Posts mit dem Label Tradition werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tradition werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 23. Mai 2026

Einfach nur so Samstag - Nachtkrabb

Kennt ihr den "Nachtkrabb"? Nein? Dann seid ihr wohl aus einer anderen Gegend als ich.
Obwohl mir der Nachtkrabb schon immer vertraut war, gibt es eigentlich nur eine Geschichte, an die ich mit aus meiner eigenen Familie erinnere. Mein kleiner Bruder war da wahrscheinlich so um die fünf Jahre alt (wir sprechen von den späten 70ern). Er saß am Küchentisch, bereit, ein Ei zu essen, als einer meiner anderen Brüder hereinkam und ihm sagte, daß ein Nachtkrabb aus dem Ei herausfliegen würde, wenn er es aufklopfte. Brüderchen flippte aus und stellte tatsächlich für kurze Zeit das Eieressen ein (kam aber recht schnell darüber hinweg).
Woran ich mich nicht erinnere ist, ob man ihm vorher vom Nachtkrabb erzählt hatte und es das war, was ihn so schockte, oder ob es einfach die Vorstellung war, daß irgendetwas aus diesem Ei geflogen (!) kommen könnte.

Ihr müßt wissen, der Nachtkrabb ist eine geheimnisvolle und dunkle Kreatur, eine Spukgestalt im Volktum von Süddeutschland und Österreich.
Andere Namen für ihn (ich habe nur einmal gesehen, daß jemand "sie" sagt) sind Nachtkrapp oder Nachtrabe. Für diesen Post bleibe ich bei der Schreibweise mit "bb".

Ich liebe Raben und sie waren die Inspiration für
diese perlengestickte Halskette, nicht der Nachtkrabb,
aber ich habe schon eine Weile über eine Nachtkrabb-
Version nachgedacht ... wenn ich nur eine gute Idee hätte!

Wie es oft in Überlieferungen geschieht, können die Sagen von Region zu Region mehr oder weniger unterschiedlich sein.
Ich erinnere mich nicht mal daran, ob wir nur den Namen kannten oder ob man uns tatsächlich eine Geschichte erzählte. Falls ja, wäre es wahrscheinlich die gewesen, die hier vorherrscht - von der riesigen schwarzen vogelartigen Kreatur, die durch die Nacht fliegt, um nach Kindern Ausschau zu halten, die nicht ins Bett gegangen sind - und sie hätte von der väterlichen Seite kommen müssen, da meine Mutter keine Schwäbin war.
Kurz gesagt ist es eine dieser Geschichten, die man sich ausgedacht hat, um Kinder dazu zu bringen, gewisse Dinge zu tun oder
nicht zu tun, in diesem Fall, noch draußen zu sein, wenn es schon dunkel ist. In manchen Gegenden werden Kinder, die nich gehorchen, in einem großen Sack gefangen und davongetragen. Was mit ihnen geschieht, wird nicht gesagt, aber sie kommen nicht mehr nach Hause, was den Ausgang zwar offen läßt, aber nichts Gutes verheißt. Andere Regionen sind etwas genauer, dort nimmt der Nachtkrabb die Kinder mit in sein Nest, wo er sie verschlingt.

Andere Länder haben übrigens ihre eigenen Versionen von Nachtraben.
Der Rabe und andere Rabenvögel sind immer ein Teil von Volkssagen gewesen, auf gute oder schlechte Weise.
Denkt nur an Hugin und Munin, die Raben des Gottes Odin, von ihm ausgesandt, ihm Neuigkeiten aus der Welt zu bringen.
In manchen Kulturen wurden Raben als Orakel benutzt, um den Ausgang von Schlachten hervorzusagen oder beim Treffen wichtiger Entscheidungen zu helfen.
Einige Stämme von amerikanischen Ureinwohnern sehen den Raben sowohl als Schöpfer als auch als Schwindler.
Das positive Bild änderte sich im Christentum. Rabenvögel ernährten sich von Aas, von Tieren, aber auch Menschen nach Schlachten oder Hinrichtungen, was ihrem Ruf nicht half. Sie wurden für Botschafter von Tod, Unheil und Seuche gehalten und auch als Vertraute von Hexen.

Zeitgenössische Kunst, Darstellung zweier
Raben wie Hugin und Munin, von Kim Diaz
Holm (dem jungen Herrn Holm)
CC BY 4.0
 

Mit diesem negativen Bild im Kopf, könnte die Vorstellung einer riesigen kinderraubenden Abart ein Kind sehr leicht ängstigen.
Aber warum habe ich den Nachtkrabb als vogelähnliche Kreature beschrieben und nicht als rabenähnliche?
Es gibt nicht nur verschiedene Sagen darüber, was er tut, sondern auch verschiedene Theorien über seinen Ursprung.

Eine davon ist, daß es gar nichts mit Raben zu tun hat, sondern mit dem Waldrapp, einem Vogel, der weit verbreitet war, zum Beispiel in Teilen von Zentraleuropa wie Süddeutschland oder Österreich. Die Jagd auf den Ibis zum Essen, wegen der schönen Federn oder zum Ausstopfen, sowie die Zerstörung seines Lebensraums brachte ihn an den Rand der kompletten Ausrottung.
Dank Auswilderungen gibt es eine Population in Marokko und kleinere anderswo, aber die Art ist immer noch stark gefährdet.
Die Wilhelma in Stuttgart, die nicht weit von uns ist, hatte schon immer eine große Voliere mit ihnen, vor der man oft Leute kommentieren hörte, wie häßlich sie sind. Ich finde sie fabelhaft.
Auf jeden Fall könnte ihr Aussehen gruselige Geschichten inspiriert haben.

Bild von Len Worthington, CC BY-SA 2.0
über Wikimedia Commons

Wer weiß also schon, was die Wahrheit ist.
Heutzutage versuchen Leute (hoffentlich!) das Erzählen von Gruselgeschichten zur Kindererziehung zu vermeiden, auch wenn es zu ihrem Besten sein soll, aber der Nachtkrabb ist trotzdem nicht ganz in Vergessenheit geraten.
Er hat zum Beispiel immer noch einen Platz in manchen Faschingsfeierlichkeiten, wo manche der Masken an Raben, andere an den Waldrapp erinnern, aber auch in Geschichten, Liedern oder Vergnügungsparks!
Ich weiß nicht, ob ihr den Text dieses Liedes verstehen werdet, da es in einem Dialekt von der Schwäbischen Alb gesungen ist, aber ich mag das Video.



Um ehrlich zu sein, fand ich damals die Idee eines winzigen Nachtkrabbs, der aus einem Ei fliegt, eher niedlich als gruselig, aber ich könnte euch nicht sagen, welches Bild ich genau im Kopf habe (aus diesem Grund habe ich es noch nicht geschafft, eine eigene Version zu machen).
Aber ihr kennt mich. Ich kann euch keine Geschichte mit Tieren erzählen, ohne irgendwie eine Katze ins Spiel zu bringen.
Dies ist ein Original von meiner Freundin Heather - die von den HeatherCats -, das ich einfach haben mußte. Ich konnte meinen Ponder sehen, wie er so seine Flügel ausbreitet und in die Nacht fliegt. Ich liebe dieses kleine Bild so sehr.
Andererseits denke ich auch, daß es eine gute Inspiration für ein Nachtkrabb-Stück wäre ... ich gebe die Idee noch nicht auf.


Gibt es irgendwelche regionalen Gruselgeschichten, wo ihr lebt?

Samstag, 14. Juni 2025

Einfach nur so Samstag - Poesiealbum

Kürzlich habe ich meine Bücherschränke durchwühlt. Wo war es nur? Ich war mir so sicher, daß es immer genau hier war. Welches Schränkchen, welche Schublade oder welchen "sicheren Platz" hatte ich diesmal geistesabwesend ausgesucht?
Ich spreche von meinem Poesiealbum, diese Tradition, die es seit Jahrhunderten gibt, überwiegend in den europäischen Gegenden, in denen Deutsch oder Holländisch gesprochen wird.
Danke an meine Freundin (eine meiner Schwestern hat ihr Album auch nicht gefunden und die andere hat meine Freundin davor bewahrt, ihres zu suchen), die so nett war, mir Bilder von ihrem Album zu schicken, um diesen Post zu illustrieren. Natürlich habe ich die Namen und den Ort weggemacht.



Die Tradition begann im frühen 16. Jahrhundert mit dem "Stammbuch" oder "Album Amicorum" und zwar im Umfeld der Wittenberger Reformatoren. Anhänger von Luther und seinen Weggefährten baten diese zur Erinnerung an ihre Verbindung mit ihnen um handgeschriebene Notizen.

"Stammbücher" konnten Bücher sein, oft theologische, denen leere Blätter hinzugefügt waren, aber auch lose Seiten, die dann in Bibeln eingebunden werden konnten.

Anfangs war diese Tradition nicht auf akademische Kreise beschränkt, aber doch auf protestantische. Als sie hauptsächlich von der akademischen Gemeinschaft übernommen wurde, weil Studenten Notizen von Kommilitonen, aber auch Professoren sammelten, verbreitete sie sich in anderen Ländern und auch unter Katholiken.
Einige Zeit lang wurde sie außerdem vom Adel angenommen, bei dem es bereits die Sitte der Gästebücher gab.

Gewöhnlich wurden diese Alben während der Studienzeit oder auf Reisen benutzt, was dann mit dem Beginn der Ausübung eines Berufs endete. Sie wurden nicht nur aus sentimentalen Gründen geführt, um sich an Freunde aus dieser Zeit zu erinnern, sondern auch um möglicherweise hilfreiche Referenzen zu sammeln.

Während die Tradition im frühen 19. Jahrhundert überwiegend aus akademischen Kreisen verschwunden war, hielt sie das Bürgertum, das sie im späten 18. Jahrhundert übernommen hatte, am Leben. Nun sammelten auch Frauen und Kinder Einträge von Familie und Freunden und das "Stammbuch" wurde zum "Poesiealbum", was auch bedeutete, daß sich die Art der Einträge veränderte und von
"Meinungsführern in Fragen des künstlerischen Geschmacks" abgelehnt wurde, die sie zu trivial fanden.


Sie veränderten sich aber sogar noch mehr, besonders nachdem das Poesiealbum überwiegend ein Ding der Grundschulzeit wurde.
Die Einträge konnten alles Mögliche sein, einzelne Gedichtverse, Zitate, Ratschläge, Ermahnungen, religiös oder weltlich, aber zu meiner Zeit waren viele der kleinen Gedichte - von denen so manche regelmäßig auftauchten, auch weil manche Klassenkameradinnen (es waren meistens Mädchen) für jedes Album dasselbe verwendeten - Beteuerungen ewiger Freundschaft oder sie waren humorvoll, manchmal auch beides.

Hier ist ein Beispiel für ersteres:
Ich hoffe herzlich, daß du mich nicht so schnell vergißt. Und dies Besondere wünsch ich; bleib' grad so, wie Du bist!



Ich kann mich nicht mehr an die ersten Einträge erinnern, die ich schrieb, aber nach einer Weile wurden mir die üblichen Zitate oder Sprichwörter langweilig, also benutzte ich stattdessen Gedichte von Heinz Erhardt, zum Beispiel das darüber, warum die Zitronen sauer wurden. Wenn ich nach dem gehe, was ich so gelesen habe, haben das nicht so viele Kinder gemacht.

Normalerweise schrieb man auf die rechte Seite und auf der linken Seite war irgendein Bild.
Sehr beliebt waren natürlich Glanzbilder von Kätzchen, Welpen, Vögeln, Blumensträußen (manchmal in Körben), Engeln, noch besser (und teurer), wenn sie glitzrig waren. Man kann sie übrigens auch heute noch bekommen. Als wir für jemanden bei der Arbeit, der in den Ruhestand ging, eine Art Poesiealbum machten, habe ich für das Nostalgiegefühl welche besorgt.




Meine Patentante klebte eine gepreßte Blume in mein Album, sicher mit Klebefolie abgedeckt.
Es gab aber auch eine Menge Zeichnungen. Oder eine Mischung aus Glanz- und gezeichneten Bildern. Ich selber zeichnete schlechte Illustrationen, die zu den von mir ausgewählten Gedichten paßten, zum Beispiel Zitronen mit Strichbeinchen.



Wenn ich mir Albumseiten anschaue, die andere teilen, sehen sie für mich immer so vertraut aus.
Wir hatten noch Schönschreibunterricht in den unteren Klassen - ich bekam nie eine Eins, egal wie sehr ich mich bemühte - und natürlich wurde von uns auch erwartet, das auf die Alben anzuwenden.
Deshalb könnten viele dieser Seiten auch geradewegs aus meinem eigenen Album sein, bis hin zu den Verzierungen, den Eselsohren, die kleine "Geheim"nachrichten verbargen, die Bleistiftlinien, die dafür sorgen sollten, daß die Zeilen alle gerade waren (manchmal hinterher rausradiert, manchmal nicht, manchmal schlecht) - und die Schreibfehler!
Natürlich schrieben wir damals mit Füller und immer wieder mal sieht man Buchstaben, die mit "Tintenkiller" getilgt wurden (und die nach einer bestimmten Zeit wieder zurückkamen) oder auch durchgestrichen sind.
Wenn man ein Poesiealbum hatte, mußte man mit all dem leben, denn man hatte absolut keinen Einfluß darauf, was die anderen schrieben, wie schön sie schrieben oder auch nicht oder wie unordentlich es wurde.

Ich hatte diese "Bilder" aus verriebenen Bleistiftlinien
beinahe vergessen!

Mein Album ist ganz schön unordentlich, was aber nicht völlig die Schuld der anderen ist.
Ich hatte für meine Mutter eine Stelle reserviert und auch eins der begehrten Glanzbildchen. Eine Schulfreundin meinte, es sei zum Benutzen gedacht und klebte es ein. Ich riß es wieder heraus, was natürlich häßlich aussah, also klebte ich die Seiten zusammen.

Die, die mir schon eine Weile folgen, wissen von meiner schwierigen Beziehung mit Klebstoff ... ja, es sah gräßlich aus und außerdem fühlte ich mich wirklich schuldig, weil ich dadurch den Eintrag meiner Schulfreundin versteckte. Es tut mir so leid, Brigitte, ich war erst 6 und von Emotionen überwältigt, als ich das tat.
Übrigens ... meine Mutter kam nie dazu, tatsächlich in mein Album zu schreiben, obwohl ich einmal eine Notiz mit einem Entwurf fand (ich wußte, sie wollte nicht gern, weil sie ihre eigene Handschrift nicht mochte), also war das ganze auch noch umsonst gewesen.

Ich bin immer fasziniert davon, wie schön und sauber ältere Alben aussehen, wunderschöne Handschrift, manchmal mit Zeichnungen, wirklich hübsch.

Bild über pxhere

Interessant ist, daß es tatsächlich solche Bücher im US-Amerika des 19. Jahrhunderts gibt, wahrscheinlich von deutschen oder holländischen Einwanderern eingeführt.
Sie haben sich aber nicht behaupten können und wurden durch die beliebteren Jahrbücher ersetzt.

Das Poesiealbum bekam schließlich einen Nachfolger, das sogenannte Freundschafts- oder Freundebuch, was ganz witzig ist, da das die Bedeutung des alten lateinischen Namens ist.
Es bringt uns aber nicht in diese alten Zeiten zurück.
Das Freundschaftsbuch sieht sehr nach einer Sammlung von Fragebögen mit vorgedruckten Kategorien aus - Name, Hobbys, Vorlieben und Abneigungen und so weiter. Ich bin kein Fan davon, also werde ich gar nicht mehr darüber sagen.

Natürlich habe ich die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, daß ich mein Album bald finden werde, dann werde ich in einem Extrapost etwas davon zeigen (nicht die zusammengeklebten Seiten!). "Das Haus verliert nichts", wie es so schön heißt, es muß hier irgendwo sein!



Quellen:

1. 
Werner Wilhelm Schnabel: Das Album Amicorum. In: Album : Organisationsform narrativer Kohärenz, hrsg. von Anke Kramer und Annegret Pelz. Göttingen : Wallstein Verlag, 2013, Seiten 213 - 285
2. Antje Petty: "Dies schrieb Dir zur Erinnerung ..." From Album Amicorum to Autograph Book. On: Max-Kade-Institute for German-American Studies. University of Wisconsin-Madison (auf Englisch)
3. Stefanie Bock: Das Poesiealbum: Eine evangelische Erfindung. Auf: indeon, 16. August 2022
4. Peg Frizzell: My Cherished Poesie Album. Auf: FanningSparks (auf Englisch)

Sonntag, 18. Dezember 2022

Frohes Channuka - Das achtzehnte Türchen


Heute lassen wir die üblichen Weihnachtsthemen in diesem Adventskalender mal beiseite.
Ich möchte meinen jüdischen Freundinnen und Freunden ein recht frohes Channuka wünschen!

Ich habe das hier schon einmal zuvor gemacht, als ich die Gelegenheit dazu hatte, und in diesem Post findet ihr ein paar Informationen über Channuka, ein paar, weil eine Freundin mir das damals erzählt hatte (eine besondere Umarmung für dich, Sharon!).

Ich weiß, es ist Sonntag, aber ich kenne einfach gar keinen Channuka-Film mit einem Zitat, das ich benutzen könnte. Tatsächlich gibt es in meiner Sammlung keinen Channuka-Film. Entschuldigt.

Warum lest ihr jetzt nicht etwas über die Menorah, Dreidel und Gelt, und falls es jemanden da draußen gibt, der Latkes macht, hätte ich wirklich gern welche!!

Dienstag, 13. Dezember 2022

Lucia - Das dreizehnte Türchen

Eine Prozession von Mädchen, die Kerzen tragen und in weiße Gewänder gekleidet sind, ein Mädchen, das ein rotes Band zu ihrem weißen Gewand trägt (manchmal tun das auch alle) und eine Lichterkrone auf ihrem Kopf - genau, heute ist Luciafest.
Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber mir war nicht klar, woher diese Tradition stammt, und um ehrlich zu sein, ich dachte immer, das wäre ein ausschließlich schwedisches Fest, weil es, wenn immer ich davon las oder hörte, in Schweden stattfand.
Obwohl andere Länder ihre eigenen Traditionen an diesem Tag haben, wie Italien, woher Lucia kam, aber auch Deutschland, Kroatien und andere, ist der schwedische Brauch wohl am weitesten bekannt. Tatsächlich wird er so auch in anderen skandinavischen Ländern begangen.

Wer war die Heilige Lucia?
Lucia von Syrakus (Sizilien) war eine christliche Märtyrerin im späten 3. Jahrhundert. Die (gekürzte) Geschichte besagt, daß sie ihr Leben Christus weihte, ihre Mutter aber, die krank war, wußte das nicht und arrangierte eine Ehe für sie. Nach einer Wallfahrt zum Grab der heiligen Agatha erholte sich die Mutter und akzeptierte den Wunsch ihrer Tochter. Sie verteilten Lucias Erbe unter den Armen und ihr Verlobter verriet sie direkt an den Präfekten, der befahl, sie in ein Bordell bringen zu lassen.


"Die Hl. Lucia vor dem Richter" vom Altar der Hl. Lucia von Lorenzo Lotto

Nicht einmal ein Gespann von Ochsen und 1000 Männer konnten sie
jedoch von der Stelle bewegen, und auch weder die Folter mit heißem Öl noch der Versuch, sie auf der Stelle zu verbrennen, waren erfolgreich. Sie starb schließlich durch ein Schwert, das ihr in den Hals gestoßen wurde, aber erst nachdem ein Priester ihr eine Hostie reichte.
Eine Geschichte über Lucia ist, daß sie einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf trug, damit sie das Essen halten konnte, das sie anderen frühen Christen brachte, die sich in den Katakomben versteckten - was uns zu ihrem Fest zurückbringt.
Tatsächlich kommt der Name Lucia vom lateinischen Wort "lux", das "Licht" bedeutet.

Lucia-13.12.06.jpg

Von Claudia Gründer - Claudia Gründer, CC BY-SA 3.0, Link

Der Brauch, den Luciatag zu feiern, wurde erstmals im 18. Jahrhundert in Westschweden aufgezeichnet, aber erst am Ende des 19. Jahrhunderts, dank eines Stockholmer Museums, verbreitete er sich, und richtig populär wurde er, nachdem eine Zeitung in Stockholm 1927 eine offizielle Lucia wählte.
Er verbreitete sich auch in anderen skandinavischen Ländern, in denen es Schweden gab und wurde dann auch von den von den anderen Einwohnern übernommen.
Übrigens sind nicht nur Mädchen Teil der Prozession. Jungen können "Sternenjungen" in weißen Gewändern mit spitzen, mit Sternen verzierten Hüten sein, Lebkuchenmänner oder auch Weihnachtselfen.

Ich habe gelesen, daß heute aus Sicherheitsgründen keine echten Kerzen mehr benutzt werden, aber in einer Dokumentation habe ich die Lucia echte Kerzen tragen gesehen.
Unter ihrer Krone trug sie ein Tuch über dem Haar und sowohl Tuch als auch Haare mußten befeuchtet sein. Die Kerzen waren "
Kanalljus", besondere Kerzen, die mit vier Kanälen hergestellt werden, in die überflüssiges Stearin fließen kann, was auch dabei hilft, daß die Kerze ruhiger und regelmäßiger brennt, gemacht für den Gebrauch in zugigen Kirchen, um Wachsflecken zu verhindern und mehr. Falls ihr neugierig seid, perfekt hat das bei ihr nicht funktioniert, sie hatte trotzdem noch Stearintropfen in den Haaren.

Ein weiterer großer Teil des Festes ist natürlich Essen, zum Beispiel "lussekatter", also Lucia-Katzen (unter dem Link findet ihr ein deutsches Rezept dafür auf "Visit Sweden"). Das sind Safranteilchen, die wie ein S geformt sind, was an eine eingerollte Katze erinnert.
Wenn ich backen könnte, hätte ich versucht, sie für euch zu machen, aber Hefe und ich vertragen uns genauso schlecht wie Klebstoff und ich.


Schickt mir welche, falls ihr sie macht! :-D

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Heiligabend - Das vierundzwanzigste Türchen


Als ich ein Kind war, verbrachten wir einen Teil des Heiligabend-Tages bei meiner Oma, wo wir auf den Anruf warteten, der uns mitteilte, daß wir nach Hause kommen sollten. Meine Oma schaute mit uns Fernsehen, wir spielten Brettspiele und wurden von Sekunde zu Sekunde nervöser und aufgeregter.  Natürlich ging gar nichts ohne "Warten auf's Christkind" im Fernsehen, wo Weihnachtsfilme und ähnliches für Kinder gezeigt wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich half, und meine Oma, die mit uns fertigwerden mußte, tut mir heute noch leid.

Jetzt bin ich natürlich total erwachsen und viel cooler.
Für mich heißt es nicht mehr "Warten auf's Christkind", stattdessen sehe ich mir Weihnachten bei der Familie Hoppenstedt und bei der Familie Heinz Becker an.
"Früher war mehr Lametta!" ;-)


 

Habt ihr auch Heiligabendtraditionen, vielleicht ein typisches Essen? Warum erzählt ihr uns nicht davon?

Samstag, 20. Dezember 2014

Der Schwibbogen - Das zwanzigste Türchen


Der erste Schwibbogen oder Lichterbogen wurde im 18. Jahrhundert - ich habe unterschiedliche Jahre gefunden und kann nicht sagen, welches das richtige ist - von einem Bergschmied namens Johann Teller hergestellt. Teller arbeitete im Erzgebirge und stellte Werkzeug und Ausrüstung für die Bergleute her.
Der Schwibbogen ist vom Stolleneingang inspiriert, der für die Mettenschicht, eine alte Tradition der Bergleute, geschmückt wurde. Es ist die letzte Schicht vor Weihnachten, die früher endete und mit einem Mahl gefeiert wurde.

Frühe Schwibbogen waren aus Eisen, aber seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Holz mehr und mehr populär.
Über die Jahre änderten sich auch die Designs. Eins der berühmtesten Designs wurde 1937 von Paula Jordan kreiert, es zeigte typische Berufe des Erzgebirges und traditionelle Symbole.
Heutzutage findet man alles vom traditionellen Design bis hin zu Stadtansichten oder Waldszenen und zwar in allen möglichen Größen!
Ebenso findet man Vorlagen, um seinen eigenen Schwibbogen zu machen.

Eine Freundin von mir war so nett, mir zu erlauben, daß ich ein paar Bilder von Schwibbögen zeige, die ihr Mann und sein Vater gemacht haben.


Das ist mein Favorit, gemacht vom
Mann meiner Freundin.
Ist er nicht wunderschön?

Nach dem Paula Jordan-Entwurf vom
Schwiegervater meiner Freundin
gemacht. Es sind Bergleute, eine Klöpplerin
und ein Holzschnitzer dargestellt.

Ein 3D Schwibbogen mit indirekter
Beleuchtung zwischen den zwei
Holzschichten, vom Mann
meiner Freundin gemacht.

Freitag, 19. Dezember 2014

Weihnachtsstrümpfe - Das neunzehnte Türchen


Der Weihnachtsstrumpf in englischsprachigen Ländern ... um ehrlich zu sein, ich habe mich nie zuvor gefragt wo, wann oder warum diese Tradition entstand. Erst als ich den Post für den Nikolaustag vorbereitete und an die Schuhe dachte, die Kinder hinausstellen, damit der Nikolaus sie füllt, sah ich plötzlich die mögliche Verbindung und machte mich daran,  mehr herauszufinden.
Tatsächlich scheint die Legende, daß der Heilige Nikolaus, der gerade eine Erbschaft gemacht hatte, drei Goldklumpen in eines armen Mannes Haus warf, die Quelle für beide Traditionen zu sein.
Die Details der Legende sind etwas unterschiedlich, je nachdem wo man sie findet. Der Heilige Nikolaus warf das Gold durch das Fenster, es waren Goldstücke, er kletterte selbst den Kamin hinunter, um das Gold in die Strümpfe zu werfen oder er warf das Gold in den Kamin und es landete in die dort zum Trocknen aufgehängten Strümpfe. Das Ergebnis war immer das gleiche, die drei Töchter des Mannes hatten genug Gold, um zu heiraten.

Strümpfe gehören dort, wo es die Tradition gibt, seit Jahrhunderten zu Weihnachten, obwohl sie zwischendurch mit dem Weihnachtsbaum um ihren Platz streiten mußten.
Heutzutage gibt es keinen Streit zwischen Strumpf und Baum, sie haben beide in manchen Ländern ihren Platz unter den Weihnachtstraditionen.
Strümpfe gibt es in allen Größen, Mustern und Farben. Ein paar historische Bilder findet ihr in diesem Artikel im Smithsonian Mag.


Habt ihr auch eine Weihnachtsstrumpf-Tradition, obwohl das in Deutschland (meines Wissens) nicht so geläufig ist? Erzählt uns davon!

Dienstag, 16. Dezember 2014

Frohes Chanukka - Das sechzehnte Türchen



Heute werden wir uns einen Tag von Weihnachten freinehmen. Stattdessen möchte ich meinen jüdischen Freunden ein Frohes Chanukka wünschen.

Chanukka, auch als Lichterfest bekannt, beginnt am 25. Tag des hebräischen Kalendermonats Kislew und dauert acht Tage lang. Dieses Jahr ist das von Sonnenuntergang am 16. Dezember bis zum Einbruch der Nacht am 24. Dezember.
Es erinnert an die Rebellion der Makkabäer gegen das Reich von Antiochus IV. Als die Makkabäer den Heiligen Tempel in Jerusalem von ihren Unterdrückern zurückeroberten, geschah ein Wunder. Obwohl die Kämpfer nur genug Öl fanden, um damit die Lampe im Tempel einen Tag lang brennen zu lassen, reichte das Öl für acht Tage.

Es gibt fünf Traditionen an Chanukka.
Da ist einmal das Anzünden der Menorah, einem Leuchter mit neun Kerzen. Am ersten Tag wird eine Kerze entzündet, zwei am zweiten Tag und so fort. Eine der neun Kerzen, die Shamash, wird höher oder tiefer gesetzt als die anderen und wird dazu benutzt, die anderen Kerzen zu entzünden.
Chanukka hat seine eigenen besonderen Lieder, die mit der Familie gesungen werden.
Traditionelles Essen während des Fests ist ölig, um das Wunder im Tempel zu ehren, wie Latkes (Kartoffelpfannkuchen) und Sufganyot (runde Krapfen mit Marmelade).
Es ist üblich, mit Dreidels oder Kreiseln zu spielen. Jede Seite des Kreisels trägt einen hebräischen Buchstaben.
Es gibt auch noch den Brauch, Chanukka Gelt zu geben, das entweder aus echten Münzen oder Münzen aus Schokolade besteht.

Versteht das nicht falsch, ich weiß nicht viel über Chanukka und mußte etwas nachforschen, aber genauso wußte ich auch nicht viel über andere Themen in diesem Adventskalender. Wenn ich etwas Falsches geschrieben habt, vergebt mir bitte und sagt mir Bescheid. Mir ist auch klar, daß dieser Post nur an der Oberfläche kratzt.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Die Adventskerze - Das neunte Türchen


Wir lernen nie aus.
Wie ihr euch vorstellen könnt, ist der Adventskalender nichts, was ich einfach so aus dem Ärmel schütteln kann. Es muß recherchiert werden, Bilder müssen gemacht werden, dann ist da das tatsächliche Schreiben (mit Ablenkung durch alle möglichen Dinge natürlich), und glaubt nicht, daß es leicht ist, erstmal überhaupt vorher ein Thema auszuwählen!
Als ich so herumsuchte, fand ich dies im englischen Wikipedia. Ich habe es mal für euch übersetzt:
Eine Adventskerze ist eine Kerze, die mit den Dezembertagen bis Heiligabend markiert ist. Sie wird gewöhnlich eher im Haushalt als in der kirchlichen Umgebung gebraucht: an jedem Tag im Dezember wird die Kerze ein wenig mehr abgebrannt, bis hin zur Markierung für den Tag, um das Verstreichen der Tage auf Weihnachten hin zu zeigen [...] Adventkerzen sind traditionell weiß, obwohl andere Weihnachtsfarben populär geworden sind. Der Brauch der Adventskerze scheint in Deutschland entstanden zu sein, wo Kinder traditionell eine kleine Kerze in eine dekorierte Orange stecken. Diese Kerze nennt man "Christingle". Er ist jetzt in einigen anderen europäischen Ländern wie dem Vereinigten Königreich weitverbreitet.

Hä?
Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich Deutsche bin. Erst die Weihnachtsgurke, jetzt das?
Aber wartet nur ab. Ich bin einkaufen gegangen wegen so wichtiger Dinge wie Küchentücher und was erwartete mich da in einem Regal? Eine Adventskerze! Nun ja, eigentlich ein ganzer Haufen davon in hellem und dunklem Rot und weiß.
Ich weiß, daß heute der neunte ist, aber ich wollte sie euch im ungenutzten Glanz zeigen.


Jetzt muß ich etwas über das "Christingle" herausfinden, weil das eine weitere Tradition ist, von der ich noch nie zuvor gehört habe. Deutschland scheint größer zu sein als ich dachte! ;-)

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Ein Kuß unterm Mistelzweig - Das vierte Türchen


Neulich kam ich heim und fand Misteln an unserer Haustür hängen.
Wir alle kennen die Tradition des Küssens unterm Mistelzweig, aber woher kommt diese Tradition? Tatsächlich gibt es dazu mehr als eine Geschichte.


Für die alten keltischen Druiden waren Misteln heilige Pflanzen mit Heilkräften und hilfreich für die Fruchtbarkeit. Sie schnitten sie mit einer goldenen Sichel, aber sie küßten sich nicht darunter.
Im alten Griechenland wurden sie ebenfalls mit Fruchtbarkeit assoziiert und die Menschen küßten sich während der Saturnalienfeiern darunter oder in Hochzeitszeremonien.
Für Skandinaver waren Misteln eine Friedenspflanze, unter der Waffenstillstände verkündet wurden.
Im 18. Jahrhundert gab es "Kußkugeln", Kugeln aus Mistelzweigen, die mit Bändern, Immergrün und Ornamenten geschmückt waren. Junge Damen, die unter einer solchen Kußkugel standen, konnten einen Kuß nicht ablehnen. Blieb eine Dame ungeküßt, bedeutete das, daß sie im nächsten Jahr nicht heiraten würde, tatsächlich mieden Leute sie sogar und sagten, sie würde wahrscheinlich eine alte Jungfer bleiben.

Meine Lieblingsgeschichte ist die von Frigga, einer nordischen Göttin. Als der Gott Loki ihren Sohn Baldur töten wollte, nahm sie jedem Tier und jeder Pflanze auf der Erde das Versprechen ab, Baldur nicht zu schaden. Die Mistel jedoch, die in Bäumen wächst, vergaß sie. Loki fertigte einen Pfeil aus einem Mistelzweig und brachte den blinden Gott des Winters, Hoder, dazu, Baldur zu erschießen. Die Tränen, die Frigga über ihm vergoß, sollen sie in die weißen Mistelbeeren verwandelt haben.



Als es ihr nach drei Tagen gelang, Baldur ins Leben zurückzuholen, war sie so glücklich, daß sie jeden küßte, der unter dem Baum entlangging, auf dem die Mistel gewachsen war, und bestimmte, daß dem, der unter dem Mistelzweig steht, nicht geschadet werden darf, sondern daß er einen Kuß bekommt.

Ich muß gestehen, daß die englische Tradition, nach jedem Kuß eine Beere vom Mistelzweig zu pflücken, neu für mich war. Wenn alle Beeren weg sind, ist es vorbei mit der Küsserei. Grund genug, einen großen Mistelzweig mit vielen Beeren zu besorgen, richtig?