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Sonntag, 30. März 2025

Nadines Privatinsel

Ihr wißt vielleicht nicht, daß ich ein Riesenfan von David Zinn bin. Wenn ihr auf Facebook oder Instagram, YouTube oder TikTok seid, bin ich mir ziemlich sicher, daß ihr seine Arbeit schon mal gesehen habt.

Nun eine kleine Warnung oder Entschuldigung. Ich liebe Davids Kunst so sehr, aber ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte finden werde, um das zu erklären. Manchmal bin ich voller Worte, aber die richtigen kommen nicht raus. Das kann dann zu etwas führen, das in meinem Kopf total Sinn macht, aber aufgeschrieben nicht so sehr.


Das ist von Davids Website:
"Jetzt ist Mr. Zinn dank der Versuchungen einer Schachtel Straßenkreide an einem ungewöhnlich sonnigen Tag auf der ganzen Welt für die Kunst bekannt, die er zu seinen Füßen erschafft. Davids temporäre Straßenzeichnungen bestehen ausschließlich aus Kreide, Kohle und gefundenen Objekten und werden immer vor Ort durch einen Prozeß improvisiert, der (fast niemandem) als "ephemere pareidolische Anamorphose" bekannt ist.
Seinem
TEDx-Talk zufolge ist das keine "capital A Art" (Kunst mit großem K), sondern "small a art" (Kunst mit kleinem k).

Es ist Kunst, die nicht lange hält, Kunst, die man aus einem bestimmten Winkel sehen muß, um das Bild richtig zu erkennen, Kunst, die davon inspiriert ist, daß man eine Bedeutung oder ein Bild in etwas erkennt, das ursprünglich nichts damit zu tun hat, so wie man einer Wolke etwas erkennt, das für den Verstand Sinn ergibt, eine Kuh oder ein Auto.

Das letzte kennen wir alle. Ich sehe regelmäßig Gesichter, Drachenköpfe und anderes in meinen Badezimmerfliesen und das macht mir auch keine Sorgen, solange sie nicht anfangen, laut mit mir zu reden.
Was ich aber noch nie gemacht habe, ist, mit dieser Pareidolie zu arbeiten und Rissen, Linien, Kaugummiflecken, Blätter, Büsche oder Metallabdeckungen auf der Straße zu nutzen, um daraus etwas Witziges, Verrücktes, Herzerwärmendes zu machen. Ich habe ein paar Schmuckstücke gemacht, die als Art Kritzelei anfingen, zum Beispiel aus einem Stück verbogenen Draht, und daraus etwas Erkennbares gemacht, aber nicht so oft. Ich spiele zwar, aber die Ergebnisse sind meistens abstrakt.

David hingegen läßt uns an einer Welt aus Kreaturen teilhaben - wie Sluggo, das grüne Monster mit den Stielaugen, oder Philomena, das fliegende Schwein, Zwerge und Trolle, Hasen und Dinosaurier, Drachen und Hamster. Sie sind alle liebenswert, sogar die mürrischen, oft sind ihre Ängste und Freuden und Macken äußerst nachvollziehbar, und manchmal ist mir danach, ein Stück Straßenkunst zu umarmen oder mit ihm zu reden. Ich weiß, daß ich damit nicht allein dastehe, denn obwohl ich versuche, meinem eigenen Rat zu folgen und niemals die Kommentare auf sozialen Medien zu lesen, gibt es Posts, bei denen ich weiß, daß die Kommentare kein brennender Müllcontainer sind (wie es auf Englisch sehr passend genannt wird)
, und sie zeigen, wie sehr diese kleinen Kreaturen die Menschen ansprechen.

Ich bedauere sehr, daß ich niemals eine in echt sehen werde. David zeigt seine Kunst nicht nur in Bildern, sondern macht auch Videos davon, wie seine Kreaturen zum Leben erweckt werden, und es gibt auch Bücher, Drucke und Kalender, was wundervoll ist, aber egal wie gut ein Bild ist, glaube ich nicht, daß es genau dasselbe Gefühl auslösen kann.
Natürlich ist ein Punkt die Vorstellung, unerwartet darüber zu stolpern. In einem seiner Bücher sagt David, daß normalerweise nur ein paar Dutzend Leute seine Originalkunst zu Gesicht bekommen, wobei Festivals oder Veranstaltungen natürlich eine Ausnahme sind. Das ist nicht überraschend, wenn man sieht, wie Menschen herumrennen, ohne sich umzuschauen, mich selbst zweifellos eingeschlossen (außer dem Teil mit dem Rennen, daß ich so langsam laufe, könnte mir eine etwas bessere Chance verschaffen).
Es gab mal eine Zeit, in der ich auf meinem Heimweg bewußt nach oben schaute und Bleiglasfenster, Initialen an Häusern, sogar Mosaike entdeckt habe, die ich vorher nicht gesehen hatte. Ich glaube aber nicht, daß ich mir den Boden beim Laufen sehr bewußt anschaue, sondern nur wenn ich irgendwo sitze, und natürlich komme ich heutzutage sowieso nicht viel herum.
Wie groß wären meine Chancen also überhaupt, Kunst zu sehen, die mich nicht direkt anspringt wie zum Beispiel eine große Wand voller Graffiti?
Der andere Punkt ist, daß man auf den Bildern meistens von Anfang an den richtigen Winkel hat und man es nicht selber entdecken muß. Würde ich sonst überhaupt erkennen, was ich anschaue?
Würde ich Nadine sehen?

Ja, wir kommen endlich zu Nadine.
Sie ist mein absoluter Liebling, eine kleine Maus in einem blauen Kleid (hier könnt ihr ein paar Bilder von ihr finden). David nennt sie "eine Maus des Abenteuers".
Nadine schließt ohne Bedenken Freundschaften, mit Katzen, großen Fröschen, Schafen, Sluggo und sogar Drachen und dem Chalk Ness Monster.
Sie mag Abenteuer, genießt aber auch ruhige und einsame Zeiten mit einem Buch oder einem schönen Täßchen irgendwas.
Sie kümmert sich um Pflanzen, sie benutzt eine Kristallkugel, sie tanzt und sie scheint sehr im Moment zu leben und das zu genießen, was sie eben so tut.
Ich bin eine mürrische alte Katzenlady ... und ich glaube, ich beneide sie ein wenig darum, daß sie Nadine sein darf
😉

Vom ersten Mal an, als ich es sah, ging mir dieses Bild von ihr nicht mehr aus dem Kopf.

"Nadines Privatinsel"
Mit Erlaubnis von David Zinn

Das ist nicht das einzige Mal, daß ich Nadine mit einem Buch gesehen habe, aber im Vergleich zur Hängematte oder dem Baum ist das hier ein wirklich privater Ort.
Hätten wir nicht alle manchmal gern unsere eigene Privatinsel?
Vor allem heutzutage? Ein Ort, an dem uns die Welt wenigstens für ein Weilchen nicht berühren kann? Kein Telefon (obwohl mein Handy selten an ist, ist mein Festnetz rege in Gebrauch), keine Technik, keine Nachbarn, keine lauten Autos, nur wir und ein Buch. Ich hoffe, es sind keine nervigen Boote vorbeigekommen, aber wie ich Nadine kenne, wäre sie darauf wahrscheinlich auch vorbereitet.

Auf jeden Fall bekam ich dieses nagende Gefühl eines Bedürfnisses und einer Herausforderung.
Das Bedürfnis war der Wunsch, hieraus Fan Art zu machen. Die Herausforderung war die Entscheidung, was ich genau machen sollte und wie, und das war nicht so einfach. Am Ende schien nur Sticken das Richtige zu sein.
Also schnappte ich mir einen 9 cm-Stickrahmen - denn Nadine ist eine kleine Maus - und verbrachte ein paar spaßige Tage mit Sticken.



Meine Palme ist nicht ganz zu hoch und ich bekam auch nicht die ganze Insel drauf, aber Nadine scheint das egal zu sein.
Die Blätter waren zunächst ein bißchen problematisch, weil ich noch nie zuvor Stumpwork (3D-Stickerei) ausprobiert hatte und mit der kleinen Größe zu kämpfen hatte. Nach vier oder fünf Versuchen gab ich mich schließlich geschlagen und begab mich auf vertrautes Terrain zurück, soll heißen, ich fädelte die Blätter stattdessen (und nahm mir die künstlerische Freiheit heraus, sie heller zu machen, weil ich nicht mehr genug dunkelgrüne Perlen hatte).

Leider sind meine Messingrahmen einen Tick zu klein, das haut mit den gefädelten Blättern nicht hin, und meine Holzrahmen sind für diese Szene zu düster.
Ich werde irgendwann schon etwas finden.


Als ich mitten in der Nacht fertig war, machte ich ein schnelles und nicht sehr gutes Bild, und bevor ich wie üblich zuviel darüber nachdenken und kneifen konnte, schickte ich David eine Mail und bat ihn um Erlaubnis, dieses Stück öffentlich teilen zu dürfen.
Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich fühlte, als ich am schon am nächsten Tag eine Antwort bekam? Natürlich hatte ich auf eine gehofft, aber ich war mir da ganz und gar nicht sicher und vor allem nicht so schnell. Und wie ihr aus diesem Post erkennen könnt, war es ein Ja, was mir echt viel bedeutete.
Um Davids Worte aus dem TEDx-Talk zu benutzen, als er die Geschichte des ohrlosen Micky erzählte, ich war "kindisch glücklich".

Dies ist nur für mich, eine kleine Erinnerung daran, daß ich versuchen sollte, vielleicht manchmal mehr wie Nadine zu sein.
Ich lasse euch wissen, wie's läuft 😉
Außerdem bin ich mir sicher, daß es mich immer zum Lächeln bringen wird, wenn ich sie ansehe.

Samstag, 18. Januar 2025

Einfach nur so Samstag - Das neue Gangmitglied

Ich kann nicht fassen, daß es schon fast neun Jahre her ist, daß ich euch ein neues Gesicht auf meiner Fanwand aus Perlenwebporträts vorgestellt habe - Margarete Steiff.


Ich hatte auch kurz darüber gesprochen, wie mein Ex und ich Sammler von Steiff-Spielzeugen wurden, dank eines Flohmarktes, der zweimal im Jahr auf dem Gelände der Universität stattfand, an der wir beide arbeiteten. Es war ein riesiger Flohmarkt und wir hatten keine besonderen Interessen, wir schauten uns nur um.
Dann kamen wir zu einem Tisch mit einer kleinen Plüschmaus, einem Häschen und einem Meerschweinchen, alle Steiff, womit wir zwar vertraut waren, wovon wir jedoch in unserer Kindheit nie etwas besessen hatten. Wir wurden informiert, daß Leute Steiff sammelten, etwas, worüber wir noch nie zuvor nachgedacht hatten.
"Pieps", die Maus, "Manni", das Häschen, und "Swinny", das Meerschweinchen, kamen mit uns heim. Wir feilschten nicht mal. Wir hatten uns verliebt und es war unheilbar.

Wie wenig war uns doch bewußt, was mit diesen drei kleinen Tieren begann, nicht nur Besuche von Flohmärkten, Börsen, Auktionen, sondern auch das Kennenlernen von neuen Leuten und eine Menge Recherche in Zeiten vor dem Internet.
Wir wühlten uns durch Preisführer und Kataloge, wir lernten über verschiedene Knöpfe in Ohren oder auch Füßen und Schwänzen, wo es keine Ohren gab, unterschiedliche Schilder, Stoffarten, Glas- oder Plastikaugen und mehr.
Wir besuchten das Steiff-Museum in Giengen - noch das alte kleine - und wäre ich ein Kind gewesen, hätte ich vermutlich meine Nase gegen das Glas pressen wollen oder auf den Boden gesabbert. Bei jedem einzelnen Besuch sahen wir uns den kurzen Film über Steiff in dem kleinen Raum im Museum an. Hinterher gingen wir in unsere Lieblingsgaststätte und träumten davon, ein paar dieser Tiere zu besitzen.
Ich bin immer von Sammlerinnen, Sammlern und ihren Geschichten fasziniert gewesen, aber ich fürchte, ich habe mehr als eine Person mit meinen Geschichten gelangweilt.

Ein Tier, dem wir nicht widerstehen konnten, war Pieps. Immer wenn wir eine sahen, die uns gefiel, nahmen wir sie in unsere kleine Mäusegang auf, bis sie alles überrannten, so wie das Mäuse eben manchmal tun.
Sie sitzen auf Hunden, klettern auf Giraffenhälse, spielen mit Katzen, sprechen mit Füchsen, sitzen in Teddyschößen, spähen unter Rehen hervor und leisten Ziegen Gesellschaft.
Einmal habe ich eine großes Treffen für sie arrangiert.
All die weißen mit den roten Augen ...


... und all die grauen mit den schwarzen Augen ...


... und manchmal, wenn mich eine anspringt, ist es okay für mich, wenn sie der Gang beitritt.
"Pieps, hier ist Pieps, das sind Pieps und Pieps, oh, und die zwei drei sind Pieps, Pieps und Pieps. Hast du Pieps schon kennengelernt?" Okay, ich denke, ihr habt schon verstanden.

Diese Woche ist ein neues Quietscherchen angekommen und nach großen Hallo und einer Vorstellung hat sie für sich den Ritt auf einem Wildschwein ausgewählt. Sie ist eine zähe Kleine
😉
Könnt ihr fassen, daß sie schon mindestens 55 Jahre alt ist?


Wenn ihr jetzt denkt, daß ich verrückt bin, habt ihr wahrscheinlich recht, aber so funktioniert Sammeln nun mal - es ist egal, ob es Briefmarken, Flaschen, Spielzeug, Bücher, Kleider, Schuhe oder Filme sind!

Donnerstag, 26. November 2020

Die Feenmaus

Ich bin noch da, obwohl ich aus persönlichen Gründen eine längere Pause gemacht habe. Faul bin ich nicht gewesen, aber darüber seht ihr einem neuen meiner Adventskalender mehr im Dezember.

Der Draht ist in letzter Zeit ein ziemlich seltener Gast in meiner kreativen Welt gewesen, aber kürzlich war ich fest entschlossen, die Perlen mal beiseitezulegen und den Draht zurückzuholen. Wie gewöhnlich hatte ich keinen Plan, was ich hatte waren vier kurze dickere Drähte und meinen Arbeitsdraht.
Ich erzähle euch mal von der Reise, die ich mit ihnen unternommen habe und die mich zu einer seltsamen Kreatur führte.

Es ist komisch, wie man vier Drähte mit mehr Draht zusammen-
"binden" kann, und dann schaut man sie an und sieht auf einmal etwas - also, wenn man Glück hat und die Muse mitspielt. Da die Länge nicht wirklich für große Experimente ausreichte, war es nur natürlich, die Komponente oder wie immer man das zu dem Zeitpunkt genannt hätte einfach in der Mitte zu biegen.
Das eine, was ich sah, war ein kleiner Oktopus, wie ich ihn schon einmal gemacht hatte. Es war gut zu wissen, daß ich einen Plan B hatte, auch wenn ich keinen Plan A hatte. Ich sage Plan B, weil ich eigentlich keinen Oktopus machen wollte. Ich wollte ... ein Auge machen ... ein Auge mit Federn ... hatte ich einen Cabochon, den ich benutzen konnte ... falscher Bernstein, die perfekte Größe ... und die Federn am Ende (bitte beachtet, daß keiner dieser Schritte so schnell ging wie in diesem Post beschrieben, ich hielt die Dinge immer wieder hoch, schaute sie an, legte eins auf's andere, wickelte Draht wieder ab und so weiter, und ich habe kein einziges Foto gemacht, weil ich ja die Muse nicht stören konnte, richtig?) ... und jetzt hatte ich ein Auge und der "Bernstein" bewegte sich immer noch etwas, also mußte ich die Drähte dahinter enger ziehen ... jetzt scheinen sie durch den Cabochon hindurch, weiß nicht, ob mir das gefällt, aber ich lasse es erstmal ... als nächstes die Federn?

Keine Sorge, ich mache nicht so weiter, ich wollte nur zeigen, daß das so ziemlich ist, wie der Arbeitsprozeß oft bei mir abläuft.
Vor den Federn fiel mein Blick auf eine Achatscheibe. DIE Achatscheibe. Ich hatte sie in einem frühen Osterausverkauf gekauft, kurz bevor die Pandemie dafür sorgte, daß ich daheimblieb. Fragt nicht, was Achate mit Ostern zu tun haben, der Baumarkt hatte sie in einem Korb neben dem Tisch mit Dekoartikeln im Ausverkauf. Diese spezielle Scheibe hatte es schon ein paar Mal aus der Vorratsschublade geschafft, sich aber immer geweigert, mit mir zu reden. Dieses Mal aber sagte sie "schau mich an, ich bin eine Maus". Ein Auge mit Federn und eine grüne Maus. Schräg. Blätter statt Federn. Blättern, Wald, eine grüne Maus ... eine Feenmaus!

Da klickte es dann. Meine Maus brauchte ein großes Ohr, Schnörkel und Kringel auf ihrem Körper, einen langen Schwanz mit Schnörkeln und sogar schnörkelige Schnurrhaare.
Als ich sie schließlich gegen das Licht hielt, bemerkte ich, daß vor allem der untere Draht hinter dem Cabochon dem Auge mehr Dimension und Leben zu geben schien.

Es ist eine seltsame kleine Kreatur, aber sind wir das nicht alle? ;-)
Nun braucht sie nur eine Öse und/oder Kette, falls ich mich entscheide, aus ihr einen Anhänger zu machen. Sie ist kein Leichtgewicht. Vielleicht sähe sie mit einer Art waldigem Hintergrund nett in einer Schattenbox aus?

Dienstag, 5. Januar 2016

Was eine Maus und ein Perlenweb-Porträt miteinander zu tun haben

Es begann alles mit einer Maus, mit einer "Pieps"-Maus, um genau zu sein. Es war ein Samstag vor vielen Jahren auf dem großen Flohmarkt auf den Parkplätzen der Universität, an dem wir "Pieps" zum ersten Mal sahen.


Natürlich waren wir mit Steifftieren vertraut, obwohl wir beide (mein Ex und ich) nie welche gehabt hatten, als wir Kinder gewesen waren. Wenn man jedoch nur 55 Kilometer von dort entfernt wohnt, wo sie herkommen, kennt man sie zwangsläufig. Nun ja, ganz zu schweigen davon, daß sie natürlich weltberühmt sind. Wir hatten aber niemals wirklich über vintage Steiffs nachgedacht und darüber, wie sie aussahen.
Wir verliebten uns in "Pieps". "Pieps"-Mäuse wurden zwanzig Jahre lang hergestellt, in den Farben grau und weiß. Ich erinnere mich nicht, ob wir zuviel bezahlt haben - wahrscheinlich taten wir das - aber wir konnten nicht widerstehen. Der Verkäufer erzählte uns ein bißchen über vintage Steiffs und daß Leute sie sammelten. Ich schätze, es muß uns wie ein Blitz getroffen haben, denn auf demselben Flohmarkt kauften wir auch noch einen Hasen und ein Meerschweinchen und erfuhren von Dralon und Mohair.
Als wir heimkamen, wußten wir nicht, daß eine Tür aufgegangen war, eine Tür zu mehr Flohmärkten, Auktionen, neuen Freunden, Besuchen im Steiff-Museum (damals noch das alte), und natürlich Steifftieren.
Wir vergaßen nie, daß "Pieps" das alles angestoßen hatte. Wann immer wie eine sahen, die uns gefiel, kam sie mit uns nach Hause, weshalb ich bezweifle, daß die auf dem Bild die EINE ist.
Bis heute sitzen sie auf Giraffenhälsen, bei einem Teddy auf dem Schoß, sie reiten auf Füchsen und werden von Katzen und Hunden bewacht.

Damals hatten wir kein Internet. Wir hatten gedruckte Preisführer und wir taten alles, um für mehr Informationen an alte Steiff-Kataloge zu kommen. Wir waren aufgeregt, als wir von all den Dingen erfuhren, die Steiff außer den Tieren gemacht hatte, Drachen, Spielflugzeuge, Holzspielzeuge, Bauklötze, und natürlich waren da noch die Dinge mit aufgedruckten Steifftieren, von Eierbechern zu Kartenspielen, von Wachstischtüchern zu Plastikgeschirr.
Gerade heute erst habe ich den kleinen Weihnachtsbaum weggepackt, der jedes Jahr Teil meiner Flurdekoration ist.

Kürzlich habe ich eine Dokumentation über Steiff gesehen. Da beschloß ich, daß Margarete Steiff, die die Firma im späten 19. Jahrhundert gründete, an meine Fanwand von Perlenweb-Porträts gehörte.
Momentan sieht sie ein bißchen fehl am Platz aus, unter all den Schauspielerinnen und Schauspielern dort, mit ihrem ernsthaften Gesichtsausdruck, der für Fotos aus diesen Zeiten nicht ungewöhnlich ist. Wie ihr euch vorstellen könnt, gab es nicht viele Bilder von ihr zur Auswahl. Laßt euch davon nicht täuschen, sie war eine erstaunliche Frau.
Ihr findet eine kurze Biographie von Margarete Steiff auf meiner Fanwand-Seite.