Donnerstag, 26. Februar 2026

Stummfilme - Oh, Doctor!

"Ein Hy-po-chon-der ist ein Mann, der weiß, daß er geboren wurde, um zu sterben — und sein ganzes Leben damit verbringt, darin gut zu werden."
Willkommen zu "Oh, Doctor!" von 1925 mit Reginald Denny (der so wunderbar in "Skinner's Dress Suit" getanzt hat) und Mary Astor.


Hier die Handlung (diesmal wieder mit Spoilern).

Der kleine Rufus Billop hatte keine leichte Ankunft auf dieser Welt und es wurde nicht erwartet, daß er überlebt. Das tat er jedoch, aber mit einem Thermometer im Mund und vor allem Gefährlichen beschützt.
Die Folge war, daß er ein Hypochonder wurde. Ein Doktor schlägt einen Sanatoriumsaufenthalt vor, aber Rufus hat das Geld nicht - noch nicht. Der Arzt schlägt vor, er solle die 750000 $ beleihen, die er in drei Jahren erben wird, aber Rufus ist überzeugt, daß niemand verrückt genug sein wird, das Risiko einzugehen, da das Geld an wohltätige Zwecke geht, falls er vorher stirbt.
Der Arzt findet drei Geschäftsleute, die anbieten, Rufus jetzt 100000 $ zu geben und sie bekommen dann in drei Jahren die volle Erbschaft. Was für ein Schnäppchen!


Natürlich lassen sie Rufus vorher von mehreren Ärzten durchchecken, und als sie herausfinden, daß "Totenwache-Mary" die erste Krankenschwester des "Patienten" ist, ergreifen sie sofort Maßnahmen und stellen stattdessen eine hübsche Krankenschwester - Dolores Hicks - ein, um ihn aufleben zu lassen.


Für Rufus ist es Liebe auf den ersten Blick, und als er das Dienstmädchen fragt, was Frauen mögen, und sie ihn wissen läßt, daß sie einen Mann mögen, der "vor gar nichts nicht Angst hat", beschließt er, ein solcher zu werden.
Er nimmt an einem Autorennen teil und geht lebend aber nicht unversehrt daraus hervor, er hat einen Motorradunfall und hat noch viel mehr geplant, vom Fliegen bis zum Tiefseetauchen.
Ihr könnt euch vorstellen, was seine Stunts bei den drei Kredithaien auslösen!


Sie sind allerdings nicht die einzigen, die beunruhigt sind. Miss Hicks entwickelt mehr als krankenschwesterliche Gefühle für Rufus und sie möchte nicht nur, daß er mit seinen waghalsigen Unternehmungen aufhört, sondern will auch verhindert, daß Cinch, McIntosh und Peck ihm sein ganzes Geld wegnehmen.
Als ihr Rufus also erklärt, daß er keine Angst mehr haben will, verspricht sie, ihn zu unterstützen, sogar bei seinem Plan, den Flaggenmast auf einem Gebäude anzustreichen.


Ihr Plan ist, die drei Geldverleiher, die ihr Investment in Gefahr sehen, so sehr zu schockieren, daß sie ein Dokument unterschreiben, das ein Anwalt für Dolores aufgesetzt hat und das die Erbschaft an Rufus zurückgibt.


Der Plan funktioniert, aber erst als Dolores droht, Rufus nicht zu heiraten, wenn er nicht sofort herunterkommt.



Der Film basiert auf dem Buch "Oh, Doctor" von 1923 von Harry Leon Wilson.
Was ihn für mich zu einer so charmanten Komödie macht ist, daß er witzig ist, aber nicht zu übertrieben.

Reginald Denny porträtiert Rufus als schüchtern und kindlich, aber nicht nervig weinerlich, und obwohl ich es nicht so mit Draufgängern habe, hat es Spaß gemacht, ihm dabei zuzusehen, wie er sich von seinen Ängsten befreit.
Dank der Brille und dem Stunt mit dem Flaggenmast bekommt man deutliche Harold Lloyd-Vibes, aber es fühlte sich nie wie eine Imitation an.


Mary Astor (die zu der Zeit erst 18 war, hättet ihr das gedacht?) macht aus Dolores eine Figur, mit der man sich identifizieren kann. Dr. Seaver sagt ihr, daß Rufus Hypochonder ist, daher ist sie amüsiert, als sie ihn kennenlernt - ich konnte sie beinahe hören, wie sie tsts machte - aber dann feststellt, daß da noch mehr ist, und sich schließlich in ihn verliebt.
Ich mag es mir vorzustellen, daß sie Rufes auf dieselbe kluge und ruhige Art durchs Leben führen würde, in der sie auch im Film alles in Ordnung bringt.
Ich liebe auch das Lächeln auf ihrem Gesicht, wenn sie ihm sagt, er soll von dem Mast herunterkommen. (Außerdem - findet ihr nicht auch ihre Wasserwelle und die Cloche toll? Ich schon und ich hätte damit ja so albern ausgesehen, seufz.)

Natürlich haben wir auch noch die Nebendarsteller. Ich kenne sie (noch) nicht, aber es scheint, es waren alles bekannte Charakterdarsteller.
Cinch, McIntosh und Peck waren ein großartiges Trio. Ich mußte bei ihnen an Ebenezer Scrooge denken, nur witziger, zum Beispiel mit ihren individuellen nervösen Ticks.
Ich mochte auch Tante Beulah, und die Szene, in der sie eine Masseuse heranschafft, nachdem Rufus um einen Arzt gebeten hat, ist zum Schießen.
Das tanzende Dienstmädchen war großartig.
Es gibt nur ein Problem, das wir bei Filmen aus dieser Zeit scheinbar nicht vermeiden können, wir haben eine - glücklicherweise kurze - Szene mit einem asiatischen Bediensteten und peinlichen Zwischentiteln. Ich weiß nicht, ob er auch im Buch vorkommt, aber im Film hätten wir ihn nicht gebraucht.

Trotzdem definitiv eine Empfehlung von mir!



Wie viele der anderen Stummfilme, die ich bisher angeschaut habe, habe ich diesen auf Fritzi Kramers Blog gefunden, danke!
Fritzi Kramer: Oh, Doctor! (1925) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 7. Mai 2013

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