Donnerstag, 10. April 2025

Stummfilme - Sherlock Jr.

Als ich mein Stummfilmprojekt ankündigte, habe ich euch erzählt, daß ich damit aufgewachsen bin - nochmal, Wiederholungen, so alt bin ich nicht.
An was ich mich aus der Zeit am besten zu erinnern scheine, sind die Komödien. Laurel und Hardy (Kurzfilme), Harold Lloyd, Charlie Chaplin und natürlich Buster Keaton.

Für heute habe ich einen Buster-Keaton-Film ausgewählt, der nicht abendfüllend ist, aber ich konnte mich nicht daran erinneren, je davon gehört zu haben und er hörte sich nach Spaß an.
Es ist "Sherlock Jr." von 1924 über einen Filmvorführer, der davon träumt, ein Detektiv zu sein und die Liebe seines Mädchens zu gewinnen.

Der Film beginnt mit der Einführung der Hauptcharaktere - "Der Junge", der aus einem Buch lernt "Wie man ein Detektiv wird", sein Boss, der ihm sagt, er sollte stattdessen seinen Job machen, "Das Mädchen", "Der Vater des Mädchens", der "nichts zu tun hatte, also stellte er einen Mann als Hilfe dabei ein" (ich liebe es!) und "Der örtliche Scheich" (der Name ist eine Anspielung auf einen anderen Film), der ebenfalls am Mädchen  interessiert ist.
Der Junge möchte dem Mädchen, das offensichtlich aus einer wohlhabenderen Familie kommt, eine große Schachtel Pralinen schenken, er hat aber nicht genug Geld. Also kauft er ihr schließlich die kleine Schachtel, ändert das Schild aber von 1 $ auf 4 $ und zeigt ihr beiläufig den Preis, um sie zu beeindrucken. Dann steckt er ihr einen Ring mit einem winzigen Stein an den Finger, für den sie die Lupe braucht, die der Junge dabei hat. Man sieht, daß sie ihn wirklich mag, denn obwohl sie enttäuscht ist, verbirgt sie das vor ihm.
Inzwischen hat der Scheich das Haus betreten. Da auch er kein Geld hat, den Jungen aber ausstechen will, nimmt er die Taschenuhr des Vater aus dessen Weste, die an der Garderobe hängt, um sie zu versetzen und die große Schachtel Pralinen zu kaufen.
Als er sie dem Mädchen überreicht, kommt der Vater herein, um zu erzählen, daß seine Uhr gestohlen wurde. Unser Möchtegern-Detektiv sagt, daß er den Fall übernehmen wird, und schaut in sein Buch. Der Scheich sieht, daß die erste Regel ist, alle zu durchsuchen, und schiebt den Pfandschein in die Tasche des Jungen.
Als der Vater den Jungen durchsucht, findet er den Pfandschein über 4 $, also geht der Austausch des Preisschilds damit nach hinten los, der Vater sagt ihm, daß er das Haus verlassen muß und das Mädchen gibt ihm den Ring zurück. Man kann aber sehen, daß beide deswegen sehr bestürzt sind.

Der Junge verdächtigt den Scheich und beschattet ihn ohne Erfolg, also geht er zurück ins Kinto.
Das Mädchen aber geht zur Pfandleihe und bittet um eine Beschreibung des Manns, der die Uhr gebracht hat. Genau da kommt zufällig der Scheich vorbei und der Pfandleiher erkennt, daß er derjenige ist, was das Mädchen daraufhin ihrem Vater berichtet.

Inzwischen hat der Junge den Film gestartet und schläft ein.
Sein Traumselbst steht auf und sieht, daß die Charaktere im Film sich in die aus seinem Leben verwandelt haben, also tritt er in die Leinwand ein.


Nachdem er zunächst hinausgeworfen wurde und dann eine Reihe von unterschiedlichen Szenen durchläuft, wird er - "the crime-crushing criminologist" (der verbrechenvernichtende Kriminologe) namens Sherlock Jr. - gerufen, weil vom Film-Scheich und seinem Komplizen eine Perlenkette gestohlen wird. Er sieht sehr schick aus in seinem eleganten Outfit, komplett mit Zylinder und Gamaschen, und schaut sich die schöne Dame der feinen Gesellschaft sehr genau an.


Die Diebe versuchen alles, um ihren Hals zu retten und den Detektiv umzubringen, aber er entkommt all ihren Versuchen sehr nonchalant ...

"Am nächsten Tag hatte das Genie das Geheimnis
vollständig aufgelöst - mit Ausnahme des Aufspürens der Perlen
und des Auffinden des Diebs."

Er folgt dem Scheich, von seinem Assistenten begleitet, und es gelingt ihm schließlich, die Halskette zurückzuholen und auf das Motorrad des Assistenten zu springen, der leider herunterfällt, ohne daß Sherlock Jr. es merkt.
Als nächstes kommt eine unglaubliche Verfolgungsjagd des Autos voller Gangster, die hinter dem Detektiv auf dem führerlosen Motorrad herrasen, der von einer Gefahr in die nächste fährt.
Einer der Gangster hat die junge Dame in seiner Gewalt, aber Sherlock Jr. schafft es, sie zu retten, und sie entkommen im Wagen der Gangster.
Zu diesem Zeitpunkt wacht der Junge wieder auf und stellt fest, daß alles nur ein Traum war, aber dann taucht das Mädchen auf, um ihm zu sagen, daß sie herausgefunden haben, daß er unschuldig ist. Also folgt er Hinweisen aus der Endszene des Films, hält ihre Hände, küßt diese, steckt ihr den Ring wieder an den Finger und küßt sie. Nur das letzte Bild des Paars auf der Leinwand und ihren zwei Babys verwirrt ihn sichtlich.

Nachdem die ersten Vorführungen nicht gut genug für ihn liefen, machte Keaton mehrere Schnitte an "Sherlock Jr.", aber trotzdem erhielt der Film gemischte Kritiken und wurde nicht als witzig betrachtet.
Deshalb sah auch Keaton selber diesen Film nicht als einen seiner guten an, aber mit der Zeit begannen Leute, ihn als Meisterstück zu loben.
Es gibt darin Theatermagie, Filmmagie, unglaubliche Stunts und eine Menge Übung. Ihr könnt
hier ein Making Of-Video sehen, das einiges erklärt, und es ist zutiefst faszinierend.
Zwei meiner Lieblingsszenen sind
- der Teil, als die Gangster versuchen, Sherlock Jr. zu töten, zum Beispiel mit einer Bombe in einer Billardkugel - diese Trickstöße hatte er so geübt
- wie die Gangster Sherlock Jr. auf dem Motorrad nachjagen, das ist absolut unglaublich - obwohl auch ein bißchen getrickst wurde, hatte er tatsächlich trainiert, das Motorrad so zu lenken, wie verrückt ist das?


Ich kann mich ehrlich nicht daran erinnern, daß ich jemals einen ganzen Buster-Keaton-Film angeschaut hätte, das müssen eigentlich alles Ausschnitte in den zusammengeschnippelten Serien meiner Kindheit gewesen sein.
Natürlich war mir bewußt, daß er überwiegend seine eigenen Stunts machte und daß viele davon todesmutig waren, aber ich glaube nicht, daß ich bis jetzt je wirklich die Chance hatte, das zu begreifen.
Es gibt zum Beispiel diesen Stunt, bei dem Keaton durch den Wasserdruck den Halt verlor und seinen Kopf an eine Stahlschiene schlug. Trotz schwerer Kopfschmerzen filmte er weiter und erst Jahre später wurde bei einem Arzttermin herausgefunden, daß er sich tatsächlich den Hals gebrochen hatte!
Und ich komme nicht ohne Stöhnen aus meinem Bett hoch
🤪



Natürlich kannte ich ihn nur mit versteinertem Gesichtsausdruck, aber ich hatte nie den Effekt wertschätzen können, den es auf Szenen haben konnte, die normalerweise nach großer Emotion verlangen würden.
Ich habe aber nicht nur bei den Stunts nach Luft geschnappt, sondern fand auch toll, wie er die Beziehung zwischen zwei Menschen zeigte, die aus unterschiedlichen Welten zu kommen scheinen, aber dennoch so süß miteinander umgehen. Ich schätze, zur Zeit bin ich einfach empfänglich für herzerwärmende Dinge.

Es mag ja keine große Handlung geben - Keaton sagte, er wolle, daß es sich wie ein Traum anfühle, und man merkt, daß es von jemandem gemacht wurde, der das Medium Film liebte - aber vergeßt nicht, es ist auch kein abendfüllender Film. Wenn ich etwas aus diesen 44 Minuten gelernt habe, dann ist es, daß ich mich darauf freue, mehr zu sehen.

Ausgewählte Quellen (englisch):
1. Kieran Judge: 'Sherlock Jr.' at 100 - Review. Auf: The Film Magazine, 21. April 2024
2. Jeffrey Vance: "Sherlock Jr." (1924).  Auf: Library of Congress - Programs - National Film Preservation Board, Oktober 2024
3. David A. Punch: Sherlock Jr: Keaton's Cinematic Genius. Auf: The Twin Geeks, 2. September 2019
4. Chris Scott Edwards: Sherlock, Jr. (1924). Auf: Silent Volume, 5. Juli 2009
5. David Johansson: Sherlock Jr. Auf: San Francisco Silent Film Festival. Winter Event 2009.

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Mittwoch, 9. April 2025

10 am 10., ähm, 9. - Diamanten in meinem Leben

Ja, ich bin schon wieder früh dran. Der 10. ist Donnerstag - Stummfilmtag.
Also bin ich heute hier, um über das Thema zu sprechen, das uns "Marsha in the Middle" - Diamanten in meinem Leben.
Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten. Ich hole all meinen Schmuck heraus, schaue, ob ich auf zehn mit Diamanten komme, reinige ihn und mache Bilder. Die andere Option ist es, mir etwas aus den Fingern zu saugen.
Beides hört sich sehr anstrengend an, vielleicht wäre es einfacher, nach einer Diamantenmine zu suchen. Nicht daß wir hier welche hätten.
Das wird ja jetzt schon schwierig.
Was zählt noch als Diamanten in meinem Leben? Würde auch Straß funktionieren?
😉

1. Wie wäre es, wenn wir mit ein paar echten Diamanten anfangen, damit ich noch ein bißchen über den Rest nachdenken kann.
Dies sind Rohdiamanten, die für die blaue Farbe behandelt wurden, in gehäkeltem Feinsilberdraht um einen Aquamarintropfen herum. Ich habe den Ring 2012 gemacht und denke, jetzt würde ich das bestimmt besser hinbekommen.


2. Machen wir das jetzt mal gleich. Ihr wißt es, ich weiß es ... die Liste wäre nicht vollständig ohne meine Katzen und anderen Tiere. Sie sind hochkarätige Diamanten.
Dies ist die Ahnengalerie.
Obere Reihe - White Dude, Madam Mim, Magica de Spell, Jester, Gandalf
Untere Reihe - Merlin, Mephista, Greebo, Esmerelda Weatherwax, Ponder Stibbons


Ich habe nicht so viele Bilder vom restlichen Zoo, mit dem wir zusammengelebt habe, zumindest nicht digital, also sind hier nur ein paar wenige. Sehr wenige. Während der vielen Jahre, die wir ehrenamtlich in unserem örtlichen Zoo mitgearbeitet haben, haben wir Tiere in Pflege gehabt, adoptiert und wir hatten vorübergehende Gäste.





3. "Panther und Tiger." Keine Dokumentation, kein Kampfsportfilm, kein Buchtitel. Diese zwei sind einfach nur meine Katzenbosse (und sie würden es nicht schätzen, daß ich "einfach nur" sage, das werde ich vermutlich bereuen).



4.
Familie, Freunde - im echten Leben und online - und Nachbarn. Mehr werde ich darüber nicht sagen, weil sie es schätzen, auf meinem Blog als nicht mehr als eine kurze Bemerkung zu landen, und das respektiere ich.

5. Meine Bibliothek. Ich habe immer von meiner eigenen Bibliothek geträumt. Regale bis zur Decke wären schön gewesen, aber bei hohen Decken und meiner Unfähigkeit, auf eine Leiter zu steigen und nach oben zu schauen, ohne daß mir schwindlig wird - keine Ahnung, ob das an meiner Brille liegt - wäre das keine gute Idee gewesen.
Stattdessen habe ich vintage Bücherschränke. Das ist eine Hälfte davon. Obwohl das hier ein altes Bild ist und ich seither Bücher abgegeben habe, sind die Schränke immer noch ganz schön voll.
Und ja, ich habe eine Art Katalog.


6. Meine Sammlungen. Sie sind mehr als nur ein bißchen Plüsch, Vinyl und was es sonst noch so gibt.
Sie sind Erfahrungen, Erinnerungen daran, Leute kennenzulernen, Freundschaften zu schließen - kurzlebige oder wirklich lange -, an frühe Morgen auf Flohmärkten, Picknicks, tolle Funde oder Fehler von Neulingen, Enttäuschungen, Sonnenaufgänge; sie sind auch Geschichte, Firmengeschichte, Designgeschichte, die Geschichte von Menschen, die eine Idee haben, von Fehlschlägen und Erfolgen, die oft so interessant wie die Stücke selber sind.
Vielleicht erinnere ich mich nicht an die Geschichte zu jedem Stück, das ich habe, aber ich erinnere mich an eine Menge, und solltet ihr den Fehler machen, mich nach einer zu fragen, könnt ihr mich vielleicht nicht stoppen, ohne mich in einen Fluß zu schubsen.
Es ist dasselbe mit allen Sammlern, egal ob ihre Leidenschaft die Briefmarken sind, Bierdeckel, Porzellan, Glas, Bücher - oder Teddys und Puppen.



7. Kreativ sein. Ich habe die Geschichte schon erzählt, wie ich dazu gekommen bin, wie ich "meine Leute" gefunden habe, wie ich es geschafft habe, Dinge zu machen, die ich nie für möglich gehalten hätte.
Es war ein langer Weg von dem Mädchen, das in der 4. Klasse seine Strickjacke nicht fertig kriegte (und das auch gar nicht wollte) und eine 3 bekam, zu dem, was ich jetzt bin.
Hätte mir damals jemand erzählt, daß ich jahrelang stricken würde, mit Draht und/oder Perlen arbeiten würde, nadelfilze und sticke, ich hätte laut gelacht.

Hier ist ein typisches Design für mich, tatsächlich waren die Miniaturkörbchen das erste wirkliche Design, das ich je entworfen habe. Im Laufe der Jahre habe ich winzige Körbchen mit allem möglichen gefüllt, nur Wolle (aus Draht oder gefilzt), Wolle mit Schals oder Socken, einmal ein winziges Strickmagazin, Stricknadeln oder Häkelhaken, Katzen, Hunden, Hühnchen, Blumen, als Anhänger, Ohrringe und sogar Ringe.
Das hier ist eines meiner liebsten, der Korb ist so klein und niedlich, aus 0,2 mm Sterlingsilberdraht gemacht.


Genug jetzt, ich denke, ihr habt es verstanden. Ich bin gerne kreativ.

Außerdem schätze ich sehr, wie Kunsthandwerker ihr Wissen teilen. Ohne die Ermutigung und die Ratschläge, die ich bekam, als ich anfing, hätte ich nicht versucht, mehr auszuprobieren.

8. Filme und Serien. Es gibt Tage, an denen ich einfach nur platt bin. Das Internet ermöglicht mir trotzdem noch, Kontakt zu halten, und wenn selbst das zuviel ist, kann ich etwas im Fernsehen finden oder eine DVD anschauen.
Und wenn man dabei dann noch eine Katze zum Schmusen hat? Perfekt.

9. Das ist wahrscheinlich der seltsamste Diamant auf der Liste, aber ich denke, ihr werdet zustimmen, daß es ein großer ist, auch wenn er nicht glitzert.
Ich habe es ja schon vorher mal erwähnt, meine Niere und ich sind jetzt seit mehr als 21 Jahren zusammen. Wir hatten keinen perfekten Start, also ist das praktisch ein Wunder.

10. Humor. Verdreht, schräg, schwarz, trocken. Wo wären wir ohne Humor, ein Lächeln, ein Lachen? Im Moment bin ich wirklich dankbar für all die Cartoonisten, Komödianten und Künstler, die ihre Arbeiten so großzügig teilen. Ich wünschte, ich könnte mehr von ihnen unterstützen.

Da habt ihr sie, zehn Diamanten in meinem Leben. Die würden eine wirklich seltsame Kette abgeben, aber ich bereite diese Posts nicht vor, ich kippe einfach aus, was gerade in meinem Kopf ist.
Ich bin gespannt auf die Listen der anderen!

Dienstag, 8. April 2025

After Midnight und Harlekin

Woran denkt ihr, wenn ihr Steiff hört (natürlich nur, wenn ihr Steiff überhaupt kennt)?
Euer erster Gedanke sind wahrscheinlich weiche und knuddlige Plüschtiere für Kinder. Wenn ihr aber sammelt oder, ähm, alt seid oder wenn beides zutrifft, denkt ihr vielleicht an Mohair, das nicht ganz so weich ist.

Tatsächlich hat Steiff im Laufe der Jahre viele verschiedene Materialien verwendet.
Bevor sie Spielzeug machten, verdiente die Gründerin Margarete Steiff ihren Lebensunterhalt damit, Filzkleidung für Frauen zu machen, und in der Tat waren auch die ersten Tiere aus Filz, sie das berühmte Elefäntle, ein Nadelkissen, das so beliebt als Spielzeug wurde, daß es das Geschäft von Kleidung hin zu Spielzeugen verlagert.
Andere Stoffe, die verwendet wurden, waren Samt und Leinen und mit der Geburt des Teddybärs Mohair. Mohair ist aus den Haaren der Angoraziege und Steiff bezog es immer von der Firma Schulte, heute eine der letzten Webereien in Deutschland.

Es gab jedoch Zeiten, in denen Materialien wie Filz und Mohair knapp wurden, zum Beispiel im Krieg und den Jahren davor und danach, als sie stattdessen für militärische Zwecke wie für Uniformen genutzt wurden.
Steiff tat immer sein Bestes, sich diesen Herausforderungen zu stellen und Spielzeug aus Ersatzmaterialien herauszubringen oder anderes Spielzeug als Plüschtiere zu machen, wie zum Beispiel eine Reihe von Holzspielzeugen, Bauklötze, Holzbausätze für Blumen, Wägelchen, Roller und mehr.

Als Ersatzmaterialien verwendeten sie Wollplüsch, Kunstseidenplüsch, Baumwollplüsch und 1919 machten sie tatsächlich Tiere aus Papierplüsch aus Holzfasern mit einem Baumwolluntergrund.

Angesichts der Empfindlichkeit dieses Stoffes ist es nicht verwunderlich, daß Papierplüschtiere heute schwer zu finden sind.
Aber gräme dich nicht, oh Sammler!
2020 startete Steiff eine neue Linie von Tieren, die aus unterschiedlichen Stoffen gemacht sind. Sie heißt "Teddies for tomorrow" (obwohl es nicht nur Teddys sind). Es gibt Viskose, Leinen/Baumwolle, Alpaka, Leinen/veganen Filz, Bambus, Hanf, Plüsch aus recycleten PET-Flaschen - und Papierplüsch.
Ein Grund dafür sind steigende Energie- und Materialkosten, die die Zukunft von Steiff Schulte (die Steiff Holding hat den Betrieb 2009 übernommen), der andere die Frage der Nachhaltigkeit, die für jede Firma ein Thema sein sollte.

Da ich hauptsächlich vintage Steiff sammle, war diese Linie völlig an mir vorbeigegangen, bis mir jemand sagte, ich solle mir doch mal einen süßen dunkelblauen Bär anschauen ... und eine Weile später dann auch noch einen bunten Bär.
Sie heißen After Midnight und Harlekin.
(Marsha, das ist für dich - es war ein (sehr guter) Sonderpreis und ich gebe meiner Schwester die Schuld. Wieder mal.)
Dies sind keine für Kinder gedachten Schmuseteddys, nicht daß ich das von ihnen erwartet hatte. Der Papierplüsch fühlt sich etwas härter als meine Handtücher an (ich mag keinen Weichspüler), was für mich interessant ist, und ich finde einfach, sie sind echt süß.
Harlekin ist nach einem alten Steiff-Design gemacht. Ich mag, daß seine Farben etwas verblaßt aussehen, als ob er vintage wäre.
Andere kaufen Klamotten, Schuhe, Kosmetik und Accessoires, ich kaufe halt Perlen und Teddys
😉







Quellen:
1. Rebekah Kaufmann: Cut from a different cloth - six of Steiff's lesser-known teddy bear fabrics. Auf: Teddy Bear Times & Friends, 21. September 2020 (auf Englisch)
2. Die Geschichte des Teddybären. Auf der Steiff-Webseite
3. Steiff Schulte: Historie. Auf der Steiff Schulte-Webseite
4. Nachhaltigkeitsversprechen. Auf der Steiff-Webseite
5. Susanne Decker: Steiff - die Stoffe. Auf: Steifftiere, ein Stück Kindheit

Sonntag, 6. April 2025

Sonntagsglimmer - Whiskeymarmelade und Brötchen

Vielleicht habt ihr das Wort "Glimmer" schon mal gehört. In der Psychologie sind Glimmer das Gegenteil von Triggern, kleine Momente des Friedens oder der Freude, die positive Gefühle auslösen. Das können ganz einfache Dinge sein, die man vielleicht nicht mal bewußt bemerkt, es kann aber der geistigen Gesundheit helfen, wenn man sie bemerkt und schätzt.

Ich finde, das ist in den letzten paar Jahren besonders wichtig geworden.
Habt ihr auch das Gefühl, die Welt ist völlig verrückt geworden?
Ich gebe zu, daß ich selber dem Doomscrolling nicht immer entkommen konnte, von einer schlechten Nachricht zur nächsten. Oft merkt man ja gar nicht, daß man das macht, aber da ich von Natur aus schon Pessimistin bin, habe ich schließlich beschlossen, daß ich etwas deswegen tun müßte.
Es hört sich seltsam an, aber tatsächlich hat es mir geholfen, daß ich wegen meines dummen Daumens nicht mehr so viel kreativ arbeiten konnte, sehr zu meiner eigenen Überraschung. Natürlich ist nicht das kreative Arbeit selbst das Problem, sondern was ich nebenher manchmal so anschaute oder anhörte.
Nun bin ich zum Bloggen zurückgekommen, ich bin wieder bewußter in Bezug auf das Anschalten von nur einem Gerät, wie ihr wißt, arbeite ich an meiner Aufmerksamkeitsspanne, und am wichtigsten, ich lese wieder viel mehr.

Leider heißt das nicht, daß ich auf einmal weniger pessimistisch bin, was den Zustand der Welt betrifft, es wäre ein Wunder gewesen, wenn das geschehen wäre.
Um das also noch mehr zu bekämpfen, versuche ich meine Glimmer zu schätzen, indem ich zum Beispiel mein Buch oder Laptop weglege, wenn Gundel sich auf mich legt, was zur Zeit recht oft passiert, daß der Dekan sich wie ein Stück Sushi auf mir drapiert und sanft dabei schnurrt, die Ankunft eines neuen Päckchens mit vintage Nähnadeln, der Gesang eines Vogels oder kürzlich ein Moment absoluter Stille (schwer zu finden, wenn man Tinnitus hat).

Ich glaube nicht, daß das eine feste Kategorie auf meinem Blog wird, aber vielleicht teile ich ja ab und zu mal etwas.
Letzte Woche zum Beispiel war ich aus verschiedenen Gründen (hauptsächlich die Nachrichten, dabei habe ich gar nicht so viel gesehen) irgendwie rastlos. Dann tauchte der Paketbote mit einem Päckchen auf, von dem ich zwar gewußt, das ich aber komplett vergessen hatte. Es war ein Überraschungspäckchen von einer Onlinefreundin (die ich gerne in echt treffen würde).
Dieses Kerlchen packte ich als erstes aus und ich konnte nicht anders als zu lächeln. Wie süß ist das für einen Gruß?


Da war aber noch mehr (die Betonung liegt auf "war", denn es ist nicht mehr alles da).


Ich erinnere mich an das erste Mal, daß ich Whiskey-Orangen-Marmelade hatte. Ich kaufte mir ein paar Gläschen mit verschiedenen Marmeladen, als ich das erste Mal London besuchte und verliebte mich in die Kombination von Shortbread mit Whiskeymarmelade.
Diese hier hat dicke Stücke von Schale und ich liebe sie!
Wie es das Glück so wollte, hatte ich gerade erst ein paar selbstgemachte Vollkornwecken von meiner Nachbarin bekommen, und das letzte, das noch übrig war, gab die perfekte Kombination damit für das heutige Frühstück ab.


Ein echt leckerer Sonntagsglimmer!

Donnerstag, 3. April 2025

Stummfilme - Der Schrecken von London

Heute springen wir zu einem neuen Genre mit meinem Stummfilm-"Projekt" - Krimi.
Der Film ist "Der Schrecken von London" von 1927, der, obwohl er Alfred Hitchcocks dritter Film ist, als der erste angesehen wird, der wirklich im Hitchcock-Stil ist.
Ich habe ihn hier auf YouTube angesehen.

"Der Schrecken von London" basiert auf dem Roman von 1913 mit dem Titel "The Lodger", den man auf Englisch hier lesen kann. Er wurde von Marie Belloc Lowndes geschrieben und von den Jack the Ripper-Morden von 1888 inspiriert.

Public Domain über Wikimedia

Der Film beginnt mit dem Schrei einer jungen blonden Frau.
Als nächstes sieht man eine Werbung einer Show, die "Golden Curls" (Goldene Locken) heißt, bevor man die Frau am Boden sieht, ermordet, eine Notiz an ihren Mantel geheftet, auf dem in einem Dreieck "The Avenger" (Der Rächer) steht.
Eine Zeugin beschreibt den Mörder, den sie gesehen hat, groß, die untere Hälfte seines Gesichts durch einen Schal versteckt.
Die Frau ist das siebte blonde Opfer des Serienmörders geworden, der immer an einem Dienstag zuschlägt.

Als nächstes sind wir im Haus der Buntings und ihrer Tochter Daisy, einem Mannequin. Joe, der Polizist, der in Daisy verliebt ist, ist zu Besuch.
Dann taucht ein mysteriös aussehender Mann, der sein halbes Gesicht unter einem Schal versteckt, an der Tür auf und möchte ein Zimmer mieten. Als er in den Raum geführt wird, besteht er darauf, daß die Porträts blonder Frauen von der Wand genommen werden, weil sie "ihm auf die Nerven gehen".


Mit der Zeit wirkt der Untermieter immer verdächtiger auf die Buntings und Joe, der dem Fall des "Avenger" zugeteilt worden ist, den achten Mord aber nicht verhindern kann.
Mrs. Buntings Grund ist, daß der Untermieter spätnachts ausgeht und am nächsten Tag ein weiteres Opfer gefunden wird, außerdem hat er ein Schränkchen in seinem Zimmer abgesperrt. Mr. Bunting wird nervös, als er ein Kleid als Geschenk für Daisy kauft, und Joe kann nicht ertragen, daß der Untermieter und Daisy sich offenbar voneinander angezogen fühlen.
Also versuchen sie, Daisy vom Untermieter fernzuhalten, das akzeptiert sie jedoch nicht und geht stattdessen mit ihm auf ein spätes Date, das von Joe unterbrochen wird, dem sie daraufhin mitteilt, daß sie ihn nie mehr wiedersehen will.

Als sie wieder zu Hause sind, taucht Joe mit ein paar Kollegen auf, um das Zimmer des Untermieters zu durchsuchen. In dem verschlossenen Schränkchen finden sie eine Pistole, Zeitungsausschnitte über "The Avenger", eine Karte der Mordschauplätze und das Porträt eines blonden Mädchens.
Der Untermieter erklärt, daß es sich um seine ermordete Schwester handelt, aber Joe verhaftet ihn dennoch. Der Untermieter entkommt, in Handschellen, und als Daisy ihn findet, erzählt er ihr die Geschichte seiner Schwester und wie seine Mutter ihn auf ihrem Sterbebett beschworen hat, nicht zu rasten, bevor der Gerechtigkeit Genüge getan wurde.
Daisy bringt ihn zu einem Pub und gibt ihm Brandy, um ihn aufzuwäremen, aber daß seine Hände versteckt sind, erregt Argwohn, erst recht nachdem sie gegangen sind und Joe hereinkommt und das Revier anruft, um von der Flucht zu berichten. Ein wütender Mob bildet sich und jagt dem Untermieter nach und prügeln ihn, obwohl Daisy und Joe, der die Information bekommen hat, daß "The Avenger" gefaßt wurde, versuchen ihn zu verteidigen. Erst als ein Zeitungsjunge mit der Nachricht erscheint, läßt der Mob von ihm an und er fällt in Daisys Arme.



Am Ende sehen wir den Untermieter, Daisy und ihre Eltern in seinem großen Haus, zweifellos leben sie glücklich bis an ihr Lebensende.

Ich glaube, ich wollte den Film lieber mögen als ich es tatsächlich tag, weil soviele Leute seine Brillianz loben. Vielleicht hatte es damit zu tun, daß ich ihn angeschaut habe, als ich krank war. Obwohl er nicht extrem lang ist, konnte ich ihn nicht auf einmal anschauen, möglicherweise weil es mir nicht gut ging, möglicherweise weil mir einige Szenen einfach zu lang und nicht sehr nachvollziehbar schienen.
Würde ich denken, daß mein Untermieter ein Serienmörder mit einer Besessenheit für blonde Mädchen ist, würde ich dann wollen, daß er in meinem Haus lebt, wo auch meine blonde Tochter wohnt?
Woher nimmt Daisy diesen blinden Glauben in ihn? Warum ist sie sich so sicher, daß er unschuldig ist? Andererseits kommt es mir so vor, als ob Joe - den ich den ganzen Film über nicht besonders mochte - den Untermieter nur aus Eifersucht verhaftet. Die Pistole, die Karte, die Zeitungsausschnitte oder sogar das Porträt beweisen nicht viel, er könnte einfach von echten Verbrechen besessen sein wie all die anderen, die gierig auf Nachrichten über den Fall warten. Wenn seine Schwester das erste Opfer war, wurde er dann niemals in den Fallunterlagen erwähnt oder hat Joe die gar nicht gelesen?
Warum ist der Untermieter nicht zur Polizei gegangen, statt darauf zu bestehen, den Mörder selber zu fassen? Ich bin sicher, für seine Mutter wäre das auch in Ordnung gewesen.

Jemand hat geschrieben, daß sich "der zweite Teil mehr wie eine Liebesgeschichte als ein Krimi anfühlte" und ich stimme dem zu.
Der Untermieter sah sehr gefühlvoll und gequält aus und ich war nicht mal überrascht, daß er am Ende nicht der Mörder war. Für mich wäre es eine überraschendere Wendung gewesen, wenn er es doch gewesen wäre.
Es heißt, daß Hitchcock geplant hatte, daß der Untermieter der Mörder ist, daß aber das Studio meinte, Ivor Novello, ein Matinee-Idol könne das unmöglich sein. Es konnte nicht einmal ein zweideutiges Ende geben, und um ehrlich zu sein, fand ich das Happy End etwas platt, obwohl ich mich vermutlich für die jungen Liebenden hätte freuen sollen, schätze ich.

Was mir gefiel, war die Verwendung von Licht und Schatten, Winkeln und Effekten, die Hitchcock während seiner Karriere perfektionierte, aber sie reichten mir nicht aus, um die Handlung zu stützen.

Noch eine Notiz zur Musik in der Version, die ich angeschaut habe. Sie wurde für den restaurierten Film in Auftrag gegeben und ist von Nitin Sawhney. Ich fand, daß sie in manchen Szenen gut paßte, aber absolut gar nicht gingen die gesungenen Lieder an zwei Stellen, die paßten einfach nicht dazu.

Ich weiß nicht, vielleicht würde ich anders denken, wenn ich ihn nochmal ein zweites Mal mit klarem Kopf anschauen würde. Ich lasse euch wissen, falls ich das irgendwann nochmal probiere.

Quellen (englischsprachig):
1. Matt Buchholz: Week 28: The Lodger (1927), Contradicting Myself, and Sound. Auf: Hitchcock 52, July 15, 2016
2. Christina Wehner: The Lodger (1927). Auf: Christina Wehner - Classic movies, musicals, old books, and the Great American Songbook, August, 13, 2018
3. Sam Wigley: Then and now: The Lodger reviewed. Auf: British Film Institute - Features, August 10, 2012
4. Philip Kemp: The Lodger: A Story of the London Fog: The first true Hitchcock movie. Auf: The Criterion Collection - Essay, June 27, 2017

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Mittwoch, 2. April 2025

Springtime in Paris - Das schönste Kleid der Welt

Als erstes möchte ich gestehen, daß ich mit diesem Post zwei Mal mogle. Er ist vom Event Springtime in Paris inspiriert, den Erin von Still Life, With Cracker Crumbs und Lisa von Boondock Ramblings diesen Frühling auf ihren Blogs haben.
Ich kann aber nicht auf alle Filme zugreifen. Für morgen haben Erin und Lisa geplant, den Film "Mrs. Harris und ein Kleid von Dior" von 2022 mit Lesley Manville anzuschauen. Ich habe zwar einen Teil davon im Fernsehen gesehen, aber nicht alles und kann mich wirklich nicht an alle Details erinnern.
Also bin ich stattdessen 30 Jahre vor diesem Film zurückgegangen und habe den Fernsehfilm "Das schönste Kleid der Welt" mit der wundervollen Angela Lansbury angeschaut.
Rebellin, die ich bin, poste ich das hier auch nicht am gleichen Tag, denn Donnerstag ist mein Stummfilmtag, und da ich in sowas eigen bin und nicht zweimal an einem Tag posten mag, bin ich schon heute da.

"Das schönste Kleid der Welt" basiert auf Paul Gallicos Buch, das im Deutschen "Ein Kleid von Dior" heißt. In den USA kam es als "Mrs. 'arris Goes to Paris" heraus, in Großbritannien als "Flowers for Mrs Harris". Beide Titel ergeben Sinn, ich weiß allerdings nicht, warum in England außerdem der Apostroph wegfiel, der auf Mrs. Harris' Dialekt hinwies. Ich habe das Buch im Internet Archive gefunden, allerdings nur auf Englisch, und habe es auch noch schnell gelesen, da es nur 157 Seiten hat.
Den Film findet man auch in der deutschen Synchronisation auf YouTube, nicht in der besten Qualität, aber anschaubar, auch wenn ich die Synchronstimme für Lansbury völlig unpassend finde.

Also dann, wer ist Mrs. Harris und warum geht sie nach Paris?
Ada Harris ist eine hart arbeitende Londoner Putzfrau mit wohlhabender Klientel.


Nach einer kurzen Einführung von ihr und ihrer Freundin Vi, ebenfalls Putzfrau, im Bus sieht man, wie sie bei Lady Dants Haus ankommt, wo sie zwei Diorroben am Kleiderschrank hängen sieht, von denen Lady Dant eines für den Krönungsball der neuen Königin auswählen will.
Mrs Harris ist hin und weg und fragt, wieviel ein solches Kleid kostet, und bekommt gesagt, daß es
£450 sind (ich habe das mal nachgeschaut, 1953 wären das wohl fast 5300 DM gewesen, was euch eine kleine Vorstellung gibt).
Von nun an ist Mrs. Harris von der Idee besessen, ein Kleid von Dior zu besitzen. Nachdem sie im Fußballtoto gewinnt, aber leider nicht den Jackpot, hat sie das Gefühl, daß das ein guter Start ist, und sie beginnt an allem zu knausern und zu sparen, indem sie sich Freuden wie Kino- oder Pubbesuche verkneift.
Sie braucht drei Jahre, um das Geld anzusparen. Ihr Plan ist, nach Paris zu fliegen, ein Kleid zu kaufen und am selben Abend zurückzufliegen.
Sie schafft es zu Dior und wird von der Managerin für die Kollektion, Madame Colbert, zurückgewiesen, aber ihre Tränen ändern Madames Meinung und sie besorgt ihr einen Sitz in der Nachmittagsvorführung, sehr zum Unmut des Direktors des Hauses und einer reichen Kundin. Ihr Sitznachbar ist ein Marquis, der von ihr bezaubert ist (weil er sich an die nette Putzfrau in der englischen Schule erinnert fühlt, die er in seiner Jugend besucht hat) und der Madames Weigerung gutheißt, Mrs. Harris wegzuschicken, als der Direktor dies verlangt.
Mrs. Harris wählt ein üppiges rosafarbenes Kleid, das von dem Model Natasha vorgeführt wird, ist aber am Boden zerstört, als sie erführt, daß es eine Woche dauern wird, es zu nähen, weil sie kein Geld hat, um in Paris zu bleiben. Mme Colbert und Natasha überzeugen André, den Buchhalter des Hauses, der in Natasha verliebt ist, sie bei sich wohnen zu lassen.
Die Anproben müssen jedoch geheim bleiben, um den Direktor zu umgehen.
Von da an hat Mrs. Harris Einfluß auf das Leben all ihrer neuen Freunde. Sie bringt den Marquis und seine Tochter und Enkelin wieder zusammen, sie hilft Natasha und André dabei, ihre Liebe füreinander zu finden, und mit Hilfe des Marquis erreicht sie Anerkennung für Mme Colberts Ehemann, der als Widerstandskämpfer im Krieg getötet wurde.
Als das Kleid jedoch fertig ist, erwischt sie der Direktor und befiehlt, daß sie das Haus verläßt und das Kleid zerstört wird.
Natürlich lassen sie ihre Freunde bei Dior nicht im Stich und nehmen Kontakt mit dem Marquis auf, der daraufhin Christian Dior selbst aufsucht.
Das letzte Problem ist, daß niemand Mrs. Harris etwas vom Zoll erzählt hat, für den sie natürlich kein Geld hat, aber auch dafür finden sie eine Lösung, indem sie ihr raten, einfach die Wahrheit zu sagen. Anstatt in einen Dior-Karton verpacken sie das Kleid in einem billigen Koffer, und als Mrs. Harris dem Zollbeamten sagt, daß sie ein Dior-Kleid darin hat, glaubt er ihr nicht und öffnet den Koffer deshalb gar nicht.
Am Ende sieht man, wie sie das Kleid in ihrer Wohnung aufhängt und sich dabei an Paris und die Party, die ihre Freunde für sie gegeben haben, erinnert - auch wenn Vi ihr das nicht abnimmt.


Ich habe Angela Lansbury schon immer sehr gemocht (obwohl ich nur ungefähr zwei Folgen von "Mord ist ihr Hobby" gesehen habe) und ich finde, sie war großartig für diese Rolle.
Dies ist kein tiefgründiger Film, es ist eine Schüssel tröstlicher heißer Suppe an einem kalten Tag, er feiert Freundlichkeit, die wiederum Freundlichkeit erzeugt, und dafür mag ich ihn wirklich gern.

Ihr wißt, daß es jetzt ein Aber kommt, oder?
Vergleichen wir ihn doch mal mit dem Buch, dann werdet ihr sehen, daß der Film hier und da abweicht.
- Im Buch geht Mrs. Harris zum Hunderennen, nachdem sie im Toto gewonnen hat, und setzt
£50 auf eine Hündin namens "Haute Couture", was sie als Zeichen ansieht. Sie verliert, aber kurz danach findet sie eine Diamantenbrosche und bekommt einen Finderlohn von £25, das ist für sie dann ein Zeichen, daß sie weitermachen, sich aber nicht auf das Glück verlassen soll. Im Film gibt es nur die Diamantenbrosche.
- Im Buch gibt es keinen Direktor, vor dem sie sich verbergen müssen.
- Mme Colberts Ehemann ist nicht tot. Er arbeitet für das Außenministerium und wird trotz seiner guten Arbeit nie befördert. Mrs. Harris erzählt dem Marquis davon und er kann dabei behilflich sein.
- Der Marquis erwähnt Kinder, die verstreut und weit entfernt sind. Man sieht keine von ihnen, es gibt keine Wiedervereinigungsszene. Er und Mrs. Harris sprechen jedoch über ihre Liebe zu Blumen, vor allem Geranien.
- Im Film hat Natasha einen übergriffigen reichen Freund, der von André geschlagen wird, als er Natasha beleidigt, woraufhin ihr klar wird, daß sie André liebt. Im Buch gibt es keinen Freund. André ist in Natasha verliebt und sie verliebt sich schnell in ihn, aber sie beide denken, es werde nicht erwidert und wagen nicht, etwas zu sagen, bis Mrs. Harris es einfach anspricht.
- Das Kleid ist völlig anders. Es wird erwähnt, daß es ein Kleid ist, das für eine viel jüngere Frau gedacht ist, aber es hat nichts von Aschenputtel. Im Buch ist es nicht ausladend und es ist aus schwarzem Samt mit Jettperlen - worauf ich stehe, also hätte ich das echt gern gesehen! - und das Oberteil ist ein Schaum aus weißem, creme- und rosafarbenem Chiffon, Tüll und Spitze.
- Der größte Unterschied in diesem Film ist allerdings das Happy End. Im Buch (und anderen Filmen) leiht Mrs. Harris das Kleid für eine Nacht einer ihrer Klientinnen aus, einer aufstrebenden Schauspielerin, die einen Produzenten beeindrucken möchte. Riesenfehler. Es gibt einen Unfall und das Kleid wird schwer angebrannt. Die Schauspielerin verschwindet eine Woche lang, ohne auch nur eine echte Entschuldigung oder irgendeine Entschädigung zu hinterlassen.
Mrs. Harris geht nach Hause, versteckt das Kleid im Koffer, weil sie nicht länger erträgt, es anzuschauen, und weint, bis sie vom beharrlichen Klingeln an der Tür gestört wird. Sie öffnet einem Boten die Tür, der ihr Mengen von Schachteln voller wunderschöner Blumen bringt (darum habe ich gesagt, beide Titel machen Sinn), die ihr ihre Freunde aus Paris geschickt haben.
Da entscheidet sie dann, das Kleid nicht reparieren zu lassen, denn was sie bekommen hat, ist kein Kleid, es ist Freundschaft, Erinnerungen, Abenteuer und Liebe - und das kann ihr niemand wegnehmen.


Ja, also das fehlt alles im Film und vielleicht hätte Angela Lansbury etwas rauher, etwas härter, am Ende etwas weniger glamourös aussehend sein können, aber hey, manchmal ist eine Schüssel heiße Suppe genau das, was man braucht.
Nicht tiefgründig, keine große Moral, einfach nur etwas Freude für alle.

Sonntag, 30. März 2025

Nadines Privatinsel

Ihr wißt vielleicht nicht, daß ich ein Riesenfan von David Zinn bin. Wenn ihr auf Facebook oder Instagram, YouTube oder TikTok seid, bin ich mir ziemlich sicher, daß ihr seine Arbeit schon mal gesehen habt.

Nun eine kleine Warnung oder Entschuldigung. Ich liebe Davids Kunst so sehr, aber ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte finden werde, um das zu erklären. Manchmal bin ich voller Worte, aber die richtigen kommen nicht raus. Das kann dann zu etwas führen, das in meinem Kopf total Sinn macht, aber aufgeschrieben nicht so sehr.


Das ist von Davids Website:
"Jetzt ist Mr. Zinn dank der Versuchungen einer Schachtel Straßenkreide an einem ungewöhnlich sonnigen Tag auf der ganzen Welt für die Kunst bekannt, die er zu seinen Füßen erschafft. Davids temporäre Straßenzeichnungen bestehen ausschließlich aus Kreide, Kohle und gefundenen Objekten und werden immer vor Ort durch einen Prozeß improvisiert, der (fast niemandem) als "ephemere pareidolische Anamorphose" bekannt ist.
Seinem
TEDx-Talk zufolge ist das keine "capital A Art" (Kunst mit großem K), sondern "small a art" (Kunst mit kleinem k).

Es ist Kunst, die nicht lange hält, Kunst, die man aus einem bestimmten Winkel sehen muß, um das Bild richtig zu erkennen, Kunst, die davon inspiriert ist, daß man eine Bedeutung oder ein Bild in etwas erkennt, das ursprünglich nichts damit zu tun hat, so wie man einer Wolke etwas erkennt, das für den Verstand Sinn ergibt, eine Kuh oder ein Auto.

Das letzte kennen wir alle. Ich sehe regelmäßig Gesichter, Drachenköpfe und anderes in meinen Badezimmerfliesen und das macht mir auch keine Sorgen, solange sie nicht anfangen, laut mit mir zu reden.
Was ich aber noch nie gemacht habe, ist, mit dieser Pareidolie zu arbeiten und Rissen, Linien, Kaugummiflecken, Blätter, Büsche oder Metallabdeckungen auf der Straße zu nutzen, um daraus etwas Witziges, Verrücktes, Herzerwärmendes zu machen. Ich habe ein paar Schmuckstücke gemacht, die als Art Kritzelei anfingen, zum Beispiel aus einem Stück verbogenen Draht, und daraus etwas Erkennbares gemacht, aber nicht so oft. Ich spiele zwar, aber die Ergebnisse sind meistens abstrakt.

David hingegen läßt uns an einer Welt aus Kreaturen teilhaben - wie Sluggo, das grüne Monster mit den Stielaugen, oder Philomena, das fliegende Schwein, Zwerge und Trolle, Hasen und Dinosaurier, Drachen und Hamster. Sie sind alle liebenswert, sogar die mürrischen, oft sind ihre Ängste und Freuden und Macken äußerst nachvollziehbar, und manchmal ist mir danach, ein Stück Straßenkunst zu umarmen oder mit ihm zu reden. Ich weiß, daß ich damit nicht allein dastehe, denn obwohl ich versuche, meinem eigenen Rat zu folgen und niemals die Kommentare auf sozialen Medien zu lesen, gibt es Posts, bei denen ich weiß, daß die Kommentare kein brennender Müllcontainer sind (wie es auf Englisch sehr passend genannt wird)
, und sie zeigen, wie sehr diese kleinen Kreaturen die Menschen ansprechen.

Ich bedauere sehr, daß ich niemals eine in echt sehen werde. David zeigt seine Kunst nicht nur in Bildern, sondern macht auch Videos davon, wie seine Kreaturen zum Leben erweckt werden, und es gibt auch Bücher, Drucke und Kalender, was wundervoll ist, aber egal wie gut ein Bild ist, glaube ich nicht, daß es genau dasselbe Gefühl auslösen kann.
Natürlich ist ein Punkt die Vorstellung, unerwartet darüber zu stolpern. In einem seiner Bücher sagt David, daß normalerweise nur ein paar Dutzend Leute seine Originalkunst zu Gesicht bekommen, wobei Festivals oder Veranstaltungen natürlich eine Ausnahme sind. Das ist nicht überraschend, wenn man sieht, wie Menschen herumrennen, ohne sich umzuschauen, mich selbst zweifellos eingeschlossen (außer dem Teil mit dem Rennen, daß ich so langsam laufe, könnte mir eine etwas bessere Chance verschaffen).
Es gab mal eine Zeit, in der ich auf meinem Heimweg bewußt nach oben schaute und Bleiglasfenster, Initialen an Häusern, sogar Mosaike entdeckt habe, die ich vorher nicht gesehen hatte. Ich glaube aber nicht, daß ich mir den Boden beim Laufen sehr bewußt anschaue, sondern nur wenn ich irgendwo sitze, und natürlich komme ich heutzutage sowieso nicht viel herum.
Wie groß wären meine Chancen also überhaupt, Kunst zu sehen, die mich nicht direkt anspringt wie zum Beispiel eine große Wand voller Graffiti?
Der andere Punkt ist, daß man auf den Bildern meistens von Anfang an den richtigen Winkel hat und man es nicht selber entdecken muß. Würde ich sonst überhaupt erkennen, was ich anschaue?
Würde ich Nadine sehen?

Ja, wir kommen endlich zu Nadine.
Sie ist mein absoluter Liebling, eine kleine Maus in einem blauen Kleid (hier könnt ihr ein paar Bilder von ihr finden). David nennt sie "eine Maus des Abenteuers".
Nadine schließt ohne Bedenken Freundschaften, mit Katzen, großen Fröschen, Schafen, Sluggo und sogar Drachen und dem Chalk Ness Monster.
Sie mag Abenteuer, genießt aber auch ruhige und einsame Zeiten mit einem Buch oder einem schönen Täßchen irgendwas.
Sie kümmert sich um Pflanzen, sie benutzt eine Kristallkugel, sie tanzt und sie scheint sehr im Moment zu leben und das zu genießen, was sie eben so tut.
Ich bin eine mürrische alte Katzenlady ... und ich glaube, ich beneide sie ein wenig darum, daß sie Nadine sein darf
😉

Vom ersten Mal an, als ich es sah, ging mir dieses Bild von ihr nicht mehr aus dem Kopf.

"Nadines Privatinsel"
Mit Erlaubnis von David Zinn

Das ist nicht das einzige Mal, daß ich Nadine mit einem Buch gesehen habe, aber im Vergleich zur Hängematte oder dem Baum ist das hier ein wirklich privater Ort.
Hätten wir nicht alle manchmal gern unsere eigene Privatinsel?
Vor allem heutzutage? Ein Ort, an dem uns die Welt wenigstens für ein Weilchen nicht berühren kann? Kein Telefon (obwohl mein Handy selten an ist, ist mein Festnetz rege in Gebrauch), keine Technik, keine Nachbarn, keine lauten Autos, nur wir und ein Buch. Ich hoffe, es sind keine nervigen Boote vorbeigekommen, aber wie ich Nadine kenne, wäre sie darauf wahrscheinlich auch vorbereitet.

Auf jeden Fall bekam ich dieses nagende Gefühl eines Bedürfnisses und einer Herausforderung.
Das Bedürfnis war der Wunsch, hieraus Fan Art zu machen. Die Herausforderung war die Entscheidung, was ich genau machen sollte und wie, und das war nicht so einfach. Am Ende schien nur Sticken das Richtige zu sein.
Also schnappte ich mir einen 9 cm-Stickrahmen - denn Nadine ist eine kleine Maus - und verbrachte ein paar spaßige Tage mit Sticken.



Meine Palme ist nicht ganz zu hoch und ich bekam auch nicht die ganze Insel drauf, aber Nadine scheint das egal zu sein.
Die Blätter waren zunächst ein bißchen problematisch, weil ich noch nie zuvor Stumpwork (3D-Stickerei) ausprobiert hatte und mit der kleinen Größe zu kämpfen hatte. Nach vier oder fünf Versuchen gab ich mich schließlich geschlagen und begab mich auf vertrautes Terrain zurück, soll heißen, ich fädelte die Blätter stattdessen (und nahm mir die künstlerische Freiheit heraus, sie heller zu machen, weil ich nicht mehr genug dunkelgrüne Perlen hatte).

Leider sind meine Messingrahmen einen Tick zu klein, das haut mit den gefädelten Blättern nicht hin, und meine Holzrahmen sind für diese Szene zu düster.
Ich werde irgendwann schon etwas finden.


Als ich mitten in der Nacht fertig war, machte ich ein schnelles und nicht sehr gutes Bild, und bevor ich wie üblich zuviel darüber nachdenken und kneifen konnte, schickte ich David eine Mail und bat ihn um Erlaubnis, dieses Stück öffentlich teilen zu dürfen.
Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich fühlte, als ich am schon am nächsten Tag eine Antwort bekam? Natürlich hatte ich auf eine gehofft, aber ich war mir da ganz und gar nicht sicher und vor allem nicht so schnell. Und wie ihr aus diesem Post erkennen könnt, war es ein Ja, was mir echt viel bedeutete.
Um Davids Worte aus dem TEDx-Talk zu benutzen, als er die Geschichte des ohrlosen Micky erzählte, ich war "kindisch glücklich".

Dies ist nur für mich, eine kleine Erinnerung daran, daß ich versuchen sollte, vielleicht manchmal mehr wie Nadine zu sein.
Ich lasse euch wissen, wie's läuft 😉
Außerdem bin ich mir sicher, daß es mich immer zum Lächeln bringen wird, wenn ich sie ansehe.