Posts mit dem Label Thriller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Thriller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 31. Mai 2026

Meine Mai-Bücher

Dies ist ein Überblick der Bücher, die ich in einem Monat fertiggelesen habe (nicht unbedingt im selben Monat angefangen) und die ich Gundel vorgelesen habe (mit 😸 markiert).
Ich werde jeweils eine kurze Erklärung hinzufügen, warum ich ein Buch ausgewählt oder wie ich es gefunden habe und vielleicht auch, ob es ein Kandidat zum Wiederlesen ist, aber ich werde keine richtigen Rezensionen oder Bewertungen abgeben (Gundel weigert sich ebenfalls zu bewerten). Solltet ihr aber etwas mehr Info zu einem Buch haben wollen, an dem ihr interessiert seid, laßt es mich einfach wissen.


"Die Jungens von Burg Schreckenstein" von Oliver Hassencamp, Erstveröffentlichung 1959


Was für eine Überraschung für die Schüler einer überfüllten Jungenschule, als ihnen gesagt wird, daß sie in ein Internat umziehen werden - auf eine Burg!
Nach der Erforschung von Burg Schreckenstein fangen die Jungens (na, hat das einen vintage Touch?) an, sich selber Ritter zu nennen, und beschließen, dem ritterlichen Kodex zu folgen.

Als ich ein Kind war, hatten wir - ich schätze mal meine Brüder - die ersten drei Bände dieser Reihe, die Hassencamp zwischen 1959 und 1988 (als er in einem Autounfall ums Leben kam) schrieb. Die Reihe hat 27 Bände und ist vielen noch ein Begriff, erschienen sind die Bücher (und zwei Filme) noch in den 2000ern. Kürzlich ist mir aufgefallen, daß ich nur Band 2 und 3 geerbt hatte, darum habe ich mir jetzt Badn 1 gekauft und gleich nochmal gelesen.

"The Gift of Not Belonging: How Outsiders Thrive in a World of Joiners" von Rami Kaminski, Erstveröffentlichung 2025


In diesem Buch stellt der Psychiater Dr. Kaminski einen neuen Persönlichkeitstyp vor, nicht introvertiert, nicht extrovertiert, sondern otrovertiert - seiner Definition nach "jemand, der in eine andere Richtung schaut".
Wenn meinem Exemplar nicht der Umschlag fehlen würde, könntet ihr eine Gruppe von grünen Chamäleons auf einem Zweig und über ihnen ein blaues sehen - den "Otrovert", der sich besser in einer Gruppe aufhalten kann als ein "Introvert", aber dennoch als Art Beobachter außerhalb davon steht.
Mein Problem mit dem Buch ist, daß ich, obwohl mich manche Passagen zu beschreiben scheinen, andere extrem verallgemeinernd fand, sich manchmal wiederholend, manchmal selber der Beschreibung dessen, was "den Otrovert" definiert, widersprechend - dem Test im Buch nach bin ich übrigens total einer, was ich glauben kann oder nicht, genau wie einem Persönlichkeitstest in einem Magazin beim Arzt im Wartezimmer, da wir keinen Anhaltspunkt bekommen, worauf genau er basiert.
Es gibt Anekdoten über Patienten, aber nichts Konkretes, Studien oder Literaturhinweise, die mir das Gefühl geben würden, daß dies mehr sein könnte als jemand, der mir erzählt, daß man eine Art Superkraft hat, weil man anders ist als die Leute, die mehr in der Gemeinschaft leben, was der Verfasser (der natürlich ein "Otrovert" ist) mißzubilligen scheint.
Das hier ist nur ein Beispiel: "Dadurch, daß sie sich auf ihre reichhaltigen, vielschichtigen inneren Welten einlassen, erhalten sie Zugang zu einem fantastisch komplexen Universum aus Gedanken, Erinnerungen und Fantasie, auf das der Mensch, der sich in der Gemeinschaft bewegt, keinen Zugriff hat." Echt jetzt, ernsthaft?
Also ja, das schien mir einfach eine neue Schublade zu sein, in der man Menschen unterbringen kann (inklusive verführerischer Superkraft), aber ich glaube nicht an solche Schubladen. Ich habe das Buch gebraucht bekommen und frage mich, ob der vorherige Besitzer wohl ebenso darüber dachte wie ich.

"The Silent Bullet" von Arthur B. Reeve, Erstveröffentlichung 1910
(Craig Kennedy, Scientific Detective 1)


Craig Kennedy ist Professor an der Columbia University und er ist überzeugt davon, daß es auch eine Professur in Kriminalwissenschaft geben müsse.
Mit Hilfe seines Freundes, des Journalisten Walter James - ja, sie teilen sich eine Wohnung - nutzt er seine wissenschaftlichen Kenntnisse, um der Polizei und Privatleuten zu helfen.

Ich habe den "fliegenden Fischen" dafür zu danken, daß ich den "amerikanischen Sherlock Holmes" entdeckt habe (es gab wohl nicht viel auf Deutsch), da jemand bei dem Video kommentiert hatte, daß Coke Ennyday vielleicht eine Sherlock-Holmes-Parodie war, der Name aber definitiv durch Professor Kennedy inspiriert wurde.
Die Geschichten wurden anfangs in "The Cosmopolitan" veröffentlicht.
Dieses Buch enthält 12 Geschichten, in denen Kennedy versteckte Mikrophone, Lügendetektoren, einen Defibrillator, Magneten und mehr verwendet (kommt noch jemandem dabei "Murdoch Mysteries" in den Sinn?).
Ich ziehe zwar immer noch Sherlock Holmes vor, aber es war eine unterhaltsame Lektüre, und da Reeve noch eine Menge mehr geschrieben hat, ist mein Ordner für Vintage Krimis mal wieder gewachsen.

"Last Ditch" = "Feines Ohr für falsche Töne" von Ngaio Marsh, Erstveröffentlichung 1977
(Roderick Alleyn 29)



Alleyns Sohn Ricky ist auf einer der Kanalinseln, um ein Buch zu schreiben.
Der Frieden ist jedoch gestört, als eine junge Frau nach einem Reitunfall tot aufgefunden wird. Oder war es gar kein Unfall?

Dies ist immer noch Teil meines Vintage-Krimi-Projekts, für das ich mir immer wieder neue Bücher von Marsh und Allingham besorge.

"The Life Cycle of the Common Octopus" = "Der Lebenszyklus des Gemeinen Oktopus" von Emma Knight, Erstveröffentlichung 2025


Ein Coming-of-Age-Roman über zwei Freundinnen, Pen und Alice aus Kanada, die in Edinburgh studieren.

Das Buch wurde auf einem Blog erwähnt und ich muß zugeben, daß ich es wegen "Oktopus" (Spoiler, es ist eine Metapher) und "Edinburgh" gelesen habe. Es war okay, aber nicht substantiell genug, daß es mir lang im Gedächtnis bleiben würde.

"Photo Finish" von Ngaio Marsh, Erstveröffentlichung 1980
(Roderick Alleyn 31)



Als seine Frau Troy in die Luxusresidenz eines Millionärs auf einer Insel in einem neuseeländischen See eingeladen wird, um das Porträt der berühmten Opernsängerin Isabella Sommita zu malen, wird Alleyn ebenfalls mit eingeladen, um in der Sache eines Paparazzo zu ermitteln, der ihr folgt.
Nach der Aufführung einer Oper, die Sommitas Liebhaber geschrieben hat, steckt ein Teil der Gruppe wegen eines heftigen Sturms auf der Insel fest. Dann wird die Sängerin in ihrem Zimmer gefunden ... ermordet ...

Dies ist immer noch Teil meines Vintage-Krimi-Projekts und ich habe jetzt alle 33 Roderick Alleyn-Bücher gelesen.

"An American Comedy" von Harold Lloyd (in Zusammenarbeit mit Wesley W. Stout), Erstveröffentlichung 1928 (diese Ausgabe wurde mit kleineren Korrekturen plus einem Interview von 1966 reproduziert)


Dies ist die Autobiographie von Harold Lloyd am Höhepunkt seiner Karriere. So irgendwie. Ich fand, es war eine Mischung von ein paar Geschichten aus seinem Leben, ohne allzusehr in die Details zu gehen, es sei denn, sie waren leicht genug, und Geschichten darüber, wie sich seine Filmkarriere entwickelte und wie er Filme entwickelte. Das war tatsächlich sehr recht interessant (wenn auch etwas veraltet, was keine Überraschung ist), aber ich weiß, daß Dinge ausgelassen wurden (zum Beispiel im Hinblick auf seinen Unfall mit einer Bombe), also werde ich eine "echte" Biographie lesen, wenn möglich.
Was mir gefiel war, daß jemand wirklich mit diesem Exemplar gearbeitet hat. Es gab eine Menge Sternchen, markierte Abschnitte und ein paar Randbemerkungen. Für mich sieht es aus, als ob jemand versucht hätte zu erforschen, wie man Komödien macht.


Ich vergnüge mich damit, mich durch Biographien mit Filmbezug arbeiten.

"The Ex Hex" = "Ex Hex" von Erin Sterling, Erstveröffentlichung 2021
(Graves Glen 1)



Nachdem sie mit Rhys Schluß gemacht hat, verflucht die Hexe Vivienne ihn. Das ist nicht ernstgemeint, aber als Rhys nach neun Jahren in Viviennes Heimatstadt zurückkehrt, um die Ley-Linien der Stadt aufzuladen, spielt die Magie wegen des Fluchs verrückt und sowohl die Stadt als auch Rhys sind in Gefahr.

Ich habe das Buch zufällig auf OverDrive gefunden und mir gefiel die Idee der wilden Magie. Leider ging es hauptsächlich um die Liebesgeschichte, aber nicht auf eine Weise, die mich fesselte. Ich werde die anderen Bände in der Reihe nicht lesen.


"Bury Your Secrets" von Kerry Watts, Erstveröffentlichung 2024
(DI Fraser Brodie 1)



Ein in der Gemeinde beliebter Mann wird auf grausige Art ermordet. Am nächsten Tag wird eine weitere Leiche aufgefunden. Ein dritter Mann verschwindet.
DI Brodie und die Insel Lewis auf den Äußeren Hebriden haben es mit einem Serienkiller zu tun - erneut. Brodie wird an die Morde erinnert, die sein eigener Zwillingsbruder vor Jahrzehnten begangen hat.

Das Buch wurde auf einem Blog empfohlen und hörte sich wie einer der Polizeithriller an, die ich gerne mal im Fernsehen anschaue. Es war eine schnelle Lektüre, aber "das Geheimnis" wurde so oft erwähnt, daß es langweilig wurde, und ehrlich, ich war bei nicht mal der Hälfte des Buches ziemlich sicher, daß ich wußte, wer der Killer war (ich hatte recht). Ich würde das zweite Buch in der Reihe wahrscheinlich testen, um zu sehen, ob sich das verbessert, aber meine Bibliothek hat es sowieso nicht.


"Celia's House" von D. E. Stevenson, Erstveröffentlichung 1943 😸


Das Buch umfaßt ungefähr 40 Jahre von Dunnian House, einem schottischen Landsitz. Im Haus haben schon immer Dunnes gewohnt und das Buch beginnt mit der unverheirateten Celia 1905 und erzählt dann die Geschichte ihres Neffen und seiner Familie, die nach Celias Tod einziehen.

Ich hatte DES nicht gekannt, bevor ich auf Liz' Blog "Adventures in reading, running, and working from home" auf die Rezension eines anderen Buchs von ihr stieß. Ich glaube, ich hatte beide Bücher markiert, um mich daran zu erinnern, daß DES eine Menge geschrieben hat, dann aber zufällig dieses zuerst ausgewählt.
Es war sanft, charmant und genau das, was ich im Moment brauchte. Hinterher stellte ich fest, daß Liz auch davon eine kurze Rezension hatte. Das wird bestimmt nicht das letzte Buch von dieser Autorin für mich bleiben.


"A Handful of Time" von Helen Foley, Erstveröffentlichung 1961


Frances wird von der Polizei gebeten, nach Cornwall zu reisen, um die Leiche ihre Freundin Fanny zu identifizieren, die bei einem Segelunfall ertrunken ist.
Auf der Fahrt erinnert sie sich an die Geschichte ihrer Freundschaft, nachdem sie sich in den 30ern als Studentinnen in Cambridge kennengelernt haben, wie sie zusammengewohnt und es durch den Krieg geschafft haben - Fanny ist Österreicherin, hat aber seit der Schule in England gelebt -, von Freunden und Liebhabern.

Ich fand dieses Buch auf
 "The Neglected Books Page" und es hörte sich interessant an - was es auch war, aber irgendwann wurde es dann doch etwas zäh.

"The Mysterious Mr. Badman : A Yorkshire Bibliomystery" von William Fryer Harvey, Erstveröffentlichung 1934


Als der Deckenproduzent Athelstan Digby anbietet, sich um den Buchladen seiner Gastgeber zu kümmern, während sie außer Haus sind, erwartet er nicht, daß innerhalb von Stunden drei Männer nach demselben ominösen Buch fragen.
Er weiß nichts über das Geheimnis, das mit diesem Buch verbunden ist, aber nachdem eine Leiche gefunden wird, kann ihn nichts davon abhalten zu ermitteln.

Das ist einer meiner Zufallsfunde, ein vintage Krimi mit einem ordentlichen Schuß an Spaß.


"The Cat Who Came in From the Cold" = "Das Kätzchen, das aus dem Regen kam" von Deric Longden, Erstveröffentlichung 1991 😸


Ein winziges Kätzchen auf einem Eimer im Garten des Nachbarn im Regen ... die Schriftsteller Deric and Aileen können nicht anders als sich zu verlieben.
Dies ist die Geschichte von Thermal und seinen Abenteuern in einem Viertel in Huddersfield.

Ich hatte das dringende Bedürfnis nach einem vertrauten Wohlfühlbuch und das hier, das vor Jahrzehnten meine Katzenbuchsammlung begründete, ist immer eine gute Wahl!


"Robert My Father" by Sheridan Morley, first published in 1993


Die Biographie des britischen Schauspielers Robert Morley, von seinem ältesten Sohn geschrieben, der Theater- und Filmkritiker und Schriftsteller war.

Ich kannte Morley natürlich aus alten Filmen, aber ich hatte nichts über seine lange Theaterkarriere sowohl als Schauspieler als auch als Stückeschreiber gewußt. Als jemand, der praktisch nichts über Theater weiß, war es für mich manchmal schwer, durch Listen an Namen von mir unbekannten Leuten zu waten, aber die Geschichten machten das wieder wett.


"Pandora's Jar: Women in the Greek Myths" von Natalie Haynes, Erstveröffentlichung 2022


In zehn Kapiteln stellt Haynes Frauen aus der klassischen Literatur und Mythologie vor, zum Beispiel Pandora, Medea, Medusa, und erzählt die Geschichten, indem sie sie in den Mittelpunkt stellt anstatt die männliche Perspektive.

Ich schaute mir die Sachbücher auf OverDrive an und wählte dieses aus, weil es interessant klang. Eine gute Wahl, es hat mir richtig gut gefallen!



DNF:

"The Frozen River" = "Der gefrorene Fluß" von Ariel Lawhon, Erstveröffentlichung 2025


Die Hebamme Martha Ballard wird gerufen, um die Leiche eines Mannes zu untersuchen, die im Eis des gefrorenen Flusses gefunden wurde. Er ist einer von zwei Männern, die der Vergewaltigung angeklagt wurden, und Martha stellt fest, daß er aufgehängt wurde, bevor man ihn in den Fluß geworfen hat. Nicht jeder möchte diesen Mord aufgeklärt sehen, aber Martha ist entschlossen.

Ich habe nach ungefähr einem Drittel aufgegeben. Ich wollte Martha dafür mögen, daß sie stark ist und für Gerechtigkeit kämpft, aber ich mochte sie nicht, und noch schlimmer, das Buch wurde für mich immer zäher.
Es ist von einer wahren Geschichte inspiriert und die echte Martha klingt äußerst faszinierend. Ich würde lieber die Biographie über sie lesen als dieses Buch.

Donnerstag, 22. Mai 2025

Stummfilme - Suspense

Komödie, Science-Fiction, Horror, Romantik, Krimi, Abenteuer, Märchen, Slapstick, Animation, gibt es etwas, das noch auf meiner Stummfilmreise fehlt? Tatsächlich ja - Dokumentation.

Eine offensichtliche Wahl wöre der erste Film gewesen, der Dokumentation genannt werden kann (darüber kann man sich streiten, da eine Menge davon aufgrund der Realitäten des Filmemachens im Jahr 1922 gestellt wurde und außerdem das Leben der Inuit darstellte, wie es einmal gewesen war, nicht wie es zur Zeit war, als der Film gedreht wurde) - "Nanuk der Eskimo" - aber ich werde ehrlich sein, ich war einfach nicht bereit zu Jagdszenen und dem Leben von Polarhunden zu dieser Zeit.
Stattdessen rief ich eine Liste von Stummfilm-Dokumentationen auf und suchte mir "Zum Gipfel der Welt" aus, ohne daß ich genau wußte, worum es gehen würde, obwohl natürlich nicht schwer zu erraten ist, daß es mit Bergsteigen zu tun hat, ein Thema, das mich nicht wirklich interessiert.
Natürlich bin ich von der Majestät des Himalaya und Mount Everest - in Nepal als Sagarmatha und in Tibet als Qomolangma bezeichnet - fasziniert, wie könnte man das nicht sein, aber warum jemand dort hinaufsteigen möchte, ist mir ist mir und meinem streng nicht-abenteuerlichen Gemüt zu hoch.
Natürlich hatte ich nicht an Esel und Yaks gedacht, die schwere Lasten schleppen müssen, und nach ungefähr einer halben Stunde verloren sie mich, als sie mir einen Babyesel zeigten, der auf dem Marsch geboren wurde, und sagten, wieviele Meilen dieses arme Baby laufen mußte. Dafür hatte es nicht freiwillig gemeldet!

Was sollte ich jetzt machen?
Ich ging zur Liste zurück, aber nichts davon hörte sich an, als wäre es für mich geeignet.
Verständlicherweise, denn das war noch die Zeit der großen Entdecker, und etwas zu erforschen hatte immer irgendwie mit Tieren zu tun, entweder Nutz- oder Wildtieren, und damit auch mit unweigerlich mit Szenen, die ich nicht sehen wollte. Sogar die Filmmacher, die zeigen wollten, was Menschen mit Wildtieren machen, benutzten genau diese Wildtiere, um Situationen für ihre Dokumentationen zu stellen - zum Beispiel Merien C. Cooper und Ernest B. Schoedsack, berühmt für "King Kong".
Ich weiß, daß das andere Zeiten waren und diese Filme darum in mehr als einer Hinsicht interessant sind, nicht nur für ihren Inhalt, sondern auch wie und warum dieser Inhalt gesammelt wurde, aber dafür ist meine Haut dieser Tage einfach nicht dick genug.

Ich werde weitersuchen und habe einen Film schon auf der Liste, aber für diesen Post brauchte ich nun etwas Kurzes und Schnelles.
Was ich fand, war "Suspense" von Lois Weber aus dem Jahr 1913, der in der Public Domain ist und den man hier anschauen kann (mit englischen Zwischentiteln, man versteht ihn aber auch ohne).

Da es sich hier um einen Stummkurzfilm von 10 Minuten handelt, ist die Handlung recht schnell erzählt (Spoiler wie gewöhnlich!).
In einem entlegenen Haus kündigt ein Dienstmädchen, indem sie ihrer Arbeitgeberin, einer Mutter mit kleinem Baby, nur eine Notiz hinterläßt. Den Schlüssel legt sie unter die Matte. Als die Mutter die Notiz findet, verschließt sie Türen und Fenster.
Ein Tramp hat das Dienstmädchen weggehen gesehen, geht sich das Haus anschauen und findet den Schlüssel. Als die Frau ihn bemerkt, ruft sie ihren Mann an, der spät arbeiten muß, aber der Tramp kappt die Leitung.


Der Eheman beeilt sich, ihr zu Hilfe zu kommen, indem er sich das erste Auto schnappt, das auf der Straße geparkt ist, und davonrast, verfolgt vom Eigentümer und der Polizei.


Während die Frau sich mit ihrem Baby im Schlafzimmer eingesperrt und eine Kommode vor die Tür geschoben hat, schaut sich der Tramp im Haus um, und der Mann wird aufgehalten, als er einen Mann anfährt, der mitten auf der Straße steht, und ihm wieder aufhilft.
Der Tramp hört Geräusche von und bricht ins Schlafzimmer ein, mit einem Messer bewaffnet. Genau da treffen die Autos beim Haus ein. Schüsse, die dem Ehemann gelten, versetzen den Tramp in Panik, er rennt die Treppe hinunter, wo er vom Ehemann und der Polizeit überwältigt wird.
Der Mann rennt nach oben und findet seine Frau und das Baby unverletzt. Er erklärt alles und natürlich wird ihm verziehen.


Ich muß gestehen, daß ich vorher noch nie von Lois Weber gehört hatte, noch so ein Beispiel nicht nur für jemand, der Stummfilme gemacht hat, sondern vor allem auch eine Frau, deren Leistungen in Vergessenheit geraten waren.

Public Domain

Tatsächlich war Weber eine Pionierin des frühen Films, die "erste amerikanische Frau, die bei einem abendfüllenden Film Regie führte" und die "führende weibliche Regisseurin-Drehbuchschreiberin im frühen Hollywood", nicht zu vergessen, daß sie außerdem Schauspielerin war, zum Beispiel als die Mutter in "Suspense". Irgendwann  hatte sie sogar ihr eigenes Studio.

Dies soll aber kein Post über Lois Weber (und ihren Mann Phillips Smalley, mit dem sie bis zu ihrer Scheidung hauptsächlich gearbeitet hat) werden, vor allem, da ich bis jetzt noch keinen ihrer anderen Filme gesehen habe, die überlebt haben. Sie hat viel produziert, aber wie es vielen Stummfilmen ging, ist eine Menge davon verlorengegangen.
Am Ende sind vier Links (auf Englisch), falls ihr mehr über sie wissen möchtet, und wer weiß, vielleicht taucht sie ja irgendwann in einem anderen Post von mir auf.

Nun zum Film.
Der Titel verspricht nicht zuviel.
Wie auch andere Filme wurde "Suspense" wohl von einem französischen Grand Guignol-Theaterstück von 1902 inspiriert - "Au Téléphone" von André de Lorde und Charles Foley - das jedoch kein glückliches Ende hatte. Der Ehemann muß zuhören, wie seine Familie umgebracht wird, ohne daß er zu Hilfe kommen kann.

Weber nutzte verschiedene Techniken, um Spannung aufzubauen, zum Beispiel den Split Screen, der die drei Erzählstränge zeigt - den Ehemann im Büro, die Ehefrau und das Baby daheim, und der einbrechende Tramp.
In der Verfolgungsjagd sieht man das Spiegelbild der Verfolger, die näherkommen.
Es gibt interessante Blickwinkel wie in dem Moment, in dem die Frau aus dem Fenster schaut und den Tramp draußen sieht.

Es gibt natürlich viel mehr über die technische Seite des Films zu sagen, aber das überlasse ich den Experten. Stattdessen möchte ich euch erzählen, was mir so durch den Kopf ging, als ich ihn ein zweites Mal anschaute, denn für einen Kurzfilm von 10 Minuten gibt es recht viel zu sehen, und ihr kennt ja mich und mein komisches Gehirn. Ich habe immer Fragen.

-Das Dienstmädchen, das überlegt anzukündigen, daß sie gehen wird, sich aber dagegen entscheidet. Glaubt sie, sie wird es nicht durchziehen können, wenn sie der Mutter ins Gesicht blickt?
Hätte er sie nicht gesehen, wäre der Tramp vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen, sich das Haus anzuschauen, und unwissentlich hat sie es ihm sogar noch einfacher gemacht, als sie den Schlüssel unter die Matte legt. Warum hat sie das überhaupt gemacht? Warum hat sie ihn nicht einfach mit der Notiz auf dem Tisch liegenlassen?
Und warum geht die Mutter nicht hin und holt den Schlüssel unter der Matte heraus, als sie alle Türen abschließt?

- Der Tramp, der die Brote ißt, etwas herumwühlt, nicht sehr überzeugend, und dann auf die Frau losgeht. Ich habe von Leuten gehört, die an Tatorten essen oder trinken, aber gewöhnlich erst, nachdem die Tat vollbracht ist.
Warum der plötzliche Drang, einen "einfachen" Einbruch noch schlimmer zu machen?

- Der Ehemann, der den Mann auf der Straße anfährt. Ich finde es ja nett, daß er nicht einfach weiterfährt, sondern aussteigt, ihn abklopft, ihn fragt, ob er okay ist, aber dann nimmt er sich Zeit, zweimal (!) nach seinen Verfolgern zu schauen, bevor er wieder ins Auto steigt und weiterfährt. Oh, meine Frau ist in Gefahr, la-di-da ...

Hört sich das alles danach an, als hätte mir der Film nicht gefallen? Ganz und gar nicht. Das sind einfach nur Dinge, über die ich nachgedacht habe, nachdem ich ihn ein zweites Mal angesehen habe.
Natürlich mußte das alles genauso sein, um das Spannungsgefühl zu steigern, was perfekt funktioniert hat.

Von dem her, was ich gelesen habe, hatten Webers Filme oft soziale Themen, also scheint "Suspense" eine Ausnahme zu sein, und natürlich ist auch vieles von ihrem Werk verloren, aber ich setze sie auf jeden Fall für mehr auf meine Filmliste.



Quellen (englisch):

Über "Suspense"
1. Fritzi Kramer: Suspense (1913) A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 24. April 2016
2. Short of the Month: Suspense (dir. Lois Weber and Phillips Smalley, 1913). Auf: Nitrateglow, 11. Februard 2022
3. "At the telephone" - Englische Übersetzung von "Au téléphone" von André de Lorde. In: "One-act plays for stage and study, second series, 1925, edited by Walter Prichard Eaton"

Über Lois Weber:
1. Angelica Aboulhosn: Lois Weber: An Early Hollywood Filmmaker with Her Own Studio. In: Humanities, vol. 44(2023), Ausgabe 4
2. Shelley Stamp: Lois Weber. Auf: Women Film Pioneers Project. 15. Oktober 2019
3. Lea Stans: "The Muse Of The Reel" - The Pioneering Work of Director Lois Weber. Auf: Silent-ology, 25. Januar 2018
4. Travis Lee Ratcliff: A History of Silence: The Cinema of Lois Weber. Auf seinem YouTube-Kanal


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.