Freitag, 13. Juni 2025

Alles Gute zum Geburtstag! oder Freitag, der 13.

Alles Gute zu meinem Geburtstag! Oder nicht?
Ich mache das normalerweise nicht, mich selber beglückwünschen, meine ich, aber ich erreiche bald die große 60 und das schien mir eine gute Gelegenheit zu sein, rechtzeitig etwas für mich selbst zu machen.
Es ist kein Orden dafür, daß ich es bis dahin geschafft habe ... obwohl ich vor Jahren mal einen "Orden" für eine Kollegin zu ihrem 40jährigen Arbeitsjubiläum gemacht habe (da bin ich selber schon ziemlich nah dran, ugh). Nur als Scherz natürlich, sie bekam auch etwas Schönes.


Nein, natürlich wollte ich etwas Schönes und etwas, das meinen Namen schrie.
Es gab etwas, da ich schon seit Jahren geplant hatte, aber ich wußte nicht, ob meine Finger mitmachen würden. Drahtwickeln ist so schwierig für mich geworden, aber ich wollte das wirklich.

Ich hatte bis hier geschrieben und dann ist heute das hier passiert.

Nach mehreren Tagen mit einer Menge Pausen - und einer Menge Gejammer - war das Stück bereit für das Oxidieren. Ich brachte es in die Küche und dann war da dieses Geräusch. Der Lampworkhai, den ich mit dem Oktopus verwenden wollte, war in den Tentakeln verfangen - die Ironie, denn das war ja der Plan gewesen - ohne daß ich es bemerkte (beides meine eigene Schuld) und er war auf den Boden gefallen.

Hätte das nicht drei Schritte vorher im Flur mit dem PVC-Boden passieren können, wo der Hai eine bessere Chance gehabt hätte?
Aber das tat es nicht. Ich klebte die zwei Stücke, die ich finden konnte, an, so gut ich eben konnte, aber ein Stückchen fehlt. Es brach mir das Herz, weil ich einen solchen Hai nicht mehr bekommen kann.


Ich hatte diesen Hai seit Jahren für mich selber aufgehoben.
Er wird nicht weggeworfen, aber ich weiß nicht, ob ich etwas damit machen kann. Mit dem Oktopus kann ich ihn keinesfalls verwenden. Ich weiß nicht mal, ob ich den jetzt noch fertigmachen möchte und hatte auch keine Lust, ein Bild vom Oktopus-WIP oder dem zerbrochenen Hai zu machen 
😭

Ich mußte einfach nur Luft ablassen. 

Donnerstag, 12. Juni 2025

Stummfilme - Mel Brooks letzte Verrücktheit - Silent Movie

Meine Schwester weiß mehr über Filme als ich, also habe ich sie kürzlich gefragt, ob es einen Stummfilm - "silent movie" - gibt, den ich ihrer Meinung nach besprechen sollte.
Sie sagte "Silent Movie".


Oh.
Daran hätte ich selber wirklich nicht gedacht, was ziemlich witzig bei einem Film ist, dessen Titel buchstäblich das ist, wonach ich suche.
Die Parodien von Mel Brooks mögen nicht jedermanns Geschmack sein - ich habe nicht alle gesehen, habe aber auf jeden Fall meine Favoriten (ganz obenan Frankenstein Junior), während es andere gibt, ohne die ich leben könnte - aber albern war genau das, was ich gerade brauchte.

Hier ist die Handlung (mit Spoilern).

Mel Funn, der einmal ein großer Regisseur war, bevor er mit dem Trinken anfing, ist bereit für ein Comeback. Er und seine Kumpel, Marty Eggs und Dom Bell, haben vor, den ersten Stummfilm seit 40 Jahren zu machen.
Als der Chef der Big Picture Studios die Idee ablehnt, überzeugt Funn ihn mit der Aussage, daß er die größten Stars dazu bringen wird mitzumachen. Das könnte das Studio davor bewahren, vom Konglomerat Engulf & Devour (Verschlingen & Auffressen) übernommen zu werden.
Funn, Eggs und Bell machen sich auf, Stars zu rekrutieren. Während sie das tun, erstaunlicherweise mit Erfolg, geschieht ihnen so manches Mißgeschick, Gelegenheit für massenhaft Slapstick, inklusive Bells Kampf mit einem dosenschleudernden Sodaverkaufsautomat.
Um sie davon abzuhalten, den Film zu drehen und das Studio zu retten, bezahlen Engulf & Devour die Nachtclubsängerin und -tänzerin Vilma dafür, Funn zu verführen, und dieser verliebt sich in sie. Als Eggs und Bell das herausfinden und ihm sagen, wird er mit einer riesigen Flasche Alkohol wieder zum Trinker. Vilma hat jedoch das Geld abgelehnt, weil sie sich auch in ihn verliebt hat, und sie hilft dabei, Funn zu finden und ihn mit Kaffee abzufüllen, damit er den Film doch noch drehen kann.
Am Premierentag stehlen Engulf & Devour die einzige Kopie, aber die Freunde können sie gerade noch vor dem Verbrennen retten, während Vilma das Publikum unterhält. Während der Verfolgungsjagd zurück zum Kino verteidigen sich sich, indem sie Sodadosen auf die angreifenden Manager abfeuern.
Der Film ist ein großer Erfolg und wird vom Publikum frenetisch gefeiert.

Wenn man über "Silent Movie" spricht, muß man bedenken, daß der Film fast 50 Jahre alt ist.
Manche der Witze sind nicht gut gealtert und würden heute in einem Remake vielleicht nicht mehr auftauchen.

Andererseits ist dies absolut ein Mel-Brooks-Film, komplett mit visuellen Gags, ba-dum-tsss Witzen, Witzen unter der Gürtellinie und der Parodie von Dingen, die ich vielleicht nicht immer verstehe, vor allem wenn sie sich auf die damalige Filmindustrie beziehen.
Ich wußte zum Beispiel nicht, daß sich Engulf & Devour auf ein echtes Konglomerat bezog, das zu dieser Zeit Unterhaltungsfirmen aufkaufte.

Es gibt auch ein paar Slapstickeinlagen, die witziger gewesen wären, wenn man sie nicht so in die Länge gezogen hätte, wie das eine Mal, als sie Rüstungen anziehen, um an Liza Minnelli heranzukommen und die ganze Zeit umfallen.
Und dann gibt es noch Szenen, die sich vor den alten Stummfilmen und ihrer Art von Humor verneigen und sehr lustig sind, jetzt, da ich ein Gefühl dafür habe, vielleicht sogar noch mehr.
Für mich waren Musik und Soundeffekte manchmal etwas viel, aber in anderen Szenen funktionierten sie wirklich gut.

Natürlich dürfen wir auch nicht die Stars vergessen, die sich selber im Film parodieren
, Burt Reynolds, Paul Newman, Liza Minnelli, Anne Bancroft, Marcel Marceau, und James Caan.

Alles in allem ist macht es Spaß und ist einfach, den Film anzuschauen, ich war weder gelangweilt noch kam ich in Versuchung, zwischendrin abzubrechen.
Man muß allerdings schon Slapstick mögen. Wenn Mel Brooks' Filme nicht euer Ding sind, wird der hier es ganz bestimmt auch nicht sein.

Ich kann diesen Post nicht ohne den größten Spoiler beenden - der Film ist nicht völlig stumm.
Es gibt eine brilliante Szene mit dem weltberühmten Pantomimen Marcel Marceau. Während all die anderen Stars zustimmen, im Film mitzumachen, ist er der eine, der das Angebot ablehnt - mit einem lauten "Non!" 
😆


Quellen (englisch):

1. Roger Ebert: Silent Movie. Auf: RogerEbert.com, January 1, 1976
2. Steve Pulaski: Silent Movie (1976) review. Auf: The Official Steve Pulaski Website, June 14, 2022
3. Fritzi Kramer: Silent Movie (1976) Review. Auf: Movies Silently, October 27, 2013
4. Alex Dueben: Review: Silent Movie. Auf: Alex Dueben, February 1, 2021


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Mittwoch, 11. Juni 2025

Enid Blytons und die "Nicht-Blytons"

Habt ihr jemals Enid Blyton gelesen?
Blyton war eine englische Autorin von Kinderbüchern, die seit den 30ern sehr beliebt sind und weltweit millionenfach verkauft wurden.
Eine Menge deutscher Kinder waren Fans der einen oder anderen Serie von ihr und sind es vielleicht sogar noch als Erwachsene.
Vor einiger Zeit wurde mir auf YouTube ein Video empfohlen, das "These Enid Blyton novels don't exist - but Germans are obsessed with them anyway" hieß (Diese Enid-Blyton-Romane existieren nicht - aber Deutsche sind trotzdem von ihnen besessen), der Kanal heißt "Spinster's Library" (für mich hat der Titel schon etwas von Clickbait, aber das Video war interessant).

Die Kommentarspalte explodierte total mit Kommentaren von einer Menge deutscher Frauen, aber auch Männern über ihre eigenen Erfahrungen mit "Hanni und Nanni", "Die fünf Freunde", "Dolly", im Original "St Clare's", "The Famous Five" und "Malory Towers", aber auch zu anderen Blyton-Serien und sogar anderen Autoren.
Dann gab es noch die, die die Originalserien gelesen hatten und überrascht waren zu hören ... ich greife mir selbst vor. Das Ganze ist etwas verwirrend.

Alle drei erwähnten Serien können uns etwas über Fortsetzungsbücher durch andere Autorinnen und Autoren beibringen und ebenso über Domestication (Einbürgerung) und Foreignization (Verfremdung).
Ich hatte darüber nachgedacht, einen Post nur über Domestication und Foreignization zu schreiben, auch weil das ganz gut zu meinem Post über Synchronisation von vor ein paar Tagen passen würde, schließlich sind Übersetzungen auch ein Teil des Synchronisierens. Es gibt aber unterschiedliche Theorien und Meinungen dazu, und ich bin mir selber nicht mal sicher, ob ich immer dasselbe wählen würd, abhängig davon, was für Literatur es ist.
Also werde ich das nur kurz erwähnen, und wenn ihr an mehr interessiert seid, gibt es am Ende des Posts ein paar Quellen.

Domestication = einen Text so übersetzen, daß er für das Zielpublikum verständlich ist, indem man es an dessen Kultur anpaßt, was im Vergleich zum Original zu Informationsverlust führen kann/wird
Foreignization = den Text so übersetzen, daß er den Originaltext und die Kultur, aus der er stammt, genau abbildet, selbst wenn das ohne weitere Recherchen für das Zielpublikum schwer zu verstehen sein kann

Die Bücher, über die ich sprechen werde, fallen unter die Überschrift "Domestication", was für diese Zeit nicht wirklich überraschend ist (Blyton schrieb sie hauptsächlich in den 40ern und 50ern, in Deutschland wurden sie in den 50ern und 60ern veröffentlicht).
Genau wie beim Synchronisieren stellt sich die Frage, wie weit man mit einer Übersetzung gehen kann. Wie weit will man gehen? Und natürlich die ewige Frage - was bringt wahrscheinlich mehr Geld ... was dann gewöhnlich auch definiert, wer diese Entscheidungen trifft.
Übersetzer haben in der Kommentarspalte des Videos erwähnt, daß oft nicht sie über Änderungen entscheiden, das tun die Herausgeber/Verlage.
Natürlich ist das oft kontrovers, vor allem wenn Kinder das Zielpublikum sind. Wieviel
kann man von jungen Lesern erwarten und wieviel erwartet man tatsächlich?

Ich las "Hanni und Nanni" bei meiner Freundin und hatte selber nur eins der Bücher. Als ich sie las, war ich so zwischen 7 und 10 Jahre alt, und ich kam bis Band 15. Dann kaufte ich Jahre später aus sentimentalen Gründen den Sammelband mit den Bänden 1 bis 19, und da fand ich dann auch heraus, daß Enid Blyton tatsächlich nur sechs Bände der "St Clare's" -Reihe geschrieben hatte.

Illustration für "Hanni und Nanni"
von Nikolaus Moras, der auch andere Blyton-Bücher und andere
Serien für den deutschen Schneider-Verlag illustrierte.
Wie ihr sehen könnt, wurden auch die Illustrationen
an die Erscheinungszeit angepaßt, nicht nur der Text!
Ich mochte die Schuhe, weil sie mich so sehr an eine Art der
Barbie-Schuhe zu dieser Zeit erinnerten.

So wie auch anderen war mir als Kind nicht klar gewesen, daß die Bücher ursprünglich englisch waren - nun ja, jedenfalls die ersten sechs - und anfangs sprachen wir sogar den Namen der Verfasserin fröhlich so aus, als wäre er deutsch. Als Kind, vor allem in den 70ern, akzeptierte man eine Menge Dinge, ohne ständig darüber nachzudenken, auch wenn sich manche davon ein wenig seltsam anhörten.
Ich las viele verschiedene Bücher, zweifellos waren nicht alle davon meinem Alter angemessen, aber das bedeutete damals wahrscheinlich sowieso nicht dasselbe wie heute.

Vielleicht hätte ich also kein Problem damit gehabt, nur englische Namen zu lesen, von Lacrosse zu hören (das erst in den 90ern nach Deutschland kam, ich frage mich, ob ich das überhaupt in unserem Lexikon gefunden hätte) und von Schuluniformen, und vielleicht hätte ich das faszinierend gefunden, aber vielleicht wäre uns Kindern etwas, das wir nicht nachvollziehen konnten, auch langweilig geworden. Wer kann das schon sagen?
Ich erinnere mich, daß ich mich mehr als einmal darüber wunderte, wie andere Kinder einfach so allein wegkonnten, zum Beispiel in einem Pferdewagen 
😂
Ein Teil von mir sehnte sich danach, so etwas Verrücktes zu machen, aber in meinem Herzen wußte ich, daß ich dazu niemals den Mut gehabt hätte - oder die notwendigen Fähigkeiten!

Domestication war ein Punkt im Video, ein anderer war, daß es viel mehr "Hanni and Nanni"-Bücher als Originale gibt.
Das ist allerdings nicht nur ein deutsches Ding.
"Continuation books" sind Fortsetzungen von Büchern oder Buchreihen, die nach dem Tod des Originalautors von jemand anderem geschrieben werden, autorisiert oder nicht.
Manchmal wurden sogar unvollendete Bücher von jemand anderem fertiggeschrieben, durch den Inhaber der Reche autorisiert.
Die englische "St Clare's"-Reihe umfaßt sechs Bücher, die von Enid Blyton geschrieben wurden, und drei "continuation books", die viel später von Pamela Cox geschrieben wurden.

In Deutschland ist die "Hanni und Nanni"-Series so beliebt, daß es im Moment 39 Bücher davon gibt, von denen 1 bis 4, 11 und 13 auf den originalen Blyton-Büchern basieren und 19 und 20 auf zweien der Cox-Bücher. Also haben sie sogar schon damit angefangen, ihre eigenen Geschichten zu erfinden, bevor sie überhaupt alle Originale verwendet hatten.
Wir haben auch Hörspiele (erinnert ihr euch an meinen Post über
 "Die drei ???"?) und sogar Filme!
Einige Leute haben außerdem die japanische Animeserie aus den 90ern erwähnt, die sie überhaupt erst zu den Büchern gebracht hat.

Interessanterweise haben ein paar der Kommentierenden, die beides kannten, gemeint, sie hätten die deutschen Bücher lieber gehabt, weil die englischen gemeiner gewesen wären. 
Ob das nur mit Domestication zu tun hatte oder auch, weil die deutschen Bücher ungefähr 20 Jahre später herauskamen und dieser Zeit angepaßt wurden, kann ich euch nicht sagen.
Auf jeden Fall wird Blyton schon lang nicht nur dafür kritisiert, daß sich manches in ihrer Arbeit immer wiederholt, sondern auch für sexistische, fremdenfeindliche oder rassistische Stereotypen, also wurden ihre Werke selbst im Englischen angepaßt.

Was ich sagen kann ist, daß Deutschland zu dieser Zeit nicht so viele Internate wie das Vereinigte Königreich hatte und das, soweit ich weiß, auch jetzt noch nicht hat. Die Bücher verkauften eine Art romantische Idee davon - Gemeinschaft, Streiche und Mitternachtsfeste - die, wie ich glaube, zum Lesen für uns lustig waren, aber nicht unbedingt etwas, daß wir selber gewollt hätten, zumindest nicht die Mädchen in meinen Kreisen.

Von der "Malory Towers"-Serie gibt es sechs Bücher von Blyton und sechs "continuation books", wiederum von Cox (in den 2000ern).
Ich hatte nie "Dolly"-Bücher - so hieß die Reihe von 18 Büchern in Deutschland - und las sie bei einer anderen Freundin, aber ich kann mich nicht wirklich an etwas erinnern. Ich schätze mal, ich konnte nur mit einer Internatsgeschichte umgehen.
Wieder veränderte der deutsche Verlag den Text und die Namen stark, auch um die Bücher an die 60er anzupassen - Grammophone wurden zum Beispiel zu Plattenspielern. Manchmal wurden ganze Kapitel ausgelassen.
Seit 2020 gibt es eine BBC-Serie, die sich nah an die Originalbücher anlehnt. Es gibt zumindest für einen Teil der Serie schon eine deutsche Synchronisation, die, glaubt es oder nicht, auf Domestication verzichtet. Sagt nicht, wir seien nicht lernfähig
 😉

Die letzte Serie, die ich erwähnen möchte, ist "The Famous Five", auf Deutsch "Die fünf Freunde".
Obwohl ich einen Nachhilfeschüler hatte, der die ganze Sammlung besaß und bereit war, sie mir auszuleihen, habe ich nie die ganze Reihe durchbekommen, aber in meiner eigenen Kinderbuchsammlung sind ein paar Ausgaben aus den 60ern und 70ern, die ich von Flohmärkten habe.
Blyton hatte nur wenige Bücher für diese Serie geplant, aber sie war dann kommerziell so erfolgreich, daß sie am Ende 21 Bände schrieb (und noch ein paar Reihen, die demselben Muster folgten, Kinder, die Verbrechen aufklären, während sie in den Ferien oder bei jemandem zu Besuch sind - verglichen mit ihren waren meine Ferien gewöhnlich recht langweilig
 😂).

Eileen Alice Soper illustrierte das komplette Original-Set
der "Fünf Freunde"-Bücher

Auch für diese Reihe gibt es "continuation books", der französische Übersetzer dafür schrieb 24 Stück, von denen dann 18 ins Englische und Deutsche übersetzt wurden (überwiegend dieselben)!
Die Deutschen haben außerdem noch zwei Bücher, die "Geisterbände" genannt werden.
Sie waren ohne Genehmigung des Rechteinhabers veröffentlicht worden und mußten vom Buchmarkt zurückgezogen werden. Man kann sie immer noch gebraucht kaufen, aber sie werden als Raritäten angesehen und sind teurer.
Es gibt auch eine ganze Menge deutscher "continuation books", die nicht ins Englische übersetzt wurden, diese Reihe endete 2014.

Wenn ihr denkt, das wäre es jetzt schon, liegt ihr falsch.
Es gibt eine englische Serie, in der die fünf Freunde erwachsen sind, 15 offensichtlich recht kurze Bücher, die mehr Satire sind, wie ihr an Titeln wie "Fünf werden glutenfrei" oder "Fünf entkommen der Brexit-Insel" merken könnt. Ein paar davon sind ins Deutsche übersetzt worden.
Dann gibt es natürlich noch die Fernsehserien, von denen ich selber noch die aus den 70ern kenne, und die Filme und die Hörspiele (ein paar englische, viele deutsche), das Musical und die Spielebücher, Comics und ...

Illustration von Eileen Alice Soper

Also ja, ein paar der Kommentare habe ich nicht ganz verstanden (nicht daß ich alle gelesen hätte). Überraschung, okay, ich war selber überrascht, als ich es zum ersten Mal hörte, aber die Empörung, nein. Das ist wahrscheinlich so, weil Leute im Web heutzutage schnell über alles empört sind.

Domestication war damals kein sooo großes Thema und nicht nur deutsche Verlagen machten oder machen sich dessen schuldig. Außerdem hatten sie die Rechte erworben, und während man durchaus die Qualität der Bücher (Original und "continuation", vor allem in Serien, die lang laufen), Hörspiele usw. 
diskutieren kann und natürlich Domesticataion im allgemeinen, heißt das nicht, daß die Nachfahren abgezockt wurden, auch wenn ziemlich sicher Geld die Motivation war.
Der Hauptpunkt ist, daß auf den "continuation books" immer noch Blytons Name steht, aber denkt daran, daß 
"Die drei ???" nie von Alfred Hitchcock waren und er als Verfasser draufstand, so wie andere Buchreihen von einem Syndikat geschrieben wurden, also ist nicht mal das so ungewöhnlich.
Jedenfalls bleibt die Kontroverse bestehen.

Was mich wirklich
 überraschte war, wieviele Leute von ihren eigenen Erinnerungen in Verbindung mit den Büchern erzählten.
Meine eigene Erinnerung ist, wie ich lesend im Zimmer meiner Freundin auf dem Boden lag, die Füße hochgelegt, und dann dachten wir über Abenteuer nach, die wir haben könnten.
Aus Mangel an Internaten, Schmugglern, Geheimgängen und Pferdewägen haben wir aber einfach nur das Übliche gemacht - Fahrrad fahren, Blumen pflücken, im Wald spielen - bis wir für die meisten der Bücher sowieso zu alt geworden waren.

Für diesen Post habe ich das erste St Clare's-Buch auf Englisch gelesen und da war immer noch dieser Anflug von Nostalgie, auch wenn ich bei manchen der Beschreibungen zusammenzuckte und mir klar ist, daß Blyton keine sehr nette Person und Mutter war. Tatsächlich könnte ihr Leben locker einen weiteren Post abgeben, den zu schreiben ich aber keine Lust habe. 
Ich schätze, es ist wohl mehr Nostalgie für die Zeit selber und die Erinnerungen, die durch die Bücher heraufbeschworen werden, und nicht so sehr die Bücher selber (nachdem ich das geschrieben hatte, fand ich einen Artikel genau darüber -Kindheitsnostalgie in Verbindung mit Blyton).

Es tut mir leid, wenn ihr jetzt völlig verwirrt seid, aber ich habe euch gewarnt.
Hattet ihr gedacht, der Kinderbuchmarkt sei in den alten Zeiten simpler gewesen? Ich nehme an, es war immer ein Dschungel da draußen, und dabei habe ich sogar über nur drei der vielen Reihen gesprochen, die Blyton wie am Fließband ausgestoßen hat (sie schrieb so viel, daß die Leute dachten, es sei unmöglich, daß sie das alles allein gemacht hat).

Übrigens, ratet mal, welche Empfehlung ich bekam, als ich zu YouTube auf meinem Fernseher ging, nachdem ich diesen Post fertig hatte - den Fernsehfilm "Enid" von 2009, der ungefähr zur gleichen Zeit hochgeladen wurde, als ich mit dem Entwurf anfing. So gruselig!


Ausgewählte Quellen:

Zu Blyton:

1. These Enid Blyton novels don't exist - but Germans are obsessed with them anyway. Auf dem Kanal von Spinster's Library auf YouTube (auf Englisch)
2. Fiona ?: Blyton by others: A guide to prequels, sequels and continuations. Auf: World of Blyton, 22. Januar 2020 (auf Englisch)
3. Continuation books. Auf: The Enid Blyton Society (auf Englisch)
4. Pranay Somayajula: My Nostalgia for Enid Blyton is Complicated: Reckoning with the racism of my favorite childhood author. Auf: Electric Lit. 2. November 2022 (auf Englisch)
5. Rowan Morrell: Five Have Adventures Abroad. Website über Enid Blyton "Continuation Novels" (auf Englisch)
6. The Soper Collection - Eileen Alice Soper (auf Englisch)
7. Jasmin Klein: Hanni und Nanni besuchen eine Ausstellung. Auf: Meine Südstadt. 13. November 2015

Zu Domestication (Einbürgerung) und Foreignization (Verfremdung):
1. Ao Sun: Domestizierung und Verfremdung in der Übersetzung: Eine theoretische Untersuchung. Auf: J&Y Translation
2. Wenfen Yang: Brief Study on Domestication and Foreignization in Translation. In: Journal of Language Teaching and Research. 1(2010), 1, pp. 77 - 80 (Open Access, auf Englisch)
3. Jekatherina Lebedewa: Mit anderen Worten - Die vollkommene Übersetzung bleibt Utopie. In: Ruperto Carola 3(2007) 
4. Anna von Rath: Schreiben und Übersetzen sind keine neutralen Tätigkeiten: Ein Interview mit Kavitha Bhanot. On: poco.lit., 15. März, 2023

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 10. Juni 2025

10 am 10. - Was ich wirklich mag oder liebe


"Zeig uns Bilder von Dingen, die du wirklich magst oder liebst."
Das hört sich wie eine einfache Vorlage für die 10 am 10. diesen Monats an, aber wie ich in meinem Kommentar zu Marshas Vorschaupost geschrieben habe, scheint es wirklich unmöglich zu sein, nur zehn aus meinen Tausenden von Katzenbildern auszuwählen, vor allem weil es bis jetzt 12 Katzen waren, denen zu dienen ich die Ehre hatte.
Kein Witz, an diesem Punkt war ich mir noch nicht mal sicher, ob ich es diesmal auf zehn schaffen würde, nicht weil es nicht genug Dinge gäbe (was ich lose interpretieren werde, denn Katzen und andere Tiere sind keine Dinge, auch Leute nicht, aber die zeige ich auf meinem Blog sowieso nicht), sondern weil ich wahrscheinlich nicht von allem Bilder habe.
Außerdem ist dies schwierig, weil wir im April schon den "Diamanten in deinem Leben"-Post hatte und ich mich zwangsläufig wiederholen werde. Tut mir leid. Ich werde versuchen, wenigstens andere Bilder auszusuchen.
Wie üblich ist die Reihenfolge recht willkürlich (außer den Katzen, sie haben völlig zu Recht den ersten Platz eingefordert) und ich könnte sogar noch weitermachen, wenn ich Bilder dafür hätte (zum Beispiel fehlen Filme und Musik aus Mangel an guten Bildern) oder wenn ich an die anderen Sachen zuerst gedacht hätte.

1. Katzen.
Ich liebe sie. Ich bin besessen von ihnen. Sie sind wunderschön und elegant (meistens), sie können sehr witzig und süß sein, und sie können effektive Raubtiere sein. Groß und klein. Außerdem sind sie mit mir durch gute und durch harte Zeiten gegangen.
Die Namen sind in der Reihenfolge, in der sie in mein Leben traten.


2. Tiere.
Ich hatte als Kind keine eigenen Haustiere, aber ich hatte immer Tiere in meinem Leben - Hunde zuhause bei meinen Freundinnen, Katzen, Kühe und Kaninchen auf dem Bauernhof, der den Eltern meiner Patentante gehörte. Dann hatten der Ex und ich nicht nur unseren eigenen kleinen Zoo daheim, nachdem wir zusammengezogen waren, sondern auch den kleinen Tierpark in meiner Heimatstadt, in dem wir als Freiwillige mitarbeiteten. Wieviele Leute können sagen, daß sie von einem Nasenbär "gekämmt" wurden (es war niemand da, der ein Bild machen konnte, sorry)?
Das hier ist nur eine sehr, sehr kleine Auswahl von Tieren von daheim und dem echten Tierpark.


3. Bücher.
Dieses Bild kennt ihr schon, aber ich denke, das drückt es am besten aus.


4. Meine Sammlungen.
Ich habe euch schon erzählt, was ich für meine Sammlungen fühle, aber ich kann euch zumindest ein paar andere Bilder zeigen.
Meine Hauptsammlungen sind Steifftiere und vintage Barbies.
 


5. Blumen.
Ich bin keine Gärtnerin und erzähle gern jedem, daß ich zehn schwarze Daumen habe. Das heißt aber nicht, daß ich keine Blumen oder Pflanzen mag.
Ich habe diese Bilder in unserem kleinen Garten und auf Reisen gemacht, in Botanischen Gärten und Zoos.


6. Perlen und Draht und Cabochons und alles andere, aus dem man etwas machen kann!
Das ist wahrscheinlich keine Überraschung. Es gibt so viel, was man mit kleinen Glasstückchen oder Roving, Stein oder Metall machen kann.
Hier eine kleine Auswahl.


7. Museen und Bibliotheken.
Ich könnte nicht behaupten, daß ich die Methode der Erwerbung immer gutheißen kann, aber ich konnte einem netten Museum noch nie widerstehen.
Leider habe ich nicht viele Bilder, in denen nicht jemand vor dem Museum oder der Bibliothek herumsteht.
Dies sind die besten, die ich habe (eine Mischung aus Cardiff, Cambridge, Edinburgh, London und Weil am Rhein).


8. Friedhöfe.
Sie haben etwas Friedliches. Ich mag die kleineren, mit Bäumen und mit Bänken, auf die man sich setzen und träumen und die Geschichten der Menschen um einen herum spüren kann.
Meine Stadt hat zwei Friedhöfe, die wir den Alten und den Neuen Friedhof nennen (der neue wurde 1903 eröffnet). Der alte umgibt unser ältestes Gebäude, die Oberhofenkirche (erbaut von 1436 - 1490).


9. Vintage.
Vintage dies und jenes. Spielzeug, Möbel, Deko, Bücher, Bilder, Kalender, Kleidung, Stoff, Werkzeug, Nadeln, Geschirr, Gläser ... ich könnte noch weitermachen. Leider habe ich weder den Platz noch das Geld für alles, das ich liebe, aber es mag schon sein, daß ich das eine oder andere Stückchen habe.


10. Schokolade.
Ich kann nichts machen. Allerdings fröne ich nicht der Gewohnheit, Schokolade zu fotografieren. Also muß dieses eine Bild von einem Geburtstag vor ein paar Jahren ausreichen. Das sind sogenannte "Göppingerle", nach unserer Stadt benannt und in unserem ältesten Café hergestellt (Makaronenboden mit einem Vanillesoufflé in Kuvertüre, in unterschiedlichen Geschmackssorten erhältlich).

Samstag, 7. Juni 2025

Einfach nur so Samstag - Synchronisation

In unserem "daily thread" in meinem Schmuckforum habe ich vor einer Weile über synchronisierte Filme gesprochen und erfuhr, daß meine englischsprachigen Freunde nie groß darüber nachgedacht hatten, weil sie selber noch nie einen gesehen hatten.
Andererseits hatte ich mir nicht so richtig bewußt gemacht, daß nicht alle Länder eine so große Synchronisationsindustrie wie Deutschland, Italien, Spanien oder andere haben.
Tatsächlich hatte ich der Geschichte der Synchronisation gar nie viel Beachtung geschenkt, bevor ich dank eines meiner Lieblingsfilme, "Dracula" von 1931, der auch auf Spanisch gedreht wurde (mehr darüber hier), von Versionsfilmen gehört hatte.

Warum schauen sich in Deutschland angeblich 90% der Konsumenten synchronisierte Versionen an? Ich muß gestehen, daß mich die hohe Zahl doch überraschte.
Ist das einfach eine historisch gewachsene Angewohnheit, weil fast alle Filme und Serien synchronisiert werden oder gibt es auch noch andere Gründe?

Bild über pxhere


Fangen wir mit der Geschichte an.
1929 waren Tonfilme noch recht jung. Die Hauptdarstellerin Anny Ondra in Hitchcocks Film "Erpressung" hatte einen tschechischen Akzent, wenn sie Englisch sprach, aber Nachsynchronisieren war technisch noch unmöglich. Also bewegte Ondra nur die Lippen zum Text, der abseits der Kamera von Joan Barry gesprochen wurde, was als erstes Beispiel von "Synchronisation" angesehen wird.

Um Filme auch an ein nicht englisch sprechendes Publikum zu vermarkten, gab es entweder die oben erwähnten Versionenfilme, das heißt, ein Film wurde mit Muttersprachlern in verschiedenen Sprachen verfilmt, was beim Publikum verständlicherweise die beliebteste Methode war.
Eine weitere Möglichkeit war, die Schauspieler den Text in anderen Sprachen auswendig lernen zu lassen. Es hört sich recht nett an, wenn zum Beispiel Laurel und Hardy Deutsch sprechen, aber es kann schwer verständlich sein.
Dann gibt es noch die Untertitel. Ich kenne eine Menge Leute, die finden, daß Untertitel von dem ablenken, was auf dem Bildschirm passiert. Ich habe außerdem von amerikanischen Freunden gehört, daß sie wegen der Untertitel keine ausländischen Filme anschauen wollen, also finde ich es etwas verwirrend, wenn sie überrascht darüber sind, daß Deutsche (und andere) das auch nicht wollen. Es gibt allerdings Länder, die daran gewöhnt sind, zum Beispiel Schweden.

Das Synchronisieren, was zunächst in Hollywood und dann in Frankreich stattfand, bevor die ersten Studios in Deutschland eröffnet wurden, war immer kontrovers and vor allem bei den ersten Filmen heftig kritisiert, bei denen versucht wurde, den Text streng an die Lippenbewegungen anzugleichen, was zu hölzernem Deutsch führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Filme nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zur
Umerziehung der Deutschen gezeigt.
Filme liefen in den Originalsprachen - amerikanisches oder britisches Englisch, Russisch, Französisch - und mit spärlichen Untertiteln, was beim Publikum nicht ankam, also wurde das Synchronisieren zur Norm und Deutschland baute eine der weltgrößten Synchronisationsindustrien auf.

Deutschland war allerdings noch nicht zur Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit bereit. Kennt ihr den Hitchcock-Film "Berüchtigt"? Die Nazis aus dem Original wurden in der deutschen Synchronisation zu internationalen Rauschgiftschmugglern, daher war der Filmtitel "Weißes Gift".
"Casablanca" erhielt eine deutsche Version, in der alle Nazis in Uniform herausgeschnitten waren.
Keine Sorge, diese Version haben wir nicht mehr, ich kann mich nicht mal daran erinnern, daß ich sie selber je gesehen hätte.

Das ist aber nur ein Teil der großen Kontroverse um das Synchronisieren.
Kann ein synchronisierter Film eine Botschaft genauso wie das Original vermitteln? Wie synchronisiert man, ohne daß der Einfluß der Originalkultur verloren geht? Ohne Akzente, Dialekte oder landesspezifisches Vokabular?
Um ehrlich zu sein, wenn jemand keine britischen Dialekte kennt - nur ein Beispiel - und diese Filme/Serien mit Untertiteln anschauen würde, bezweifle ich, daß sie die Dialekte analysieren würden oder das überhaupt fertigbrächten, während sie versuchen, der Handlung über Untertitel zu folgen.
Manchmal wurde Dialekte mit deutschen Dialekten ersetzt.
Im Film "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" sprechen die Schwarzen aus dem Süden in der deutschen Synchronisation Bayerisch, und ich fand das immer gräßlich, weil es den Witz für mich nicht gut rüberbrachte.
Hauptsächlich wird aber auf Hochdeutsch synchronisiert, frei von jeglichem regionalen Dialekt.
Das ist an sich schon kontrovers, denn "Skeptiker argumentieren, daß dieses Hochdeutsch ein gefährlicher homogenisierender Nationalismus ist, der die Vielfalt der deutschen Stimmen auf der Leinwand ausradiert".
Ich frage mich allerdings, welche Dialekte diese Skeptiker dann für die Synchronisation auswählen würden?
Sollten die Schauspielerinnen und Schauspieler einfach in ihrem eigenen ursprünglichen Dialekt sprechen? Sollte die Produktion einen Dialekt für sie auswählen, also ein Charakter aus Schottland zum Beispiel Plattdütsch spreche und einer aus London Oberbayerisch?
Damit hätten wir dann wohl doch auch ein Problem. Ich schwätz' Schwäbisch, nicht extrem, aber offensichtlich so, daß es Leute gibt, die nicht alles verstehen können, und ich konnte meine Oma nicht verstehen, wenn sie Platt redete. Wohin würde das führen? Ich habe sogar schon deutsche Sendungen gesehen, in denen starke Dialekte Untertitel bekamen.

Bild über pxhere

Natürlich gibt es gute und schlechte Synchronisationen, genauso wie es gute und schlechte Übersetzungen gibt - und auch gutes und schlechtes Schauspiel.
Wir mögen ja nicht immer ihre Namen kennen - was echt eine Schande ist - aber trotzdem schätzen wir unsere Synchronsprecher und -sprecherinnen. Gewöhnlich sprechen sie nicht nur eine Person und manchmal bemerkt man das nicht mal sofort, bis man eine Stimme immer öfter hört.
Das ist die Kunst der Synchronisation, so wie Schauspieler in unterschiedliche Charaktere schlüpfen, so schlüpfen Synchronsprecher quasi in verschiedene Schauspieler, und wenn sie gut sind, ist das auch völlig glaubwürdig.

Einer unserer bekanntesten Synchronsprecher, Christian Brücker, ist für uns Robert de Niro, aber auch Martin Sheen oder Harvey Keitel. Cary Grant hatte im Laufe der Zeit verschiedene Stimmen. Filme hatten mehr als eine Synchronfassung, zum Beispiel "Arsen und Spitzenhäubchen" (oder "Berüchtigt"
😉).
Manchmal wird etwas für eine neue DVD- oder BluRay-Ausgabe neu synchronisiert.
Wir sind geschockt, wenn die langjährige "Stimme" eines Stars stirbt, denn das bedeutet, wir müssen uns an eine neue gewöhnen. Werden sie die richtige wählen? Oder jemand bekommt eine neue Stimme, weil die alte keine Zeit hat, mehr Geld will oder weil es ein Zerwürfnis gab. David Duchovny bekam eine neue Stimme und ich konnte von da an die Synchronversion nicht mehr anschauen, es hörte sich für mich einfach falsch an.
Ihr müßt auch bedenken, daß wir hier natürlich vor dem Internet vielleicht gar nie die Möglichkeit hatten, das Original zu sehen.

Es kann aber auch Zensur geben (siehe nochmal "Berüchtigt"), aber auch "Zensur". Damit meine ich, daß manche Serien im sogenannten Schnodderdeutsch synchronisiert wurden, das ist keine echte Zensur, aber ... keinen Schimmer, wie man das nennen könnte.
"Solch eine Erscheinungsform der deutschen Sprache wird zum Zweck des Humors und der Satire gebraucht und ist durch Neologismen, scheinbare Sprichwörter, untypische Metaphern und Vergleiche, Stilbrüche, Normverstöße und Logikbrüche charakterisiert."
Man könnte auch sagen, sie sind völlig über Bord gegangen. Ich war total baff, als ich manche der Serien meiner Kindheit im Original sah.
Auch die Anpassung des Textes an Lippenbewegungen kann zu kleinen (?) Änderungen im deutschen Script führen, das bedeutet aber auch, daß man nicht das Gefühl hat, es stimmt irgendetwas nicht.

Wie jedoch erwähnt ist das nicht nur eine deutsche Sache. Ich habe schließlich auch DVDs mit mehreren Sprachen darauf und sogar noch mehr Untertiteln.
Die Kontroverse gibt es auch nicht nur hier und das hat nicht mal mit dem eigentlichen Konzept der Synchronisation zu tun, sondern mit Sprachunterschieden in verschiedenen Ländern. Österreicher sprechen kein "Hochdeutsch", warum sollten sie auch? Lateinamerikaner mögen offensichtlich nicht, wie in Spanien Spanisch gesprochen wird. Französisch i
n Québéc ist nicht das gleiche wie in Frankreich. Da gibt es sicherlich noch mehr.

Ich schaue Originale und/oder die Synchronfassungen.
Manchmal
- schaue ich zum Vergleich beides an, und wie ich schon sagte, es gibt gute und schlechte. Ich finde, man kann sagen, wieviel Geld für eine Synchronisation ausgegeben wurde - Hallmark-Weihnachtsfilme scheinen nicht gerade eine Superbehandlung zu erfahren - oder wie schnell etwas heruntersynchronisiert wurde.
Am meisten ärgere ich mich darüber, wenn Namen oder Städte falsch ausgesprochen werden.
- schaue ich mir die englische Originalfassung mit den englischen Untertiteln an, zum Beispiel wenn die Dialekte zu heftig für mich sind, wenn die Leute zu schnell sprechen oder stark nuscheln oder wenn der Ton nicht so toll ist oder wenn ich etwas spätabends anschaue und die Lautstärke nicht so aufdrehen will. Noch ein Ärgernis ist es für mich, wenn mir ein Fernsehsender ein englisches Original anbietet, aber nur mit deutschen oder französischen Untertiteln, die man nicht abstellen kann, ARTE, hierbei schaue ich auch an).
- muß ich mich erst an einen neuen Dialekt gewöhnen.
- ist mir sogar die synchronisierte Version lieber, weil ich die Originalstimme nicht mag (kann man sie in einem Animationsfilm aber überhaupt als original bezeichnen?
😋), oder weil diese Fassung positive Erinnerungen in mir auslöst, wie bei Serien oder Filmen aus meiner Kindheit, vor allem wenn wir unser Leben lang daraus zitiert haben.

Was ich übrigens vergessen habe zu erwähnen ist, daß auch heute Länder gern ihre komplett eigene Version von populären Filmen und Fernsehserien machen. Nehmt die BBC-Serie "Ghosts" (die ich liebe) - es gibt eine US-amerikanische und eine deutsche Fassung, und als ich zuletzt geschaut habe, waren Fassungen für Australien und Frankreich angekündigt.

Zum Schluß dieses langen Posts habe ich ein kurzes Video (auf Englisch) für euch. Wie reagieren Stars darauf, ihre ausländischen Stimmen zu hören?
😉




Quellen (in willkürlicher Reihenfolge)

1. Thomas Bräutigam: Deutschland, eine Synchronnation. Auf: Goethe-Institut USA, Januar 2017 (auf Deutsch)
2. Emily Manthei: Film dubbing as high art in Germany. Auf: DW (Deutsche Welle), 24. Mai 2019 (auf Englisch)
3. Miranda Stephenson: Unanswered Questions of German Culture I - Why are Foreign Films Still Dubbed for the German Viewer? Auf: The Cambridge Language Collective - Features (auf Englisch)
4. Peter Hoffmann: Die ersten Synchronversuche. Auf: Die vergessenen Filme - Synchronisierte Filme in Deutschland 1930-1945, 23. November 2015 (auf Deutsch)
5. Damien Pollard: The political history of dubbing in films. Auf: The Conversation, 13. Juli 2021 (auf Englisch)
6. Christina Focken: Synchronisierte Filme sind super. In: taz - Die steile These, 5. September 2020 (auf Deutsch)
7. Kevin Tierney: Quebec movies have a dubbing problem. In: The Gazette (Montreal), 3. August 2017 (auf Englisch)
8. Artikle "Schnodderdeutsch" auf dem deutschen Wikipedia (auf Deutsch)

Donnerstag, 5. Juni 2025

Stummfilme - Der schwarze Pirat

Vor etwas mehr als drei Monaten begann ich mein Stummfilmabenteuer mit "Der Dieb von Bagdad" von Douglas Fairbanks. Nizzy Noodle! Wer hätte gedacht, daß ich tatsächlich so weit kommen würde und dessen noch kein bißchen müde bin?
Ich glaube, drei Monate sind genug, damit ich mir erlauben darf, auf ein weiteres Fairbanks-Abenteuer zurückzukommen. Diesmal tauchen wir in die Welt der Piraten ein, arrrr (tut mir leid, aber ich glaube, ich bin gesetzlich verpflichtet, das in einem Post über Piraten mindestens einmal zu sagen).
Der schwarze Pirat
 von 1926 ist beileibe nicht der erste Piratenfilm gewesen, aber ich denke, ich bin auf der sicheren Seite, wenn ich sage, daß er auf jeden Fall Standards gesetzt hat und Inspiration für nachkommende Filme geliefert hat, weil er alles hatte, was man in einen "Swashbuckler" reinpacken konnte.

Public Domain über
Wikimedia Commons


Fangen wir mit der Handlung an (wie üblich mit Spoilern).

Der Film beginnt damit, daß Piraten gnadenlos ein Schiff plündern und es dann mit den Reisenden und der Mannschaft an Bord in die Luft jagt.
Nur zwei Männer, Vater und Sohn, werden an einer Insel angespült. Der Vater stirbt und der Sohn nimmt seinen Ring an sich und schwört, ihn zu rächen.
Auch die Piraten kommen auf die Insel, um einen Teil des Schatzes zu vergraben, und die Piratenanführer machen sich bereit, die anderen zu töten, damit das Geheimnis gewahrt bleibt.


Da taucht dann der Sohn auf und bittet um Aufnahme. Um sich zu beweisen, kämpft er gegen den Piratenkapitän und tötet ihn. Als der Piratenleutnant meint, daß zum Piratenleben mehr gehöre als der Schwertkampf, behauptet er das nächste Schiff würde er allein kapern - und das tut er auch.

Um zu verhindern, daß die Passagiere und die Mannschaft getötet werden, schlägt er vor, das Schiff gegen Lösegeld einzutauschen. Als auf dem Schiff auch noch eine Dame und ihre Magd entdeckt werden und der Piratenleutnant die Dame für sich beansprucht, sagt "Der schwarze Pirat", daß sie die "Prinzessin" ebenfalls gegen Lösegeld als Geisel halten werden, aber sie muß unversehrt bleiben, nicht gerade, was der Leutnant im Sinn hat, wie ihr an seinem Blick aus dem Hintergrund erkennen könnt.


Tatsächlich hat sich unser Held auf den ersten Blick in sie verliebt und beabsichtigt, sie an Land zu bringen, was er auch den Kapitän des gekaperten Schiffes wissen läßt. Er teilt ihm auch mit, daß er "meine besten Soldaten" schicken soll und gibt ihm den Ring seines Vaters. Ich meine, wir haben ja von Anfang an den Verdacht gehabt, daß er kein gewönlicher Mann ist, richtig?

Der Piratenleutnant hat aber jemanden von seiner Mannschaft damit beauftragt, auf das Schiff zu gehen und es in die Luft zu jagen, damit es nicht zurückkommen kann, "Der schwarze Pirat" daher nicht zum Kapitän gemacht wird und er selber die Frau für sich bekommt.
Als das Schiff nicht mit dem Lösegeld zurückkommt, wird "Der schwarze Pirat" gewzungen, über die Planke zu gehen, aber mit Hilfe der Dame und von MacTavish, einem der Piraten, der ihm gegenüber loyal geworden ist, überlebt er und geht an Land, um Hilfe zu holen.

Er kehrt gerade rechtzeitig zurück, bevor die Dame ein schreckliches Schicksal erleidet, und seine Truppen überwältigen die Piraten.
Der Gouverneur enthüllt, daß er in Wirklichkeit Herzog Arnoldo ist, und er bittet die Lady, die in der Tat eine Prinzessin ist, um ihre Hand.

Es heißt, Mary Pickford sei eifersüchtig gewesen und daß das sie in der
Kußszene ist. Es gibt Archivmaterial von ihr in dem Kostüm,
also könnte das schon stimmen.
Bitte beachtet auch, daß "Der schwarze Pirat" von weiten Hosen (siehe
erstes Bild) zu kurzen gewechselt hat, als er sich den Piraten
angeschlossen hat.

Laßt mich zunächst sagen, daß ich nie ein großer Fan von Piratenfilmen war. Ich mag keine Kampfszenen mit vielen Leuten und das ganze wird nicht besser dadurch, daß es auf einem Schiff ist, wo es auch noch Kanonen, eine Menge Schwerter, Seile und Segel gibt.

In "Der schwarze Pirat" gibt es jedoch nicht haufenweise Massenkampfszenen. Wir haben eine große am Ende, obwohl sie mich nicht so sehr beeindruckt wie die "Uniformen" der Truppen. Nicht sicher, ob das das richtige Wort dafür ist. Aber ich greife mal wieder vor.


Fairbanks hatte schon eine Weile einen Piratenfilm machen wollen, sagte aber daß er "sich Piraterie nicht ohne Farbe vorstellen konnte".
In der Tat war dies der erste große abendfüllende Film, der komplett in Technicolor gefilmt wurde, während es zuvor nur einzelne Szenen gab. Wenn ihr das hört, denkt ihr vermutlich an satt und bunt, aber zu dieser Zeit gab es nur "two-strip" Technicolor, dies konnte bloß die Rot- und Grüntöne einfangen.
Wie ihr euch vorstellen könnt, war der Prozeß nicht billig und verlangte deshalb nach jemanden, der nicht nur gerne Neues ausprobierte, sondern auch das Geld dafür hatte.

Fairbanks wollte aber nicht, daß die Neuheit der Farbe das Publikum von der Handlung selbst ablenkte. Also legten sie sich auf eine zurückhaltende Farbpalette fest und, wenn nötig, wurde alles eingefärbt, damit es dann auf der Leinwand die richtige Farbe zeigte. Auch die Beleuchtung hatte Auswirkungen auf die Farbe, und es gab ein doppeltes Set von Kostümen, für künstliches und (überwiegend) natürliches Licht.
Vielleicht wirkt der Film auf euch nicht wie ein echter Farbfilm, aber ich fand, daß das tatsächlich gut zur Atmosphäre paßt.

Die Handlung war recht geradlinig. Ich sagte ja, daß sie alles hatte, aber diesmal gab es keine Rieseneffekte oder -sets, auch wegen der Kosten für Technicolor, es lag alles in der Geschichte.
Es gab die Schwertkämpfe, die Dame in Nöten, Verrat und Intrige, Loyalität, Humor und natürlich die akrobatischen Stunts, für die Fairbanks bekannt war.
Der größte Stunt, der mehr als einmal nachgeahmt wurde, war natürlich, wie der schwarze Pirat das Segel hinunterglitt, indem er sein Messer hineinstach und es dann aufschlitzte, während er auf dem Weg nach unten war. Es gab unterschiedliche Theorien dazu, wie dieser Stunt durchgeführt wurde (siehe die Quellen), aber wer muß das eigentlich wissen? Es ist einfach toll anzusehen, wir müssen doch nicht alles analysieren.



Für die Länge war die Handlung perfekt und ich war weder gelangweilt noch wurde ich von Kampfszenen überwältigt.
Die Chemie zwischen dem schwarzen Piraten, seinem treuen Gefährten MacTavish (der außerdem für ein wenig Komik sorgte) und dem bösen Piratenleutnant funktionierte wirklich gut.
Für die Romanze kann ich nicht unbedingt dasselbe sagen, aber das überraschte mich auch nicht. Die typische Dame in Nöten ist eben genau das - in Nöten. Sie darf nicht viel mehr tun als sich schwach zu fühlen oder zu verzweifeln, bis sie dann am Schluß glücklich verliebt sein darf.
Zumindest hat unsere Prinzessin es recht schlau fertiggebracht, dem schwarzen Piraten ein Messer zuzustecken, als er mit gefesselten Händen über die Planke gehen sollte.
Also ja, ich hatte viel mehr Spaß, als ich von einem Piratenfilm erwartet hatte, und ich würde ihn wirklich zum Anschauen empfehlen.


Quellen (englisch):

1. Fritzi Kramer: The Black Pirate (1926) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 16. Juli 2017
2. Jeffrey Vance: The Black Pirate - Essay. Auf: San Francisco Silent Film Festival (A Day of Silents 2015)
3. The Black Pirate (1926). Auf: The Chasbah, 3. Februar 2024
4. Carl Bennett: The Black Pirate (1926). Auf: Silent Era
5. Tracey Goessel: The Black Pirate. Auf: Library of Congress, National Film Preservation Board

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 3. Juni 2025

Aus meinem Kinderbuchschrank - Ida Bohatta

Als ich einen Post in Verbindung zu einer Kinderbuchautorin schrieb, der in ein paar Tagen live geht, schaute ich mir so meine kleine Kinderbuchsammlung an und dachte mir, es könnte doch ganz lustig sein, immer mal wieder eine Autorin oder einen Autoren oder auch nur ein einzelnes Buch herauszupicken und ein bißchen darüber zu reden.
Meine Sammlung besteht aus Bücher, die mir seit meiner Kindheit gehörten, aber hauptsächlich aus Büchern, die ich als Kind aus unserer Stadtbücherei ausgeliehen hatte und selber besitzen wollte - manchen davon mußte ich viele Jahre lang nachjagen, vor dem Internet war das noch viel schwieriger, aber selbst dann war es nicht immer einfach - oder Bücher, die ich auf Flohmärkten gefunden hatte.
Es ist das beste Gefühl, ein Buch zu finden, nachdem man ewig danach gesucht hat, und es ist sogar noch besser, wenn es immer noch denselben Zauber für dich hat.

Manchmal haben sich allerdings Bücher in meine Sammlung geschlichen (oder tun es jetzt noch), von denen ich nie zuvor gehört hatte.
Der Ex fand das erste dieser Bilderbüchlein mit Gedichten von Ida Bohatta (Ida Bohatta-Morpurgo nach ihrer Heirat), "Der verkannte Bimpfi".


Ida Bohatta war eine österreichische Kinderbuchillustratorin und -autorin. Sie wurde 1900 geboren und begann schon als Kind mit dem Zeichnen.
Nachdem sie an der Kunstgewerbeschule in Wien studiert hatte, begann sie damit Kinderbücher zu illustrieren und ihre ersten eigenen Texte zu schreiben.

Im Alter von 27 traf sie den Österreicher Josef Müller, der Ars sacra in München gegründet hatte, einen katholisch ausgerichteten Verlag für religiöse Drucke, Gebetbücher, Andachtskärtchen und theologische Bücher. Dank Müllers Frau Maximiliane, die den Anstoß zum Kontakt zu Kinderbuchautoren und -illustratoren gab, erweiterten sie das Sortiment Ende der 20er um Kinderbücher und schlossen einen Exklusivvertrag mit Bohatta ab, die selber gläubige Katholikin war. Eine weitere bekannte Illustratorin, mit der sie arbeiteten, war Schwester Hummel.
Zunächst fertigte Bohatta Illustrationen für Fleißbildchen an. Diese sind nicht völlig verschwunden, aber heute werden auch Sticker oder Goldsterne als Belohnung vergeben.
1929 veröffentlichte Ars sacra das erste von mehr als 70 Bilderbüchlein mit Aquarellillustrationen und Gedichten von Bohatta, so wie die auf meinem Bild.
Sie ließ sich von der Natur inspirieren und erschuf eine Welt magischer kleiner Geschöpfe. Manche finden diese vielleicht kitschig, aber andererseits werden viele Leute von der Unschuld dieser Illustrationen angezogen.
Sind sie aber immer so unschuldig? Schauen wir uns doch mal Bimpfi an.

Bimpfi ist ein guter Schüler, was seinen Mitschüler Knolli ärgert. Nun müßt ihr wissen, daß Bimpfi ein Champignon ist, während der Name Knolli die Abkürzung für Knollenblätterpilz ist. Habt ihr schon eine Idee, was passieren wird?
Eine Frau stirbt und Bimpfi wird dafür angeklagt und ins Gefängnis gesteckt, aber sein guter Freund, der Zwerg Heinzel, verhilft ihm zur Flucht und gemeinsam versuchen sie, die Wahrheit aus Knolli herauszubekommen.


Das klappt nicht so richtig, aber Bimpfi bekommt trotzdem sein glückliches Ende. Als sie größer werden, ist offensichtlich, daß er nicht der Mörder sein kann, weil er ganz offensichtlich kein Knollenblätterpilz ist.
Knolli kommt ins Gefängnis ...


... und Bimpfi, der jetzt zu groß dafür ist, um in eine Schulbank zu passen, bekommt sein Abschlußzeugnis, ohne die letzten Klassen machen zu müssen.


Die anderen Bücher, die ich habe, sind viel unschuldiger und preisen die Nature in reizenden Gedichtchen mit sehr süßen Bildern, aber ich muß zugeben, daß ich Bimpfis Geschichte recht faszinierend finde.

Da sie unpolitisch waren, wurden Bohattas Bücher während des Naziregimes nie verboten, tatsächlich wurde sie in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen, die darauf abzielte, alle Aspekte von Literatur zu kontrollieren.
Es gibt aber keinen Nachweis darüber, daß Bohatta irgendein nationalsozialistisches Engagement gezeigt hätte.

Ich komme nicht mehr auf Flohmärkte, aber tatsächlich sahen wir dort auch nicht so viele Bücher von Bohatte. Ich würde die alten den neuen Ausgaben vorziehen - ich habe zwei von jeder Sorte - einfach weil ich das Vintage-Gefühl so gerne mag, aber ich würde mich wahrscheinlich sowieso an die halten, die etwas aus dem Rahmen fallen, falls es noch mehr davon geben sollte.

Hattet ihr schon jemals von Bohatta gehört?


Ausgewählte Quellen:

1. Peter Lukasch: Bohatta-Morpurgo, Ida; Buchillustrationen. Auf: Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1900 und 1960
2. "Frau B.": Von Wichteln, Blumenkindern und heiler Welt: die Kinderbücher von Ida Bohatta. Auf: Kinderbuch-Blog: Die Kinderbibliothek, 22. Februar 2023
3. The Whimsical World of Ida Bohatta-Morpurgo: A Celebration of Nature and Innocence in Children's Illustrations. Auf: MFLibra, November 10, 2024 (auf Englisch)