Posts mit dem Label Douglas Fairbanks werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Douglas Fairbanks werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 30. April 2026

Stummfilme - Das Geheimnis der fliegenden Fische

Ich weiß, ich hatte Douglas Fairbanks letzte Woche, aber dieser Kurzfilm flog mir quasi vor die Füße - wow, was für eine Überleitung für den Titel 🥳 ich habe für euch "Das Geheimnis der fliegenden Fische" von 1916.


Wenn ihr euch das Kinoplakat gut anschaut, werdet ihr vielleicht überrascht sein. Es gibt mehrere Hinweise darauf, wovon der Film handelt. "The 1916 Cocaine Classic"?? Ich glaube nicht, daß ich das übersetzen muß. Ich schätze, bevor wir in die Handlung eintauchen, müssen wir hier erstmal über ein paar Dinge sprechen.
1. Dies ist eine Sherlock-Holmes-Parodie. Wir wissen alle, daß Sherlock diese ungesunde Angewohnheit hat, die Dr. Watson nicht gutheißt. Der Name "Coke" Ennyday scheint jedoch mehr eine Anspielung auf den "amerikanischen Sherlock Holmes", Craig Kennedy, zu sein, von dessen Existenz ich das erste Mal gehört habe (dann aber prompt den ersten Roman von Arthur B. Reeve in meinen Vintage Crime-Ordner gepackt habe).
2. 1916 war lang vor der Zeit, in der der Hays Code durchgesetzt wurde und sogar noch vor den Hollywood-Skandalen, die als erstes dazu führten, daß die Studios mit der Selbstregulierung anhand von Empfehlungen anfingen, die Hays 1924 einführte. Dope wurde auch in anderen Filmen erwähnt.
3. Kokain hat eine lange Verwendungsgeschichte - Coca Cola zum Beispiel hat seinen Namen ja aus einem Grund - und erst im 20. Jahrhundert begann sich die Sicht auf die Droge und ihre medizinischen Anwendungen zu verändern. Der Harrison Narcotics Tax Act, der die Verwendung von Opiaten reguliert und besteuerte, ist von 1914. Leider hat Kokain auch in Hollywood seine Geschichte ... und seine Opfer.
4. Die Geschichte ist von Tod Browning, dem Regisseur des "Dracula" von 1931, der für Horror- und Unterweltdramen bekannt war. "Freaks" verfolgt mich immer noch, also bezweifelte ich, daß dieser Kurzfilm das übertreffen können würde.

Nun da wir das geklärt haben, können wir zur Handlung übergehen. Ich möchte, daß ihr nicht mal versucht, sie mit irgendwelcher Logik anzugehen, weil es keine gibt. Nein, ehrlich, versucht es nicht.

Wir lernen "den größten wissenschaftlichen Detektiv der Welt" kennen, Coke Ennyday. Ja, er sieht nicht so recht danach aus, aber dafür kennen wir ja den Grund.


Wir wissen es sogar noch mehr, wenn wir das hier sehen. Nein, ich meine nicht die Verkleidungen, sondern die Kiste, die davor steht.
(Und warum erinnert mich der Bedienstete an Peter Boyle in "Frankenstein Junior", nur mit einer zu kleinen Pagenuniform?)


Ennyday wird von Stadtconstable Doolittle gebraucht - weil sich ein Mann ohne sichtbares Einkommen im Reichtum wälzt (Doolittles Worte, nicht meine). Sehr verdächtig.


Tatsächlich ... buchstäblich im Reichtum wälzend, was an Dagobert Duck erinnert, obwohl der Typ hier nicht in Münzen schwimmt, was sehr viel angenehmer aussieht.


Was sagt ihr dazu, das ganze Geld hat er gemacht, weil er an einem Drogenschmuggel beteiligt ist. Nein, nein ... nein, hört auf ... fragt nicht, warum man ausgerechnet Ennyday hinschicken würde, um sich das anzuschauen ... ich hab's euch gesagt, keine Logik!
Ennyday fährt an die Küste und findet heraus, daß die Drogen mit aufblasbaren "fliegenden Fischen" geschmuggelt werden (es heißt, sie seien für diesen Film erfunden worden, nochmal, fragt mich nicht, aber sie erinnern mich wirklich an fliegende Fische - im Original heißen sie springende Fische - und ich denke, sie würden heute noch gut ankommen).

Fliegender Fisch,
gemeinfrei über Wikimedia

Nur 25 Cents, um eine Stunde lang auf dem fliegenden Fisch zu reiten, der vom "Fischaufbläser"-Mädchen (Bessie Love) persönlich aufgeblasen ist!


Um es kurz zu machen, mit Hilfe einiger seiner erstaunlichen Verkleidungen - die Bedeutung von erstaunlich sei jedem selber zur Interpretation überlassen - findet Ennyday heraus, daß der verdächtige Typ mit einer jungen Dame und ein paar Asiaten (!!) zusammenarbeitet, die die "Sum Hop-Wäscherei" betreiben (autsch zum Namen ... aber ich habe ein neues englisches Slangwort für Opium gelernt).


Es folgt Chaos (plus ein kleiner Test der geschmuggelten Ware durch Ennyday und dem Beweis, daß die Fischaufbläserin sich gut selbst wehren kann, als sie gekidnappt wird und einer der Männer sie zu belästigen versucht), aber am Ende sind all die Bösewichte bereit, von der Polizei abgeholt zu werden, und es gibt ein Happy End für Ennyday und die Fischaufbläsern (es war damals nicht ungewöhnlich, daß die Charaktere keinen Namen hatten).


Aber ist das das Ende des Films?
Nein.
Denn als nächstes sind wir im Büro eines Szenarien-Entwerfers, der Doug sagt, er solle das Schreiben von Szenarien aufgeben und sich ans Schauspielern halten, also gehen Doug und Bessie.


Ende!


Ihr habt jetzt wahrscheinlich Fragen. Ich habe Fragen. Ich bezweifle, daß jemand Antworten hat, also ist hier ein Zitat von Fritzi Kramers Blog: "Ich habe einen Rat: stellt all diese Fragen nicht. Lehnt euch einfach zurück, entspannt euch und genießt diesen bizarren Kultklassiker als das, was er ist."
Ich mag das Seltsame oder leicht Bizarre, zum Beispiel bin ich Monty-Python-Fan und ich liebe (einige) schräge Cartoons. Und wie Fritzi außerdem vorhersagte - "es ist kein guter Film und es ist keine gute Komödie", aber ich "
konnte nicht mal eine Minute wegschauen". Ich gab "whoa" von mir und "was zur ..." und andere Geräusche.
Dann erinnerte ich mich daran, wie ich mal mit jemandem einen schlechten Tierhorrorfilm angeschaut habe und wir uns ernsthaft fragten, wie wohl das erste Produktionsmeeting für diesen Film war ... soll heißen, was für "Erfrischungen" nahmen sie wohl zu sich? Hier hatte ich das gleiche Gefühl. Was ging da vor sich?

Lea Stans schreibt, daß "Doug für den Rest seines Lebens so tun würde, als ob "Das Geheimnis der fliegenden Fische" nicht existierte". Ja, kann ich verstehen.
Es tut mir nicht leid, ihn angeschaut zu haben. Ich bin noch nicht fertig damit zu analysieren warum.



Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):

1. Fritzi Kramer: The Mystery of the Leaping Fish - A silent film review. Auf: Movies Silently, 25. Oktober 2015
2. Lea Stans: Thoughts On: "The Mystery of the Leaping Fish" (1916). Auf: Silent-ology, 14. November 2020
3. Douglas Small: Cocaine: a cultural history, from medical wonder to illicit drug. Auf: Aeon. Essays. 4. Oktober 2024


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 23. April 2026

Stummfilme - The Matrimaniac

Könnt ihr glauben, daß es mehr als ein halbes Jahr her ist, daß ich einen Douglas Fairbanks-Film angeschaut habe? Ich weiß, ich habe gesagt, daß Luke der Hund mein Herz von Doug weggestohlen hat, aber das heißt nicht, daß ich ihn völlig vergesse!
Doug hatte eine Menge andere Filme gemacht, bevor er ins Swashbuckler-Geschäft wechselte und heute habe ich einen davon für euch - The Matrimaniac von 1916!

Witzig, der Titel hier ist "The
Matrimoniac", aber im Film
selber heißt es eindeutig
"Matrimaniac"!

Erstmal die Handlung (Spoileralarm!)

Jimmie Conroy und Marna Lewis möchten heiraten, aber ihr Vater ist dagegen und möchte, daß sie stattdessen Wally heiratet, also beschließen Jimmie und Marna durchzubrennen. Leider wird Wally Zeuge ihrer Abfahrt und verpetzt sie bei Lewis, der ihn zum Zug schickt, um die Hochzeit zu verhindert, bis er Verfügungen in die Finger bekommt.
Wally schafft es in den Zug und konfrontiert das Paar.


Da sie vorhaben, die Hochzeit trotzdem durchzuziehen, will er ein Telegramm an Lewis schicken, aber Jimmie spricht mit dem Schaffner und heckt einen eigenen Plan aus. An der nächsten Station steigt er aus, um nach einem Reverend zu suchen, der ihn und Marna verheiratet. Leider ist Reverend Tubbs in der Wanne. Obwohl er nur einen Bademantel und Schlappen übergeworfen hat, zerrt ihn Jimmie mit sich, aber der Zug verläßt gerade den Bahnhof, als sie ankommen, und Wally verhindert, daß sie einsteigen.

In Bademantel und Schlappen zu rennen ist schwierig!

Von da an tut Jimmie alles, was ihnen dabei hilft, dem Zug zu folgen, und verteilt großzügig Geld und Schuldscheine für Kleidung für den Reverend, eine Draisine und ein Maultier, und schließlich fahren sie sogar unter einem anderen Zug mit.

Tubbs ist Reverend mit Leib und Seele, obwohl
möglicherweise das Versprechen einer
Spende an die Kirche ein bißchen geholfen hat ...

Inzwischen haben es Wally und Marna zum Hotel, wo das Paar absteigen wollte, geschafft. Jimmie und Tubbs werden verhaftet, als sie aus dem Zug steigt, aber Jimmie entkommt.
 
Schaut euch bloß mal Wally an, das
selbstgefällige kleine Wiesel.

Er ruft Marna an, die in ihrem Zimmer festsitzt, weil Wally im Flur vor der Tür sitzt, und sagt ihr, sie solle ins Gefängnis kommen, damit Tubbs sie verheiraten kann.
Also muß Marna nun mit einem eigenen Plan aufwarten. Sie tauscht mit dem Zimmermädchen, das ihr essen bringt, die Kleider und schafft es bis zum Gefängnis, wo ihr der Reverend sagt, daß Jimmie entdeckt wurde und verfolgt wird.
Marna kehrt in ihr Hotelzimmer zurück - eine wundervolle Szene, in der sie "entdeckt", daß Wally mit dem verkleideten Zimmermädchen spricht, und die verratene Frau spielt - und Jimmie landet auf den Telefondrähten. Er kommt zu einem Techniker, der eine Verbindung zwischen Reverend Tubbs im Gefängnis, Marna in ihrem Zimmer und Jimmie auf dem Mast bei ihm herstellt.

"Haltet den Mund, könnt ihr nicht sehen,
daß ich gerade heirate?"

Lewis, Wally und die Polizei warten unten und fangen an, Jimmie die Verfügung vorzulesen. Als er von der Hochzeit per Telefon hört, rennt Lewis zum Gefängnis, aber zu spät.
Am Ende sehen wir Jimmie in seinem Büro, wie er die Leute auszahlt, denen er Schuldscheine gegeben hatte. Der letzte ist der gute alte Tubbs, der nicht nur ein Bündel Geld erhält, sondern auch einen Kuß des dankbaren Jimmie!


Nachdem alle weg sind, öffnet Jimmie einen Safe, aus dem Marna kommt, direkt in seine Arme.


Ich wußte von einer Dokumentation, daß Douglas Fairbanks nicht als Mantel-und-Degen-Held, sondern als Stuntkomiker in romantischen Komödien angefangen hat, und ich hatte da auch die ein oder andere kurze Szene gesehen. Also wußte ich zwar nicht, was genau ich zu erwarten hatte, aber daß es nicht wie seine großen abendfüllenden Filme sein würde.
Dieser Film war eine lustige kleine Einführung in diese Zeiten. Außerhalb der Verfolgungsjagd gab es nicht viel Handlung, aber Jimmie und der Reverend gaben ein feines Paar ab (ich hätte auf die Szene mit dem Maultier verzichten können, aber das ist hauptsächlich, weil mich Leute auf kleineren Eseln oder Maultieren immer nervös machen).
Wie Fritzi Kramer feststellt, gab es "keine großen Showstopper-Stunts", aber Doug bekam doch etwas Klettern, Baumeln und Springen unter - an Mauern, über Menschen, von Drähten und Regenrinnen.
Mir hat's jedenfalls Spaß gemacht.



Weitere Lektüre (englisch):

Fritzi Kramer: The Matrimaniac (1916) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 12. April 2026


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Stummfilme - Douglas Fairbanks in Robin Hood

Ich bin ein Fan von Robin Hood seit, nun, eigentlich schon immer. Meine erste klare Erinnerung ist Richard Greene als Robin (habt ihr auch gleich angefangen, die Melodie zu singen?), gefolgt zum Beispiel von Errol Flynn, Kevin Costner, Cary Elwes und Michael Praed/Jason Connery. Natürlich gibt es noch viel mehr und es sieht so aus, als würde Robin auf ewig leben.
Es gab noch eine Lücke, die ich auf jeden Fall füllen mußte. Heute habe ich für euch "Douglas Fairbanks in Robin Hood". Ja, es ist wieder mal Zeit für Doug und der Titel war wirklich so geschützt, um zu vermeiden, daß ältere Robin Hood-Filme versuchten, sich an den Erfolg dieses Films anzuhängen.

Gemeinfrei über
Wikimedia Commons


Ich nehme an, ich kann die Handlungsbeschreibung diesmal kurz halten und euch werden auch die üblichen Spoiler nichts ausmachen?
Tatsächlich wird sie nicht so kurz werden. So gar überhaupt nicht, tut mir leid. Denn wißt ihr, es dauert mehr als die Hälfte des Films - 73 Minuten! - bis wir "Robin Hood" überhaupt kennenlernen. Die erste Hälfte ist die Hintergrundgeschichte, als Robin noch der Earl of Huntingdon ist.
Ich bin mir sicher, sein Publikum war genauso überrascht wie ich.

Wir beginnen am Hof von Richard Löwenherz. Der König hat eine Wette mit seinem Bruder laufen, daß sein Favorit Huntingdon das Turnier gegen Johns Favorit Sir Guy of Gisbourne gewinnen wird, und das tut er natürlich auch. Richard kündigt an, daß der Earl der zweite Kommandant auf dem Heiligen Kreuzzug sein wird. Dann sagt er ihm, er solle hingehen und die Krone des Gewinners aus den Händen der schönen Marian empfangen.
Und was ist des Earls Antwort?
"Verschont mich, Sire. Ich fürchte Frauen."
Da wird es dann schon etwas seltsam.
Natürlich interessiert das Richard nicht, egal wie oft sich der Earl mit flehendem Blick nach ihm umdreht.


In der Tat ermutigt er alle Frauen, Huntingdon zu umringen, der keine andere Möglichkeit zu entkommen sieht als ins Wasser zu springen (den Burggraben, schätze ich?). Die Szene ist tatsächlich recht witzig, wirkt aber etwas ungeschickt, und es wird noch seltsamer.


Es gibt ein großes Fest, bevor sich Richard und seine Männer auf Kreuzzug begeben. In allen Ecken sieht man Pärchen, die herumknutschen - nur Huntingdon hat Spaß dabei, mit den Jungs "seine Stärke für den Kelch zu testen, und um ehrlich zu sein, das kommt vielleicht nicht ganz so, ähm, nennen wir es mal männlich, herüber, wie das wohl gedacht war.
Richard beschließt, daß er stattdessen "seine Liebe für eine Maid testen soll", läßt ihn an ein Podest binden, das günstigerweise in der Halle herumsteht, und ruft alle Damen mit den Worten zusammen "Ein Schloß und Land für die Jungfer, die ihn für sich gewinnt". Alle außer Marian versuchen ihr Glück.
Der betrunkene Prinz John sagt Gisbourne, daß er auch die Auswahl zwischen den Jungfern haben soll.
Als sich Gisbourne an Marian heranmacht, zieht das die Aufmerksamkeit des Earls auf sich, und als Marian wegläuft und John ihr hinterhergeht, folgt er ebenfalls und konfrontiert den Prinzen. Huntingdon und Marian haben ihre Liebe gefunden.


Es ist Zeit, auf Kreuzzug zu gehen.
Huntingdon befiehlt Little John (zu dem Zeitpunkt noch der Squire genannt), Marian mit seinem Leben zu beschützen.
Als die Ritter weg sind - Gisbourne mit der Aufgabe, Huntingdon und Richard loszuwerden - geht John in die Vollen, Steuern, Folter (die Szenen waren in manchen Gegenden zensiert), allgemeine Tyrannei.
Marian versucht sich dem Prinzen entgegenzustellen, dann schickt sie Little John als Botschafter zum Earl, der Richard um Erlaubnis bittet, nach Hause zurückkehren zu dürfen. Richard lehnt ab und Huntingdon beschließt, einfach trotzdem zu gehen, wird aber von Gisbourne angeschossen, die außerdem einen Falken auf die Taube losläßt, die die Nachricht für Marian trägt (wie weit sollte dieser arme Vogel eigentlich fliegen, frage ich mich). Richard läßt Huntingdon und Little John einkerkern.

In der Zwischenzeit befragt John Marians Zofe. Unter Folge erzählt sie von der Nachricht, wird dann freigelassen und kann so ihrer Lady berichten, daß der Prinz beabsichtigt, sie zu töten. Marian und ihre Dienerin entkommen zu Pferde und täuschen ihren Tod vor.
Johns Tyrannei geht weiter, während sein Bruder im Heiligen Land siegreich ist.
Huntingdon und Little John ist es jedoch gelungen zu entkommen und sie sind nach England zurückgekehrt, wo sie von Marians Tod erfahren.

"Für Gott - für Richard - und für sie."

"Hier begann ein neues Leben .... - bitter - aber fröhlich." (Hä?)
Ja, Robin Hood ist geboren und das ist auch Zeit, wie ihr mir wahrscheinlich zustimmen werdet.


Von da an bekommt man all das Springen und Hüpfen und Tanzen und Tänzeln und Frohmannen (ich weiß, daß das kein Wort ist), das man sich nur erhoffen kann. Nein, im Ernst. Ich denke mal, Doug konnte einfach nichts aufhalten.
Und wenn ihr dachtet, daß Errol Flynn Robin Hoods ikonische Haltung mit den Händen auf den Hüften erfunden hat, tut mir leid, hat er nicht. (Wahrscheinlich hat Robin das schon in älteren Filmen getan.)


Jetzt kommen wir auf vertrautes Robin Hood-Terrain. Die Reichen bestehlen, die Armen beschenken.
Marian fehlt ihm aber immer noch.


Wo aber ist Richard?
Nun, auf dem Heimweg entgeht der einem Mordversuch durch Gisbourne, aber nur, weil sein Hofnarr, der immer gern auf Richards Thron herumsaß, zu diesem Zeitpunkt in seinem Bett schlief.
Dann erreicht ihn eine Nachricht über Johns Verrat und Robin Hood. Richard errät sofort, daß das Huntingdon ist, und reist Richtung England ab.

Nun passiert recht schnell eine Menge.
In England haben Johns Leute das Gold aus einem Nonnenkloster mitgenommen. Robin und seine Männer kommen zum Kloster, wo eine Nonne Bruder Tuck über Robins wahre Identität informiert, ihm Marian zeigt, und so werden die Liebenden wieder vereint.
Leider bekommt das einer von Johns Männern mit und berichtet es dem Prinzen. Marian wird zum Schloß zurückgebracht und eingesperrt.
Johns Leute ziehen in den Sherwood Forest, um Robin Hood zu fangen, von den Fröhlichen Mannen erwartet, während Robin nach Nottingham geht, um die Stadt zusammen mit Will Scarlett und Allan-a-Dale zu übernehmen. Ja, nur die drei.

Drei Männer sind genug, wenn sie wissen,
wie man die Leute zum Helfen motiviert, 
aber schon in der nächsten Minute muß
er los und Marian retten.

Im Wald taucht ein unbekannter (aber nicht für uns, richtig?) Ritter auf, der Robin sucht, um "sich ihm vielleicht anzuschließen oder ihn vielleicht zu töten". Er besiegt Tuck in einem Stockkampf und ist sofort willkommen (was?).
Oh, ich vergaß zu erwähnen, daß Gisbourne ebenfalls zurück ist. Er nimmt dem Prinzen heimlich den Schlüssel zu Marians Zimmer ab, aber Marian droht, aus dem Fenster zu springen, wenn er sie anfaßt, und das tut sie auch - aber Robin, der sich durchgekämpft hat, sieht sie, erklimmt die Ranken an der Schloßwand und fängt sie auf!


Dann tötet er Gisbourne.
Sie können aber nicht so leicht entkommen, also ergibt sich Robin, der auf seine Männer zählt, und gibt Marian einen Dolch, damit sie sich, wenn nötig, das Leben nehmen kann.
Natürlich kommen die Fröhlichen Mannen (und Richard) rechtzeitig. Hurra! Richard wirft John aus dem Schloß.
Der Film endet damit, daß Robin und Marian verheiratet sind und sich in ihr Gemach zurückziehen - während König Richard wie blöd an die Tür klopft.

Okay.
Der Film ist irgendwie etwas seltsam. Ich habe keine Ahnung, warum Fairbanks beschlossen hat, aus der ersten Hälfte ein kleines Schnarchfest zu machen, denn das ist es ehrlich. Ich sage nicht, daß sie eine komplette Zeitverschwendung ist, aber das ganze war vielleicht 15 Minuten wert. Allerhöchstens 20 Minuten. Ich bin nicht die einzige, die so denkt.
Die zweite Hälfte aber ist klassischer Robin Hood, so klassisch, daß er spätere Filme wirklich sehr inspiriert hat. Natürlich war es eine großartige Rolle für Fairbanks, um sein akrobatisches Können zu zeigen, obwohl er sich tatsächlich ganz und gar nicht sicher war, daß die Geschichte es wert war, einen Film über sie zu machen.
Er konnte nicht alle Stunts selber machen, aber es heißt, daß es wirklich er selber war, der die Kette der Zugbrücke hochkletterte, obwohl sein Bruder Robert ihn scheinbar überzeugen konnte, daß das zu gefährlich war. Nach der Probe ging das Double zurück in die Garderobe und Fairbanks übernahm, ohne daß es jemand wußte, und doubelte so für sein eigenes Double.


Auch wenn die zweite Hälfte mit der Hüpferei durch den Sherwood Forest etwas übertrieben war, gefiel sie mir sehr, was gut war, denn ich glaube nicht, daß ich noch mehr vom Stil der ersten Hälfte ertragen hätte.
Der Robin von Fairbanks war so, wie ich mir Robin Hood vorstellt, voller Energie, und Alan Hale gab einen großartigen und loyalen Little John ab (eine Rolle, die er übrigens dreimal spielte). Keiner der anderen fröhlichen Mannen bekam seine übliche Geschichte, sie waren einfach nur da.

Sam de Grasse war als Prinz John ein sehr glaubwürdiger Bösewicht und Gisbourne war echt gruselig.
Habt ihr übrigens den Sheriff von Nottingham vermißt? Seine Rolle war so klein, daß ich mich gefragt habe, warum sie ihn nicht einfach ganz weggelassen haben.

König Richard. Er war den ganzen Film über seltsam. Wallace Beery (der mir als Challenger in "Die verlorene Welt" wesentlich besser gefiel) war groß. Alles an ihm war groß, seine Gesten, seine Bewegungen, die Art, wie er die ganze Zeit aß, aber am meisten sein Lachen. Richard lachte über alles und er legte dabei seinen Kopf oder sogar den ganzen Oberkörper zurück, um das Lachen so groß zu machen, daß man ihn beinahe hören konnte (und auch da bin ich nicht die einzige, die das dachte).
Ich fand ihn so nervig, auch seine Besessenheit mit Huntingdon bis zum Schluß. Was für ein Ende war das denn, Richard, der wie ein Idiot an die Tür trommelte? Wollte Richard, daß Robin und Marin zusammen waren oder war er auf merkwürdige Art eifersüchtig auf sie? Schließlich war er doch derjenige gewesen, der darauf bestand, daß er sich eine Jungfer zum Lieben suchte.

Laß sie in Ruhe, Richard, sie haben Besseres zu tun!

Sprechen wir über Marian (die die interessantesten Kostüme trug, wie auch ein paar der anderen Damen, all diese Muster!).
Anfangs ist Marian nicht die typische Jungfrau in Nöten. Sie sagt sehr deutlich, was sie denkt, als sie Gisbournes Annäherungsversuch abweist, sie spricht den Prinzen darauf an, wie er das Volk behandelt, und als ihr der Tod droht, ist sie schlau genug, ihren eigenen Tod vorzutäuschen, bevor sie sich an einen sicheren Ort zurückzieht. Sogar später noch hat sie keine Angst davor, eher aus dem Fenster zu springen, als sich Gisbourne zu ergeben.
Dann taucht Robin auf und plötzlich ist Marian die Jungfer in Nöten, schnappt nach Luft und bedeckt die Augen. Ich fand das sehr unfair.

Die Produktion war, nun, wow.
Beim Anblick des riesigen Schlosses fühlte ich mich direkt alt, weil ich mich die ganze Zeit fragte, wie man auch nur versuchen könnte, so etwas zu heizen, vor allem mit all den offenen Fenstern, und die lange Treppe erinnerte mich an meine Jugend und eine ähnlich lange Treppe, die ich schon damals kaum hochkam.
Aber im Ernst, es sah toll aus und gab Fairbanks natürlich reichliche Möglichkeiten für Stunts. Ich liebe seine Stunts und und ich liebe, wie er es schafft, so fröhlich auszusehen, wenn er sie macht. Doug senior sah nicht so gut aus wie sein Sohn, aber wenn er lacht, vergesse ich das.

Hat mir der Film also gefallen? Im ganzen ja, hat er. Hätte er besser sein können. Ich denke, das hätte er. Viel weniger Hintergrundgeschichte, viel weniger von Richards Übertreibungen, ein bißchen weniger Gehüpfe und etwas mehr fröhliche Mannen.
Trotzdem kann ich mir vorstellen, den Film nochmal anzuschauen. Mit ein bißchen Vorspulen
 hier und da 😉


Quellen:

1. Allen W. Wright: Douglas Fairbanks in Robin Hood. 1922 Silent Film. Auf: Robin Hood - Bold Outlaw of Barnsdale and Sherwood. Oktober 2022
2. Erik Lundegaard: Movie Review: Robin Hood (1922). Auf: Erik Lundegaard. 12. Februar 2010


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 5. Juni 2025

Stummfilme - Der schwarze Pirat

Vor etwas mehr als drei Monaten begann ich mein Stummfilmabenteuer mit "Der Dieb von Bagdad" von Douglas Fairbanks. Nizzy Noodle! Wer hätte gedacht, daß ich tatsächlich so weit kommen würde und dessen noch kein bißchen müde bin?
Ich glaube, drei Monate sind genug, damit ich mir erlauben darf, auf ein weiteres Fairbanks-Abenteuer zurückzukommen. Diesmal tauchen wir in die Welt der Piraten ein, arrrr (tut mir leid, aber ich glaube, ich bin gesetzlich verpflichtet, das in einem Post über Piraten mindestens einmal zu sagen).
Der schwarze Pirat
 von 1926 ist beileibe nicht der erste Piratenfilm gewesen, aber ich denke, ich bin auf der sicheren Seite, wenn ich sage, daß er auf jeden Fall Standards gesetzt hat und Inspiration für nachkommende Filme geliefert hat, weil er alles hatte, was man in einen "Swashbuckler" reinpacken konnte.

Public Domain über
Wikimedia Commons


Fangen wir mit der Handlung an (wie üblich mit Spoilern).

Der Film beginnt damit, daß Piraten gnadenlos ein Schiff plündern und es dann mit den Reisenden und der Mannschaft an Bord in die Luft jagt.
Nur zwei Männer, Vater und Sohn, werden an einer Insel angespült. Der Vater stirbt und der Sohn nimmt seinen Ring an sich und schwört, ihn zu rächen.
Auch die Piraten kommen auf die Insel, um einen Teil des Schatzes zu vergraben, und die Piratenanführer machen sich bereit, die anderen zu töten, damit das Geheimnis gewahrt bleibt.


Da taucht dann der Sohn auf und bittet um Aufnahme. Um sich zu beweisen, kämpft er gegen den Piratenkapitän und tötet ihn. Als der Piratenleutnant meint, daß zum Piratenleben mehr gehöre als der Schwertkampf, behauptet er das nächste Schiff würde er allein kapern - und das tut er auch.

Um zu verhindern, daß die Passagiere und die Mannschaft getötet werden, schlägt er vor, das Schiff gegen Lösegeld einzutauschen. Als auf dem Schiff auch noch eine Dame und ihre Magd entdeckt werden und der Piratenleutnant die Dame für sich beansprucht, sagt "Der schwarze Pirat", daß sie die "Prinzessin" ebenfalls gegen Lösegeld als Geisel halten werden, aber sie muß unversehrt bleiben, nicht gerade, was der Leutnant im Sinn hat, wie ihr an seinem Blick aus dem Hintergrund erkennen könnt.


Tatsächlich hat sich unser Held auf den ersten Blick in sie verliebt und beabsichtigt, sie an Land zu bringen, was er auch den Kapitän des gekaperten Schiffes wissen läßt. Er teilt ihm auch mit, daß er "meine besten Soldaten" schicken soll und gibt ihm den Ring seines Vaters. Ich meine, wir haben ja von Anfang an den Verdacht gehabt, daß er kein gewönlicher Mann ist, richtig?

Der Piratenleutnant hat aber jemanden von seiner Mannschaft damit beauftragt, auf das Schiff zu gehen und es in die Luft zu jagen, damit es nicht zurückkommen kann, "Der schwarze Pirat" daher nicht zum Kapitän gemacht wird und er selber die Frau für sich bekommt.
Als das Schiff nicht mit dem Lösegeld zurückkommt, wird "Der schwarze Pirat" gewzungen, über die Planke zu gehen, aber mit Hilfe der Dame und von MacTavish, einem der Piraten, der ihm gegenüber loyal geworden ist, überlebt er und geht an Land, um Hilfe zu holen.

Er kehrt gerade rechtzeitig zurück, bevor die Dame ein schreckliches Schicksal erleidet, und seine Truppen überwältigen die Piraten.
Der Gouverneur enthüllt, daß er in Wirklichkeit Herzog Arnoldo ist, und er bittet die Lady, die in der Tat eine Prinzessin ist, um ihre Hand.

Es heißt, Mary Pickford sei eifersüchtig gewesen und daß das sie in der
Kußszene ist. Es gibt Archivmaterial von ihr in dem Kostüm,
also könnte das schon stimmen.
Bitte beachtet auch, daß "Der schwarze Pirat" von weiten Hosen (siehe
erstes Bild) zu kurzen gewechselt hat, als er sich den Piraten
angeschlossen hat.

Laßt mich zunächst sagen, daß ich nie ein großer Fan von Piratenfilmen war. Ich mag keine Kampfszenen mit vielen Leuten und das ganze wird nicht besser dadurch, daß es auf einem Schiff ist, wo es auch noch Kanonen, eine Menge Schwerter, Seile und Segel gibt.

In "Der schwarze Pirat" gibt es jedoch nicht haufenweise Massenkampfszenen. Wir haben eine große am Ende, obwohl sie mich nicht so sehr beeindruckt wie die "Uniformen" der Truppen. Nicht sicher, ob das das richtige Wort dafür ist. Aber ich greife mal wieder vor.


Fairbanks hatte schon eine Weile einen Piratenfilm machen wollen, sagte aber daß er "sich Piraterie nicht ohne Farbe vorstellen konnte".
In der Tat war dies der erste große abendfüllende Film, der komplett in Technicolor gefilmt wurde, während es zuvor nur einzelne Szenen gab. Wenn ihr das hört, denkt ihr vermutlich an satt und bunt, aber zu dieser Zeit gab es nur "two-strip" Technicolor, dies konnte bloß die Rot- und Grüntöne einfangen.
Wie ihr euch vorstellen könnt, war der Prozeß nicht billig und verlangte deshalb nach jemanden, der nicht nur gerne Neues ausprobierte, sondern auch das Geld dafür hatte.

Fairbanks wollte aber nicht, daß die Neuheit der Farbe das Publikum von der Handlung selbst ablenkte. Also legten sie sich auf eine zurückhaltende Farbpalette fest und, wenn nötig, wurde alles eingefärbt, damit es dann auf der Leinwand die richtige Farbe zeigte. Auch die Beleuchtung hatte Auswirkungen auf die Farbe, und es gab ein doppeltes Set von Kostümen, für künstliches und (überwiegend) natürliches Licht.
Vielleicht wirkt der Film auf euch nicht wie ein echter Farbfilm, aber ich fand, daß das tatsächlich gut zur Atmosphäre paßt.

Die Handlung war recht geradlinig. Ich sagte ja, daß sie alles hatte, aber diesmal gab es keine Rieseneffekte oder -sets, auch wegen der Kosten für Technicolor, es lag alles in der Geschichte.
Es gab die Schwertkämpfe, die Dame in Nöten, Verrat und Intrige, Loyalität, Humor und natürlich die akrobatischen Stunts, für die Fairbanks bekannt war.
Der größte Stunt, der mehr als einmal nachgeahmt wurde, war natürlich, wie der schwarze Pirat das Segel hinunterglitt, indem er sein Messer hineinstach und es dann aufschlitzte, während er auf dem Weg nach unten war. Es gab unterschiedliche Theorien dazu, wie dieser Stunt durchgeführt wurde (siehe die Quellen), aber wer muß das eigentlich wissen? Es ist einfach toll anzusehen, wir müssen doch nicht alles analysieren.



Für die Länge war die Handlung perfekt und ich war weder gelangweilt noch wurde ich von Kampfszenen überwältigt.
Die Chemie zwischen dem schwarzen Piraten, seinem treuen Gefährten MacTavish (der außerdem für ein wenig Komik sorgte) und dem bösen Piratenleutnant funktionierte wirklich gut.
Für die Romanze kann ich nicht unbedingt dasselbe sagen, aber das überraschte mich auch nicht. Die typische Dame in Nöten ist eben genau das - in Nöten. Sie darf nicht viel mehr tun als sich schwach zu fühlen oder zu verzweifeln, bis sie dann am Schluß glücklich verliebt sein darf.
Zumindest hat unsere Prinzessin es recht schlau fertiggebracht, dem schwarzen Piraten ein Messer zuzustecken, als er mit gefesselten Händen über die Planke gehen sollte.
Also ja, ich hatte viel mehr Spaß, als ich von einem Piratenfilm erwartet hatte, und ich würde ihn wirklich zum Anschauen empfehlen.


Quellen (englisch):

1. Fritzi Kramer: The Black Pirate (1926) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 16. Juli 2017
2. Jeffrey Vance: The Black Pirate - Essay. Auf: San Francisco Silent Film Festival (A Day of Silents 2015)
3. The Black Pirate (1926). Auf: The Chasbah, 3. Februar 2024
4. Carl Bennett: The Black Pirate (1926). Auf: Silent Era
5. Tracey Goessel: The Black Pirate. Auf: Library of Congress, National Film Preservation Board

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 13. März 2025

Stummfilme - Der Dieb von Bagdad

Wie in diesem Post angekündigt habe ich nun mein Stummfilm-Projekt gestartet, schneller als ich es sogar selber erwartet hatte.

Als meinen ersten Film habe ich "Der Dieb von Bagdad" mit Douglas Fairbanks sr in der Hauptrolle und unter der Regie von Raoul Walsh ausgesucht.
Als ich über den Film "Sindbad der Seefahrer" von 1947 mit dem Junior schrieb, der sehr als Hommage an seinen Vater angesehen wird, sagte ich, daß ich als nächstes die 1940er Version von "Der Dieb von Bagdad" anschauen würde (vielleicht für einen anderen Post) und möglicherweise auch den Stummfilm von 1924. Das war bevor ich beschloß, etwas gegen meine abnehmende Aufmerksamkeitsspanne zu tun und Stummfilme in diesen Prozeß mit einzuschließen. Also wurde aus dem "möglicherweise" ein "bestimmt", obwohl mein erster Versuch recht schwarch war. Es war ein sehr müder Tag und ich mußte die Mission nach 20 Minuten abbrechen, nachdem ich buchstäblich die Augen nicht mehr offenhalten konnte, um auch nur irgendetwas anderes zu tun als innerhalb von Sekunden einzuschlafen.


Public Domain über Wikimedia Commons
(Anton Grot)


Neuer Tag, neues Glück.
Es gibt verschiedene Versionen des Films auf YouTube, restauriert, unrestauriert, unterschiedliche Auflösungen, verschiedene Musik. Zuerst wählte ich willkürlich eine und bekam eine Art ätherische und sich wiederholende Musik, die beim Kampf gegen meine Augenlider vielleicht nicht so hilfreich war.
Beim zweiten Mal sah ich mich erstmal um und wählte dann diese hier mit der originalen Musik von Mortimer Wilson. Es gibt auch eine deutsche Version, die kürzer ist und außerdem deutsch synchronisiert. Kein Witz. Keine Ahnung, woher der Text kommt und ob das etwas Offizielles war, ich empfehle sie jedenfalls nicht. Selbst wenn die Zwischentitel im Original auf Englisch sind, ist der Film zu verstehen, also tut euch die Synchronisation nicht an.

2 1/2 Stunden und sehr zu meiner eigenen Überraschung hatte ich kein Problem damit, obwohl ich von vornherein sagen muß, daß der Film meiner Meinung nach nicht so lang sein müßte.
Ich mußte eine kleine Pause einlegen, weil die Katzen am Rande des Hungertods standen und das sehr dramatisch zu verstehen gaben. Sie wären in Stummfilmen großartig gewesen (sie sind selten gesprächig und da sie kurz davor standen, auf der Stelle tot umzufallen, waren ihre Stimmen völlig weg).
Direkt nach dem Film startete ein kurzes Video mit Leonard Maltin, einem bekannten und respektierten Filmkritiker. Er meinte: "'Der Dieb von Bagdad' ist einfach ein großartiger Film, wird aber manchmal mißverstanden, weil Douglas Fairbanks ihn so groß spielt. Seine Gesten sind so groß, daß ihn die Leute manchmal auslachen, und ich sage 'nein nein, lacht ihn nicht aus, lacht mit ihm, er macht das absichtlich, er macht es wie ein Ballett. ... Aber alles an diesem Film ist groß. Der andere Grund, warum er ihn so machen wollte, ist, daß er nicht von den Kulissen und den Spezialeffekten in den Schatten gestellt werden wollte. Er wollte, daß es immer noch ein Douglas Fairbanks-Film ist."
Das war auch mein Gedanke gewesen. Es war wie ein Ballett auf der Leinwand mit Fairbanks als dem Haupttänzer, der es sehr zu genießen schien.

Die Handlung zu "Der Dieb von Bagdad" mag euch stellenweise vertraut vorkommen.
Fairbanks ist Ahmed, ein Dieb in Bagdad (das habt ihr nicht erwartet, was?), zusammen mit einem Freund. Mit der Hilfe eines Zauberseils, das er auf dem Marktplatz gestohlen hat, dringt er in den Palast des Kalifs von Bagdad ein, um dort einen Schatz zu stehlen, aber als er die schlafende Tochter des Kalifen erblickt, verliebt er sich und verläßt den Palast nur mit ihrem Schuh als Souvenir.
Sein Freund ist von dem Schuh zunächst verwirrt, aber dann versteht er, was passiert ist.

Mein liebster Zwischentitel.
Ich frage mich, was die Leute denken werden,
wenn ich das in mein Repertoire aufnehme,
vielleicht für ein Arbeitsmeeting.
Nizzy noodle! Keine Ahnung, wie ich das
übersetzen soll.


Also erzählt er Ahmed die Geschichte einer Prinzessin, die aus einem Palast "gestohlen" wurde, nachdem man sie betäubt hat (nicht cool, Jungs).
Um Zutritt zum Palast zu bekommen, schließen sich Ahmed und sein Freund, in gestohlenen Sachen aufgeputzt - einer Gruppe von drei Prinzen an, dem Prinzen von Indien, dem Prinzen von Persien und dem Prinzen der Mongolen, der eigentlich Bagdad erobern will. Die Prinzessin soll sich unter ihnen einen Ehemann aussuchen. Natürlich ist es Liebe auf den ersten Blick, als er in die Stadt einreitet.
Er klettert zu ihrem Zimmer hinauf, stellt aber fest, daß er sie zu sehr liebt, um seinen Plan durchzuziehen und sie zu entführen. Bevor er und sein Freund jedoch den Palast verlassen können, werden die Prinzen zusammengerufen, um zu erfahren, daß die Prinzessin Ahmed erwählt hat.
Unglücklicherweise erkennt die mongolische Sklavin der Prinzessin in ihm den Dieb von der Nacht zuvor und verrät ihn an den Prinzen der Mongolen, auf dessen Seite sie verständlicherweise steht, gerade als Ahmed der Prinzessin alles gebeichtet hat. Ahmed wird ausgepeitscht und soll von einem Menschenaffen zerrissen werden, aber die Prinzessin besticht die Wachen, damit sie ihn freilassen.
Um die Hochzeit mit einem der drei Prinzen hinauszuzögern, läßt sie sie von ihrem Vater in die Ferne schicken, derjenige, der den seltensten Schatz zurückbringt, wird ihr Ehemann werden.
Auch Ahmed hört davon und macht sich auf den Weg. Mit Hilfe eines Einsiedlers während seiner gefährlichen Reise - Feuer, die Tiefsee und Monster - findet er ein geflügeltes Pferd, das ihn an einen Ort bringt, an dem ein Zauberkästchen unter einem Umhang der Unsichtbarkeit versteckt ist.
Der Prinz von Persien findet einen magischen Teppich, der Prinz von Indien einen magischen Kristall und der Prinz der Mongolen einen Zauberapfel, der heilen kann. Er hat dem Sklavenmädchen befohlen, die Prinzessin zu vergiften, damit er sie heilen und so ihre Hand und den Thron gewinnen kann. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat er es geschafft, 20000 seiner Männer in der Stadt zu stationieren.
Als die Prinzen im Kristall sehen, daß die Prinzessin dem Tode nahe ist, nehmen sie den Zauberteppich, um nach Bagdad zu kommen, wo der Apfel sie gerade noch rechtzeitig heilt.
Gerade als der Mongolenprinz den Thron dank seiner Armee eingenommen hat und befiehlt, daß die Hochzeit sofort stattzufinden hat, erreicht Ahmed Bagdad und benutzt das Zauberkästchen, um eine sogar noch größere Armee zu erschaffen, die die Mongolen in die Flucht schlägt.
Bevor ihr Prinz aber, wie von der Sklavin vorgeschlagen, mit der Prinzessin auf dem fliegenden Teppich entkommen kann, rettet Ahmed, der dank des Umhangs unsichtbar ist, sie.
Am Ende fliegen sie zusammen auf dem Teppich davon.

Dies ist ein Märchen (was der Untertitel
"An Arabian Nights Fantasy" hätte andeuten können). Ich habe also eine Rezension nicht ganz verstanden, in der stand, daß die Zuschauerin vom Film nicht überzeugt war, weil sie keine Märchenperson ist. Ehrlich, ich denke, wenn ich das nicht wäre, hätte ich nicht mal versucht, den Film anzuschauen.
Dann kommt natürlich noch die Frage des Orientalismus auf, was bei einer Geschichte, die von "1001 Nacht" inspiriert und in diesen Zeit produziert worden ist, zu erwarten war.
Tatsächlich gab es
Proteste, als Fairbanks und seine Frau Mary Pickford auf einer Welttour 1929 Shanghai besuchten, und zwar wegen der Kontroverse um die Darstellung des Mongolenprinzen (nicht der einzige Film in dieser Zeit, der in China kontrovers gesehen wurde), was dann wiederum dazu führte, daß Fairbanks öffentliche Empfänge ablehnte.
Hier ist übrigens ein interessanter Artikel über eine Sammlung von "Filmpostern, die eine orientalistische Fantasie schaffen". Dieser Post führte mich von einem großen Kaninchenloch zum nächsten.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, daß es ein Märchen ist, aber für mich war es nicht so extrem wie zum Beispiel Aufstand in Sidi Hakim (woran mich schon der Titel ärgert) oder Im Empire geht die Sonne nie unter.
Der Bösewicht war Mongole, ja, und ich weiß nicht, warum sie für die Prinzen diese drei Länder ausgewählt hatten oder ob sie überhaupt groß darüber nachdachten, aber er war ein Eroberer, der Bagdad wollte, und weiße Eroberer im richtigen Leben haben uns gezeigt, daß sie viel Schlimmeres tun konnten, also habe ich ihn und alle Mongolen sicherlich nicht durch den Film für den Inbegriff der Schlechtigkeit gehalten.

Gehen wir mal zurück und sprechen über das "große Ballett".
Wie ich schon sagte, war Fairbanks der Haupttänzer und Akrobat und wenn man das ganze als Märchenballett sehen kann und über das expressive Overacting eines Stummfilms hinwegkommen kann - etwas, das ich selber erst lernen mußte - ist es wirklich unterhaltsam, seinen großen Gesten mit den Armen und seinem "Tanz" zuzuschauen.
Er mag ja mit seinen 41 zu alt für die Rolle gewesen sein, aber wenn man ihm nicht ins Gesicht schaut, hätte man das wirklich nicht gedacht, so wie er sich seinen Weg durch den Film springt und klettert und das im ersten Teil auch noch ohne Hemd (sein Aussehen gefiel mir wesentlich besser als übergroße Muskeln).


Könnt ihr euch vorstellen, wie es gewesen sein muß, damals so etwas anzuschauen? Es muß magisch gewesen sein, sogar für Fairbanks selber, dessen Lieblingsfilm es laut seinem Sohn war.
Es gibt Rezensenten, die den Film gealtert finden. Ich verstehe ja, daß Stummfilme nicht jedermanns Sache sind, aber wie kann man sie überhaupt mit neue/ren Filmen vergleichen?
Ein anderer läßt uns wissen, es sei offensichtlich, daß alle Monster unecht sind. Ernsthaft?! Ich bin ja so froh, daß er mir das gesagt hat!
Leute, dieser Film ist 100 Jahre alt. Natürlich ist er gealtert und hat offensichtlich unechte Monster (zeigt mir einen Film, der echte hat, doh) und trotzdem kann er noch eine Menge Leute verzaubern, mich eingeschlossen.
Es gab einige gute schauspielerischen Leistungen, zum Beispiel von Anna May Wong als Sklavin - besser als die Prinzessin, die überwiegend Ahmed anschmachten mußte - und Sôjin Kamiyama als der Mongolenprinz.
Hätten die Monsterkämpfe etwas länger und das Liebesgeflüster ein ganzes Stück kürzer? Ja. Hätten die Armeeszenen etwas kürzer sein dürfen? Ja. Auch wenn ich weiß, daß mir nicht jeder zustimmt, - Kaninchenloch - hat der Film mich dennoch nicht zum Einschlafen gebracht, nicht mal Ahmeds unvermeidlicher Wandel von Dieb zu gutem Menschen, wodurch er sich als der Prinzessin würdig erwies.
Ist es ein Film, den ich immer wieder anschauen möchte? Nein. Kann ich mir vorstellen, ihn überhaupt irgendwann nochmal anzuschauen? Absolut.

Kommen wir nun zum anderen großen Star.
Der Film mag bei den Kritikern gut angekommen sein, aber er war wegen der Kosten kein kommerzieller Erfolg.
Es war einer der größen und teuersten Filme, die bis dahin gemacht worden waren, und kostete die unglaubliche Summe von 1,135,654 Dollar und 65 Cent. Ich frage mich, wofür die 65 Cent waren
😉
Das ist wirklich nicht überraschend, wenn man sich die Kulissen anschaut. Sie sind riesig und man merkt gar nicht, daß sie nur zwei Jahre zuvor als Nottingham Castle in "Robin Hood" ihren Beginn hatten, bevor Produktionsdesigner William Cameron Menzies sie in Bagdad umwandelte, indem er sie massiv ausweitete.
Man muß sich das selber anschauen, um eine Vorstellung davon zu bekommen.
Ich habe mich bei der Frage ertappt, wie sie wohl den Stoff für die langen Vorhänge im Palast gemacht haben und wie man so etwas wäscht. Mir ist außerdem aufgefallen, daß ich von manchen Kostümen ganz fasziniert war (möglicherweise nicht die, an die ihr jetzt denkt).

Natürlich gibt es dann auch noch die Spezialeffekte - nicht nur die unechten Monster. Ich habe die Szene mit der Meeresspinne geliebt, den fliegenden Teppich, den kleinen "Wirbelwind", der den Tarnumhang andeutete, die Effekte waren so gut für die Zeit.  Ich wäre gern in einem damaligen Publikum gesessen, um die Reaktionen zu sehen.
Natürlich wißt ihr schon, daß ich altmodisch bin und solche Effekte manchmal den heutigen Supereffekten vorziehe, auch wenn manche ein wenig lächerlich wirken.

Ich habe fast vergessen, etwas zur Musik zu sagen. Wie erwähnt habe ich die Version mit der Originalmusik ausgesucht. Fairbanks hatte bei "The Mark of Zorro" schon mit Wilson gearbeitet und beauftragte ihn daher, die Filmmusik für "Der Dieb von Bagdad" zu schreiben und zwar mit der Anweisung "Ihre Musik so künstlerisch wie möglich zu machen".
In den 80ern wurde der Film mit einer Filmmusik von Carl Davis aufgeführt, die auf Kompositionen von Rimsky-Korsakov beruhte, und auch diese Version kann man auf YouTube finden, aber mir gefiel die Originalmusik sehr und ich mag die Vorstellung, daß das auch das war, was das ursprüngliche Publikum zu hören bekam.

Wahrscheinlich seid ihr jetzt müder davon, das zu lesen, als ich vom Anschauen des Films. So ja, falls ihr jemals bereit dazu seid, einen Stummfilm anzuschauen, warum versucht ihr dann nicht den hier?
In den Quellen habe ich noch ein paar Artikel und Rezensionen hierzu gesammelt, falls ihr noch nicht genug gelesen habt, ich habe eine Mischung aus positiven und nicht so positiven ausgesucht. Letztendlich müßt ihr sowieso selber entscheiden.

Ich hoffe auch, daß ihr jetzt keine Angst davor habt, mir zu meinem nächsten Stummfilmabenteuer zu folgen. Die Liste wächst so langsam ...


Quellen (englischsprachig):
1. Jeffrey Vance: The Thief of Bagdad. An essay on "San Francisco Silent Film Festival" 2013
2. Darragh O'Donoghue: The Thief of Bagdad. On "Senses of Cinema", issue 84, September 2017
3. Kirsten O'Regan: Aladdin to Thief of Baghdad: How film posters created an Orientalist fantasy. On "Middle East Eye", May 15, 2019
4. Reviews of "The Thief of Bagdad" on Letterboxd
5. Kage Baker: Ancient Rockets: The Thief of Bagdad. On "Reactor", August 10, 2009

6. Craig Lysy: The Thief of Bagdad - Mortimer Wilson. On "Movie Music UK", August 8, 2022

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.