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Donnerstag, 12. Februar 2026

Silent movies - Es tut sich was in Hollywood

Für heute habe ich einen Film vom Ende der Stummfilmära mit Marion Davies in der Hauptrolle, die ich in "Ein Mädel mit Tempo" so köstlich fand.
Es ist "Es tut sich was in Hollywood" von 1928.

Public Domain über Wikipedia


Meine Damen und Herren - die Handlung (mit Spoilern)!

"Für Hunderte von hoffnungsvollen Menschen gibt es einen goldenen Punkt auf der Landkarte, genannt
– Hollywood."

Ein von diesen Hunderten ist Miss Peggy Pepper aus Georgia, die von ihrem Vater, Colonel Pepper, nach Hollywood gebracht wird.

Von Hollywood überwältigt

Im Besetzungsbüro demonstriert Peggy ihre schauspielerischen Fähigkeiten, aber es ist nicht leicht, auch tatsächlich für einen Film besetzt zu werden. Dann aber treffen sie und ihr Vater Billy Boone in der Kantine, der sie einlädt, bei seinem Set aufzutauchen.
Was sie nicht weiß ist, daß Billy in Slapstickkomödien arbeitet, während sie danach strebt, eine dramatische Schauspielerin zu sein. Nachdem sie in ihrer ersten Szene Seltzer ins Gesicht gespritzt bekommt, bricht sie in Tränen aus, aber Billy überzeugt sie davon, es durchzuziehen, indem er sie daran erinnert, wie aufregend es für sie sein wird, sich selbst im Kino zu sehen.


Tatsächlich wird Peggy sofort ein Erfolg, und nachdem sie noch mehr Filme mit Billy macht, erhält sie einen Vertrag vom High Arts Studio (der Name sagt alles), das heißt, sie verläßt die Komikertruppe und Billy.
Nach ihren Probeaufnahmen sagt ihr ihr neuer Co-Star Andre, der sie wissen läßt, daß er tatsächlich der Comte d'Avignon sei, daß sie ihre Persönlichkeit ändern und sich neue Freunde suchen muß, um ein Star zu werden.
Also wird aus Peggy Pegger dann Patricia Pepoire und der Starruhm steigt ihr zu Kopf.

Marion Davies's witzige Imitation von Mae
Murray, die wir auch schon in "Ein Mädel
mit Tempo" gesehen haben.

Eines Tages haben sie und Billys Komikertruppe Aufnahmen am selben Ort. Billy freut sich, sie zu sehen, und versucht mit ihr herumzublödeln, aber sie verletzt ihn, als sie ihn einen billigen Clown nennt und davonrennt.


Kurz darauf wird Peggy aus einem Studioessen geholt. Der Produzent zeigt ihr ein Bündel Telegramme, in denen steht, daß das Publikaum nicht mehr an "Miss Pepoire" interessiert ist. Er warnt sie, daß er wieder die alte Peggy sehen möchte, aber sie ist so von sich selber eingenommen, daß sie Andre sagt, Produzenten würden keine Kunst erkennen, wenn sie sehen.

Einige Zeit später kommt der Hochzeitstag von Peggy und Andre. Billy schleicht sich mit den Lieferanten ins Haus und bekniet Peggy, nicht zu heiraten und sich stattdessen an die alten Zeiten zu erinnern.
Um sie zur Besinnung zu bringen, bespritzt er sie mit Seltzer wie in ihrer ersten Szene zusammen. Peggy ist so wütend, daß sie nach einer Sahnetorte greift, aber statt Billy trifft sie Andre, der gerade die Tür öffnet, damit ins Gesicht.
Sie fängt an zu weinen und Billy geht, aber als sie Andre anschaut, kann sie sich das Lachen nicht verkneifen. Als ihr klar wird, daß Billy die einzige "echte Person" in ihrem Leben ist (ich finde, da vergißt sie ihren Vater), sagt sie die Hochzeit ab.


Peggy hat einen Plan. Sie überzeugt ihren Regisseur King Vidor (der sich selbst spielt), Billy in einem Kriegsfilm zu besetzen, ohne ihm zu sagen, daß sie mitspielt.
Natürlich ist Billy überrascht, Peggy zu sehen, aber als sie ihm sagt, daß er jetzt nicht gehen kann, weil die Kamera schon läuft, reißt er sie in seine Arme. Da der für die Szene geschriebene Kuß kein Ende findet, lassen Vidor und die Crew die beiden leise auf dem Set zurück.


In Kürze, das hat SPASS gemacht.
Es heißt, der Film sei von Gloria Swansons Geschichte beeinflußt, die von der Komödie zum großen Drama wechselte, aber auch von einem Roman (der später zu einem Stück und einem (verschollenen) Film wurde) mit dem Titel "Merton of the Movies", in dem ein junger Mann versucht, es in Hollywood zu etwas zu bringen.

Ich liebe Marion Davies absolut in diesem Film. Sie macht alle Klischees durch, zieht die witzigsten Gesichter, ist aber auch angemessen dramatisch für die Zeit.
Wie ich in meinem Blogpost über "Ein Mädel mit Tempo" erwähnt hatte, war Davies die Geliebte von William Randolph Hearst, der sie in epischen Dramen sehen wollte, wie schade, da sie doch so eine wundervolle Komödiantin war.
Es gibt die Szene im Besetzungsbüro, in der die unschuldige und ahnungslose Südstaatenschönheit nach Fotos gefragt wird und begeistert ihr Babyfoto vorzeigt. Als sie danach gefragt wird, ob sie schauspielern kann, präsentiert sie ihre verschiedenen Stimmungen, von Meditation zu Freude.

Das hier ist natürlich "Leidenschaft", was
sonst? Ihr Vater ist stolz auf Peggys
schauspielerische Fähigkeiten.


Das gab es übrigens wirklich.
Hier sind die Stimmgungen von "The Biograph Girl" Florence Lawrence, die manchen Quellen nach als der erste Filmstar betrachtet wird.


Mir gefällt auch William Haines als Billy. Er ist charmant und witzig, aber man kann auch seinen Schmerz darüber spüren, wie ihn Peggy behandelt.
In einer Szene ruft er sie an, um sie zum Essen mit ihm und ihrem Vater einzuladen, der sagt, daß selbst er sie nicht mehr oft zu Gesicht bekommt. Ich kann das wirklich nachvollziehen.
Und doch ist er so stolz auf sie und ihre Karriere und gibt den Versuch nicht auf, ihr klarzumachen, daß die Leute die alte Peggy wieder wollen.

Tatsächlich mag ich alle, Peggys liebenswerten Vater (Dell Henderson, der auch in "Ein Mädel mit Tempo" ihren Vater gespielt hat), den verrückten Komödienregisseur, der sich nicht mal im Kino zurückhalten kann, dem Regisseur im "High Arts Studio", der alles gut, um Peggy zum Lachen oder Weinen zu bringen (eine wundervolle Szene, und übrigens, wußtet ihr, daß es am Set zu diesem Zweck tatsächlich sogenannte Stimmungsmusiker gab, dazu eine tolle Geschichte hier?), Andre als der "Comte", der in Wirklichkeit vorher Kellner in einem Spaghetti-Restaurant war, und Miss Pepoire's verrücktes Dienstmädchen.

Ich darf aber nicht vergessen zu erwähnen, daß der Film voller Gastauftritte von wichtigen Filmleute aus der Zeit ist.
Da ist zum Beispiel Charlie Chaplin, der nach ihrem ersten großen Film um Peggys Autogramm bittet. Peggy, genervt davon, daß er so hartnäckig ist, fragt Billy "Wer ist dieser kleine Kerl?". Noch viel mehr sind bei dem Essen im Studio, zum Beispiel Douglas Fairbanks.



In der Tat bekommen wir sogar einen Gastauftritt von Davies selber, aber ...

Peggy ist von Marion
nicht beeindruckt.


Obwohl der Film keinen Sprechdialog hat, hat er einen Soundtrack, der wirklich gut paßt.
Ich hatte soviel Spaß, daß die 82 Minuten wie im Flug vergingen. Das kommt definitiv auf meine Favoritenliste!


Quellen:

1. Fritzi Kramer: Show People (1928) - A Silent Film. Auf: Movies Silently, 29. Juni 2013
2. Thomas Doherty: FROM THE ARCHIVES: Show People. Auf: Cineaste, Herbst 2012

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 31. Juli 2025

Stummfilme - Ein Mädel mit Tempo

Letzte Woche war sehr dramatisch, also ist es diese Woche wieder Zeit für ein bißchen Spaß, aber nicht so kurz wie beim letzten Mal.
Interessant ist, daß ich dank einer Kritik zum Film der letzten Woche auf diesen Film hier gestoßen bin, aber dazu kommen wir später.
Ich stelle vor - "Ein Mädel mit Tempo" von 1928.

Public Domain über Wikimedia Commons

Erstmal die Handlung (mit Spoilern):

Dies sind die Harringtons. Wir haben den Vater, der sich damit schwertut, sich der befehlshaberischen Mutter gegenüber zu behaupten, und wir haben zwei Töchter, Grace, die ältere, und Pat(ricia), die jüngere.
Grace wird von der Mutter immer bevorzugt, und obwohl der Vater auf Pats Seite ist und ihr manchmal zu helfen versucht, gewinnt Pat nie. Um es noch schlimmer zu machen, ist sie hoffnungslos in Graces Verehrer Tony verliebt, was für jeden außer ihm offensichtlich ist.
Bei einem Dinner im Jachtclub fällt Grace dem örtlichen Playboy Billy auf. Er bezaubert sie, bis das Dinner mit ihm in seinem Schnellboot verläßt. Pat sieht ihre Chance, Tonys Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie fragt ihn nach Vorschlägen bezüglich eines Mannes, in den sie verliebt ist. Tony, der immer noch nicht kapiert, daß er besagter Mann ist, rät ihr, Persönlichkeit zu entwickeln und ihn so anzuziehen.
Mit der Hilfe von Büchern übt Pat Witzeleien, die ihre Mutter und Schwester davon überzeugen, daß sie verrückt geworden ist, ihr Vater aber meint, sie solle damit weitermachen.
Tony ist wegen Grace und Billy verärgert und wendet seine Aufmerksamkeit Pat zu, woraufhin Grace beschließt, daß sie doch Tony haben will.
Also hecken Pat und ihr Vater einen Plan aus, in dem Pat in Billys Haus geht und dann einen Angriff vortäuscht, damit Tony kommt und sie rettet. Billy ist jedoch so verkatert, daß er sie nicht mal bemerkt, egal was sie versucht.
Pat arrangiert alles so, daß es nach einem Kampf aussieht, schließt sich in Billys Schlafzimmer ein und ruft Tony an. Der Plan geht nach hinten los, als Tony sie abholt und dafür rügt, überhaupt allein zum Haus eines Mannes wie Billy gegangen zu sein. Seien wir ehrlich, der Plan war richtig dämlich und auch Billy gegenüber nicht fair.
Sie so am Boden zu sehen bewirkt, daß der Vater sich endlich ein Herz nimmt und die Mutter und Grace dafür tadelt, wie sie sich Pat und ihm gegenüber benehmen. Um sie zu erschrecken, verkündet er, daß er gehen wird und versteckt sich eine Weile draußen in den Büschen, bis Ma bereit ist, ihm zu versprechen, daß sie sich benehmen wird.
Am Schluß kommt Tony zurück und verlangt von Pat zu wissen, ob Billy der Mann ist, über den sie gesprochen hatte, und sie gesteht, daß es nicht Billy ist, sondern er. Sie küssen sich.


"Ein Mädel mit Tempo" ist eine Verfilmung der erfolgreichen Broadway-Komödie von Barry Conners, von der es zwischen 1925 und 1926 245 Aufführungen gab.

Die Handlung selber ist hier aber gar nicht so wichtig. Ich mochte einfach die Darstellung von Marion Davies sowas von gern. Ich hatte vorher noch nie von ihr gehört (nicht überraschend, denn es gibt natürlich soviele Leute aus der Stummfilmära, die ich nicht kenne) und wußte nicht, daß sie zwischen Drama und Komödie wechselte.
Dafür gab es einen Grund. Davies war die Geliebte des Zeitungsverlegers William Randolph Hearst - 35 Jahre lang bis zu seinem Tod - und Hearst wollte sie gern in großen dramatischen und epischen Filmen sehen (obwohl ich Kritiken gelesen habe, in denen stand, daß Davies auch ohne die Unterstützung von Hearst ein Star geworden wäre).
Regisseur King Vidor sagte, er habe Davies privat als sehr witzige Person erlebt, die zum Beispiel ihre Freunde mit Imitationen von Kollegen unterhielt. Er war nicht wild darauf, mit ihr an einem ihrer übliche Filme zu arbeiten.

Es war die richtige Entscheidung. Davies war tatsächlich sehr lustig in diesem Film, sehr gut auch vom Rest der Besetzung unterstützt.
Für Marie Dressler und Dell Henderson, die Ma und Pa spielten, war "Ein Mädel mit Tempo", ein Comeback nach jahrelanger Abwesenheit von der Leinwand. Es war toll, wie ich tatsächlich vor allem Ma in manchen Szenen zu hören glaubte 
🤣

Obwohl mich der ganze Film zum Lachen brachte, fand ich die folgende Szene am witzigsten.
Als Pat in Billys Haus ist (ein schrecklicher Plan übrigens und ihm gegenüber nicht sehr fair), schaut sie sich die Bilder seiner Lieblingsschauspielerinnen an, die herumstehen. Um ihn in seinem verkaterten Zustand auf sich aufmerksam zu machen, imitiert sie alle drei und ist dabei wirklich zum Schießen.

Die erste ist Mae Murray, die wegen der Art und Weise, wie sie ihren Lippenstift trug, auch "Das Mädchen mit den Bienenstich-Lippen" genannt.


Die zweite ist Lillian Gish aus dem Film von letzter Woche.
In einem Blog wird diese Spöttelei erwähnt und so fand ich dann diesen Film.
Obwohl ich bis jetzt erst einen von Gishs Filmen gesehen habe, sah das für mich echt gut aus.


Die letzte ist Pola Negri.


Das Filmende fand ich allerdings etwas gehetzt. Es ist schön, daß der Vater seine Chance bekommen hat, aber zwischen Pat und Tony ist nicht mehr soviel los. Trotz des Kusses war das etwas enttäuschend.

Das war wahrscheinlich bis jetzt mein Film mit den meisten Zwischentiteln. Es gab eine Menge davon und zeitweise stört das den Fluß im Film ein bißchen, aber eine Menge der Zwischentitel waren recht witzig, also kamen sie wahrscheinlich aus dem Stück und sie wollten sie nicht rausnehmen.
Die Witzeleien brachten mich echt zum Lachen, nicht weil sie extrem geistreich waren, sondern weil sie geradewegs von Facebook oder anderen sozialen Medien hätten kommen können.
"Weine nicht über verschüttete Milch - da ist schon genug Wasser drin." "Was ist ein Hot Dog? Ein Hamburger in Strumpfhosen." "Gäbe es den Regen nicht, gäbe es auch kein Heu, das man machen kann, wenn die Sonne scheint."
Oh, wie weit wir in fast 100 Jahren gekommen sind.

Ich habe den Film auf YouTube angeschaut. Der Besitzer des Kanals schrieb folgendes: "Ein weiterer liebenswerter Stummfilm auf YouTube hochgeladen, mit einem großartigen Katalog an tollen Jazzmelodien von vor 1929 ..." und ich muß sagen, daß die wirklich gut dazugepaßt und zum Spaß des Films beigetragen haben.
Der geht auf jeden Fall auf meine Wiederholungsliste!



Quellen:

1. Fritzi Kramer: The Patsy (1928) - A silent film review. Auf: Movies Silently, April 30, 2015
2. The Patsy (1928). Auf: Obscure Hollywood
3. Thomas Gladysz: The Patsy. Essay. Auf: Silent San Francisco Film Festival 2013
4. David Kiehn: The Patsy. Essay. Auf: Silent San Francisco Film Festival 2008


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.