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Sonntag, 21. Juni 2026

Suchet on a broad bean

Nein, es ist kein Fehler, daß der Titel auf Englisch ist. Ich erkläre es euch.
Wenn ich an Hercule Poirot denke, habe ich zwei Bilder in meinem Kopf - David Suchet und das hier.


Die Erklärung dafür ist, daß in der ersten Folge der vierten Staffel meiner britischen Lieblingsgameshow "Taskmaster" die sogenannte Preisaufgabe am Anfang der Show war, daß die Comedians "das interessanteste Autogramm auf dem interessantesten Gemüse" mitbringen mußten, und das hier hat gewonnen - "Suchet on a broad bean. Bang. That's what this competition is all about." = "Suchet auf einer Ackerbohne. Bang. Darum geht es bei diesem Wettbewerb."
Ich habe keine Ahnung, warum ich das so witzig finde, aber so ist es nun mal. Es ist wahrscheinlich die Tatsache, daß ein so anerkannter Schauspieler bei so etwas mitmacht.

Okay, kommen wir zu David Suchet als Hercule Poirot.
Suchet war fast 25 Jahre lang Poirot, in 70 Folgen von Januar 1989 bis Juni 2013. Und wenn ich "war" statt "spielte" sage, tue ich das, weil es sich genau so anfühlte.
Er studierte ihn, machte eine Liste von "Poirot Charakternotizen" und arbeitete an der Rolle, bis er in den Augen von vielen ergebenen Fans (mich offensichtlich eingeschlossen) der ultimative Poirot wurde.

Falls ihr es nicht schon mitbekommen habt, ich bin kein Fan von Christies Stil und ich bin nicht mal ein Fan von allen Verfilmungen mit Suchet. Es gibt ein paar, die ich schmerzhaft langsam finde - mein Bruder und ich diskutieren immer über Folgen von 45 oder 90 Minuten bei Krimisendungen im allgemeinen und in Poirots Fall ziehe ich oft die kürzeren vor ... ABER ich kämpfe mich für Suchet und die fantastischen Sets auch durch die langsamsten.
Da ich Art Deco liebe, machte es mir nichts aus, daß sie in den meisten Folgen in den 30ern steckenblieben, auch wenn das dem Roman oder der Geschichte nicht gerecht wurde. Ich kann mich absolut damit unterhalten, dem Fall keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken - da ich alle Folgen mehrmals gesehen habe, brauche ich das nicht wirklich - und mir stattdessen Gebäude, Autos, Möbel oder Dekorationen anzuschauen.

In den Geschichten, die ich gelesen habe, fand ich Poirot immer etwas nervig, aber obwohl Suchets Poirot definitiv von sich überzeugt ist, kann ich ihm viel leichter verzeihen, weil er diese Freundlichkeit hat und ich das kleine Lächeln liebe und wie er geht und spricht (auf Englisch, ich hasse die deutsche Synchronisation).

Es ist fast genau zwei Jahre her, daß ich mein letztes Porträt gemacht habe und dieses Muster habe ich sogar noch länger in der Pipeline, aber endlich kann ich David Suchet/Hercule Poirot an meiner Fanwand willkommen heißen (ihr könnt all meine aus Perlen gewebten Porträts hier finden).

Samstag, 13. Februar 2016

He came from outer space to save the human race

Wißt ihr, was das Beste daran ist, allein zu leben?
Ich kann tun, was ich will. Wann immer ich es will. Okay, natürlich sind da immer Einschränkungen. Ich versuche meine Nachbarn nicht mit lauter Musik oder Fernsehen zu stören. Ich renne nicht mitten in der Nacht die Treppe rauf und runter. Ich pussle nicht um 3 Uhr morgens in meiner Küche herum (was ich schon mal getan habe, als ich viel jünger war) oder schalte zu allen Tages- und Nachtzeiten den Staubsauger an (was etwas ist, das meine frühere Nachbarin schon mal getan hat, als ich noch viel jünger war).
Ich kann aber anhören, was immer ich will. Ich kann anschauen, was immer ich will. Ich kann meine Wände mit Tierbilder vollhängen, gemalt, gezeichnet oder fotografiert. Ich kann meine geliebte Treppe ins Nirgendwo behalten und sie mit Hüten dekorieren. Ich kann sogar meinen kleinen künstlichen Weihnachtsbaum so lang stehenlassen, wie ich mag (weil ich noch Bilder von meinen handgemachten Weihnachtskugeln daran machen möchte).

In diesem Post geht es aber nicht um das Singleleben. Es geht um meine Fanwand, etwas, von dem ich weiß, daß sie den alten Tagen des Nicht-Single-Seins Stirnrunzeln hervorgerufen hätte.
Auf meiner Seite habe ich gesagt, daß es eine Bauch-
entscheidung ist, wer an der Wand landet, genauso wie ich meinen Bauch entscheiden lasse, was mir gefällt und was nicht.
Hört euch das an ... ich bin kein Harry Potter-Fan und ich würde niemals Game of Thrones anschauen (dies sind nur willkürliche Beispiele, die mir als erstes eingefallen sind). Mir gefallen (manche) Bollywood-Filme und die Musik, und im nächsten Moment höre ich vielleicht Queen, die Beatles oder Mozart. Mein Comicheld ist nicht Batman oder Superman, sondern immer noch Donald Duck. Mir gefällt manche Mode an anderen, aber es wäre mir schon zuiel, für mich selber über T-Shirt, Jeans und Turnschuhe hinauszugehen.
Ich mag nicht jemanden oder etwas einfach, nur weil es populär ist, aber das heißt auch nicht, daß mir etwas nicht gefällt, nur weil es populär ist - obwohl ich schon dazu neige, bei Dingen, die mir aufgedrängt werden, sei es durch andere oder auch Werbung oder Trailers, erstmal stur zu sein. Ich muß einen Film nicht sehen, nur weil ihn "jeder" liebt. Ich bin kein Fan der meisten Actionfilme, und auch wenn ich schräge Filme mag, gibt es schräge Filme, die ich für, naja, zu schräg für mich halte, und das ist in Ordnung so.
Ich höre mir anderer Leute Meinungen an und vielleicht lasse ich mich überzeugen und vielleicht nicht.
Ich könnte immer so weiter machen, aber ich denke, ihr wißt jetzt genug ;-)

Vor ein paar Jahren bin ich zufällig im Fernsehen auf The Nomi Song gestoßen, eine Dokumentation über den Countertenor Klaus Nomi. Ich liebe alle möglichen Dokumentationen und nahm die Wiederholung auf, weil ich beim ersten Mal einen Teil verpaßt hatte. Als ich sie anschaute, fiel mir ein, daß ich ihn einmal im deutschen Fernsehen gesehen hatte und daß das Lied, das er sang, mir tatsächlich sehr vertraut war, auch wenn ich nicht sagen könnte warum.
Ich war interessiert und fing an, noch etwas mehr zu stöbern.
Nomi was Avantgarde, New Wave, ungewöhnlich und fremdartig, aber als eine Freundin ihn für ein Porträt vorschlug, war mein Bauch dafür, es zu tun.
Und jetzt ist er Nr. 25 an meiner Wand :-)


Donnerstag, 28. Januar 2016

So viel Universum und so wenig Zeit

Ich war früh dran für den Morgenzug und ging in den kleinen Buch- und Zeitungsladen im Bahnhof. Es gab eine Zeit, da es regelmäßige Routine für mich war, um neue Bücher anzuschauen und mir etwas für die Zugpendlerei zu suchen. Nun ist dort ein anderer Laden. Er ist größer, hat mehr Zeitschriften, Getränke, Snacks, und man kann tatsächlich darin herumlaufen, ohne sich gegenseitig umzurennen, aber er hat seinen Zauber verloren und ich gehe nur noch selten hinein.
Aber zurück zu dem einen Mal vor ungefähr 20 Jahren. Ich durchstöberte die Bücher und stieß auf eines, das Total verhext hieß. Ich weiß nicht warum, aber die Scheibenwelt hörte sich für mich vage vertraut an, und ich wußte definitiv, daß ich die Bücher schon gesehen, aber nie eines davon gelesen hatte. Das Cover gefiel mir und ich kaufte das Buch.
Im Zug konnte ich das Kichern von der ersten Seite an nicht zurückhalten. Ich wußte es noch nicht, aber ich war soeben zum Terry Pratchett Fan geworden, und ich war mehr als bereit, andere damit anzustecken. Ich erinnere mich, wie ich zur Arbeit kam, einen meiner Kollegen auf die Seite zog und ihm die erste Seite zum Lesen gab.

Mein Ex nahm nicht oft Lesetips von mir an (um fair zu sein, auch ich lehnte so einige seiner Vorschläge ab), aber er tat es, als es um Pterrys Bücher ging. Wenn er meine (nicht so kleine) Bibliothek durchging, endete er zu guter Letzt oft wieder einmal auf der Scheibenwelt.
Wir versuchten zu entscheiden, welche Charaktere wir am meisten liebten und was wohl das nächste Buch sein würde. Zuerst kaufte ich die deutschen Taschenbücher, da etliche davon bereits erhältlich waren, aber als ich dann alle veröffentlichen Romane besaß, fiel es immer schwerer, auf neue zu warten, bis ich dann schließlich anfing, die Hardcover auf Englisch vorzubestellen.
Und vergessen wir nicht, daß drei meiner Katzen nach Scheibenwelt-Charakteren benannt wurde, und wer weiß, vielleicht sind sie da nicht die letzten.

Nachdem ich hörte, daß bei Sir Terry Alzheimer diagnostiziert worden war, begann ich äußerst selbstsüchtig zu fürchten, was das wohl für eine Buchserie bedeutete, die mir so ans Herz gewachsen war.
Ich möchte nicht über die Gefühle sprechen, die ich hatte, als ich letztes Jahr von seinem Tod hörte, sondern über die Gefühle, als ich mit dem Lesen seines letzten Scheibenwelt-Romans Die Krone des Schäfers begann. Ein Teil von mir zog an der Kette wie immer, wenn ein neues Buch der Reihe bei mir angekommen war. "Lies es, du weißt, daß du es willst." Ein anderer Teil jedoch ließ mich das Buch zur Seite legen und es anstarren, wenn ich daran vorbeiging. Schließlich beschloß ich, daß ich es einfach lesen mußte. Es nicht zu tun würde nichts ändern und es zu tun würde auch nichts ändern. Wie naiv von mir. Ich möchte nichts verraten, aber Tränen liefen im Überfluß.
Ich habe keine Ahung, ob ich je dazu imstande sein werde, es ein zweites Mal oder sogar noch öfter zu lesen, wie ich es mit den anderen Büchern tat.

Ich möchte diesen Post nicht auf traurige Weise beenden. Ich bin froh, daß ich diese magische Welt entdecken durfte. Ich bin froh, daß ich sie jederzeit besuchen und meine Lieblingscharaktere dort treffen kann.
Obwohl mein erstes Buch nicht das erste in der Reihe war, habe ich irgendwie den Kreis geschlossen, da die Hexen sowohl in Total verhext als auch in Die Krone des Schäfers auftreten.
Ich bin froh, daß ich damals in den Buchladen gegangen bin.


P.S. Der Titel dieses Posts ist natürlich ein Zitat von Terry Pratchett.
P.P.S. Ich könnte mich selber immer noch dafür beißen, daß ich krank war, als ich die Chance gehabt hätte, ihn live zu sehen.
P.P.P.S. Gab es irgendeinen Zweifel, daß er an meine Fanwand mußte?

Dienstag, 5. Januar 2016

Was eine Maus und ein Perlenweb-Porträt miteinander zu tun haben

Es begann alles mit einer Maus, mit einer "Pieps"-Maus, um genau zu sein. Es war ein Samstag vor vielen Jahren auf dem großen Flohmarkt auf den Parkplätzen der Universität, an dem wir "Pieps" zum ersten Mal sahen.


Natürlich waren wir mit Steifftieren vertraut, obwohl wir beide (mein Ex und ich) nie welche gehabt hatten, als wir Kinder gewesen waren. Wenn man jedoch nur 55 Kilometer von dort entfernt wohnt, wo sie herkommen, kennt man sie zwangsläufig. Nun ja, ganz zu schweigen davon, daß sie natürlich weltberühmt sind. Wir hatten aber niemals wirklich über vintage Steiffs nachgedacht und darüber, wie sie aussahen.
Wir verliebten uns in "Pieps". "Pieps"-Mäuse wurden zwanzig Jahre lang hergestellt, in den Farben grau und weiß. Ich erinnere mich nicht, ob wir zuviel bezahlt haben - wahrscheinlich taten wir das - aber wir konnten nicht widerstehen. Der Verkäufer erzählte uns ein bißchen über vintage Steiffs und daß Leute sie sammelten. Ich schätze, es muß uns wie ein Blitz getroffen haben, denn auf demselben Flohmarkt kauften wir auch noch einen Hasen und ein Meerschweinchen und erfuhren von Dralon und Mohair.
Als wir heimkamen, wußten wir nicht, daß eine Tür aufgegangen war, eine Tür zu mehr Flohmärkten, Auktionen, neuen Freunden, Besuchen im Steiff-Museum (damals noch das alte), und natürlich Steifftieren.
Wir vergaßen nie, daß "Pieps" das alles angestoßen hatte. Wann immer wie eine sahen, die uns gefiel, kam sie mit uns nach Hause, weshalb ich bezweifle, daß die auf dem Bild die EINE ist.
Bis heute sitzen sie auf Giraffenhälsen, bei einem Teddy auf dem Schoß, sie reiten auf Füchsen und werden von Katzen und Hunden bewacht.

Damals hatten wir kein Internet. Wir hatten gedruckte Preisführer und wir taten alles, um für mehr Informationen an alte Steiff-Kataloge zu kommen. Wir waren aufgeregt, als wir von all den Dingen erfuhren, die Steiff außer den Tieren gemacht hatte, Drachen, Spielflugzeuge, Holzspielzeuge, Bauklötze, und natürlich waren da noch die Dinge mit aufgedruckten Steifftieren, von Eierbechern zu Kartenspielen, von Wachstischtüchern zu Plastikgeschirr.
Gerade heute erst habe ich den kleinen Weihnachtsbaum weggepackt, der jedes Jahr Teil meiner Flurdekoration ist.

Kürzlich habe ich eine Dokumentation über Steiff gesehen. Da beschloß ich, daß Margarete Steiff, die die Firma im späten 19. Jahrhundert gründete, an meine Fanwand von Perlenweb-Porträts gehörte.
Momentan sieht sie ein bißchen fehl am Platz aus, unter all den Schauspielerinnen und Schauspielern dort, mit ihrem ernsthaften Gesichtsausdruck, der für Fotos aus diesen Zeiten nicht ungewöhnlich ist. Wie ihr euch vorstellen könnt, gab es nicht viele Bilder von ihr zur Auswahl. Laßt euch davon nicht täuschen, sie war eine erstaunliche Frau.
Ihr findet eine kurze Biographie von Margarete Steiff auf meiner Fanwand-Seite.