Wie gut seid ihr darin, Möbel zusammenzubauen? Ich habe zwei kleine identische Truhen. Eine sieht gut aus, die andere geht an einer Stelle immer ein bißchen auseinander - bis ich sie mit einem gut gezielten Schlag wieder zusammenklopfe. Ich habe absolut keine Ahnung, was ich bei der zweiten anders gemacht habe. Das ist nur ein Beispiel. Manchmal bin ich gut, manchmal nicht so sehr.
Könnte ich aber ein ganzes Haus zusammenbauen?
Schauen wir mal, wie gut Buster Keaton darin ist, okay? Heute habe ich den 20-Minuten-Film "Flitterwochen im Fertighaus" von 1920 für euch.
Wie gewöhnlich die Handlung (Spoiler!). Meine Einführung hat euch wahrscheinlich schon eine Vorstellung gegeben ...
Zu ihrer Hochzeit schenkt Onkel Mike einem glücklichen Brautpaar ein Haus und Grundstück Nr. 99 Apple Street.
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| Der Fahrer ist Handy Hank, der Typ, den die Braut abgewiesen hat. |
Als sie aber zum Grundstück kommen, ist dort kein Haus, sondern ein Laster, der Kisten von der Portable House Co. abliefert. In der Anleitung heißt es, sie sollen ihr Heim den Nummern auf den Kisten nach zusammenbauen, "um diesem Haus ein pfiffiges Aussehen zu verleihen".
Buster fängt sofort an, aber der eifersüchtige Hank verändert heimlich ein paar Zahlen auf den Kisten.
Als Buster also fertig ist, ist es keine Überraschung, daß das Haus so aussieht.
Und so.
Uuund so.
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Eine der Gelegenheiten, bei der sich Buster tatsächlich |
Freitag der 13. ist der Tag der Hauseinweihung. Jeder schaut sich in all den Räumen um, als ein Sturm aufzieht. Erst regnet es durch das Dach - irgendjemand überrascht? - dann fängt das Haus an, sich zu drehen, und wird so praktisch zu einem Fahrgeschäft.
Am nächsten Tag sieht es so aus.
Dann werden sie darüber informiert, daß sie auf dem falschen Grundstück sind, das Schild war umgedreht worden, und es ist nicht Nr. 99, sondern 66. Ihr Grund liegt jenseits der Eisenbahngleise (ja, ihr wißt, was als nächstes kommt).
Sie benutzen Fässer als Räder und fangen an, das Haus mit Hilfe des Autos fortzuziehen, aber es bleibt auf den Gleisen stecken (denkt noch jemand dabei an "Hausboot"?) und ein Zug nähert sich.
Gerade als sie erleichtert sind zu sehen, daß der Zug das Haus verpaßt hat ...
... kein Kommentar.
Buster stellt ein "Zu verkaufen"-Schild auf und läßt die Anleitung zurück, und sie gehen Hand in Hand davon.
Ich weiß, es ist eine verrückte Assoziation, aber ich mußte an Shirley Jackson denken, in deren Büchern Häuser oft eine wichtige Rolle spielen und eigene Wesen sein können.
Dieses Produkt von "Portable House" sieht für mich echt wie ein solches aus, denn es kann nicht sein, daß ein paar veränderte Nummern es so verwandeln können ...
Die Handlung scheint für einer Dokumentation der Ford Motor Company inspiriert worden zu sein. Ford hatte von 1914 bis 1925 Lehrfilme gemacht und einer mit dem Namen "Home Made" von 1919 zeigte die Konstruktion eines Fertighauses.
Ich muß ihn nicht gesehen haben, um zu wissen, daß er nicht so witzig wie "Flitterwochen im Fertighaus" war.
"Flitterwochen im Fertighaus" war nicht der erste Kurzfilm, den Keaton allein machte (nachdem er davor mit Roscoe "Fatty" Arbuckle gearbeitet hatte), aber er war der erste, der im September 1920 herauskam.
Was ihn so großartig machte war, daß kein Modell benutzt wurde. Das war ein echtes Haus, auf einer Drehscheibe gebaut. In Kombination mit den Stunts und den Gags war das extrem effektiv - und davon gab es eine Menge, von denen mir manche erst auffielen, als ich den Film ein zweites (aber sicherlich nicht letztes) Mal anschaute.
Das sind nur ein paar der Stunts. Keaton und Sybil Seely machten sie selber - wie das Hauspaneel, das sich vertikal drehte, wodurch Sybil hochgehoben wurde, und das dann auf Buster herunterfiel (ein Stunt, den er auch in anderen Filmen anwandte).
Was diesen Kurzfilm für mich sogar noch besser machte, war die Chemie zwischen Keaton und Sybil. Ich mochte sie in "Buster Keatons Trauung mit Hindernissen", aber hier sind sie schon von Anfang an zusammen und rennen von einem Problem ins nächste, und dennoch geben sie nicht auf. Ein schneller Kuß und weiter geht's. Sie geben so ein goldiges Paar ab. Es ist schade, daß Seely das Filmen sehr früh aufgabe, nachdem sie heiratete und ein Kind bekam.
Außer den Stunts gibt es auch noch eine sehr charmante Szene, in der Sybil in der Wanne sitzt und die Seife verliert.
Ich liebe, wie sie das gemacht haben, und noch mehr das verschmitzte kleine Lächeln, daß Sybil dem Zuschauer schenkt, nachdem die "zensierende" Hand weg ist.
Ein Riesenspß und auf jeden Fall auch eine gute Wahl für einen ersten Stummfilm! 😉
Übrigens zeigt der Film, wie jeden Tag ein Kalenderblatt abgerissen wird.
Wenn wir nach den Wochentagen im Jahr 1920 gehen, wäre das Haus entweder im Februar oder im August gebaut worden. Nein, ich weiß auch nicht, warum ich das Bedürfnis hatte, das nachzuschauen! Ich bin eben seltsam, was sowas angeht! 😂
Quellen (englischsprachig):
1. Lea Stans: Thoughts on Keaton's "One Week". Auf: Silent-ology, 23. März 2014
2. Virginie Pronovost: My First Time with Buster Keaton: One Week. Auf:: The Wonderful World of Cinema, 22. Februar 2017
3. Daniel Eagan: One Week. Auszug auf: National Film Preservation Board - Documents
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.












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