Montag, 19. Oktober 2026

Auf Wiedersehen, Mr. Chips - Teil 1, Der Film von 1939

Ich sage heute nicht auf Wiedersehen zu meiner Lieblingschipsmarke, sondern spreche über einen meiner Lieblingsfilme.
Ihr wißt, daß ich manchmal sage, daß ich von etwas fasziniert bin und nicht weiß warum? Eins dieser Dinge sind britische Internate. Das begann sicherlich mit Enid Blytons "Hanni und Nanni" (und, obwohl nicht britisch, Oliver Hassencamps "Schreckenstein"-Büchern, die ein Thema für einen anderen Post sein werden).
Internate waren (und sind?) für die meisten deutschen Kinder wohl ein ziemlich fremdes Konzept und romantisierte Geschichten darüber zu hören verstärkte die Faszination nur, die für mich nie komplett verging.
Wir haben ja nicht einmal die Tradition der Schuluniform. Es gibt wenige Schulen, die versucht haben, "Schulkleidung" als Pflicht einzuführen - also eine Kleiderkollektion, aus der ausgewählt werden kann, es müssen nicht alle die gleiche Uniform tragen -, aber durchgesetzt hat sich das nicht. Ich erinnere mich, daß wir im Englischunterricht vor 50 Jahren über die Vor- und Nachteile gesprochen haben.
Und dennoch habe ich diese seltsame Schwäche für britische Schulgeschichten, die ich scheinbar nicht abstellen kann. Zeigt mir Barett und Talar und ich werde mir zumindest mal reinschauen.

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Eine davon ist "Auf Wiedersehen, Mr. Chips". Bevor ich die originale Novelle gelesen habe, kannte ich den Film von 1939 mit Robert Donat, darum will ich auch zuerst darüber sprechen.
Hier kommt seine Handlung.

Das erste Mal in 58 Jahren verpaßt der pensionierte Lehrer Charles Edward Chipping die Schulversammlung des ersten Tags in Brookfield, einer Privatschule mit einer 400jährigen Geschichte, und wird zusammen mit einem neuen Schüler ausgesperrt.


Wieder daheim schläft er ein und seine Träume führen ihn in die Zeit zurück, als er als neuer Lehrer an die Schule kam.
Er erinnert sich an das erste Mal, daß er die Arbeitsstunde für die unteren Klassen überwachen muß und kläglich dabei versagt, sich den Streichen der Schüler entgegenzustellen. Er reagiert, indem er strikte Disziplin durchsetzt und durch unpopuläre Strafen - zum Beispiel, indem er der Klasse Hausarrest gibt und so den besten Kricketspieler von der Teilnahme an einem wichtigen Cupspiel abhält -
, was ihm den Respekt, aber nicht die Liebe der Schüler einbringt.
Nach 20 Jahren ist er dienstältester Lehrer, bekommt aber trotzdem nicht den begehrten Posten des Hausleiters.


Die Dinge ändern sich, als ihn der Deutschlehrer Max Staefel einlädt, mit ihm auf eine Wandertour in Österreich zu kommen.
Auf einer Bergwanderung lernt Chipping die junge Kathy Ellis kennen, mit der er im Nebel steckenbleibt. Obwohl Kathy moderne feministische Ideen hat - sie fährt Fahrrad und will das Wahlrecht -, verstehen sie sich großartig.


Später treffen Chipping und Staefel Kathy und ihre Freundin in Wien wieder und verbringen eine glückliche Zeit miteinander. Als sie sich am Zug verabschieden, küßt Kathy Chipping, und sie kehren als verheiratetes Paar nach Brookfield zurück.
Kathy lehrt Chips, wie sie ihn nun nennt, die Liebe und das Vertrauen der Schüler zu erlangen. Sie führt Einladungen zum Tee ein und alle verehren sie. Dank ihr wird Chips sogar Hausleiter.
Leider sind sie nicht lang verheiratet, als Kathy und ihr Baby bei der Geburt sterben, und Chips ist am Boden zerstört. Wieder widmet er sein ganzes Leben der Schule, so wie Kathy es von ihm gewollt hätte, und als der neue Rektor ihn zum Ruhestand drängt, da er für die Schule zu altmodisch geworden ist, lehnt er ab, und auch die Schulkuratoren, von denen er manche unterrichtet hat, lassen es nicht zu.


Nachdem er in Ruhestand gegangen ist, bricht der Erste Weltkrieg aus, und da sich viele der Lehrer freiwillig melden, auch der Rektor, wird Chips gebeten, zurückzukommen und die Stelle so lang wie notwendig zu übernehmen.
Selbst während eines Luftangriffs gelingt es ihm, die Schüler zu beschäftigen, um sie von der Gefahr abzulenken.
Eine seiner traurigen Pflichten ist es, die Listen der Ehemaligen vorzulesen, die im Krieg gefallen sind. Einmal erwähnt er auch den Tod seines alten Freunds Max, der einige Jahre vor Beginn des Kriegs nach Hause zurückgekehrt war. Die Jungen sind überrascht, ihn über einen Feind sprechen zu hören, aber wie einer von ihnen sagt, Chips hat eine Menge komischer Ideen wie diese.

Der alte Mann bleibt sein ganzes Leben lang in der Nähe der Schule.
Am Ende ist er bettlägerig und hört den Rektor und den Arzt sprechen. Der Arzt meint, wie einsam er doch gewesen sein muß, und der Rektor erzählt ihm, daß Chips früher einmal verheiratet war.


Als Chips den Arzt sagen hört, wie schade es ist, daß er nie Kinder hatte, antwortet er: "Ich dachte, ich hätte Sie sagen hören, es wäre schade, dass ich keine Kinder hätte. Aber Sie irren sich. Ich hatte welche … Tausende von Kindern … viele Tausend … und alles Jungen.".
Und vor seinen Augen ist das letzte, was er sieht, die Schlange von Jungen beim Aufruf der Namen und dann Peter Colley - es gab Generationen von Colleys in Brookfield -, der "Auf Wiedersehen, Mr. Chips." sagt.



Ich weiß, daß der Film, wenn man das so liest, vielleicht kitschig und sentimental wirkt, und ja, vielleicht ist er das auch ein bißchen, und ja, vielleicht romantisiert er das Bild von Privatschulen für privilegierte Jungen als "besondere Gemeinschaft".
Ich denke, es ist Robert Donat zu verdanken, der in dieser Rolle so fantastisch ist - es ist immer noch eine seiner beliebtesten, daß er tatsächlich mehr herzerwärmend als kitschig ist (ein junges modernes Publikum denkt vielleicht anders darüber, aber vielleicht auch nicht, denn es scheint diejenigen zu geben, die klassische Filme wiederentdecken, manchmal vielleicht als Eskapismus?)
Die Schule durch Chippings Augen zu sehen - so stur traditionell das manchmal auch sein mag - und nicht von außen verhindert meiner Meinung nach das Abrutschen ins rein Sentimentale. Man mag ja nicht immer mit ihm übereinstimmen, aber man versteht, wie er so wurde.
Natürlich darf man auch nicht vergessen, daß der Film in den Jahren zwischen 1870 und 1933 spielt. Könnt ihr euch vorstellen, wie anders er wäre, wenn es zum Beispiel die Jahre zwischen 1940 und 2003 wären, mit all den technologischen Neuerungen?
Im Film altert Donat um 63 Jahre und mit Hilfe des großartigen Makeups gelingt ihm das perfekt - und er gewann einen Oscar dafür.
Ich mochte aber auch die anderen Darsteller, vor allem in der Geschichte von Chips und Kathy (Greer Garson), aber Donat ist wirklich das Herz des Films.

Für mich ist das wie eine reine Wohlfühlmahlzeit und es scheint so, als hätte ich Mr. Chips schon immer gekannt.
Das ist witzig, denn laut einer deutschen Seite wurde der Film erst 1998 ins Deutsche synchronisiert und hier im Fernsehen gezeigt (obwohl es die übersetzte Novella schon viel länger gab). Es ist nicht so, als hätte ich nicht die ein oder andere Gelegenheit gehabt, Filme auf Englisch zu sehen, aber den hier? Ich glaube nicht.
Auf jeden Fall muß er bei mir sofort einen Nerv getroffen haben. Warum hätte ich sonst das Buch und die DVD gekauft und den Film regelmäßig angeschaut?


Ursprünglich hatte ich ja geplant, auch über die Novelle und zwei weitere Verfilmungen zu sprechen, aber ich denke, mit einem derart langen Post hätte ich euch wahrscheinlich verloren. Stattdessen bekommen sie einen eigenen Post und ich werde dann hin und her verlinken.
Vielleicht freut ihr euch zu hören, daß ich das Musical von 1969 mit Peter O'Toole und Petula Clark nicht finden konnte und das ganze nicht noch länger wird! 
🙃

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