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Donnerstag, 16. Juli 2026

Stummfilme - Die verflixte Gastfreundschaft

Kennt ihr Lucky Luke noch, den Helden eines belgischen Western-Comicreihe? Eines der Comicalben heißt "Familienkrieg in Painful Gulch". Die Familien O'Timmins (große Nasen) und O'Hare (große Ohren) stecken in einer jahrzehntealten Familienfehde, ohne sich auch nur zu erinnern warum eigentlich. Lucky Luke wird zum Bürgermeister ernannt, damit er diese Fehde beendet.
Die Geschichte wurde von der historischen Hatfield-McCoy-Fehde in West Virginia und Kentucky im 19. Jahrhundert inspiriert.
Ihr wollt wissen, was das mit Stummfilmen zu tun hat? Ich bin froh, daß ihr gefragt habt.
Darf ich euch "Die verflixte Gastfreundschaft" von 1923 vorstellen?


Die Handlung (Spoiler voraus)!

Nachdem sich sein Vater John und James Canfield gegenseitig erschossen haben, wird Baby Willie McKay von seiner Mutter mit nach New York genommen, wo er aufwächst, ohne von der Fehde zwischen den Familien zu erfahren (ist euch die Ähnlichkeit der Namen zu den echten aufgefallen?), nach dem Tod seiner Mutter zieht ihn die Tante auf.

Das ist übrigens Keatons und Talmadges
erster Sohn Jimmy.

Dann erhält er einen Brief, der ihn auffordert, den Besitz seines Vaters im Süden zu beanspruchen, und er hat große Träume (tatsächlich handelt es sich nur um eine kleine verfallene Hütte).
Bevor er aber fährt, erzählt seine Tante ihm von der Fehde.


Im Zug - "Vorwärts eilte das Eisenmonster auf die Blue Ridge Mountains zu" dem Zwischentitel zufolge (immer von Willies Hund gefolgt!) - lernt er eine junge Dame kennen.
Die Zugfahrt ist recht ereignisreich. Sie müssen einen Tramp vom Zug ziehen, ein Mann bewirft den Lokführer mit Steinen, der daraufhin Holz von seinem Tender zurückwirft, das schnell von dem Mann aufgesammelt wird, sie haben eine sehr ruckelige Fahrt, da die Gleise buchstäblich über Stock und Stein hinweg verlegt sind, sie müssen die Gleise aus dem Weg ziehen, weil sich ein sturer Esel weigert, sich zu bewegen (natürlich läuft er davon, nachdem der Zug vorbeigefahren ist), sie entgleisen und der Zug fährt auf dem blanken Boden weiter, und einmal verliert die Lok sogar die Waggons und ist plötzlich hinter diesen - und das ist noch nicht alles (ich bin froh, daß meine Pendelei nicht so war).


Einmal angekommen erfahren wir - aber nicht Willie - daß die junge Dame im Zug Virginia Canfield ist, denn sie wird von ihrem Vater und den beiden Brüder Clayton und Lee abgeholt.
Später begegnet Willie Lee, der, nachdem er hört, daß Willie ein McKay ist, sofort erfolglos versucht, diesen zu töten, und dann nach Hause rennt, um seinen Vater und Clayton zu informieren. Während sie schon ihre Waffen wählen, sieht Willie zufällig Virginia in ihrem Hof und sie lädt ihn zum Abendessen ein.


Inzwischen sind alle männlichen Canfields hinter Willie her, der mit viel Glück - und auf witzige Art - entkommt.
Als er zum Abendessen auftaucht, sind die Canfields schockiert, ihn als Virginias Gast zu sehen. Dennoch macht Vater Canfield seinen Söhnen klar, daß ihr Ehrenkodex ihnen gebietet, ihm Gastfreundschaft zu gewähren ... aber nur im Haus, während er außerhalb davon Freiwild ist. Willie bekommt das Gespräch zufällig mit und fragt den Butler, wessen Haus das ist.
Von da an haben Willie und die Canfields ein Auge aufeinander, während sie nur darauf warten, daß er das Haus verläßt und sie ihre Chance bekommen
.

Der Pfarrer spricht das Tischgebet, aber
nur er und Virginia halten die Augen geschlossen ...

Zum Glück regnet es in Strömen, als der Pfarrer nach dem Abendessen nach Hause gehen will. Er wird eingeladen zu bleiben und Willie dehnt die Einladung auf sich selber aus, entschlossen, das Haus nie mehr zu verlassen. Als Virginia aber erfährt, daß er ein McKay ist, kann sie sich keine Zukunft für sie beide vorstellen.
Willie hofft in Verkleidung zu entkommen und die Jagd beginnt (die Keaton reichlich Gelegenheit für seine waghalsigen Stunts gibt).


Dank dem Pfarrer gibt es ein Happy End, da es ihm gelingt, Willie und Virginia rechtzeitig miteinander zu verheiraten, bevor die Canfields wieder daheim sind, und wie könnte Dad dem Blick in den Augen seiner Tochter widerstehen?


Mit dem Film hatte ich jetzt mal richtig Spaß!
Ich werde schamlos ein wenig aus Jim Emersons Kritik klauen (der Link ist unten, leider ist es nur ein Teil eines Artikels, dessen Link nicht mehr funktioniert).

"Zu den Dingen, die man dadurch lernt, daß man Buster Keatons "Die verflixte Gastfreundschaft" anschaut, gehören
:

● eine neuartige Methode, einfach Brennholz zu sammeln

● wie man einen Esel von Bahngleisen wegbewegt oder umgekehrt

● wie man ein Boot improvisiert

● wie man aus einem Pferdehintern eine Lady macht

● wie man in einem Wagen mit niedriger Decke einen Zylinder aufsetzt (und warum ein flacher Hut so offensichtlich vorzuziehen ist)

In anderen Worten, diesen Film anzuschauen wird euer Leben maßlos verbessern."


Keaton, der Züge liebte, siedelte den Film früher an als die historische Fehde, damit er eine Nachbildung der britischen Dampflok Stephenson's Rocket von 1829 verwenden konnte. Die Zugfahrt ist mein liebster Teil im Film, sie ist zum Brüllen. Ich tat mich schwer, die Anzahl von Bildern dazu zu beschränken.
Das heißt aber nicht, daß die Jagd nicht ebenfalls witzig und tatsächlich spannend war.
Wie gewöhnlich machte Keaton die meisten seiner Stunts selber. Zwei davon wurden gefährlich für ihn, einmal als ein Draht brach und Keaton im Wasser davongespült wurde - wie man im Film sehen kann, denn der Kameramann hatte Anweisungen weiterzufilmen -  und einmal als er über dem Wasserfall baumelte und soviel Wasser schluckte, daß man ihm den Magen auspumpen mußte!

Es gibt eine Menge visueller Gags, aber kein Slapstick, da das für einen abendfüllenden Film, der von seiner Geschichte abhing, die ja auf tragischen Ereignissen beruhte, nicht gepaßt hätte.
Dies war Keatons zweiter langer Film, der erste war jedoch noch episodisch gewesen. Er war außerdem eine Familienunternehmung. Der Produzent Joseph M. Schenck war Keatons Schwippschwager, Baby Keaton haben wir schon gesehen, Virginia ist Natalie Talmadge - zu der Zeit noch mit Buster verheiratet und mit ihrem zweiten Kind schwanger - und der Lokführer ist Joe Keaton, Busters Vater. 

Rundum eine Empfehlung von mir!


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Jim Emerson: Our Hospitality: Buster Keaton and gravity. Auf: RogerEbert.com, Scanners, 14. Dezember 2012
2. Jeffrey Vance: Our Hospitality. Auf: San Francisco Silent Film Festival. Essay. 2019
3. Hal C. F. Astell: Our Hospitality (1923). Auf: Apocalypse Later, 19. November 2023


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 9. April 2026

Stummfilme - Flitterwochen im Fertighaus

Wie gut seid ihr darin, Möbel zusammenzubauen? Ich habe zwei kleine identische Truhen. Eine sieht gut aus, die andere geht an einer Stelle immer ein bißchen auseinander - bis ich sie mit einem gut gezielten Schlag wieder zusammenklopfe. Ich habe absolut keine Ahnung, was ich bei der zweiten anders gemacht habe. Das ist nur ein Beispiel. Manchmal bin ich gut, manchmal nicht so sehr.
Könnte ich aber ein ganzes Haus zusammenbauen?
Schauen wir mal, wie gut Buster Keaton darin ist, okay? Heute habe ich den 20-Minuten-Film "Flitterwochen im Fertighaus" von 1920 für euch.


Wie gewöhnlich die Handlung (Spoiler!). Meine Einführung hat euch wahrscheinlich schon eine Vorstellung gegeben ...

Zu ihrer Hochzeit schenkt Onkel Mike einem glücklichen Brautpaar ein Haus und Grundstück Nr. 99 Apple Street.

Der Fahrer ist Handy Hank,
der Typ, den die Braut abgewiesen hat.

Als sie aber zum Grundstück kommen, ist dort kein Haus, sondern ein Laster, der Kisten von der Portable House Co. abliefert. In der Anleitung heißt es, sie sollen ihr Heim den Nummern auf den Kisten nach zusammenbauen, "um diesem Haus ein pfiffiges Aussehen zu verleihen".


Buster fängt sofort an, aber der eifersüchtige Hank verändert heimlich ein paar Zahlen auf den Kisten.


Als Buster also fertig ist, ist es keine Überraschung, daß das Haus so aussieht.


Und so.


Uuund so.

Eine der Gelegenheiten, bei der sich Buster tatsächlich
während eines Stunts verletzte - ich empfehle nicht,
aus einer Tür so hoch oben zu treten
und auf den Rücken zu fallen!


Freitag der 13. ist der Tag der Hauseinweihung. Jeder schaut sich in all den Räumen um, als ein Sturm aufzieht. Erst regnet es durch das Dach - irgendjemand überrascht? - dann fängt das Haus an, sich zu drehen, und wird so praktisch zu einem Fahrgeschäft.
Am nächsten Tag sieht es so aus.


Dann werden sie darüber informiert, daß sie auf dem falschen Grundstück sind, das Schild war umgedreht worden, und es ist nicht Nr. 99, sondern 66. Ihr Grund liegt jenseits der Eisenbahngleise (ja, ihr wißt, was als nächstes kommt).
Sie benutzen Fässer als Räder und fangen an, das Haus mit Hilfe des Autos fortzuziehen, aber es bleibt auf den Gleisen stecken (denkt noch jemand dabei an "Hausboot"?) und ein Zug nähert sich.
Gerade als sie erleichtert sind zu sehen, daß der Zug das Haus verpaßt hat ...


... kein Kommentar.


Buster stellt ein "Zu verkaufen"-Schild auf und läßt die Anleitung zurück, und sie gehen Hand in Hand davon.

Ich weiß, es ist eine verrückte Assoziation, aber ich mußte an Shirley Jackson denken, in deren Büchern Häuser oft eine wichtige Rolle spielen und eigene Wesen sein können.
Dieses Produkt von "Portable House" sieht für mich echt wie ein solches aus, denn es kann nicht sein, daß ein paar veränderte Nummern es so verwandeln können ...

Die Handlung scheint für einer Dokumentation der Ford Motor Company inspiriert worden zu sein
. Ford hatte von 1914 bis 1925 Lehrfilme gemacht und einer mit dem Namen "Home Made" von 1919 zeigte die Konstruktion eines Fertighauses.
Ich muß ihn nicht gesehen haben, um zu wissen, daß er nicht so witzig wie "Flitterwochen im Fertighaus" war.
"Flitterwochen im Fertighaus" war nicht der erste Kurzfilm, den Keaton allein machte (nachdem er davor mit Roscoe "Fatty" Arbuckle gearbeitet hatte), aber er war der erste, der im September 1920 herauskam.
Was ihn so großartig machte war, daß kein Modell benutzt wurde. Das war ein echtes Haus, auf einer Drehscheibe gebaut. In Kombination mit den Stunts und den Gags war das extrem effektiv - und davon gab es eine Menge, von denen mir manche erst auffielen, als ich den Film ein zweites (aber sicherlich nicht letztes) Mal anschaute.
Das sind nur ein paar der Stunts. Keaton und Sybil Seely machten sie selber - wie das Hauspaneel, das sich vertikal drehte, wodurch Sybil hochgehoben wurde, und das dann auf Buster herunterfiel (ein Stunt, den er auch in anderen Filmen anwandte).


Was diesen Kurzfilm für mich sogar noch besser machte, war die Chemie zwischen Keaton und Sybil. Ich mochte sie in "Buster Keatons Trauung mit Hindernissen", aber hier sind sie schon von Anfang an zusammen und rennen von einem Problem ins nächste, und dennoch geben sie nicht auf. Ein schneller Kuß und weiter geht's. Sie geben so ein goldiges Paar ab. Es ist schade, daß Seely das Filmen sehr früh aufgabe, nachdem sie heiratete und ein Kind bekam.

Außer den Stunts gibt es auch noch eine sehr charmante Szene, in der Sybil in der Wanne sitzt und die Seife verliert.
Ich liebe, wie sie das gemacht haben, und noch mehr das verschmitzte kleine Lächeln, daß Sybil dem Zuschauer schenkt, nachdem die "zensierende" Hand weg ist.


Ein Riesenspß und auf jeden Fall auch eine gute Wahl für einen ersten Stummfilm! 
😉

Übrigens zeigt der Film, wie jeden Tag ein Kalenderblatt abgerissen wird.
Wenn wir nach den Wochentagen im Jahr 1920 gehen, wäre das Haus entweder im Februar oder im August gebaut worden. Nein, ich weiß auch nicht, warum ich das Bedürfnis hatte, das nachzuschauen! Ich bin eben seltsam, was sowas angeht! 
😂


Quellen (englischsprachig):

1. Lea Stans: Thoughts on Keaton's "One Week". Auf: Silent-ology, 23. März 2014
2. Virginie Pronovost: My First Time with Buster Keaton: One Week. Auf:: The Wonderful World of Cinema, 22. Februar 2017
3. Daniel Eagan: One Week. Auszug auf: National Film Preservation Board - Documents


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 5. März 2026

Stummfilme - Buster Keatons Trauung mit Hindernissen

Wie wäre es mit noch etwas mehr Buster Keaton? Der heutige Film gehört zu seinen Zweiaktern - Buster Keatons Trauung mit Hindernissen von 1920 (Alternativtitel: Trauung mit Hindernissen oder Buster Keatons verhinderte Trauung).


Hier ist die Handlung (Spoileralarm):

Zwei Knechte leben zusammen in einem Haus auf einer Farm. Beide sind in die Farmerstochter verliebt, aber ihr Vater (von Keatons Vater Joe gespielt) will davon nichts hören und schickt sie ins Haus zurück.


Nachdem sie eine Sahnetorte für ihn gebacken und zum Abkühlen auf dem Fensterbrett abgestellt hat, zeigt ihre Mutter ihr einen Artikel über eine Tänzerin, also zeigt sie, daß auch sie tanzen kann.
Buster ist schockiert, seine Angebetete in den Armen seines Mitbewohners zu sehen.

Ein Herz bricht.

Inzwischen hat der Hund die Sahnetorte verspeist, und als Buster ihn mit der Sahne um die Schnauze herum sieht, denkt er, der Hund sei tollwütig.

Das ist mal ein guter Kuchen!

Eine wilde Jagd folgt, während derer Buster seine Kleider verliert, er und der Hund aber Freunde werden.

Freunde im Heu. So ein guter Junge.

Er geht zur Farm zurück, wo das Mädchen immer noch tanzt, aber in Ohnmacht fällt, als sie ihn in Unterwäsche sieht.
Jetzt wird Buster von ihrem Vater gejagt. Schnell gibt er vor, die Vogelscheuche zu sein, deren Kleider er angezogen hat.
Als der Vater und der Mitbewohner das herausfinden, jagen sie ihn beide.
Dann trifft er auf das Mädchen und als sie knien sieht, weil er seinen Schuh zubindet, denkt sie, er mache ihr einen Antrag und nimmt ihn an.

Oh Buster, das kommt so plötzlich.

Sie entkommen Dad und dem anderen Knecht zuerst auf dem Pferd, dann auf dem Motorrad, und unterwegs gabeln sie zufällig einen Pfarrer auf, der sie noch während der Jagd miteinander verheiratet.

... Mann und Frau!

Das war absolut zum Schießen.
Der Film beginnt mit den beiden Knechten in ihrem winzigen Haus mit nur einem Zimmer, das allerdings eine Menge zu bieten hat. Der Phonograph ist auch ein Herd, die Wanne ist auch eine Couch, das Bücherregal ein Eisschrank.

Laß Gas in die "Jukebox", um den Speck zu braten!

Anderes wie Salz und Zucker hängt an Schnüren von der Decke und kann leicht heruntergelassen und wieder hochgezogen werden. Allein schon der Teil wäre es wert, den Film anzuschauen, es ist wie eine wundervolle Choreographie.

Ein Spielchen "Fang die Flasche".

Die Jagd ist aber noch witziger.
Ich mußte wirklich richtig laut lachen, was ich nicht erwartet hatte. Allerdings wußte ich ja auch nicht, daß ich einen neuen Schwarm kennenlernen würde. Douglas, es tut mir leid, auf die Seite mit dir, es ist jemand Neues in der Stadt und sein Name ist Luke.
Ich war von diesem Hund so beeindruckt, daß ich mehrere Male buchstäblich vor Freude quietschte. Er war großartig!

Die Leiter hoch, die Leiter runter. Ich bin verliebt!

Also schlug ich Luke nach und fand heraus, daß der English Bull Terrier (die Rasse wurde später als American Staffordshire Terrier anerkannt der Hund von Roscoe "Fatty" Arbuckle und seiner Frau Minta Durfee war, von der es heißt, sie habe ihn als sechs Wochen alten Welpen als Bonus für einen besonders schwierigen Stunt bekommen. Arbuckle brachte Luke Tricks bei und angeblich verdiente er 150 $ in der Woche.
"Buster Keatons Trauung mit Hindernissen", für den Arbuckle ihn an seinen Protégé Keaton auslieh, war Lukes letzter Film. Durfee bekam ihn, als sie und Arbuckle sich scheiden ließen, aber ihr Exmann bekam Besuchsrechte ... nun, und ich stelle mir gern vor, daß Luke bis zu seinem Tod 1926 ein glückliches Leben hatte, vielleicht hin und wieder auf dem Jagd nach einem Eichhörnchen. Er war 13 Jahre alt.

Ihr denkt vielleicht, daß ihr den Film bei all den Screenshots, die ich gezeigt habe, jetzt schon kennt, aber in diesem schnellen Film gibt es so viele Gags, daß ihr noch gar nichts gesehen habt. Nicht auf überwältigende oder hektische Art. Alles ist so gut geplant, ja, es ist einfach eine Freude zuzuschauen.
Und vergeßt nicht, Luke ist dabei.
Ihr wißt, daß ich nicht darauf besteht, daß irgendjemand Stummfilme anschaut, nur weil ich das tue, aber in diesem Fall - schaut ihn an. Investiert diese 18 Minuten.

Ja, er wird springen. Mit Leichtigkeit.


Quellen (englischsprachig):

1. Lea Stans: A Salute to Luke the Dog. Auf: Silent-ology, 20. Juli 2017
2. Luke the Dog auf dem englischen Wikipedia



Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 10. April 2025

Stummfilme - Sherlock Jr.

Als ich mein Stummfilmprojekt ankündigte, habe ich euch erzählt, daß ich damit aufgewachsen bin - nochmal, Wiederholungen, so alt bin ich nicht.
An was ich mich aus der Zeit am besten zu erinnern scheine, sind die Komödien. Laurel und Hardy (Kurzfilme), Harold Lloyd, Charlie Chaplin und natürlich Buster Keaton.

Für heute habe ich einen Buster-Keaton-Film ausgewählt, der nicht abendfüllend ist, aber ich konnte mich nicht daran erinneren, je davon gehört zu haben und er hörte sich nach Spaß an.
Es ist "Sherlock Jr." von 1924 über einen Filmvorführer, der davon träumt, ein Detektiv zu sein und die Liebe seines Mädchens zu gewinnen.

Der Film beginnt mit der Einführung der Hauptcharaktere - "Der Junge", der aus einem Buch lernt "Wie man ein Detektiv wird", sein Boss, der ihm sagt, er sollte stattdessen seinen Job machen, "Das Mädchen", "Der Vater des Mädchens", der "nichts zu tun hatte, also stellte er einen Mann als Hilfe dabei ein" (ich liebe es!) und "Der örtliche Scheich" (der Name ist eine Anspielung auf einen anderen Film), der ebenfalls am Mädchen  interessiert ist.
Der Junge möchte dem Mädchen, das offensichtlich aus einer wohlhabenderen Familie kommt, eine große Schachtel Pralinen schenken, er hat aber nicht genug Geld. Also kauft er ihr schließlich die kleine Schachtel, ändert das Schild aber von 1 $ auf 4 $ und zeigt ihr beiläufig den Preis, um sie zu beeindrucken. Dann steckt er ihr einen Ring mit einem winzigen Stein an den Finger, für den sie die Lupe braucht, die der Junge dabei hat. Man sieht, daß sie ihn wirklich mag, denn obwohl sie enttäuscht ist, verbirgt sie das vor ihm.
Inzwischen hat der Scheich das Haus betreten. Da auch er kein Geld hat, den Jungen aber ausstechen will, nimmt er die Taschenuhr des Vater aus dessen Weste, die an der Garderobe hängt, um sie zu versetzen und die große Schachtel Pralinen zu kaufen.
Als er sie dem Mädchen überreicht, kommt der Vater herein, um zu erzählen, daß seine Uhr gestohlen wurde. Unser Möchtegern-Detektiv sagt, daß er den Fall übernehmen wird, und schaut in sein Buch. Der Scheich sieht, daß die erste Regel ist, alle zu durchsuchen, und schiebt den Pfandschein in die Tasche des Jungen.
Als der Vater den Jungen durchsucht, findet er den Pfandschein über 4 $, also geht der Austausch des Preisschilds damit nach hinten los, der Vater sagt ihm, daß er das Haus verlassen muß und das Mädchen gibt ihm den Ring zurück. Man kann aber sehen, daß beide deswegen sehr bestürzt sind.

Der Junge verdächtigt den Scheich und beschattet ihn ohne Erfolg, also geht er zurück ins Kinto.
Das Mädchen aber geht zur Pfandleihe und bittet um eine Beschreibung des Manns, der die Uhr gebracht hat. Genau da kommt zufällig der Scheich vorbei und der Pfandleiher erkennt, daß er derjenige ist, was das Mädchen daraufhin ihrem Vater berichtet.

Inzwischen hat der Junge den Film gestartet und schläft ein.
Sein Traumselbst steht auf und sieht, daß die Charaktere im Film sich in die aus seinem Leben verwandelt haben, also tritt er in die Leinwand ein.


Nachdem er zunächst hinausgeworfen wurde und dann eine Reihe von unterschiedlichen Szenen durchläuft, wird er - "the crime-crushing criminologist" (der verbrechenvernichtende Kriminologe) namens Sherlock Jr. - gerufen, weil vom Film-Scheich und seinem Komplizen eine Perlenkette gestohlen wird. Er sieht sehr schick aus in seinem eleganten Outfit, komplett mit Zylinder und Gamaschen, und schaut sich die schöne Dame der feinen Gesellschaft sehr genau an.


Die Diebe versuchen alles, um ihren Hals zu retten und den Detektiv umzubringen, aber er entkommt all ihren Versuchen sehr nonchalant ...

"Am nächsten Tag hatte das Genie das Geheimnis
vollständig aufgelöst - mit Ausnahme des Aufspürens der Perlen
und des Auffinden des Diebs."

Er folgt dem Scheich, von seinem Assistenten begleitet, und es gelingt ihm schließlich, die Halskette zurückzuholen und auf das Motorrad des Assistenten zu springen, der leider herunterfällt, ohne daß Sherlock Jr. es merkt.
Als nächstes kommt eine unglaubliche Verfolgungsjagd des Autos voller Gangster, die hinter dem Detektiv auf dem führerlosen Motorrad herrasen, der von einer Gefahr in die nächste fährt.
Einer der Gangster hat die junge Dame in seiner Gewalt, aber Sherlock Jr. schafft es, sie zu retten, und sie entkommen im Wagen der Gangster.
Zu diesem Zeitpunkt wacht der Junge wieder auf und stellt fest, daß alles nur ein Traum war, aber dann taucht das Mädchen auf, um ihm zu sagen, daß sie herausgefunden haben, daß er unschuldig ist. Also folgt er Hinweisen aus der Endszene des Films, hält ihre Hände, küßt diese, steckt ihr den Ring wieder an den Finger und küßt sie. Nur das letzte Bild des Paars auf der Leinwand und ihren zwei Babys verwirrt ihn sichtlich.

Nachdem die ersten Vorführungen nicht gut genug für ihn liefen, machte Keaton mehrere Schnitte an "Sherlock Jr.", aber trotzdem erhielt der Film gemischte Kritiken und wurde nicht als witzig betrachtet.
Deshalb sah auch Keaton selber diesen Film nicht als einen seiner guten an, aber mit der Zeit begannen Leute, ihn als Meisterstück zu loben.
Es gibt darin Theatermagie, Filmmagie, unglaubliche Stunts und eine Menge Übung. Ihr könnt
hier ein Making Of-Video sehen, das einiges erklärt, und es ist zutiefst faszinierend.
Zwei meiner Lieblingsszenen sind
- der Teil, als die Gangster versuchen, Sherlock Jr. zu töten, zum Beispiel mit einer Bombe in einer Billardkugel - diese Trickstöße hatte er so geübt
- wie die Gangster Sherlock Jr. auf dem Motorrad nachjagen, das ist absolut unglaublich - obwohl auch ein bißchen getrickst wurde, hatte er tatsächlich trainiert, das Motorrad so zu lenken, wie verrückt ist das?


Ich kann mich ehrlich nicht daran erinnern, daß ich jemals einen ganzen Buster-Keaton-Film angeschaut hätte, das müssen eigentlich alles Ausschnitte in den zusammengeschnippelten Serien meiner Kindheit gewesen sein.
Natürlich war mir bewußt, daß er überwiegend seine eigenen Stunts machte und daß viele davon todesmutig waren, aber ich glaube nicht, daß ich bis jetzt je wirklich die Chance hatte, das zu begreifen.
Es gibt zum Beispiel diesen Stunt, bei dem Keaton durch den Wasserdruck den Halt verlor und seinen Kopf an eine Stahlschiene schlug. Trotz schwerer Kopfschmerzen filmte er weiter und erst Jahre später wurde bei einem Arzttermin herausgefunden, daß er sich tatsächlich den Hals gebrochen hatte!
Und ich komme nicht ohne Stöhnen aus meinem Bett hoch
🤪



Natürlich kannte ich ihn nur mit versteinertem Gesichtsausdruck, aber ich hatte nie den Effekt wertschätzen können, den es auf Szenen haben konnte, die normalerweise nach großer Emotion verlangen würden.
Ich habe aber nicht nur bei den Stunts nach Luft geschnappt, sondern fand auch toll, wie er die Beziehung zwischen zwei Menschen zeigte, die aus unterschiedlichen Welten zu kommen scheinen, aber dennoch so süß miteinander umgehen. Ich schätze, zur Zeit bin ich einfach empfänglich für herzerwärmende Dinge.

Es mag ja keine große Handlung geben - Keaton sagte, er wolle, daß es sich wie ein Traum anfühle, und man merkt, daß es von jemandem gemacht wurde, der das Medium Film liebte - aber vergeßt nicht, es ist auch kein abendfüllender Film. Wenn ich etwas aus diesen 44 Minuten gelernt habe, dann ist es, daß ich mich darauf freue, mehr zu sehen.

Ausgewählte Quellen (englisch):
1. Kieran Judge: 'Sherlock Jr.' at 100 - Review. Auf: The Film Magazine, 21. April 2024
2. Jeffrey Vance: "Sherlock Jr." (1924).  Auf: Library of Congress - Programs - National Film Preservation Board, Oktober 2024
3. David A. Punch: Sherlock Jr: Keaton's Cinematic Genius. Auf: The Twin Geeks, 2. September 2019
4. Chris Scott Edwards: Sherlock, Jr. (1924). Auf: Silent Volume, 5. Juli 2009
5. David Johansson: Sherlock Jr. Auf: San Francisco Silent Film Festival. Winter Event 2009.

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.