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Donnerstag, 6. März 2025

Im Empire geht die Sonne nie unter

Willkommen zurück zum "Winter of Fairbanks Jr." mit Lisa von Boondock Ramblings.

Der heutige Titel sagt schon alles, auch wenn ich nicht herausfinden konnte, ob es den Film jemals auf Deutsch gab. Im Original heißt er "The Sun Never Sets" - ja, wir sind wieder beim British Empire, diesmal geht es um das Colonial Office (Kolonialamt), eine Regierungsabteilung im Königreich, das für die meisten der britischen Kolonien zuständig war.

In der Familie Randolph gibt es eine lange Tradition, im Kolonialdienst zu arbeiten.
Großvater Randolph hat eine große Karte voller kleiner Fähnchen, die für jeden Randolph stehen, der seine Pflicht in einer der Kolonien tut. Wenn einer von ihnen versetzt wird, bewegt er das entsprechende Fähnchen, stirbt einer, wird das Fähnchen in einer kleinen Truhe "beerdigt".

Clive (Basil Rathbone) und seine Frau Helen sind gerade erst von einer Mission an der Goldküste (das heutige Ghana) nach Hause zurückgekehrt.
Bei einem Familientreffen verkündet sein jüngerer Bruder John (Douglas Fairbanks jr.), daß er nicht beabsichtigt, in den Kolonialdienst einzutreten und von einer Mission zur nächsten zu wandern. Seine Familie ist sich nicht nur sicher, daß er seine Meinung ändern wird, sie sind genauso überrascht, daß Phyllis, in die er verliebt ist, in darin unterstützt.
Dann überzeugt ihn sein Großvater jedoch davon, es wenigstens zu probieren, Clives stachelt ihn an, indem er sagt, es wäre möglich, daß er nicht einmal angenommen würde, und auf einmal ändert auch Phyllis ihre Meinung, also beschließt John, doch einzutreten und an die Goldküste zu gehen, aber ohne sie, da er erst einmal für sich allein herausfinden muß, was er wirklich will.

Über Internet Archive

Überraschenderweise muß Clive mit ihm gehen, er hat die Aufgabe herauszufinden, woher die geheimnisvollen Übertragungen kommen, die sich in der Welt verbreiten und für Unbehagen sorgen.
Ein Verdächtiger ist Doktor Zurof, ein Wissenschaftler, der behauptet, Ameisen zu studieren, der aber heimlich eine Radiostation eingerichtet hat und plant, die Welt in Kriege zu stürzen, um dann vom Verkauf des Molybdäns aus der Mine zu profitieren, wo die Station ist, und die Macht zu übernehmen.
Die schwangere Helen hat Clive begleitet, obwohl sie nicht glücklich darüber war zurückzugehen.
Gerade als sie in kritischer Verfassung ist, wird Clive durch eine dringende Nachricht mit einem Geheimcode weggerufen, obwohl John nicht verstehen kann, wie er in dieser Situation gehen kann. Als also Doktor Zurof auftaucht, gelingt es ihm, John dazu zu bringen, Clive zurückzurufen, damit er seine Geheimstation nicht entdeckt. Clive erwartet, eine wichtige Nachricht vorzufinden, stattdessen erfährt er vom Tod des Babys. Er weiß, daß er versagt hat und seinen Job verlieren wird. Die Schande! Er und Helen kehren heim und John bleibt zurück.

Die Übertragungen rühren die Welt weiterhin auf, aber John weiß nicht, was er tun soll, als eine weitere wichtige Nachricht ankommt.
Phyllis taucht auf, und obwohl er zunächst nicht will, daß sie bleibt, heiraten sie schließlich.
Sie machen ihren Burschen betrunken, weil das der einzige Weg ist, daß er sich an alle Nachrichten erinnern kann, so finden sie die wichtige heraus, aus der klar wird, was Zurof vorhat.
Also gibt John vor, betrunken zu sein, um Zugang zur Mine zu bekommen, von dort sendet er eine Übertragung, die nur seine Familie verstehen kann.
Clive führt eine Bombermission zur Mine an, während der Zurof und seine Männer getötet werden, John aber überlebt. Ich hoffe nur, die eingeborenen Arbeiter waren in Ordnung.
Zum Schluß werden die beiden Paare von ihrer Mutter daheim willkommen geheißen und man sieht, wie sie vor Opas Karte stehen und zusammen Fähnchen versetzen. Ich bin ja so froh, daß sie ihren Platz in der Familie gefunden haben, der eigenen und dem Kolonialdienst ...

Ihr habt vielleicht schon aus der Art, wie ich die Handlung erzählt habe, geschlossen, daß ich den Film nicht mochte.

Zu viele steife Oberlippen, zuviel Imperialismus, zu viele tapfere und pflichtbewußte britische Männer - und pflichtbewußte Frauen, die hinter ihnen und ihren Entscheidungen standen.
All das war in eine seltsame Handlung eingepackt. Ich habe Fragen und hier sind nur ein paar davon.
Was waren das für mysteriöse Übertragungen, daß sie einen so schnellen Effekt auf die gesamte Welt hatten?
Wie genau wäre Zurof durch den Verkauf seines Molybdäns ein Diktator geworden und wie schnell?
Wann hat Clive das Buch über "die Ameisenwelt" geschrieben, das Zurof dazu brachte zu sagen "DER Randolph."? Ich weiß, das ist nicht die wichtigste Frage, aber wenn er doch schon als Baby beim Service eingetreten ist ... okay, ich übertreibe, aber ehrlich, wann hat er die Zeit gefunden, ein Ameisenexperte zu werden, wenn er sich doch den Hintern für den Service abschuftete?
Warum konnte niemand Helen davon überzeugen daheimzubleiben?
Wie hat John überlebt, wenn Zurof und ALL seine Männer auf der Stelle im Raum nebenan gestorben sind, ohne sich auch nur zu bewegen? Ich bin so froh, daß die Ameise überlebt, die über Zurofs Stirn krabbelte, sehr symbolisch.

Der Film war kein Kassenschlager und sie beschuldigten sich entweder gegenseitig oder den Kriegsanfang.
Es heißt, C. Aubrey Smith, der (natürlich) den Großvater spielte, habe zuFairbanks jr. am ersten Drehtag gesagt "Mieser Titel. Sie ist schon untergegangen."

Wie gewöhnlich finden manche, daß dies ein toller Abenteuerfilm ist, während andere - mich eingeschlossen - gerne ihre 1 1/2 Stunden zurückhätten.
Um mit einer Rezensentin zu sprechen. "Wenigstens haben wir ein paar klasse Momente von Doug mit zerzausten Haaren." Schön gesagt, DAMIT kann ich übereinstimmen.

Donnerstag, 27. Februar 2025

Katharina die Große

Der heutige Film für den "Winter of Fairbanks Jr." mit Lisa von Boondock Ramblings ist "Katharina die Große", den es diesmal auch auf Deutsch auf YouTube gibt, obwohl er einige Minuten kürzer ist als die englische Version, die ich angesehen habe.
Ich habe nicht geprüft, welche Stellen fehlen.



Er erzählt vom Zeitraum ab der Ankunft von Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst in Rußland für die Heirat mit Großfürst Peter, des Neffen und Erben der kinderlosen Zarin Elisabeth, bis zur Übernahme des Throns von ihrem Mann mit Hilfe der ihr ergebenen Offiziere.

Sophie und ihre Mutter kommen in Rußland an, aber Peter hat seiner Tante gesagt, daß er sie nicht heiraten wird. Also will Sophie sofort wieder gehen, aber sie läuft Peter in die Arme, und ihre Liebe, obwohl sie ihn nie zuvor gesehen hat, läßt ihn seine Meinung ändern.
Am Tag der Hochzeit fragt sich Peter jedoch, ob sie ehrlich zu ihm gewesen war. Er beschließt, seine Hochzeitsnacht stattdessen mit seiner Geliebten zu verbringen.
Elisabeth rät der weinenden Sophie, die nun Katharina heißt, die Überhand über Peter zu erlangen, also beginnt Katharina damit, daß sie vorgibt, selber Geliebte zu haben, um ihn eifersüchtig zu machen, was auch zu funktionieren scheint.
Als Elisabeth im Sterben liegt, sagt sie Katharina, sie wünsche, sie wäre Peter losgeworden, um ihr den Thron zu vererben.
Peter verhält sich zunehmend seltsam, und obwohl Katharina behauptet, ihn noch zu lieben, übernimmt sie den Thron mit Hilfe ihrer Offiziere, besteht aber darauf, daß Peter nicht getötet wird. Am Ende erfährt sie, daß Peter doch noch getötet wurde, aber das dies der Preis für den Thron ist.

Nun, offensichtlich neigen Filmbiographien dazu, die Wirklichkeit um einer guten Geschichte willen mehr oder weniger zu verzerren, und diese hier ist keine Ausnahme.

Sophie hat Peter vor der Hochzeit kennengelernt, zu der Zeit waren sie aber beide noch Kinder. Mit 14 ging sie dann nach Rußland und bereitete sich auf die Ehr vor, indem sie Russisch lernte und zur orthodoxen Kirche übertrat, da bekam sie auch ihren neuen Namen Katharina. Nach dem, was ich gelesen habe, war sie wahrscheinlich nicht in Peter verliebt und wollte es auch nicht sein, weil sie sowieso nicht davon ausging, daß es erwidert würde. Zarin von Rußland wollte sie aber schon werden.
Als sie 16 und Peter 17 war, heirateten sie und blieben bis zu Peters Tod verheiratet, 17 Jahre lang, wenn auch nicht glücklich.
Peter hatte Geliebte und ebenso Katharina, es wurde aber spekuliert, daß die Ehe selber womöglich unvollzogen blieb und keines der drei Kinder von Peter war, selbst wenn ihr erster Sohn wegen der Thronfolge als ehelich bestätigt wurde. Ihr Jüngster wurde von Grigorij Orlov gezeugt, der, zusammen mit seinen Brüdern, einer der Offiziere war, die beim Putsch eine wichtige Rolle spielten, aber geheiratet hat sie nie mehr, ihn nicht und auch keinen anderen.
Nicht ungewöhnlich in der Geschichte, was Frauen betrifft, besonders erfolgreiche, wurde die Tatsache, daß Katharina Geliebte hatte, dazu genutzt, ihren Ruf zu schädigen, indem die Anzahl maßlos übertrieben wurde, neben anderen Gerüchten.
Dennoch war sie die einzige Herrscherin, die je den Beinamen "die Große" erhielt.
Heutzutage scheinen Historiker Peter als seltsam, vielleicht sogar etwas verrückt, aber nicht als so dumm zu betrachten, wie er oft dargestellt wird.
Dies ist natürlich nur ein winziger Fitzel der Geschichte, schließlich ist das hier keine Geschichtsstunde (genau wie im Post zu "Der Verbannte").

Nun zu meiner persönlichen Meinung über den Film.

Das Set und die Kostüme waren opulent und ich habe einiges Bedauern darüber gesehen, daß der Film nicht in Farbe gedreht wurde, aber wenn ihr schon andere meiner Filmposts gelesen habt, wißt ihr, daß das für mich nicht wichtig ist.

Ich mochte Flora Robson sehr gern als Elisabeth, groß und eine sehr selbstbewußte und schlaue Kaiserin.

Fairbanks jr. schien verzogen, aber nicht unbedingt zu verrückt; ich fand, das hat für diesen Film recht gut gepaßt, und es hat mir gut gefallen, wie er gespielt hat.

Im Gegensatz zu anderen war ich größtenteils kein Fan von Elisabeth Bergners Darstellung von Katharina. Ich gebe zu, daß ihr Englisch mich immer wieder nervte, denn ich habe den Film ganz auf Englisch angeschaut, aber nur zum Teil auf Deutsch, weil ich sehen wollte, ob es da dasselbe war - war es vielleicht der Text oder die Kombination von Spiel und Sprache oder Bergners Stimme, denn manchmal hat man ja ein Problem mit einer bestimmten Stimme - und es muß wohl die Kombination von Stimme und englischer Aussprache gewesen sein. Nicht sehr fair, ich weiß, aber Stimmen können eben diese Auswirkung haben.
Was mich aber noch mehr gestört hat, war ihr Spiel in einigen Szenen. Am besten gefiel sie mir noch, wenn sie nicht das furchtsame kleine Mädchen spielte oder die Frau mit gebrochenem Herzen am Schluß, weil ich dann das Gefühl einer starken Frau bekam, die es vermochte, "die Große" zu werden, zum Beispiel in der Szene mit ihrem Regiment. Die restliche Zeit über konnte ich einfach keine Zarin erkennen, vor allem nicht im Vergleich mit Robsons Elisabeth.
Katharina bereitete sich auf diese Heirat und diesen "Job" vor. Sie mag in ihrem jungen Alter nicht als Powerfrau nach Rußland hereinmarschiert sein, ich kann mir aber auch nicht vorstellen, daß sie so ein schüchternes Mäuschen war.
Tatsächlich langweilte mich das schon ziemlich früh im Film und ich war schon kurz davor auszuschalten, aber es wurde dann etwas leichter.

Es wäre interessant, "Die große Zarin" mit Marlene Dietrich anzuschauen. Ich bezweifle, daß es historisch gesehen viel genauer war, aber nach dem zu urteilen, was ich gelesen habe, war sie als Katharina ganz anders.
Ich habe ihn zwar noch nicht angeschaut, aber mir schon mal ein Bookmark gesetzt, falls ich also je Lust dazu habe, werde ich die beiden Filme vielleicht vergleichen, wenn ich es nicht vergesse ... ihr wißt ja, wie das mit Bookmarks ist ...

Donnerstag, 20. Februar 2025

Sindbad der Seefahrer

Ich habe euch gesagt, daß ich diese Woche wieder zurück beim "Winter of Fairbanks Jr." mit Lisa von Boondock Ramblings sein werde!
Heute betreten wir die Welt von Tausendundeine Nacht mit Sindbad dem Seefahrer. Nun ja, so in etwa, denn der Film mit demselben Namen von 1947 handelt von der achten Reise von Sindbad, in Tausendundeine Nacht wurde aber nur von sieben erzählt. 

By RKO Radio Pictures -
http://www.c1n3.org/w/wallace01r/Images/142.html,
Fair use,
https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=43488069

Sindbads Zuhörer sind der ständigen Erzählungen über seine sieben Reisen müde geworden, also erzählt er ihnen von der, von der er gerade zurückgekehrt ist - als der Prinz von Deryabar.

Deryabar ist eine sagenumwobene Insel, wo der Schatz Alexander des Großen versteckt sein soll.
Sindbad und sein Freund Abbu bergen ein Schiff names "Prince Ahmed", dessen gesamte Crew an vergiftetem Wasser gestorben ist.
Sindbad findet nicht nur ein Glasfenster, das wie das Medaillon aussieht, das er trägt, sondern auch eine Karte, die den Weg nach Deryabar weist. Als er sich jedoch herumdreht, ist die Karte auf mysteriöse Weise verschwunden.

Die mysteriöse Dame Shireen aus dem Harem des Emirs von Daibul versucht das Schiff zu kaufen (eine Bagalla übrigens, ich kann euch gar nicht sagen, wie schnell ich des Wortes Bagalla überdrüssig wurde) und natürlich verliebt sich Sindbad sofort in sie.
Als er sie später in ihrem Garten besucht, erzählt sie ihm von dem mysteriösen und bösen Jamal, der dann in der Tat auch direkt versucht, Sindbad zu ermorden.

Wenn ihr euch nun fragt, warum ich andauernd das Wort "mysteriös" benutze, das ist Absicht. Alles ist sehr mysteriös.
Shireen handelt im Auftrag des Emirs, obwohl man merkt, daß sie sich auch irgendwie zu Sindbad hingezogen fühlt. Sie und der Emir denken, daß Sindbad in Wirklichkeit Prinz Ahmed von Deryabar ist und sie zur Insel führen wird, während Sindbad gehofft hatte, daß Shireen den Weg kennt und mit ihm dorthin reist.
Und natürlich wissen wir, daß auch Jamal den Schatz will, aber wer ist er und wo ist er jetzt?

Sindbad und seine Crew reisen nach Daibul, wo er Shireen entführt und auf waghalsige Weise entkommt, aber der Emir folgt ihnen und sie treffen alle aufeinander - Sindbad, Shireen, der Emir und Jamal (der sich als der Schiffsbarbier ausgegeben hat). Natürlich möchte der Emir Sindbad direkt loswerden, aber Jamal überzeugt ihn, daß es besser ist, wenn sie alle zusammenarbeiten.
Als sie Deryabar erreichen, finden sie Aga, der in einem leeren Palast lebt. Er versucht, ihnen zu zeigen, daß Glück nicht in Schätzen gefunden werden kann, aber natürlich funktioniert das nicht bei dieser Art von Menschen.
Obwohl Sindbad zugibt, daß er nicht Agas Sohn ist, als der Emir ihn zu töten versucht, enthüllt Aga das Versteck des Schatzes. Während die anderen mit dem Schatz beschäftigt sind, erzählt er Sindbad außerdem, daß er seinen Sohn Seeleuten mitgegeben hat, um ihn zu schützen, und daß Sindbad tatsächlich Ahmed ist.
Es wird außerdem enthüllt, daß Jamal geplant hat, den Emir zu vergiften, der ihn das Gift daraufhin selber trinken läßt. Er stirbt mitten im Schatz sitzend. Inzwischen hat sich Sindbad aufgemacht, um seine Crew auf dem Schiff des Emirs zu befreien, und sie beschießen das Boot, auf dem der Emir zurückkommt, mit griechischem Feuer.

Wieder daheim versucht Sindbad, Agas Moral zu verbreiten, daß Glück im Herz und Kopf ist, aber sein Publikum ist nur an dem Gold und den Juwelen interessiert, der er ihnen zeigt.

Ich habe mich nicht sehr enthusiastisch angehört, oder?
Dies ist der erste Leinwandauftritt von Sindbad dem Seefahrer, der so ziemlich unser Bild von ihm als dem mutigen, romantischen Helden mit dem unwiderstehlichen Lächeln geprägt hat.
Bosley Crowther
erklärte in diesem New York Times Artikel von Januar 1947 (engl.), daß "es eine rechte Freude ist - und auch eine Erinnerung - den jungen Mr. Fairbanks in einer gymnastischen Rolle losgelassen zu sehen".
Er wurde natürlich an den Senior in seinem Klassiker "Der Dieb von Bagdad" von 1924 erinnert, das Lächeln, die Bewegungen, das Draufgängerische.

Ich muß Crowther jedoch darin zustimmen, daß alle konstant in blumigem Stil reden und es sehr wenig Abenteuer gibt, was 108 Minuten sehr lang erscheinen lassen kann. Ich habe mich bei dem Wunsch ertappt, sie würden endlich die Klappe halten und etwas tun.
Und wo sind die Monster? Als jemand, der mit der Kinderausgabe von Tausendundeine Nacht aufgewachsen ist, verlange ich ja wohl nicht zuviel, wenn ich Sindbad gern im Kampf mit einem Monster sehen möchte, vielleicht einem kleinen? Dem deutschen Audiokommentar zufolge ging es Ray Harryhausen ebenso, was ihn dazu inspirierte, seine eigenen Sindbad-Filme zu machen, und wer könnte die großartigen Monster darin vergessen?!

Ich denke, bei der Darstellung gab es nicht wirklich viel Gelegenheit zu glänzen.
Douglas Fairbanks jr. gibt einen sehr guten romantischen Helden ab, kein Zweifel.
Maureen O'Hara ist natürlich schön.
Anthony Quinn sieht als Emir sehr gut aus.
Walter Slezak gab einen interessanten Schurken ab, obwohl ich nicht wirklich als schwertschwingenden Mörder sah.
Aber all dieses Gerede!


Ich war Fan von dem Umhang, den Sindbad auf der Reise trug, er fiel und schwang wunderschön, was mir jedes Mal auffiel, wenn er sich bewegte.
Die Kostüme waren üppig und schön und auch die Farben des Films, aber das Gerede ... ich wollte den Film wirklich gern lieber mögen, als das tatsächlich der Fall war; und wer weiß, hätte es vielleicht ein Monster für mich gegeben und wäre der Film etwas kürzer gewesen und es hätte mehr Schwerter gegeben und viel weniger Gerede ... ich denke echt, daß er mir dann viel besser gefallen hätte.

Ich habe den Film auf Englisch angeschaut und dann mit dem deutschen Audiokommentar (es gab keinen englischen), der von Dr. Rolf Giesen, einem Filmwissenschaftler, Filmjournalisten und einem der führenden deutschen Experten auf dem Gebiet des fantastischen Films gesprochen wurde.
Er sprach nicht nur über den Film, sondern erzählte auch von jedem, der damit zu tun hatte, und bis jetzt ist es fast interessanter gewesen als der Film selber, aber natürlich liebe ich Dokumentationen auch.

Es ist jetzt nicht so, als hätte mir gar nichts am Film gefallen (außer dem Umhang
🤣), aber er hätte besser sein können/müssen, so viel besser.

P.S. Sie mögen ja nicht zum "Winter of Fairbanks jr." passen, aber ich werde als nächstes den "Dieb von Bagdad" von 1940 und den ersten Harryhausen-Sindbad anschauen
😉
Gebt mir Monster!
Vielleicht werde ich irgendwann sogar die 2,5 Stunden des "Dieb von Bagdad" von 1924 in Angriff nehmen.

Donnerstag, 13. Februar 2025

Angels Over Broadway

Ich hatte nicht gedacht, daß es heute einen Post für den "Winter of Fairbanks Jr." mit Lisa von Boondock Ramblings geben würde, da ich beschlossen hatte, den ausgewählten Film zu überspringen, als ich sah, daß Douglas Fairbanks jr. tatsächlich nur der Erzähler war.
Lisa hat den Film für heute jedoch geändert, also bin ich doch da.
Der heutige Film ist Angels Over Broadway von 1940.

Fair Use über Wikipedia


Charles Engle hat 3.000 Dollar unterschlagen, um sie seiner Frau zu schenken, aber sie hat sie an den Mann weitergegeben, den sie wirklich liebt. Nun will sein Partner das Geld am nächsten Morgen zurückhaben, aber Charles hat bereits beschlossen, sich umzubringen.
Er geht in einen Nachtclub, und seine Großzügigkeit läßt alle glauben, er sei ein reicher Mann. Er fällt auch Bill O'Brien auf, der ihn für das perfekte Opfer hält, das er gegen einen Anteil zu einem Pokerspiel eines Gangsters mitnehmen kann. Bill bittet das Showgirl Nina, ihm dabei zu helfen, Charles dorthin zu locken.
Inzwischen hat es der desillusionierte und betrunkene Dramatiker Gene Gibbons zu Charles' Tisch geschafft, nachdem er den falschen Mantel bekommen und darin den Abschiedsbrief gefunden hat.

Er überredet Bill, den Plan zu ändern und Charles zum Spiel mitzunehmen, sobald ihn die Gangster aber genug gewinnen lassen, um ihn zum Weiterspielen zu verführen, soll Charles mit dem Geld flüchten. Bill ist von dem Plan nicht begeistert, akzeptiert ihn aber schließlich, mit einem kleinen Zusatz. Wenn Charles mehr als das benötigte Geld gewinnt, soll er den Überschuß Bill geben.

Die Dinge laufen nicht ganz nach Plan, da Gene, betrunken wie er ist, alles vergessen und nach Hause zurückkehrt und einer der Gangster den Fluchtplan entdeckt.
Am Ende geht jedoch alles gut aus.
Charles entkommt dank einer Verhaftung, wird aber freigelassen und kann das Geld zurückgeben. Gene kehrt nach Hause zu seiner Frau zurück, die ihm verziehen hat. Bill - obwohl von dem Gangster zusammengeschlagen - und Nina entkommen ebenfalls und stellen fest, dass sie sich lieben.

Beginnen wir mit meiner Meinung zu diesem Plan.
Klar würde ein Betrunkener, egal wie geistreich, sich so einen Plan ausdenken.
Haben sie wirklich geglaubt, eine Gruppe von Gangstern - die so etwas nicht zum ersten Mal tut - würde ein Opfer einfach so mit Tausenden von Dollar davonkommen lassen, ihm vertrauen, daß er „nur nach seinem betrunkenen Freund sieht“ und dann die Treppe hinunterläuft und verschwindet?
Haben sie wirklich erwartet, daß es für die Leute, die Charles zum Spiel gebracht haben, keinerlei Konsequenzen haben würde, wenn er verschwindet?
Dieser Teil der Geschichte ist mir einfach zu schwach und ich denke, sie hatten alle großes Glück, das zu überleben. Außerdem würde ich an Bills und Ninas Stelle schnellstens von dort verschwinden und mich nicht auf einen Kaffee hinsetzen. Gangster haben ihre Methoden, Leute zu finden, und sie sind nicht sehr nachsichtig, oder?

In dem Film wird ziemlich viel geredet, Leute überreden sich gegenseitig, etwas zu tun, Leute reden über den Plan, Leute reden darüber, warum Leute etwas tun.
Vier Fremde treffen sich und arbeiten für eine Weile zusammen, bis sie sich in der großen Stadt wieder trennen.
Ich mochte die Auftritte von Charles' Engeln (nehmt bitte zur Kenntnis, daß ich nicht dem Wortspiel „Charlies Engel“ erlegen bin). Gene war witzig, Nina schön und einfühlsam, und Bill zeigte das richtige Maß an Zynismus, bevor er selbst etwas Herz zeigte.
Charles fand ich in seiner Depression allerdings etwas eindimensional.

Vielleicht bin ich selbst zu zynisch, aber obwohl sie alle ihr Happy End bekamen, bin ich mir nicht sicher, ob ich erwarten würde, dass dieses Ende auch so glücklich bleiben würde. Eigentlich habe ich mir sofort ausgemalt, was danach mit ihnen passieren würde.
Es ist allerdings möglich, dass mein Pessimismus dadurch verstärkt wurde, daß ich krank war, als ich den Film gesehen und das hier geschrieben habe. Andererseits zeigt es, dass es nicht schwer ist, dem Film zu folgen, wenn ich es mit halb geschlossenen Augen geschafft habe 
😉

Wird dieser Film einen großen Einfluss auf euer Leben haben? Ich bezweifle es.
War er dennoch unterhaltsam? Ja, ich finde schon.

Donnerstag, 6. Februar 2025

Der Verbannte

Überraschung! Ich weiß, ihr hattet von mir diese Woche keinen Filmpost für den "Winter of Fairbanks Jr." erwartet, den Lisa von Boondock Ramblings zur Zeit auf ihrem Blog laufen hat, aber Lisa hat die Filme ausgetauscht, also bin ich nun doch hier.

Der Film dieser Woche ist
Der Verbannte von 1947. Als ich die Handlung las, war ich mir ziemlich sicher, daß ich ihn schon mal gesehen hatte, aber vor ewigen Zeiten.
Nachdem ich ihn dann auf YouTube (auf Englisch) angeschaut hatte (leider in nicht sehr guter Qualität, aber man nimmt ja, was man kriegen kann), wußte ich, daß ich recht gehabt hatte, obwohl ich mich nicht an jedes Detail erinnern konnte.

Filmposter (fair use über Wikipedia)


Im Film geht es um König Charles II. von England während seines Exils.
Charles ist im Exil in Holland und wartet geduldig darauf, als König in die Heimat zurückkehren zu können.
Auf dem Markt, wo er für sein weniges Geld Essen kaufen will, trifft er Katie, die eine Tulpenfarm hat und ein Gasthaus führt, weil sie aber Schulden bei ihrem Cousin hat, ist sie in Gefahr, alles zu verlieren.
Da "Roundheads" unterwegs sind (ein abfälliger Begriff für die Anhänger des Parlaments, nach der Frisur, die manche Puritaner zu dieser Zeit hatten, im Gegensatz zu den royalistischen Kavalieren), beschließt Charles, sich die Haare abzuschneiden, sich bei Katie zu verstecken und dort auf der Farm und im Gasthaus zu arbeiten.

Dann taucht ein Mann auf, der behauptet, der König zu sein, und steigt im Gasthaus ab.
Ein weiterer Gast ist die Gräfin Anabella, eine frühere Geliebte von Charles. Sie bringt ihm ein Geschenk des französischen Königs, eine Spieluhr, die Charles am nächsten Tag verpfänden läßt, um davon Katies Schulden zu bezahlen.
Katie wird eifersüchtig auf Anabella und entläßt Charles, bevor er ihr die gute Nachricht überbringen kann. Als sie Anabella aber noch einmal trifft, die ihr davon erzählt, wartet sie ungeduldig auf Charles' Rückkehr. Als er wieder auftaucht, fällt sie ihm in die Arme und sie küssen sich das erste Mal.

Inzwischen ist Colonel Ingram aus England gekommen, um Charles zu finden und töten, aber da er ihn seit Jahren nicht gesehen hat, erkennt er ihn nicht, sondern möchte ihn stattdessen als seinen Spion anheuern. Als der falsche König aus seinem Zimmer kommt, denkt Ingram, er sei der echte, und versucht, ihn zu töten, woraufhin der Mann gesteht, daß er ein arbeitsloser Schauspieler ist, der sich als Charles ausgegeben hat, um sich so ein Zimmer und Essen zu erschwindeln.
Charles fordert Ingram auf, ihn anzuschauen und fragt, ob er einen Stuart denn nicht erkennt, wenn er ihn sieht.
Als mehr Roundheads eintreffen, entkommt Charles knapp, indem er das Pferd des Schauspielers nimmt, als die Roundheads diesen davon herunterzerren, aber nicht bevor er Katie gesagt hat, daß er am nächsten Tag zurück sein würde. Sehr zu Katies Überraschung erzählt ihr Ingram, wer Charles wirklich ist.
Sie folgt Charles zu einer Windmühle als Versteck, hier gestehen sie sich gegenseitig ihre Liebe. Ingram und seine Leute sind Katie jedoch gefolgt, darum schickt Charles sie fort und zieht die Aufmerksamkeit auf sich selbst.
Er und Ingram führen einen Schwertkampf in der Windmühle, als Ingrams Schwert zerbricht, wirft Charles sein eigenes Schwert fort, er und Ingram ringen miteinander, wobei Charles Ingram in den Tod stürzt.
Inzwischen sind Charles Männer angekommen und er wird darüber informiert, daß England möchte, daß er zurückkommt, ohne irgendwelche Bedingungen - Gott schütze den König.

Was wird nun aus der Liebe zwischen Katie und Charles?
Sein Berater sagt ihm, daß er dem Land gehöre, nicht sich selber.
Katie und Charles haben ein Gespräch, aber sie wissen, daß sie nicht zusammenbleiben können. Es ist ein sehr trauriges und romantisches Lebewohl mit einer letzten verzweifelten Umarmung, bevor König Charles II. hinaustritt, um seine Leute zu treffen.

Was wißt ihr über Charles?
Als sein Vater, Charles I. 1649 unter Cromwell und den Parlamentariern exekutiert wurde (ich kann nicht anders als den
Monty Python-Song zu hören, der schon lange mein Handyalarmton ist), mußte er tatsächlich aus dem Land fliehen und verbrachte Jahre im Exil.
Nachdem Cromwell starb, übernahm dessen Sohn Richard, trat aber nicht lang danach zurück. Schließlich bat ein neues Parlament Charles um die Rückkehr, um die Monarchie wieder zu wiederherzustellen - darum der Ausdruck Restauration für diese Zeit - nachdem er mehrere Versprechungen abgegeben hat, die Kooperation mit dem Parlament eingeschlossen.
Wieder kann ich nicht anders als ein Lied zu hören, diesmal aus "Horrible Histories" - "The King of Bling".



Tatsächlich ist Charles auch als "The Merry Monarch", "Der Fröhliche Monarch" bekannt, nicht nur weil er puritanische Einschränkungen aufhob, sondern weil Vergnügen ein wichtiges Stichwort während seiner Regierungszeit war, das schloß absolut sein eigenes mit ein, was sich zum Beispiel an der Zahl seiner illegitimen (größtenteils aber anerkannten) Kinder mit seinen vielen Geliebten, offiziell und inoffiziell, zeigt, wobei er aus seiner Ehe selber keine Kinder hatte.
Also ja, es hört sich eigentlich nicht so an, als würde er Katie auf ewig geliebt haben
😉
Ich überlasse es euch selber, ihn nachzuschlagen, wenn ihr wissen möchtet, was er sonst noch so getan hat und wie gut er als König war, weil das hier wirklich zu weit führen würde. Es ist eine ganz schöne Geschichte, auch der Große Brand von London gehört dazu.

Nun zum Film selber.
Er basierte auf dem Roman "His Majesty the King" von Cosmo Hamilton, den ihr hier auf Englisch lesen könnt, falls ihr den Drang dazu verspürt. Douglas Fairbanks jr. kaufte die Rechte an dem Roman 1941. Nachdem er aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkam, gründete er sein eigenes Filmstudio, The Fairbanks Company.
"Der Verbannte" wurde als der erste Film des Studios angekündigt.

Ich bin nicht sehr anspruchsvoll, was Filmqualität auf Bild und Ton bezogen angeht, aber ich hätte mir echt gewünscht, sie wären besser geween, dann hätte der Film sogar noch mehr Spaß gemacht.
Ja, Spaß. Faßt ihn nicht als Geschichtsstunde auf, denn dann werdet ihr enttäuscht, nehmt ihn als unterhaltsamen Film, der
"adventuresome, romantic and humorous" ist - Abenteuer, Romantik und Humor, genau wie er vom "Produzenten/Schauspieler" angekündigt wurde. Beschwert euch nicht darüber, daß die Kostüme nicht perfekt für diese Zeit sind, schaut euch einfach an, wie gut unser Held darin aussieht. Das tut er nämlich auf jeden Fall und dies ist der richtige Film dafür, eine Schwärmerei für ihn zu entwickeln, wenn man das nicht schon hat (ein Grund, warum ich wünschte, die Qualität wäre besser).
Ich würde sagen, daß er seinem Vater absolut damit gerecht wird, wie er durch Fenster springt und auf Pferde, wie er mit dem Degen kämpft und unwiderstehlich lächtelt - und dann noch das zerrissene Hemd nach dem Endkampf ... genug gesagt.
Der Film fühlt sich sehr nach einer Hommage an Fairbanks sr. an, was meiner Meinung nach dadurch verstärkt wird, daß er nicht in Farbe gedreht wurde, obwohl Fairbanks jr. das gern wollte, und die Kirsche auf dem Kuchen ist, daß der Sohn das Schwert des Vaters benutzte, das ihm von seinem Kompagnon in The Fairbanks Company geschenkt wurde, der mit dem Senior zusammengearbeitet und das Schwert seit 1930 besessen hatte.
Ohja, und übrigens nicht nur Produzent/Schauspieler, Fairbanks jr. schrieb tatsächlich mit am Film. Wie schon zuvor erwähnt war er anglophil und er ist nicht der einzige, der fand, Charles II. gäbe eine gute Story ab.

Manche sagen, der Film hätte ein Schneckentempo, zuviel Gerede, zu wenig Action, aber mir wurde kein bißchen langweilig.
Wenn ihr eine langsame Geschichte über Charles II. wollt, probiert "Königliche Abenteuer" von Georgette Heyer. So sehr ich meine Heyer-Bücher liebe, so sehr muß ich einer Rezensentin zustimmen "Er flieht und flieht und flieht ....". Ich schweife ab, sorry.

Dann sieht das Set (komplett auf Tonbühnen errichtet) eben manchmal recht künstlich aus, vor allem die seltsamen Bäume ohne Zweige um den Baumstamm herum, die Bäume mit den aufgeklebten (?) Blüten oder die Tulpen, aber hey, was soll's? Ich fand das eher amüsant als nervig, und in manchen Szenen hatte es etwas Traumähnliches, vor allem bei Nebel.

Dann ist die Liebesgeschichte eben nicht wild und leidenschaftlich, sondern eher zart. Das war mir egal, denn es war ja von Anfang klar, daß es für die beiden kein Happy End geben würde.
War die Gräfin Anabella unterhaltsamer? Nun ja, das wäre doch tatsächlich auch so gewesen, oder? Katie war eine schwer arbeitende junge Frau, die sich Sorgen um ihre Schulden machte, Anabella sah viel mehr nach einer der Damen aus, mit denen Charles eine Party hätte feiern können, und trotzdem verliebte er sich in Katie. Tatsächlich fand ich das ganz süß.

Nun könnte ich noch versuchen, über die Stimmung zu sprechen, die Regisseur Max Ophüls (in seinen US-Filmen als Opuls aufgeführt) mit seinen Einstellungen kreierte, aber ich denke, das wurde in einigen der englischen Quellen, die ich dem Post angehängt habe, schon viel besser erledigt. Warum stand Maria Montez im Vorspann an erster Stelle? Schaut in die Quellen. Warum hatte der Film zwei verschiedene Enden für die USA (ein kürzeres) und anderswo? Schaut in die Quellen. Übrigens sind auf YouTube beide Enden dabei.

Zeit für den Abschluß.
Wenn ihr Lust auf ein bißchen Abenteuer und Spaß mit einem Spritzer Romantik dabei habt, schaut euch "Der Verbannte" an. Ich selber habe ich schon auf meiner Wiederholungsliste stehen.
Wie schade, daß es ihn nicht auf DVD gibt!

Ausgewählte Quellen (überwiegend englischsprachig):

Wikipedia-Artikel über The Exile und Charles II.

The Cairns Post, 10. September, 1946, Seite 6

Showmen's Trade Review, 10. Mai 1947, Seite 39

The Exile auf IMDb

Meher Tatna: Restored by HFPA - "The Exile" (1947), gepostet auf "Golden Globes" am 28. Juni 2022

The Exile: Douglas Fairbanks, Jr., Carries on the Legacy of His Father, gepostet auf "Prince of Hollywood" am 5. Juni 2016

The Exile auf Letterboxd

Donnerstag, 30. Januar 2025

Gauner mit Herz

Lisa von Boondock Ramblings hat auf ihrem Blog den "Winter of Fairbanks Jr." laufen und ich sagte, ich mache mit, wenn ich die Gelegenheit habe, die Filme zu sehen.
Für heute hat sie "Gauner mit Herz" von 1938 ausgewählt, der zufällig auf Englisch auf YouTube ist, tatsächlich sogar mehrere Male, los geht's.

Australisches Poster (Public Domain
AUS/US über Wikipedia)


Ich möchte euch die Familie Carleton vorstellen.
Anthony "Sahib", der Vater, ein früherer Schauspieler, der behauptet, in Indien gedient zu haben. Seine Frau "Marmy". Ihr Sohn Richard und ihre Tochter George-Anne, die beide nach reichen Ehepartnern suchen.

An der Côte d'Azur sieht es nicht allzu schlecht aus. Richard ist mit Adela verlobt, der Tochter eines ehemaligen amerikanischen Senators. Sein Vater hat es geschafft, den Senator beim Poker um 4500 $ zu betrügen. George-Ann hat einen schottischen Verehrer, Duncan. Leider hat er aber kein Geld, kommt also nicht in Frage.
Leider erfährt die Polizei von dieser Familie von Schwindlern, sie holen den Scheck zurück, zerreißen ihn und weisen die Carletons an, die Stadt zu verlassen, wenn sie keinen Ärger bekommen wollen. Der Senator bezahlt sogar für den Zug, nur um sie loszuwerden.
Was nun?

Im Zug nach London lernt George-Anne eine alte Dame names Miss Fortune kennen und erschwindelt sich direkt den Zugang zu ihrem 1. Klasse-Abteil. Als die Familie hört, daß sie ein großes Haus und Geld hat, bezaubert sie sie mit ihren Geschichten.
Als der Zug entgleist, bringen sie Miss Fortune in Sicherheit. Beim Abschied fragt sie George-Anne, ob sie nicht für eine Weile ihre Gäste sein möchten. Während die einsasme Frau glücklich darüber ist, Freunde gefunden zu haben, schlägt George-Anne der Familie vor, sich wie anständige Leute zu verhalten, in der Hoffnung, daß sie es so vielleicht in ihr Testament schaffen.
Also gehen Sahib und Richard auf Arbeitssuche, zumindest tun sie so. Inzwischen sieht Duncan, der sich anscheinend einfach nicht von George-Anne fernhalten kann, obwohl er die Familie und ihre Absichten nicht gutheißt, Sahibs Anzeige in der Zeitung und kommt vorbei, um ihn über eine mögliche Stelle als Autoverkäufer für "The Flying Wombat" zu informieren. Um sicherzugehen, daß er nichts vermasselt, besteht George-Anne darauf, daß Sahib die Stelle annimmt.
Auch Richard besorgt sich Arbeit in der Poststelle einer Ingenieursfirma, wo er sich sofort in die Sekretärin Leslie verliebt. Sie verstehen sich großartig, bis sie von den Plänen der Familie erfährt.

Dadurch, daß sie Zeit mit Miss Fortune verbringen, wächst jedoch die Zuneigung der Carletons für sie immer mehr, aber keiner von ihnen will das den anderen gegenüber zugeben, weil sie denken, daß die immer noch hinter dem Erbe her sind.
Außerdem erweist sich Sahib als so gut in seinem Job, daß er zum Verkaufsleiter seiner Filiale ernannt wird und selber genug Geld verdient.
Unglücklicherweise hat Anstruther, Miss Fortunes Anwalt und Freund ihres früheren Verlobten, der ihr sein Vermögen vermacht hatte, inzwischen herausgefunden, was die Carletons sind, und er rät Miss Fortune, sie zu loszuwerden. Davon will sie jedoch nichts wissen, stattdessen weist sie ihn an, ein neues Testament mit ihnen als Begünstige aufzusetzen. Als George-Anne der Familie davon erzählt, wirken sie gar nicht so glücklich, sie geben voreinander aber immer noch nicht zu, wie sie inzwischen zu Miss Fortune stehen.
Leslie und Duncan haben bereits eine Veränderung in der Familie bemerkt - Richard hat sich zum Beispiel für ein Ingenieursstudium entschieden, woraus Leslie schließt, daß er doch nicht einfach nur Erbe sein möchte.
Als sie mit Miss Fortune feiern gehen, bricht diese plötzlich zusammen. Die Carletons warten vor ihrem Krankenzimmer und machen sich Sorgen um sie.
Miss Fortune läßt Anstruther holen, um sicherzustellen, daß das neue Testament unterzeichnet ist, er jedoch informiert die Familie recht selbstgefällig, daß es gar kein Geld geben wird, ja, daß sogar das Haus weg sein wird, sollte sie überleben.
Nun überrascht Marmy alle, indem sie sagt, daß sie gar kein Geld wollen, und Sahib fügt hinzu, daß Miss Fortune sich niemals Sorgen machen müssen wird, solange sie lebt, weil sie sich um sie kümmern werden.

Am Ende sind die jungen Leute verheiratet und alle, Miss Fortune eingeschlossen, leben in dem neuen Haus der Carletons - ohne Zweifel glücklich bis ans Ende ihrer Tage
😉

"Gauner mit Herz" basiert auf dem ursprünglich als Zeitungsserie erschienenen Roman "The Gay Banditti" von I.A.R. Wylie. Ich hatte noch nie zuvor von ihr gehört, aber in fast 40 Jahren wurden über 30 Filme nach ihren Arbeiten gedreht.
Der Roman hatte allerdings kein glückliches Ende, Miss Fortune stirbt. Das kam beim Testpublikum alles andere als gut an, also rief Selznick alle zurück, um ein positiveres Ende zu drehen. Das erklärt auch, warum das Ende im Vergleich zum restlichen Film etwas überstürzt wirkt.

Auf YouTube gibt es den Film in englischer Sprache, in schwarzweiß und koloriert. Ich selber habe mich für schwarzweiß entschieden, weil es für mich besser zur Atmosphäre paßt, aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Es ist ein netter Film. Miss Fortune ist so eine süße alte Dame, die den Carletons ihr Haus und Herz mit so einem Vertrauen öffnet, daß diese "knallharten" Schwindler gar nicht anders können als sie zu lieben und sich allmählich zu ändern.
Daß sie ihr Vertrauen zu ihnen nicht einmal verliert, als sie von ihren Plänen erfährt, läßt einen denken, daß sie entweder sehr naiv ist oder daß sie etwas in ihnen sieht, das sie selber gerade mal erst zu erkennen anfangen, aber sich nicht einmal gegenseitig eingestehen können.

Auch die Darbietungen gefallen mir gut - obwohl ich zugeben muß, daß mir Marmy manchmal etwas auf die Nerven ging, aber das hat mehr mit ihrem Text als mit der Darbietung zu tun.
Es gibt nur eins, worin ich nicht mit anderen übereinstimmen kann. Ich habe die Figur von Duncan absolut gehaßt, von Anfang an, und das hatte nicht nur mit dem gräßlichen schottischen Akzent zu tun (ein rollendes R reicht nicht aus!). Als er Adela als "sehr häßlich und sehr dumm" bezeichnete, hatte er mich schon verloren. Sie mag eine naive junge Dame gewesen sein, aber ein hübsches Mädchen wird nicht dadurch sehr häßlich, daß man ihr eine Brille aufsetzt, und es macht sie auch nicht sehr einfach, wie ich an anderer Stelle gelesen habe, und das sage ich nicht nur, weil ich selbst eine Brille trage. Ich sagte mir, daß das eben ein Klischee von 1938 war, aber er blieb den ganzen Film über unhöflich und herablassend. Ich glaube, die einzige Szene, in der ich ihn okay fand, war, als er sich bei Miss Fortune dafür entschuldigte, daß er Richard betrunken gemacht hatte.
Daran, daß dieser Absatz so lang ist, erkennt ihr, wie sehr er mir zuwider war
😂 Ich frage mich, ob er im Buch genauso war und ob die zwei Heiraten überhaupt jemals erwähnt wurden.

Ich denke, mir hat Miss Fortune am besten von allen gefallen. Sie hat ein paar wirklich süße Szenen, zum Beispiel als sie sich um den betrunkenen Richard kümmert und ihm erzählt, daß sie selber schon einmal betrunken war und wie jemand mit einem kleinen Hund ihr dann geholfen hat, woraufhin er dann loszieht, um den perfekten Hund für sie zu suchen - natürlich nur, um sich bei ihr einzuschmeicheln, zumindest denkt er das selber noch zu diesem Zeitpunkt.

Ein kurzes Wort über den "Fliegenden Wombat", ein erstaunlich futuristisches Auto, "gespielt" vom "Phantom Corsair", einem Autoprototypen, der nie in die Produktion ging, nachdem der Designer 1939 bei einem Autounfall starb.
Das Auto ist jetzt im National Automobile Museum in Reno.
Ich fahre nicht und nicht viele Autos können mich begeistern, aber das ist eine echte Schönheit.

Falls ihr den Film noch nicht kennt und ihn anschauen möchtet, tut es mir leid, falls ich euch zuviel erzählt habe, aber er ist es trotzdem wert, versprochen!


In den nächsten zwei Wochen werde ich nicht mitmachen können, weil ich die beiden Filme nicht anschauen kann, aber die Woche drauf bin ich dann wieder mit dabei.

Donnerstag, 23. Januar 2025

Du bist ein besserer Mensch als ich,

Gunga Din!
Das ist die letzte Zeile von Rudyard Kiplings Gedicht "Gunga Din" (das erste Mal 1890 in zwei Zeitungen und 1892 in einer Sammlung veröffentlicht).
Ich weiß, daß Poesie zuvor noch kein Thema auf meinem Blog war, aber tatsächlich geht es in diesem Post auch nicht um das Gedicht, sondern um den davon inspirierten Abenteuerfilm von 1939. Dieser heißt im Original ebenso, in der deutschen Übersetzung jedoch "Aufstand in Sidi Hakim", ein Name, der im gesamten Originalfilm nicht vorkommt, aber ich habe die deutsche Synchronisation nicht und kann daher nicht mehr dazu sagen.
Ich möchte mich auch direkt dafür entschuldigen, daß ich überwiegend auf englische Quellen verlinke, im Deutschen konnte ich nicht wirklich viel dazu finden.
Lisa von Boondock Ramblings hat auf ihrem Blog den "Winter of Fairbanks Jr." laufen und da ich den Film zufällig habe (vor Jahren für meine Cary Grant-Sammlung gekauft), dachte ich mir, ich mache wieder mit.

Wenn ihr den Namen Kipling hört, könnt ihr euch vorstellen, daß es ein bißchen kontrovers wird, denn schließlich gehört sowohl das Gedicht als auch der Film zur Zeit des British Raj.
Wenn man außerdem das Jahr bedenkt, in dem der Film gemacht wurde, weiß man, daß es Brownfacing für die indischen Charaktere gibt, und Stereotypen sowohl für die indischen als auch die britischen Charaktere.

Aufstand in Sidi Hakim ist ein Abenteuerfilm über drei britische Sergeants in Indien - Ballantine (Fairbanks jr.), der romantische Typ, der kurz davor steht, seine militärische Karierre aufzugeben, um zu heiraten und ins Teegeschäft einzusteigen, MacChesney (McLaglen), der harte Kerl mit dem weichen Kern, und Cutter, der Cockney-Witzbold (Grant), der sich mit dem "bhisti" oder Wasserträger des Regiments, Gunga Din, anfreundet und auf Abenteuer aus ist - und auf Schätze.

Public Domain über Wikipedia

Als die Telegrafenverbindung nach Tantrapur abgeschnitten wird, werden die drei Freunde und einige indische Camparbeiter dorthin geschickt, um die Leitungen zu reparieren, werden aber von einer Gruppe Einheimischer im Namen der Göttin Kali angegriffen. Sie schaffen es unter Verlusten gerade mal so heraus, und als sie im Camp Meldung machen, werden die Angriffer durch eine ihrer Waffen als Anhänger des uralten Thuggee-Kults identifiziert. Die Vorgesetzten sind sich einig, daß ein Wiederaufleben von Thuggee im Keim erstickt werden muß, und beschließen, eine größere Truppe zurückzuschicken, aber ohne Ballantine, der das Militär bald verlassen wird.
Um Higginbotham, den Ersatzmann, den sie nicht mögen, loszuwerden, versetzen Cutter und MacChesney den Punsch bei Ballatines Verlobungstanz mit Elefantenelixier. Tatsächlich kann Higginbotham sie am nächsten Tag nicht begleiten und Ballantine stimmt widerstrebend zu, seinen Platz einzunehmen, möchte aber die Reparaturen so schnell wie möglich erledigen, bevor seine Militärzeit endet. Bevor sie fertig sind, trifft Higginbotham mit der Unterstützung und mit Emmy, Ballantines Verlobter, ein.

In der Zwischenzeit hat Gunga Din Cutter davon erzählt, einen goldenen Tempel gefunden zu haben. MacChesney sperrt Cutter ein, um ihn von der Jagd nach dem Gold abzuhalten, aber mit der Hilfe von Annie, der Elefantendame, holt Din ihn heraus und sie machen sich auf den Weg zum Tempel.
Dort entdecken sie, daß dieser den Thugs gehört. Cutter lenkt die Thugs ab und läßt sich gefangennehmen, damit Din entkommen und Hilfe holen kann.
Während Higginbotham Hilfe vom Regiment anfordert, brechen MacChesney und Ballantine sofort mit Din zum Tempel auf, obwohl Emmy versucht, Ballantine davon abzuhalten. Natürlich werden sie prompt selber gefangengenommen.
Es gelingt ihnen, den Guru des Stammes als Geisel zu nehmen und mit sich auf das Tempeldach zu nehmen, von wo aus sie sehen, wieviele Thugs auf die Ankunft des Regiments warten. Da sie ihren Guru aber nicht verlassen wollen, bringt er sich um, damit sie gegen die Briten kämpfen.
Cutter und Din werden verwundet, aber Din nimmt seine letzten Kräfte zusammen, steigt auf den Tempel und bläst sein Horn, bevor er erschossen wird. Bei Dins Begräbnis ernennt der Colonel ihn zum Korporal der britischen Armee, was die ganze Zeit über Dins Traum war, und sagt: Du bist ein besserer Mensch als ich, Gunga Din."

Ich gestehe, daß ich mich schwer damit tat, das zusammenzufassen, weil ich es nicht zu lang machen wollte, aber es passiert so viel im Film, das ich nicht mal erwähnt habe, schließlich ist er fast zwei Stunden lang! Jedenfalls im Original, in der deutschen Version fehlen noch immer einige Minuten.
Es gibt Action, es gibt Humor, es gibt Drama ... und sehr wenig Liebelei. Emmy hat keine Chance gegen die Armee und tatsächlich tritt Ballantine für die Rettungsmission wieder in die Armee ein und bleibt auch, definitiv nicht das, was sie sich erträumt hat.

Dies ist ein Kumpelfilm. Drei Jungs, die die Welt erobern und Abenteuer haben. Warum möchte ich da auf meinen Schenkel klopfen und "Famose Sache, alter Junge, cheerio, pip pip" rufen?
Das ist vermutlich das "Hollywood Raj"-Gefühl, ein Begriff für die englischen Schauspieler, die in den 30er Jahren in Hollywood lebten und miteinander verkehrten, dazu kamen noch Schauspieler aus anderen Ländern wie Australien, Südafrika und den USA, denen dieser Stil behagte. Das führte dazu, daß unzählige "britische" Filme außerhalb von Großbritannien gemacht wurden, Filme, die die alten Klischees und Werte aufrechthielten, von britischen Autoren inspiriert. Selber seltsam anglophil, verstehe ich das, obwohl ich britischen Imperialismus nicht gutheiße.

A propos Imperialismus, der Film war deswegen in Teilen von Indien tatsächlich verboten. Ich habe einen Post mit einem Artikel über Gunga Din gefunden, der für filmindia geschrieben wurde, und wie ihr euch vorstellen könnt, ist er nicht positiv. Er zeigt all die Stereotypen auf und merkt sogar an, daß Dins heldenhafter Tod genutzt wird, um zu beweisen, daß der Film nicht anti-indisch ist.
Die Kommentare zum Film im Post sind aber ebenfalls interessant zu lesen, da manche indischen Kommentatoren sagen, daß sie in der heutigen Zeit darüber lachen oder den Film sogar genießen können, aber daß sie verstehen, wenn Inder damals anders darüber dachten, als Indien seine Unabhängigkeit noch nicht hatte.

Es ist offensichtlich, daß Kiplings Gedicht nicht genug Inhalt für einen ganzen Film bot, also wurde es mit ein paar der Geschichten aus seiner Sammlung "Drei Soldaten" (teilweise unter "Soldatengeschichten" auf Projekt Gutenberg) gemischt.
Tatsächlich haben sich einige Autoren am Drehbuch versucht und bis zum Endresultat gab es einige Variationen.

Ein Großteil des Film wurde in Lone Pine, ungefähr 320 Kilometer von Los Angeles entfernt, gedreht, wo der Regimentsstandort, das Dorf und der Tempel aufgebaut wurden, und der Regisseur George Stevens brauchte so lang, daß der Produktionsmanager Berman schließlich ein Ultimatum stellen mußte, was amüsant war, da er ihn Howard Hawks vorgezogen hatte, weil er schneller war.
Viele der Gags, Stunts und Kampfszenen waren improvisiert, was Stevens als Kameramann für Hal Roach bei Laurel und Hardy-Komödien gelernt hatte.
Mit fast 2 Millionen Dollar war der Film bei weitem der teuerste seiner Zeit, was noch ungewöhnlicher war, wenn man bedenkt, daß RKO nicht zu den großen Studios gehörte.

Auch für die Besetzung gab es mehrere Möglichkeiten.
Ursprünglich sollte Grant Ballantine spielen, aber er wollte Cutter spielen, also holte man Fairbanks jr. für die Rolle von Ballantine dazu.
Für die Rolle von Din hätte RKO gerne Sabu gehabt, aber der Produzent Alexander Korda wollte Sabu zu der Zeit nicht ausleihen, da er gerade "Der Dieb von Bagdad" vorbereitete, also sprachen mehrere Schauspieler vor und sie entschieden sich für Sam Jaffe. Jaffe meinte, er sagte sich "Denk Sabu" und spielte die Rolle mit seinem Konzept davon, wie Sabu sie gespielt hätte. Ich gestehe, daß ich das nicht ganz sehen kann, aber es mag sein, daß ich durch die Filme mit Sabu, die ich gesehen habe, voreingenommen bin. Obwohl er den Mann spielt, der dem Film den Namen gibt, wird Jaffe erst an vierter Stelle genannt und er ist nicht mal auf dem Filmposter!
Joan Fontaine
, die Emmy spielt, war zu dieser Zeit noch kein Star, aber sie hatte sowieso so gut wie keine Leinwandzeit.
Vergessen wir nicht Anna May, die Annie, die Elefantendame, spielt.

Kurz etwas zu Thuggee. Es gibt unterschiedliche Ansätze zur Geschichte von Thuggee.
Thuggee - wie andere Wörter im Englischen - leitet sich von einem Hindiwort ab, in diesem Fall "thagi", was "Täuschung" bedeutet. Inder sagen "phansigars" anstatt "Thugs", das bedeutet "Würger", man sieht außerdem das Wort "thag".
Ein Großteil der populären Vorstellung von Thuggee (wie in Gunga Din und dem zweiten Indiana Jones, der viel von Gunga Din übernommen hat), auch als religiösem Kult, basiert auf den Schriften von William H. Sleeman (inklusive "The Thugs or Phansigars of India"), der der "Thug-Polizei" in den 1830ern vorstand.
Das ist ein ziemliches Kaninchenloch - wie lang gab es "Thags" schon, war es eine vererbte Praxis in einem Stamm, handelte es sich um ein orientalistisches Konstrukt, um die Übernahme durch die Briten zu legitimieren, gab es überhaupt irgendeine religiöse Verbindung, gab es den einen "Thug-Anführer" ... das würde alles zu lang dauern für einen Filmpost, aber falls ihr Interesse daran habt, selber ins Kaninchenloch abzutauchen, werde ich ein paar Quellen anfügen.

Jetzt habe ich eine Menge geredet, aber ihr möchtet vielleicht wissen, was ich denn von dem Film halte?
Ich bin ein wenig hin- und hergerissen und da bin ich nicht die einzige (sogar Bertolt Brecht hat darüber geschrieben!).
Der Film wird als Klassiker angesehen und ich kann verstehen warum, aber es läßt sich nicht abstreiten, daß er ganz sicher ein Produkt seiner Zeit ist.
Wäre er nicht in Indien angesiedelt, mit den typischen Zutaten - die Glorifizierung des britischen Empires auf der einen, Elefanten, einem Tempel und mörderischen Kultanhänger in Lendenschurzen auf der anderen Seite - sondern in einem Fantasieland, müßte man wohl nicht zweimal darüber nachdenken.

Also ja, es gab Momente, in denen ich die Augen verdreht habe - ich bin seit Jahrzehnten professionelle Augenverdreherin, meine Augenmuskeln sind wahrscheinlich die stärksten, die ich habe - aber ich muß zugeben, daß ich auch nicht anders konnte als mich von dieser Kumpelgeschichte mitreißen zu lassen und Teile davon zu genießen.
Ihr werdet euer eigenes Urteil treffen müssen. Falls ihr das tut, laßt es mich wissen!


Quellen (englischsprachig):
Kipling Society: Gunga Din - the poem and readers's guide
Film historian Rudy Behlmer's commentary on the 2004 DVD (highly recommended!)
Memsaab Story: The Gunga Din tamasha, posted
January 31,2010
Kevin Jack Hagopian (New York State Writer Institute): Film Notes - Gunga Din
Gunga Din (film) on English Wikipedia
Back to Golden Days - an old Hollywood blog: Film Friday "Gunga Din", posted December 11, 2016
Park Ridge Classic Film: The Making of Gunga Din, posted January 14, 2014


Ausgewählte Quellen über Thuggee (englischsprachig):
Darren Reid: On the Origin of Thuggee: Determining the Existence of Thugs in Pre-British India. In: The Corvette 4, 2017, 1, pp. 75 - 84 (Open Access)
Sagnik Bhattacharya: Monsters in the dark: the discovery of Thuggee and demographic knowledge in colonial India. In: Pallgrave Communications 6, Art.nr. 78(2020) (Open Access)
Kim A. Wagner: The Deconstructed Stranglers. In: Modern Asian Studies 38, 2004, 4, pp. 931 - 963 (Closed Access)

Donnerstag, 16. Januar 2025

Der Gefangene von Zenda

Lisa von Boondock Ramblings hat auf ihrem Blog den "Winter of Fairbanks Jr." laufen und ich meinte, ich würde mitmachen, wenn ich die Gelegenheit hätte, die Filme anzuschauen.
Für heute hat sie "Der Gefangene von Zenda" ausgewählt. Ich habe schon so oft von dem Film gehört, kann mich aber nicht erinnern, jemals eine der verschiedenen Versionen gesehen zu haben. Das heißt aber nicht viel, da ich mir sicher bin, daß ich mich nicht an jeden Film aus meiner Kindheit erinnern kann, und diese Art von Film hätte sicher zu unserer Fernsehkost in dieser Zeit gehört.

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Doppelgänger sind ein beliebtes Klischee in Büchern und Film. Das kann ein Doppelgänger aus der Geisterwelt sein oder jemand, der einer anderen Person sehr ähnlich sieht. Aus meiner Erfahrung wird das übernomme Wort "doppelgänger" oder "doppelganger" im Englischen oft für das erstere benutzt, im Deutschen eher für eine echte Person.
Äußerst vielseitig verwendbar, wird das Motiv des Doppelgängers in Horror, Krimis, Komödien, Abenteuer und mehr verwendet.

Anthony Hopes "Der Gefangene von Zenda" ist ein Abenteuerroman von 1894 und hat mehr als nur einen Abenteuerfilm inspiriert, aber auch Parodien.
In diesem Post geht es um die Version von 1937, die als die beste angesehen wird und außerdem die mit Douglas Fairbanks jr. ist. Tatsächlich wollte er die Hauptrolle spielen, verlor die Doppelrolle jedoch an Ronald Colman, stattdessen wurd ihm dann der Part eines Schurken angeboten, der zwar nicht soviel Leinwandmomente hat, aber so wirkt, als hätte er mehr Spaß gemacht.

Also - worum geht es bei dem Film? Das ist ein wenig verwirrend.

Der Engländer Rudolf Rassendyll ist auf Angeltour im kleinen Königreich Ruritanien (dem Buch zufolge, im Film zeigen sie nur auf einer Karte an, daß es sich irgendwo zwischen Wien und Bukarest befindet). Als er einreist, bemerkt er bereits seltsame Reaktionen der Leute um ihn herum, aber erst, als er zufällig im Wald dem baldigen König Rudolph begegnet, in Begleitung zweier seiner Männer, Colonel Sapt und Fritz von Tarlenheim, wird ihm der Grund klar, da er dem König wie aus dem Gesicht geschnitten ist, den Bart ausgenommen. Sie entdecken, daß sie weit entfernte Cousins sind und Rudolph lädt Rassendyll auf ein Trinkgelage ein.

Unglücklicherweise hat Rudolphs Halbbruder Michael, der hinter dem Thron her ist, ihn betäubt, um sicherzustellen, daß er nicht rechtzeitig zur Krönung auftauchen wird, und Sapt überredet Rassendyll seinen Platz einzunehmen, um zu verhindern, daß Michael König wird.
Sapt und Fritz bringen den schlafenden Rudolph in ein Versteck und leiten Rassendyll für die Krönung an.
Als sie aber hinterher Rudolph holen wollen, müssen sie feststellen, daß er von Michaels Gefolgsmann Rupert von Hentzau (von Fairbanks jr. gespielt) entführt wurde, der jede Gelegenheit ergreift, die Situation zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Das heißt, daß Rassendyll sich noch weiter als Rudolph ausgeben muß.

Das ganze wird noch dadurch kompliziert, daß er bei der Krönung Prinzessin Flavia kennengelernt hat, die Rudolph heiraten soll. Sie war ihm zuvor nie zugetan, aber jetzt verliebt sie sich in Rassendyll - im Glauben, daß es der Knöig ist, der sich geändert hat, seit sie ihn vor Jahren getroffen hat - und er sich in sie.

Michaels Geliebte Antoinette, die weiß, daß er bei einer Thronbesteigung Flavia heiraten müßte, was sie offensichtlich nicht glücklich macht, beschließt, dem König im Austausch für Michaels Leben zu helfen, und macht einen Plan, seine Männer in das Schloß von Zenda zu schleusen, wo Rudolph inzwischen hingebracht worden ist.
Michael überrascht jedoch Rupert dabei, wie er versucht, Antoinette zu verführen, beim Kampf ersticht Rupert ihn.
Antoinette bricht über Michaels Leiche zusammen und ihre Worte machen Rupert darauf aufmerksam, daß Rassendyll im Schloß ist.
Rupert konfrontiert ihn und bietet ihm an, Rudolph, Sapt und Fritz zu töten, damit nur er und Rassendyll noch das Geheimnis kennen und so zusammen regieren können, dieser lehnt jedoch ab. Es kommt zum Schwertkampf, wie von einem Mantel-und-Degen-Film zu erwarten, aber Rassendyll schafft es, die Zugbrücke für die Männer des Königs herunterzulassen, was Rupert zur Flucht durch einen waghalsigen Sprung in den Wassergraben zwingt.

Quelle: Kevin's Movie Corner

Gibt es ein Happy End? Nein, tut mir leid. Der König nimmt seinen rechtmäßigen Platz wieder ein und Rassendyll kehrt nach England zurück - ohne Flavia, die beschließt, mit einem gebrochenen Herzen, aber mit Blick auf ihre Pflichten dem Land gegenüber zurückzubleiben.

Ich weiß, daß viele diesen Film lieben, ich habe begeisterte Bewertungen mit voller Punktzahl für Schauspiel, Geschichte und Action gelesen.
Ich sehe ihn jedoch nicht auf meiner Liste regelmäßiger Filme. Er hat Spaß gemacht, ich mochte ihn, aber geliebt habe ich ihn nicht.
Vielleicht war Ronald Colman ein wenig zu alt für meine Vorstellung vom Degenheld. Obwohl es nichts an seiner Darstellung beider Charaktere auszusetzen gibt, konnte ich ihn eher als König als als Rassendyll sehen.
Es mag aber sein, daß ich einfach mehr von den beiden Jüngeren eingenommen war, Rupert und Fritz (Fairbanks jr. und Niven), und daher ein wenig unfair ihm gegenüber bin.
Was ist nur dran an einer Haarlocke, die einem gutaussehenden jungen Schurken (Rupert) in die Stirn fällt, oder einem kleinen verschmitzten Lächeln auf den Lippen (Fritz)? Für eine Sekunde lang war ich wieder 13 und schmachtete, und ohne diese zwei wäre mir tatsächlich vielleicht sogar ein bißchen langweilig gewesen, weil es wesentlich mehr Gerede als Action gab. Vielleicht hätte der Film mir besser gefallen, wenn er ein wenig kürzer und, hm, zackiger gewesen wäre?

Wißt ihr was, ich muß ihn vielleicht doch irgendwann einfach nochmal anschauen, nur um zu sehen, ob ich dann noch genauso darüber denke.
Und bitte verzeiht mir, wenn dieser Post etwas flüchtig wirkt, es war eine spontane Entscheidung, hier mitzumachen.