenn Erik von einem älteren Schauspieler gespielt worden wäre.
So hat er mir nur leid getan, naja, bis er Buffo umgebracht hat. Er hätte ihn feuern sollen, weil er den ganzen Film über genervt hat, aber Mord war schon etwas übertrieben.
Ich mochte auch Mark von seiner ersten weinerlichen Szene an nicht, als Erik ihn in seiner Suite überraschte.
Was mich auch gewundert hat war, daß niemand die Möglichkeit in Betracht gezogen hat, daß Buffos Tod ein Unfall gewesen sein könnte. Schließlich hätte Buffo die Truhe während der Schwerteraktion verlassen können/sollen. Ein klares Versagen von Marks Anwalt.
Das Highlight war für mich also wirklich Conrad Veidt. Meiner Meinung nach hätten sie mehr aus dem Film machen können, wenn sie sich nicht nur so sehr auf seinen düsteren, hypnotischen Blick konzentriert hätten. Wie ich aber gesagt habe, hätten die fehlenden Szenen da vielleicht einen Unterschied gemacht.
Warum das manche als Horrorfilm bezeichnen, weiß ich übrigens nicht.
Auf jeden Fall habe ich den Film dank ihm trotzdem genossen, während mich die anderen drei nicht so sehr überzeugten. Ich habe mich sogar gefragt, wie Julies und Marks Geschichte wohl weitergegangen wäre, denn sie schienen mir beide nicht gerade besonders lebenstüchtig zu sein.
Würde ich ihn noch einmal anschauen? Ich denke ja, aber es gibt ja noch mehr Veidt-Filme!
Quellen (englischsprachig):
1. Fritzi Kramer: The Last Performance (1929) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 20. August 2014
2. "Monique classique": The Last Performance (1929). Auf: Conrad Veidt Forever
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.









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