Montag, 19. Januar 2026

"Cloisonné"-Halskette

Das heutige Schmuckstück ist nicht echtes Cloisonné, wurde aber davon inspiriert.
Cloisonné ist eine uralte Technik, bei der Metallstreifen oder -draht auf einer Metalloberfläche befestigt werden und so Zwischenräume bilden ("cloisons" auf Französisch). Anfangs wurden Edelsteine dafür verwendet, die so entstehenden Lücken zu füllen, später dann Emaille, was ebenfalls bunt, aber nicht so teuer ist.
Ich erinnere mich, daß ich sogar schon als Kind von Cloisonné-Stücken fasziniert war. Ich mache aber keine Metallarbeiten und habe auch noch nie mit Emaille gearbeitet.

Manche meiner Ideen entstehen völlig aus dem Blauen heraus. Ich schaue mir gern an, was so in meiner aktuellen "Arbeitsbox" ist - ich sollte wirklich mal die letzte aufräumen, denn ich bin sicher, ich werde ein paar Überraschungen darin entdecken -, und arbeite dann damit.
Diesmal fand ich übriggebliebenes ungleichmäßiges Dreieck Stickuntergrund und einen Abschnitt eines schmalen Bands aus Wildlederimitat, das ich kurz für "Die große Umarmung" in Erwägung gezogen hatte.
Es war wahrscheinlich das flache Aussehen, das mich an die Metallstreifen in Cloisonné erinnerte und mich zu der Überlegung brachte, wie es wohl aussehen würde, wenn ich das Band auf den Untergrund aufkleben würde (oooh, ehrgeizig), nicht flach, sondern auf dem Rand, damit ich Kurven ziehen konnte. Dann würde ich die Lücken mit Perlenstickerei auffüllen.
Natürlich wäre es interessant gewesen, ein tatsächliches Muster wie in echtem Cloisonné zu kreieren, aber dafür war das Band zu dick. Ich habe ja schon eine ganze Weile dafür gebraucht, diesen geschlossenen "Kreis" hinzubekommen. Abgesehen davon klappte das Aufkleben aber erstaunlich gut.


Zunächst begann ich damit, die Leerräume mit Reihen zu füllen, die dem Verlauf des Bandes folgten, aber wie schon bei der "Großen Umarmung" merkte ich schnell, daß mir das nicht gefiel.
Also trennte ich die Reihen heraus und nähte stattdessen Perle für Perle auf, was bei den engen Stellen viel besser funktionierte.
Außerdem was der ursprüngliche Plan gewesen, jede Farbe einmal zu verwenden und den Anhänger richtig bunt zu macht. Hätte ich aber vorher so richtig darüber nachgedacht und nicht das Band verwenden wollen, das schon geschnitten war, hätte ich statt des blauen ein schwarzes genommen. Wieder riß ich alles heraus und beschränkte mich stattdessen auf willkürliche Plazierung von Grün- und Blautönen. Natürlich ruft eine Kombination von Grün und Blau bei mir immer Gedanken ans Meer hervor und das Band verstärkte bei mir noch das Gefühl von Korallenriff, also mußte ich mich des Drangs erwehren, auch noch Perlen dazuzunehmen. Ich denke, das wäre einfach zuviel gewesen.


Nächste Entscheidung - eine Kette.
Ich liebe das Aussehen eines gedrehten Herringboneschlauchs mit drei Perlen in kontrastierenden Farben und wählte ein dunkles Regenbogengrün, ein Metallicblau mit einem Hauch von Mint und einem wunderschönen Dunkelblau.
Könnt ihr euch nicht auch eine Reihe von Schlauchketten wie dieser in verschiedenen Farben und Längen vorstellen?


Ich hatte so richtig Spaß beim Herumspielen mit diesem Stück und wünschte fast, ich hätte die Geduld, nochmal eins mit schwarzem Band zu probieren, aber während meine Hände noch eine Pause brauchen, ist mein Gehirn schon auf dem Weg zum nächsten WIP in meiner Arbeitsbox, das schon so lang dort drin wartet, weil ich mich nicht entscheiden kann, wie herum ich den Anhänger haben will!
Was sagt ihr - Tropfen mit der Spitze nach oben oder nach unten?

Samstag, 17. Januar 2026

Einfach nur so Samstag - Wie konntest du nur?

Wir haben fast 34 Jahre miteinander verbracht.
Ich dachte, du wärst die eine Konstante in meinem Leben.
Du würdest immer für mich da sein.
Ich habe Tag und Nacht auf dich gezählt.
Es ist wahr, du warst nicht für jeden hell genug, für mich aber schon.
Doch dann hast du mich verlassen, ohne Vorwarnung.
Du warst einfach weg und hast mich zurückgelassen, in der Dunkelheit.
Ich schätze, ich hätte darauf vorbereitet sein sollen, daß das irgendwann geschehen würde, aber ich fand, daß das ausgesehen hätte, als würde ich dir nicht vertrauen.
Und dann konnte ich dich eines Tages nicht mehr anmachen.

Aber wir hatten einen guten Lauf zusammen, oder?
Leb wohl, kleine Leuchtstoffröhre. Du wirst mir fehlen.

Freitag, 16. Januar 2026

Weekend Traffic Jam Reboot - Woche 139

Willkommen beim Weekend Traffic Jam Reboot!
Meine Posts für den Linkup gehen freitags um 3.30 morgens live (das ist dem Zeitunterschied zu den USA geschuldet).



Veganuary ... Dry January ... No-Buy-January ... wie läuft euer Januar? Macht ihr eine von diesen Challenges?



Also, wie steht's mit euch? Bereit fürs Wochenende?

Als Teil des Reboots werden wir jede Woche einen anderen Blog vorstellen.
Wie wäre es, wenn ihr vorbeischaut und hallo sagt? Sagt ihnen, daß wir euch geschickt haben.



Diese Woche fällt unser Spotlight auf Esme Salon.


Esme von Esme Salon schreibt "Willkommen, ich freue mich so, daß ihr hier seid, und ich hoffe, ihr werdet ein paar wundervolle selbstgemachte und bewährte Rezepte aus der ganzen Welt finden, um sie daheim nachzumachen.
Mein Ziel ist es, die besten selbstgemachten und gesunden Rezepte für alle Familien anzubieten. Ich bemühe mich außerdem, andere Blogger auf meinem Blog vorzustellen.
Ich bin mit einer Liebe zum Backen und Kochen aufgewachsen, während ich meiner Mom dabei zugeschaut habe, wie sie so liebevoll Mahl auf Mahl für die Familie und all unsere Freunde zubereitet hat.
Ich lebe seit 1997 in Vancouver, B.C. Canada, komme aber ursprünglich aus einem kleinen Dorf names Somerset West, knapp außerhalb von Kapstadt in Südafrika."


Marsha von Marsha in the Middle hat 2021 als Training mit dem Bloggen angefangen, um ihre Neuroplastizität zu erhöhen. Ach, wem machen wir was vor? Marsha hat mit dem Bloggen angefangen, weil sie Kleidung liebt, und sie redet oder in diesem Fall schreibt einfach gern!

Melynda von Scratch Made Food! & DIY Homemade Household - Der Name sagt schon alles, wir haben uns im Osten von Texas angesiedelt, wobei sich drei Generationen das Land teilen. Ich koche und backe alles selber, wenn ich nicht gerade gärtnere oder den Hühnern nachlaufe, und stricke!

Lisa von Boondock Ramblings erzählt von den Büchern, die sie schreibt und liest, ihrem Glauben, Home-Schooling, Fotografie und mehr.

Cat von
 Cat's Wire hat, was sie ein Springspinnengehirn nennt. Sie hat viele Interessen und bloggt über das, was immer gerade ihre Aufmerksamkeit erregt - Handarbeiten, Bücher, alte Filme, Sammelwertes oder "einfach nur so".

Rena von Fine Whatever Blog schreibt über Stil, Leben im mittleren Alter und die "gut, was auch immer" Momente, die dem Leben Sinn und Spaß geben. Seit 2015 feiert sie Kreativität, Selbstvertrauen und die Freude am Alltag.


Hier ist meine Auswahl von ein paar Posts aus dem Linkup der letzten Woche (englischsprachig).

Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Zitronenlimonade - Jeanne zeigt uns ihren Zitronenbaum.

Sally erzählt uns etwas über Schnee aus der Perspektive des Südens der USA.

Schaut euch Natashas Marshmallow-Schneemänner an. Sind sie nicht süß?

Paula teilt ein paar großartige Tips mit uns dazu, wie man den Winter sicher für Haustiere macht.



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Donnerstag, 15. Januar 2026

Stummfilme - En ny hat till Madammen

Vor ungefähr 35 Jahren schlug der Ex vor, daß wir einen Dänischkurs besuchen könnten. Aus verschiedenen Gründen, die meisten davon hatten nicht wir unter Kontrolle, schafften wir nur etwa vier Stunden. Also kann ich zwar immer noch sagen, daß das Zimmer groß ist und daß ich aus Deutschland komme, aber das ist es dann auch.
Was ich euch sagen kann ist, daß der heutige Film von 1906 "En ny hat till Madammen" heißt, also "Ein neuer Hut für die gnädige Frau" (der am Anfang des Films eingeblendete Titel ist allerdings "Ein Hut nach neuester Mode"). Es gibt nicht mal Titelkarten, also war es kein Problem, diesem Kurzfilm zu folgen, den der dänische Filmpionier Viggo Larsen gemacht hat.


Die gnädige Frau wählt einen Hut
aus und er ist groß!

Auch wenn es vielleicht so aussieht,
ist es doch kein Käse. Es ist die
Hutschachtel und der Gatte mußte
eben einen Teil des Fensterrahmens
herausreißen, um sie überhaupt durch
das Fenster zu bekommen.
Das nenne ich mal einen
unterstützenden Ehemann.

Nachdem die gnädige Frau mit ihrem
neuen Hut ein paar Leute "angegriffen"
hat und Probleme hat, Hut und ihren
Humpelrock in den Griff zu bekommen,
aber nicht imstande war, in ein Taxi
einzusteigen, kauft der Gatte ihr ein
Wägelchen für den einfacheren Transport.

Ihre Freunde finden die Idee
toll und machen mit.

Ups. Es ist vielleicht doch schwieriger
als sie erwartet hatten.

Teezeit endet in einem Duell, weil der
Hut die Mütze des Militärs links
heruntergestoßen hat und er zurückschlug.

Oh nein! Der Gatte ist verwundet!
Wenigstens gibt der Hut eine
nützliche Bahre ab.

Es ist nur eine Fleischwunde (irgendwelche
Python-Fans hier?).
Trotzdem, nachdem er seine Frau geküßt hat,
bittet der Gatte sie, den Hut loszuwerden.


Wieder mal habe ich etwas Neues gelernt.
Dänemark war einer der großen Macker in der frühen Filmgeschichte, kommerziell und historisch gesehen. Sie hatten Stars wie Asta Nielsen, die international berühmt waren.
Von ungefähr 1910 bis 1914, als der 1. Weltkrieg ausbrach - das Goldene Zeitalter des dänischen Stummfilms - war die dänische Filmindustrie sogar unter den Weltführern, bevor Hollywood übernahm.

Die Webseite "Danish Silent Film", die vom Dänischen Filminstitut angelegt wurde, hat zum Ziel, mehr als 400 Werke aus der Stummfilmgeschichte des Landes online frei verfügbar zu machen, ergänzt durch "Poster, Fotos, thematische Artikel, Skripts und zeitgenössische Kritiken".

Aber zurück zu unserem Kurzfilm.
Es mag zunächst scheinen, als wäre er nur eine alberne kleine Slapstickkomödie, aber er macht sich sehr wirksam über die Modetorheiten der Zeit lustig, um gleichzeitig auf ihre Gefahren hinzuweisen - riesige Hüte und Humpelröcke (letztere verursachten tatsächliche Unfälle, sogar tödliche).
Und es sind nicht nur die Damen, die vom Wahnsinn einer absurden Mode betroffen sind, sondern auch die Männer. Ein Duell wegen eines Huts? Ich finde immer noch erstaunlich, wie schnell einer der Männer beim Tee einen Säbel für den Ehemann besorgt.

Riesige Kopfbedeckungen waren nicht nur auf Damenhüte beschränkt. Männer trugen zum Beispiel sehr hohe Zylinder. Zugegeben, sie waren nicht so breit, und dezimierten exotische Vogelpopulationen nicht, wie das die mit Federn verzierten Riesenhüte taten (auch heute übrigens immer noch eine Gefahr).
Vergeßt auch nicht die auffallenden Perücken, die in alten Zeiten getragen wurden, von Frauen und Männern.
Der Erste Weltkrieg war nur ein Grund dafür, daß diese Mode verschwand, als Frauen in den Kriegsanstrengungen gebraucht wurden und Kleidung praktischer wurde.


Als jemand, der nie modisch war und bei der eigenen Kleidung Bequemlichkeit dem Aussehen vorzieht, mußte ich über diesen Film herzhaft lachen. Absolut eine Empfehlung von mir!


Quellen (englischsprachig):

1. Website "Danish Silent Film"
2. Fritzi Kramer: A New Hat for the Madam (1906) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 1. August 2022

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 13. Januar 2026

Wie und warum hast du angefangen, Stummfilme zu schauen?

Vor einer Weile wurde diese Frage in einem Kommentar gestellt, und ich mußte darüber nachdenken, wie es tatsächlich anfing.
Am 11. März 2025 schrieb ich meinen ersten Stummfilmpost und seither jeden Donnerstag einen. Um ehrlich zu sein, hat mich das selber überrascht - im ersten Post hatte ich der "Reihe" noch nicht mal einen Tag zugeteilt - und ich würde lügen, wenn ich behauptete, daß es immer leicht war.

"Willst du einen Stummfilm mit mir anschauen?"
"Oh Junge, sieht so aus, als wäre er seltsam.
Gutaussehend, aber seltsam."

Manchmal mußte ich auf die Vorstellung von Kurzfilmen zurückgreifen, einfach weil ich nichts im voraus vorbereitet hatte und dann nicht die Zeit fand oder, noch wichtiger, die Konzentration, einen langen anzuschauen (da ich ab nächster Woche wieder arbeite, könnt ihr da übrigens mit einem Kurzfilm rechnen).
Das hat jedoch nicht nur mit der Lauflänge eines Films zu tun, sondern auch damit, wie ich diese Blogposts schreibe. Ich weiß, daß ich keine begnadete Schreiberin bin, und dazu kommt noch, daß ich manchmal eine Schreibblockade habe. Ja, bei einem "einfachen" Blogpost, an dem die meisten meiner Leserinnen und Leser sowieso nicht besonders interessiert sind.

Im März habe ich von meiner Aufmerksamkeitsspanne geschrieben und daß ich daran arbeiten wollte, sie wieder zu verbessern, nachdem eine Freundin gemeint hatte, daß Filme für ihre Aufmerksamkeitsspanne viel zu lang geworden seien.
Ich hatte für Weihnachten einen "Der kleine Lord"-Marathon mit verschiedenen Verfilmungen gemacht und konnte mich nicht dazu überwinden, den Stummfilm mit Mary Pickford anzuschauen. Dadurch kam ich auf die Idee.
"
Für einen Stummfilm braucht man eine Menge Aufmerksamkeit und manche sind auch noch richtig lang.
Also dachte ich mir, daß das eigentlich ganz gut zu meinem "Training" passen würde. Ich werde Stummfilme anschauen und dann hier darüber schreiben."

"Du hast meinen Film immer noch nicht angeschaut.
Mach das schnell oder du kriegt was ab."

Da wußte ich noch nicht, daß ich nicht nur Filme anschauen, sondern auch Blogpost lesen würde und Kritiken und sogar einige akademische Artikel, was es mir nicht leichter machte, rechtzeitig zum tatsächlichen Schreiben zu kommen.
Ich wußte außerdem noch nicht, daß mir das Hin- und Herspringen soviel Spaß machen würde, in der Tat so sehr, daß ich jetzt angefangen habe, Biographien zu lesen, und mir ein fettes Buch über die Geschichte von Stummfilmen in den USA (gebraucht zu einem tollen Preis) gegönnt habe (das ich mich bisher jedoch noch nicht anzufangen getraut habe).

Bleibt die Frage, wie ich überhaupt auf die Idee kam, Stummfilme für dieses "Projekt" zu wählen?
Im März habe ich auch geschrieben "
Es war nie leicht für mich, Stummfilme anzuschauen, obwohl ich damit aufgewachsen bin. Nein, ich bin noch nicht so alt, es waren Wiederholungen im Fernsehen, vielen Dank auch." Das ist wahrscheinlich ganz wahr, wenn ich so darüber nachdenke. Ich bezweifle, daß ich jemals wirklich einen ganzen Film angeschaut habe, aber dafür Ausschnitte in den Zusammenstellungen, die an Wochenenden ausgestrahlt wurden, zum Beispiel "Als die Bilder laufen lernten" mit Bob Monkhouse, die tatsächlich einen Erzähler hatten.

Also war das erste Mal wahrscheinlich in der Nacht vor meinem Englisch-Abi. Mein Plan war es, in letzter Minute nochmal Vokabeln zu pauken, aber stattdessen schauten wir "Das Phantom der Oper" mit Lon Chaney an und mußten bei manchen Szenen so sehr lachen.
Jahre später hatte ich eine Phase mit klassischem Horror - Dracula, Phantom, Nosferatu, Frankenstein usw. - und liebte den Film auf einmal.

"Du fandest also, daß wir witzig
waren, ja?" "Tatsächlich, Nosferatu,
fand ich, daß du gruselig wie die
Sau warst. Tu ich immer noch."

Noch ein paar Jahre später zeigte der Fernsehsender ARTE etliche Stummfilme. Ich nahm ein paar davon auf und schaute sie mir in Portionen an. Dann ging die Festplatte an meinem Fernseher kaputt, was meine Bemühungen abrupt unterbrach. Ich hatte den fast drei Stunden langen "Die Frau im Mond" von Fritz Lang nie fertiggeschaut und konnte mich nicht dazu überwinden, damit weiterzumachen (zum Beispiel auf YouTube).
Auf ARTE mag ich am liebsten Filmdokumentationen. Geschichte, Lebensgeschichten, Kritiken. Überwiegend klassisch und schwarz-weiß jedoch. Ich habe alte Filme immer geliebt.
Eine dieser Dokumentationen handelte von Douglas Fairbanks und sie war echt interessant.

Jetzt werde ich Lisa von Boondock Ramblings die Schuld für den letzten Tritt geben (natürlich zusammen mit Pickford).
Als ich bei ihrem "Winter of Fairbanks" mitmachte und Filme mit Douglas Fairbanks Jr. anschaute, erinnerte ich mich, daß ich jetzt schon so lang die Filme seines Dads sehen wollte.
Sein "Dieb von Bagdad" war der, mit dem mein Projekt anfing, und wenn ihr überhaupt mal meine Posts anschaut, habt ihr vielleicht bemerkt, daß ich eine Schwäche für ihn habe.

"Girl, du wärst in den 20ern sowas von verrückt
nach mir gewesen. Komm, gib's schon zu." "Ja, das
 wäre ich. Vor allem, wenn du gelacht hast, du Schlingel.
Auch wenn dein Sohn viel besser ausgesehen hat."

Nun, da habt ihr es. So kam ich dazu, euch jede Woche mit einem Stummfilmpost zu langweilen.
Ich bereue nichts. Es gibt mehr von uns da draußen, als ihr vielleicht glauben mögt 
🙃

Samstag, 10. Januar 2026

10 am 10. - Dinge, die ich dieses Jahr nicht tun werde


Die 10 am 10. sind zurück!
Als ich aber Marshas Vorgabe las, war mein erster Gedanke, daß sich das als schwierig für mich erweisen konnte. Laßt mich erklären warum.
Ich könnte zum Beispiel Dinge aufführen wie "Ich werde nicht so viele Kohlehydrate essen wie letztes Jahr." Hört sich wie ein Vorsatz an, nicht wahr? Vorsätze können auf beide Arten formuliert werden, "Ich möchte weniger kaufen ...." oder "Ich will nicht soviel kaufen ..." Ich mache keine Vorsätze, also fällt so etwas raus.
Versuchen wir etwas anderes. "Ich werde dieses Jahr wahrscheinlich kein Museum besuchen." Hm. "Ich werde dieses Jahr wahrscheinlich keinen Kurs belegen, bei dem ich persönlich anwesend sein muß." So werde ich entweder mich selber deprimieren, wenn ich Dinge aufzähle, die ich gern tun würde, aber nicht mehr kann, oder ich werde unglaublich negativ, jammernd und nervig klingen.

Was sind also meine Optionen?
Auf meinen Kommentar antwortete Marsha "Viel Spaß mit all den wilden und seltsamen Dingen, die du nicht tun wirst." Aha, Marsha, eine Herausforderung, ja?

Dieses Jahr werde ich wahrscheinlich nicht ...

1. ... an einer Winterexpedition teilnehmen.

Bild über pxhere
 
Ja. Nein. Kann nicht euer Ernst sein, Leute, schaut euch das an. Habt ihr "Goldrausch" nicht gesehen? Schuhe, ich sag' nur Schuhe!
Aber im Ernst. Ich mag echt keinen Schnee und könnte komplett ohne leben.

2. ... Tiefseetauchen gehen.

Bild über pxhere

Wißt ihr, was diese Helme euren Haaren antun? 😜
Ich liebe Dokumentationen über den Ozean, aber immer wenn ich an einem Strand war und die Weite des Ozeans gesehen habe, fühlte ich mich seltsam überwältigt. Es war wahrscheinlich zuviel, es als Thalassophobie zu bezeichnen, aber ich bin nie mehr als knöcheltief ins Meer gegangen.

3. ... den Mount Everest besteigen.

Keine der Translation-Apps hat Yeti auf ihrer Liste und welchen anderen Grund sollte ich haben, überhaupt da raufzuklettern?
Ok, derzeit habe ich Probleme mit einem einfachen Hügel, aber ich habe auch nicht das Gen, das den Wunsch nach großen Abenteuern in meinem Leben erzeugt. Kleine Abenteuer sind für mich okay.

4. ... "Ulysses" von James Joyce lesen.

Könnt ihr es fassen, daß ein Familienmitglied mal vorgeschlagen hat, daß wir zusammen "Ulysses" lesen und diskutieren?
Falls ihr es gelesen habt, gut für euch, aber meine zehn Gehirnzellen gründeten eine Gewerkschaft und drohten mit Kündigung. Das geht nicht.
Es gibt Dinge, die ich nicht gemacht haben muß, um mich zu beweisen. Mich durch "Ulysses" zu quälen ist eins davon.

5. ... auf einen Rave gehen.

Bild über pxhere

Ich kann dieses Bild hören und fühlen und beides ist nicht gut für mich.
Natürlich war ich jung nicht mal ein Fan von Diskos. Merkt ihr, daß ich nie eine Tänzerin war? 
😂
Ich habe einen Tanzkurs geschafft (weil alle hingingen, aber es hat mir keinen Spaß gemacht), aber obwohl ich mich gern zu einem Rhythmus bewege und gelegentlich mit ein paar meiner Katzen getanzt habe, habe ich es vorgezogen, das in der Privatsphäre meines eigenen Zuhauses oder von einem Stuhl aus zu tun.

6. ... Schnecken essen.

Eine Freundin, die mit Polymer Clay
gearbeitet hat, hat diese kleine
Schönheit für mich gemacht.

Zu dumm, daß ich Vegetarierin bin, was?
Selbst davor war ich aber nie abenteuerlustig beim Essen. Ich hätte keine Lust darauf, Ameisen in Schokolade oder Mehlwürmer zu probieren. Wie ist das mit euch?
Ich habe allerdings einmal die Vitaminpellets meiner Kaninchen probiert, um herauszufinden, warum sie SO verrückt danach waren. Irgendwie trocken. Ich schätze, man mußte ein Kaninchen sein, um das zu mögen.

7. ... meine Katzen behalten, sondern stattdessen ein paar Hunde in Pflege nehmen.

"Könnte sie bitte jemand dazu bringen,
mit dem Reden aufzuhören? Kann
sie noch peinlicher werden?"

Ok, das habt ihr mir nicht abgenommen, oder? Meine Katzen auch nicht.
Ich liebe Hunde wirklich, aber ich würde eine schreckliche Mom für sie abgeben, weil ich berüchtigt für meine Unfähigkeit bin, Grenzen zu setzen, also würde ich wahrscheinlich entweder in der ersten Woche gefressen oder auf die Straße hinausgezerrt.
Ich habe Freunden einmal gesagt, daß ich ihre zwei kleineren Hunde gern ein paar Stunden lang in ihrem eigenen Zuhause babysitten würde, aber daß ich beim Spazierengehen mit ihnen die Grenze ziehen müßte.

8. ... wieder damit anfangen, Geige zu spielen.


Keiner, absolut keiner, würde das wollen. Es ist einfach zu lang her.
Ich habe ungefähr fünfeinhalb Jahre lang Geige gespielt, bis ich 16 war. Ich war nicht schlecht, aber ich glaube, ich war auch nicht gut. Ich war nicht wirklich mit dem Herzen dabei und die Geige war nicht meine eigene Wahl gewesen (lange Geschichte).
Ich habe es nochmal in meinen 20ern versucht, aber wie zu erwarten war meine Motivation da noch geringer.

9. ... keine Drei-Sterne-Köchin werden.

Bild über pxhere

Mehr in der Richtung -10. Ich habe einfach keinen Spaß am Kochen oder Backen und liebe jeden von Herzen, der es für mich tut.
Es gab eine ziemlich kurze Phase, als der Ex und ich zusammenzogen und es einem so schien, daß Kochen da einfach dazugehörte. Ich habe damals sogar Sachen ausprobiert.
Ich würde meinen Mangel an Motivation echt gern auf den Ex und seine Liebe für das Essen seiner Mutter schieben, an das ich nie rankam (ich mochte es auch), aber das wäre einfach nicht wahr. Ich koche einfach nicht gern, egal wie sich Rezepte für mich anhören.

10. ... den großen deutschen Roman schreiben.

Bild über pxhere
(ein Rezept, kein Roman, mir gefiel nur das Bild)

Vielleicht nächstes Jahr ... 
😉
Ich hatte nie den Ehrgeiz, ein Buch zu schreiben, und ich bin mir ziemlich sicher, daß mir dafür die Geduld fehlen würde. Ich habe mir auf Heimwegen Geschichten ausgedacht, um sie weniger langweilig zu machen, zum Beispiel nach der Geigenstunde, wenn ich den Bus verpaßt hatte, aber nie welche davon aufgeschrieben.

Das war jetzt mal richtig willkürlich und komplett ungeplant, aber am Ende habt ihr doch ein bißchen über mich erfahren. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr das wolltet, aber da habt ihr's nun.
Es ist praktisch ein Wunder, daß ich es bis 10 geschafft habe!

Freitag, 9. Januar 2026

Weekend Traffic Jam Reboot - Woche 138

 Willkommen beim Weekend Traffic Jam Reboot!
Meine Posts für den Linkup gehen freitags um 3.30 morgens live (das ist dem Zeitunterschied zu den USA geschuldet).


Ich kann nicht glauben, daß mein langer Winterurlaub fast vorbei ist. Nächste Woche geht es zurück an die Arbeit und meine Motivation is recht niedrig. Ich würde lieber noch etwas länger im Winterschlaf bleiben ...

Bild von Sandra Seitamaa auf Unsplash



Also, wie steht's mit euch? Seid ihr bereit für das Wochenende?

Als Teil des Reboots werden wir jede Woche einen anderen Blog vorstellen.
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Diese Woche fällt unser Spotlight auf Melody Jacob.


Melody schreibt "Mein Name ist Melody Jacob und ich bin eine Reise- und Lifestylebloggerin in Schottland, Vereinigtes Königreich. ... Ich mache mindestens ein bis zwei Mal in der Woche Ausflüge zu Naturschutzgebieten, Schlössern, Wandergebieten, Touristenattraktionen und anderen Orten, die mein Interesse erwecken.
Ich bin gern in der Natur, weil das Balsam für die Seele ist. Ich sehe außerdem gern gut aus, deshalb teile ich meine Stylingvorliebenb auf dem Blog. Ich teile auch Tips zu geistiger Gesundheit und ich entdecke immer mehr praktische Ansätze auf meinen Reisen und durch meine täglichen Erkundungen."


Marsha von Marsha in the Middle hat 2021 als Training mit dem Bloggen angefangen, um ihre Neuroplastizität zu erhöhen. Ach, wem machen wir was vor? Marsha hat mit dem Bloggen angefangen, weil sie Kleidung liebt, und sie redet oder in diesem Fall schreibt einfach gern!

Melynda von Scratch Made Food! & DIY Homemade Household - Der Name sagt schon alles, wir haben uns im Osten von Texas angesiedelt, wobei sich drei Generationen das Land teilen. Ich koche und backe alles selber, wenn ich nicht gerade gärtnere oder den Hühnern nachlaufe, und stricke!

Lisa von Boondock Ramblings erzählt von den Büchern, die sie schreibt und liest, ihrem Glauben, Home-Schooling, Fotografie und mehr.

Cat von
 Cat's Wire hat, was sie ein Springspinnengehirn nennt. Sie hat viele Interessen und bloggt über das, was immer gerade ihre Aufmerksamkeit erregt - Handarbeiten, Bücher, alte Filme, Sammelwertes oder "einfach nur so".

Rena von Fine Whatever Blog schreibt über Stil, Leben im mittleren Alter und die "gut, was auch immer" Momente, die dem Leben Sinn und Spaß geben. Seit 2015 feiert sie Kreativität, Selbstvertrauen und die Freude am Alltag.


Hier ist meine Auswahl von ein paar Posts aus dem Linkup der letzten Woche (englischsprachig).

Nancys vegane Minestrone sieht so gut aus!

Wir haben hier keine Kardinäle, daher sehe ich immer gern Bilder, die von anderen geteilt werden, wie hier von Linda.

Wendy teilt mit uns ein Rezept für Vollkornmuffins, die entweder nach Kürbis, Apfel oder Bananenbrot schmecken können.


Macht mit beim Linkup!

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Bitte verlinkt nur Blogposts, die ihr selber geschrieben habt. Bitte verlinkt direkt zur URL eures Blogposts und nicht der Homepage eures Blogs.
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Bitte besucht auch andere Blogs und laßt einen Kommentar da.

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Donnerstag, 8. Januar 2026

Stummfilme - Goldrausch

Wir haben hier gerade nicht ganz so extremes Wetter, aber es ist immer noch Winter und Jahresanfang, also habe ich euch heute einen Film mitgebracht, der im Schnee des Klondike spielt und eine berühmte Neujahrsdinnerszene hat. Es ist natürlich Charlie Chaplins Goldrausch von 1925. Oder 1942? Schauen wir mal.


Tatsächlich habe ich für diesen Post zwei Versionen angeschaut, die ich beide noch nicht kannte.
Das Original von 1925 ist länger und stumm mit Zwischentiteln, der Neuschnitt von 1942 weist einige Änderungen auf und statt Zwischentiteln gibt es hier eine Musikuntermalung und einen Erzählungstext, der von Chaplin selber gesprochen wird.

Wie gewöhnlich fange ich mit der Handlung (und Spoilern) an.

Zusammen mit hunderten anderen macht sich der Lone Prospector (der einsame Goldsucher) auf den Weg zum Klondike, um Gold zu finden.


Von einem Schneesturm überrascht landet er in der Hütte von Black Larsen, einem gesuchten Verbrecher, und bald kommt auch noch Big Jim dazu, ein weiterer Goldsucher, der gerade erst einen großen Goldfund gemacht hat. Larsen versucht vergeblich, sie loszuwerden.


Als ihnen das Essen ausgeht und sie Karten darum ziehen, wer im Schneesturm hinaus muß, um welches zu besorgen, verliert Black Larsen. Dort draußen stößt er auf das Zelt von zwei Polizisten, die nach ihm suchen, und tötet sie.
Inzwischen werden der kleine Kerl und Big Jim verrückt vor Hunger. Sie essen einen der Schuhe des kleinen Kerls, aber Big Jim bekommt Halluzinationen und denkt, sein Freund ist ein Huhn. Gerade rechtzeitig marschiert ein Bär herein und sie haben genug zu essen.

Lakritze und Bonbons, nur falls
ihr euch das auch gefragt habt 😉

Als der Blizzard vorüber ist, trennen sich ihre Wege. Der kleine Kerl macht sich in die nächste Goldgräberstadt auf, Big Jim geht zu seinem Claim. Dort wartet jedoch Black Larsen. Er schlägt Jim mit einer Schaufel nieder und macht sich mit einem Teil des Goldes davon, kommt dann aber in einer Lawine zu Tode.

Im Tanzsaal der Stadt verliebt sich der kleine Kerl in Georgia. Um Jack zu ärgern, der ihr aggressive Avancen macht, bittet George den kleinen Kerl um einen Tanz.


Als sie sich bei einer Hütte wiedertreffen, auf die er für den Besitzer aufpaßt, flirtet Georgia mit dem kleinen Kerl und lädt sich und ihre Freunde dann zum Dinner am Silvesterabend bei ihm ein.


Der kleine Kerl räumt Schnee, um Geld für das Essen zu verdienen. Er schmückt alles hübsch und schläft beim Warten auf die Damen ein, wobei er von dem Spaß und Gelächter träumt, als er seinen Brötchentanz für sie vorführt.


Als er aber ganz allein aufwacht, geht er zum Tanzsaal, wo alle feiern. Enttäuscht geht er im Schnee spazieren, als George also mit Jack zur Hütte kommt, nachdem sie sich an die Einladung erinnert hat, ist er nicht da.

Inzwischen hat Big Jim es zur Stadt geschafft. Leider erinnert er sich nicht an den Standort seines Goldbergs, nachdem ihn Black Larsen mit der Schaufel geschlagen hat. Als er also den kleinen Kerl im Tanzsaal sieht, zerrt er ihn mit sich, damit er ihm hilft.
Sie finden die Hütte, aber während der Nacht rutscht diese in einem weiteren Schneesturm den Hügel hinunter und nachdem die Hälfte davon über eine Klippe ragt, schaukelt sie gefährlich hin und her.


Sie schaffen es gerade noch nach draußen, bevor die Hütte in die Tiefe stürzt.


Wie es aber das Glück will, ist Jims Goldlagerstätte genau an dieser Stelle, wodurch sie beide zu Millionären werden.
Als sie ein Schiff nach Hause nehmen, bitten Reporter den kleinen Kerl um ein Bild in seinen alten Goldgräberklamotten. Der Fotograf sagt ihm, er solle einen Schritt zurücktreten, dabei fällt er die Treppe hinunter und landet genau neben Georgia, die ebenfalls auf dem Weg zurück ist und ziemlich desillusioniert aussieht. Sie glaubt, er sei ein blinder Passagier und versucht ihn zu verstecken. Ihre Überraschung und Freude ist groß, als der Kapitän nicht nur erklärt, daß er in Wirklichkeit ein Multimillionär ist, sondern der kleine Kerl sie dem Reporter außerdem als seine Braut vorstellt.


Kommen wir jetzt erstmal zu den Unterschieden in der Handlung.

Im Original von 1925 weist Georgia Jacks Kuß zurück, nachdem sie die Hütte leer, aber geschmückt vorgefunden haben, später aber schreibt sie ihm einen Brief, in dem sie sich entschuldigt und ihm sagt, daß sie ihn liebt. Jack zeigt den Brief den anderen an seinem Tisch und lacht darüber, dann läßt er den Brief dem kleinen Kerl bringen, nur um Georgia zu ärgern. Als also der kleine Kerl Georgia sagt, daß er ihre Nachricht bekommen hat, ihre Hand küßt und ihr verspricht, es zu etwas zu bringen, bevor er von Big Jim weggezerrt wird, ist sie deutlich verwirrt, was hier geschieht. Erst als sie sich auf dem Schiff um ihn sorgt, weil sie denkt, daß er in Eisen gelegt wird, kann man erkennen, daß sie tatsächlich Gefühle für ihn hat.

In der Version von 1942 geht die Nachricht jedoch direkt an den kleinen Kerl und darin steht nur, daß sie sich entschuldigen und eine Erklärung wegen Silvester abgeben möchte, und eine Beziehung zwischen Jack und ihr wird überhaupt nicht erwähnt.

Der Schluß ist ebenfalls etwas unterschiedlich, im Original sieht man den kleinen Kerl und Georgia in einem langen Kuß, im Neuschnitt gehen sie nur Arm in Arm die Treppe hinauf.

Ich finde, die erste Version sorgt für etwas mehr Drama und die Nachricht scheint dem kleinen Kerl die Motivation zur Goldsuche zu geben, um sich Georgias würdig zu erweisen.
Die Notiz im Neuschnitt ist ziemlich lauwarm und sagt nicht wirklich soviel über Georgias Gefühle ihm gegenüber aus, also läßt das seine Reaktion darauf recht übertrieben aussehen.

Um ehrlich zu sein, hadere ich sowieso etwas mit der Liebesgeschichte in diesem Film. Jack ist ein Bully und ich verstehe nicht, warum Georgia plötzlich ihre Meinung über ihn ändert (in der ersten Version) und dann ihre Meinung nochmal ändert, diesmal in Bezug auf den kleinen Kerl. Wenigstens ist sie nicht hinter seinem Geld her, als sie ihm auf dem Schiff zu helfen versucht, aber weiß sie eigentlich, was sie will?
Andererseits macht mich ein Happy End auch glücklich und hier bekommt Chaplins Kleiner Tramp mal ein richtig glückliches, seine Lady und obendrauf noch einen Haufen Geld.

"Goldrausch" war Chaplins persönlicher Favorit und ein Erfolg bei den Kritikern und finanziell. Er wurde von Bildern des Klondike-Goldrauschs und einem Buch über die Donner-Party inspiriert. 
Nun mögt ihr euch fragen, was um Himmels willen an diesen beiden historischen Ereignissen lustig sein könnte, aber Chaplin gelang es immer, Humor in der Tragödie zu finden.
Der Film bescherte mir jedoch keine Lachanfälle, weil ich immer die Tragödie um die Ecke spürte.
Nehmen wir zum Beispiel das Thanksgiving-Essen mit dem Schuh. Ich mochte die Art, wie der kleine Kerl die Präsentation des "Mahls" zelebrierte, aber daran zu denken, daß das von echten Ereignissen inspiriert war, war auch gruselig.



Ich konnte außerdem den Gedanken nicht loswerden, wie kalt es für diese Tanzmädchen in ihren schönen, aber recht dünn aussehenden Kleidern gewesen sein muß, und den kleinen Kerl in seinen üblichen Klamotten durch den Schnee marschieren zu sehen war witzig, ließ mich aber auch erschauern (vielleicht erinnert ihr euch, daß ich auch über Heizung nachdachte, als ich das riesige Schloß in Doug Fairbanks' Robin Hood sah 😂). Ich hasse Schnee einfach (außer auf Bildern von wunderschönen Winterlandschaften).
Natürlich war mir klar, daß das Studioszenen waren, aber ich denke, das spricht doch für Chaplins Talent, das Gefühl eines harten Klondike-Winters heraufzubeschwören.
Es gab auch ein paar tolle Effekte wie zum Beispiel die schaukelnde Hütte oder Black Larsens Todesszene.

Es ist wirklich nicht überraschend, daß der Film so großes Lob erhalten hat und immer noch erhält.
Natürlich sind die Leute aber geteilter Meinung über die zwei Versionen. Müßte ich wählen, würde ich die Version von 1925 nehmen, aber mit der Musik von 1942. Die Erzählung an sich stört mich nicht, aber ich finde, Chaplin hat es mit dem Pathos etwas übertrieben und er hätte weniger erzählen können (vielleicht gewöhne ich mich wirklich an Titelkarten?).

Warum gibt es überhaupt einen Umschnitt?
Chaplin wollte den Fim wiederbeleben - wie erwähnt war er sein Favorit - wußte abeer, daß er, nachdem es jetzt seit mehr als einem Jahrzehnt Tonfilme gab, nicht einfach die alte Version zeigen konnte, so wie sie war. Also änderte er und stellt um und modernisierte und fügte Musik und Erzählung hinzu.
Die Version von 1925 war in den USA in die Public Domain übergegangen, weil das Copyright nicht erneuert worden war, aber letztendlich wanderte sie dann in den Müll. Erst 1993 wurden die Filmhistoriker Kevin Brownlow und David Gill von den Chaplin-Erben beauftragt, sie aus verfügbaren Quellen zu rekonstruieren und restaurieren.

Für Leute, die vor völlig stummen Filmen zurückschrecken, ist der Umschnitt aber eine gute Wahl, denke ich. Ich weiß, daß ich selber viel zu lang damit gewartet habe, aber ich glaube, daß "Goldrausch" es wert ist, von jedem gesehen zu werden, der irgendwie an klassischen Filmen interessiert ist.

P.S. Ich ziehe einen Punkt dafür ab, daß ein Hund gezeigt wurde, der plötzlich verschwunden ist. Das ist für mich zuviel der Tragödie.



Quellen (englischsprachig):

1. Fritzi Kramer: The Gold Rush (1925) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 5. Juli 2015
2. Jeffrey Vance: The Gold Rush. Auf: San Francisco Silent Film Festival, präsentiert beim Event "Little Tramp at 100" Januar 2014


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Montag, 5. Januar 2026

Wie lest ihr eure Bücher?

Es scheint eine endlose Diskussion zu sein.
Was heißt es, "ein Buch zu lesen"? Gilt es überhaupt als Lesen, wenn man ein Hörbuch anhört? Kann ein E-Book einem dasselbe Gefühl vermitteln, wie wenn man ein "echtes" Buch liest? Warum erwähnen Leute, die gedruckte Bücher mögen, so oft den Geruch? Und so weiter ...

Zunächst mal möchte ich sagen, daß es in diesem Post nur um meine eigenen Erfahrungen geht. Ihr macht euer Ding, ich mache meins, wir können darüber sprechen, ohne ein Urteil über einander abzugeben, richtig?

Die Inspiration für den Post war "The Case of the Silken Petticoat" von Christopher Bush.

Hat jemand einen Stift ausprobiert?
Oder war es ein Kind (ich bin
dessen schuldig, als kleines Kind
in zwei Bücher hineingemalt zu
haben, und ich kann euch sagen,
ich war kein Wunderkind, was
das entschuldigen könnte).

Ihr wißt vielleicht oder auch nicht, daß ich Bibliothekarin in der Benutzungsabteilung einer Universitätsbibliothek bin. Ich habe Bücher mit mehr Randnotizen als Originaltext gesehen, Bücher voller Farbe (dank Markierungen und Unterstreichungen), massenhaft Eselsohren, Kaffee- und andere Flecken, zerrissene Seiten, aber am schlimmsten war wahrscheinlich das Säureopfer (wir haben eine Chemiefakultät).
Obwohl ich nie verstehen werde, warum Leute so etwas mit Büchern machen, die ihnen nicht gehören, kann ich nachvollziehen, wenn Leute mit ihren Büchern arbeiten wollen, Notizen hineinkritzeln oder Passagen markieren, die für sie wichtig sind - ich habe Notizen in meinen eigenen Exemplaren von Büchern gemacht, an denen wir in der Schule gearbeitet haben - und Flecken oder Stockflecken schockieren mich nicht mehr so einfach, es sei denn, sie wären echt eklig oder stinken.



Ich liebe gedruckte Bücher. Ich liebe es, unterschiedliche Papierarten zu fühlen. Ich liebe alte Bücher und hätte ich dabei eine bessere Erfahrung im ersten Jahr meiner Ausbildung als Bibliothekarin gemacht - was weder die Schuld meines Lehrers noch meine eigene war - hätte ich mich vielleicht gern am Buchbinden versucht.
Ich liebe marmoriertes Papier, Goldschnitte und geprägte Buchumschläge, manchmal mit wunderschönen Mustern. Ich liebe die Einzigartigkeit eines Buches und ich kann mich für alte Zeitschriften begeistern, selbst wenn es darin um Physik oder Chemie geht.
Und ja, ich gehöre zu denen, die den leicht muffigen Geruch von alten Büchern lieben, bin aber kein Fan von aktivem Schimmel, das wäre auch seltsam.
Mir fehlt immer noch unser altes Antiquariat. Es gibt den Laden noch, aber auf größerem Raum. Der alte mit seinen engen Gängen würde heute wahrscheinlich als feuergefährlich betrachtet, aber für mich war er wie ein schönes Bücherlabyrinth.

Im Laufe der Jahre haben mich Leute oft davon zu überzeugen versucht, Hörbücher anzuhören oder digital zu lesen. Einer davon war der Ex, der seine Hörbücher liebte, ich aber ließ mich viel zu leicht ablenken (oder bin sogar eingeschlafen, das zähle ich aber nicht als Kontra, weil ich mir schon mehr als einmal beim Einschlafen gedruckte Bücher oder mein Tablet aufs Gesicht geworfen habe), und schließlich gab er auf.
Eine Freundin erzählte mir immer wieder, daß sie Hunderte von Büchern auf ihrem Bookreader mit in den Urlaub nehmen konnte, aber ich habe nie verstanden, was dabei der Vorteil sein sollte, wenn ich doch ein oder zwei Bücher mitnehmen konnte und dann die perfekte Entschuldigung dafür hatte, während meines Urlaubs in einen Buchladen zu gehen.

Warum also lese ich jetzt viel mehr Bücher in elektronischer Form? Dafür gibt es mehrere Gründe.
Ich habe Bücher verkauft (das ist mir den Aufwand nicht wirklich wert), Bücher an Leseprojekte gespendet und jetzt bringe ich Bücher zu unserem öffentlichen Bücherschrank, aber in meiner Bibliothek sind noch so viele mehr.
Es mag eine Sache des Alters sein, daß ich nicht dem nicht aus einer Laune heraus so viele mehr hinzufügen möchte, sondern nur die, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, daß ich sie aus dem einen oder anderen Grund behalten wollen werde.

Meine Lösung war es natürlich, mir einen Bibliotheksausweis zu besorgen, den ich jahrelang nicht hatte, weil ich es vorzog, meine Bücher zu besitzen.
Wie schon zuvor erwähnt komme ich aber nicht mehr soviel aus dem Haus, und obwohl es peinlich ist, das zuzugeben, war ich sowieso nicht immer so gut darin, Bücher rechtzeitig zurückzubringen.
Statt also gedruckte Bücher auszuleihen, hänge ich meistens auf OverDrive herum.

Und dann ist da noch
 The Internet Archive, wo ich letztes Jahr so einige Bücher gelesen habe, darunter das Buch von Bush.

Mein früherer Chef wäre
hierüber total ausgeflippt.
Ich kann ihn immer noch
hören "NIEMALS gewöhnliches
Klebeband auf zerrissenen
Seiten verwenden!!" Als ob wir
das jemals gewagt hätten.

Ich hatte schon vorher bemerkt, daß es sich für mich unterschiedlich anfühlte, ob ich ein Buch auf The Internet Archive oder auf OverDrive las, aber ich versuchte nicht, das zu analysieren.
Dieses Buch ist bis jetzt das, das am schlimmsten aussah, und seltsamerweise war es das, was mir klarmachte, daß ich, wenn ich Bücher schon digital lesen mußte, digitalisierte Bücher den echten E-Books vorzog.
Wahrscheinlich hat das damit zu tun, daß ich in mancher Hinsicht so altmodisch bin. Ich sagte oben schon, daß ich die Einzigartigkeit von Büchern liebe. 
Vielleicht erinnert ihr euch ja an den Post über die Rose zwischen den Seiten eines Buchs? Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich über die Geschichte dieses bestimmten Exemplars nachdenke. Warum die Rose? Warum die Kritzelei?
Echte E-Books geben mir ein solches Gefühl nicht, auch wenn ich die Schriftart, den Zeilenabstand oder was auch immer ändere. Barrierefreiheit, schnelle und einfache Worterklärungen, visuelle Anpassungen, ich verstehe die Vorteile. Vielleicht komme ich eines Tages auch nicht mehr ohne sie zurecht und werde darüber glücklich sein, sie zu haben, aber der Tag ist noch nicht gekommen.

Eine Freundin hat gesagt: "Ich lese ausschließlich digital. Das hat wirklich angefangen, als ich es einfacher fand, mich auf die Worte zu konzentrieren, als in einem Buch." Für mich ist es genau umgekehrt. Digitalisierte Bücher geben mir wenigstens ein bißchen das Gefühl von gedruckten, was es für mich einfacher macht, mich zu konzentrieren. Und nochmal - beides ist in Ordnung und es ist toll, wenn wir beide das bekommen, was wir brauchen, um unsere Lektüre zu genießen!


Manchmal vermisse ich es,
bei der Arbeit keine Bücher
mehr stempeln zu müssen 🙃

Übrigens macht es für mich sogar einen Unterschied, auf welchem Gerät ich lese. Ich habe mir erst vor ein paar Monaten ein Tablet besorgt und ich benutze es (noch?) nicht sehr oft.
Es ist wegen meines wackligen Daumens oft einfacher für mich, das Laptop zu benutzen, wenn ich auf meinem Bett liege - wo ich heutzutage am liebsten lese, ich habe keine Couch -, als daß ich das Tablet halte.
Natürlich macht das Tablet mehr Sinn, wenn bereits eine undurchsichtige Katze längere Zeit auf meiner Brust sitzt oder liegt (Gundel macht das jetzt fast jeden Tag und ihr ist egal, wie bequem das für mich ist oder nicht, was in Ordnung ist, denn ich bin ja hier, um meinen Katzen zu dienen, sagen ihre Blicke 
😂).

Dieser Tage lese ich übrigens gewöhnlich drei Bücher nebeneinander her, ein gedrucktes Buch (für mich immer noch das Beste), ein E-Book und ein Buch, das ich den Katzen vorlese, das kann gedruckt oder elektronisch sein.
So kann ich immer aussuchen, was in dem Moment am besten für mich paßt.

Also - was ist eure persönliche Leseerfahrung und warum?