Donnerstag, 11. August 2022

Der Igel, der beinahe entkommen wäre

Gestern habe ich noch einen kleinen Igel gemacht (tatsächlich heute nochmal einen, einer davon wird ein Geschenk). Da mir der gunmetalfarbene Draht ausgegangen ist, den ich für das Stachelkleid benutzt hatte, aber noch eine große Spule braunen Draht von damals habe, als ich dachte, ich wolle einen Baum häkeln (es zeigte sich, daß ich das gar nicht wollte), wollte ich ihn für die Stacheln ausprobieren.

Kurz danach bekam ich überraschend Besuch und zeigte das Igelchen. Das war das letzte Mal, daß ich ihn sah. Wir sprechen hier über 3,2 cm, nichts, was man leicht sehen würde.
Ich suchte überall. Gewöhnlich ist meine Schreibtischschublade ein vorübergehender Stop für Stücke, damit ich sie nicht verliere, bevor die Beschreibung fertig ist, Bilder gemacht sind usw., aber nicht diesmal.
Obwohl es keinen Sinn ergab, grub ich bis ganz nach unten. Warum würde ich ihn nicht obendrauf legen, wenn ich als nächstes Bilder machen wollte?
Ich suchte auf Regalen weiter, in der Vitrine direkt neben mir, ich schaute sogar im Kühlschrank nach! Ich rief meine Besucherin an, um zu fragen, ob sie ihn vielleicht versehentlich mit nach Hause genommen hatte.

Natürlich wren meine Freunde überzeugt, denen ich etwas vorjammerte, daß die schuldige Partei selber ziemlich klein, pelzig, gestreift und sehr schnell war. Ich muß zugeben, daß ein Teil von mir dasselbe dachte. Der Dekan tut sich sehr schwer damit, seine diebischen Pfoten von Dingen zu lassen, die unbewacht herumliegen. Nur war der Igel gar nicht unbewacht und ich dachte, daß zwei Leute es wohl bemerkt hätten, wenn ein Kater ihnen etwas direkt unter den Nasen weggestohlen hätte. Er ist dabei nie zurückhaltend, mehr so "Juhuuu! Ich hab's und jetzt werde ich es wie verrückt durch die Gegend hauen und es dann da verstecken, wo du kriechen mußt, um es zurückzubekommen!"
Nein, ich war mir recht sicher, daß es meine eigene Dummheit gewesen war.

Diesen Morgen rief ich meine Besucherin an, um ihr zu erzählen, daß ich immer noch keinen Erfolg gehabt hatte. Wir sinnierten noch über ein paar weitere mögliche Stellen, als mein Blick auf das Gedeck fiel, das sie mir mitgebracht hatte (und wovon ihr irgendwann noch in einem Nostalgiepost hören werdet, sorry).
Vielleicht hatte ich den Igel ja in die Tasse getan, als ich das Gedeck in die andere Vitrine (nicht die, in der ich geschaut hatte) gestellt hatte??
Nein. Nicht in die Tasse, nicht auf die Untertasse, nicht auf den Teller .... aber er saß fröhlich genau daneben!
Ihr habt keine Ahnung, wie erleichtert ich war. Ich hätte ihn dort vielleicht in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten gefunden, aber so war es viel besser für meinen Geisteszustand!

Und hier sind nun beide zusammen. Geht es nur mir so oder gucken sie irgendwie süffisant drein?
Der Dekan wurde übrigens dafür entschädigt, daß er verdächtigt wurde. Seine Gefühle waren sehr verletzt, er findet, er ist der unschuldigste Kater auf der ganzen Welt, vielleicht sogar in der gesamten Galaxie. Mann, Mann, Mann ...

Mittwoch, 3. August 2022

Punkte sehen - eine JAC-Challenge

Was ist euer erster Gedanke, wenn ihr "Punkte" hört? Meiner waren Lampworkperlen mit Punkten, aber als ich mir meine Vorräte anschaute, merkte ich, daß ich die meisten davon verbraucht htte, und ich hatte einfach (noch) keine Idee für eine einzelne einsame Lampworkperle.
Mein zweiter Gedanke aber für die Jewelry Artisans Community Juli/August-Challenge waren Paillettenpunkte auf Marienkäfer. Das würde ich hinbekommen, selbst wenn eine Perlenbestellung notwendig wurde, damit ich das Projekt abschließen konnte.

Marienkäfer sind schon mehrere Male in meiner Arbeit aufgetaucht, in Perlenwebarmbändern, Ohrringen, sogar als die eine Fimoskulptur, die ich wirklich mag.
Sie alle haben sieben Punkte, so wie der originale Coccinella septempunctata, der Europäische Marienkäfer, eine Spezies, die auch in den USA eingeführt wurde.
Habt ihr jemals Ansammlungen von Marienkäfern gesehen, zum Beispiel in eurem Haus oder an einer Außenwand? Das waren wahrscheinlich Asiatische Marienkäfer oder auch Harlekin-Marienkäfer. Sie wurden für die Kontrolle von Blattlaus-populationen in den USA eingeführt und kamen von dort auch nach Europa, haben sich aber als sehr invasive Spezies erwiesen. Es gibt sie in verschiedenen Farben und sie können eine unterschiedliche Anzahl von Punkten auf ihren Deckflügeln tragen.
Ich erinnere mich an zwei Gelegenheiten, zu denen ich solche Ansammlungen gesehen habe, einmal auf dem Badfenster eines Hotelzimmers, das geöffnet worden war. Zum Glück war die Tür zum Hotelzimmer selber geschlossen gewesen! Das andere Mal war auf einem Weg gleich außerhalb von Cambridge. Es waren so viele, daß für uns einen anderen Weg entschieden, weil es unmöglich gewesen, nicht auf sie zu treten.

Diese Marienkäferohrringe sind die europäische Art, wie ihr an ihrer Anzahl von Punkten sehen könnt, schwarze Pailletten auf perlengestickten roten Flügeln.
Sie sitzen auf ihren eigenen "Blättern", eine Umrandung aus mattgrün AB Würfelperlen.




Challengeziel erreicht! :-)

P.S. Ein kleiner Tip - verschüttet schwarze Pailletten nicht auf einer schwarzen Oberfläche, besonders nicht, wenn es schon Nacht ist. Verschüttet glänzende schwarze Pailletten am besten einfach gar nicht. Ich habe mehr Zeit als angenehm damit verbracht, sie mit einer Nadel von meiner Hand zu sammeln, weil sie wie statisch aufgeladen daran festklebten.
P.P.S. Ich habe daran gedacht, auf die gleiche Weise Melonenohrringe zu machen. Was denkt ihr, eine gute Idee oder gibt es sowieso schon zuviele Melonen rundherum?

Montag, 1. August 2022

Ein Igelchen im Garten

Ich habe noch nie vorher einen Igel in unserem Garten gesehen. Vielleicht war ja mal einer da, wenn dem aber so war, hat er sich mir nicht gezeigt.
Heute aber hatten wir einen kleinen Gast, Geppo (Geppo ist nach dem vermeintlichen Gründer meiner Heimatstadt Göppingen benannt, der ein alemannischer "Fürst" war).
Er mußte von Stelle zu Stelle getragen werden, weil es heiß war und es sehr schwer ist, lange Entfernungen zu laufen oder sogar irgendwo hinaufzuklettern, wenn man gerade mal 3 cm lang ist!

Der erste Halt waren ein paar Sukkulenten, aber Geppo wurde schnell mutiger und wollte immer höher gehen!



Nächster Halt - der Engelskopfberg!



Von seiner eigenen Courage beeindruckt war Geppos nächstes Ziel der Löwenkopfberg. "Ich habe keine Angst vor einem Löwen!"


Ihr seid nicht beeindruckt? Nun, und wie sieht es jetzt aus?


Danach war unser Igelchen müde, ihm war sehr heiß und er hatte großen Durst, also war ein Ausflug zum Vogelbad an der Reihe.


Und hier sind ein paar Blumen, die zu wackelig waren, als daß Geppo darauf hätte sitzen können, also schaute er sie sich von meiner Hand aus an.





Für die, die es nicht wissen, wie meine anderen Igel ist Geppo eine nach meinem eigenen Design aus Draht gehäkelte Miniatur. Keiner meiner Igel sieht je ganz wie ein anderer aus. Geppo beispielsweise hat bronzebeschichtete Hämatitaugen und eine funkelnde Kristallnase :-)

Freitag, 29. Juli 2022

Pack die Vorräte an - Jaspis und Mookait

Vor mehr als vier Jahren habe ich in einem "Pack die Vorräte an"-Post über Jaspis gesprochen. Ich habe die Geschicht des ersten Jaspis erzählt, der mir gefiel und wie ich es endlich schaffte, das richtige Schmuckstück damit zu machen.
Ich weiß nicht warum, aber Mookait - der tatsächlich auch eine Jaspisart ist, die aus Australien kommt - war noch so ein Stein, den ich lange nicht besonders mochte. Ich arbeitete nicht viel mit erdigen Farben und für mich war Mookait immer hellbraun zusammen mit einem bräunlichen Rot. So dumm. Mookait gibt es in vielen verschiedenen Farben, oft in einem Stein vereint, und ich schätze, so mußte es eben passieren, daß ich mich schließlich doch noch in ihn verliebte.

Diese Jaspisdonuts hatte ich sehr lange. Sie kamen als Set mit silbernen Ohrringen und vier anderen Paar Steindonuts. Einer der Ohrringe ging kaputt und damit blieben die Steine übrig und warteten auf eine neuen Zweck. Mit der Zeit verteilten sie sich hier und da, was der Grund dafür ist, daß ich, nachdem ich Ohrringe mit dem dunkelroten Jaspis und dem Serpentin gemacht hatte, nur noch einen einzelnen Schneeflockenobsidian und einen hellroten Jaspis übrig hatte. Kürzlich aber hatte ich das Glück, das Paar Landschaftsjaspis zu finden.

Mein erster Gedanke war Wüste, mein zweiter Mookait.
Ich bin wirklich zufrieden mit der Kombination der erdigen Jaspisfarbe und dem satten Rot des Mookait, und ich finde, das Gold verbindet beides sehr schön.


Wo aber sind jetzt noch der zweite Obsidian und der rote Jaspis ...... ich weiß, daß sie irgendwo hier sein müssen!

Samstag, 23. Juli 2022

Schmuck mit einer Geschichte - Teil 1 .... oder 3? (Ein "Einfach nur so Samstag"-Post)

Der heutige Post wurde von diesem Post auf Nancy's Fashion Style inspiriert, den ich durch den Blog My Bijou Life meiner Freundin Michelle fand (den ihr mal anschauen solltet, falls ihr an Mode interessiert seid, aber auch an Schmuckmachen, Quilten und mehr).

Als Schmuckmacherin frage ich mich manchmal, wo mein Schmuck landet. Wird er getragen, wird er geliebt, hat er eine Geschichte - beispielsweise daß er ein Geschenk oder Kauf zu einer besonderen Gelegenheit war - wird er weiterhin eine Geschichte haben und Erinnerungen schaffen, wird er an jemanden weitergegeben werden, wird er im Laden einer wohltätigen Einrichtung landen oder bei einem Flohmarkt und wird er dort jemand Neuen finden?
Ich werde es nie wissen und das ist vielleicht gut so.
Woher kommen diese Gedanken aber?

In meinem Leben habe ich so einiges an Schmuck gesammelt. Ich kann mich nicht erinnern, was mein erstes Schmuckstück war, aber eines der ersten muß eine rote Korallenkette gewesen sein, die ich meine, ganz schnell verloren zu haben. Danach kamen zwei Silberanhänger, ein Herz und eine Filigranblume mit einer Perle in der Mitte (die ich hartnäckig als Edelweiß bezeichnete). Das Herz trug ich lange rund um die Uhr, bis ein Vorfall dafür sorgte, daß ich es endgültig ablegte.
Danach werden meine Erinnerungen etwas schwammig, bis ich ungefähr 12 war.

Für diesen Post wählte ich ein paar meiner frühesten Silberringe aus, weil ich mich daran erinnerte, schon vor Jahren über mein kostbarstes Stück geschrieben zu haben - emotionaler Wert, nicht finanzieller - aber dann überkam mich das seltsame Gefühl, daß ich die Geschichte meines ersten Freundschaftsrings auch schon mal erzählt hatte. Tja, das habe ich tatsächlich. Und noch ein paar andere Geschichten.
Hier. Duh. Ich werde alt (aber wenigstens ist es mir noch rechtzeitig eingefallen).
Aber hey, vielleicht IST das ja ein Thema für mehr als einen Post. Wenn ich euch nur hin und wieder mit diesen Erinnerungen überfalle, sollte das doch in Ordnung sein, oder?
Und wenn es bedeutet, daß mein Schmuckkästchen mal wieder organisiert wird und ich womöglich etwas dabei lerne, ist das doch ein nette Nebenwirkung, richtig?

Ich packte meine Silberringe zurück und griff stattdessen zu einem Stück, das ich ungefähr zur selben Zeit bekam und über das ich noch gar nichts wußte. Versuchen wir doch mal, zusammen etwas herauszufinden.
Es ist ein Armreif, den ich meiner Erinnerung nach kein einziges Mal getragen habe.
1977 war ich eingeladen, einen Teil der Ferien mit der Familie meiner Freundin im Bayerischen Wald zu verbringen. Sie hatten immer Zimmer bei derselben Familie in einem kleinen Dorf und verbrachten auch Abende mit ihnen, zum Karten spielen oder Quatschen. Wenn wir nicht wanderten oder anderen Touristenziele wie die Glashütte in der Gegend besuchten, schickte uns die Dame des Hauses auf kleine Botengänge ins Dorf, um uns zu unterhalten. Sie war eine talentierte Schneiderin und ich erinnere mich an das Bolero/Rock-Ensemble, das sie für meine Freundin als Geschenk nähte.
Sie sorgte aber auch dafür, daß ich mich nicht ausgeschlossen fühlte. Als unser Urlaub vorbei war, kam sie zu mir und meinte, sie habe auch ein Geschenk für mich - diesen Armreif.


Obwohl ich das Geschenk als solches schätzte, denke ich, ich war vielleicht zu jung, um das modernistische Design zu schätzen. Außerdem fühlte sich der Armreif an meinem Handgelenk zu schwer an, und bald wanderte er in mein erstes Schmuckkästchen, von wo er ins nächste und ins nächste und ins nächste ging ...
Immer wieder mal schaute ich ihn mir an, entschied mich aber jedesmal dagegen, ihn zu tragen, er war einfach nicht mein Stil. Es ist recht erstaunlich, wie sehr er sich abnutzte, obwohl er gar nicht getragen wurde. Da er aus Zinn war - ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das trotz des Stempels überhaupt realisierte - verbog er sich auch ziemlich schnell.
Ein Seifenband und etwas Polieren machte keinen großen Unterschied. Den anderen Tip, den ich online fand, aufgewärmtes Bier zu verwenden, konnte ich nicht ausprobieren, da Bier nicht das Getränk meiner Wahl ist und ich keins hatte.

Natürlich hatten wir damals kein Internet und später machte ich mir nicht mal die Mühe, mir die Punzen genauer anzusehen ... was ich aber für diesen Post tat.
Es gibt zwei. Die eine ist "Dansk handarbejde" = "Dänische Handarbeit", die andere "Løgeskov tin Danmark".
Auf Deutsch oder Englisch konnte ich nichts über die Geschichte von Løgeskov Zinn finden und mein Dänisch besteht aus dem unglaublich nützlichen Satz "Das Zimmer ist groß", aber eine Liste verriet mir, daß Løgeskov Tin nicht der einzige Zinnschmuckhersteller in Dänemark war.


Was ich außerdem fand, waren mehrere Bilder von Stücken, die gut zu meinem Armreif gepaßt hätten, entweder weil das Design fast oder sogar ganz dasselbe war oder weil die gleichen hellroten Glascabochons verwendet wurden (immer mein Lieblingsteil an dem Armreif) oder auch beides. Ringe, Anhänger, Ohrringe, sie hatten alles, and ein paar Stücke stehen sogar jetzt gerade auf eBay Deutschland zum Verkauf.
Darüber hinaus entdeckte ich, daß mein Armreif mit Glascabochons in verschiedenen Farben erhältlich war, zum Beispiel gelb, hellgrün oder blau.

Tja, ich habe etwas Neues gelernt und der Armreif wird jetzt erstmal ins Kästchen zurückwandern, wahrscheinlich hat er sich in den letzten 45 Jahren schon daran gewöhnt ;-)

Samstag, 16. Juli 2022

Eine Hommage an Nadeln

Ihr erinnert euch wahrscheinlich nicht an Hannah Needle, meine Mitarbeiterin des Monats im Oktober 2020? Sie hat mir mit meinen HeatherCat-Schuhen geholfen und man kann sehen, daß sie wild entschlossen war.
Tatsächlich konnte ich mich nicht von ihr trennen, irgendwie ist sie für mich ein Symbol von Ausdauer, auch wenn ich nicht glaube, daß sie jemals wieder arbeiten wird.


Andere hatten nicht soviel Glück. Während meiner Arbeit an den Turnschuhen habe ich so einige Nadeln kaputtgemacht und weggeworfen, obwohl ich zugeben muß, daß ich dabei immer danke und Entschuldigung sagte.
Ihr findet das seltsam? Vielleicht. Ich bin aber nicht die einzige, die versucht, ihre Gefühle für unbelebte Objekte auszudrücken, die mir gut gedient haben (oder andere verflucht, die ihr Bestes tun, um mich zu nerven!)
Habt ihr schon mal von
Hari Kuyō gehört? Es ist ein japanisches Fest, bei dem alte Nadeln gefeiert werden, in manchen Landesteilen am 8. Februar, in anderen am 8. Dezember. Es ehrt die Shinto-Gottheit Awashima no kami. Leute - überwiegend professionelle, aber auch Hobbynäher*innen - kommen in den Tempel, um ihre Nadeln zu beerdigen. Sie sagen Dank und beten dafür, in Zukunft besser nähen zu können. Die Nadeln werden in ein Stück Tofu oder Konnyaku gesteckt und auf ihre letzte Reise geschickt. Der Gedanke dahinter ist, daß auch Objekte eine Seele besitzen und solchen Respekt verdienen.

Über die Entschuldigung hinaus hatte ich nie wirklich weiter über Nadeln nachgedacht, wo und wie sie produziert wurde und wieviele verschiedene Arten, Längen und Größen es gibt.
Natürlich hatte ich von den frühen Anfängen von Nadeln in der Jungsteinzeit gehört, aus Knochen gemacht, aber das war es dann auch schon.
Ich werde jetzt nicht die Geschichte der Nadeln erzählen, das haben schon andere gemacht und bestimmt viel besser, als ich es könnte.
Zum Beispiel stieß ich auf einen Artikel im Jahrbuch 2018 von "netzwerk mode textil" über die Nadelproduktion in Aachen. Mir war nicht bewußt gewesen, daß Aachen ein wichtiger Standort für die Produktion von hochwertigen Nadeln war, so wichtig, daß sie sogar einen eigenen Gruß daraus entwickelten, den "Klenkes", einen ausgestreckten kleinen Finger, der daran erinnerte, wie schlechte Nadeln aussortiert wurden, nämlich indem man sie über den kleinen Finger rollte, um zu prüfen, ob sie gerade waren oder nicht.

Wie bin ich aber überhaupt auf diesen Artikel gestoßen?
Ich hatte auf eBay nach Perlennadeln gesucht und landete dann irgendwie bei vintage Nadeln. Mein Sammlerinnenherz verliebte sich in dieses goldige Päckchen mit Frauennadeln (gerade mal 2 cm lang!), ein Begriff, den ich natürlich noch nie gehört hatte.
Im Päckchen sind nur zwei Nadeln übrig, aber schaut, wie hübsch sie sind mit ihren kleinen goldenen Enden. Ja, tut mir leid, so hören sich Sammelwütige an, auch wenn sie (noch) keine Sammlung angefangen haben.



Als ich nach dem Begriff suchte, fand ich den Artikel, der unter anderem eine Erklärung für mich hatte.
"Frauennadeln" werden von Damenschneider*innen benutzt, um feine Stoffe zu nähen, im Gegensatz zu "Männernadeln", die von Herrenschneider*innen für dickere Stoffe bevorzugt werden, wie zum Beispiel Wolle.
Die langen Frauennadeln heißen auf Englisch "sharps" für scharf, die kurzen Männernadeln "blunts" für stumpf, was sich natürlich auf die Nadelspitze bezieht. Es gibt auch noch eine Länge dazwischen, auf Deutsch "halblang" genannt, auf Englisch "betweens".
Lange, feine Nadeln, die am Öhr nicht weit auseinandergehen und in der Hutmacherei und für Perlenapplikationen verwendet werden, heißen auf Englisch unter anderem "straws", also "Stroh", weil sie an Strohhalme erinnern. Dann gibt es noch Stopfnadeln. Wann habt ihr das letzte Mal einen Socken gestopft?
Zu guter Letzt gibt es eine Menge andere Nadeln, für die Polsterei oder für Leder, Nähmaschinennadeln, auch Steck- oder Sicherheitsnadeln und spezielle Nadeln in der Medizin oder - für uns Oldies ;-) - in Schallplattenspielern.

Natürlich hatte ich auch noch nie von der Firma Lammertz gehört, erfuhr aber aus dem Artikel, daß Lammertz-Nadeln wegen ihre guten Qualität von ihren Besitzern gehütet werden wie ein Schatz und daß der Schock unter Profis groß war, als Lammertz 2003 die Produktion einstellte.

Heute gibt es in Europa nur noch zwei Firmen, die High End-Nadeln herstellen. Eine davon ist John James, in der Nähe von London in Redditch, ein Name, der Perlenkünstlern wahrscheinlich sehr vertraut ist, die andere ist Bohin in Frankreich, die dem Ende in den frühen 2000ern knapp entkam und nun ein modernes Museum hat, das die Geschichte und die Techniken der Nadelherstellung am Leben hält.

Hier sind noch ein paar Nadelpäckchen, die ich habe, und ich muß gestehen, daß ich gerade noch ein Päckchen auf eBay gekauft und einen Vorschlag für ein weiteres abgegeben habe. Sie nehmen nicht viel Platz weg und ruhen bequem zwischen meinen Steifftieren.
Ich werde die Bilder dafür noch hier beim Post einstellen, wenn ich sie habe.



Diese Packung aus dem Konvolut hat zwar kein nettes Bild, aber Jecker hat ebenfalls zu den alten Firmen mit Tradition gehört.


Wenn ihr näht, egal ob von Hand oder mit der Maschine, schaut ihr euch eure Nadeln vielleicht etwas genauer an. Vielleicht habt ihr das ja aber auch schon.
Ich würde eure Geschichten wirklich gern hören!


Und hier sind nun die zwei Nadelheftchen, die ich auf eBay bekommen habe.
In beiden sind noch eine Menge Nadeln, also kann ich immer sagen, daß ich sie deshalb gekauft habe ;-)

Die ersten sind DOSCO-Nadeln, hergestellt von
Dossmann u. Co. Nadelfabrik Iserlohn in Westfalen. Außer daß Dossmann die Nadelfabrik eines seiner Nachbarn und Konkurrenten aufkaufte, konnte ich nichts darüber finden.


Ich versuche immer noch, mehr über dieses winzige Heftchen herauszufinden (wie das Lammertz Splendor-Päckchen ist es gerade mal 2 cm), Princess Victoria "sharps" in Größe 12.
Beim Browsen nach vintage Nähnadeln bin ich auf mehrere Victoria-Päckchen mit unterschiedlichen Bildern von Victoria gestoßen.
Ob der Name sich auf eine tatsächliche Prinzessin Victoria, also Queen Victoria's Tochter oder die Tochter Edwards VII., bezieht, blieb mir genauso unklar wie der Hersteller der Nadeln, bevor sie mit PRYM markiert wurden (eine Marke, die heute noch existiert und Victoria-Nadeln in einer Zusammenstellung der Größen 3 bis 7 verkauft, jedoch nicht in diesen kleinen Papierheftchen und auch nicht mehr mit Silber- oder Goldöhr, um "die Umwelt zu schützen").
Möglicherweise hat der Hersteller sie hauptsächlich für den britischen Markt vorgesehen und den Namen daher verwendet. Andererseits wurde die Tochter der Queen deutsche Kaiserin, also wer weiß?

Was die Unterschiede angeht:
Manche Aufkleber sind ganz auf Englisch, manche ganz auf Deutsch (dort steht dann Prinzess statt Princess und es werden die deutschen Begriffe für die Nadeln, so wie Frauennadeln, verwendet), manche sind auf Englisch und Deutsch und verwenden zwar das Wort "Prinzess" und "feinste", aber zum Beispiel auch den Begriff "sharps".
Auf dem britischen eBay fand ich sogar ein Bild mit einem italienischen Aufkleber!

Es gibt die ohne Herkunftsland, aber auch solche, die eines angeben, "Germany", "Made in Germany", "M.i W. Germany, Imp. Allemagne OCC" (diese waren wieder von PRYM), aber auch - in einem weiteren Beispiel von PRYM - "Made in the Czech Republic".

Manche Aufkleber sehen sehr vintage mit leicht verschwommenem Druck und viel mehr Details aus, die mit PRYM markierten, aber nicht nur diese sehen sehr modern mit klaren Linien aus.

Ich schätze mal, nur die Victoria-Nadeln könnten schon eine eigene Sammlung abgeben!


Update Victoria-Nadeln April 2025:
Ich habe noch ein paar Heftchen ergattert. Ein Heftchen ist so winzig wie das oben. Diesmal haben wir tatsächlich einen Namen, aber ich bin mir nicht sicher, was dieser ist. Wenn ich google, kann ich ein Ergebnis für "St. Witte & Co." finden, das mir absolut nicht weiterhilft, aber da ist doch irgendetwas zwischen dem T und dem W. Könnte das ein schlecht gedrucktes O sein (ich habe den Namen Stowitte gefunden, aber wiederum ohne Erfolg) oder ist das eine Art Abkürzung? Der einzige andere Name, den ich finden konnte, war "Schmidt, Witte & Co.", eine Reederei, aber auch das half mir nicht.
Jedenfalls haben wir diesmal deutsche Wörter für diese "Langen" in der Größe 10 und auch die Prinzess ist diesmal dazu passend mit z geschrieben.


Diese drei Heftchen habe ich für einen tollen Preis bekommen. Sie sind alle unbenutzt und voller langer, dicker Nadeln der Größe 2. Wie ihr sehen könnt, sind wir hier wieder bei englischen Begriffen.


Um euch den Größenunterschied zu zeigen, habe ich ein Bild von meinen Neuerwerbungen zusammen gemacht.


Und ist euch etwas aufgefallen? Victoria sieht auf jeder Sorte anders aus! Ugh, ich wünschte, ich könnte mehr darüber herausfinden.

Noch ein Update April 2025, ich hatte zuvor schon gesagt, daß noch mehr auf dem Weg sind.
Diesmal habe ich  "Sharps" und "Betweens" (Halblange), zwei davon mit deutschem Aufdruck und eine von "Rhein Nadel", einem weiteren ehemaligen Nadelhersteller in Aachen (der übrigens Lammertz übernommen hatte und sein Tätigkeitsfeld von Nadeln zur Automation geändert hat).


Wie seltsam, daß das in Deutschland hergestellte Heften den englischen Aufdruckt hat, aber trotzdem die Prinzess mit einem z. Noch seltsamer ist, daß der Aufdruck sehr klar und moderner aussieht, aber "Prinzess Victoria" spiegelverkehrt gedruckt wurde!



Update 1. August 2022: Hier ist meine letzte Erwerbung. Tatsächlich ist es nicht nur ein Nadelpäckchen, sondern drei, die gleich aussehen, und es gibt absolut nichts, was ich darüber sagen kann, außer daß der Aufkleber-Designer anscheinend ein Fan von griechischer Mythologie war, wenn man sich Hephaistos und Hermes am oberen Rand anschaut.
Ich habe zwar einen Aufkleber mit Blitzen gefunden - die Nadeln wurde von der Firma Georg Printz hergestellt und hießen "Blitznadeln" - aber von einer Hand gehalten, nicht von einem Adler (?). Ich habe auch keine Ahnung, wer die zwei Herren am unteren Rand sind und was uns der Orden in der Mitte sagen soll.


Quelle:
Dorothea Nicolai: Ohne Nadeln keine Theater-Festspiele - die Nadelherstellung in Aachen am Beispiel der Nadelfabrik Leo Lammertz. In: netzwerk mode textil Jahrbuch 2018

Freitag, 15. Juli 2022

Dämonenwächter

Ich hab euch ja gesagt, daß es noch mehr Flügel geben wird! Ich hatte keine Ahnung, wie sie aussehen würden, aber als ich die Totenköpfe erstmal aufgeklebt hatte, riefen sie nach Fledermausflügeln ... und natürlich Pailletten? Werde ich jemals wieder Flügel ohne sie machen können?
Für den ersten Ohrring brauchte ich länger, als ich zugeben mag, weil ich etwas experimentieren und dann wieder auftrennen mußte. Trotz meiner üblichen Probleme damit, einen zweiten Ohrring zu machen, habe ich bei der Perlenstickerei aber überhaupt kein Problem damit, also ging wenigstens der zweite schneller.

Ich denke darüber nch, Variationen hiervon mit meinen dunkelgrauen und klaren AB Totenköpfen zu machen, mit unterschiedlichen Flügeln.
Was meint ihr? Seid ihr meiner Perlenstickerei schon überdrüssig und möchtet gern wieder andere Techniken sehen?

Hier ist ein kurzes Video, um euch die Schönheit der schwarzen AB Pailletten zu zeigen, die im Licht schimmern. Ich habe es tatsächlich geschafft, ein Zehnsekundenvideo auf YouTube hochzuladen, ist das zu fassen, lol?
Bitte ignoriert das Hintergeräusch, das meine alte Kamera macht. Ich habe versucht, den Ton abzuschalten, aber die Tips, die ich gefunden habe, haben nicht funktioniert, keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe. Ich bin ja so von kein Naturtalent hierbei!