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Donnerstag, 16. Oktober 2025

Stummfilme - Sein letzter Befehl

Manchmal ist meine Wahl von Stummfilmen ziemlich willkürlich, aber das hier könnte der Höhepunkt sein. Ich kam dazu, als ich etwas anderes auf meinem liebsten Stummfilmblog nachschaute und von einem Link zu einem Post über den Mythos, daß Stummfilmdarstellerinnen und -darsteller ihren Job wegen ihrer Stimmen verloren, als der Tonfilm kam. In diesem Post wurde William Powell erwähnt, also schaute ich nach einem Stummfilm mit ihm und landete bei dem hier, ohne eine Ahnung, ob das eine gute Idee war oder nicht. Schauen wir doch mal.

Gemeinfrei


Der Film ist "Sein letzter Befehl" von 1928, von Josef von Sternberg. Wahrscheinlich erinnert ihr euch nicht daran, aber ich hatte echt Probleme mit dem einzigen anderen Sternberg-Film, den ich bis jetzt kenne, "Die große Zarin" über Katharina die Große.
Dieser ist unserer Zeit aber etwas näher. Wir springen zwischen dem Anfang der russischen Revolution 1917 und Hollywood im Jahr 1928.

Die Handlung, wie üblich mit Spoilern.

Lev Andreyev, ein russischer Regisseur in Hollywood, schaut sich für seinen neuen Film einen Stapel Schauspielerfotos an. Als er zum Bild von Sergious Alexander kommt, der behauptet, ein Cousin des Zars und ein ehemaliger kommandierender General zu sein, weist er seinen Assistenten an, den Mann einzustellen und mit einer Generalsuniform auszustatten. Man bekommt die Vorstellung, daß die beiden Männer eine gemeinsame Geschichte haben.
Alexander trifft zur Arbeit ein. Beim Schminken beschwert sich der Schauspieler neben ihm über sein Kopfschütteln und Alexander erzählt, daß es das Ergebnis eines großen Schocks ist. Seine Gedanken wandern in das kaiserliche Rußland von 1917 zurück.


Großherzog Sergius Alexander, ein General der russischen Armee, trifft zur Inspektion der Truppen ein. Man sagt ihm, daß die Revolutionäre die meisten der Vorräte abgefangen haben.
Zwei dieser Revolutionäre beobachten Alexander von einem oberen Fenster aus, Lev Andreyev und Natalie Dobrova. "Laß ihn doch noch etwas herumstolzieren! Seine Tage sind gezählt!" meint Lev zu Natalie.


Dann werden sie zu einer Paßkontrolle am nächsten Tag aufgefordert. Alexander befragt sie persönlich, weil er von Natalies Aussehen angetan ist. Als er Levs Mut bezweifelt, gibt der ihm Kontra. Alexander schlägt ihn mit einer Gerte ins Gesicht und läßt ihn einsperren. Natalie aber wird ins Hauptquartier eingeladen, weil sich der General ganz offensichtlich in sie verguckt hat.
Vor einem Abendessen beschenkt er sie sogar mit einer Perlenkette, während seine Offiziere an der Tür lauschen.


Während des Essens erhält Alexander einen Anruf. Der Zar will die Front besuchen und eine Offensive sehen, aber sehr zur Überraschung aller am Tisch lehnt der General es ab, Soldaten zur Unterhaltung des Zars zu opfern.
Inzwischen sehen wir, wie sich ein Soldat im Gefängnis gegen die anderen Soldaten wendet und so Lev und den anderen Gefangenen die Flucht ermöglicht.

Nach dem Essen lädt Natalie den General auf Kaffee in ihr Zimmer ein. Sie plant, ihn zu erschießen, bringt es aber nicht fertig. Als er fragt, warum sie ihn nicht erschossen hat, antwortet sie, daß sie niemanden töten könnte, der Rußland so sehr liebt wie er. Alexander verkündet, daß sie nun seine Kriegsgefangene ist ... und Gefangene der Liebe (ich gestehe gern, daß ich dabei die Augen verdreht habe).

Als nächstes besteigen der General, seine Männer und Natalie einen Zug. Sie wissen nicht, daß die Zugführer Bolschewiken sind. Sie halten in der nächsten Stadt und der Zug wird übernommen.
Natalie wendet sich gegen den General und verlangt, daß er den Zug bis Petrograd, wo er gehängt werden soll, anheizt.


Als sie aber eine Gelegenheit hat, steckt sie ihm die Perlenkette zu, damit er das Land verlassen kann, und als einer der Revolutionäre aufwacht - es floß viel Wodka - umarmt sie ihn, damit er nicht sieht, wie Alexander flüchtet. Der Mann glaubt, sie sagt ihm, daß sie ihn liebt, aber ihre Blicke sind beim General.
Er schlägt den Heizer mit der Kohlenschaufel nieder und springt aus dem Zug.
Vor seinen Augen entgleist der Zug auf der Brücke und stürzt in den eisigen Fluß, mit seiner großen Liebe. Das war der große Schock, der sein Kopfschütteln verursacht hat. 

Zurück nach Hollywood.
Lev ist entschlossen, sich zu rächen und Alexander zu erniedrigen. Er gibt ihm eine Gerte und einen Mantel, der dem, den er vor Jahren getragen hat, sehr ähnlich ist, dann bringt er in in eine Szene im Schützengraben. Er befiehlt der Crew, die russische Nationalhymne zu spielen.
Vorher hat er einen Statisten angewiesen, den General anzuschreien, daß die Soldaten des Kämpfens überdrüssig sind.
"Du hast deinen letzten Befehl gegeben! Ein neuer Tag ist angebrochen! Nieder mit deinem Rußland!"
In diesem Moment ergreift der Wahnsinn Besitz von Alexander. Er schlägt den Statisten mit der Gerte und greift nach der Flagge. Sein Gehirn zeigt ihm die Erinnerungen an die Revolutionäre.
"Der Befehl heißt vorwärts -- zum Sieg - Lang lebe Rußland!"
Dann greift er sich an die Brust und fällt um.
Von Lev gehalten fragt er "Haben wir gewonnen?", was Lev bejaht, bevor Alexander in seinen Armen stirbt.


Als Levs Assistent meint, er wäre ein großer Schauspieler gewesen, erwidert der Regisseur "Er war mehr als ein großer Schauspieler - er war ein großer Mann."

Alsooo. War es eine gute Idee, den Film anzuschauen?
Wäre es mir hauptsächlich um William Powell gegangen, wahrscheinlich nicht so sehr, denn so viele Szenen hatte er nicht.
Außerdem bin ich kein Fan von Filmen, in denen es um Krieg und Militär geht, aber irgendwie hatte ich doch etwas weniger 1918 und etwas mehr 1928 erwartet. Damit lag ich auf jeden Fall falsch.

Die Handlung wurde von einer tatsächlich geschehenen Geschichte inspiriert, die Ernst Lubitsch einen Zeitungskolumnisten erzählte. Dabei ging es um einen ihm bekannten russischen General, der vor der Revolution floh und ein Restaurant eröffnete, dann aber gezwungen war, als Statist in Hollywood zu arbeiten, um zu überleben.

Der Film war äußerst dramatisch, nicht nur wegen der Handlung, sondern auch wegen Jannings. Ich hatte das von dem, was ich über ihn gelesen hatte, schon erwartet, hatte ihn bisher aber nur in einer Komödie gesehen.
Zu dieser Zeit galt er als der beste Schauspieler der Welt und er bekam für diesen Film (und einen weiteren, der verschollen ist) einen Oscar.
Obwohl er mir etwas zuviel war, war es dennoch beeindruckend, wie er den General vorher und nachher darstellte, und das Ende war toll.

Trotzdem hatte ich ein Problem mit der Liebesgeschichte. Ich möchte nicht oberflächlich klingen, indem ich sage, daß ich mir nicht vorstellen, wie sich eine junge Frau wie Natalie in einen älteren Mann verliebt. Was ich mir aber wirklich nicht vorstellen kann ist, wie schnell sie dem Feind verfiel, weil er eine Sache richtig machte, indem er dem Zaren seinen Wunsch abschlug. In dem Moment war also alles andere vergessen? Tut mir leid, das konnte ich ihr einfach nicht abkaufen. Außerdem war es für den General in Ordnung, daß sie nur einen Moment zuvor noch geplant hatte, ihn zu ermorden? Er hatte die schlecht versteckte Pistole gesehen, wie konnte er sich so sicher sein, daß sie ihn nicht erschießen würde?
Und sie liebte ihn nicht nur, sondern sie liebte ihn so sehr, daß sie ihr eigenes Leben riskierte, indem sie ihm zur Flucht verhalf? Denn wißt ihr, ich glaube nicht, daß es ihre Kameraden so locker aufgenommen hätten, wenn sie das herausbekommen hätten. Zum Glück bekamen sie aber nie die Gelegenheit dazu, weil sie alle ertranken. Oh wartet mal, das ist ja nicht besser. Vielleicht hätte jemand dem Zugführer den Wodka wegnehmen sollen, damit er nicht eingeschlafen wäre?

Ich sage ja nicht, daß der Mittelteil nur schlecht war, aber für meinen Geschmack war es dennoch zu viel und zu lang. Alle waren sehr leidenschaftlich, es wurde laut gelacht, dramatisch geweint, eine Menge geschrien und es gab viele entweder grüblerische oder stechende Blicke.
Ich hätte gern etwas weniger davon und stattdessen etwas mehr Hintergrund gehabt. Wie schaffte es Lev, in die USA zu kommen und sich einen Job als Regisseur zu sichern (vielleicht Beziehungen, da er ja Theaterregisseur in Rußland gewesen war?)? Hatte er das Land direkt nach dem Gefängnisausbruch verlassen? Warum hatte er nicht versucht, es zurück zur Revolution zu schaffen? Wie kam Alexander in die USA und wie wurde ein schlecht bezahlter Schauspieler aus ihm?

Oh, und warum genau nannte Lev den General am Ende einen großen Mann? Was hatte er denn getan, daß Lev ihm plötzlich vergab? Sorry, das ergab für mich keinen Sinn. Es ist in Ordnung für mich, daß er sich nicht an seinem Tod ergötzte, ich würde ein gewisses Mitleid mit seinem Absturz und Ende von jemandem, der mehr Glück hatte, verstehen, aber von "ich brauche irgendwie Rache" zu "er war ein großer Mann"?

Ein Teil ist Satire auf das damalige Hollywood, die Mengen von Schauspielern, die vor dem Tor auf ihre Chance warten, die Art, wie die Outfits ausgeteilt werden, von Haufen an Kleidung, Stiefeln, Gewehren, aber wie erwähnt, ist es eben nur ein ziemlich kleiner Teil.
Ich bin mir nicht ganz sicher, was der andere Teil ist. Sollen wir auf der Seite des Zaren sein? Die Zeiten waren unter seiner Herrschaft auch nicht gerade nett, wenn man nicht zur russischen Aristokratie gehörte.
Oder geht es einfach nur um Alexander als Mann? Einen Mann, über den wir nicht wirklich viel wissen, auf keinen Fall genug, um ihn als großen Mann zu bezeichnen.

Nochmal, war es eine gute Idee, den Film anzuschauen?
Ja. Ich mag ihn zwar nicht lieben, aber ich hasse ihn auch nicht, und eine Erfahrung war er allemal wert.


Quellen:

1. Fritzi Kramer: The Last Command (1928) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 28. Juli 2015
2. Scott Nye: Scott Reviews Josef von Sternberg's The Last Command [Masters of Cinema Blu-Ray]. Auf: CriterionCast, 12. August 2016
3. Alistair Nunn: The Last Command (1928). Auf: Movie Musings, 9. November 2023

Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Donnerstag, 11. September 2025

Stummfilme - Der Mann, der lacht

Heute habe ich euch einen weiteren Film des deutschen expressionistischen Filmemachers Paul Leni (der letzte war "Das Wachsfigurenkabinett") mitgebracht - "Der Mann, der lacht" von 1928, der auf Victor Hugos Roman mit demselben Titel (L'homme qui rit) basiert.

Filmposter,
Public Domain über
Wikimedia Commons

Die Geschichte beginnt grausig, nur um euch vorzubereiten, aber tatsächlich ist das nicht wirklich ein Horrorfilm, auch wenn das ein Publicitybild ist. Ihr werdet sehen warum.

Erinnert er euch an jemanden?

Hier ist die Handlung mit Spoilern, tut mir leid, sie ist recht kompliziert, der Film ist fast zwei Stunden lang.

England, 17. Jahrhundert.
Bevor Lord Clancharlie, ein Adliger im Exil, auf Befehl von King James II. hingerichtet wird, informieren er und sein Hofnarr Barkilphedro ihn, daß sein kleiner Sohn, wegen dem er zurückgekommen ist, vom Comprachico-Chirurgen Hardquannon entstellt wurde, indem er ihm ein Grinsen ins Gesicht geschnitten hat. (Comprachicos, ein Begriff, der von Hugo geprägt wurde, wahrscheinlich sollen es Romani sein, wurde nachgesagt (die Betonung liegt auf "nachgesagt", wir wissen ja heute noch, wie sich solche Gerüchte verbreiten), daß sie Kinder verkrüppelten und entstellten, um sie dann in Freakshows, auf Jahrmärkten oder sogar an Höfen auftreten zu lassen, und ja, falls ihr an den Joker aus den DC-Comics erinnert wurdet, dieser Film
war die Inspiration dafür.) Sein Besitz fällt an die Herzogin Josiana.
Als der König die Comprachicos später verbannt, lassen sie den Jungen Gwynplaine zurück. Als er sich seinen Weg durch einen Schneesturm kämpft, trifft er auf eine tote Mutter, die ein Baby hält, und rettet das Mädchen. Ursus, ein Philosoph und Schausteller, der mit seinem Wolf Homo zusammenlebt, nimmt sie beide auf und bemerkt, daß das Baby blind ist. Er nennt sie Dea.

Jahre später reisen sie zusammen und Gwynplaine, "Der lachende Mann" genannt, und Dea treten in Stücken auf, die Ursus schreibt. Gwynplaine ist in Dea verliebt, fühlt sich ihrer Liebe aber unwürdig. Die meiste Zeit versteckt er seinen Mund unter einem Schal, seinem Mantel oder seiner Hand, selbst ihr gegenüber.


 
Hardquanonne ist nach England zurückgekommen und erkennt Gwynplaine auf dem Jahrmarkt. Er schickt Josiana einen Brief, um ihr mitzuteilen, daß er den rechtmäßigen Erben ihres Besitzes gesehen hat und für sein Schweigen bezahlt werden will. Barkilphedro, der nun Agent am Hofe ist, bekommt den Brief in die Finger und leitet ihn an Queen Anne weiter, die Josianas respektloses Betragen ihr gegenüber nicht schätzt.

In der Zwischenzeit hat Josiana Gwynplaine auf dem Jahrmarkt gesehen und lädt ihn mit der Absicht, ihn zu verführen, zu sich ein, obwohl sie verlobt ist. Gwyplaine geht hin, nur um zu sehen, ob eine sehende Frau tatsächlich von ihm angezogen sein könnte, was dann bedeuten würde, daß er auch Deas Liebe würdig sein könnte.
Josianas Annäherungsversuche werden unterbrochen, als sie ein Dekret der Königin erhält, in dem steht, daß Gwynplaine der rechtmäßige Lord Clancharlie ist und sie ihn wegen des Besitzes heiraten muß. Sie bricht in hysterisches Gelächter aus und Gwynplain, der denkt, daß sie ihn auslacht, läuft zutiefst verletzt davon.


Als er zu Dea zurückkommt, läßt er sie das allererste Mal sein Lächeln ertasten. Sie akzeptiert ihn so wie er ist und er ist endlich glücklich.
Gerade da wird er verhaftet und ins Gefängnis gebrahct. Ursus folgt den Wachen und als ein Sarg herausgebracht wird - es ist der von Hardquanonne, der ebenfalls verhaftet worden war - denkt er, daß Gwynplaine tot ist.
Barkilphedro bestätigt dies, als er Ursus mitteilt, daß er uns seine Truppe aus dem Land verbannt sind.
In Wirklichkeit ist Gwynplaine frei und wird zum Oberhaus gebracht, um ein Peer zu werden. Die Lords sind empört über den Clown, von dem sie glauben, daß er die Königin und sie auslacht. Als sie aber sein Gesicht sehen, lachen sie ihn alles aus, und er verweigert die Heirat mit Josiana und entkommt.
Als er von der Verbannung von Ursus und Dea hört, folgt er ihnen zu den Docks, von Barkilphedros Männern verfolgt, mit der Hilfe der Dorfbewohner gelingt es ihm jedoch, die Docks zu erreichen, die das Schiff bereits verlassen hat. Homo hört jedoch seine Schreie, die Dea gelten, springt vom Schiff und zerfleischt Barkilphedro, gerade als er versucht hat, Gwynplaine anzugreifen.
Gwynplaine und Homo schwimmen zum Schiff und werden an Bord gezogen. Glücklich mit Ursus und Dea wiedervereint segeln sie davon.


Zunächst mal, ich habe das Buch nicht gelesen und werde es auch nicht tun. Es hat kein Happy End und ich war so froh, daß der Film eins hatte, weil ich wirklich mit Gwynplaine mitfühlte.

Ich habe Conrad Veidt schon zuvor erwähnt, er war der Schlafwandler Cesare in "Das Cabinet des Dr. Caligari" und Ivan der Schreckliche in "Das Wachsfigurenkabinett" und übrigens auch Lord Clancharlie in diesem Film.
Um das Grinsen zu erzeugen mußte Veidt einen Einsatz tragen, bei dem seine Mundwinkel durch Haken zurückgezogen wurden, um die übergroßen Zähne zu entblößen. Es muß extrem unbequem gewesen sein und hinderte ihn am Sprechen. Er mußte seine Emotionen mit dem Rest seines Gesichts darstellen, da er seinen Mund nicht bewegen konnte, und oh Mann, das hat er getan.
Ich hatte Veidts Blick schon im Post über "Das Wachsfigurenkabinett" erwähnt, er hatte tolle Augen und auch hier wirkten sie auf mich. Man konnt wirklich den Schmerz fühlen, den Gwynplaine durchlebte.
Ursprünglich war die Rolle nach seinen Filmen "Der Glöckner von Notre Dame" und "Das Phantom der Oper" für Lon Chaney gedacht, aber er hatte das Studio verlassen, also ging sie stattdessen an Veidt.

Im Gegensatz zu Chaneys Filmen war "Der Mann, der lacht" kein Erfolg an der Kinokasse. Kritiker fanden ihn zu grausam und das Publikum schloß sich an. Nehmt aber das Grinsen weg, dann ist der Film wirklich kein Horror, er ist, wie Roger Ebert so passend sagt, "ein Melodram, manchmal sogar ein Mantel-und-Degen-Film, der aber so in expressionistischer Schwermut schwelgt, daß er wie ein Horrorfilm wirkt".
Ich fand, es ging einfach um einen Mann, der sich nach Liebe und Akzeptanz trotz seines Aussehens sehnt.

Mary Philbin als Dea hat mich nicht so besonders beeindruckt, natürlich war ihre Rolle aber eingeschränkt. Es war 
das zweite Mal, daß ich sie gesehen habe, obwohl ich mich nur vage daran erinnere, daß ich auch in "Das Phantom der Oper" nicht von ihre beeindruckt war.
Die andere Frau aber - Duchess Josiana -, ernsthaft, ich fand sie von Anfang an total gruselig und ich könnte euch nicht mal sagen warum. Es war nicht die Rolle des verführerischen Vamps, es war nicht mal die perverse Art und Weise, in der sie Gwynplaines Grinsen zu einem Fetisch zu machen scheint, was ihn offensichtlich erschreckt und verletzt. Irgendetwas war einfach komisch an ihr.


Der ränkeschmiedende Barkilphedro war mir auch gruselig, aber auf andere Art. Er gibt einen sehr guten und zutiefst abscheulichen Bösewicht ab und es ist durchaus möglich, daß ich laut "Ja!" gerufen habe, als ihn Homo am Schluß erwischt.


Ich fand sowieso, daß Homo ganz klar der Held des Films war.
Ich hielt den Film sogar an, um "Does the dog die?" zu checken, weil ich Barkilphedro durchaus zutraute, irgendetwas Böses in der Hinsicht zu tun. Es war wirklich recht befriedigend, daß es andersherum ausging.

Ursus neigt den ganzen Film über dazu,
den Blick mit den weit aufgerissenen Augen zu übertreiben,
er ist höchst dramatisch.

Die einzige Beschwerde, die ich über den Film habe, der mir besser gefallen hat, als ich erwartet hätte - ich wußte echt nicht, daß es kein Horror war, was nicht mein Lieblingsgenre ist - ist, daß er etwas kürzer hätte sein können, ohne daß er dabei etwas verloren hätte.
Oh, okay, und Gwynplaine's Frisur war hinten sehr seltsam, das lenkte mich in manchen Szenen ein wenig ab.
Definitiv eine Empfehlung von mir.


Ausgewählte Quellen (englischsprachig):

1. Roger Ebert: The Man Who Laughs. Auf: RogerEbert.com, 18. Januar 2004
2. Matthew Beck: The Man Who Laughs (1928). Auf: The Movie Screen Scene, 1. Mai 2020


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.