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Mittwoch, 14. September 2022

Nostalgie - Ruscha-Teller "Paris"

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche" machte, hatte ich ein paar davon "Ich bin eine Sammlerin" genannt und darin Vintagestücke gezeigt. Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen größtenteils nicht mehr gewachsen, aus verschiedenen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch einzelne Vintagestücke, die zu keiner bestimmten Sammlung gehören, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere. Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

Vor Jahren war unsere Wohnung wie ein seltsames kleines Museum, das in verschiedene Jahrzehnte aufgeteilt war.
Eins davon waren die 50er. An einer Wand hatten wir die Ruscha-Sammlung meines Ex. Wenn man nur an die Anzahl von dekorativen Tellern denkt, die Ruscha hergestellt hat - all die Vasen oder Skulpturen gar nicht mitgezählt - hätte sie viel größer sein können.
Das einzige, was ich davon behalten wollte, war ein Tellerchen mit einer Katze, was sonst? Es residiert nun in einem meiner Bücherschränke, Kategorie Katzenbücher.
Aber halt mal, wer oder was ist Ruscha?

Ruscha war eine Keramikfabrik, die 1905 als
Rheinbacher Tonwaren Ruscha-Keramik GmbH & Co. KG gegründet wurde.
Der Name Ruscha ist eine Kombination der ersten Buchstaben im Namen des Gründers, Rudolph Schardt. Die Firma existierte bis 1996, als sie von der Firma Scheurich übernommen wurde, die auch den Namen und die Designs kaufte. Eine Weile lang stellten sie die Ruscha-Designs noch unter dem Namen "Ruscha Art" her, 2006 wurde der Name endgültig gelöscht.

Die dekorativen Wandteller gab es in allen Formen, Größen und Designs. Manche waren teilweise glasiert, ich erinnere mich, da wir eine völlig unglasierte kleine Vase in der Art der Teller hatten, das Muster war ein kleines Reh, das aussah, als wäre es einfach in die Vase gekratzt worden.
Manche Muster waren wirklich beliebt wie die Kraniche, aber es gab auch Menschen, Masken, Blumen und andere Tiere wie Pinguine, Fische, Rehe ... und Katzen. Ich kann mir nicht mal vorstellen, wieviele Wände man bräuchte, um sie alle zu sammeln.

Nächste Frage - warum wird dieses Design "Paris" genannt, wenn doch nur ein Katze darauf ist?
Die "Paris"-Designs konnten sehr unterschiedlich aussehen. Da konnten Häuser im Hintergrund oder ein Baum und sie sahen nie gleich aus, aber es gab immer eine Straßenlampe und gewöhnlich eine junge Dame, die ein gestreiftes Top, Caprihosen und sehr hochhackige Schuhe trug, die mich an die so begehrten vintage Spikes für Barbie erinnern. Manchmal hatte sie Gesellschaft, ich habe einen Teller gesehen, auf dem die junge Dame andere Kleider trug und mit einem jungen Mann mit Baskenmütze sprach, und die umgefallene Mülltonne neben der Straßenlampe gab dem ganzen einen sehr realistischen Look. Oft war eine weiß glasierte Katze mit Tigerstreifen dabei.
Ich schätze, mein Tellerchen hatte nicht genug Raum, um auch noch die junge Dame draufzupacken, also sind es hier nur die Lampe, die Sterne und die Katze.



Diese Teller sind handgemacht, was bedeutet, daß sie nie ganz gleich aussehen. Wie ihr seht, sieht meine Katze aus, als würde sie auf ihrem Gang durch Paris gleich einschlafen, weil die Augen so tief gesetzt sind.
Es gibt auch unterschiedliche Haltungen und ich habe sogar mal eine Katze gesehen, deren Schwanz mehr getupft als gestreift aussah.

Auch die Rückseite eines Tellers sieht nicht immer gleich aus. Ich kenne Teller mit oder ohne Markierung, geprägt oder geschrieben, auf Deutsch, aber auch Englisch (für den Auslandsmarkt, denke ich), mit der Musternummer oder ohne.
Auf diesem hier steht sorgfältig geschrieben "Ruscha Handarbeit". Ich würde ihn auf die 50er datieren, einfach weil mich manche der Buchstaben noch an Sütterlin erinnern, wie das kleine "r" in "Handarbeit".
Man kann es hier nicht so recht sehen, aber die Nummer oben heißt 712, was für das Design "Paris" steht.
Ich konnte nicht herausfinden, was die untere Markierung bedeutet, weil ich sie leider nicht einmal eindeutig lesen kann.

Ich hoffe, ihr hattet ein bißchen Spaß bei unserer Stippvisite in den 50ern!

Montag, 9. September 2019

Nostalgie - 50er Jahre Figuren

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche"-Posts machte, hatte ich ein paar, "Ich bin eine Sammlerin" genannt, in denen ich Vintagestücke zeigte. Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen zum größten Teil nicht mehr gewachsen, aus unterschiedlichen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch Vintagestücke, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere. Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

Diesmal wollte ich euch zwei sehr alte Freunde von mir vorstellen.
Messingpferd und -babyelefant gehörten meiner Großmutter. Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind mit ihnen spielte. In meiner Vorstellung war der kleine Elefant eine Waise, die vom Pferd adoptiert worden war. Ich ließ sie überall in der Wohnung meiner Oma herumlaufen - die allerdings nicht sehr groß war - und wenn sie eine Pause machten, trank das Baby Milch bei dem Pferd. Fragt mich nicht warum, ich war ja auch das Kind, das die kleinen Spielkarten bei meinen anderen Großeltern wie Puppen benutzte, die Unterhaltungen führten und ausgingen (mir gefielen die Bilderkarten so gut). Ich hatte eine Menge Vorstellungskraft und konnte manchmal stundenlang so spielen.


Leider sind sie nicht markiert. Ich weiß, daß sie nicht Walter Bosse sind, weil der Stil realistischer ist. Es überrascht mich nur, daß ich sie bisher noch nirgendwo anders finden konnte oder zumindest etwas im selben Stil, denn ich bin überzeugt, daß diese Figuren in den 50ern genauso populär waren wie die wunderbar verspielten Bosse-Stücke. Hier ist eine Katze, die in meiner Küche hart arbeiten, Geschirrtücher und Topflappen halten muß, ich glaube, sie ist immer noch überrascht über diesen Job ;-)


Bei einem Flohmarkt vor ungefähr zehn Jahren fand ich diese Katze. Ich schätze, sie ist jünger als meine alten Freunde, da ihre Oberfläche rauher aussieht, aber ich habe mich in ihre elegante Haltung verliebt und der Preis war sehr vernünftig.
Wie ihr sehen könnt, ist sie auch viel größer als Pferd und Elefant, also habe ich sie nicht zusammen aufgestellt. Sie hat gewöhnlich den Job, meine beiden wunderbaren Erinnerungsketten von Merlin und Meffi zu halten, von meiner Freundin Dawn gemalt, während Pferd und Elefant einen Teil meiner persönlichen Bibliothek bewachen, sicher hinter Glas.


Einige Zeit bevor meine Großmutter starb, gab sie mir den kleinen Elefant. Etwas später sah ich dann das Pferd im Bücherregal meines jüngeren Bruders stehen. Ich konnte es nicht ertragen, sie getrennt zu sehen und bettelte ihn praktisch an, es mir zu geben. Glücklicherweise hatte er nicht nur keinerlei sentimentale Bindung dazu, anders als ich, sondern er war auch in einem Alter, in dem er an einer solchen Figur überhaupt nicht interessiert war. Keine Sorge, er hat es noch nicht bereut, sie mir gegeben zu haben ;-)
Wann immer ich diese beiden nun zusammen sehe, trägt mich das in der Zeit zurück, in die Wohnung meiner Oma. Ich sehe ihren Fernsehsessel, ihren Plattenspieler, das Tischtuch mit den Fransen (noch etwas, womit ich gerne spielte), und der Wohnzimmerschrank, wo sie darauf warteten, daß ich sie herunterholte und mit ihnen spielte.

Dienstag, 6. August 2019

Nostalgie - Die Tote aus der Seine

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche"-Posts machte, hatte ich ein paar, "Ich bin eine Sammlerin" genannt, in denen ich Vintagestücke zeigte.
Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen zum größten Teil nicht mehr gewachsen, aus unterschiedlichen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch Vintagestücke, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere.
Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

Ich fange mit der "Unbekannten aus der Seine" an, "L'Inconnue de la Seine".
Man findet die Geschichte tausendfach im Netz, das schöne junge Mädchen, das in der Seine ertrank, wahrscheinlich ein Freitod, da keine Gewaltanwendung zu erkennen war, der Pathologe im Pariser Leichenschauhaus, der so verzaubert von ihrem wunderschönen Gesicht und Lächeln war, daß er einen Gipsabdruck von ihrem Gesicht machte, von dem wiederum Abgüsse zum Verkauf hergestellt wurden.
So traurig, so geheimnisvoll - genau die Art Legende, die wir heute noch mögen, also wird sie immer wieder einmal erzählt.
Damals hängten die Bohemiens von Paris diese Maske in ihren Dielen auf, Künstler und Schriftsteller waren von der "ertrunkenen Mona Lisa", wie sie Camus nannte, inspirierte. Man sagt, sie sei das meistgeküßte Gesicht der Welt, nachdem die ersten Reanimations-puppen nach unserer schönen Unbekannten modelliert wurden.

Später gab es Zweifel an dem möglichen Wahrheitsgehalt der Legende. Maskenhersteller und Ärzte meinten, es gäbe einen Unterschied zwischen Lebend- und Totenmasken, einen sogar noch größeren, wenn ein Toter im Wasser war. War es nur ein schlauer Werbetrick, um mehr Masken zu verkaufen?
Was auch immer die Wahrheit ist, das Mädchen bereitete mir etwas Unbehagen, als ich ein Kind war. Ja doch, sie hing bei uns daheim, und nun wird sie bei mir hängen.
Ich weiß nicht, ob ich irgendjemanden deswegen gefragt habe, aber ich erinnere mich, daß ich dachte, das sei doch ein sehr kleines Gesicht, bevor ich alt genug war, um zu verstehen, daß das kein 1:1 Abdruck war.
Nun teilte eine Freundin von mir die Geschichte, weil sie den Teil mit der Reanimationspuppe interessant fand, und ich konnte mir nicht helfen, ich mußte sofort meine Mutter wegen der Maske belästigen. Tatsächlich war nicht viel Triezen nötig. Sie hatte sie abgenommen und weggelegt, hatte aber kein Problem, sie zu finden, und ich habe so das Gefühl, daß es ihr nicht ganz unrecht war, sie aus dem Haus zu haben, nachdem sie "sie so lange hatte anschauen müssen" ;-)
Hier ist also nun unsere Unbekannte.

Nicht alle Abgüsse sind gleich. Diese hat ein Lächeln, das mir tatsächlich besser gefällt als das des Originals.

Nun wurde ich neugierig, ob ich wohl herausfinden könnte, welcher der vielen Hersteller unsere Unbekannte gemacht hatte. Ich fand diese Keramikmarke auf der Rückseite, die erst nicht ganz einfach zu erkennen war, dann war es aber dank der Webseite Museum Europäischer Keramikkunst (es ist purer Zufall, daß der Verein, der die Seite macht, in meiner Heimatstadt sitzt!), nicht so schwer herauszufinden.
Sie gehört der Majolika Keramik Manufaktur Karlsruhe (auf deren Webseite ihr die Marke viel deutlicher sehen könnt, falls ihr daran interessiert seid). Leider gibt die Marke mir keinen Anhaltspunkt, wann genau sie diese Masken herstellten, unsere muß jedoch aus den frühen 60ern sein.


Wollt ihr noch mehr dazu lesen? Die interessantesten Artikel (das ist aber nur meine Meinung) sind leider nur auf Englisch.
So gibt es von diesem Hersteller - Felice Calchi - zwei Posts hier und hier.
Dann wäre da noch dieser Artikel aus der New York Times.
Ich könnte noch viel mehr auflisten, aber ich denke, die findet ihr leicht selber, wenn ihr mal ein bißchen Zeit habt.

Also - sehen wir uns nächstes Mal bei "Nostalgie"? :-)