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Samstag, 1. August 2026

Meine Juli-Bücher

Dies ist ein Überblick der Bücher, die ich in einem Monat fertiggelesen habe (nicht unbedingt im selben Monat angefangen) und die ich Gundel vorgelesen habe (mit 😸 markiert).
Ich werde jeweils eine kurze Erklärung hinzufügen, warum ich ein Buch ausgewählt oder wie ich es gefunden habe und vielleicht auch, ob es ein Kandidat zum Wiederlesen ist, aber ich werde keine richtigen Rezensionen oder Bewertungen abgeben (Gundel weigert sich ebenfalls zu bewerten). Solltet ihr aber etwas mehr Info zu einem Buch haben wollen, an dem ihr interessiert seid, laßt es mich einfach wissen.

Wie ihr sehen könnt, war das für mich ein viel besserer Lesemonat als der letzte. Es war eine solche Vielfalt, daß ich sogar an das Limit meiner Tags stieß, ich wußte nicht mal, daß es dafür eins gibt!

"Silent Murders" von Mary Miley, Erstveröffentlichung 2014
(Roaring Twenties Mystery 2)


Leah, die junge Vaudeville-Schauspielerin, ist zu Jessie Beckett geworden und beginnt als Scriptgirl für die Pickford-Fairbanks Studios ein neues Leben in Hollywoods Stummfilmindustrie.
Als ein berühmter Regisseur erschossen wird, fängt Jessie an zu ermitteln.

Ich hatte auf Fritzi Kramers Stummfilmblog etwas über eins von Mileys Büchern gelesen und im Februar mit dem ersten angefangen.
Ich neige dazu, ein Problem mit Amateurdetektivinnen und -detektiven zu haben, die schlauer als die Polizei und alle anderen sind, aber ich mochte dieses Buch lieber als das erste, was mit den Schauplätzen und vertrauten Namen zu tun hatte, aber auch damit, daß ich erkannte, welche Teile auf welchen historischen Fakten basierten, ohne die "historische Notiz" am Ende zu lesen. Der erste Mord beruhte zum Beispiel auf dem Mord an
 William Desmond Taylor, über den ich ebenfalls schon gelesen habe.

"Carl Sandburg at the Movies: A Poet in the Silent Era 1920 - 1927" von Carl Sandburg, Erstveröffentlichung 1985


Carl Sandburg war Dichter, Biograph, Journalist und Herausgeber. Er war außerdem der Kinoexperte für die "Daily News".
Für dieses Buch wählten Dale und Doug Featherling einige der besten Filmkolumnen von Sandburg aus und fügten eine kurze Einführung für jedes Jahr und Fußnoten zu den erwähnten Personen hinzu.

Ihr werdet zweifelsohne immer mal wieder ein Zitat hieraus zu lesen bekommen. Was ich an dem Buch nicht mochte war, daß es mir Appetit auf den ein oder anderen Film machte, von dem ich dann leider entdecken mußte, daß er verschollen ist.

"Schloss Gripsholm : eine Sommergeschichte" von Kurt Tucholsky, Erstveröffentlichung 1931


Dies ist die Geschichte eines Liebespaars, das einen Sommerurlaub in Schweden verbringt, auf Gripsholms slott. Nicht alles ist jedoch Spaß und Liebe, als sie einem kleinen Mädchen aus dem nahegelegenen Kinderheim begegnen, das von einer sadistischen deutschen Leiterin geführt wird.

Ich hatte seit der Schule keine deutschen Klassiker mehr gelesen und beschloß, es jetzt mit einem im Monat zu versuchen. Keine Ahnung, wie dieses Projekt ausgehen wird.

Ich liebe das Cover mit einer Illustration von George Barbier von 1925. Es erinnert mich an die Wandmalereien von Oskar Schlemmer im Badhaus der Märklin-Villa in unserer Stadt.

"Ballet Shoes" = "Ballettschuhe" von Noel Streatfeild, Erstveröffentlichung 1936 
😸
(Shoes 1)


Das Buch erzählt die Geschichte von drei Mädchen, die von dem Paläontologen Groß-Onkel-Matthew, genannt Gom (Gum im Original), auf seinen Reisen adoptiert wurden. Als Gom wieder auf Reisen geht, bleiben Pauline, Petrova und Posy bei seiner Nichte Sylvia und deren früherem Kindermädchen, genannt Nana.
Als ihnen das Geld ausgeht und Gom nach Jahren immer noch nicht daheim ist, müssen sie Zimmer vermieten und die Mädchen werden in der
 Children's Academy of Dancing and Stage Training aufgenommen, was ihnen dann erlaubt, auf der Bühne zu arbeiten und so den Haushalt zu unterstützen.

Ich hatte Noel Streatfeild nicht gekannt - einige ihrer Bücher wurden erst vor nicht allzulanger Zeit ins Deutsche übersetzt - bevor Erin von "Still Life, With Cracker Crumbs" erwähnte, daß sie eins ihrer Bücher las.
Ihre "Shoes"-Reihe für Kinder ist beliebt und das nächste steht schon auf meiner Liste.


"J. M. Barrie & the Lost Boys: The Love Story that Gave Birth to Peter Pan" von Andrew Birkin, Erstveröffentlichung 1931


Obwohl es mit seiner Kindheit beginnt, konzentriert sich das Buch wirklich auf die Beziehung von Barrie mit den fünf Llewelyn Davies-Söhnen George, John, Peter, Michael, und Nicholas.

Ich habe zwar "Wenn Träume fliegen lernen" gesehen, das von diesem Buch inspiriert wurde (aber sehr "Hollywood" ist), mein Interesse an Barrie wurde allerdings geweckt, als ich "Peter Pan" angeschaut und gelesen habe.
Das Buch ist keine Biographie, die man einfach mal so durchliest. Es gibt eine Menge Namen, eine Menge Fotos, eine Menge Zitate aus Stücken, Romanen und Briefen und eine Menge (manchmal verwirrende) Auszüge aus Barries Notizbüchern. Ich fand es trotzdem sehr interessant und habe es sehr gern gelesen, obwohl ich mir - wie andere - nicht sicher bin, was es letztendlich über Barrie und die Jungen aussagt (es gibt zwei Lager für "pädophil/asexuell"), aber werden wir das überhaupt je sicher wissen können?

"Das gelbe Haus" von Mieko Kawakami, Erstveröffentlichung 2023


Drei junge Frauen versuchen im Japan der 90er zu überleben.
Die Geschichte wird vom Standpunkt Hanas aus erzählt, die ihre Mutter verlassen hat und bei einer neuen Mutterfigur einzieht, Kimiko, später kommen noch Ran and Momoko dazu. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, fühlen sie sich gezwungen, sich kriminellen Kreisen anzuschließen.

Das Buch war ein doppeltes Geschenk an ein Familienmitglied, das mich fragte, ob ich ein Exemplar haben wollte (das ich nicht behalten werde, da ich bezweifle, daß ich es nochmal lesen wollen würde, einfach wegen des Genres).

"The Lady Vanishes" = "Eine Dame verschwindet/Die Frau im Zug" von Ethel Lina White, Erstveröffentlichung als "The Wheel Spins" 1936


Zwei Engländerinnen begegnen sich in einem Zug auf dem Kontinent. Dann verschwindet Miss Froy plötzlich und niemand will Iris glauben, daß sie überhaupt existiert. War es nur ein Traum oder ist Miss Froy in Gefahr?

Ich habe den Hitchcock-Film erst kürzlich das erste Mal gesehen (fragt nicht, warum ich so lang dazu gebraucht habe), und nachdem eine Freundin erwähnte, daß er auf einem Buch basierte, mußte ich es natürlich lesen.
Mir gefällt allerdings der Film diesmal tatsächlich besser.


"Dracula" von Bram Stoker, Erstveröffentlichung 1897


Ich bezweifle, daß ich irgendjemand sagen muß, worum es in dem Buch geht - den Vampir Dracula, der von seinem Heim in Transylvanien nach London reist, um das Böse der Untoten zu verbreiten.

Das Buch war schon ewig auf meiner Liste gewesen. Die Geschichte wird hauptsächlich durch Briefe und Tagebucheinträge (von mehreren Hauptfiguren) erzählt, von denen manche recht langatmig und wahrscheinlich nicht jedermanns Sache sind (selbst ich mußte manchmal ein bißchen kämpfen). Ich bin jedoch nicht überrascht, daß der Roman die Fantasie der Menschen anregte.


"Dunkles Glas und Fisch in der Lampe" von Ingeborg Engelhardt, Erstveröffentlichung 1963


Ein junger Glasmacher muß vom griechischen Aquileia in die römische Kolonie Niedergermanien flüchten.

Für einen Blogpost nochmal gelesen.


"Death - das Kabinett des Dr. Leng" von Douglas Preston und Lincoln Child, Erstveröffentlichung 2023
(Pendergast 21)


Agent Pendergasts Mündel Constance Greene kehrt ins Jahr 1880 zurück, um ihre Schwester davor zu bewahren, durch den Serienmörder Dr. Enoch Leng getötet zu werden.

Falls ihr gemeint habt, die Pendergast-Bücher könnten nicht verrückter werden - doch, sie können.

"Billard um halb zehn" von Heinrich Böll, Erstveröffentlichung 1959


Das Buch spielt am 6. September 1958 und erzählt die Geschichte der Architektenfamilie Fähmel zwischen 1907 und diesem Tag - in Geschichten, Rückblicken, Erinnerungen.

Ich hatte seit der Schule keine deutschen Klassiker mehr gelesen und beschloß, es jetzt mit einem im Monat zu versuchen (womöglich sogar mehr wie in diesem Monat, aber ohne Druck). Keine Ahnung, wie dieses Projekt ausgehen wird.
Ich war kein Fan des Stils. Ganze Seiten von dahingeschmissenen Gedanken oder Bildern in Satzstücken, durch Strichpunkte getrennt, zu lesen, war recht erschöpfend.


"Death of a Busybody" von George Bellairs, Erstveröffentlichung 1942
(Inspector Littlejohn 3)


Nachdem eine ältere Dame, die etwas zu sehr damit beschäftigt ist, die Sünder und Sünderinnen ihres Dorfs zur Reue zu drängen, tot in der Senkgrube der Pfarrei gefunden wird, wird Inspektor Littlejohn von Scotland Yard mit der Ermittlung beauftragt.

Ich hatte noch nie zuvor von George Bellairs gehört, sah ihn aber als unterschätzten Schriftsteller erwähnt.
Das Buch war eine nette kleine Abwechslung und eine schnelle Lektüre. Ich werde mir den Namen mal merken.

"Stone Blind" = "Stone Blind - Der Blick der Medusa" von Natalie Haynes, Erstveröffentlichung 2023


Dies ist eine Nacherzählung des griechischen Medusa-Mythos mit dem Anspruch, Medusa ihre Stimme wiederzugeben.

Falls euch eine Menge Sichtweisen nichts ausmachen und ihr antike Mythen mögt, könnte das ein Buch für euch sein. Ich erwartete zwar mehr Medusa und weniger von all den anderen Göttern/Göttinnen (halb oder ganz) und Sterblichen, die ihren Weg kreuzten, und ich mochte es nicht so gern wie "Pandora's Jar", habe es aber dennoch gern gelesen.


"The Doyle Diary : the last great Conan Doyle mystery; with a Holmesian investigation into the strange and curious case of Charles Altamont Doyle by Michael Baker" von Charles Altamont Doyle, Erstveröffentlichung 1978


Charles Altamont Doyle, der Vater von Arthur Conan Doyle, war Künstler - wie drei seiner älteren Brüder, nur nicht so erfolgreich - und Beamter.
Doyle litt an Depressionen und Alkoholismus. Dieses Skizzenbuch wurde zwischen März und Juli 1889 geschaffen, während seines Aufenthalts auf Sunnyside, Montrose Royal Lunatic Asylum.


Ich stieß im Fernsehen auf die kurzlebige Serie "Houdini und Doyle" und erfuhr so von Doyles Vater, was mich neugierig machte.
Das Buch hat eine Einführung in Doyles Leben und eine Transkription der Texte und Notizen, zum Glück, da ich nicht alles so leicht lesen konnte. Ich mochte die Illustrationen sehr und kann nur empfehlen, daß ihr selber mal reinschaut.

"Kitten Caboodle : a collection of feline fiction" herausgegeben von Barbara Silverberg, Erstveröffentlichung 1969 😸


Silverberg hat hier Katzengeschichten und -gedichte aus allen möglichen Genres gesammelt - Humor, Geistergeschichten, Legenden und Märchen, sogar Science Fiction.

Ich bin zufällig auf das Buch gestoßen, weil es mit Katzenzeichnungen von 
Théophile-Alexandre Steinlen illustriert ist, dessen Poster für "Le Chat Noir" ich vor ein paar Wochen bei meinen Lieblingskatzen mit aufgeführt habe.

"The Cornish Coast Murder" = "Mord in Cornwall" von John Bude, Erstveröffentlichung 1935


Wenn ein Mann getötet wird, den niemand mag, hat man eine Menge Verdächtige. In Verbindung mit verwirrenden Spuren sorgt das für eine schwierige Ermittlung. Was für ein Glück, daß der örtliche Pfarrer gern Krimis liest.

Ich entdecke gerne Krimiautor*innen, die neu für mich sind. Dieses Whodunit hatte einen guten Anfang, aber dann wurde es soooo langsam vor einem Ende, das mich mehr ärgerte als überraschte.
Es war aber das erste Buch dieses Verfassers, also denke ich, ich werde ihm irgendwann nochmal eine Chance geben.

"The Inimitable Jeeves" = "Der unvergleichliche Jeeves" von Pelham Grenville Wodehouse, Erstveröffentlichung 1923
(Wooster und Jeeves 1)


Bertie Wooster ist ein englischer Gentleman, einer der reichen Müßiggänger, und Jeeves ist sein Kammerdiener, dessen Intelligenz Bertie und seine Freunde aus der einen oder anderen Patsche hilft, in diesem Fall hauptsächlich Berties Freund Bingo Little, der sich ständig neu verliebt.

Ich habe vor Urzeiten ein paar Wodehouse-Bücher gelesen, erinnere mich aber nicht, ob dieses darunter war.


"Hildur - Das Grab im Eis" von Satu Rämö, Erstveröffentlichung 2023
(Hildur 2)


Hildur Rúnarsdóttir ist Kriminalbeamtin in den Westfjorden Islands. Immer noch vom Verschwinden ihrer beiden Schwestern 25 Jahre zuvor verfolgt ist sie auf Fälle vermißter Kinder spezialisiert.
Diesmal wird ein Kommunalpolitiker beim Langlauf erschossen. Hildur findet heraus, daß der Mord mit dem Absturz eines Privatflugzeugs vor einiger Zeit in Verbindung steht.

Ich habe letzten Monat das erste Buch in der Reihe gelesen, das hier hat mir besser gefallen.


"Love Insurance" von Earl Derr Biggers, Erstveröffentlichung 1914


Lord Harrowby wendet sich mit einer Bitte an Lloyd's of London. Er wird sich bald mit einer amerikanischen Erbin vermählen, Cynthia Meyrick, und möchte eine Versicherung abschließen für den Fall, daß sie ihre Meinung ändert.
Lloyd's schickt den Assistenten Dick Minot mit ihm nach Florida, um sicherzustellen, daß die Hochzeit stattfindet. Auf der Zugfahrt dorthin begegnet Dick jedoch zufällig Cynthia und verliebt sich in sie. Nun ist er hin und her gerissen zwischen dem Vertrauen seiner Arbeitgeber und seiner Liebe zu ihr ... und das ist nicht die einzige Verwicklung.

Ich wollte wieder mal einen Stummfilm mit Reginald Denny anschauen, und als ich sah, daß das Buch, auf dem er basierte, von Earl Derr Biggers war, der die Charlie-Chan-Bücher geschrieben hatte, war ich neugierig.


"Mephisto" von Klaus Mann, Erstveröffentlichung 1936


Der Roman erzählt den Aufstieg von Hendrik Höfgen vom provinziellen Theaterschauspieler bis zum Intendanten des Staatstheaters in Berlin, indem er sich auf opportunistische Weise mit dem neuen Nazi-Regime arrangiert.
Höfgen basiert auf Gustaf Gründgens, dem früheren Freund und Schwager von Mann.

Ich hatte seit der Schule keine deutschen Klassiker mehr gelesen und beschloß, es jetzt mit einem im Monat zu versuchen (womöglich sogar mehr wie in diesem Monat, aber ohne Druck). Keine Ahnung, wie dieses Projekt ausgehen wird.
Das Buch fing ziemlich langsam an, aber als dann die Nazis an die Macht kommen, wurde es recht eindringlich. Unnötig zu sagen, daß es im Buch nicht viele sympathische oder bewunderswerte Charaktere gibt. Es ist erstaunlich, daß dies sogar vor dem Krieg geschrieben wurde.


"The Case of the Jumbo Sandwich" von Christopher Bush, Erstveröffentlichung 1965
(Ludovic Travers 60)



Eine Freundin bittet Privatdetektiv Ludovic Travers um Rat, nachdem sie um eine erhebliche Geldsumme betrogen wurde.
Zu diesesm Zeitpunkt hat Travers noch keine Ahnung, wie kompliziert dieser Betrugsfall werden wird ...

Ich habe damit angefangen, Bush zu lesen, nachdem Liz von Adventures in Reading, Running, and Working from Home eines seiner Bücher für eine 1952er Challenge besprochen hatte.



Übrigens, falls ihr Buchbesprechungen schreibt oder Blogposts über andere Dinge, die mit Büchern zu tun haben - sogar Filme, die auf Büchern basieren - schaut bitte bei "A Good Book and a Cup of Tea" vorbei, einer monatlichen Buch-Linkparty, deren Host ich zusammen mit Lisa from Boondock Ramblings und Erin von Still Life, With Cracker Crumbs  bin. Hier könnt ihr mehr herausfinden.

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Stummfilme - Die Austernprinzessin

Gehört ihr zu den vielen Menschen, die "Downton Abbey" angeschaut haben? Dann wißt ihr, daß der Earl of Grantham seine amerikanische Frau Cora ursprünglich geheiratet hat, um mit ihrem Geld seinen Besitz zu retten.
Das war überhaupt nicht ungewöhnlich. Eine ganze Reihe von sogenannten "dollar princesses" heirateten in Familien mit Adelstitel ein, die meisten davon in Großbritannien. Diese brauchten das Geld und die Familien der jungen Damen, die oft zu den "nouveau riche", den Neureichen, gehörten, erwarben sich sozialen Status. Ein Gewinn für beide Seiten, richtig? Nun ja, nicht immer, wenn das Paar sich nicht verliebte, wie das bei den Granthams der Fall war.

Im heutigen Stummfilm geht es um eine solche Dollarprinzessin. Es ist Ernst Lubitschs "Die Austernprinhzessin" von 1919.


Ich präsentiere euch - die Handlung. Mit Spoilern.
Seid darauf gefaßt, der Film hat den Untertitel "ein groteskes Lustspiel".

Zuerst treffen wir auf Mr. Quaker, den amerikanischen Austernkönig.
Er ist so obszön reich, daß er mehr Bedienstete hat, als man zählen kann, vier davon nur dafür, seine lächerlich riesige Zigarre zu halten, ihm die Nase zu putzen, ihm die Kaffeetasse an den Mund zu setzen und sein Haar zu kämmen.
Mr. Quaker hat eine Tochter, Ossi. Sie ist so verwöhnt, daß sie einen Tobsuchtsanfall bekommt und Vasen zerdeppert, als eine Mitdebütantin einen Grafen heiratet.

"Ich kaufe dir einen Prinzen." Gesagt, getan, Papa bestellt
Ossi per Brief einen vom Heiratsvermittler.

Der Heiratsvermittler wählt den verarmten Prinzen Nucki aus, aber Nucki sagt ihm, daß sich sein Freund Josef, mit dem er zusammen wohnt, die Dame erstmal anschauen wird.
Als Josef im Quaker-Palast eintrifft (großartiges Szenenbild!), wird er nach seiner Karte gefragt und gibt eine von Nucki ab, weil er keine eigenen hat. Nachdem er ewig darauf gewartet hat, daß Ossi endlich bereit ist, ihn zu sehen, sagt sie kaum Hallo, bevor sie ihn zur Trauung schleppt - die durch das Fenster hindurch vollzogen wird, nur keine Zeit verlieren.

Nicht nötig, ihn zu fragen, ob er will, Ossi beschließt,
daß "Prinz Nucki" in dieser Sache ohnehin nichts zu sagen hat.
Auf dem Rückweg muß er sogar hinten in der Kutsche sitzen.

Und da die Hochzeit so eilig war, ist auch das Feier dazu richtig klein.

Ein Diener pro Gang pro Gast, geht es noch kleiner?
Natürlich gibt es da in der Küche noch ein paar mehr Leute ...

Während "Prinz Nucki" Speis und Trank genießt, wird der echte Prinz von seinen Freunden von seinem sauren Hering fortgeholt und geht mit ihnen auf Sauftour.
Immer noch angetrunken wird er am Morgen aufgegriffen und zum "Verein der Milliardärstöchter zur Bekämpfung der Trunksucht" gebracht, wo er Ossi auffällt. Sie ist nicht die einzige, die an ihm interessiert ist, also ist die einzige Lösung natürlich ein Boxmatsch (ja, so steht's auf dem Zwischentitel) zwischen ihnen allen - wie zu erwarten gewinnt sie.

Nucki is von soviel Frauenpower überwältigt.
Ich bin von diesem großartigen Outfit überwältigt.

Ossi  und Nucki fühlen sich sofort zueinander hingezogen, aber das ist diese kleine Sache, nämlich daß Ossi mit Josef verheiratet ist ... oder?

Ich schau' dir in die Augen, Kleines.

Gerade als sie wegen ihrer hoffnungslosen Liebe in Tränen ausbrechen, kommt Josef ins Zimmer and sagt ihnen, daß alles gut ist, weil er ja unter Nuckis Namen geheiratet hat! Ich bin mir nicht sicher, was der Priester dazu sagen würde (obwohl es in alten Zeiten königliche Hochzeiten gab, in denen der Bräutigam von einem Freund vertreten wurde), aber sie haben nun ihr Happy End!
Wie schon gesagt, läuft dies unter groteskes Lustspiel und darum ist die Handlung gar nicht so wichtig wie die einzelnen Lacher, also können wir so Kleinigkeiten wie eine Blitzhochzeit mit dem falschen Mann unter dem richtigen Namen ignorieren.

Der gesamte Film ist wie ein Wirbelwind, der uns von einer zur nächsten Situation bläst, und ich habe ihn sehr genossen, was seltsam ist, denn wenn man es mal rational betrachten würde, würde man wahrscheinlich keinen einzigen der Hauptfiguren gutheißen!

Mr. Quaker ist so reich, daß ihm gar nichts mehr imponieren kann. Wo immer er hingeht, folgt ihm eine Menge Diener. Als Ossi erzählt, daß die Tochter des Schuhcremekönigs einen Grafen geheiratet hat, schreibt Mr. Quaker dem Heiratsvermittler, daß Austern natürlich viel mehr sind als Schuhcreme, und er daher einen Prinzen benötigt. An der Hochzeit selber ist er jedoch nicht sehr interessiert, solane nur der Stammbaum des Bräutigams paßt.

Ossi ist so verwöhnt, daß sie ungefähr 20 Dienstmädchen braucht, nur um ein Bad zu nehmen und angezogen zu werden. Den falschen Prinzen Nucki heiratet sie nur wegen des Titels.

Prinz Nucki hat nichts außer seinem Titel, als aber der Heiratsvermittler bei ihm vorbeikommt, versucht er trotzdem noch, den Schein aufrechtzuerhalten, indem er auf dem lächerlichsten "Thron" sitzt, mit Josef an seiner Seite stehend.
Er muß sich sogar das Geld für den Bummel mit seinen Freunden ausborgen.

Josef, nun, eine Weile fragte ich mich, wie sie das wohl lösen würden, denn Josef genießt nicht nur das üppige Mahl, sondern würde auch eine Nacht mit seiner Braut unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht ablehnen. Was für ein Freund.
Zumindest ist er am Ende loyal Nucki gegenüber.

Lubitsch nimmt wirklich alle auf die Schippe, nicht nur die Neureichen, sondern genauso die Aristokraaten, die alles dafür tun würden, um wieder an Geld zu kommen.
Und aus irgendeinem Grund funktioniert es. Ich mochte tatsächlich keinen von ihnen gar nicht, obwohl sie es verdient hätten.
Mein Liebling war Ossi. Ossi Oswalda - die "deutsche Mary Pickford" - spielte das verzogene Gör mit soviel Energie und Charm, daß sie einfach nur goldig war. Es ist wirklich schwer zu beschreiben. Es gibt ein paar wirklich witzige Szenen, wie zum Beispiel Ossis Versuch, sich um ein "Baby" zu kümmern, aber auch der plötzliche "Ausbruch einer Foxtrott-Epidemie", die das ganze Haus zum Tanzen bringt, das Personal eingeschlossen. Da Josef immer noch mit Essen beschäftigt ist, fragt Ossi einfach einen Diener im Flur, ob er Foxtrott tanzen kann, und schon legen sie los.
Die Szene ist wirklich herrlich, sie werden einfach alle von der Musik mitgerissen.

Was könnte bei einem solchen Bandleader schon schiefgehen?
Er war mit Herz und Seele ... und Körper ... dabei!
Ich mußte so lachen.

Ich hatte von dem Film schon gehört gehabt und war von dieser frühen Lubitsch-Komödie nicht enttäuscht, die er (laut des "Lexikon des internationalen Films") seine "erste Komödie mit definitivem Stil", den Schritt "von Komödie zu Satire" nannte.
Auf jeden Fall einer für die Liste zum nochmal Anschauen!


Quellen:

1. Fritzi Kramer: The Oyster Princess (1919) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 15. März 2013 (auf Englisch)
2. Jim Tudor: The Oyster Princess / Meyer from Berlin (1919). Auf: Zekefilm, 11. Juli 2023 (auf Englisch)
3. Vor 100 Jahren: Uraufführung von "Die Austernprinzessin". Auf: Stummfilm-Magazin, 12. Juni 2019