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Dienstag, 27. Januar 2026

Manchmal muß man einfach schneiden

Die Labradoritsteine, die ich hatte oder habe, sind normalerweise blau, grau und grün, aber Labradorit kann soviel mehr Farben haben, wobei Lila die seltenste ist.
Vor Monaten ging ich meine Cabochonlade durch und bemerkte, daß einer meiner geschnitzten Cabochons, der grau und grün aussah, tatsächlich in einem bestimmten Lichtwinkel einen wunderschönen rosa Schimmer hatte. Den ich in meinen Bildern (noch?) nicht so recht eingefangen habe, aber er ist da, wirklich.
Und ich wußte genau, welche Perlen dazu passen würden.

Für die Fassung wählte ich meine geliebten "Zauberapfel"-Rocailles. Es wird ein sehr trauriger Tag sein, wenn sie aufgebraucht sind, ich schaue sie mir sogar einfach nur gern in der Tube an. Als Verbindung zu dem rosa Schimmer wählte ich ein transparentes Dunkelrot - noch so ein Favorit - und ein paar dunkelrosafarbene 15er Perlen.


Die Fassung ist der einfach Teil. Es ist nicht so einfach zu entscheiden, was als nächstes kommen sollte, und diesmal traf ich auch eine Fehlentscheidung.
Ich freute mich darauf, wieder mal einen Freiformanhänger zu machen. Ich liebe Freiform (und frage mich manchmal, wieviel Schuld daran Gary Larsons Amöben tragen - googlet sie, falls ihr sie nicht kennt, denn ich muß immer an sie denken, wenn ich etwas in der Art mache). Ich wollte eine Mischung aus Rot- und Rosatönen in verschiedenen Perlengrößen verwenden, vielleicht mit etwas Gold hier und da.
Wenn ich in Freiform arbeite, schneide ich gern zuerst den Filz um den Cabochon in Form und folge dieser dann mit den Perlen. Gewöhnlich bin ich damit recht glücklich, obwohl ich mal hier und da die Ränder etwas beschneiden muß. In diesem Fall aber ... ohje, ich haßte es schon nach den ersten drei Reihen, glaube ich, machte aber trotzdem weiter.
Es ist schwierig, meine Gefühle zu erläutern, wenn ich an so etwas weiterarbeite. Es ist wie ein Tropfen Hoffnung, der in einer See von Zweifel schwimmt, - es besteht noch eine winzige Chance, daß ich es dank eines kreativen Wunders schaffe - oder auch öfter ein Molekül von Hoffnung in einer See von Ärger (über mich selber), Motivationsverlust und der Stimme meiner Muse, die mich anschreit, daß ich endlich aufgeben soll.

Das ist der schwierige Teil. Manchmal muß man sich vorwärtskämpfen, manchmal muß man, wenn möglich, kleinere oder größere Änderungen vornehmen - und manchmal muß man einfach nur schneiden.
So wie ich den Filz vorgeschnitten hatte, konnte ich ihn nicht mehr für ein regelmäßiges Design verwenden, aber ich mochte die Fassung und wollte sie nicht nochmal machen. Warum sollte ich das aber? Ich schnitt einfach entlang der Fassung und klebte dann das ganze auf ein zweites Stück Filz. Duh. Nicht so schwer, oder? Dann saß der Cabochon eben höher als gewöhnlich, weil ich gern dickeren Filz benutze, aber das war okay für mich.

Um den Extrarand zu verstecken, benutzte ich wunderschöne große dunkelrot-lila Perlen, dann eine Reihe Gold als Kontrast, und zwei Reihen für den Rand in himbeere und Zauberapfel.


Danach steckte ich erstmal fest. Ich hatte dieses Problem schon immer mit der Tropfenform, vom allerersten Labradorittropfen an, den ich je benutzte (erinnert euch, daß ich euch kürzlich nach eurer Meinung gefragt habe - nun, keine Antwort, also mußte ich selber damit fertigwerden).
Will ich die Spitze oben haben oder folge ich meiner Muse, die die Spitze immer unten sehen will? Wie ihr sehen könnt, hat Mabel gewonnen.
Ich ergänzte ein großes Peyote-Perlen"röhrchen" auf der Rückseite für den gedrehten Herringbone-Schlauch, den ich in Zauberapfel und dunkelrot-lila gefädelt hatte. Dadurch liegt der Anhänger nicht flach auf, sondern im Winkel.

Und als ob das nicht schon ausreichte, gab ich noch meiner asymmetrischen Seite nach. Es hatte so lang gedauert, sie zu entwickeln, aber nun geht sie nicht mehr fort.
Mein erster Plan waren kleine braune Glasblumen, die ich schon früher benutzt habe und sehr liebe, aber leider konnte ich sie auf die Schnelle nicht finden.


Was ich aber fand, waren diese übriggebliebenen Perlen, und mir gefiel der Kontrast, den sie zum Anhänger beisteuerten. Auffallend vielleicht, aber ich fand die Kette konnte etwas Oomph gebrauchen, um sie weniger klassisch (und langweilig) zu machen.

Ich habe übrigens etwas geschummelt. Im Moment, da ich das hier schreibe, hat die Kette noch keinen Verschluß. Ich habe keinen goldenen Karabinerhaken, der groß genug ist, wollte aber nicht mit dem Fotografieren warten, weil ich so glücklich darüber bin, daß dieses WIP, das jetzt schon ein paar Monate in der Arbeitsbox sitzt und wartet, endlich fast fertig ist!

Montag, 19. Januar 2026

"Cloisonné"-Halskette

Das heutige Schmuckstück ist nicht echtes Cloisonné, wurde aber davon inspiriert.
Cloisonné ist eine uralte Technik, bei der Metallstreifen oder -draht auf einer Metalloberfläche befestigt werden und so Zwischenräume bilden ("cloisons" auf Französisch). Anfangs wurden Edelsteine dafür verwendet, die so entstehenden Lücken zu füllen, später dann Emaille, was ebenfalls bunt, aber nicht so teuer ist.
Ich erinnere mich, daß ich sogar schon als Kind von Cloisonné-Stücken fasziniert war. Ich mache aber keine Metallarbeiten und habe auch noch nie mit Emaille gearbeitet.

Manche meiner Ideen entstehen völlig aus dem Blauen heraus. Ich schaue mir gern an, was so in meiner aktuellen "Arbeitsbox" ist - ich sollte wirklich mal die letzte aufräumen, denn ich bin sicher, ich werde ein paar Überraschungen darin entdecken -, und arbeite dann damit.
Diesmal fand ich übriggebliebenes ungleichmäßiges Dreieck Stickuntergrund und einen Abschnitt eines schmalen Bands aus Wildlederimitat, das ich kurz für "Die große Umarmung" in Erwägung gezogen hatte.
Es war wahrscheinlich das flache Aussehen, das mich an die Metallstreifen in Cloisonné erinnerte und mich zu der Überlegung brachte, wie es wohl aussehen würde, wenn ich das Band auf den Untergrund aufkleben würde (oooh, ehrgeizig), nicht flach, sondern auf dem Rand, damit ich Kurven ziehen konnte. Dann würde ich die Lücken mit Perlenstickerei auffüllen.
Natürlich wäre es interessant gewesen, ein tatsächliches Muster wie in echtem Cloisonné zu kreieren, aber dafür war das Band zu dick. Ich habe ja schon eine ganze Weile dafür gebraucht, diesen geschlossenen "Kreis" hinzubekommen. Abgesehen davon klappte das Aufkleben aber erstaunlich gut.


Zunächst begann ich damit, die Leerräume mit Reihen zu füllen, die dem Verlauf des Bandes folgten, aber wie schon bei der "Großen Umarmung" merkte ich schnell, daß mir das nicht gefiel.
Also trennte ich die Reihen heraus und nähte stattdessen Perle für Perle auf, was bei den engen Stellen viel besser funktionierte.
Außerdem was der ursprüngliche Plan gewesen, jede Farbe einmal zu verwenden und den Anhänger richtig bunt zu macht. Hätte ich aber vorher so richtig darüber nachgedacht und nicht das Band verwenden wollen, das schon geschnitten war, hätte ich statt des blauen ein schwarzes genommen. Wieder riß ich alles heraus und beschränkte mich stattdessen auf willkürliche Plazierung von Grün- und Blautönen. Natürlich ruft eine Kombination von Grün und Blau bei mir immer Gedanken ans Meer hervor und das Band verstärkte bei mir noch das Gefühl von Korallenriff, also mußte ich mich des Drangs erwehren, auch noch Perlen dazuzunehmen. Ich denke, das wäre einfach zuviel gewesen.


Nächste Entscheidung - eine Kette.
Ich liebe das Aussehen eines gedrehten Herringboneschlauchs mit drei Perlen in kontrastierenden Farben und wählte ein dunkles Regenbogengrün, ein Metallicblau mit einem Hauch von Mint und einem wunderschönen Dunkelblau.
Könnt ihr euch nicht auch eine Reihe von Schlauchketten wie dieser in verschiedenen Farben und Längen vorstellen?


Ich hatte so richtig Spaß beim Herumspielen mit diesem Stück und wünschte fast, ich hätte die Geduld, nochmal eins mit schwarzem Band zu probieren, aber während meine Hände noch eine Pause brauchen, ist mein Gehirn schon auf dem Weg zum nächsten WIP in meiner Arbeitsbox, das schon so lang dort drin wartet, weil ich mich nicht entscheiden kann, wie herum ich den Anhänger haben will!
Was sagt ihr - Tropfen mit der Spitze nach oben oder nach unten?

Freitag, 8. Dezember 2023

Zuckerstange - Das achte Türchen


Als erstes muß ich sagen, daß Zuckerstangen für mich nie ein Teil von Weihnachten waren, obwohl ich sie natürlich kannte. Spontan kann ich mich nicht einmal erinnern, ob ich jemals selber eine gesehen habe, obwohl sie hier sicherlich auch verkauft werden.
Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb? - schien mir eine Zuckerstange eine gute Wahl für Christbaumschmuck.

Es gibt wahrscheinlich Massen an Tutorials für Zuckerstangen aus Perlen, aber ich traute mir zu, keines davon zu brauchen.
Als Technik wählte ich meinen geliebten Herringbonestich mit einer Runde von acht Rocailles, obwohl ich wußte, daß die Kurve oben gequetscht und seltsam aussehen würde, wenn ich versuchen würde, den Schlauch rund zu halten. Vier Rocailles wären besser gewesen, aber zu klein für ein Ornament, jedenfalls für meinen Geschmack.
Auch wenn die Zuckerstange jetzt flach geformt ist, sieht sie immer noch gut aus - das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.
Um etwas von der Form abzulenken, habe ich die Stange noch mit einer kleinen Stechpalmenschleife aus Perlen verziert.
Was meint ihr, funktioniert es?

Samstag, 4. März 2023

Vampirfledermaus Angie

Ich muß es vor mir selber zugeben, zur Zeit bin ich mit Schmuck nicht sehr gut. In meiner Schublade liegt ein Paar Ohrringe, das nur darauf wartet, daß ich mich für Ohrhaken entscheide. In einem Tütchen sind auch noch ein paar kleine Perlenherzen, die auf eine Verwendung warten. Immer wieder greife ich zu Dingen und lege sie wieder hin.

Daß ich gerade so wenig Motivation verspüre, hat viel mit dem zu tun, was so los ist, in der großen Welt und in meiner kleinen Welt.
Glücklicherweise scheint das nicht zu bedeuten, daß ich gar nicht mehr kreativ werden kann. Meine Muse dachte offensichtlich, daß es Zeit für mich wurde, an einem Puppendesign zu arbeiten, daß - zusammen mit zwei anderen - seit Monaten auf meinem Tisch lag. Diesmal hatte ich tatsächlich eine Zeichnung von drei Outfits gemacht (während eines Meetings, als ich nicht benötigt wurde), die schon Monate davor in meinem Kopf herumschwirrten, mehr um mich daran zu erinnern, als ihnen im Detail zu folgen.
Meine Puppenoutfits entwickeln sich während des Prozesses, und nicht einmal ich kann sagen, wie sie am Ende aussehen werden.

Für dieses habe ich das allererste Mal eine Angie-Puppe verwendet, eine hübsche Brünette von Topper mit dem Kopfmodell P10.
Ihre Haarfarbe verdammte sie dazu, die Fledermausdame zu werden. Ihr erinnert euch vielleicht daran, daß ich eine ziemliche Faszination für Perlenstickflügel hege (ooh, ich hatte gerade eine Idee für ein weiteres Design), und ich sah Angie definitiv überwiegend in schwarz mit Fledermausflügeln. Würde ich noch Köpfe "rerooten", also neue Haare einziehen, wäre ich möglicherweise sogar in Versuchung gewesen, ihr schwarze Haare zu geben. Und sie für einen romantischeren Vampirnamen Angelina zu nennen.


Bei der ersten Entscheidung ging es darum, ob das Kleid eng werden sollte oder ein opulenter Ballkleid-Stil, der Stil eines fließenden Nachthemds schied von vornherein aus. Ein Gedanke, der mir in den Kopf kam, wahrscheinlich weil ich alte Folgen der Addams Family episodes auf YouTube angeschaut hatte, war ein Kleid wie das von Morticia, aber erstens ist Morticia kein Vampir und zweitens möchte ich meine eigenen Designs machen.
Das Kleid wurde schließlich also zwar eng, aber es gibt keinen auffälligen Ausschnitt, keine langen Ärmel - nicht nur, weil sie mit Perlen schwierig zu machen sind, da die Arme so nah am Körper sind, sondern weil ich den Kontrast der Arme zu den Flügeln wollte - und statt der "Tentakel" am Saum wird der Rock ab einer höheren Stelle weiter und ist hinten etwas länger.


Kristalle auf einen Teil des Rocks aufzunähen, war ein spontaner Entschluß. Schwarz und siamrot ist eine Kombination, die für mich unwiderstehlich ist. Erst als es dunkel wurde und ich das Licht anmachte, bemerkte ich, daß ich Kristalle in dunklem und hellem Siamrot verwendet hatte. Es ist schwer zu glauben, da das dunkle Siamrot auf diesen Bildern fast schwarz aussieht, aber im Tageslicht muß man, wenn man schwarzen Faden benutzt, sehr genau hinschauen, um sie auseinanderzuhalten. Zum Glück gefiel mir der Effekt von verschiedenen "Blutstropfen", darum nähte ich einfach noch ein paar Kristalle im hellen Siamrot auf anstatt alle wieder zu entfernen.


Wie gewöhnlich fädelte und fädelte ich am Kleid, bis es dann fast zu spät war, die Schuhe zu machen. Werde ich das jemals lernen?
Dann wurde mir klar, daß ich noch nie über die Schuhe von Vampirdamen nachgedacht habe. Ballerinas, Stöckel, Slipper? Ich machte es mir einfach und fädelte ein Paar einfache Sandalen, weil sie unter dem langen Kleid sowieso nicht gesehen werden. Sie haben schmale Knöchelriemen, Sohlen und zwei Riemen über den Zehen.


Viel interessanter sind die Flügel, jedenfalls für mich.
Ich hatte keinen Erfolg damit, ein gutes Video hinzubekommen (bis jetzt, ich werde es weiterprobieren), das das Funkeln der roten Stiftperlen mit Silbereinzug in Verbindung mit dem AB-Schimmer der glänzendschwarzen Pailletten zeigt. Ich hätte mattschwarze Pailletten verwenden können oder glänzende ohne das AB-Finish, aber ich liebe den Effekt von Schwarz, das mit einer kleinen Bewegung in Farben explodiert.


Ihr wißt, wie gerne ich Accessoires mache, aber in diesem Fall hätten sie einfach nicht gepaßt.
Angelina bekam nur ein kleines Halsband mit einem "Vampirbiß".

Ich überlege mir immer noch, ob ich mich selber an einem Paar roter Lippen und Vampirzähnen versuchen soll oder die Aufgabe an jemanden outsourcen, der ziemlich wahrscheinlich besser darin ist.
Auch wenn das nicht geschehen sollte, bin ich aber trotzdem wirklich glücklich über meine dunkle Schönheit!


Update April 2024:
Ich habe mich endlich an einem Vampirlächeln versucht, aber nach vielen Versuchen ließ ich das mit den Zähnen sein, weil sie nicht zu den Augen paßten, und ich wollte wirklich die Augen nicht versauen. Ein breites Lächeln paßte einfach nicht und nur zwei weiße Punkte sahen irgendwie lächerlich aus, wenigstens für mich, so als hätte sie Krümel am Mund hängen.
Die roten Lippen jedoch passen viel besser zum Gesamtbild als die rosafarbenen!


Dawn war ein eingetragenes Warenzeichen der Topper Company. Ich bin mit Topper in keiner Weise verbunden.

Dienstag, 15. März 2022

Der geflügelte Skarabäus

Khepri war der Gott der Morgensonne im alten Ägypten. Man glaubte, daß er die neugeborene Sonne in Form eines Skarabäus über den Himmel schob, so wie die echten Käfer Mistkugeln rollen, aus denen ihre Jungen dann herauskriechen.
Khepri wurde entweder als Gott mit einer menschlichen Gestalt und einen Skarabäus als Gesicht oder einfach nur als der Skarabäus selber dargestellt.
Das ist natürlich nur die Kurzversion seiner Geschichte.

Als ich einen kleinen Sodalithcabochon auf dem Untergrund anbrachte, hätte nichts weiter weg von meinen Gedanken sein können als Khepri. Dies sollte ein kleines Projekt für zwischendurch werden, ein kleiner Cabochon auf einem kleinen Rest von Filz, mit einer Fassung und vielleicht etwas um den Rand herum, für einen Anhänger oder Teil eines Rings.
Meine Pläne änderten sich allerdings ziemlich schnell, als ich für die Fassung eine Kombination aus blau und gold gewählt und winzige goldene Perlen hinzugefügt hatte, die den bescheidenen Sodalith in eine Art Skarabäus verwandelten.

Da erinnerte ich mich dann an den geflügelten Skarabäus und ging nach Perlen suchen, die für die Flügel geeignet waren.
Ich verwende Stäbchenperlen nicht oft, habe aber einige Farben zur Auswahl aus Überraschungs- oder Destashpäckchen.
Nachdem der Untergrund ausgetauscht ware, weil mein Stück für die neue Idee viel zu klein war, mußte ich entscheiden, wie ich die Flügel formen und ob ich die Morgensonne ebenfalls hinzufügen wollte. Gerade rechtzeitig erinnerte ich mich daran, daß ich noch roten Magnesit dahatte, der perfekt für die Sonne war.
Als ich dann Skarabäus und Sonne fertighatte, suchte ich Farben für die Flügel aus, die mich an das alte Ägypten erinnerten, türkis - glänzend und matte mit AB-Finish - gold und lila.

Das Ergebnis war ganz und gar nicht das, was ich erwartet hatte, als ich rein zufällig den Sodalith aus meinen Vorräten wählte.
Als nächstes - Anhänger oder Halskette? Eine Öse schien mir fehl am Platz, also mußte es eine Halskette werden, und wenn ihr meine letzten Ketten gesehen habt, werdet ihr bemerkt haben, daß ich für meine Mittelstücke Herringboneketten liebe. Diesmal arbeitete ich noch ein paar Dumortieritperlen ein - aus Mangel an Lapislazuli.
Ich bin wirklich zufrieden damit, wie dieses Stück geworden ist!


Samstag, 29. Mai 2021

Miss Francie Bennet - Teil 2, Die Accessoires

Willkommen zurück!
In diesem Post möchte ich über die Accessoires für Miss Francie Bennet sprechen - die 60er Jahre Puppe, die in die Regency-Zeit zurückgeschickt wurde.

Wie immer hatte ich keine klare Vorstellung, welche Accessoires ich machen würde, als ich dieses Projekt anfing.
Natürlich wußte ich, daß Francie einen Pompadour brauchen würde, fast alle meine Puppen bekommen irgendeine Handtasche oder einen Beutel, außer den ersten beiden Flappern.
Sie würde auch einen Hut brauchen, das war der Teil, vor dem ich am meisten Angst hatte, weil ich keine Ahnung hatte, wie man einen Schutenhut machte.
Und zum Ausgehen wäre eine Stola nett.
Soweit hatte ich also Pläne.

Da mein großer JaLa-Webrahmen immer noch von einem WIP besetzt ist, über das ich mir nicht mehr ganz sicher bin, beschloß ich, für die Stole einen meiner kleinen Webrahmen zu benutzen. Nach einer schnellen Messung schätzte ich, es würde gerade groß genug für die Dreiecksform sein, die ich mir vorstellte.
Es war knapp, sehr sehr knapp. Tatsächlich hätte ich das Tuch gar nicht fertigmachen können, wenn ich mich nicht für das Dreieck entschieden hätte, weil mir unten fast die Kettfäden ausgingen.
Was ich außerdem nicht bedacht hatte war, daß Glasperlen schwer und Webstücke sehr geschmeidig sind. Das Tuch rutschte bei der kleinsten Bewegung von Francies Armen, also mußte ich mit ein paar Stichen nachhelfen.


Dann hatte ich auf einmal die Idee, ihr einen Parapluie zu machen, offensichtlich weil ich an Selbstbestrafung glaube.
Mein Teststück war Perlenstickerei, aber die Form erinnerte mich an Cocktailschirmchen, also hatte ich die Idee, stattdessen Herringbone-Streifen zu fädeln, sie zusammenzunähen und, nun ja, zu improvisieren.
Der kleine Parapluie hat neun Streifen, die ich auf links zusammen-nähte und nochmal extra an den Enden, um so die Nähte zu betonen. An der Spitze blieb ein kleines Loch, das ich für die Stange nutzen wollte. Soweit so gut, aber natürlich war diese Konstruktion nicht komplett fest. Ich holte tief Luft und und schmierte Klebstoff über die ganze Innen- und Außenseite, um sie zu verstärken. Das hört sich einfacher an, als es war, natürlich war das eine kleine Schweinerei. Klebstoff und ich - die unendliche Geschichte.
Am Ende hatte ich jedoch ein schönes festes Gebilde, juhu!
Ich brachte rundherum Fransen an und schließlich noch die Stange (dafür fädelte ich Rocailles rund um einen Holzspieß wie für den Stab der Feenkönigin) mit Gold an Spitze und Griff. Voilà.
Francie kann diesen Parapluie nicht halten, weil sie nicht greifen und auch nicht ihre Arme biegen kann, der Plan ist es also, ihn einfach vor sie hinzulegen oder vielleicht eine Schlaufe anzubringen, damit er von ihrer Hand baumeln kann.


Nach diesem anstrengenden Teil des Projekts mußte ich etwas Kleines machen, Francies Pompadour.
Dazu gibt es nicht viel zu sagen, ihr habt schon früher Variationen davon gesehen.


Die größte Herausforderung hatte ich mir für den Schluß aufgehoben - den Schutenhut.
Zwei Dinge waren klar. Er mußte aus mehreren Teilen aufgebaut werden, und um ihn stabil genug zu machen, mußte es Perlenstickerei sein.
Ich schaute mir alle möglichen Regencyschuten und Erläuterungen dazu an. Die mit weicher Krone kamen natürlich nicht in Frage, es mußte die Kaminrohrform werden.

Dann versuchte ich mir, all das, was ich gesehen hatte, zu merken und schnitt und bestickte drei der Teile, nähte sie zusammen und klebte anschließend das Ultrasuede auf. Das ist eine sehr kurze Beschreibung dessen, wofür ich ein paar Tage brauchte, wobei Nähen und Kleben am schwierigsten waren.
An der Krempe brachte ich außerdem einen Draht an, der beim Formen hilft, gut unter dem Ultrasuede versteckt.

Das vierte Teilstück gestaltete sich sogar als noch schwieriger, weil ich es erst besticken und dann an das "Kaminrohr" kleben mußte, es wäre unmöglich gewesen, das von innen hinzubekommen. Es gab keine Möglichkeit, die geklebten Ränder zusammenzuhalten, Tonnen von Nadeln wären nötig gewesen, um die Form zu erhalten. Also mußte ich mit den Fingern ran und endlich klebte es so, wie es sollte. Nachdem es getrocknet war, nähte ich hinten etwas rosa Spitze auf, die außerdem dazu diente, die geklebten Ränder zusammenzuhalten.

Als letztes mußten zwei Reihen Spitzen rund um die Krempe aufgenäht werden, ein Band um das Kaminrohr herum - auch hier wieder als Verzierung und um die geklebten Ränder zu sichern - und die Bänder, die man unter dem Kinn bindet, falls gewünscht.
Jetzt muß ich vielleicht noch eine kleine Hutnadel machen, um sicherzustellen, daß die Schute auch wirklich immer gut sitzt.

Alles in allem dauerte es etwa drei Tage, um den Schutenhut zu machen, und ich sehe mich nicht so bald noch einen machen! ;-)


Und hier ist Francie nun in ihrer gesamten Perlenpracht.
Es war ein Projekt, das Spaß gemacht hat, manchmal frustrierend war, Geduld und Phantasie brauchte und, ich bin ehrlich, auch ein paar Flüche.
Es gab Augenblicke, in denen ich dachte, ich würde das nicht fertigbekommen, aber nun bin ich sehr glücklich, daß ich es durchgezogen habe!



Francie ist ein eingetragenes Warenzeichen von Mattel, Inc. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.

Freitag, 5. Februar 2021

Die Feenkönigin

Erinnert ihr euch an Dawn, meine kleine Topper-Puppe? Nachdem ich sie jahrelang ohne Kleider herumliegen hatte, weil ich 1. damals nicht wußte, was oder wer sie überhaupt war, 2. keine Ahnung hatte, wo ich Kleider für sie herbekommen würde, machte ich schließlich ein schickes kleines Kleid und Accessoires aus Rocailles für sie.
Da Dawn nur 16,5 cm groß ist - im Vergleich zu den 29 einer Barbie und den 28,5 einer Francie - mag es zwar nicht gerade ein sofortiges Erfolgserlebnis sein, wenn man etwas für sie macht, aber es geht definitiv schneller. Ich konnte nicht an mich halten und mußte mir mehr Topper-Puppen besorgen, genaugesagt zwei.
Nachdem ich die Libellenbrosche gemacht hatte, wußte ich, was ich mit einer davon tun würde.
Dawn würde eine Fee werden!
Nur ist sie gar nicht wirklich Dawn, sondern eine ihrer Freundinnen, wie die Kopfmarke 11C, im Gegensatz zu 11A, mir mitteilte. Sie ist Jessica, die früher mal eine Stewardess war (ja, damals nannte man das noch so). Es ist irgendwie witzig, weil ich letztes Mal gedacht hatte, daß Dawn eine Jessica war, und nun bin ich andersherum darauf hereingefallen. Ich hätte bemerken sollen, daß ihr Haar nicht so voll ist, aber ich bin so an verschiedene Bubble Cut-Frisuren an vintage Barbies gewöhnt, daß ich einfach nicht darüber nachgedacht habe.

Wie gewöhnlich machte ich als erstes das Kleid.
Woran denkt ihr bei einer Fee? Tinkerbelle? Flora, Fauna und Merryweather aus Dornröschen? Cinderellas gute Fee? Oh, gar keine Disney-Fee? Vielleicht eine aus einem Märchenbuch, das ihr als Kind gelesen habt? Aus einem Fantasyfilm?
Stellt ihr euch ein langes Kleid vor und einen farbigen Hut, der an einen Hexenhut erinnert? Etwas Kurzes in Grün? Einen Umhang mit einer großen Schleife? Etwas Glitzerndes? Etwas, das so bunt wie Blumen ist? Das ist der Spaß daran, eure Phantasie ist die einzige Grenze.
Meine Phantasie beförderte mich zu einer Kombination aus Rot- und Brauntönen, mit etwas Gold dazwischengemischt. Ich arbeitete das Kleid in der Herringbone-Technik, die sich bisher als die anpassungsfähigste erwiesen hat, zumindest für mich, die ich keine so rechte Perlenarbeiterin außerhalb des Webens bin (noch nicht?). Ich mag die "Falten" im Rock und hoffe, daß ich das irgendwann an einem größeren Kleid reproduzieren kann.
Diesmal habe ich vergessen, ein Bild von Jessica zu machen, auf dem sie nur das Kleid trägt, aber ich komme dann später noch einmal zu den Accessoires.



Als nächstes kamen die Flügel an die Reihe. Es sind zwei Flügelpaare, die ich mit goldenen Rocailles und Stabperlen in Perlenstickerei gefertigt habe. Statt wie bei den Libellenflügeln den goldenen Look zu betonen, habe ich hier winzige klare AB Rocailles mit den Pailletten verwendet.
Die Flügel aufzunähen war ziemlich fiddelig, vor allem weil die Arme dauernd im Weg waren. Schwierig war auch, sie so aufzunähen, daß sie sich nicht zu sehr bewegten, denn ich wollte ja nicht, daß sie sich hinten zusammenfalteten, sodaß man sie nicht mehr sehen würde.
Ich würde sagen, daß dieser Teil meine Geduld am meisten beanspruchte, und ja, es wurde geflucht!
Hier ist eine Nahansicht der Flügel.


Mein erster Gedanke war gewesen, meiner Fee noch einen Zauberstab zu geben, aber der typische Zauberstab mit einem kleinen Stern obendrauf erschien mir etwas zu klischeehaft. Stattdessen entschied ich mich für einen langen Stab, etwas Robustes, etwas, das ihre Macht als Königin unterstrich, noch mehr als die kleine goldene Krone aus Rocailles und beschichtetem Hämatit.
Nach einigem Grübeln erinnerte ich mich an Schaschlikspieße aus Holz, die aus meinen Fimo-Zeiten übriggeblieben waren. Ich benutzte 15er Rocailles, um einen davon in Peyote zu bedecken, mit beschichteten klaren Rocailles unten bis hin zu goldenen im oberen Teil.
Der Swarovski-Kristall kam sehr gelegen, obwohl die Geschichte kursiert, es sei eigentlich ein Citrin, den die Zwerge gefunden und der Feenkönigin geschenkt hätten ;-) Ich hätte die gleiche Art, nur kleiner, verwenden können, aber die Königin machte deutlich klar, daß sie nicht klein denkt.
Für die Verbindung zwischen Stab und Kristall klebte ich eine dicke Schicht aus goldenen Rocailles auf, um die Fadenverbindung zu verstärken. Es war eine dieser seltenen Gelegenheiten, bei der Klebstoff und ich ein gutes Team abgeben!
Der Stab ist über ein kleines Armband an der Hand festgemacht, und ich kann ihn sogar in verschiedene Richtungen drehen, ohne daß er abfällt.



Zu guter Letzt kam der immerwährende Kampf mit den Schuhen. Wie ich schon in meinem Post über Dawn erwähnt habe, haben die Topper-Puppen dank ihrer Größe winzige Füße. Erneut probierte ich Slipper aus, wie ich sie schon für Francie gemacht hatte, ich versuchte, die Sohlen in verschiedenen Größen und mit Perlen in verschiedenen Größen zu machen, aber ohne Erfolg. Selbst als ich meine Niederlage eingestand und zum Sandalendesign zurückkehrte, mußte ich noch damit experimentieren.
Dies ist, glaube ich, Versuch Nr. 6, derjenige, der mich endlich zufriedenstellte. Sie bleiben an ihren Füßen und sie passen zum Outfit. Ich hatte keinen goldenen Faden, aber ich erwarte einen goldmetallic Stift, um ihn zu abzudecken und selbst so war das "Goldgelb" immer noch die beste Wahl.


Danke, wenn ihr es bis hierher geschafft habt. Ich werde diesen Post mit einem Bild beenden, das euch eine bessere Vorstellung von der Größe der Königin verschaffen soll. Dies ist eine gewöhnliche Stufe meiner Treppe, ihr seht also, daß unsere Fee in der Tat zu den "kleinen Leuten" gehört.
Laßt euch davon aber nicht täuschen, ich bin mir sicher, sie weiß diesen Stab zu gebrauchen, für die Magie oder um euch damit zu hauen! ;-)


Barbie ist ein eingetragenes Warenzeichen von Mattel, Inc. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.
Dawn war ein Markenzeichen der Topper Company. Ich bin auch mit Topper in keiner Weise verbunden.

Samstag, 5. September 2020

Ein neues Outfit für Francie

Dies ist die Geschichte von Francie, die vor Monaten als Geschenk aus den USA kam (Warnung: es wird ein langer Post). Ich habe nicht so viele Francie-Outfits, die nicht schon von anderen Puppen getragen werden, und überdies hat dieses Mädchen, wie ihr sehen könnt, ein größeres Problem mit ihren Knien.


Diese spezielle Puppe ist eine Bendable Leg Francie, aber es wird euch nicht überraschen zu hören, daß sie den Knick nicht mehr halten kann. Es sieht eher danach aus, daß sie ihre Beine zu often knicken mußte, tatsächlich hat ein Bein auch Risse auf der Rückseite, und ich war etwas besorgt, daß es mir während der Arbeit an ihr abbrechen würde.
Gewöhnlich würde man eine Puppe wie sie als Körperteilspender nutzen oder versuchen, einen Spender für sie zu bekommen, aber ich fand, ich sollte ihr stattdessen für alles, was sie offensichtlich durchmachen mußte - Kinder können so hart mit ihren Puppen umgehen, ich sollte das wissen, wenn ich mir so meine eigene Stacey anschaue - ein Outfit machen, das ihre Knie versteckt.
Als erstes wusch ich den Schmutz der Jahre ab, hauptsächlich von ihren Beinen. Es war eine Überraschung, daß der Rest ihres Körpers und der Kopf im Vergleich noch ganz gut aussahen, und ihr Gesicht war schön und die eingezogenen Wimpern immer noch perfekt voll.

Ich fing mit dem Jumpsuit genauso an wie mit dem letzten Kleid, das ich gemacht habe, mit einem Mieder, das in Herringbone-Technik gefädelt wurde. Der ursprüngliche Plan war gewesen, das Mieder ganz hämatitfarben zu machen, aber ich war mir nicht sicher, ob ich dafür genug Perlen hatte, also ist es jetzt ein Streifen in hämatit, der das Mieder von den Beinen trennt.
Also besteht das Mieder jetzt aus 11er Rocailles in einer satten blauen Mischung, kombiniert mit 15ern in einem sehr hellen schimmernden Blau.

Da ich nicht wollte, daß dies ein Abendoutfit wurde, ist es weder schulterfrei noch hat es dünne Träger. Tatsächlich dachte ich sogar kurz über einen Rollkragen nach, aber es war so heiß, als ich an diesem Teil arbeitete, daß ich mich einfach nicht dazu überwinden konnte! Ich bin da seltsam, ich stelle mir vor, wie sich ein Outfit anfühlen würde, wenn ich es tragen würde. Ganz hoch zu fädeln sorgte für das ein oder andere Problem mit den Armlöchern, auch weil - wie schon zuvor erwähnt - es nicht so einfach ist zu arbeiten, wenn man dabei immer die ganze Puppe halten muß. Es ist erstaunlich, wie Gliedmaßen dazu neigen, im Weg zu sein!

Ein echtes Problem würden jedoch die Hosenbeine werden. Ich hatte alles im Kopf ausgearbeitet ... wie ich bis zu einer bestimmten Stelle fädeln, dann das Muster zwischen den Beinen verlängern und von dort aus auf beiden Seiten abwärts fädeln würde. Ich schätzte, der Anfang würde schwierig werden, aber ich unterschätzte die Aufgabe wirklich komplett. Die Lücke zwischen den Beinen war einfach nicht breit genug, um die Perlenreihe anzufädeln, von der aus ich mich dann nach unten arbeiten würde, zumindest nicht so, daß es gut aussah. Ich versuchte es mehrere Male, aber zum Schluß mußte ich aufgeben.
Der neue Plan sah einen Minirock und Overknee-Stiefel vor. Wegen des Anstandes fädelte ich einen kleinen Streifen aus Perlen an, der sich später als komplett überflüssig erweisen sollte. Um den Rocksaum herum nähte ich zur Verzierung ein paar Rocailles in hämatit an. Diese paar Perlen werden später noch wichtig sein.

Dann fing ich mit den Stiefeln an. Am Ende hatte ich sie drei Mal gemacht und jedes Mal wieder teilweise oder ganz aufgeschnitten, weil sie zwar ganz okay waren, ganz okay aber einfach nicht gut genug. Ich war aber so froh, daß die Beine diese Tortur überlebten, weil ich die Stiefel in meinem vergeblichen Versuch, sie perfekt an die Beine anzupassen, immer wieder aus- und anzog. Beim dritten Versuch fädelte ich auch den Fußteil an, und da spielte meine Schere dann endgültig verrückt. Es ist seltsam, wie frustrierend aber auch erleichternd es sein kann, etwas aufzuschneiden, mit dem man nicht völlig zufrieden ist!
Wenn Francie also nun keine Stiefel bekam, mußte es doch ein langer Rock oder Hosen werden. Der Gedanke, schon wieder einen engen Rock zu machen, - immerhin war der obere Teil schon eng und ich war nicht bereit dazu, auch das aufzuschneiden - reizte mich aber nicht, und bei der Hose hatte ich ja schon versagt. Was nun?
Da hatte ich dann die Idee zu den Perlenröhren als Hosenbeine, die ich am Rockteil befestigen würde. Ich wünschte nur, ich hätte die Verzierung nicht angebracht, aber wie wäre es, wenn ich das in ein pfiffiges Detail verwandelte, vielleicht einen Hauch von Spitze?
Auch die erste Röhre schnitte ich zweimal wieder auf, weil ich ausprobieren mußte, ob mir Schlaghosen besser gefielen, aber am Ende stellte ich fest, daß ich die Weite der Röhren oben brauchte, damit ich sie an den Saum nähen konnte und auch damit sie um Francies Schenkel paßten. Außerdem wollte ich nicht nochmal das Risiko mit ihren Knien eingehen, indem ich versuchte, die Röhren eng drumherum zu fädeln, also waren sie bis ganz unten weit (was diesem Projekt den Arbeitstitel "Francie Dietrich" einbrachte ;-)).


Als nächstes nähte ich die zwei Röhren am Saum zwischen den Beinen zusammen, fädelte noch zwei Reihen Herringbone, damit sie richtig saßen, und die gleiche Verzierung wie am Rock. Dann zog ich die Röhren sehr vorsichtig über Francies Beine und nähte die Verzierungen mit ein paar zusätzlichen Rocailles für die "Spitze" zusammen (das ist eine weitere Idee, die ich mir vielleicht für künftige Projekte merken muß).


Natürlich beschäftigt mein Kopf sich schon mit Ideen, wie ich das Hosendesign verbessern kann, wie zum Beispiel den "Rock"teil so kurz wie möglich zu machen - obwohl er auch nicht zu kurz sein darf, weil es bei der kleinen Lücke zwischen den Beinen nicht einfach ist, die Röhren hochzuziehen UND vielleicht muß ich nächstes Mal etwas Puder verwenden, weil die Perlen gern am Vinyl haften - oder weiter oder doch einen Röhrenjeanslook auszuprobieren, aber auf meiner Liste stehen erstmal andere Dinge.

Die nächste große Herausforderung waren die Schuhe, das sind sie immer, in diesem Fall nicht so sehr, weil es unmöglich ist, Schuhe für Francie zu bekommen, sondern weil es richtiger anfühlt zu versuchen, sie gefädelt passend zum Outfit zu machen.
Zum Glück hat sie flache Füße, was nach einer Art Slipper verlangte, und zu meiner Überraschung klappte es gleich beim ersten Versuch - mit Leiterstich und Herringbone und Ziegelsteinstich.
Die größte Überraschung aber war, daß man die Schuhe tatsächlich aus- und wieder anziehen kann. Sie sitzen gut an den Füßen und fallen auch nicht dauernd herunter. Ich werde mir dieses Design auf jeden Fall merken, vielleicht kann ich es zu einem Stiefeldesign entwickeln und sogar ein wenig für Barbiefüße anpassen, die für hohe Absätze gemacht sind.


Inzwischen war ich sehr entspannt, weil die schwierigsten Dinge hinter mir lagen.
Alles, was Francie brauchte, war ein Armband, denn komplett ohne Schmuck konnte sie nicht bleiben, eine Tasche und eine Mütze.
Das Armband war schnell und leicht, einfach ein kleiner Peyotestreifen aus den 15ern.


Auch die Tasche ist in Peyote gearbeitet. Sie ist nur an den Seiten zusammengenäht, also kann Francie sie aufmachen und etwas hineintun, Taschentücher, ein paar Münzen, wahrscheinlich ein Handy. Sie hat keine Klappe, weil mir die blauen Perlen ausgingen. Von echten vintage Francie-Taschen inspiriert hat sie aber einen kleinen Riemen, der durch eine Schlaufe führt, damit sie sie zumachen kann.


Zu guter Letzt wollte ich Francie eine Mütze verpassen. Sie hat sehr volles Haar, aber auf einer Seite scheinen die Kopflöcher etwas seltsam gefüllt zu sein, sodaß sich die Haarsträhnen immer wieder teilen und so die Löcher durchschauen, selbst nchdem ich sie shampooniert und gründlich gebürstet habe (abgesehen davon brannte Gundel auch beinahe noch mit ihrem Kopf durch, der auf einem Regal lag, während die Haare trockneten, das wäre sehr peinlich gewesen).
Ich dachte mir, daß eine Mütze das Problem lösen, aber auch gut zum Outfit passen würde. Auch sie ist in Peyotetechnik gemacht und greift die Farben des Outfits auf. Könnt ihr glauben, daß ich jetzt noch genau fünf Rocailles von der Blaumischung übrig habe?



Nachdem ich die Mütze aufgesetzt hatte, bekam ich ein seltsam vertrautes Gefühl, und da fiel es mir ein. Auch wenn der Stil nicht derselbe ist, erinnern mich die Tasche, Mütze und Hose an ein vintage Outfit namens "Bells" (#1275 aus der 1200er Modellserie, 1967).

Hier ist sie also ... Francie in ihrem brandneuen Outfit!


Francie, Barbie und Stacey sind eingetragene Warenzeichen von Mattel, Inc. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.

Freitag, 7. August 2020

Pack die Vorräte an - Zwei-Perlen Herringbone-Armbänder

Ich habe in letzter Zeit an zwei größeren Projekten gearbeitet, über die ich etwas posten werde, wenn sie fertig sind. WIP-Bilder des einen - perlenbestickte Schuhe - könnt ihr auf meiner Facebook-Seite finden.
Zwischen großen Projekten brauche ich kleinere zur Ablenkung, vor allem aber weil ich schneller ein Ergebnis sehe.

Ich habe immer noch eine Menge Rocailles und kleine Stäbchenperlen in meinem Vorrat, wovon ich manche gewonnen oder als Geschenk bekommen habe oder die ich mit anderen Dingen zusammen in einem Destash gekauft habe. Ich hatte bei den Techniken, die ich verwende, noch keinen Gebrauch davon machen können, hauptsächlich weil ich noch mehr Perlen kaufen müßte, die dazu passen, aber nachdem ich das Zwei-Perlen-Herringbone-Spiral-Videotutorial gefunden hatte, das ich schon einmal erwähnt habe, dachte ich mir, sie würden ganz nette Armbändchen für kleine Mädchen abgeben.

Dies sind die, die ich bisher gemacht habe. Jedes Armband hat zwei unterschiedliche Stränge. Ich hoffe, die Mädchen im Tagheim werden sie mögen, auch wenn ich nicht mehr rosa Perlen habe!

Dienstag, 9. Juni 2020

Abendkleid-Dawn - Teil 2, Das Kleid

Wie in Teil 1 versprochen (für die, die Teil 1 nicht gesehen haben, er erklärt ein bißchen mehr über die Dawn-Puppen, die von 1970 bis 1973 hergestellt wurden), werde ich euch jetzt alles über Dawns neues Kleid erzählen.

Wie so viele Modepuppen, vor allem in dieser Zeit, ist Dawn eine kurvige Dame.
In meinen Projekten für Barbie and Christie vermied ich dieses Problem, indem ich Flapper aus ihnen machte, also ohne enge Taille, und das bedeutete auch, daß ich die Kleider aus Perlen weben konnte. Francie hat nicht so viele Kurven und ihr Hippieoutfit bestand außerdem aus einem Top und einem Rock, aber selbst da war der Rock an der Taille etwas problematisch.

Ich wollte aus Dawn nicht noch einen Flapper machen, sondern sie ihre Kurven zeigen lassen, wenigstens ein bißchen. Da fing ich dann mit dem Hochzeitskleid an, daß ich in Teil 1 erwähnt habe. Dieses Kleid hatte ein recht enges Mieder, aber einen weiten Rock mit Schleppe. Nachdem ich mich entschieden hatte, es herunterzuschneiden, wußte ich, daß ich mit dem neuen Kleid einen anderen Weg einschlagen wollte. Eine Minute lang hatte ich ein fröhliches Sommerkleid im Sinn, aber die fröhlichen Sommerfarben waren alle Größe 15 und das würde mein erster Versuch mit so etwas werden. So sehr mußte ich mich nun auch wieder nicht bestrafen.

Nein, Dawn würde stattdessen ein Abendkleid bekommen, das von einem meiner liebsten Barbiekleider inspiriert war - #982 Solo in the Spotlight. Natürlich würde es nicht schwarz sein und es würde keine  Rüschen am Saum haben und es würde wahrscheinlich Träger bekommen, aber davon abgesehen würde es total "Solo" sein ;-)

Bild aus "Sarah Sink Eames: Barbie Fashion, Volume 1, 1959 - 1967"

Weil ich ja schon einmal die Maße für ein Perlenwebkleid mit Mieder verhunzt hatte (keine Sorge, Francie, ich habe endlich auch Pläne für dich!), war diesmal Herringbone die Technik meiner Wahl.

Die Wahl der Perlen war leicht. Ich hatte meine hämatit AB Perlen noch immer von der Arbeit an dem Kästchendeckel draußen und die Farbe würde sicher toll zu Dawns blonden Haaren passen. Auch war ich mir nicht sicher, wieviele Rocailles ich brauchen würde, wußte aber, daß ich von diesen auf jeden Fall genug hatte. Sie würden auch schön zu den 15er gelbgoldenen Rocailles passen, die ich letztes Mal spontan in meine Perlenbestellung aufgenommen hatte.

Da ich das Kleid direkt auf die Puppe fädeln würde, fing ich bei der Taille an. Als schmalste Stelle half mir das bei den ersten Reihen, ohne daß sie zu sehr herumrutschten. Zuerst arbeitete ich mich für das Mieder aufwärts. Habe ich erwähnt, wie kurvig Dawn ist? ;-) Auf diesem Bild sieht man das. Auch wenn das Mieder nicht rutschte, wählte ich die sichere Seite mit ein paar Peyoteträgern.



Als das Mieder fertig war, arbeite ich mich von der Taille aus hinunter. Diesmal mußte ich mit Dawns Hüften und Po fertigwerden. Eine ganz schöne Sanduhrenfigur, wie ihr seht. Ich bekam es nicht gleich beim ersten Mal hin oder beim zweiten Mal ... tatsächlich mußte ich diesen Bereich mehrmals wieder auftrennen, bevor ich ihrem Körper gerecht wurde.
Ein netter Nebeneffekt war, daß die lockeren Beine, wenn sie auch (noch?) nicht in Gefahr waren abzufallen, jetzt nicht mal mehr die Chance dazu haben, weil das Kleid alles zusammenhält.




Bis dahin ähnelte es "Solo" noch, aber statt eines kompletten Meerjungfrauenstils fädelte ich in gerader Linie bis ganz nach unten, deshalb sind dort auch keine goldenen Streifen mehr.



Dabei konnte ich es nicht belassen, ein gestreifter Bereich hätte etwas komisch ausgesehen. Außerdem liebe ich Fransen! Ich hatte nicht mehr genug Perlen, um die Fransen ganz goldfarben zu machen, also machte ich sie stattdessen aus blau AB mit dem gold.
Denkt ihr, Dawn sieht bis jetzt zufrieden aus?



Als nächstes sind die Accessoires dran. Zu dem Zeitpunkt, da ich diesen Post schreibe, fehlen die Schuhe noch, und während ich schon ein paar Ideen habe, bin ich nicht sicher, daß ich schon die perfekte gefunden habe, also wird es später noch einen Teil 3 für die Accessoires geben. Bitte habt Geduld mit mir!