Dienstag, 24. Dezember 2024

Frohe Weihnachten!

Ich mache ein paar Tage frei, aber wir - Gundel, der Dekan und ich - möchten euch eine Frohe und Friedliche Weihnachten wünschen.

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Fröhliche Weihnachten

"Du wirst dir ein Auge ausschießen."
Entweder kennt ihr dieses Zitat, fangt an zu lachen und kommt direkt mit einem eigenen Zitat um die Ecke, vielleicht den gelben Augen von Scut Farkus oder dem Pferd des Neffen des Lone Rangers (Victor), oder ihr kennt es nicht, was bedeutet, daß ihr noch nie " Fröhliche Weihnachten" gesehen habt.

Ralphie und sein verzweifelter Weihnachtswunsch nach einem offiziellen Red Ryder Luftgewehr sind seit vielen Jahren Teil meines Lebens, zunächst dank des deutschen Fernsehens, dann, nachdem sie aus unbekannten Gründen aufgehört haben, den Film zu zeigen, auf englischer DVD.
Die Weihnachtszeit wäre nicht dieselbe ohne diesen Film, ohne Ralphie in seinem Häschenkostüm, einem Geschenk von Tante Clara, die unter dem falschen Eindruck leidet, daß er ein auf ewig vier Jahre altes Mädchen ist, ohne seinen Vater, der besessen von seinem Preis aus einem Kreuzworträtselwettbewerb ist, einer Lampe in Form eines Damenbeins, und seine Frau beschuldigt, diese absichtlich zerstört zu haben, ohne Ralphie, der versucht, überall (nicht immer ganz so) subtile Hinweise bezüglich des Red Ryder fallen zu lassen, und natürlich ohne die Nachbarshunde, die den Truthahn stehlen.
Oh, und falls ihr wissen möchtet, ob Ralphie sein Luftgewehr bekommt, solltet ihr euch den Film anschauen.

Wußtet ihr, daß die Geschichten im Film Teil einer Sammlung sind,  "In God We Trust: All Others Pay Cash" von Jean Shepherd? Soweit ich sehen kann, wurde es aber nie ins Deutsche übersetzt.

1. Auflage 1966, Bild in "Fair Use"
über Wikipedia


Jean Shepherd was ein amerikanischer Humorist, der für das Radio auftrat. Irgendwann wurde er überzeugt, seine Radiogeschichten niederzuschreiben, fiktionale Geschichten, gemischt mit Faken aus seiner eigenen Kindheit.
Er hat übrigens auch am Film mitgeschrieben und als Erzähler fungiert, was er brilliant gemacht hat (schließlich hatte er Erfahrung vom Radio)
Also mußte ja auch das Buch gut sein, oder? Njaa (das soll ein Geräusch sein, das Unsicherheit ausdrückt) .... Ich kaufte das Buch, kämpfte damit auf zu vielen meiner Pendlerfahrten, schaffte es mit Müh und Not bis zum Ende und rührte es nie wieder an.
Versteht mich nicht falsch, es gab Teile, die mich zum Kichern oder Lachen brachten, aber es waren viele, viele Wörter, viele, viele Beschreibungen, und der Rahmen, in den die Geschichten eingebettet waren - der erwachsene Ralphie kehrt nach Hause zurück und erzählt in der Bar seines alten Freundes Flick von seinen Erinnerungen - hat für mich nicht wirklich funktioniert.
Rezensionen zufolge, die ich gelesen habe, sind wie immer nicht alle meiner Meinung, aber so manche denken genau wie ich.
Ich schätze, ich werde mich einfach an den Film halten, vielen Dank.

P.S. Ich hatte gar nicht über die Fortsetzungen Bescheid gewußt und den Sommerfilm werde ich mir auch sparen, aber ich warte gerade auf die zweite Fortsetzung, also werde ich vielleicht irgendwann eine Kurzrezension zu diesem Post hinzufügen, sobald der Film da ist.
Und da sind wir auch schon - A Christmas Story Christmas von 2022 (keine deutsche Version).
Es ist 1973. Ralphie ist erwachsen und hat jetzt seine eigene Familie. Er hat sich eine Auszeit von der Arbeit genommen, um einen Science-Fiction-Roman zu schreiben, aber sein episches Werk von 2000 Seiten wird von allen Verlegern abgelehnt.
Kurz vor Weihnachten ruft seine Mutter an, um ihm zu sgen, daß sein Vater gestorben ist, also macht sich die Familie auf, um Weihnachten mit ihr zu verbringen.
In Gedanken an seinen Vater möchte Ralph dies zum allerbesten Weihnachten machen, aber es funktioniert nicht ganz so (wie erwartet ;-)).

Tatsächlich war ich etwas überrascht - vorsichtig, wie ich bei Fortsetzungen nun mal bin - daß mir der Film wirklich gefallen hat.
Natürlich ist es eine andere Mutter (Melinda Dillon war zu der Zeit schon 82 und hatte vor Jahren mit dem Schauspielern aufgehört), aber es sind ein paar vertraute Charaktere aus dem ersten Film dabei, was, wie ich finde, zum Spaß sehr beiträgt. Wird er Kult werden wie der erste? Ich bezweifle es, weil die Eltern so ein wichtiger Teil davon waren, aber ich war nicht enttäuscht.

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Vorbereitung für Weihnachten - Teil 3

Ich mache das hier kurz.
In Teil 2 habe ich euch meine Dekorationen im Hausflur gezeigt. Dann habe ich bemerkt, daß eine der Steiffmäuse noch fehlte. Ein paar Tage später habe ich bemerkt, daß einer der Teddys sich auch noch in derselben Vitrine versteckt hatte.
Falls jemand mein Gehirn gesehen hat, sagt ihm doch bitte, es soll zurückkommen. Es scheint, daß ich ohne nicht so gut zurechtkomme ...



Außerdem war ich immer noch mit meinen improvisierten Haken glücklich, also besorgte ich mir ein paar Girlanden, die sie verstecken würden.
Tatsächlich funktioniert das ganz gut, aber jetzt habe ich das Problem, daß die Stangen ziemlich glatt sind und der Schmuck ziemlich schwer, was heißt, daß die Girlanden immer rutschen. Eine davon konnte ich mit den Haken an der Stange stoppen, die nicht so leichtläufig sind und die Enden darum recht gut an Ort und Stelle halten, aber die andere Stange hat keine solchen Haken, also werde ich mir was ausdenken müssen. Aber nicht mehr dieses Jahr. Vielleicht ist mein Gehirn nächstes Jahr ja wieder zurück ;-)

Dienstag, 17. Dezember 2024

Neun rote Gimpel

In meinem letzten Post habe ich eine Anthologie von Weihnachtsgeschichten erwähnt, die ich als Kind bekommen habe. Man kann dem Buch ansehen, daß ich es geliebt habe, es sieht sehr gebraucht aus.
Barbara Bartos-Höppner hatte die Idee zu dem Buch. Sie war eine deutsche Schriftstellerin und bat andere, die sie kannte, Weihnachtsgeschichten zu schreiben. Es überraschte sie, daß manche von ihnen meinten, man könne in unserer Zeit keine Geschichten mehr über Weihnachten schreiben, wobei "unsere Zeit" in dem Fall 1971 war, als die erste Auflage veröffentlicht wurde (ich war damals sechs Jahre alt). Die einzige Bedingung war, daß die Geschichten in der Zeit zwischen dem ersten Advent und Dreikönig spielen mußten.
Am Ende hatte sie 16 sehr unterschiedliche Geschichten von 15 Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus mehreren europäischen Ländern.
Der Titel ist "Weihnachtsgeschichten unserer Zeit - Bekannte Schriftsteller erzählen vom Weihnachtswunder".
Wenn ihr denkt, es geht nur um Freude und funkelnde Lichter, täuscht ihr euch.
Die Geschichten sind
- herzerwärmend, wenn eine Kindergang Weihnachtslieder singen geht, um unter dem Vorwand, für kranke Kinder zu sammeln, Geld zu verdienen, und einer von ihnen dann spontan - und zu seiner eigenen Überraschung - das Geld im letzten Haus, das sie besuchen, für eine Schule für taube Kinder spendet
- traurig, wenn es in der Geschichte um eine Krankenschwester im Krieg geht, die als Begleitung für eine Gruppe Mädchen aus einem Kinderheim eingesetzt wird, und eines der Mädchen an Blinddarmentzündung stirbt; als Kind brachte mich der letzte Satz immer zum Weinen "Doch die Eltern von Helga habe ich nie gefunden".
- realistisch in der Geschichte über ein Ehepaar in Trennung, die trotz ihrer Differenzen versuchen, ihren beiden Kindern ein schönes Weihnachten zu bereiten
- fröhlich in der Geschichte über den heimwehkranken Jungen in Brasilien, dem der Schnee an Weihnachten fehlt, und das Mädchen, das "Schnee" für ihn macht
- magisch in meiner Lieblingsgeschichte.

Diese Geschichte ist von Katherine Allfrey, einer deutsch-britischen Schriftstellerin, sie heißt "Weiße Weihnachten".

Ein paar Tage vor Weihnachten wird im Eibenwald über dem Fünfherrengrund ein Weihnachtself geboren, ein seltenes Ereignis, das Weiße Weihnachten bedeutet.
Der Elf wird geboren, weil Tropfen von klarem Silber, ein winziger Teich aus Regen oder Tau, sich im Stumpf des ältesten Baum im Wald sammeln und von einem Lichtstrahl gefunden werden.
Ein Funkeln erwacht in dem finsteren Loch und der Strahl zieht das Silber nach oben und läßt es auf den Grund sinken, wo es wächst und wächst, bis der Elf geboren ist, schmal wie eine Flamme, klar wie Eis und leuchtend wie ein Edelstein. (Ist das nicht wunderschön?)

Nun muß der Elf drei Aufgaben erfüllen, damit Weihnachten weiß werden kann.
Er muß neun rote Gimpel (ich mag das Wort so gern) auf einem Zweig finden, er muß die Glocken der verlassenen Kirche im Fünfherrengrund läuten und er muß Jack Frost aus dem Norden zurückholen.
Er weiß nicht, wie er das tun soll, aber aus dem leichten Schneegestöber kommt ein Einhorn, um ihn zu leiten.
Zuerst erklärt das Einhorn dem Elf, was Gimpel sind, aber der Elf kann nur zwei finden, bis er auf ein Papier stößt, das aus einem Auto geweht wurde - und neun rote Gimpel auf einem Zweig zeigt. Ob sie wirklich sind, das weiß er nicht, aber lebendig sind sie.

Männlicher Gimpel, Lancashire, UK
© Francis C. Franklin / CC-BY-SA-3.0,
über Wikimedia Commons


Als nächstes sind die Glocken in der Kirche an der Reihe, aber die Wände der alten Kirche sind zerfallen, die Tür ist morsch, das Dach ist halb eingestürzt - und im Turm sind keine Glocken.
Der Elf beschließt, zunächst nach Jack Frost zu suchen, ein langer, dunkler und schwieriger Flug für ein helles Wesen wie ihn. Auf dem höchsten Berg findet er den Riesen Jack, der hart geworden ist, aber er folgt dem Elf und bringt Hagel und Sturm mit sich.
Die Gimpel warten in der Kirche, aber Glocken gibt es immer noch keine.
Auf einem Sims aber ist ein Büschel von Gräsern, ganz von Eis eingeschlossen, und als der Elf daran vorbeigeht und sie streift, kann ein leises Klingeln hören. Nur Elfenhände können diese winzigen Glocken mit ihrem überirdischen Klang läuten. Das Einhorn tanzt fast vor Freude und Jack Frost wandelt sich von einem grimmigen Riesen in einen milden König, als er die Glocken hört, und der tote schwarze Wald wird zu einem schimmernden weißen Winterwald.

Um Mitternacht läutet der Elf die Glocken noch einmal, die morsche Tür öffnet sich. Weihnachtsengel füllen die Kirche, das Einhorn legt sich vor den alten Altar, und die Gimpel sitzen wie kleine Chorknaben links und rechts und flüstern.
Und sie feiern die Heilige Nacht gemeinsam, bis die Sonne des Weihnachtsmorgens über der weißen Welt aufgeht.

Warum ein Kind wie ich, das nie Schnee geliebt hat, diese Geschichte so liebte, weiß ich nicht. Ich denke, es ist der Frieden, den ich darin spüre, und sie ist so wunderschön geschrieben.

Ich würde wirklich gern die neun kleinen Gimpel auf ihrem Zweig sticken, wohl kaum bis Weihnachten, aber ich muß das ja auch nicht überstürzen. Es wird mir schon eine Idee kommen, wenn ich bereit bin.

Sonntag, 15. Dezember 2024

Wachen über den Wald

Als ich dieses Bild zum ersten Mal sah, stellte ich mir mich vor, wie ich frühmorgens aus dem Haus gehe, auf dem Weg zum Bahnhof, noch halb schlafend.


Es gibt eine kleine Straße und einen Platz zwischen einer Schule und einer Turnhalle, die ich an jedem Arbeitstag überquerte. Dort hat es ungefähr zehn Straßenlampen und diese Lampen waren manchmal kaputt, sie fingen nacheinander an zu blinken, meistens nur ein oder zwei, was ja noch ging, aber einmal gingen von einem Tag zum nächsten immer mehr kaputt, bis sie schließlich alle in einer Art stummem Code blinkten. Ehrlich, um 5 Uhr morgens habe ich schnell seltsame Ideen und es fühlte sich echt seltsam an. An diesem Tag dachte ich aber endlich daran, das online zu melden, und am nächsten Tag waren sie schon repariert.
Natürlich war es keine Hilfe gewesen, daß der kleine Park daneben dank diesem Blinken sogar noch merkwürdigere Schatten warf als sonst. Ich hatte Glück, daß die Frau, die dort eine Weile lang ihre dänische Dogge ohne Leine ausführte, zur der Zeit nicht da war. Sagt euch Hund von Baskerville etwas? Das erste Mal, daß ich diesen Hund aus dem Dunkel kommen sah, machte ich echt einen Satz.

Und nun stellt euch mal vor, was es meinem müden Gehirn angetan hätte, wenn ich unerwartet auf so etwas wie diese unheimliche "Kreatur" gestoßen wäre. Ich kann mich selber schreiend in die Hügel flüchtend sehen, nur kann ich nicht rennen und es gibt auch keine Hügel.

Trotzdem liebe ich dieses Bild und finde es schade, daß diese Straßenlampe in Warschau dem Web zufolge seither ihr Haar verloren hat, da die Firma, auf deren Grundstück sie steht, sie zu gefährlich für Fußgänger fand.

Das Bild ist schon eine Weile im Netz und taucht immer wieder mal auf. Als eine Freundin von mir es das letzte Mal teilt, dachte ich mir, daß ich wirklich gern versuchen würde, das irgendwie einzufangen. Früher hätte ich versucht, es aus Perlen zu weben, hätte aber die Ranken wahrscheinlich nicht so hinbekommen wie gewünscht. Perlenstickerei war eine weitere Möglichkeit, aber am Ende fühlte sich Handsticken wie die beste Wahl an.

Anfangs war der Plan, mehr oder weniger einen Teil des Bildes auf einem ziemlich kleinen Rahmen zu kopieren, um zu sehen, wie lange es wohl dauern würde und ob eine größere Version Sinn machte. Ich machte zunächst die Umrisse und die fließenden Ranken um Körper und Kopf herum und da dachte ich dann, ich müsse dem ganzen wenigstens so ein bißchen was von meinem eigenen Touch geben. Dadurch, daß ich ihr mehr Haare gab, wurde die Kreatur irgendwie anders für mich.
Ab diesem Punkt hätte es schon ziemlich klar sein können, daß das kein Probestück bleiben würde, denn als nächstes füllte ich die Umrisse stundenlang mit haufenweise kleinen Stichen in allen Richtungen, um ihnen Textur zu verleihen.

Das Gesicht hatte ich mir für den Schluß aufgehoben. Natürlich wollte ich nichts an dem Glühen ändern, schließlich erzeugt das diesen tollen Effekt. Wieder überlegte ich mir unterschiedliche Optionen, Perlen mit Silbereinzug, andere Perlen, sogar passend zugeschnittene Pailletten, nur weil ich mir nicht zutraute, diesen glühenden Effekt mit Stickerei zu erzielen, ich hatte ja das Schattieren noch nicht so sehr geübt.
Am Ende überzeugte mich mein inneres Spielkind, das gerne Dinge ausprobiert, es doch zu versuchen. Ich habe sechs Farben von meinem Sticktwist ausgesucht, einfach improvisiert und war damit viel zufriedener als erwartet.

Irgendwie veränderte sich das Wesen in meinem Kopf und der Pfosten auf der linken Seite fühlte sich falsch an, stattdessen mußte ich an Bäume denken. Meine Lieblingsbäume waren immer Birken, wir hatten welche in der Nachbarschaft, als ich ein Kind war, und sie waren so hübsch.
Ich konnte mich nicht zurückhalten und machte einen Baum nach dem anderen, und dann hatte ich nicht mehr wirklich eine Entschuldigung dafür, das bißchen, was vom Hintergrund noch übrig war, nicht auch noch aufzufüllen. Nun ja, und dann verlangte die Szene auch noch Schneefall.

Als ich meiner Freundin das erste schlechte Bild des fertigen Stücks zeigte, meinte sie, sie liebe "sie" mit einem Fragezeichen beim "sie". Ich antwortete, daß ich mir selber noch nicht mal sicher war, ob es "sie" oder "er" war, und daß ich das Gefühl hatte, daß hier eine Geschichte drin steckte, die zu schreiben ich leider nicht gut genug war.
Kleine Details anderer Geschichten, die ich kannte, gingen mir andauernd durch den Kopf, als ich hieran arbeitete, zum Beispiel meine liebste Weihnachtsgeschichte aus einer Anthologie, die ich als Kind geschenkt bekommen hatte. Sie spielt in den Wäldern und ich liebe sie so sehr, daß ich sie in einem Jahr tatsächlich mal abgetippt (Schreibmaschine, das zeigt euch, wie lange das her ist), kopiert und dann an meine Freunde verteilt habe.
Diese Schnipsel ergaben noch keine Geschichte für mein/e Wächter/in - denn das ist das einzige, worüber ich mir sicher bin, daß dies ein/e Wächter/in des Waldes aus uralten Zeiten und einer spirituellen Welt ist.
Ich möchte das nicht erzwingen, aber vielleicht wird sie oder er mir die Geschichte irgendwann erzählen, selbst wenn ich sie nicht in Worte fassen kann, sondern sie nur vor meinem inneren Auge sehe. Vielleicht werde ich ja etwas einem meiner verrückten Träume sehen.


Auf jeden Fall bin ich wirklich glücklich mit meiner neuen Freundin oder meinem neuen Freund.
Es wird kein größeres Stück davon geben, nicht nur weil ich ewig dafür brauchen würde, sondern auch weil die Geschichte nicht wiederholt werden kann.
Ich habe jetzt einen schlichten Rahmen dafür bestellt und kann nicht erwarten, es an die Wand zu hängen (soweit entfernt vom Dekan wie möglich!).
Ich konnte jedoch nicht widerstehen, es euch jetzt schon zu zeigen.

Samstag, 14. Dezember 2024

4 x Jack

Für manche Leute bedeutet San Francisco die Golden Gate Bridge, die Painted Ladies, Fisherman's Wharf, Cable Cars und das Fairmont - das sind nur die ersten paar Sachen, die mir eingefallen sind, aber als wir es das erste Mal in die USA schafften, bedeutete es für den Ex und mich auch FAO Schwarz, dessen Verbindung zu Steiff dank einiger Spezialeditionen unter Sammlern berühmt war.
Bei unserem ersten Besuch dort hatten wir nicht viel Zeit, was für unser Bankkonto wahrscheinlich besser war. Durch FAO Schwarz kamen wir mit einer Dame in Kontakt, die ein paar Steiff-Reparaturen für sie vorgenommen hatte, und als wir einige Jahre später nach San Francisco kamen, gingen wir wieder dorthin, diesmal mit der Dame, die inzwischen eine gute Freundin geworden war.
Oh Mann, wir waren wie Kinder in einem Spielzeugladen. Wartet mal, wir waren ja tatsächlich in einem Spielzeugladen ... Okay, wir waren auf jeden Fall große Kinder. Wir versuchten echt, brav zu sein, aber ihr wißt ja, wie das manchmal so ist.

Natürlich hatten wir erwartet, etwas von Steiff zu kaufen, aber dann entdeckten wir auch noch Jack, vier, um genau zu sein, und konnten nicht widerstehen.
Es war ein Set von vier Jack Skellingtons aus "The Nightmare Before Christmas" einer in seinem gestreiften Anzug, einer als die Vogelscheuche mit dem Kürbiskopf, einer in seinem Pyjama (sein Buch ist gerade in einer anderen Vitrine, einer meiner Kens liest daraus meinen Skippers und anderen Familienmitgliedern vor ;-)), und einer als "Sandy Claws" in einem Santa-Anzug.
Für die, die den Film nie gesehen haben ... Jack, der Kürbiskönig, ist König von Halloween Town und er ist gelangweilt und quält sich, weil er immer wieder Halloween vorbereiten muß. Durch Zufall entdeckt er die Tür nach Christmas Town im Wald und er ist über diesen wundervollen Feiertag von Freude überwältigt. Trotz der Warnungen von Sally, der Lumpenpuppe, die in ihn verliebt ist, beschließt Jack, Santa entführen zu lassen, damit er seinen Platz einnehmen kann. Er bezieht alle Einwohner von Halloween Town ein, um Weihnachten in ihrem eigenen Stil vorzubereiten.
Es klappt allerdings nicht ganz so, wie er sich erhofft hat. Kinder und Eltern sind geschockt über Geschenke, die aus Schrumpfköpfen und Monstrositäten bestehen, und das Militär wird gerufen, um Jack abzuschießen.
Inzwischen haben die kleinen Monster, die von Jack mit der Entführung beauftragt wurden, Santa zu ihrem Vorgesetzten Oggie Boggie, einem Schreckgespenst, gebracht, der mit Santas Leben und spielt - und mit dem von Sally, weil sie versucht hat, Santa zu retten.
Jack wird abgeschossen und ist kurz von seinem Versagen niedergeschmettert, aber dann merkt er, daß ihm das großartige neue Ideen für das nächste Halloween verschafft. Er kehrt nach Hause zurück und rettet Santa und Sally, indem er Oogie besiegt, der sein sackartiges Äußeres verliert und in einen Haufen Käfer zerfällt.
Santa beeilt sich, um Weihnachten zu retten, läßt es aber noch in Halloween Town schneien, um Jack zu zeigen, daß er ihm verzeiht.
Der Film endet damit, daß Jack und Sally sich endlich gegenseitig ihre Liebe gestehen.

Hier ist ein Geständnis, der Film ist nicht auf meiner regelmäßigen Liste zum Anschauen. Obwohl ich nichts gegen Musicals habe und die Lieder "Jack's Lament" und "What's This?" wirklich liebe, ist es hier doch etwas zuviel Gesang für mich bei einem Film, der gerade mal 76 Minuten läuft (ich kann aus dem gleichen Grund auch "Die Eiskönigin" nicht anschauen, aber das ist eine andere Geschichte).
Also schaue ich ihn nur alle paar Jahre an und dieses Jahr war es mal wieder Zeit dafür.
Jack liebe ich allerdings total.
Ich habe sogar ein Armband mit ihm entworfen, aber dann war es doch besser, ihn an meine Wand zu hängen anstatt ihn in einer Schmuckschachtel oder -schublade aufzubewahren.



Es ist ein langjähriger Witz zwischen einer amerikanischen Freundin und mir, daß ich ihn ihr schicken sollte. Ich kann mich einfach nicht von ihm trennen, habe aber stattdessen etwas Kleines für sie gemacht, eine winzige gefädelte Flasche.


Im Moment sitzen meine vier Jacks hinter Glas, aber ich denke, ich sollte sie auf eine der Vitrinen setzen, auf die der Dekan nicht raufkommt. Sie würden da oben ziemlich cool aussehen.
Ich habe sie für ein Fotoshooting herausgeholt und festgestellt, daß Santa Jack einen ausgekugelten Arm hatte, wahrscheinlich vom Baum umarmen. Zum Glück war es einfach, ihn wieder reinzuschnappen.


Baum umarmen? Nun ja, als ich beschloß, ein Bäumchen zu kaufen, weil Ponder alt genug war, um ein guter Junge zu sein, was das betrifft, schlug meine Schwester vor, Santa Jack als Spitze zu nehmen. Ich liebte die Idee und Jack beschützte den Baum jahrelang. Seht doch, wie aufgeregt er war, Ponder zu begrüßen, und Ponder tat Jack niemals etwas, obwohl er schon gelegentlich ein Weihnachtsschmuckdieb sein konnte. Ich vermisse meinen großen Jungen so sehr.


Ich bin sicher, daß Gundel und der Dekan so in 30 oder 40 Jahren ruhig genug geworden sein werden, um zu dem Baum so nett zu sein, wie es Ponder war.
Was denkt ihr, was meine Chancen dafür sind, daß das eintritt?
Im Moment wette ich auf 0%, weil der Dekan schon fast eine Stunde lang um den und im Baum herumspringt!

Donnerstag, 12. Dezember 2024

Wintersonnenwende

In alten Zeiten, fast vergessen, habe ich anderen Nachhilfe gegeben, hauptsächlich in Latein und Englisch, überwiegend weil mein Lateinlehrer sie an mich verwiesen hat.
Manche von ihnen waren kaum jünger als ich, und nachdem wir gepaukt haben, haben wir manchmal etwas zusammen unternommen, sind in die Stadt gegangen, haben ein Brettspiel gespielt oder einfach nur über Bücher und Musik gequatscht.

Eine von ihnen hat mir das Buch "Wintersonnenwende" von Susan Cooper ausgeliehen und es wurde schnell zu einem meiner Favoriten, das ich auch jetzt noch als Erwachsene liebe.
Ewig lang war mir nicht klar, daß es das zweite Bücher in einer fünfteiligen Serie war, einfach weil nur dieses eine ins Deutsche übersetzt worden war. Damals war es nicht so einfach, an englische Bücher zu kommen, man konnte nicht einfach online gehen und etwas von einem speziellen Buchladen oder gar von einem anderen Land bestellen. Buchläden hatten gewöhnlich ein kleines Regal mit englischen Büchern, weil die Nachfrage damals nicht so hoch war (ich spreche hier von den späten 70ern und frühen 80ern).

Dann passierte etwas Schreckliches. Ich spielte mit meinem kleinen Bruder, als das ausgeliehene Buch hinter das Ende meines Couchbetts gestoßen wurde, das zur Wand zeigte, es öffnete sich beim Fall, und der Umschlag blieb an dem Regal, das dort stand, hängen und riß sofort ab. Es war eine sache von Sekunden und obwohl ich noch versucht hatte hinterherzuspringen, war der Schaden schon passiert. Ihr könnt euch vorstellen, wie entsetzt ich war, nicht nur als Buchliebhaberin, sondern weil das Buch nicht mir gehörte (bis zu diesem Tag verstehe ich nicht, wie manche unserer Bibiotheksbenutzer unsere Bücher behandeln, ohne zu respektieren, daß sie nicht ihnen gehören).


Einfach, zum Buchladen gehen und ein neues kaufen, richten? Nicht so einfach. Erstens bedeutete es, daß ich das Geld für fast eine ganze Nachhilfestunde los war, was für mich damals viel war, und zweitens war es so schrecklich peinlich, daß ich meiner Nachhilfeschülerin sagen mußte, was passiert war, immerhin hatte sie mir eines ihrer Lieblingsbücher anvertraut.

Ich habe das Buch immer noch, wie ihr sehen könnt, und nachdem ich es damals sehr schlecht repariert hatte, um den Umschlag nicht zu verlieren, ging er schließlich wieder ab, als ich es letztes Jahr las.
Fragt ihr euch, warum ich mir selber in den über 40 Jahren kein neues Exemplar gekauft habe, zum Beispiel als endlich die anderen vier hier herauskamen? Es ist die Erinnerung. Manchmal bin ich eben seltsam.
Außerdem habe ich mir irgendwann auch die englischen Originale bestellt.
Oh, und übrigens war meine Nachhilfeschülerin sehr gnädig und meinte sogar, ich hätte ihr kein neues Buch kaufen müssen. Ich frage mich, wo sie heute wohl ist.

Nun mögt ihr euch außerdem fragen, warum ein Verlag nur eines von fünf Bücher übersetzen wollen würde, aber - und damit stehe ich nicht allein da - dieses Buch braucht die anderen nicht unbedingt. Eine YouTuberin meinte, man könnte gut das zweite Buch zuerst und dann erst das erste lesen, was witzig ist, denn ursprünglich war das erste Buch als einzelner Roman gedacht, tatsächlich kam es acht Jahre vor dem zweiten heraus.
Ich habe "Wintersonnenwende" in den letzten 40 Jahren sehr oft gelesen, es ist regelmäßige Weihnachtslektüre für mich, die anderen vier hingegen nicht so sehr. Sie sind gut, aber fesseln mich nicht auf die gleiche Weise.

In den Büchern geht es um den Kampf zwischen "dem Licht" und "der Finsternis", gut gegen böse, und sie sind von der Artuslegende, keltischer und nordischer Mythologie und englischer Folklore inspiriert.
"Wintersonnenwende" handelt von Will Stanton, dem siebten Sohn eines siebten Sohnes. An seinem 11. Geburtstag, am Tag der Wintersonnenwende erlebt er seltsame und magische Dinge. Er kann sie nicht verstehen, bis er einen Fremden names Merriman Lyon (der Name deutet auf Merlin - Merry Lion - hin) und eine alte Dame kennenlernt, die ihm erklären, daß er der Letzte der Uralten ist, Wächter des Lichts, und daß es seine Aufgabe ist, die sechs Teile des Zeichenkreises zu finden, einer der vier magischen Talismane, die das Licht in seinem Kampf gegen die Finsternis benötigt.
Da die Wintersonnenwende die dunkelste Zeit im Jahr auf der nördlichen Halbkugel ist, ist dies die perfekte Zeit für die Finsternis anzugreifen.

Ich habe mir immer gewünscht, daß jemand diese Zeichen in echt herstellen würde, ich liebe ihre Beschreibung.
Sie haben alle dieselbe Form, einen Kreis, gevierteilt durch ein Kreuz in der Mitte.
"Erhebt die Finsternis sich wieder, wehren sechs sie ab;
Drei aus dem Kreis und drei von dem Pfad.
Holz, Bronze, Eisen; Wasser, Feuer, Stein;
Fünf kehren wieder und einer geht allein."

Ich habe schon mal darüber nachgedacht, wie ich am besten mein eigenes Zeichen machen kann, habe aber noch nicht die perfekte Idee gehabt.

Nun entschuldigt mich bitte, ich habe das Buch in diesem Jahr noch nicht fertig. Statt es leise zu lesen, lese ich es meinen Katzen vor. Das mag zwar länger dauern, aber in letzter Zeit neigt mein Gehirn dazu, sich leichter ablenken zu lassen. Zuviel geschieht zur Zeit und ich denke sowieso von Natur aus zuviel über alles nach. Haßt ihr es auch, wenn ihr einen Satz fünf Mal lest und dann bemerkt, daß ihr immer noch wißt, worum es eigentlich geht?
Laut zu lesen hilft mir dabei und die Katzen scheinen den Klang meiner Stimme auch zu genießen. Der Dekan wird ruhiger, Gundel schnurrt, und wenn sie einschlafen und etwas verpassen, nehme ich das nicht persönlich ;-)

Oh, noch eine letzte Notiz.
Sie haben das zweite Buch verfilmt - Wintersonnenwende - Die Jagd nach den sechs Zeichen des Lichts. Ich war schlau genug, ihn nicht anzuschauen, nicht mal bevor ich dann Bewertungen gelesen habe, und Mannomann, es gibt ein paar äußerst eloquente Kritiken da draußen (obwohl es natürlich auch ein paar Leute gibt, die den Film gar nicht so schlecht finden, so wie es auch Leute gibt, die das Buch für langweilig halten *keuch*).