Posts mit dem Label Horror Komödie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Horror Komödie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 2. April 2026

Stummfilme - Spuk im Schloß

Heute habe ich einen Stummfilm von 1927 für euch, von dem es mehrere Remakes unter verschiedenen Titeln gab (im Gegensatz zu den Originalen, für die der Titel überwiegend beibehalten wurde), nämlich "Spuk im Schloß".


Hier ist die Handlung mit Spoilern:

Der vermögende Cyrus West fühlt sich wie ein Kanarienvogel unter Katzen, umgeben von seiner Verwandtschaft, die nicht nur gierig sind, sondern ihn auch für verrückt halten.
West verfügt, daß sein Testament 20 Jahre nach seinem Tod geöffnet werden soll, während derer nur die Haushälterin Mammy Pleasant in seinem gruseligen Herrensitz wohnt.
Als sein Anwalt Roger Crosby ankommt, um das Testament aus dem Safe zu holen, findet er darin eine lebende Motte - und einen zweiten Umschlag, der geöffnet werden soll, falls die Bedingungen des Testaments nicht erfüllt werden.


"Es war der Geist, der den zweiten Umschlag
hineingelegt hat!"
 


Die ganze Verwandtschaft hat sich versammelt, Tante Susan und ihre Nichte Cecily, die Cousins Harry, Charlie und Paul, und schließlich noch Annabelle.


Sehr zur Empörung und Enttäuschung der anderen ist Annabelle, die entfernteste Verwandte, die den Namen West trägt, die Erbin von Cyrus' Vermögen, die berühmten verlorenen West-Diamanten eingeschlossen. FALLS sie die ärztliche Untersuchung bezüglich ihres Geisteszustands besteht. Fällt sie durch, geht alles an die Person, die im zweiten Umschlag genannt ist.
Mit ihr allein sagt Crosby to Annabella, daß sie nun diejenige im Käfig ist, von Katzen umgeben.


Gerade als er den Namen im zweiten Umschlag enthüllen will, weil er sich sorgt, was diese Person antun könnte, wird er von einer Klauenhand fortgezerrt.


Inzwischen ist ein Wärter aufgetaucht, um alle vor einem Wahnsinnigen, "Die Katze" genannt, zu warnen, der aus der Anstalt entflohen ist. Er sagt, er sei ihm bis zum Herrensitz gefolgt.
Dann informiert Annabella sie darüber, daß Crosby verschwunden ist. Tante Susan meint, das käme der Erbin ja sehr gelegen und würde offensichtlich beweisen, daß sie wahnsinnig ist (ja, klar).

Alle gehen auf ihre Zimmer, mehr oder weniger verängstigt und Annabelle findet, von einer Notiz geleitet, die berühmten Diamanten in einer der wohl häßlichsten Halsketten, die ich je gesehen habe. Nicht daß das irgendeinen Einfluß darauf hätte, was als nächstes passiert.

Vielleicht kann sie sie ja auseinandernehmen
und die Perlen und Steine anderweitig nutzen?

Klauenhand stiehlt die Kette, als Annabelle schläft.


Sie erzählt ihren Verwandten davon und Tante Susan denkt erneut, daß sie, ihr wißt schon, verrückt ist.
Nun passieren die Dinge Schlag auf Schlag.
Crosbys Leiche taucht hinter einer versteckten Tür auf und verschwindet wieder. Mammy Pleasant macht sich auf, um die Polizei zu benachrichtigen. Tante Susan läuft in Panik davon und läßt sich von einem Milchmann mitnehmen, bevor Polizisten, die auf dem Weg zum Herrensitz sind, sie aufgreifen und mit sich zurücknehmen. Dr. Lazar erscheint mitten in der Nacht, um Annabelle zu untersuchen. Paul geht in den Gang hinter der versteckten Tür, die sich schließt. Im Gang trifft er auf Die Katze, er wird in einen Kampf verwickelt und zurückgelassen, weil er für tot gehalten wird.

Das ist mal eine häßliche "Katze".

Die Katze greift Annabelle an, aber Paul ist rechtzeitig da, um sie zu retten. Die Polizei erscheint. Die Katze ist kein Wahnsinniger, sondern Charlie in Verkleidung! Er hatte den Wärter angeheuert, damit er ihm dabei hilft, Annabelle in den Wahnsinn zu treiben, da sein Name im zweiten Umschlag steht.
Annabelle und Paul bekommen ein Happy End.

Wahrscheinlich habt ihr so etwas schon erwartet. Ich meine, wir kennen heute alle Scooby-Doo, richtig?
Zu wissen, was wahrscheinlich passieren wird, sorgt jedoch nicht dafür, daß der Film weniger Spaß macht.

"Spuk im Schloß" basiert auf einem Theaterstück von John Willard aus dem Jahr 1922 (vielleicht erinnert ihr euch noch, daß auch "Das Rätsel der Fledermaus" auf einem Stück basiert und die beiden waren nicht die einzigen frühen Horrorkomödien, für die das galt).
Paul Leni drückte dem Film seinen persönlichen Stempel auf, eine Mischung aus deutschem Expressionismus und Humor (wie er das schon in "Das Wachsfigurenkabinett" getan hatte), und er hat auch die Sets entworfen.
Er spielte mit Dunkelheit und Licht und hat Überlagerungen genutzt, um Stimmungen und Spannung heraufzubeschwören, sie hatten aber auch Spaß mit den Zwischentiteln.

Cyrus in seinem Stuhl, überragt von Medizinflaschen
und von riesigen Katzen bedroht.

Ein Zwischentitel, der die zittrige
Stimme des Taxifahrers verkörpert.

Mir gefiel die Mischung aus gruseligen Vibes und Humor, die sich auch in den Charakteren widerspiegelt.
Paul ist ein bißchen doof, bis ihn seine Liebe zu Annabelle zu einem Helden macht.

Paul versteckt sich unter dem Bett - ich gestehe,
ich weiß, warum das Tante Susan erschreckt hat.

Mammy Pleasant ist geheimnisvoll und gruselig (steckt aber nicht mit Charlie unter einer Decke).
Tante Susan ist besonders witzig während ihrer Fahrt mit dem Milchmann und dann der Polizei.
Die arme Annabelle hat die typische Rolle der Jungfrau in Nöten. Sie darf oft erschreckt dreinschauen, zeigt sich aber auch ein bißchen mutig. Ehrlich, ich hätte nicht allein in dem Zimmer geschlafen.


Auf jeden Fall eine Empfehlung von mir!


Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig)

1. Lea Stans: Thoughts On: "The Cat And The Canary" (1927). Auf: Silent-ology, 7. Oktober 2016
2. Dr Lenera: The Cat and the Canary [1927]. Auf: HorrorCultFilms, 8. April 2024


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Stummfilme - Das Rätsel der Fledermaus

Der heutige Film ist 100 Jahre alt! Ich werde nie aufhören, darüber zu staunen, daß diese Filme nicht nur überhaupt noch existieren, sondern daß manche davon als verschollen galten - wie dieser hier - und dann taucht auf einmal doch irgendwo ein Abzug auf. Durchsucht eure Dachböden, Leute! 😉
Ich biete euch hiermit "Das Rätsel der Fledermaus" von 1926 an.

Zuerst bekommt ihr die Handlung, aber es wird anders sein, als ich es sonst mache.
Einmal wird es zwar Spoiler geben, aber nicht den Hauptspoiler für das Ende, denn "Könnt ihr ein Geheimnis bewahren? Enthüllt nicht die Identität der "Fledermaus". Zukünftige Zuschauer werden diesen Mysteryfilm voll genießen, wenn man sie sie selber herausfinden läßt." Das ist der erste Zwischentitel für den Film. Das Stück, auf dem er basiert, riet ebenfalls dazu, das Geheimnis nicht zu verraten. Na gut, wenn sie darauf bestehen.
Zweitens ist die Handlung etwas verwirrend. Es gibt mehrere Stockwerke im Haus, lange Treppen und eine Menge Türen, sichtbare und geheime. Also fange ich damit an, indem ich ein paar Charaktere aufzähle.


Wir haben:

Courtleigh Fleming - (verstorbener) Bankpräsident und ehemaliger Besitzer von Fleming Mansion
Richard Fleming - Courtleighs Neffe und Erbeheir
Dr. Wells - Courtleigh's Arzt
Cornelia Van Gorder - derzeitige Mieterin von Fleming Mansion
Lizzie Allen - Cornelias Mädchen (seit 20 Jahren)
Dale Ogden - Cornelias Nichte
Brooks Bailey - Bankkassierer, des Bankraubs verdächtigt
Detective Moletti - Detective Sergeant
Detective Anderson - Privatdetektiv, den Cornelia angeheuert hat
Billy - der (japanische, und ja, sie schaffen es, das peinlich zu machen) Butler
*** - ein unbekannter Verletzter
*** - ein Mann, der sein Gesicht versteckt
*** - Woll-Rindeneule (eine Motte)
*** - DIE FLEDERMAUS

Die Fledermaus ist ein Krimineller, der sich, ihr habt's erraten, als Fledermaus verkleidet. Er terrorisiert die Stadt und schreckt nicht mal vor Mord zurück. Er hat bereits die Favre-Smaragde gestohlen und ihren Besitzer Gideon Bell umgebracht. Nun möchte er die Oakland Bank ausrauben, aber ein Mann, der sein Gesicht hinter einem Schal verbirgt, ist ihm zuvorgekommen. Da Brooks, der Kassierer, verschwunden ist, ist er der Hauptverdächtige.


Nun kommen wir zur einsamen Fleming Mansion, die Cornelia Van Gorder auf der Suche nach Frieden und Ruhe gemietet hat. Was könnte mehr Bequemlichkeit bieten als ein Haus mit Wänden, Türen und Fenstern, die mindestens fünf Meter hoch sind?
Sie wohnt dort mit ihrem Mädchen Lizzie, das sehr nervös wegen der Fledermaus ist, und ihrer Nichte Dale, die einen neuen Gärtner vorstellt, der tatsächlich aber Brooks ist, der sich vor der Polizei versteckt. Zufällig ist Brooks außerdem Dales (bis jetzt noch geheimer) Verlobter.
Ihr müßt außerdem wissen, daß Dr. Wells und Richard Fleming sie alle aus unbekannten Gründen vergraulen wollen.



Jetzt besuchen eine Menge Leute Cornelia, Dr. Wells, Richard Fleming, Detective Moletti ... soviel zu Frieden und Ruhe.
Richard schnüffelt wegen eines Bauplans herum, läßt sich dann aber auf der Treppe erschießen. Dr. Wells versucht an den Plan zu kommen, Moletti verdächtigt Dale, Richard erschossen zu haben (den sie, wenn ich das richtig gesehen habe, den ganzen Film über auf der Treppe liegen lassen). Detective Anderson kommt dazu. Brooks sucht. Lichter gehen aus. Fenster werden ver- und entriegelt.
Jeder rennt jedem hinterher, es gibt versteckte Zimmer, versteckte Türen, verstecktes Geld ... ah, jetzt wissen wir es. Das Geld ist irgendwo im Haus versteckt und jeder sucht danach.

Und wenn sie nicht gestorben sind,
dann rennen sie noch heute?

Es sind auch eine Menge Pistolen im Umlauf, damit jeder die anderen mit einer bedrohen kann. Sie landen auf dem Boden, bleiben unbewacht auf Tischen liegen, und um ehrlich zu sein, es ist ein Wunder, daß nicht noch mehr Leute umgebracht werden - vergeßt nicht, daß das eine "Horrorkomödie" ist (nicht sehr viel Horror, würde ich sagen, selbst für ein Publikum von 1926, also trifft "Krimikomödie" es wahrscheinlich besser).
Und wer zum Geier ist der verletzte Man, der herein - und hinauskriecht und aus der Garage um Hilfe gerufen hat (die für den Extrakick später noch abgefackelt wird) und vorgibt, bewußtlos zu sein, ist es aber nicht? Sind wir nicht verwirrt genug?


Sind wir verwirrt? Wir sind verwirrt.
Ich bin es. So verwirrt.

Hören wir hier auf, da ich diesmal Schweigen gelobt habe. Es war nach einer Weile nicht besonders schwierig herauszufinden, aber ich werde nicht diejenige sein, die euch verrät, wer Die Fledermaus ist (und was für eine Schande, daß Wikipedia es ausplaudert).

Was kann ich sagen?
Es gibt nicht nur eine Menge Pistolen, sondern auch eine Menge Leute, zuviele Leute für meinen Geschmack. Brooks und Dale haben weder mich noch den Film weitergebracht, auch Detective Anderson nicht.
Ich finde, es hätte wirklich geholfen, ein paar der Charaktere und ein paar der Laufszenen herauszuschneiden.
Und trotzdem fand ich den Film seltsam unterhaltend, was definitiv Cornelia und Lizzie zuzuschreiben ist.

Cornelia ist in all diesem Wahnsinn der Fels in der Brandung.
Sie verliert bis zum Schluß nie die Ruhe, sie ist schlau und schlagfertig und sie ist das perfekte Gegenstück zu ...

Eine echte Strickerin läßt sich nicht 
durch eine kleine Fledermaus stören.

... ihrem Mädchen Lizzie, das auf die köstlichste Weise in Panik gerät, aber am Ende auch zusammen mit ihrer Herrin die Situation rettet.


Die zwei waren es wert, den Film anzuschauen. Es sieht aus, als hätten sie eine wundervolle Beziehung, schließlich stand Lizze Cornelia "durch Sozialismus, Theosophismus und Rheumatismus bei", selbst wenn sie beim "Spukismus" die Grenze zieht. Sie hätten ihre eigene Mysteryserie bekommen sollen - wie hört sich "Van Gorder & Allen" an? Ich meine, schaut die zwei doch nur an da auf dem Dach!


Kommen wir nun zur Fledermaus.
Habt ihr euch schon gefragt, ob ...? Ja, es stimmt. Nicht dieser Film, aber einer seiner Tonfilmnachfolger, "The Bat Whispers" vonn 1930 (ebenfalls unter Regie von Roland West), war eine der Inspirationen für Bob Kane bei der Schöpfung von Batman. Vielleicht könnt ihr diese Information ja beim nächsten Tablequiz gebrauchen.

Diese Maske ist Horror - zu tragen?

Das hier ist jedoch kein frühes Bat-Signal, sondern stellt sich als "Wollrinden-Eule" auf einem Scheinwerfer heraus. Da hätte ich drauf reinfallen können.


Es gab ein paar großartige Aufnahmen, die an deutschen Expressionismus erinnerten, aber es ist schade, daß sie nicht den ganzen Film tragen konnten.
Wie gesagt, ich fand ihn seltsam unterhaltend, denke aber, er hätte mehr sein können - oder tatsächlich weniger. Ihr wißt, was ich meine.

Ein sehr cooler Mantel. Zu schade, daß Gideon nicht 
mehr viel länger leben wird, um ihn zu tragen.


Weitere Lektüre:

1. Fritzi Kramer: The Bat (1926) - A Silent Movie Review. On: Movies Silently, March 18, 2015
2. Lea Stans: Thoughts On: "The Bat" (1926). On Silent-ology, October 7, 2021


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 21. August 2025

Stummfilme - Dr. Pyckle and Mr. Pride

Ich muß ein Geständnis ablegen. Ich war immer ein größerer Fan von Stan Laurel als von Oliver Hardy. Das ist wahrscheinlich wieder dieses Ding, das ich für die Unterdrückten habe.
Das ist auch der Grund, warum Stan an meiner Fanwand aus perlengewebten Porträts hängt, Ollie aber nicht (obwohl ich mal Anhänger von beiden entworfen habe).


Obwohl Laurel und Hardy 1921 das erste Mal zusammen in einem Film auftauchten, wurden sie erst 1927 offiziell ein Team.
Mein heutiger Stummfilm ist von 1925 und es ist nur Stan dabei, was für mich Neuland ist. Er heißt "Dr. Pyckle and Mr. Pryde" (ich konnte keinen deutschen Titel finden).
Knüpfe ich damit an den Post von letzter Woche an? Ja und nein. Natürlich ist dies eine Parodie des Films "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" von 1920, aber ich habe zuerst den Kurzfilm gefunden, der mich dann zu dem anderen führte. Ich dachte nur, es wäre eine gute Idee, mit dem Original anzufangen.

Public Domain über Wikimedia Commons
(man sieht den Titel mal mit "Pryde", mal mit "Pride")

Wie gewöhnlich ist hier die Handlung mit Spoilern.

"Dr. Stanislaus Pyckle war der am meisten respektierte Mann in der Stadt - der Himmel weiß warum --" (leider scheint es so, daß die witzigen Zwischentitel nicht original sind, aber zumindest versuchen, die Scherze und Wortwitze dieser Zeit zu imitieren).

Wir sehen Dr. Pyckle, wie er in seinem Labor hin- und hergeht und darüber nachdenkt, wie man Gut und Böse im menschlichen Geist trennen kann - überraschenderweise von einem Publikum aus Männern und seiner lieblichen Laborassistentin beobachtet.


Seine ersten Experimente laufen nicht so wie gewollt - hier gibt es ein paar schöne Gelegenheiten für etwas Slapstick - aber dann schlägt die Inspiration zu und er braut endlich einen Trank zusammen (warum sehen die immer so schaumig aus?).


Die Transformation ist eine sehr witzige Abwandlung von der dramatischen, die Barrymore durchläuft. Dr. Pyckles Beine scheinen sich in Gummi zu verwandeln und er hüpft durch sein Labor, bevor er hinter einen seiner Apparate fällt und als Mr. Pryde wieder aufsteht.


Mit bösem Lächeln macht er sich auf in die Stadt. Und böse ist er wahrhaftig!
Sein erstes Opfer ist ein kleiner Junge mit einer Eiswaffel. Mr. Pryde zieht ihn mit seinem Spazierstock an sich heran, stellt sich auf seinen Fuß, damit er nicht entkommen kann und nimmt ihm sein Eis weg. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, zieht er dem Jungen die Mütze über die Augen.
Der Horror!


Als er einen anderen Jungen mit einem Spielzeugblasrohr trifft, folgt Mr. Pryde eine Menge zum Labor, aber er wirft sie alle mit einem einzigen Schuß aus seinem Blasrohr um, was ihm Zeit verschafft, sich in Dr. Pyckle zurückzuverwandeln und abzustreiten, daß er irgendjemanden gesehen hat.
Leider ist etwas von dem Trank auf das Futter des Hunds getropft und verwandelt diesen in eine böse Kreatur ... die sich an Pyckles Hintern vergreift.

Erkennt ihr ihn aus den Buster Brown-Filmen?

Prydes teuflischen Handlungen finden hier kein Ende, er terrorisiert die Stadt weiterhin.
Einer alten Damen bietet er eine Blume an, tatsächlich ist es aber ein Luftrüssel (ich hatte den Ausdruck noch nie gehört, ihr wißt schon, das Partyspielzeug, in das man reinbläst und dann rollte sich auf), der sie erschreckt.
Er stellt einen Ziegelstein unter einen Hut, damit sich der sich nähernde Polizist den Fuß daran anschlägt, wenn er versucht, den Hut wegzutreten (stattdessen trifft der Ziegelstein dann Pryde am Kopf, als er das tut).
Er läßt eine Papiertüte hinter einer ahnungslosen Frau knallen.
Er macht sich über einen Mann lustig, indem er ihm eine Fingerfalle anlegt.
Wird er denn vor gar nichts zurückschrecken?

Diesmal folgt ihm ein sogar noch größerer Mob zum Labor und wieder entkommt er knapp, indem er den Trank zu sich nimmt.
Seine liebliche Assistentin ist jedoch um ihn besorgt und bittet ihn, sie hereinzulassen. Inzwischen hat sich Pyckle, dem der Trank ausgegangen ist, wieder in Pryde verwandelt, also ist es dieser, der die Tür öffnet. Er zwinkert ihr zu, sie haut ihm eine Flasche über den Kopf. Er steckt seinen Kopf mit in die Halskette, die sie trägt.
In diesem Augenblick taucht der Mob wieder an der Labortüre auf und ......!

Ja, tut mir leid, das war's. Leider ist das Ende verlorengegangen. Das ist nicht gerade ein Höhepunkt, aber vielleicht möchtet ihr euch ja euer eigenes Ende ausdenken.


Ich gebe gern zu, daß ich echt Spaß hiermit hatte, vor allem nachdem ich am Tag vorher den langen Film angeschaut hatte.
Laurels Slapstick veralbert Barrymores etwas übertriebenen Hyde (nicht daß mir das nicht gefallen hätte) perfekt.
Ich glaube, am liebsten mochte ich, wie er sich über seine unglaubliche Perücke strich.
Oh, und die Art, wie er durch die Stadt hüpfte.
Nein, wartet! Seine Hände waren am besten, wie sie Barrymores lange Finger auf die Schippe nahmen.

Okay, mir gefiel also der ganze Kurzfilm und er brachte mich mehr zum Lachen, als ich erwartet hätte.
Ich frage mich wirklich, wie wohl das Ende war, denn der Mob wurde mit jedem Streich, den Pryde spielte, immer größer, und er hatte keine Chance mehr zu entkommen, vor allem nachdem er sich selber praktisch selber in dieser Halskette gefangen hatte (ich wette, das war für den Schluß wichtig).

Ich denke nicht, daß man den Film von 1920 gesehen haben muß, um mit dieser kleinen Komödie Spaß zu haben, aber es macht sie noch besser.


Quellen:

1. Fritzi Kramer: Dr. Pyckle and Mr. Pryde (1925) - A silent film review. Auf: Movies Silently, 1. Juli 2018
2. "prettycleverfilmgal": The Trickster Imp | Dr. Pyckle and Mr. Pryde. Auf: Pretty Clever Films, 9. Juni 2011
3. D. Cairns: The Sunday Intertitle: Another Fine Pyckle. Auf: Shadowplay, 3. September 2017


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 26. Juni 2025

Stummfilme - Das Wachsfigurenkabinett

Ich muß gestehen, daß ich den heutigen Film - "Das Wachsfigurenkabinett" von 1924 auf zwei Mal angeschaut habe. "Das Wachsfigurenkabinett" ist ein Episodenfilm in drei Teilen, wobei der erste Teil am längsten ist, also war es leicht, danach eine Pause einzulegen.
Es scheint, daß meine Aufmerksamkeitsspanne ernsthaft leidet, wenn die Temperaturen in meiner Wohnung über in etwa 
24 °C steigen, und jetzt gerade bin ich bei fast 27. Ich weiß, das hört sich für andere seltsam an, aber ich war nie ein Fan von Hitze.
Auf jeden Fall habe ich etwas zu kämpfen. Es war auch das erste Mal, daß ich einen ausgewählten Film (Der Student von Prag) dafür abgebrochen habe, daß er mich nicht ansprach, Wortspiel beabsichtigt, auch wenn es ein schlechtes ist, und mich mehr als einmal zum Einschlafen brachte.
Ob die Filmqualität schuld war - das Bild war sehr verschwommen - das Aussehen der Hauptfigur - sehr oberflächlich von mir, ich weiß - die Hitze, die meinen Schlafrhythmus völlig durcheinanderbringt, oder etwas ganz anderes, kann ich euch nicht sagen. Vielleicht sollte ich es irgendwann nochmal probieren.

Originalposter, Public Domain
über Wikimedia Commons

Ihr wißt, wie's läuft, hier ist die Handlung mit Spoilern.

Ein junger Dichter ist auf einem Jahrmarkt, wo er sich Geschichten für ein paar Wachsfiguren ausdenken soll.
Der Betreiber des Kabinetts und seine schöne Tochter zeigen ihm die drei Figuren - Kalif Harun Al-Rashid, Zar Iwan der Schreckliche und Spring-Heeled Jack (da die Zensoren nicht glücklich damit waren, daß er Jack the Ripper genannt wurde). Er zeigt ihm, daß der Kalif seinen Arm verloren hat, was den Schreiber direkt auf eine Idee für die erste Geschichte bringt, in der ...

Emil Jannings als der Kalif, Wilhelm Dieterle als der Schreiber/Assad,
Olga Belajeff als die Tochter/Maimune

... der Kalif auf seinem Dach eine Partie Schach spielt, nunja, eigentlich eine Partie Schach verliert. Seine Stimmung wird durch den Rauch, der vom Kamin des Bäckers Assad aufsteigt, nicht verbessert und er sendet den Wesir aus, damit er ihm Assads Kopf bringt.
Der Wesir nimmt ein paar Männer mit, schärft auch sein Schwert, wird dann aber von Assads Ehefrau Maimune und ihrer Schönheit abgelenkt, statt ihn also töten, geht er zurück zum Kalifen, um ihm von ihr zu berichten.
In der Zwischenzeit geraten der eifersüchtige Assad und Maimune in Streit, und um zu beweisen, daß er ein echter Kerl ist, geht Assad zum Palast, um den Wunschring des Kalifen zu stehlen, während der Kalif zu seinem Haus geht, um der schönen Maimune einen Besuch abzustatten.
Assad dringt in den Palast ein und schneidet den Arm des schlafenden Kalifen ab, um an den Ring zu kommen. In Wirklichkeit ist es aber eine Wachsfigur, zurückgelassen, um Haruns Eskapade und den Versuch, Maimune zu verführen, zu vertuschen.
Als Assad heimkommt, versteckt Maimune den Kalifen im Ofen. Assad gesteht sein Verbrechen und die Leibwache macht sich bereit, ihn zu verhaften, aber seine Frau benutzt den falschen Wunschring am Wachsarm, um den Kalifen wieder "zum Leben zu erwecken".
Außerdem "wünscht" sie sich, daß Assad Bäcker von Harun wird, der sie beide schützend unter seinen weiten Mantel nimmt.

Mit der Geschichte zufrieden beginnt der Schreiber mit der nächsten für Zar Iwan den Schrecklichen.

Conrad Veidt ist ein großartiger Iwan der Schreckliche -
ich bin mir sicher, seine unglaublichen Augen helfen dabei!

Iwan wird nicht umsonst der Schreckliche genannt. Er läßt seine Gefangenen gern vergiften und sieht ihnen beim Sterben zu, während die letzten Sandkörner durch eine Sanduhr rinnen, die ihre Namen tragen. Als der Hofastrologe ihn warnt, daß einmal sein Name auf einer Sanduhr enden könnte, läßt Iwan den Giftmischer töten, der aber hat den Namen des Zaren schon auf eine riesige Sanduhr geschrieben, bevor er stirbt.
Am nächsten Tag wird Iwan zur Hochzeit der Tochter eines Adligen eingeladen. Aus Furcht vor Meuchelmördern tauscht er die Kleiden mit dem Adligen und tatsächlich wird der Mann ermordet.
Auf der Hochzeit zwingt er all die Gäste, die um den Vater der Braut trauern, dazu zu tanzen und feiern. Als er die Braut findet, wie sie über dem toten Körper ihres Vaters weint, entführt er sie und den Bräutigam.
Zurück im Kreml läßt er den Bräutigam foltern, als die Braut sich weigert, auf seine Annäherungsversuche einzugehen. Als sie fast aufgegeben hat, kommt der Astrolge mit der riesigen Sanduhr herein, die den Namen des Zaren trägt. Als Iwan vom Gedanken an seinen Tod abgelenkt ist, entkommt das Brautpaar.
Iwan, im Glauben, vergiftet worden zu sein, hat die Idee, die letzten Sandkörner vom Fallen abzuhalten, und so dreht er die Sanduhr herum ... und herum ... und herum ... bis ans Ende seiner Tage.


Werner Krauß als Spring Heeled Jack (Jack the Ripper), sehr gruselig!

Als er mit der letzten Geschichte über Spring Heeled Jack anfängt, schläft der Schreiber ein und beginnt zu träumen, daß er und die Tochter des Betreibers über den Jahrmarkt hinweg von Jack verfolgt werden, der sie töten will.
Gerade als sie glauben, Jack entkommen zu sein, holt er zu ihnen auf und ersticht den Schreiber.
Die Tochter des Betreibers weckt ihn aus seinem Alptraum auf und er stellt fest, daß er sich selber mit seinem Stift gepiekst hat. Er gibt zu, geträumt zu haben, wie Jack sie ihm weggenommen hat, und bekommt ein Happy End zu seiner eigenen Geschichte, als sie sich küssen.

Was euch bestimmt als erstes auffallen wird ist, daß "Das Wachsfigurenkabinett" einer dieser frühen deutschen Filme des Expressionismus ist.
Die Besetzung ist eindrucksvoll mit großen Schauspielern dieser Zeit, Emil Jannings, Conrad Veidt und Werner Krauß, die kunstvolle Kostüme tragen, und das Set, von Regisseur Paul Leni (zusammen mit Walter Maurischat gebaut) bereichert jede Geschichte.

Assads Flucht aus dem Palast. Erinnert euch das Set an etwas?
Die seltsamen Winkel in Das Cabinett des Dr. Caligari vielleicht?

Da ist das kleine Heim des Bäckers und seiner Frau, das mit dem riesigen Kalif darin sogar noch kleiner aussieht. Tatsächlich sieht das Paar ebenfalls ganz schön klein aus, wenn es neben ihm steht.
Durch den großen Zaren sehen die Keller des Kreml sogar noch klaustrophobischer aus. Veidt war 1,89 oder 1,91 (ich habe beides gefunden) und hatte außerdem diesen brennenden Blick, der perfekt für die Rolle war. Von den drei Geschichte war dies seinetwegen meine liebste, obwohl Iwan wirklich kein netter Kerl ist.
Die dritte Geschichte war am kürzesten, aber eindrucksvoll. Ich glaube, wir könnten alle einen solchen Alptraum nachvollziehen.
Werner Krauß, der den Schreibe und seine Liebste über den Jahrmarkt jagt, könnte leicht einer meiner eigenen (glücklicherweise seltenen) schlechten Träume sein. Die Atmosphäre wird nicht nur vom Set unterstützt, sondern auch die Überblendung, die einen geisterhaften Jack dem Liebespaar folgen läßt.

Ich habe gelesen, daß dies ein früher Horrorfilm sei, aber da kann ich nicht komplett zustimmen, denn die Harun-Geschichte, die fast den halben Film ausgemacht hat, ist meiner Meinung nach kein Horror.
Leider hat es schon immer Tyrannen gegeben, die von einer Laune zur nächsten springen und danach handeln, ohne über andere nachzudenken.

Die Geschichte über Iwan ist gruselig und furchterregend, aber nicht so weithergeholt, wenn man sie die Geschichte anschaut.

Dann bleiben noch die sechs Minuten mit Jack, was meiner Meinung nach gut zu dieser Kategorie paßt. Wäre die Geschichte länger gewesen, hätte das guter Horror sein können, aber am Ende wurde das ziemlich schnell weggelacht, als der Schreiber aufgewacht ist.

Ursprünglich waren vier Geschichten geplant gewesen, aber die Geschichte um den Räuberhauptmann Rinaldo Rinaldini nach einem Roman von 1799 mußte aus Geldmangel fallengelassen werden. Ziemlich ironisch, findet ihr nicht, wenn man weiß, daß Rinaldini im Buch um sein Erbe gebracht wurde.

Ich finde, es wäre besser gewesen, eine kürzere erste und längere dritte Geschichte zu haben, der Film hat mir aber trotzdem gefallen.


Quellen (englischsprachig):

1. Fritzi Kramer: Waxworks (1924) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 3. Februar 2013
2. Alex Humphrey: Waxworks [Das Wachsfigurenkabinett] (1924) Review. Auf: Love Horror, 6. November 2020
3. Graham Fuller: Blu-ray: Waxworks (1924) review. Auf: theartsdesk.com, 24. November 2020

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.