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Sonntag, 26. April 2026

Aus meinem Kinderbuchschrank - Catweazle

Wartet ... aus meinem Kinderbuchschrank?
Ja, meine Freunde. Heute spreche ich über das
Buch "Catweazle" von Richard Carpenter, das auf den Drehbüchern der ersten Staffel der gleichnamigen britischen Kultfernsehserie beruht. Okay, ich kann nicht vermeiden, daß es eine Mischung aus beidem wird.

Für diese perlengestickte Brosche habe
ich tatsächlich einen vintage Button
verwendet. Ich erinnere mich, wie eine
Online-Freundin meinte, daß sie nicht wüßte,
ob sie den Mann besonders mochte, die
Brosche aber schon.
Natürlich kannte sie Catweazle nicht.


Aber halt mal, es wäre vielleicht ganz gut, wenn ich euch Catweazle erstmal vorstellen würde.

Catweazle ist ein Zauberer im England des 11. Jahrhunderts. Eins seiner großen Ziele ist es, fliegen zu können. Eines Tages scheuchen ihn normannische Soldaten aus seiner Höhle und um zu entfliehen, muß er in einen Teich springen.

Catweazle läuft vor den
normannischen Soldaten
weg, aber nicht ohne seine
Vertraute, die Kröte Kühlwalda

Als er wieder auftaucht, sieht die Landschaft ganz anders aus. Er versteckt sich in einer Scheune und erfährt schnell, daß er im 20. Jahrhundert gelandet ist, als ihn Harold, der Sohn des Eigentümers von Hexwood Farm, findet (im Original heißt er Edward und wird seines roten Haars wegen Carrot genannt).

Harold mit Sam, dem Farmhelfer

Verständlicherweise ist für Catweazle alles neu und unheimlich.
Er glaubt, diese Zeit sei voller Zauberer. Einerseits würde er wahnsinnig gern ihren Zauber erlernen - wie Harolds "Elektriktrick" der "kleinen Sonne in einer Flasche" (einfach eine Lampe, die angeknipst wird) oder der "Zauberknochen" des Pfarrers (ein weißes Telefon, natürlich die alte Sorte mit Wählscheibe) - aber andererseits hat er Probleme damit, sich an so viele neue Dinge zu gewöhnen, und er reagiert nicht immer sehr höflich darauf, wenn sie nicht nach seinem Willen verlaufen (hier ist ein Video mit allen englischen Beleidigungen, die Catweazle anderen angedeihen läßt, von "nettle face" to "spider spittle").
Zum Glück hat Harold, der die Normannengeschichte übrigens nicht glaubt, Catweazle einigermaßen im Griff, außer wenn er sich mal wieder in die Nesseln setzt, aber auch der Zauberer kann Harold mit ein paar Dingen helfen, wie zum Beispiele beim überzogenen Bankkonto der Farm oder einer nervenden Haushälterin und ihrem Sohn.

Catweazle schlägt sein Lager in einem alten Wasserturm im Wald auf, der der Army gehört, und nennt ihn Burg Saburac nach dem Geist, von dem er behauptet, daß er ihn dorthin geführt hätte.
Wenn er nicht unterwegs ist, um Leute zu verwirren oder sich vor ihnen zu verstecken, verbringt er seine Zeit dort und sucht verzweifelt nach einem Zauber, um ihn seine eigene Zeit zurückzukehren. Viele seiner Zauber laufen schief, aber er ist zum Beispiel recht gut darin, Leute zu hypnotisieren, damit sie ihn vergessen.


Ich führe jetzt nicht die einzelnen Folgen der Fernsehserie auf, obwohl es verführerisch ist - wie Catweazle einen alten Fluch bricht, wie er seinen Zauberdolch Adamcos zurückbekommt oder warum er Besen stielt (und Sam damit fast in die Bredouille bringt) und so weiter.
Da das Buch aber auf den Drehbüchern der Serie beruht und sich wirklich ziemlich genau daran hält, möchte ich einen kurzen Blick auf die Entstehung der Serie werfen.
In einer kurzen Dokumentation erzählt Richard Carpenter die Geschichte von seinem Schwager, der eine Truthahnfarm hatte - das ist ein Unterschied zwischen Buch und Serie, in der Serie bekommt man keinen Truthahn zu sehen -, die sie besuchten, und auf dem Weg zurück verirrten sie sich und kamen an ein Tor, auf dem "Catweazle" stand. Weitere Inspiration kam von diesem Gemälde von Hieronymus Bosch, von der Figur links unten im Eck, um genau zu sein.


Carpenter, der tatsächlich Schauspieler gewesen war, war so fasziniert, daß er daraus eine eigene Figur machte. Sein Freund, der wundervolle Geoffrey Bayldon, hatte zuvor die Rolle als "Doctor Who" abgelehnt. Er war sich nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung getroffen hatte, bis er die Rolle als Catweazle angeboten bekam, die er als Doctor Who nicht hätte annehmen können.
Bayldon brachte seine eigenen Ideen in die Figur ein, witzige Geräusche, Mimik, Bewegungen, er wurde wirklich zu Catweazle und machte ihn magisch.
Die Chemie mit den anderen war großartig, vor allem mit Harold, der die meiste Zeit damit verbrachte, den Zauberer vor seinem Vater, Mr. Bennet, und allen anderen zu verstecken, mit mehr oder weniger Erfolg.

Robin Davies mußte sich für die Rolle von
Carrot/Harold die Haare rot färben lassen

Spoileralarm - Catweazle schafft es irgendwann nach Haus, mit seiner Vertrauten Kühlwalda (deren Name im Original Touchwood ist, was natürlich von der uralten Gewohnheit inspiriert ist, auf Holz zu klopfen, damit man Glück hat).



In einer Zeit vor dem Internet, ja sogar bevor man etwas vom Fernsehen aufnehmen konnte, muß das Buch eine großartige Möglichkeit gewesen sein, in diese magische, schelmische, verrückte Welt von Catweazle einzutauchen, die von den Geschichten und Illustrationen heraufbeschworen wurde, wenn man keine Wiederholungen anschauen konnte.
Ich sage ab und zu noch "Elektricktrick" und ich bin nicht die einzige.
Auf der Seite des offiziellen britischen Fanclubs gibt es eine ganze Liste von Wörtern und Ausdrücken. Carpenter recherchierte "Okkultes & Mythologie", um der Serie durch die Nutzung von lateinischen Wörtern und uralten Namen noch mehr Charme zu verleihen.

Es gibt zwei Staffeln von "Catweazle" und zwei Bücher, das zweite heißt
 "Catweazle sucht die magischen Zeichen".
Carpenter hat auch aus anderen Serien, für die er geschrieben hat, Bücher gemacht (eine davon ist mein anderer Favorit von ihm, "Robin von Sherwood", eine Serie, die der Robin-Hood-Legende eine zusätzliche magische Seite gibt). In der zweiten Staffel kommt Catweazle wieder zurück, aber ach, nicht auf die Hexenwald-Farm, und nachdem der Regisseur gestorben war, wurde eine dritte Staffel nie verwirklicht.
Ich kaufte die englischen Bücher vor langer Zeit und lese sie immer noch gern ... obwohl es natürlich noch besser ist, Catweazle anzuschauen!


Der Fanclub (der auch deutsche Mitglieder hatte) war früher sehr aktiv - zum Beispiel ließen sie eine wunderschöne Büste von Catweazle anfertigen, hatten Treffen mit den Schauspielern auf der Farm, wo die Serie gefilmt wurde, und es gab ein Forum (das traurigerweise wie so viele eingeschlafen ist).
Ich frage mich, wieviele Leute den Zauberdolch wohl an ihre Kinder und vielleicht sogar deren Kinder weitergegeben haben, aber können Kinder von heute eine solche Geschichte noch schätzen? Was denkt ihr?

Die deutsche Übersetzung zu den Büchern kam heraus, nachdem die Serie hier ins Fernsehen kam. Ich habe die Bücher nicht und kann daher nicht sagen - gehe aber davon aus - ob die Namen und Ausdrücke in den Büchern von 1973 und 1974 dieselben wie in der Serie waren.
2010 wurde eine Sonderausgabe mit beiden Bänden veröffentlicht. Sie hatte ein Vorwort zur Erklärung für Kinder, daß dies die Welt ihrer Eltern war - keine Computer oder Handys und nicht mal ein Fernsehgerät in jedem Haushalt. In dieser Ausgabe wurden die deutschen Varianten teilweise beibehalten - der Dolch heißt zum Beispiel im deutschen Buch Adamos, obwohl er in der Serie wie im Original Adamcos heißt - und teilweise die englischen eingeführt oder angepaßt. Aus Harold wurde Karotte, aus dem Zauberspruch "Salmai, Dalmai, Adomai" wurde wieder das Original "Salmay, Dalmay, Adonay", aus dem "Zauberknochen" ein "magischer Knochen" und aus dem "Elektriktrick" wurde "Ele-Trick" (pff). Es ist äußerst verwirrend.
2021 gab es dann einen Film mit Otto. Ich habe ihn nicht angeschaut und werde mir meine Erinnerung an Catweazle auch nicht damit verderben, daß ich das tue, aber es zeigt, daß er nicht vergessen ist.


Quellen und mehr Informationen (ich habe mehr Seiten besucht, aber diese beiden englischsprachigen Links haben eine Menge Information zu bieten):

1. Official Catweazle Fan Club
2. Catweazle Extra - Brothers in Magic: a documentation. Auf YouTube


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Fröhliche Weihnachten

"Du wirst dir ein Auge ausschießen."
Entweder kennt ihr dieses Zitat, fangt an zu lachen und kommt direkt mit einem eigenen Zitat um die Ecke, vielleicht den gelben Augen von Scut Farkus oder dem Pferd des Neffen des Lone Rangers (Victor), oder ihr kennt es nicht, was bedeutet, daß ihr noch nie " Fröhliche Weihnachten" gesehen habt.

Ralphie und sein verzweifelter Weihnachtswunsch nach einem offiziellen Red Ryder Luftgewehr sind seit vielen Jahren Teil meines Lebens, zunächst dank des deutschen Fernsehens, dann, nachdem sie aus unbekannten Gründen aufgehört haben, den Film zu zeigen, auf englischer DVD.
Die Weihnachtszeit wäre nicht dieselbe ohne diesen Film, ohne Ralphie in seinem Häschenkostüm, einem Geschenk von Tante Clara, die unter dem falschen Eindruck leidet, daß er ein auf ewig vier Jahre altes Mädchen ist, ohne seinen Vater, der besessen von seinem Preis aus einem Kreuzworträtselwettbewerb ist, einer Lampe in Form eines Damenbeins, und seine Frau beschuldigt, diese absichtlich zerstört zu haben, ohne Ralphie, der versucht, überall (nicht immer ganz so) subtile Hinweise bezüglich des Red Ryder fallen zu lassen, und natürlich ohne die Nachbarshunde, die den Truthahn stehlen.
Oh, und falls ihr wissen möchtet, ob Ralphie sein Luftgewehr bekommt, solltet ihr euch den Film anschauen.

Wußtet ihr, daß die Geschichten im Film Teil einer Sammlung sind,  "In God We Trust: All Others Pay Cash" von Jean Shepherd? Soweit ich sehen kann, wurde es aber nie ins Deutsche übersetzt.

1. Auflage 1966, Bild in "Fair Use"
über Wikipedia


Jean Shepherd was ein amerikanischer Humorist, der für das Radio auftrat. Irgendwann wurde er überzeugt, seine Radiogeschichten niederzuschreiben, fiktionale Geschichten, gemischt mit Faken aus seiner eigenen Kindheit.
Er hat übrigens auch am Film mitgeschrieben und als Erzähler fungiert, was er brilliant gemacht hat (schließlich hatte er Erfahrung vom Radio)
Also mußte ja auch das Buch gut sein, oder? Njaa (das soll ein Geräusch sein, das Unsicherheit ausdrückt) .... Ich kaufte das Buch, kämpfte damit auf zu vielen meiner Pendlerfahrten, schaffte es mit Müh und Not bis zum Ende und rührte es nie wieder an.
Versteht mich nicht falsch, es gab Teile, die mich zum Kichern oder Lachen brachten, aber es waren viele, viele Wörter, viele, viele Beschreibungen, und der Rahmen, in den die Geschichten eingebettet waren - der erwachsene Ralphie kehrt nach Hause zurück und erzählt in der Bar seines alten Freundes Flick von seinen Erinnerungen - hat für mich nicht wirklich funktioniert.
Rezensionen zufolge, die ich gelesen habe, sind wie immer nicht alle meiner Meinung, aber so manche denken genau wie ich.
Ich schätze, ich werde mich einfach an den Film halten, vielen Dank.

P.S. Ich hatte gar nicht über die Fortsetzungen Bescheid gewußt und den Sommerfilm werde ich mir auch sparen, aber ich warte gerade auf die zweite Fortsetzung, also werde ich vielleicht irgendwann eine Kurzrezension zu diesem Post hinzufügen, sobald der Film da ist.
Und da sind wir auch schon - A Christmas Story Christmas von 2022 (keine deutsche Version).
Es ist 1973. Ralphie ist erwachsen und hat jetzt seine eigene Familie. Er hat sich eine Auszeit von der Arbeit genommen, um einen Science-Fiction-Roman zu schreiben, aber sein episches Werk von 2000 Seiten wird von allen Verlegern abgelehnt.
Kurz vor Weihnachten ruft seine Mutter an, um ihm zu sgen, daß sein Vater gestorben ist, also macht sich die Familie auf, um Weihnachten mit ihr zu verbringen.
In Gedanken an seinen Vater möchte Ralph dies zum allerbesten Weihnachten machen, aber es funktioniert nicht ganz so (wie erwartet ;-)).

Tatsächlich war ich etwas überrascht - vorsichtig, wie ich bei Fortsetzungen nun mal bin - daß mir der Film wirklich gefallen hat.
Natürlich ist es eine andere Mutter (Melinda Dillon war zu der Zeit schon 82 und hatte vor Jahren mit dem Schauspielern aufgehört), aber es sind ein paar vertraute Charaktere aus dem ersten Film dabei, was, wie ich finde, zum Spaß sehr beiträgt. Wird er Kult werden wie der erste? Ich bezweifle es, weil die Eltern so ein wichtiger Teil davon waren, aber ich war nicht enttäuscht.