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Donnerstag, 14. Mai 2026

Stummfilme - Lonesome Luke, Messenger

Habt ihr jemals von Lonesome Luke gehört? Die Chancen stehen gut, daß ihr den Schauspieler kennt, der nach Luke eine andere, viel bekanntere Persönlichkeit verkörpert hat, aber werdet ihr ihn erkennen?
Heute habe ich einen Kurzfilm von 1917 für euch - Lonesome Luke, Messenger.


Hier ist die "Handlung".

Luke und Snub sind Boten.
 


Eines Tages sollen sie ein paar große Pakete bei einem Mädchenseminar abliefern.
Luke wird von einem der Mädchen "eingeladen" und sofort wieder von der Hausmutter hinausgeworfen, was seinen und Snubs Drang danach, wieder hineinzukommen, jedoch nur verstärkt.


Das ist kein Stuntman, der da die Treppe hinunterrollt!

Snub schafft es hinein, als ihn ein Handwerker fragt, ob er für seinen "Tapezierassistenten" einspringen will, der sich verspätet.
Luke schafft es schließlich, indem er sich als Telefontechniker ausgibt und ankündigt, daß "kostenloser Telefonprobetag" ist.
Wie ihr euch vorstellen könnt, bieten Tapete, Kleister, Leitern und Kabel Raum für eine Menge Slapstickaktion.



Von da an herrscht das blanke Chaos - Leute, die voreinander abhauen, hierhin rennen und dorthin rennen, Kamine hinunterkriechen, an Telefonleitungen baumeln, und am Ende jagen sie alle Luke!

Die Mädchen schmollen, aber Luke hat
noch nicht aufgegeben.

Die erste Flucht.

Uuuund er ist zurück.

Die zweite Flucht. Netter Sprung!


Aus der Autobiographie: "Der raffinierte Gedanke hinter all dem, wie ihr bemerken werdet, war, das Outfit von Chaplin umzudrehen. Alle seine Kleider waren zu große, meine alle zu klein. Meine Schuhe waren lustig aber anders; mein Schnurrbart lustig aber anders. Dennoch war die Idee reine Imitation und wurde als solche vom Publikum erkannt, obwohl ich sehr sorgfältig vermied, die wohlbekannten Eigenarten von Chaplin zu vermeiden. ... Das Kostüm war nicht nur eine Imitation, sondern ursprünglich auch eine Beleidigung für das Auge. Mit der Zeit verfeinerte ich es, bevor es starb, aber ich erinnere mich nicht gern daran ...
Ich war überzeugt, daß der Charakter so weit gekommen war, wie wir ihn bringen konnten, und außerdem, daß ich einen besseren hatte. 

Und den hatte er. Habt ihr ihn erkannt?
Es ist Harold Lloyd, bevor er sich den "Jungen mit der Brille" ausdachte, an den wir denken, wenn wir heute seinen Namen hören.


Tatsächlich wurde der Look mit der Brille - die übrigens keine Gläser hatte - so kultig, daß es scheint, daß jedes Mal, wenn jemand anderer in einem Stummfilm eine runde Brille trägt, irgendjemand kommentiert "Er sieht wie Harold Lloyd aus!", obwohl die Brille die einzige Ähnlichkeit ist. Die Leute hatten sogar Schwierigkeiten, Lloyd zu erkennen, wenn er sie nicht trug.

Aber zurück zu Lonesome Luke.
67 Filme wurden zwischen 1915 und 1917 produziert - für eine Filmrolle brauchten sie ungefähr eine Woche -, aber die meisten davon sind jetzt verschoellen. Ich habe in einem Post gelesen, daß nur 14 davon überlebten, in einem späteren Kommentar unter einem Video hieß es, es seien noch welche gefunden worden und damit wäre man nun bei 18. Immer noch nicht sehr viele.
Wenn ihr denkt, daß sich der heutige Kurzfilm nach nicht viel anhört, habt ihr recht. Ihr müßt jedoch auch bedenken, daß das 1917 war. Die Vorstellung von Filmen und besonders Komödien waren damals noch ganz anders ... oder? Um ehrlich zu sein, wenn ich so manche Komödie heute sehe, fühlt es sich wirklich nicht so an, als ob diese Art von Humor völlig verschwunden ist.
Nehmt zum Beispiel Leute, die fallen. Warum waren Homevideo-Shows mit Leute, die in Seen fallen oder von Stühlen oder Bühnen usw. so beliebt? Schadenfreude. Stürze waren eine große Sache in Stummfilmen, und wie ihr inzwischen wißt, haben die Schauspielerinnen und Schauspieler oft ihre eigenen Stunts gemacht. Wie sieht es mit Lloyd aus, der diese Steinstufen hinunterpurzelt? Ich tu mich manchmal schwer damit, das anzuschauen und rufe oft automatisch "autsch", aber ich kenne genug Leute, die das heute noch genauso witzig finden würden wie ein Publikum vor über 100 Jahren.

Luke war beim Publikum beliebt, aber Lloyd wollte mehr als Jagden und auf dem Hintern zu landen.
Tatsächlich hatte ich, bevor ich anfing, seine Autobiographie zu lesen, nicht gewußt, daß seine Anfänge nicht darin lagen, Komiker zu sein, sondern ein Bühnenarbeiter, Bühnenmeister, Assistenz-Elektriker usw. - schon im jungen Alter - aber auch im Spielen von kleinen und dann größeren Rollen. 
"Daher kannte ich mein Theater von Shakspere bis zu den Xylophonspielern." (Das ist kein Tippfehler, es gab unterschiedliche Schreibweisen für den Barden.)
Dann zog sein Vater nach Kalifornien, Harold begann als Komparse in Filmen zu arbeiten und er traf Hal Roach, der zu der Zeit ebenfalls Komparse war, dann aber anfing, in der Bradbury Mansion (die 1929 für einen Parkplatz abgerissen wurde) Filme zu produzieren.
Erkennt ihr die Treppe?

https://hdl.huntington.org/digital/iiif/p15150coll2/19076/full/full/0/default.jpg
Bild von Lemuel S. Ellis, ca. 1887, über The Huntington Digital Library


Ich kann verstehen, daß jemand, der schon früh Ambitionen hatte, was das Theater betrag, irgendwann von Luke gelangweilt war, und natürlich wird Harold Lloyd für die meisten von uns "Der Junge mit der Brille" bleiben, was er sicherlich vorziehen würde.


Quellen und weitere Lektüre:

1. Harold Lloyd with Wesley W. Stout: An American Comedy. New York : Dover Publications, 1971 (ungekürzte Wiederveröffentlichung, mit kleineren Korrekturen, des Werks von 1928)
2. Trav S. D.: Lonesome Luke's Lively Life: Hal Roach, Harold Lloyd and the Rolin Film Co. Auf: Travalanche, 31. Juli 2025
3. John Bengtson: Harold Lloyd Takes A Chance on Court Hill. Auf: Chaplin-Keaton-Lloyd film locations (and more), 1. Januar 2014
4. John Bengtson: Lady Cops (and Harold Lloyd) Reveal 1914 Lost LA Treasures. On: Chaplin-Keaton-Lloyd film locations (and more), 12. Dezember 2021



Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 5. März 2026

Stummfilme - Buster Keatons Trauung mit Hindernissen

Wie wäre es mit noch etwas mehr Buster Keaton? Der heutige Film gehört zu seinen Zweiaktern - Buster Keatons Trauung mit Hindernissen von 1920 (Alternativtitel: Trauung mit Hindernissen oder Buster Keatons verhinderte Trauung).


Hier ist die Handlung (Spoileralarm):

Zwei Knechte leben zusammen in einem Haus auf einer Farm. Beide sind in die Farmerstochter verliebt, aber ihr Vater (von Keatons Vater Joe gespielt) will davon nichts hören und schickt sie ins Haus zurück.


Nachdem sie eine Sahnetorte für ihn gebacken und zum Abkühlen auf dem Fensterbrett abgestellt hat, zeigt ihre Mutter ihr einen Artikel über eine Tänzerin, also zeigt sie, daß auch sie tanzen kann.
Buster ist schockiert, seine Angebetete in den Armen seines Mitbewohners zu sehen.

Ein Herz bricht.

Inzwischen hat der Hund die Sahnetorte verspeist, und als Buster ihn mit der Sahne um die Schnauze herum sieht, denkt er, der Hund sei tollwütig.

Das ist mal ein guter Kuchen!

Eine wilde Jagd folgt, während derer Buster seine Kleider verliert, er und der Hund aber Freunde werden.

Freunde im Heu. So ein guter Junge.

Er geht zur Farm zurück, wo das Mädchen immer noch tanzt, aber in Ohnmacht fällt, als sie ihn in Unterwäsche sieht.
Jetzt wird Buster von ihrem Vater gejagt. Schnell gibt er vor, die Vogelscheuche zu sein, deren Kleider er angezogen hat.
Als der Vater und der Mitbewohner das herausfinden, jagen sie ihn beide.
Dann trifft er auf das Mädchen und als sie knien sieht, weil er seinen Schuh zubindet, denkt sie, er mache ihr einen Antrag und nimmt ihn an.

Oh Buster, das kommt so plötzlich.

Sie entkommen Dad und dem anderen Knecht zuerst auf dem Pferd, dann auf dem Motorrad, und unterwegs gabeln sie zufällig einen Pfarrer auf, der sie noch während der Jagd miteinander verheiratet.

... Mann und Frau!

Das war absolut zum Schießen.
Der Film beginnt mit den beiden Knechten in ihrem winzigen Haus mit nur einem Zimmer, das allerdings eine Menge zu bieten hat. Der Phonograph ist auch ein Herd, die Wanne ist auch eine Couch, das Bücherregal ein Eisschrank.

Laß Gas in die "Jukebox", um den Speck zu braten!

Anderes wie Salz und Zucker hängt an Schnüren von der Decke und kann leicht heruntergelassen und wieder hochgezogen werden. Allein schon der Teil wäre es wert, den Film anzuschauen, es ist wie eine wundervolle Choreographie.

Ein Spielchen "Fang die Flasche".

Die Jagd ist aber noch witziger.
Ich mußte wirklich richtig laut lachen, was ich nicht erwartet hatte. Allerdings wußte ich ja auch nicht, daß ich einen neuen Schwarm kennenlernen würde. Douglas, es tut mir leid, auf die Seite mit dir, es ist jemand Neues in der Stadt und sein Name ist Luke.
Ich war von diesem Hund so beeindruckt, daß ich mehrere Male buchstäblich vor Freude quietschte. Er war großartig!

Die Leiter hoch, die Leiter runter. Ich bin verliebt!

Also schlug ich Luke nach und fand heraus, daß der English Bull Terrier (die Rasse wurde später als American Staffordshire Terrier anerkannt der Hund von Roscoe "Fatty" Arbuckle und seiner Frau Minta Durfee war, von der es heißt, sie habe ihn als sechs Wochen alten Welpen als Bonus für einen besonders schwierigen Stunt bekommen. Arbuckle brachte Luke Tricks bei und angeblich verdiente er 150 $ in der Woche.
"Buster Keatons Trauung mit Hindernissen", für den Arbuckle ihn an seinen Protégé Keaton auslieh, war Lukes letzter Film. Durfee bekam ihn, als sie und Arbuckle sich scheiden ließen, aber ihr Exmann bekam Besuchsrechte ... nun, und ich stelle mir gern vor, daß Luke bis zu seinem Tod 1926 ein glückliches Leben hatte, vielleicht hin und wieder auf dem Jagd nach einem Eichhörnchen. Er war 13 Jahre alt.

Ihr denkt vielleicht, daß ihr den Film bei all den Screenshots, die ich gezeigt habe, jetzt schon kennt, aber in diesem schnellen Film gibt es so viele Gags, daß ihr noch gar nichts gesehen habt. Nicht auf überwältigende oder hektische Art. Alles ist so gut geplant, ja, es ist einfach eine Freude zuzuschauen.
Und vergeßt nicht, Luke ist dabei.
Ihr wißt, daß ich nicht darauf besteht, daß irgendjemand Stummfilme anschaut, nur weil ich das tue, aber in diesem Fall - schaut ihn an. Investiert diese 18 Minuten.

Ja, er wird springen. Mit Leichtigkeit.


Quellen (englischsprachig):

1. Lea Stans: A Salute to Luke the Dog. Auf: Silent-ology, 20. Juli 2017
2. Luke the Dog auf dem englischen Wikipedia



Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Stummfilme - Buon Anno!

Für heute ist es mir gelungen, einen Stummfilm zu finden, der perfekt paßt, denn "Buon Anno" heißt "Frohes Neues Jahr".
"Buon Anno" ist ein italienischer Kurzfilm von 1909.
Die "Handlung" - man kann das kaum so nennen - ist sehr schnell erzählt.

Neujahrstag. Ein Mann macht sich
zum Ausgehen fertig und er freut
sich darauf. Er hat einen Duft
aufgelegt, hat seinen Kaffee gehabt
und er hat gute Laune.

Noch nicht mal aus dem Haus
heraus werden ihm schon vom
Dienst- und Postboten Kalender
angeboten, sie erwarten zu dieser
Gelegenheit ein Trinkgeld.

Je mehr Leute ihn wegen eines
Neujahrstrinkgelds bedrängen, um so
wütender wird der Mann. Die
Concierge bekommt ein Trinkgeld,
den Kalender wirft er aber auf den
Boden. Im Café ist er so verärgert,
daß er den Tisch umwirft. Beim
Barbier schubst er die beiden Männer.

Auf der Straße rennt er beim Versuch,
all den Neujahrswünschen zu
entfliehen, in noch mehr Leute
hinein, und sie jagen ihm alle nach
(wodurch dies eine klassische
Verfolgungsjagd wird), sogar noch
als die Polizei auftaucht, um ihn
mitzunehmen. Er fängt an zu
halluzinieren, wie all diese
Menschen Kalendar tragen ...


... und die Bilder folgen ihm
sogar in das Polizeirevier.

Endlich wird ihm erlaubt zu gehen,
aber nicht bevor ein letzter
Kalender auftaucht.

Auf einer Seite hieß es, daß "Obesession in den symbolischen Orten des bourgeoisen sozialen Rituals lauert" und daß "Zeit nicht anhält und uns überall jagt".
Vielleicht bin ich ein zu simpler Mensch, aber ich sehe in diesem Kurzfilm nicht mehr als einen Mann, der von der Tradition der Leute, die zu bestimmten Zeiten ein Trinkgeld erwarten, genervt ist. Ich erinnere mich an ein Mal vor Jahren, als jemand bei mir an Heiligabend klingelte und "Post" rief, nur um dann festzustellen, daß es nicht mal Post für mich gab. Das war das erste Mal, daß diese Person jemals bei mir geklingelt hatte, und obwohl ich gewöhnlich Trinkgeld gebe, war ich in diesem besonderen Fall stur. Also kann ich irgendwie nachvollziehen, daß es dem Mann zuviel wurde (der von Ernesto Vaser, einem von Italiens ersten Filmkomödianten, gespielt wurde).

Mir gefiel, was ich für eine kleine Hommage an Georges Méliès gegen Ende halten würde, der Mond, der dem Mann über die tanzenden Kalenderblätter (in Stopmotion gedreht) 
hinweg zuzwinkerte.


Ich wünsche euch allen ein Buon Anno, Frohes Neues Jahr, Happy New Year!


Quellen (englisch):

1. JEC: Buon Anno ! (1909) Happy New Year. Auf: A Cinema History, Oktober 2023
2. Museo Nazionale del Cinema: Restaurations - Silent Films - Buon anno!

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Stummfilme - Lehmanns Weihnachten

Frohe Weihnachten allen, die es feiern!
Ich komme mit Geschenken! Naja, einem Geschenk. Okay, einem Stummfilm. Weihnachten oder nicht, es ist Donnerstag.
Aber wißt ihr was, in diesem Film geht es auch um Geschenke, was für ein Zufall (oder auch nicht)!
Es ist "Il Natale di Cretinetti" - "Lehmanns Weihnachten" auf Deutsch von 1911 (es gibt auch einen Film mit demselben Titel von 1909, der deutsche Titel dafür ist allerdings "Müllers Weihnachten").


Hier ist die Handlung mit Spoilern.
Lehmann geht zu einer Weihnachtsfeier. Mit Geschenken und einem Baum beladen rennt er in einen Postboten mit genauso vielen Paketen.



In diesem Chaos erwischt er jedoch ein falsches Paket. Es enthält drei Flaschen mit "ether de peur", "ether de 
gaîté" und and "ether de colère", die Furcht, Freude und Zorn verursachen.
Ich frage mich, wer das zusammengebraut hat und wie, und für wen hatten sie das bestimmt und zu welchem Zweck?



Als Lehmann buchstäblich kopfüber in die Wohnung fällt, zerbrechen die Flaschen und ein übler Rauch entweicht, also versteckt er die Kiste unter einem Tisch.
Die Familie kommt heraus, um ihn zu begrüßen, und er reicht ihnen ein paar der Geschenke, von denen keines Sinn macht, wie ein winziges Paar Schuhe für den Vater und ein Schaukelpferd für die erwachsene Tochter.


Als der Vater eine Rede hält, die alle sehr beeindruckt, beginnen die Äther zu wirken, zunächst auf Lehmann, dann auf alle anderen, als sich der Rauch durch die gesamte Wohnung ausbreitet.
Alle Gäste wechseln sich darin ab, Furcht, überschäumende Freude und Zorn zu zeigen - zitternd, tanzend und lachend und sich gegenseitig angreifend, aber sie haben nicht unbedingt dieselbe Reaktion zur selben Zeit.
Als nächstes dringt der Rauch in die Küche, dann zu einem Bildhauer, dessen Skulpturen zuerst lebendig werden und dann in Stücke zerfallen.


Der Polizist, den der Vater gerufen hat, ist betroffen, die Nachbarn sind es, und das darauffolgende Chaos bringt das gesamte Haus zum Wackeln, bis es in einer großen Wolke aus Geröll und Rauch zusammenbricht.
Frohe Weihnachten, Lehmann!


André Deed war ein französischer Filmpionier, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur.
Deed war der erste Stummfilmstar seines Landes. Nachdem er Sänger und Akrobat war, arbeitete er im Film für Georges Méliès, dann für die Produktionsfirma Pathé-Frères. Während dieser Zeit entwickelte er den Charakter Boireau.
1909 wurde er nach Italien eingeladen, wo er in mehr als 90 Kurzfilmen als Cretinetti auftrat. 1912 ging er wieder nach Frankreich und machte mehr Kurzfilme als Boireau, und drei Jahre später kehrte er nach Italien zurück, um die Cretinett-Reihe wiederzubeleben.
Wegen des Ersten Weltkriegs und der Übermachtstellung der amerikanischen Filmindustrie endete seine Karriere schließlich und er wurde überwiegend vergessen.

Deed war für Kameratrickgags (durch das Werk von Méliès beeinflußt) und Slapstick bekannt.
Seine Cretinetti-Kurzfilme waren international erfolgreich und andere Länder paßten den Namen ihrer eigenen Sprache an, Foolshead im Englischen, Gribouille im Französischen, Müller im Deutschen (außer diesem Film, vielleicht um ihn deutlich von dem von 1909 zu unterscheiden).

Erinnert ihr euch an Max Linder aus einem meiner kürzlichen Posts? Auf einem Blog habe ich gelesen, daß Linder und Deed das "Yin und Yang der frühen Filmkomödie" waren, Linder charmant und elegant, Deed ein hektischer Idiot, der Chaos und Zerstörung verbreitete. Lehmann hat das in diesem Film auf jeden Fall gemacht, wenn auch unfreiwillig!

Wenn ihr gern ein bißchen Slapstick habt, ist das ein lustiger kleiner Film zum Anschauen.
Oh, und ich liebe diese Kleider!


Quellen:

1. Anthony Balducci: Musings on André Deed. Auf: Anthony Balducci's Journal, 10. November 2014 (Englisch)
2. André Deed auf dem deutschen Wikipedia

Donnerstag, 12. Juni 2025

Stummfilme - Mel Brooks letzte Verrücktheit - Silent Movie

Meine Schwester weiß mehr über Filme als ich, also habe ich sie kürzlich gefragt, ob es einen Stummfilm - "silent movie" - gibt, den ich ihrer Meinung nach besprechen sollte.
Sie sagte "Silent Movie".


Oh.
Daran hätte ich selber wirklich nicht gedacht, was ziemlich witzig bei einem Film ist, dessen Titel buchstäblich das ist, wonach ich suche.
Die Parodien von Mel Brooks mögen nicht jedermanns Geschmack sein - ich habe nicht alle gesehen, habe aber auf jeden Fall meine Favoriten (ganz obenan Frankenstein Junior), während es andere gibt, ohne die ich leben könnte - aber albern war genau das, was ich gerade brauchte.

Hier ist die Handlung (mit Spoilern).

Mel Funn, der einmal ein großer Regisseur war, bevor er mit dem Trinken anfing, ist bereit für ein Comeback. Er und seine Kumpel, Marty Eggs und Dom Bell, haben vor, den ersten Stummfilm seit 40 Jahren zu machen.
Als der Chef der Big Picture Studios die Idee ablehnt, überzeugt Funn ihn mit der Aussage, daß er die größten Stars dazu bringen wird mitzumachen. Das könnte das Studio davor bewahren, vom Konglomerat Engulf & Devour (Verschlingen & Auffressen) übernommen zu werden.
Funn, Eggs und Bell machen sich auf, Stars zu rekrutieren. Während sie das tun, erstaunlicherweise mit Erfolg, geschieht ihnen so manches Mißgeschick, Gelegenheit für massenhaft Slapstick, inklusive Bells Kampf mit einem dosenschleudernden Sodaverkaufsautomat.
Um sie davon abzuhalten, den Film zu drehen und das Studio zu retten, bezahlen Engulf & Devour die Nachtclubsängerin und -tänzerin Vilma dafür, Funn zu verführen, und dieser verliebt sich in sie. Als Eggs und Bell das herausfinden und ihm sagen, wird er mit einer riesigen Flasche Alkohol wieder zum Trinker. Vilma hat jedoch das Geld abgelehnt, weil sie sich auch in ihn verliebt hat, und sie hilft dabei, Funn zu finden und ihn mit Kaffee abzufüllen, damit er den Film doch noch drehen kann.
Am Premierentag stehlen Engulf & Devour die einzige Kopie, aber die Freunde können sie gerade noch vor dem Verbrennen retten, während Vilma das Publikum unterhält. Während der Verfolgungsjagd zurück zum Kino verteidigen sich sich, indem sie Sodadosen auf die angreifenden Manager abfeuern.
Der Film ist ein großer Erfolg und wird vom Publikum frenetisch gefeiert.

Wenn man über "Silent Movie" spricht, muß man bedenken, daß der Film fast 50 Jahre alt ist.
Manche der Witze sind nicht gut gealtert und würden heute in einem Remake vielleicht nicht mehr auftauchen.

Andererseits ist dies absolut ein Mel-Brooks-Film, komplett mit visuellen Gags, ba-dum-tsss Witzen, Witzen unter der Gürtellinie und der Parodie von Dingen, die ich vielleicht nicht immer verstehe, vor allem wenn sie sich auf die damalige Filmindustrie beziehen.
Ich wußte zum Beispiel nicht, daß sich Engulf & Devour auf ein echtes Konglomerat bezog, das zu dieser Zeit Unterhaltungsfirmen aufkaufte.

Es gibt auch ein paar Slapstickeinlagen, die witziger gewesen wären, wenn man sie nicht so in die Länge gezogen hätte, wie das eine Mal, als sie Rüstungen anziehen, um an Liza Minnelli heranzukommen und die ganze Zeit umfallen.
Und dann gibt es noch Szenen, die sich vor den alten Stummfilmen und ihrer Art von Humor verneigen und sehr lustig sind, jetzt, da ich ein Gefühl dafür habe, vielleicht sogar noch mehr.
Für mich waren Musik und Soundeffekte manchmal etwas viel, aber in anderen Szenen funktionierten sie wirklich gut.

Natürlich dürfen wir auch nicht die Stars vergessen, die sich selber im Film parodieren
, Burt Reynolds, Paul Newman, Liza Minnelli, Anne Bancroft, Marcel Marceau, und James Caan.

Alles in allem ist macht es Spaß und ist einfach, den Film anzuschauen, ich war weder gelangweilt noch kam ich in Versuchung, zwischendrin abzubrechen.
Man muß allerdings schon Slapstick mögen. Wenn Mel Brooks' Filme nicht euer Ding sind, wird der hier es ganz bestimmt auch nicht sein.

Ich kann diesen Post nicht ohne den größten Spoiler beenden - der Film ist nicht völlig stumm.
Es gibt eine brilliante Szene mit dem weltberühmten Pantomimen Marcel Marceau. Während all die anderen Stars zustimmen, im Film mitzumachen, ist er der eine, der das Angebot ablehnt - mit einem lauten "Non!" 
😆


Quellen (englisch):

1. Roger Ebert: Silent Movie. Auf: RogerEbert.com, January 1, 1976
2. Steve Pulaski: Silent Movie (1976) review. Auf: The Official Steve Pulaski Website, June 14, 2022
3. Fritzi Kramer: Silent Movie (1976) Review. Auf: Movies Silently, October 27, 2013
4. Alex Dueben: Review: Silent Movie. Auf: Alex Dueben, February 1, 2021


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.