Freitag, 14. März 2025

Pack die Vorräte an - Kristallpfeil

Für diejenigen, die es noch nicht wissen, ich bin (Halb-)Schwäbin. Wie alle Regionen sind uns unsere eigenen Klischees zugeteilt, eines davon ist, daß wir uns nicht gern von unserem Geld trennen.
Manchmal habe ich selber einen Anfall von Sparsamkeit, wenn es darum geht, kleine Reste aufzubrauchen. Hebt ihr Faden, Draht, Stoffstückchen usw. auf? Dann versteht ihr vielleicht, wovon ich spreche. Ich mache das aber nicht so wirklich organisiert. Manchmal hebe ich Faden in Längen auf, von denen ich weiß, daß ich sie anderweitig verwenden kann, weil dieser Faden in Deutschland nicht erhältlich ist und es stimmt, daß ich mich nicht gern von meinem Geld trennen, wenn es verrückte Portokosten betrifft ... und ja, Porto ist mehr als verrückt geworden.
Außerdem behalte ich auch Stickuntergrund und den Stoff für die Rückseite, wenn ich denke, daß ich damit noch etwas anfangen kann. Wenn es eine verrückte Form ist, kann das für mich sogar eine Herausforderung sein und viel Spaß machen, so wie der Anhänger "Mod Herz".


Es kann auch eine Herausforderung wenn es eine seltsame Form hat und außerdem ziemlich klein ist, was mich zum heutigen Vorratsfresser bringt. Er liegt schon eine Weile herum und es war höchste Zeit, ihn fertigzustellen.

Der Startpunkt für dieses Stück war die Form des Stickuntergrunds, die mich an einen Pfeil erinnerte.
Da er recht klein war, brauchte der Pfeil etwas, das ihn richtig auffällig machte, also schaute ich mir meine Vorräte an und fand ein Röhrchen, in dem ich verschiedene Perlen gesammelt hatte, darunter rote Kristalle, manche klein und opak, die anderen groß, transparent und sehr glitzrig.

Ich trage selber gewöhnlich nicht so oft Rot, obwohl mir die Farbe gefällt, aber Rot in Schmuck ist etwas Besonderes. Es springt nicht nur gerade zu von einem Outfit und kann daher einen tollen Akzent darstellen, ohne zu überwältigend zu sein, sondern es strahlt für mich auch immer diesen coolen gothic Vampirevibe aus, den ich liebe.
Schwarz und rot ist eine meiner liebsten Farbkombinationen und wäre Gundel nicht so streng bezogen auf das Tragen von Kostümen, würde ich ihr zu gern einen kleinen schwarzen Umhang mit rotem Satinfutter schenken
😼

Für die Größe dieses Stücks schien rot und schwarz jedoch zuviel zu sein, also wählte ich stattdessen eins meiner Lieblingsrots bei Rocailles. Es ist umwerfend, satt und dunkel mit einem wunderschönen Schimmer. Ich habe schwarzen Faden benutzt, damit es sogar noch dunkler wirkt.
Zuerst wollte ich daraus eine Halskette machen und vielleicht ein Herz oder so etwas ergänzen, aber dafür war der Pfeil zu breit. Ich beschloß, daß er für sich allein glänzen mußte und damit war die offensichtliche Wahl eine Brosche!
Könnt ihr es auch auf einem schwarzen Mantel, einer Jacke oder einem anderen Oberteil vorstellen?

Donnerstag, 13. März 2025

Stummfilme - Der Dieb von Bagdad

Wie in diesem Post angekündigt habe ich nun mein Stummfilm-Projekt gestartet, schneller als ich es sogar selber erwartet hatte.

Als meinen ersten Film habe ich "Der Dieb von Bagdad" mit Douglas Fairbanks sr in der Hauptrolle und unter der Regie von Raoul Walsh ausgesucht.
Als ich über den Film "Sindbad der Seefahrer" von 1947 mit dem Junior schrieb, der sehr als Hommage an seinen Vater angesehen wird, sagte ich, daß ich als nächstes die 1940er Version von "Der Dieb von Bagdad" anschauen würde (vielleicht für einen anderen Post) und möglicherweise auch den Stummfilm von 1924. Das war bevor ich beschloß, etwas gegen meine abnehmende Aufmerksamkeitsspanne zu tun und Stummfilme in diesen Prozeß mit einzuschließen. Also wurde aus dem "möglicherweise" ein "bestimmt", obwohl mein erster Versuch recht schwarch war. Es war ein sehr müder Tag und ich mußte die Mission nach 20 Minuten abbrechen, nachdem ich buchstäblich die Augen nicht mehr offenhalten konnte, um auch nur irgendetwas anderes zu tun als innerhalb von Sekunden einzuschlafen.


Public Domain über Wikimedia Commons
(Anton Grot)


Neuer Tag, neues Glück.
Es gibt verschiedene Versionen des Films auf YouTube, restauriert, unrestauriert, unterschiedliche Auflösungen, verschiedene Musik. Zuerst wählte ich willkürlich eine und bekam eine Art ätherische und sich wiederholende Musik, die beim Kampf gegen meine Augenlider vielleicht nicht so hilfreich war.
Beim zweiten Mal sah ich mich erstmal um und wählte dann diese hier mit der originalen Musik von Mortimer Wilson. Es gibt auch eine deutsche Version, die kürzer ist und außerdem deutsch synchronisiert. Kein Witz. Keine Ahnung, woher der Text kommt und ob das etwas Offizielles war, ich empfehle sie jedenfalls nicht. Selbst wenn die Zwischentitel im Original auf Englisch sind, ist der Film zu verstehen, also tut euch die Synchronisation nicht an.

2 1/2 Stunden und sehr zu meiner eigenen Überraschung hatte ich kein Problem damit, obwohl ich von vornherein sagen muß, daß der Film meiner Meinung nach nicht so lang sein müßte.
Ich mußte eine kleine Pause einlegen, weil die Katzen am Rande des Hungertods standen und das sehr dramatisch zu verstehen gaben. Sie wären in Stummfilmen großartig gewesen (sie sind selten gesprächig und da sie kurz davor standen, auf der Stelle tot umzufallen, waren ihre Stimmen völlig weg).
Direkt nach dem Film startete ein kurzes Video mit Leonard Maltin, einem bekannten und respektierten Filmkritiker. Er meinte: "'Der Dieb von Bagdad' ist einfach ein großartiger Film, wird aber manchmal mißverstanden, weil Douglas Fairbanks ihn so groß spielt. Seine Gesten sind so groß, daß ihn die Leute manchmal auslachen, und ich sage 'nein nein, lacht ihn nicht aus, lacht mit ihm, er macht das absichtlich, er macht es wie ein Ballett. ... Aber alles an diesem Film ist groß. Der andere Grund, warum er ihn so machen wollte, ist, daß er nicht von den Kulissen und den Spezialeffekten in den Schatten gestellt werden wollte. Er wollte, daß es immer noch ein Douglas Fairbanks-Film ist."
Das war auch mein Gedanke gewesen. Es war wie ein Ballett auf der Leinwand mit Fairbanks als dem Haupttänzer, der es sehr zu genießen schien.

Die Handlung zu "Der Dieb von Bagdad" mag euch stellenweise vertraut vorkommen.
Fairbanks ist Ahmed, ein Dieb in Bagdad (das habt ihr nicht erwartet, was?), zusammen mit einem Freund. Mit der Hilfe eines Zauberseils, das er auf dem Marktplatz gestohlen hat, dringt er in den Palast des Kalifs von Bagdad ein, um dort einen Schatz zu stehlen, aber als er die schlafende Tochter des Kalifen erblickt, verliebt er sich und verläßt den Palast nur mit ihrem Schuh als Souvenir.
Sein Freund ist von dem Schuh zunächst verwirrt, aber dann versteht er, was passiert ist.

Mein liebster Zwischentitel.
Ich frage mich, was die Leute denken werden,
wenn ich das in mein Repertoire aufnehme,
vielleicht für ein Arbeitsmeeting.
Nizzy noodle! Keine Ahnung, wie ich das
übersetzen soll.


Also erzählt er Ahmed die Geschichte einer Prinzessin, die aus einem Palast "gestohlen" wurde, nachdem man sie betäubt hat (nicht cool, Jungs).
Um Zutritt zum Palast zu bekommen, schließen sich Ahmed und sein Freund, in gestohlenen Sachen aufgeputzt - einer Gruppe von drei Prinzen an, dem Prinzen von Indien, dem Prinzen von Persien und dem Prinzen der Mongolen, der eigentlich Bagdad erobern will. Die Prinzessin soll sich unter ihnen einen Ehemann aussuchen. Natürlich ist es Liebe auf den ersten Blick, als er in die Stadt einreitet.
Er klettert zu ihrem Zimmer hinauf, stellt aber fest, daß er sie zu sehr liebt, um seinen Plan durchzuziehen und sie zu entführen. Bevor er und sein Freund jedoch den Palast verlassen können, werden die Prinzen zusammengerufen, um zu erfahren, daß die Prinzessin Ahmed erwählt hat.
Unglücklicherweise erkennt die mongolische Sklavin der Prinzessin in ihm den Dieb von der Nacht zuvor und verrät ihn an den Prinzen der Mongolen, auf dessen Seite sie verständlicherweise steht, gerade als Ahmed der Prinzessin alles gebeichtet hat. Ahmed wird ausgepeitscht und soll von einem Menschenaffen zerrissen werden, aber die Prinzessin besticht die Wachen, damit sie ihn freilassen.
Um die Hochzeit mit einem der drei Prinzen hinauszuzögern, läßt sie sie von ihrem Vater in die Ferne schicken, derjenige, der den seltensten Schatz zurückbringt, wird ihr Ehemann werden.
Auch Ahmed hört davon und macht sich auf den Weg. Mit Hilfe eines Einsiedlers während seiner gefährlichen Reise - Feuer, die Tiefsee und Monster - findet er ein geflügeltes Pferd, das ihn an einen Ort bringt, an dem ein Zauberkästchen unter einem Umhang der Unsichtbarkeit versteckt ist.
Der Prinz von Persien findet einen magischen Teppich, der Prinz von Indien einen magischen Kristall und der Prinz der Mongolen einen Zauberapfel, der heilen kann. Er hat dem Sklavenmädchen befohlen, die Prinzessin zu vergiften, damit er sie heilen und so ihre Hand und den Thron gewinnen kann. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat er es geschafft, 20000 seiner Männer in der Stadt zu stationieren.
Als die Prinzen im Kristall sehen, daß die Prinzessin dem Tode nahe ist, nehmen sie den Zauberteppich, um nach Bagdad zu kommen, wo der Apfel sie gerade noch rechtzeitig heilt.
Gerade als der Mongolenprinz den Thron dank seiner Armee eingenommen hat und befiehlt, daß die Hochzeit sofort stattzufinden hat, erreicht Ahmed Bagdad und benutzt das Zauberkästchen, um eine sogar noch größere Armee zu erschaffen, die die Mongolen in die Flucht schlägt.
Bevor ihr Prinz aber, wie von der Sklavin vorgeschlagen, mit der Prinzessin auf dem fliegenden Teppich entkommen kann, rettet Ahmed, der dank des Umhangs unsichtbar ist, sie.
Am Ende fliegen sie zusammen auf dem Teppich davon.

Dies ist ein Märchen (was der Untertitel
"An Arabian Nights Fantasy" hätte andeuten können). Ich habe also eine Rezension nicht ganz verstanden, in der stand, daß die Zuschauerin vom Film nicht überzeugt war, weil sie keine Märchenperson ist. Ehrlich, ich denke, wenn ich das nicht wäre, hätte ich nicht mal versucht, den Film anzuschauen.
Dann kommt natürlich noch die Frage des Orientalismus auf, was bei einer Geschichte, die von "1001 Nacht" inspiriert und in diesen Zeit produziert worden ist, zu erwarten war.
Tatsächlich gab es
Proteste, als Fairbanks und seine Frau Mary Pickford auf einer Welttour 1929 Shanghai besuchten, und zwar wegen der Kontroverse um die Darstellung des Mongolenprinzen (nicht der einzige Film in dieser Zeit, der in China kontrovers gesehen wurde), was dann wiederum dazu führte, daß Fairbanks öffentliche Empfänge ablehnte.
Hier ist übrigens ein interessanter Artikel über eine Sammlung von "Filmpostern, die eine orientalistische Fantasie schaffen". Dieser Post führte mich von einem großen Kaninchenloch zum nächsten.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, daß es ein Märchen ist, aber für mich war es nicht so extrem wie zum Beispiel Aufstand in Sidi Hakim (woran mich schon der Titel ärgert) oder Im Empire geht die Sonne nie unter.
Der Bösewicht war Mongole, ja, und ich weiß nicht, warum sie für die Prinzen diese drei Länder ausgewählt hatten oder ob sie überhaupt groß darüber nachdachten, aber er war ein Eroberer, der Bagdad wollte, und weiße Eroberer im richtigen Leben haben uns gezeigt, daß sie viel Schlimmeres tun konnten, also habe ich ihn und alle Mongolen sicherlich nicht durch den Film für den Inbegriff der Schlechtigkeit gehalten.

Gehen wir mal zurück und sprechen über das "große Ballett".
Wie ich schon sagte, war Fairbanks der Haupttänzer und Akrobat und wenn man das ganze als Märchenballett sehen kann und über das expressive Overacting eines Stummfilms hinwegkommen kann - etwas, das ich selber erst lernen mußte - ist es wirklich unterhaltsam, seinen großen Gesten mit den Armen und seinem "Tanz" zuzuschauen.
Er mag ja mit seinen 41 zu alt für die Rolle gewesen sein, aber wenn man ihm nicht ins Gesicht schaut, hätte man das wirklich nicht gedacht, so wie er sich seinen Weg durch den Film springt und klettert und das im ersten Teil auch noch ohne Hemd (sein Aussehen gefiel mir wesentlich besser als übergroße Muskeln).


Könnt ihr euch vorstellen, wie es gewesen sein muß, damals so etwas anzuschauen? Es muß magisch gewesen sein, sogar für Fairbanks selber, dessen Lieblingsfilm es laut seinem Sohn war.
Es gibt Rezensenten, die den Film gealtert finden. Ich verstehe ja, daß Stummfilme nicht jedermanns Sache sind, aber wie kann man sie überhaupt mit neue/ren Filmen vergleichen?
Ein anderer läßt uns wissen, es sei offensichtlich, daß alle Monster unecht sind. Ernsthaft?! Ich bin ja so froh, daß er mir das gesagt hat!
Leute, dieser Film ist 100 Jahre alt. Natürlich ist er gealtert und hat offensichtlich unechte Monster (zeigt mir einen Film, der echte hat, doh) und trotzdem kann er noch eine Menge Leute verzaubern, mich eingeschlossen.
Es gab einige gute schauspielerischen Leistungen, zum Beispiel von Anna May Wong als Sklavin - besser als die Prinzessin, die überwiegend Ahmed anschmachten mußte - und Sôjin Kamiyama als der Mongolenprinz.
Hätten die Monsterkämpfe etwas länger und das Liebesgeflüster ein ganzes Stück kürzer? Ja. Hätten die Armeeszenen etwas kürzer sein dürfen? Ja. Auch wenn ich weiß, daß mir nicht jeder zustimmt, - Kaninchenloch - hat der Film mich dennoch nicht zum Einschlafen gebracht, nicht mal Ahmeds unvermeidlicher Wandel von Dieb zu gutem Menschen, wodurch er sich als der Prinzessin würdig erwies.
Ist es ein Film, den ich immer wieder anschauen möchte? Nein. Kann ich mir vorstellen, ihn überhaupt irgendwann nochmal anzuschauen? Absolut.

Kommen wir nun zum anderen großen Star.
Der Film mag bei den Kritikern gut angekommen sein, aber er war wegen der Kosten kein kommerzieller Erfolg.
Es war einer der größen und teuersten Filme, die bis dahin gemacht worden waren, und kostete die unglaubliche Summe von 1,135,654 Dollar und 65 Cent. Ich frage mich, wofür die 65 Cent waren
😉
Das ist wirklich nicht überraschend, wenn man sich die Kulissen anschaut. Sie sind riesig und man merkt gar nicht, daß sie nur zwei Jahre zuvor als Nottingham Castle in "Robin Hood" ihren Beginn hatten, bevor Produktionsdesigner William Cameron Menzies sie in Bagdad umwandelte, indem er sie massiv ausweitete.
Man muß sich das selber anschauen, um eine Vorstellung davon zu bekommen.
Ich habe mich bei der Frage ertappt, wie sie wohl den Stoff für die langen Vorhänge im Palast gemacht haben und wie man so etwas wäscht. Mir ist außerdem aufgefallen, daß ich von manchen Kostümen ganz fasziniert war (möglicherweise nicht die, an die ihr jetzt denkt).

Natürlich gibt es dann auch noch die Spezialeffekte - nicht nur die unechten Monster. Ich habe die Szene mit der Meeresspinne geliebt, den fliegenden Teppich, den kleinen "Wirbelwind", der den Tarnumhang andeutete, die Effekte waren so gut für die Zeit.  Ich wäre gern in einem damaligen Publikum gesessen, um die Reaktionen zu sehen.
Natürlich wißt ihr schon, daß ich altmodisch bin und solche Effekte manchmal den heutigen Supereffekten vorziehe, auch wenn manche ein wenig lächerlich wirken.

Ich habe fast vergessen, etwas zur Musik zu sagen. Wie erwähnt habe ich die Version mit der Originalmusik ausgesucht. Fairbanks hatte bei "The Mark of Zorro" schon mit Wilson gearbeitet und beauftragte ihn daher, die Filmmusik für "Der Dieb von Bagdad" zu schreiben und zwar mit der Anweisung "Ihre Musik so künstlerisch wie möglich zu machen".
In den 80ern wurde der Film mit einer Filmmusik von Carl Davis aufgeführt, die auf Kompositionen von Rimsky-Korsakov beruhte, und auch diese Version kann man auf YouTube finden, aber mir gefiel die Originalmusik sehr und ich mag die Vorstellung, daß das auch das war, was das ursprüngliche Publikum zu hören bekam.

Wahrscheinlich seid ihr jetzt müder davon, das zu lesen, als ich vom Anschauen des Films. So ja, falls ihr jemals bereit dazu seid, einen Stummfilm anzuschauen, warum versucht ihr dann nicht den hier?
In den Quellen habe ich noch ein paar Artikel und Rezensionen hierzu gesammelt, falls ihr noch nicht genug gelesen habt, ich habe eine Mischung aus positiven und nicht so positiven ausgesucht. Letztendlich müßt ihr sowieso selber entscheiden.

Ich hoffe auch, daß ihr jetzt keine Angst davor habt, mir zu meinem nächsten Stummfilmabenteuer zu folgen. Die Liste wächst so langsam ...


Quellen (englischsprachig):
1. Jeffrey Vance: The Thief of Bagdad. An essay on "San Francisco Silent Film Festival" 2013
2. Darragh O'Donoghue: The Thief of Bagdad. On "Senses of Cinema", issue 84, September 2017
3. Kirsten O'Regan: Aladdin to Thief of Baghdad: How film posters created an Orientalist fantasy. On "Middle East Eye", May 15, 2019
4. Reviews of "The Thief of Bagdad" on Letterboxd
5. Kage Baker: Ancient Rockets: The Thief of Bagdad. On "Reactor", August 10, 2009

6. Craig Lysy: The Thief of Bagdad - Mortimer Wilson. On "Movie Music UK", August 8, 2022

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Dienstag, 11. März 2025

Stummfilme - so fängt's an

"Ich habe in letzter Zeit festgestellt, daß meine Aufmerksamkeitsspanne kürzer als früher ist. ... Filme sind viel zu lang. ... Hat von euch jemand bemerkt, daß sich eure Aufmerksamkeitsspanne verkürzt hat?"
Das hat ein Mitglied in der Jewelry Artisans Community vor einer Weile als ihr Thema für den "täglichen Thread" gewählt.
Hier ist ein Teil meiner eigenen Antwort:
"Das kommt darauf an. Manchmal bemerke ich, daß ich mehrere Geräte anhabe. Es ist okay für mich, eine Hintergrundkulisse zu haben, zum Beispiel einen Film, während ich an etwas arbeite (das gilt nur für Arbeit für mich selber, nicht für die Bibliothek), aber gleichzeitig ein Film, ein Blogpost und ein Telefongespräch funktioniert nicht, und manchmal bemerke ich nicht mal, daß ich die ganze Zeit zwischen ihnen hin und her springe. ... Ich habe damit angefangen zu versuchen, mich auf ein Gerät oder Medium or eine Aktivität zu konzentrieren. ..."

Mein Leben änderte sich, als ich das Drahthäkeln entdeckte. Ich hatte das nicht erwartet, weil ich mich von meinen Schulerfahrungen her ziemlich unfähig in Handarbeiten hielt. Ich hatte erst ernsthaft zu stricken begonnen, nachdem ich mit der Fachhochschule anfing, weil es produktiver war als die endlosen Kritzeleien, mit denen ich wie blöd Papier verbrauchte. Das waren noch die Zeiten, als die meisten Dozierenden das Stricken im Unterricht erlaubten, solange es nicht zu laut war - gibt es das noch? - und all die anderen Bastelarbeiten, die ich ausprobierte, schienen von Anfang an dem Untergang geweiht zu sein.
Als ich anfing, mit Draht zu häkeln, war es nicht nur für mich eine Überraschung, wieviel Geduld ich für etwas Kreatives aufbringen konnte.
Jahrelang war ich nicht glücklich, wenn ich nicht an etwas herumfiddeln konnte. Ich trug immer etwas Draht und den Häkelhaken meines Vertrauens bei mir, im Zug, in Wartezimmer, für Pausen. Mit der Zeit kamen immer mehr Techniken dazu, manche nicht für lang, andere schafften es, meine Aufmerksamkeit zu behalten, die meisten davon waren aber nicht zum Mitnehmen geeignet.
Außerdem hatte ich, wenn ich weg war, immer ein Buch dabei, daheim aber las ich immer weniger. Es gab meine Basteleien und das Internet und beim Basteln konnte ich eben im Hintergrund etwas laufen lassen (ich gehörte auch zu den Kindern, die immer Musik brauchten, um Hausaufgaben oder Hausarbeiten zu erledigen), aber
Hörbücher sind eben nicht mein Ding. Dann fing ich an, von daheim aus zu arbeiten und hatte nicht mal mehr die lange Pendelstrecke zum Lesen.
Außerdem bemerkte ich, wie schon oben erwähnt, daß ich viel zu schnell von einem zum anderen hüpfte, wenn ich von etwas gestreßt war - was in den letzten Jahren häufig vorkam.

Ich finde wirklich, daß ich etwas deswegen unternehmen muß. Wieder zu Büchern greifen (und den Katzen vorlesen, das hilft mir beim Konzentrieren und ihnen scheint es zu gefallen), Geräte aktiv abschalten, wenn ich ein neues einschalte (und ich habe ja nicht mal ein Smartphone, das ich die ganze Zeit mit mir herumschleppe), bewußt eine Sache nach der anderen tun. Wieder Radio hören.
Ich wünschte, ich könnte sagen, daß es großartig läuft, aber obwohl der Fortschritt im Moment noch etwas holprig ist, scheint mir doch, daß ich zumindest schon eine kleine Verbesserung erkennen kann.


Public Domain über Wikipedia

Fragt ihr euch jetzt, was das mit Stummfilmen zu tun hat?
Es war nie leicht für mich, Stummfilme anzuschauen, obwohl ich damit aufgewachsen bin. Nein, ich bin noch nicht so alt, es waren Wiederholungen im Fernsehen, vielen Dank auch.
Ich habe um Weihnachten herum erwähnt, daß ich nicht fertigbrachte, "Der kleine Lord" mit Mary Pickford anzuschauen, weil er nicht mal Musik hatte. Für einen Stummfilm braucht man eine Menge Aufmerksamkeit und manche sind auch noch richtig lang.

Also dachte ich mir, daß das eigentlich ganz gut zu meinem "Training" passen würde. Ich werde Stummfilme anschauen und dann hier darüber schreiben. Wahrscheinlich steht in jedem Post sowas wie "typisches Stummfilm-Overacting, dramatische/keine/seltsame Musik (je nachdem wer Musik hinzugefügt hat oder nicht), mußte ihn auf zweimal anschauen, weil er so lang war", aber ich werde mein Bestes tun.
Es wird dafür keinen bestimmten Wochentag geben, ich muß einfach mal sehen, wie es klappt.

Der erste Film ist schon ausgewählt, nachdem ich heute eine spätere Tonfilm-Version davon gesehen habe, vielleicht gibt es ja irgendwann sogar einen Vergleich.
Ich hoffe mal, es wird nicht nur Training, sondern macht einer altmodischen Dame wie mir auch ein bißchen Spaß.

Montag, 10. März 2025

10 am 10. - Irrationales


10 Dinge, die ich tun würde, die ein wenig oder sehr irrational sind.
Marsha von Marsha in the Middle wurde vom Pi-Tag, der offiziell seit 1988 gefeiert wird, zur Wahl dieses Themas inspiriert.
Ich habe gefragt, ob es um Dinge geht, die ich gern tun würde, oder Dinge, die ich schon getan habe, und bekam zur Antwort, ich könne das nehmen, was ich will.

Was ist aber irrational bei Menschen?
Der Duden sagt mir, "irrational" bedeutet "mit der Ratio, dem Verstand nicht fassbar; dem logischen Denken nicht zugänglich; vernunftwidrig".
Es ist ein Klischee, daß Frauen dazu neigen, emotional und irrational zu sein, während Männer logisch und rational sind. Nach Jahrzehnten in der Dienstleistung ist das kein Klischee, dem ich mich anschließen kann. Aus meiner Erfahrung werden für dasselbe Verhalten oft nur unterschiedliche Worte verwendet. Frauen sind emotional und irrational bei einem Thema, benehmen sich Männer ebenso, werden sie zum Beispiel leidenschaftlich genannt.

Ihr merkt, daß ich schon wieder zuviel hierüber nachdenke, typisch für mich. Denkt einfach daran, daß irrational relativ sein, aber ja, manche meiner 10 mögen euch überraschen.


1. Bisher hat mich noch niemand gefragt, was eine mordsmäßige Schande ist, aber ich würde absolut einem Suchtrupp nach Nessie beitreten, wenn das Boot nicht zu klein ist, nicht weil ich Angst habe, daß Nessie es umwerfen würde, sondern weil ich klaustrophobisch bin.
Es wäre schwieriger, einem nach Bigfoot beizutreten, denn ich sehe mich selber nicht mehr auf Waldwanderungen.
Ich denke, der Grund hierfür ist offensichtlich - um mit Fox Mulder zu sprechen, I want to believe, ich möchte glauben.


2. Anthropomorphisieren - unbelebten Objekten Gefühle zusprechen und mit ihnen reden.
Ja, ich rede mit unbelebten Objekten, manchmal entschuldige ich mich sogar bei ihnen, aber nicht mit allen und nicht dauernd. Tatsächlich ist es nicht so ungewöhnlich, daß Menschen das tun. Ich hatte allerdings nicht Sehnsucht danach, meinen Toaster zu heiraten - wartet mal, ich habe gar keinen Toaster - ok, dann eben meinen Handmixer, obwohl wir seit 35 Jahren zusammen sind. Das Nette an ihnen ist, daß sie nicht zurückquatschen. Alle mögen gute Zuhörer.
Auf dem Bild ist mein Teddy, von mir genialerweise mit dem Namen Teddy bedacht. Ich habe ihn zu meiner Geburt bekommen, obwohl ich mich nicht aktiv daran erinnern kann, und ich war nur einmal ohne ihn (außer für Urlaube, für die ich ihn schamlos allein daheim ließ), als die sehr junge Tochter eines Freundes meines Vaters sich in den "sprechenden Bär" verliebte und meine Mutter ihn ihr über das Wochenende auslieh, ohne mich zu fragen. Ich war ungefähr sieben und am Boden zerstört. Das änderte sich in Empörung, als er in einer Plastiktüte zurückgebracht wurde, auf dem Kopf stehend. So würdelos! Ich hatte sogar in diesem Alter schon sehr starke Meinungen.



3. Dies ist Hannah. Sie war im Oktober 2020 meine Angestellte des Monats, weil sie mir half, den schwierigsten Teil einer Seite meiner perlenbestickten HeatherCat-Schuhe in Angriff zu nehmen. Sie war außerdem die einzige Nadel, die je einen Namen und ein Blogfeature von mir erhielt. Wenn Beharrlichkeit eine Form hätte, wäre es diese.
Ich danke auch kaputten Nadeln für ihren Einsatz, obwohl ich sie nicht in Tofu oder Konnyaku stecke. Verwirrt? Schaut nach, was Hari Kuy
ō ist und ihr werdet es verstehen.

4. Meine Bookmarks und die Icons in meiner Taskleiste müssen in einer bestimmten Reihenfolge sein. Wenn sie das nicht sind, wird etwas Schreckliches geschehen. Oder vielleicht auch nicht, aber ich brauche meine Reihenfolge, damit ich sie mehr oder weniger blind anklicken kann.
Es ist schwer genug, daß ich noch nicht komplett gelernt habe, wie ich meine neue Fernbedienung für den Fernseher blind benutzen kann. Wer braucht derartig viele Knöpfe?


5. Ich kann es nicht ertragen, wenn Menschen laut essen, aber ich habe absolut kein Problem damit, wenn Tiere es tun. Zu meinen großen Lieblingen im Tierpark gehörten die Stachelschweine, auch wenn sie nicht so gesprächig waren wie Teddy (nicht mein Teddy).
Schnarchen kann mich wahnsinning machen - es sei denn, es sind meine Katzen. So niedlich.

6. Ich trage seit Jahren keine Armbanduhr mehr, als ich es aber noch getan habe, stand sie immer auf kalifornischer Zeit, seit ich das erste Mal dort zu Besuch war. Zunächst war das nur, um das Urlaubsgefühl etwas länger zu behalten, als wir wieder daheim waren, und dann blieb es einfach so.
Es hat die Leute total verwirrt, zum Beispiel die Uhrmacher, die neue Batterien eingesetzt haben. Ich erinnere mich an ein Mal, als einer von ihnen meinte "oh, ich stelle sie noch schnell, das ist die falsche Zeit" und meine Schwester nur leicht ihren Kopf in seine Richtung schüttelte, um anzudeuten, er solle es einfach lassen
😂

7. Wenn ich meine Lieblings-Tortillachips (Nacho Cheese) oder Erdnußflips kaufe, müssen sie im Angebot sein, und selbst dann kaufe ich sie nicht jedesmal, weil es einfach zu gefährlich ist, sie dazuhaben.
Ich esse sie mit Stäbchen, weil ich es hasse, das Pulver an meine Finger zu kriegen. Obwohl ich eigentlich eingeschworene Rechtshänderin bin, was hart war, als ich einen Katzenbiß hatte, kann ich das besser mit der linken Hand.
Wartet mal, ist das überhaupt irrational?

8. Ich kenne eine Menge Leute, die das, was jetzt kommt, nachvollziehen können. Es ist der Grund für die Website, die "Does the dog die?" heißt, obwohl es dort jetzt alle möglichen Triggerwarnungen gibt. Wir können einen Thriller anschauen, Krimi oder vielleicht sogar einen Horrorfilm, aber bestehen darauf, daß man sich von den Tieren fernhält. Ich habe Bücher schon abgebrochen, von den ich zwar wußte, daß es Monster gibt, aber ich hatte es satt, daß wieder mal ein Hund umgebracht wurde (ja, Preston und Child, ich schaue euch an, habt ihr ein persönliches Problem mit Hunden?).


9. Keine Aufzüge für mich. Wie erwähnt bin ich klaustrophobisch und das ist mit dem Alter nur schlimmer geworden.
Aufzüge sind das Schlimmste. Es fing an, nachdem ich zweimal bei der Arbeit steckengeblieben war - verschiedene Gebäude - seither machte mich jeder kleine Schluckauf extranervös, bis ich sie gar nicht mehr benutzen konnte.
Mir ist klar, daß das irrational ist, aber Panik ist eben Panik. Ihr werdet mich auch nicht mehr beim Besuch einer Höhle antreffen und wahrscheinlich werde ich niemals U-Boot-Kommandantin. Ich gebe immer noch Poe die Schuld.

10. Ich liebe Geräusche, die bei Handwerk und Kunsthandwerk entstehen, eine Nadel, die durch den Stoff sticht, das kleine Plopp der Perlen, wenn sie zwischen den Kettfäden eines Perlenwebrahmens ein"rasten", das Klackern von Stricknadeln usw. Sie haben etwas Beruhigendes für mich.
Ich liebe auch Dokumentationen über solche Tätigkeiten, und manchmal, wenn ich etwas mache, tu ich so, als wäre ich in einer solchen Dokumentation und spiele in meinem Kopf durch, wie ich erklären würde, was ich gerade mache.

Da, jetzt kennt ihr die ganze gräßliche Wahrheit über mich (tut ihr nicht, aber wir können so tun als ob)!
Aber hey, ich habe ein Extra für euch, rebellisch wie ich bin.



11. Als Kind hat mir jemand erzählt, daß in dem Raum unter unserer Kellertreppe ein Vampir lebte, naja, oder eben nicht lebte. Ich muß damals fünf oder so gewesen sein, und ich schwöre, mehr als einmal gehört zu haben, wie sich der Sargdeckel schloß. Man konnte durch die Stufen der Kellertreppe hindurchsehen, und obwohl ich zuviel Angst hatte, selber in diesen Raum hineinzuschauen, war ich doch fest überzeugt, daß der Vampir herausfassen und mich schnappen würde, wenn ich dort hinunterlief.
Auch wenn ich die Geschichte irgendwann nicht mehr glaubte, verlor ich nie das komische Gefühl auf dieser Treppe.

Da habt ihr's, jetzt wißt ihr wirklich alles.

Samstag, 8. März 2025

Random Saturday - Diamond Painting

Wenn ich in der Stadt bin, nehme ich gewöhnlich den Bus nach Hause, und da dieser spezielle Bus nur jede Stunde fährt, versuche ich meine Termine drumherum zu planen.
Manchmal haut das aber nicht perfekt hin und ich muß etwas Zeit totschlagen, meistens nicht genug für irgendwelche großen Einkäufe, aber zu lang, um sie auf der Bank an der Bushaltestelle zu verbringen, vor allem wenn es kalt ist.
Eine Art, das zu tun, war, in den Euroshop zu gehen, der jetzt an einen anderen Standort umgezogen ist, also bleibt nur noch das Discount-Warenhaus, in dem es ein bißchen von allem gibt.

Ich gehe immer in die Ecke mit Bastel- und Bürobedarf, wo ich manchmal Kleinzeug mitnehme wie Stifte, Pinsel, Klebstoff oder was ich sonst noch so sehe, das ich gerade brauchen kann. Oft haben sie die gleichen Dinge wie im Euroshop.
Als ich das letzte Mal dort war, hatten sie Diamond Painting-Sets. Obwohl ich schon schöne Bilder gesehen habe, habe ich Diamond Painting nie als Hobby für mich in Erwägung gezogen.
Allerdings habe ich eine Online-Freundin, die richtig große Bilder macht, und eine andere Freundin besorgte sich ein Set, als sie zeitweise keinen Zugang zu ihrem Schmuckstudio hatte und meinte, es hätte mehr Spaß gemacht, als sie erwartet hatte. Also dachte ich mir, es wäre interessant, es wenigstens einmal auszuprobieren.

Ich hatte noch nie zuvor über die Geschichte von Diamond Painting nachgedacht.
Laut dem, was ich gelesen habe, wurde es in den frühen 2000ern in Asien erfunden und verbreitete sich dann weltweit.
Man benutzt kleine Plastik"diamanten", auf Englisch "drills" genannt, die rund oder quadratisch sein können (es gibt auch Sonderformen), und setzt sie auf einen klebrigen Untergrund, um ein funkelndes "Gemälde" zu erhalten. Zunächst wurde für den Untergrund Samt und für das Aufkleben Klebstoff verwendet. Heutzutage ist der Untergrund behandelt, damit er klebrig ist, und man benutzt einen Stift mit Wachs, um die Steinchen anzuheben. Die Leinwand, das Wachstuch oder der Samt, die heute verwendet werden, sind mit dem Muster in Zahlen oder Symbolen bedruckt. Man kann sich sogar ein eigenes Bild als Set umsetzen lassen, als ich aber mal darüber nachdachte, ein solches zu verschenken, habe ich Bewertungen dazu gesehen, daß die Farben nicht immer richtig herauskommen.
Es erinnert wirklich an Kreuzstich oder an Malen nach Zahlen, das grundsätzlich in den 20ern erfunden wurde, seine echte Erfolgsgeschichte aber in den 50ern begann, nur eben mit Steinchen statt Sticktwist oder Farbe. Wählt man außerdem runde statt quadratischer Steinchen, gibt es natürlich Lücken.
Es gibt sogar so etwas wie den "partial drill", das bedeutet, es wird nur ein Teil der Unterlage bedeckt.

Das sehr kleine Set, das ich mir aussuchte, ist "partical drill" und kostete mich unglaubliche 2 €. Offensichtlich erwartete ich für das Geld kein Meisterwerk, sondern nur einen kleinen Einblick, worum es hier eigentlich ging.
Als erstes überzeugten mich an dem Set die beiden Stellen an Schwanz und Bein nicht, die nicht bedeckt waren, weil "davor" Schmetterlinge sind. Da die Schmetterlinge nur im Druck zu sehen sind, paßt das nicht gut zum 3D-Look des Fuchses und für mich sieht es eher aus, als fehlt dem Bein ein Stück. Es waren massig Extrasteinchen dabei, also hätte ich etwas Klebstoff verwenden können - weil diese Stellen nicht klebrig sind - und einfach trotzdem welche aufsetzen können. Das habe ich nicht gemacht, weil mir das ganze ja nur einen Eindruck von Diamond Painting vermitteln sollte, nicht weil ich das Bild behalten wollte.
Allerdings setzte ich drei schwarze Steinchen auf die Nase (dort war es klebrig), weil das Loch irgendwie verstörend aussah und das Lächeln dort, wo statt Kinn und Brust ein Bart zu sein scheint, auch etwas unheimlich war.


Wenn man auf Seiten geht, wo Sets verkauft werden, kann man auch Fakten über Diamond Painting und Erklärungen zu den Vorzügen und darüber, warum es so beliebt ist, finden.
Ich konnte selber ziemlich schnell feststellen, daß es nichts für mich ist, selbst bei einem so kleinen Set, das in kurzer Zeit fertiggestellt war, weil ich irgendwie nicht die perfekte Sitzposition fand und mich darum verkrampfte. Nach der zweiten Farbe wollte ich einfach nur, daß es irgendwie fertig wurde.
Ich glaube nicht, daß es daran lag, daß das Muster eben so war und mir darum die Motivation fehlte, denn ich hatte ja nichts erwartet, es ging mehr um die Frage, das bequem und schmerzfrei machen zu können. Hätte ich die perfekte Haltung gefunden und ein echt gutes Muster gehabt, könnte ich absolut erkennen, wie das meditativ und beruhigend sein könnte, auch wenn ich es gegen keine meiner derzeitigen Techniken tauschen wollen würde.
Was ich nicht verstehen kann ist, wie meine Online-Freundin es schafft, das mit einer Katze neben sich zu machen, er muß wirklich ein außergewöhnlich wohlerzogener Bursche sein!

Donnerstag, 6. März 2025

Im Empire geht die Sonne nie unter

Willkommen zurück zum "Winter of Fairbanks Jr." mit Lisa von Boondock Ramblings.

Der heutige Titel sagt schon alles, auch wenn ich nicht herausfinden konnte, ob es den Film jemals auf Deutsch gab. Im Original heißt er "The Sun Never Sets" - ja, wir sind wieder beim British Empire, diesmal geht es um das Colonial Office (Kolonialamt), eine Regierungsabteilung im Königreich, das für die meisten der britischen Kolonien zuständig war.

In der Familie Randolph gibt es eine lange Tradition, im Kolonialdienst zu arbeiten.
Großvater Randolph hat eine große Karte voller kleiner Fähnchen, die für jeden Randolph stehen, der seine Pflicht in einer der Kolonien tut. Wenn einer von ihnen versetzt wird, bewegt er das entsprechende Fähnchen, stirbt einer, wird das Fähnchen in einer kleinen Truhe "beerdigt".

Clive (Basil Rathbone) und seine Frau Helen sind gerade erst von einer Mission an der Goldküste (das heutige Ghana) nach Hause zurückgekehrt.
Bei einem Familientreffen verkündet sein jüngerer Bruder John (Douglas Fairbanks jr.), daß er nicht beabsichtigt, in den Kolonialdienst einzutreten und von einer Mission zur nächsten zu wandern. Seine Familie ist sich nicht nur sicher, daß er seine Meinung ändern wird, sie sind genauso überrascht, daß Phyllis, in die er verliebt ist, in darin unterstützt.
Dann überzeugt ihn sein Großvater jedoch davon, es wenigstens zu probieren, Clives stachelt ihn an, indem er sagt, es wäre möglich, daß er nicht einmal angenommen würde, und auf einmal ändert auch Phyllis ihre Meinung, also beschließt John, doch einzutreten und an die Goldküste zu gehen, aber ohne sie, da er erst einmal für sich allein herausfinden muß, was er wirklich will.

Über Internet Archive

Überraschenderweise muß Clive mit ihm gehen, er hat die Aufgabe herauszufinden, woher die geheimnisvollen Übertragungen kommen, die sich in der Welt verbreiten und für Unbehagen sorgen.
Ein Verdächtiger ist Doktor Zurof, ein Wissenschaftler, der behauptet, Ameisen zu studieren, der aber heimlich eine Radiostation eingerichtet hat und plant, die Welt in Kriege zu stürzen, um dann vom Verkauf des Molybdäns aus der Mine zu profitieren, wo die Station ist, und die Macht zu übernehmen.
Die schwangere Helen hat Clive begleitet, obwohl sie nicht glücklich darüber war zurückzugehen.
Gerade als sie in kritischer Verfassung ist, wird Clive durch eine dringende Nachricht mit einem Geheimcode weggerufen, obwohl John nicht verstehen kann, wie er in dieser Situation gehen kann. Als also Doktor Zurof auftaucht, gelingt es ihm, John dazu zu bringen, Clive zurückzurufen, damit er seine Geheimstation nicht entdeckt. Clive erwartet, eine wichtige Nachricht vorzufinden, stattdessen erfährt er vom Tod des Babys. Er weiß, daß er versagt hat und seinen Job verlieren wird. Die Schande! Er und Helen kehren heim und John bleibt zurück.

Die Übertragungen rühren die Welt weiterhin auf, aber John weiß nicht, was er tun soll, als eine weitere wichtige Nachricht ankommt.
Phyllis taucht auf, und obwohl er zunächst nicht will, daß sie bleibt, heiraten sie schließlich.
Sie machen ihren Burschen betrunken, weil das der einzige Weg ist, daß er sich an alle Nachrichten erinnern kann, so finden sie die wichtige heraus, aus der klar wird, was Zurof vorhat.
Also gibt John vor, betrunken zu sein, um Zugang zur Mine zu bekommen, von dort sendet er eine Übertragung, die nur seine Familie verstehen kann.
Clive führt eine Bombermission zur Mine an, während der Zurof und seine Männer getötet werden, John aber überlebt. Ich hoffe nur, die eingeborenen Arbeiter waren in Ordnung.
Zum Schluß werden die beiden Paare von ihrer Mutter daheim willkommen geheißen und man sieht, wie sie vor Opas Karte stehen und zusammen Fähnchen versetzen. Ich bin ja so froh, daß sie ihren Platz in der Familie gefunden haben, der eigenen und dem Kolonialdienst ...

Ihr habt vielleicht schon aus der Art, wie ich die Handlung erzählt habe, geschlossen, daß ich den Film nicht mochte.

Zu viele steife Oberlippen, zuviel Imperialismus, zu viele tapfere und pflichtbewußte britische Männer - und pflichtbewußte Frauen, die hinter ihnen und ihren Entscheidungen standen.
All das war in eine seltsame Handlung eingepackt. Ich habe Fragen und hier sind nur ein paar davon.
Was waren das für mysteriöse Übertragungen, daß sie einen so schnellen Effekt auf die gesamte Welt hatten?
Wie genau wäre Zurof durch den Verkauf seines Molybdäns ein Diktator geworden und wie schnell?
Wann hat Clive das Buch über "die Ameisenwelt" geschrieben, das Zurof dazu brachte zu sagen "DER Randolph."? Ich weiß, das ist nicht die wichtigste Frage, aber wenn er doch schon als Baby beim Service eingetreten ist ... okay, ich übertreibe, aber ehrlich, wann hat er die Zeit gefunden, ein Ameisenexperte zu werden, wenn er sich doch den Hintern für den Service abschuftete?
Warum konnte niemand Helen davon überzeugen daheimzubleiben?
Wie hat John überlebt, wenn Zurof und ALL seine Männer auf der Stelle im Raum nebenan gestorben sind, ohne sich auch nur zu bewegen? Ich bin so froh, daß die Ameise überlebt, die über Zurofs Stirn krabbelte, sehr symbolisch.

Der Film war kein Kassenschlager und sie beschuldigten sich entweder gegenseitig oder den Kriegsanfang.
Es heißt, C. Aubrey Smith, der (natürlich) den Großvater spielte, habe zuFairbanks jr. am ersten Drehtag gesagt "Mieser Titel. Sie ist schon untergegangen."

Wie gewöhnlich finden manche, daß dies ein toller Abenteuerfilm ist, während andere - mich eingeschlossen - gerne ihre 1 1/2 Stunden zurückhätten.
Um mit einer Rezensentin zu sprechen. "Wenigstens haben wir ein paar klasse Momente von Doug mit zerzausten Haaren." Schön gesagt, DAMIT kann ich übereinstimmen.

Dienstag, 4. März 2025

Die große Zarin oder Die scharlachrote Kaiserin

 

Letzte Woche habe ich für den Winter of Fairbanks jr. den Film "Katharina die Große" vorgestellt und dabei erwähnt, daß ich plane, zum Vergleich "Die große Zarin" aus demselben Jahr - 1934 - anzuschauen.
Das habe ich am Wochenende spontan gemacht und nun versuche ich, euch meine Gefühle zu diesem Film zu vermitteln, was nicht einfach sein wird.


In meinem Post über "Katharina" (verzeiht mir, daß ich den Titel ab hier abkürzen werde) habe ich folgendes geschrieben.
"
Er erzählt vom Zeitraum ab der Ankunft von Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst in Rußland für die Heirat mit Großfürst Peter, des Neffen und Erben der kinderlosen Zarin Elisabeth, bis zur Übernahme des Throns von ihrem Mann mit Hilfe der ihr ergebenen Offiziere."
"Die große Zarin" beginnt jedoch mit einer kurzen Szene von Sophie als Kind (Dietrichs eigene Tochter) und einer Andeutung auf den Henker, worauf eine Sequenz folgt, die die Folterungen und Hinrichtungen zeigt, die zuvor in Rußland geschehen sind (sehr eindeutig Pre-Code!), bevor zu einer verspielten und unschuldigen Sophie im Teenageralter geschnitten wird, die auf einer Schaukel im Garten sitzt.
Ein Botschafter, Graf Alexei, kommt an, um sie für die Hochzeit mit Peter mit nach Rußland zu nehmen. Als sie ihn über Peter befragt, meint er, er sei sehr gutaussehend. Während der Reise läßt er sie wissen, daß er sich in sie verliebt hat, und küßt sie.
Als sie nach Rußland kommen, entdeckt Sophie schockiert, daß Peter geistig gestört und instabil ist (wie im anderen Post erwähnt, sind Historiker nicht mehr unbedingt dieser Meinung) und keineswegs der schöne, junge Mann, den man ihr versprochen hat. Kaiserin Elisabeth erwartet, daß sie ihrem Neffen eine treue Frau ist und Rußland einen männlichen Erben schenkt, sonst nichts.
Sophie - jetzt Katharina genannt - beginnt sich vom unschuldigen Mädchen in eine selbstbewußte Frau zu verwandeln. Von Alexei enttäuscht, den sie vermeidet, seit sie entdeckt hat, daß er Elisabeths Geliebter ist, fängt sich an, sich andere Liebhaber zu suchen. Auch Peter hat eine Geliebte, die hofft, daß er sie heiraten wird, wenn Elisabeth erstmal gestorben ist und man Katharina losgeworden hat.
Nach Elisabeths Tod stellt Peter Katharina unter Hausarrest und verbreitet das Gerücht, daß sie im Sterben liegt, aber ihr Geliebter Orlov und die ihr ergebenen Truppen helfen ihr bei der Flucht und beginnen den Umsturz, während dessen Orlov Peter tötet - so wird Katharina zur neuen Kaiserin.

Wie "Katharina" ist auch dieser Film keine Geschichtsstunde.
Was aber ist er und warum habe ich in der Einleitung gesagt, daß es nicht einfach sein würde, euch meine Meinung über den Film zu sagen?
Ein Wort - ÜBERWÄLTIGT. Ja, in Großbuchstaben.

Dieser Film war ganz anders als "Katharina".
Fangen wir mit dem Set an, weil es mindestens genauso der Star war wie die Dietrich, wenn nicht sogar noch mehr.
Es ist absolut bizarr, überdreht, dunkel und grotesk. Eine Menge Leute sind davon fasziniert, bezeichnen es als schön, auffallend, für mich aber war es vor allem eine große Ablenkung.
Ich konnte nichts machen, es kam mir so vor, als ob ich, statt den Leuten zuzuhören, hauptsächlich die verzerrten orthodoxen Ikonen auf den riesigen Türen anstarrte und noch mehr die Skulpturen, die einfach überall waren, manche kleiner, manche die Menschen riesenhaft überragend, schlanke, lange Kerzen haltend, ja, sogar der Thron bestand daraus.



Nichts gegen eine aufwendiges Set, und ich kann ja sogar verstehen, daß es Leute gibt, die davon fasziniert sind, aber ich werde schnell klaustrophobisch, was für mich persönlich manchmal ein echtes Problem ist, und darum war das alles einfach viel zuviel für mich.
Das gleiche gilt für die Kostüme, sie schienen alle riesig zu sein, all der Pelz, die Röcke, der Schmuck; ich nehme an, daß sollte die Dekadenz der oberen Klassen gegenüber der Situation der Bauern zeigen.
Ein paar von Dietrichs Outfits waren echt wild.
Nicht daß das aber viel ausgemacht hätte, denn der Dialog schien sowieso den zweiten Platz nach der Optik einzunehmen.
Tatsächlich gab es eine Menge Passagen, die mehr an einen Stummfilm erinnerten, wobei die Musik die Stimmung der Situation vermittelte, verspielt oder sehr dramatisch. Manchmal fühlte sich eine Szene auch endlos und unnötig repetitiv vor. Daß es Zwischentitel gab, verstärkte das Gefühl eines Stummfilms noch mehr.

Wie ist die Dietrich in diesem Film im Vergleich zur Bergner in "Katharina"?
Ich fand die Darstellung der unschuldigen Sophie nicht so toll. Vielleicht ist es etwas, worin ich mir die Dietrich nicht vorstellen konnte, ich weiß es nicht, aber ich habe sie ihr genauso wenig abgekauft wie Bergner, Augen weit geöffnet, flüsternd, atemlos.
Im zweiten Teil des Films aber, als die selbstbewußte und verführerische - hier wird viel mit Symbolen gespielt - Katharina, die bereit ist, alles zu tun, um sich am Hof zu behaupten, da ist die Dietrich mehr in ihrem Element und meiner Meinung nach viel besser als Bergner. Sie steht auch immer im Mittelpunkt, ein leuchtendes Licht auf einer dunklen und grotesken Bühne. Am Ende reitet sie auf einem weißen Pferd zum Thron, in eine weißen Version einer Militäruniform gekleidet.
"Es gibt keinen Kaiser, nur eine Kaiserin."

Damit kommen wir zum Kaiser.
Ich sagte, daß Fairbanks jr. in "Katharina" eher verzogen als wirklich verrückt wirkte, und das hat mir wesentlich besser gefallen.
Es gab Momente, in denen Jaffes Wahnsinn gruselig war, aber die meiste Zeit grinste er nur mit aufgerissenen Augen und drehte den Kopf hin und her, und das hat mich sehr daran erinnert, wie er Gunga Din gespielt hat, der nicht verrückt war. Tatsächlich hatte auch das etwas von einem Stummfilm für mich, aber nicht auf gute Art. Bald nervte es mich mehr als daß es mich gruselte.

Mir gefiel Dresser als Elisabeth, aber Robson fand ich wesentlich besser. Im Gegensatz zu Robson empfand ich Dresser nicht so sehr als Kaiserin, sondern mehr als Matriarchin, die den Haushalt am Laufen halten wollte, indem sie einen männlichen Erben für Rußland verlangte und nichts duldete, was das verhindern könnte.

Graf Alexei, hm. Ich fand ihn nicht ganz so verführerisch, wie er wahrscheinlich gedacht war.

Alles in allem finde ich "Die große Zarin" besser als "Katharina", und ich bin froh, daß ich ihn angeschaut habe, weil es auf jeden Fall eine interessante Erfahrung war, aber um ehrlich zu sein, ich würde aus unterschiedlichen Gründen keinen von beiden auf meine Liste zum nochmal Anschauen setzen.
Ich komme einfach nicht über das Set hinweg, und glaubt mir, das Bild oben bietet nur einen winzigen Einblick.

Ich schätze, ihr werdet den Film wohl einfach selber anschauen und beurteilen müssen. Solltet ihr das tun, würde ich echt gern hören, was ihr denkt.