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Dienstag, 17. März 2026

Der Katzen-Zaubertrank

Wurde euch schon jemals von einer schwarzen Katze an einem Freitag, dem 13. ein Zaubertrank angeboten? Nein? Mir auch nicht.
Ich habe jedoch keinen Zweifel daran, daß das hier die perfekte Flasche für einen solchen wäre, wenn ihn meine kleine Hexe je brauchen sollte.


Tatsächlich ist das eine von zwei kleinen Ginflaschen, die ich vor ein paar Jahren von einem Kumpel bekommen habe.
Natürlich konnte ich sie nicht wegwerfen, als sie leer waren, weil ich wußte, daß ich irgendwann drumherum fädeln wollen würde.
Diesmal hatte ich das Gefühl, ich müßte Katzen eine Hommage erweisen, und das tat ich mit Silhouetten einiger typischen Katzenhaltungen.


Wie ihr euch vielleicht erinnert, benutze ich praktisch nie Muster von anderen. Ich bin keine Peyoteexpertin, also habe ich dabei immer ein wenig mit Mustern zu kämpfen, aber die sitzenden kamen mir recht schnell, vor allem weil die aufrecht sitzende Haltung eine, die ich auch schon mit anderen Techniken benutzt habe, wie Perlenweben und -stickerei.


Die in Bewegung waren etwas schwieriger. Ich wußte, daß ich vier Haltungen und zwei Reihen davon wollte (in der zweiten Reihe sind die gespiegelten Bilder der ersten), und die Beschränkung auf eine kleine Flasche und ungefähr 5 cm an Platz zum Fädeln machte es nicht einfacher. Es wurde dann aber schließlich doch ganz gut, finde ich.


Ein weiteres kleines Problem war, daß diese spezielle Flasche nicht so gerade ist wie die, die ich zuvor benutzt habe. Sie wird nach unten hin schmäler, was in Ordnung ist, aber sie wird oben am Hals außerdem etwas weiter, daher sind die Reihen nicht ganz so gerade, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ich hatte diesmal auch mit dem Abnehmen in Richtung Hals zu kämpfen, weil die Größe mir keine Anzahl an Spalten gab, die ich einfach hätte dividieren können. Um also ein paar Stellen zu verdecken, die nicht perfekt waren, nähte ich silberne Perlen in der Größe 15 auf und dachte mir dann, daß das eigentlich ein nettes Extra für die gesamte Flasche wäre, um ihr etwas Funkeln zu verleihen.

Ich bin wirklich zufrieden damit, wie sie wurde - vor allem, nachdem ich ziemlich lang brauchte, nochmal, ich bin keine Peyoteexpertin, nicht mal darin, meine eigenen Muster zu lesen - und falls Gundel mit einem Trank aufwartet, werde ich bereit sein!

P.S. Falls ihr alle meine Perlenfläschchen sehen möchtet, könnt ihr sie hier finden.

Samstag, 16. Juli 2022

Eine Hommage an Nadeln

Ihr erinnert euch wahrscheinlich nicht an Hannah Needle, meine Mitarbeiterin des Monats im Oktober 2020? Sie hat mir mit meinen HeatherCat-Schuhen geholfen und man kann sehen, daß sie wild entschlossen war.
Tatsächlich konnte ich mich nicht von ihr trennen, irgendwie ist sie für mich ein Symbol von Ausdauer, auch wenn ich nicht glaube, daß sie jemals wieder arbeiten wird.


Andere hatten nicht soviel Glück. Während meiner Arbeit an den Turnschuhen habe ich so einige Nadeln kaputtgemacht und weggeworfen, obwohl ich zugeben muß, daß ich dabei immer danke und Entschuldigung sagte.
Ihr findet das seltsam? Vielleicht. Ich bin aber nicht die einzige, die versucht, ihre Gefühle für unbelebte Objekte auszudrücken, die mir gut gedient haben (oder andere verflucht, die ihr Bestes tun, um mich zu nerven!)
Habt ihr schon mal von
Hari Kuyō gehört? Es ist ein japanisches Fest, bei dem alte Nadeln gefeiert werden, in manchen Landesteilen am 8. Februar, in anderen am 8. Dezember. Es ehrt die Shinto-Gottheit Awashima no kami. Leute - überwiegend professionelle, aber auch Hobbynäher*innen - kommen in den Tempel, um ihre Nadeln zu beerdigen. Sie sagen Dank und beten dafür, in Zukunft besser nähen zu können. Die Nadeln werden in ein Stück Tofu oder Konnyaku gesteckt und auf ihre letzte Reise geschickt. Der Gedanke dahinter ist, daß auch Objekte eine Seele besitzen und solchen Respekt verdienen.

Über die Entschuldigung hinaus hatte ich nie wirklich weiter über Nadeln nachgedacht, wo und wie sie produziert wurde und wieviele verschiedene Arten, Längen und Größen es gibt.
Natürlich hatte ich von den frühen Anfängen von Nadeln in der Jungsteinzeit gehört, aus Knochen gemacht, aber das war es dann auch schon.
Ich werde jetzt nicht die Geschichte der Nadeln erzählen, das haben schon andere gemacht und bestimmt viel besser, als ich es könnte.
Zum Beispiel stieß ich auf einen Artikel im Jahrbuch 2018 von "netzwerk mode textil" über die Nadelproduktion in Aachen. Mir war nicht bewußt gewesen, daß Aachen ein wichtiger Standort für die Produktion von hochwertigen Nadeln war, so wichtig, daß sie sogar einen eigenen Gruß daraus entwickelten, den "Klenkes", einen ausgestreckten kleinen Finger, der daran erinnerte, wie schlechte Nadeln aussortiert wurden, nämlich indem man sie über den kleinen Finger rollte, um zu prüfen, ob sie gerade waren oder nicht.

Wie bin ich aber überhaupt auf diesen Artikel gestoßen?
Ich hatte auf eBay nach Perlennadeln gesucht und landete dann irgendwie bei vintage Nadeln. Mein Sammlerinnenherz verliebte sich in dieses goldige Päckchen mit Frauennadeln (gerade mal 2 cm lang!), ein Begriff, den ich natürlich noch nie gehört hatte.
Im Päckchen sind nur zwei Nadeln übrig, aber schaut, wie hübsch sie sind mit ihren kleinen goldenen Enden. Ja, tut mir leid, so hören sich Sammelwütige an, auch wenn sie (noch) keine Sammlung angefangen haben.



Als ich nach dem Begriff suchte, fand ich den Artikel, der unter anderem eine Erklärung für mich hatte.
"Frauennadeln" werden von Damenschneider*innen benutzt, um feine Stoffe zu nähen, im Gegensatz zu "Männernadeln", die von Herrenschneider*innen für dickere Stoffe bevorzugt werden, wie zum Beispiel Wolle.
Die langen Frauennadeln heißen auf Englisch "sharps" für scharf, die kurzen Männernadeln "blunts" für stumpf, was sich natürlich auf die Nadelspitze bezieht. Es gibt auch noch eine Länge dazwischen, auf Deutsch "halblang" genannt, auf Englisch "betweens".
Lange, feine Nadeln, die am Öhr nicht weit auseinandergehen und in der Hutmacherei und für Perlenapplikationen verwendet werden, heißen auf Englisch unter anderem "straws", also "Stroh", weil sie an Strohhalme erinnern. Dann gibt es noch Stopfnadeln. Wann habt ihr das letzte Mal einen Socken gestopft?
Zu guter Letzt gibt es eine Menge andere Nadeln, für die Polsterei oder für Leder, Nähmaschinennadeln, auch Steck- oder Sicherheitsnadeln und spezielle Nadeln in der Medizin oder - für uns Oldies ;-) - in Schallplattenspielern.

Natürlich hatte ich auch noch nie von der Firma Lammertz gehört, erfuhr aber aus dem Artikel, daß Lammertz-Nadeln wegen ihre guten Qualität von ihren Besitzern gehütet werden wie ein Schatz und daß der Schock unter Profis groß war, als Lammertz 2003 die Produktion einstellte.

Heute gibt es in Europa nur noch zwei Firmen, die High End-Nadeln herstellen. Eine davon ist John James, in der Nähe von London in Redditch, ein Name, der Perlenkünstlern wahrscheinlich sehr vertraut ist, die andere ist Bohin in Frankreich, die dem Ende in den frühen 2000ern knapp entkam und nun ein modernes Museum hat, das die Geschichte und die Techniken der Nadelherstellung am Leben hält.

Hier sind noch ein paar Nadelpäckchen, die ich habe, und ich muß gestehen, daß ich gerade noch ein Päckchen auf eBay gekauft und einen Vorschlag für ein weiteres abgegeben habe. Sie nehmen nicht viel Platz weg und ruhen bequem zwischen meinen Steifftieren.
Ich werde die Bilder dafür noch hier beim Post einstellen, wenn ich sie habe.



Diese Packung aus dem Konvolut hat zwar kein nettes Bild, aber Jecker hat ebenfalls zu den alten Firmen mit Tradition gehört.


Wenn ihr näht, egal ob von Hand oder mit der Maschine, schaut ihr euch eure Nadeln vielleicht etwas genauer an. Vielleicht habt ihr das ja aber auch schon.
Ich würde eure Geschichten wirklich gern hören!


Und hier sind nun die zwei Nadelheftchen, die ich auf eBay bekommen habe.
In beiden sind noch eine Menge Nadeln, also kann ich immer sagen, daß ich sie deshalb gekauft habe ;-)

Die ersten sind DOSCO-Nadeln, hergestellt von
Dossmann u. Co. Nadelfabrik Iserlohn in Westfalen. Außer daß Dossmann die Nadelfabrik eines seiner Nachbarn und Konkurrenten aufkaufte, konnte ich nichts darüber finden.


Ich versuche immer noch, mehr über dieses winzige Heftchen herauszufinden (wie das Lammertz Splendor-Päckchen ist es gerade mal 2 cm), Princess Victoria "sharps" in Größe 12.
Beim Browsen nach vintage Nähnadeln bin ich auf mehrere Victoria-Päckchen mit unterschiedlichen Bildern von Victoria gestoßen.
Ob der Name sich auf eine tatsächliche Prinzessin Victoria, also Queen Victoria's Tochter oder die Tochter Edwards VII., bezieht, blieb mir genauso unklar wie der Hersteller der Nadeln, bevor sie mit PRYM markiert wurden (eine Marke, die heute noch existiert und Victoria-Nadeln in einer Zusammenstellung der Größen 3 bis 7 verkauft, jedoch nicht in diesen kleinen Papierheftchen und auch nicht mehr mit Silber- oder Goldöhr, um "die Umwelt zu schützen").
Möglicherweise hat der Hersteller sie hauptsächlich für den britischen Markt vorgesehen und den Namen daher verwendet. Andererseits wurde die Tochter der Queen deutsche Kaiserin, also wer weiß?

Was die Unterschiede angeht:
Manche Aufkleber sind ganz auf Englisch, manche ganz auf Deutsch (dort steht dann Prinzess statt Princess und es werden die deutschen Begriffe für die Nadeln, so wie Frauennadeln, verwendet), manche sind auf Englisch und Deutsch und verwenden zwar das Wort "Prinzess" und "feinste", aber zum Beispiel auch den Begriff "sharps".
Auf dem britischen eBay fand ich sogar ein Bild mit einem italienischen Aufkleber!

Es gibt die ohne Herkunftsland, aber auch solche, die eines angeben, "Germany", "Made in Germany", "M.i W. Germany, Imp. Allemagne OCC" (diese waren wieder von PRYM), aber auch - in einem weiteren Beispiel von PRYM - "Made in the Czech Republic".

Manche Aufkleber sehen sehr vintage mit leicht verschwommenem Druck und viel mehr Details aus, die mit PRYM markierten, aber nicht nur diese sehen sehr modern mit klaren Linien aus.

Ich schätze mal, nur die Victoria-Nadeln könnten schon eine eigene Sammlung abgeben!


Update Victoria-Nadeln April 2025:
Ich habe noch ein paar Heftchen ergattert. Ein Heftchen ist so winzig wie das oben. Diesmal haben wir tatsächlich einen Namen, aber ich bin mir nicht sicher, was dieser ist. Wenn ich google, kann ich ein Ergebnis für "St. Witte & Co." finden, das mir absolut nicht weiterhilft, aber da ist doch irgendetwas zwischen dem T und dem W. Könnte das ein schlecht gedrucktes O sein (ich habe den Namen Stowitte gefunden, aber wiederum ohne Erfolg) oder ist das eine Art Abkürzung? Der einzige andere Name, den ich finden konnte, war "Schmidt, Witte & Co.", eine Reederei, aber auch das half mir nicht.
Jedenfalls haben wir diesmal deutsche Wörter für diese "Langen" in der Größe 10 und auch die Prinzess ist diesmal dazu passend mit z geschrieben.


Diese drei Heftchen habe ich für einen tollen Preis bekommen. Sie sind alle unbenutzt und voller langer, dicker Nadeln der Größe 2. Wie ihr sehen könnt, sind wir hier wieder bei englischen Begriffen.


Um euch den Größenunterschied zu zeigen, habe ich ein Bild von meinen Neuerwerbungen zusammen gemacht.


Und ist euch etwas aufgefallen? Victoria sieht auf jeder Sorte anders aus! Ugh, ich wünschte, ich könnte mehr darüber herausfinden.

Noch ein Update April 2025, ich hatte zuvor schon gesagt, daß noch mehr auf dem Weg sind.
Diesmal habe ich  "Sharps" und "Betweens" (Halblange), zwei davon mit deutschem Aufdruck und eine von "Rhein Nadel", einem weiteren ehemaligen Nadelhersteller in Aachen (der übrigens Lammertz übernommen hatte und sein Tätigkeitsfeld von Nadeln zur Automation geändert hat).


Wie seltsam, daß das in Deutschland hergestellte Heften den englischen Aufdruckt hat, aber trotzdem die Prinzess mit einem z. Noch seltsamer ist, daß der Aufdruck sehr klar und moderner aussieht, aber "Prinzess Victoria" spiegelverkehrt gedruckt wurde!



Update 1. August 2022: Hier ist meine letzte Erwerbung. Tatsächlich ist es nicht nur ein Nadelpäckchen, sondern drei, die gleich aussehen, und es gibt absolut nichts, was ich darüber sagen kann, außer daß der Aufkleber-Designer anscheinend ein Fan von griechischer Mythologie war, wenn man sich Hephaistos und Hermes am oberen Rand anschaut.
Ich habe zwar einen Aufkleber mit Blitzen gefunden - die Nadeln wurde von der Firma Georg Printz hergestellt und hießen "Blitznadeln" - aber von einer Hand gehalten, nicht von einem Adler (?). Ich habe auch keine Ahnung, wer die zwei Herren am unteren Rand sind und was uns der Orden in der Mitte sagen soll.


Quelle:
Dorothea Nicolai: Ohne Nadeln keine Theater-Festspiele - die Nadelherstellung in Aachen am Beispiel der Nadelfabrik Leo Lammertz. In: netzwerk mode textil Jahrbuch 2018

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Lust auf Schwimmen?

Eine Erkältung ärgert mich jetzt schon beinahe eine Woche lang. Ich erspare euch die Details, ich sage nur, daß ich ziemlich kaputt war. Ich fühlte mich nicht groß nach Aufstehen, also schlief ich hauptsächlich, schaute Fernsehen, und ab und zu spielte ich mit Draht oder Delicaperlen.

Das Fläschchen war eine spontane Idee. Ich habe mehrere, die ich von meiner Schwester bekommen habe. Es waren Rocailles darin, also machte es irgendwie Sinn, drumherum zu fädeln. Mein erster Plan war es, etwas für eine, möglicherweise zwei Challenges zu machen, aber das wurde zurückgestellt, als meine Muse beschloß, mir eine neue Idee zu geben.

Ich bin ein Haifan, seit ich ein Kind war, dank der Faszination meines ältesten Bruders mit Haien. Er zeigte mir Bilder und erzählte mir Geschichten von ihnen, und in der 7. Klasse, als wir eine Art Magazin im Deutschunterricht machen mußten, schrieb er für mich einen ganzen Artikel über Haie (es war ein Tiermagazin, was sonst). Denkt dran, daß dies die 70er waren, wir hatten kein Internet und es war nicht so einfach, passende Bilder zu finden - weshalb ich glaube, daß im Band 4 von "Grzimeks Tierleben" (1970) in der Stadtbücherei die Haibilder fehlen, weil wahrscheinlich noch jemand ein Referat über Haie hielt. Ich bekam diese Bilder erst dann zu Gesicht, als ich 1983 meine Ausbildung in der Universitätsbibliothek begann!

In einem Artikel las ich, daß niemand vergessen kann, wie sie das erste Mal "Der weiße Hai" sahen. Ich schätze, ich bin "niemand", weil ich keine Ahnung habe. Ich weiß, daß es nicht im Kino war, weil ich zu jung war, aber ich erinnere mich daran, wie mein Bruder heimkam und total begeistert war. Er sah ihn auch nicht nur das eine Mal.
Ich erinnere mich außerdem, das ich von den Reaktionen der Leute darauf las, zum Beispiel des Vaters, der schrieb, daß seine Tochter erst wegen Psycho das Duschen und nun auch noch das Schwimmen im Meer verweigerte oder der Frau, die ihn zwanzig Mal sah und sich jedesmal übergab.
Auf jeden Fall ist meine halbe Familie Fan, wir nennen ihn of einfach nur "den Fischfilm".

Genug geredet, hier ist nun ein Bild. Nicht perfekt, aber das Beste, was ich auf so kleinem Platz fertigbrachte (der gefädelte Teil ist etwa 3 1/2 cm) und mit einem geschwächten Kopf ;-)

Die Idee für den Meerschaum - ich mag die Abnahmen nicht und dachte daran, sie mit kleinen Perlen abzudecken, keine Peyoteexpertin hier, Leute - kam von meiner Freundin Caroline, danke dafür!!


Bruce, dies ist für dich :-D